Aus der Wörtersammlung: amerika

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japan

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romeo : 18.22 UTC — Boh­u­mil Hra­bal notiert in sei­nen Arbeits­hef­ten, er sei mit allem, was sich vor sei­nen Augen abspie­le, unver­züg­lich durch einen fes­ten Schlauch ver­bun­den, wie das Kind durch die Nabel­schnur mit dem Leib sei­ner Mut­ter. — Auch mei­ne Schreib­ma­schi­ne scheint, wäh­rend ich notie­re, der elek­tri­schen Welt mit­tels hun­der­ter Ping – Fäden ver­bun­den zu sein. Ihre heim­li­chen Bli­cke. Oder heim­li­che Bli­cke zu ihr hin. Um 18:15 Uhr MEZ mel­det mein Netz­werk­mo­ni­tor 1180 akti­ve Ver­bin­dun­gen in alle Welt: nach Chi­na, in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, nach Aus­tra­li­en, Schwe­den, Däne­mark, Argen­ti­ni­en, Kana­da, Irland, Ita­li­en, Rumä­ni­en, Russ­land, Japan. stop —  Beun­ru­hi­gen­de Geschich­te. — stop
ping

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rose No 2

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india : 22.58 UTC — In einem schat­ti­gen Laden nahe der Roo­se­velt Island Tram­way Basis­sta­ti­on West war­te­te ein­mal ein alter Mann hin­ter einem Tre­sen. Er war ver­mut­lich ame­ri­ka­ni­scher Staats­bür­ger chi­ne­si­schen Ursprungs. Als ich von dem klei­nen Park her, des­sen Lin­den­bäu­me Küh­le spen­de­ten, in den Laden trat, ver­beug­te sich der Mann, grüß­te, er kann­te mich bereits, wuss­te, dass ich mich für Schne­cken inter­es­sie­re, für Was­ser­schne­cken prä­zi­se, auch für wan­dern­de See­ane­mo­nen­bäu­me, und für Pra­li­nen, die unter der Was­ser­ober­flä­che, also im Was­ser, hübsch anzu­se­hen sind, schwe­ben­de Ver­su­chun­gen, ohne sich je von selbst auf­zu­lö­sen. An die­sem hei­ßen Som­mer­abend kamen wir sofort ins Gespräch. Ich erzähl­te dem alten Mann, ich wür­de nach einem beson­de­ren Geschenk suchen für ein Kie­men­mäd­chen namens Rose. Sie sei zehn Jah­re alt und nicht sehr glück­lich, da sie schon lan­ge Zeit den Wunsch ver­spür­te, wie ande­re Kin­der ihres Alters zur Schu­le zu gehen, leib­haf­tig am Unter­richt teil­zu­neh­men, nicht über einen Bild­schirm mit einem fer­nen Klas­sen­raum ver­bun­den. Ich glau­be, ich war genau zu dem rich­ti­gen Zeit­punkt in den Laden gekom­men, denn der alte, chi­ne­sisch wir­ken­de Mann, freu­te sich. Er mach­te einen hel­len, pfei­fen­den Ton, ver­schwand in sei­nen Maga­zi­nen, um kurz dar­auf eine Rei­he von Spiel­do­sen auf dem Tre­sen abzu­stel­len. Das waren Wal­zen- und Loch­plat­ten­spiel­do­sen mit Kur­bel­wer­ken, die der Ladung einer Feder­span­nung dien­ten. Vor einer Stun­de gelie­fert, sag­te der alte Mann, sie machen schau­er­lich schö­ne Geräu­sche im Was­ser! Man kön­ne, setz­te er hin­zu, sofern man sich in dem­sel­ben Was­ser der Spiel­do­sen befän­de, die fei­nen Stö­ße ihrer mecha­ni­schen Wer­ke über­all auf dem Kör­per spü­ren. Bald leg­te er eine der Dosen in ein Aqua­ri­um ab, in wel­chem Zwerg­see­ro­sen sie­del­ten. Kurz dar­auf fuhr ich mit der Tram nach Roo­se­velt Island rüber. Das Musik­werk, Ben­ny Good­man, das ich für Rose erstan­den hat­te, war in das Gehäu­se einer Jakobs­mu­schel ver­senkt. Die Schne­cke leb­te, wes­we­gen ich tropf­te, weil der Beu­tel, in dem ich Roses Geschenk trans­por­tier­te, über eine undich­te Stel­le ver­füg­te. Gegen Mit­ter­nacht, ich war gera­de ein­ge­schla­fen, öff­ne­te tief in mei­nem rech­ten Ohr knis­ternd eine Zwerg­see­ro­se ihre Blü­te. — stop
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hidschab

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char­lie : 22.25 UTC — Ein­mal erzähl­te M., sie tra­ge ein Woll­häub­chen unter ihrem Kopf­tuch. Dass M. mit einem Mann, der weder mit ihr ver­wandt noch ihres Glau­bens ist, über ihr Kopf­tuch sprach, war viel­leicht des­halb mög­lich gewor­den, weil wir jah­re­lang immer wie­der ein­mal über ame­ri­ka­ni­sche Fil­me dis­ku­tier­ten, M. ist näm­lich eine her­vor­ra­gen­de Ken­ne­rin des ame­ri­ka­ni­schen Kinos, aber sie will nie­mals natür­lich dort­hin nach Ame­ri­ka rei­sen, eine selt­sa­me Geschich­te. Ihre Kopf­tü­cher, die alle­samt far­ben­froh sind, sei­en gewöhn­li­che Tücher, sag­te M., 90 × 90 cm. Ich dür­fe sie nie­mals unge­fragt foto­gra­fie­ren, das sei ähn­lich wie ihr die Hand zu geben, ich darf ihre Hand nicht ergrei­fen, sie reicht mir die Hand, wenn sie mir die Hand geben will, sie habe nicht eigent­lich ein Pro­blem damit, mir die Hand zu geben, es darf aber nie­mand beob­ach­ten, der über sie des­halb urtei­len wür­de. Bur­ka, sag­te M., das gehe gar nicht, man kann eine Bur­ka­trä­ge­rin nicht foto­gra­fie­ren, nur die Bur­ka. Ja, dass M. mit einem Mann, der weder mit ihr ver­wandt noch ihres Glau­bens ist, über ihr Kopf­tuch noch immer spricht, ist viel­leicht des­halb mög­lich gewor­den, weil wir uns seit der­art lan­ger Zeit begeg­nen, dass ich ihr Kopf­tuch nicht mehr bemer­ke. — stop

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seawolf

picping

MELDUNG. In der Nacht zum Mon­tag bereits haben acht wei­ße Wale vor Qas­si­mi­ut (Grön­land) ein US-ame­ri­ka­ni­sches Unter­see­boot der See­wolfs­klas­se auf das Schreck­lichs­te miss­han­delt. Das Wrack, men­schen­leer, wird zur Behand­lung nach Saint Johns (Neu­fund­land) geschleppt. — stop

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nasengeschichte

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echo : 22.56 UTC — Auf mei­ner Nase wur­de zufäl­lig ein Haar ent­deckt, ein Haar für sich, ein ein­zel­nes Haar, kein Bewuchs in dem Sin­ne von Wald, aber doch eben ein Haar wie ein Baum. Kurz nach­dem ich die Mel­dung von der Ent­de­ckung des Haa­res ent­ge­gen­ge­nom­men hat­te, habe ich das Haar ent­fernt, kein Schmerz, aber Ver­wun­de­rung, weil ich doch sehr lan­ge Zeit ohne Haar auf mei­ner Nase leb­te. Ich frag­te mich, wie ich die­ses Haar über­se­hen konn­te, es soll sich um ein durch­aus gut sicht­ba­res Haar gehan­delt haben, ein sil­ber­grau­es Gewächs. Nun also mor­gens fort­an der kon­trol­lie­ren­de Blick zu mei­ner Nasen­spit­ze hin. Eigent­lich woll­te ich eine ganz ande­re Geschich­te erzäh­len an einem Tag, da die Bör­sen­kur­se stür­zen, weil sich der 49. Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka in einer Wei­se äußer­te, dass man für mög­lich hält, er könn­te Atom­waf­fen zün­den. — stop

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samarkand

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echo : 0.28 UTC — Am Tele­fon erzähl­te unlängst eine Freun­din, die 32 Jah­re län­ger lebt als ich selbst, sie höre mir gern zu, auch dann, sag­te sie, wenn du schnell sprichst. Sie gehe manch­mal kurz in die Küche und mache sich einen Tee oder lese in einem Buch über die Stadt Samar­kand. Hin und wie­der ste­he sie auf dem Bal­kon und betrach­te den Abend­him­mel, das Tele­fon ruhe indes­sen stets in Hör­wei­te auf dem Wohn­zim­mer­tisch. Ich ver­neh­me Dich also, lie­ber Lou­is, ich mag dei­ne Stim­me, aber Du soll­test ler­nen, Pau­sen zu machen, lang­sa­mer zu wer­den. Ich ant­wor­te­te: Ja, das ist gut, ich bin schon seit eini­gen Wochen in der Übung lang­sa­mer zu wer­den. Es ist sehr ange­nehm, lang­sam zu gehen und lang­sam oder gar nicht zu spre­chen. Fort­an wer­de ich, das ist ein Ver­spre­chen, immer wie­der ein­mal zu Hau­se oder unter­wegs eine Pau­se ein­le­gen. Dann frag­te ich: Was macht man denn so in einer Pau­se? — Es ist sehr schön wie mei­ne Freun­din lacht. Sie reist viel her­um, nach Ame­ri­ka, nach Paris, nach Jeru­sa­lem. — stop
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jonny

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ulys­ses : 6.25 UTC — Was für ein schö­ner Mor­gen unter Kas­ta­ni­en­bäu­men. Som­mer­fä­den trei­ben durch die war­me Luft. Atem­zü­ge der Spin­nen, der Fal­ter, der Käfer, sanft strei­fen sie durch Blü­ten­staub­wol­ken. In die­sem Moment, da ich mir ein Baum­mi­kro­skop erfin­de, höre ich aus dem Radio, der 45. Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka habe ver­sucht, Ermitt­lun­gen des FBI zu behin­dern. Das ist eine ziem­lich inter­es­san­te Geschich­te. Das Kurz­wort FBI war schon immer ein leuch­ten­des Wort. Wenn ich mich nicht irre, ist das so, dass ich in mei­nem wirk­li­chen Leben noch nie einem FBI – Beam­ten begeg­net bin. Viel­leicht habe ich ein­mal in einer U‑Bahn, die in Rich­tung Coney Island fuhr, neben einem FBI – Beam­ten Platz genom­men, das ist mög­lich, ich habe ihn nicht bemerkt. Mit dem Wort FBI ist in mei­ner Erin­ne­rung zunächst ein hef­ti­ges Gespräch ver­bun­den, wel­ches ich ein­mal in mei­ner Kind­heit mit einem Jun­gen namens Jon­ny führ­te, der war uni­for­miert und bewaff­net gewe­sen, zur Kar­ne­vals­zeit. Ich sag­te: Du, Jon­ny, Du bist Poli­zist! Er sag­te: Nein, ich bin vom FBI, und zück­te sei­ne Waf­fe. Seit etwa einer hal­ben Stun­de tra­ge ich die For­mu­lie­rung Sum­mer of Sam wie einen Stem­pel in mei­nem Kopf. War­um? — stop

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eine telefongeschichte

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hima­la­ya : 17.50 UTC — Ges­tern klin­gel­te mein Tele­fon, nein, wirk­lich, mein Tele­fon mel­de­te nicht nur einen Anruf, es klin­gel­te tat­säch­lich, weil ich einen Signal­ton ein­ge­stellt hat­te, der einem Klin­gel­ton der Tele­fo­ne mei­ner Kind­heit sehr ähn­lich ist. Mein Tele­fon ver­mag gleich­wohl zu zwit­schern oder zu sum­men oder zu trom­pe­ten, wie Ele­fan­ten spre­chen, aber wenn mein Tele­fon klin­gelt in der Wei­se mei­ner Kind­heit, mag ich das am liebs­ten, oder wenn es Ben­ny Good­man spielt, aber dann gehe ich nicht dran, dann hebe ich nicht ab, dann höre ich zu und tan­ze ein wenig in der Woh­nung her­um bis die Vögel an mein Fens­ter klop­fen: Lou­is komm, die Arbeit war­tet! — Ges­tern also klin­gel­te mein Tele­fon. B. mein Paten­kind, war in der Lei­tung, und ich freu­te mich sehr, weil ich ein hal­bes Jahr nichts von ihr gehört hat­te. Kannst du dich erin­nern an unse­re Affen­ge­schich­te? Oh, ja, sag­te B., da habe ich mich gefürch­tet, da war ich noch klein. Es ist inter­es­sant, fuhr sie fort, ich fürch­te mich vor der Geschich­te noch immer, obwohl ich schon erwach­sen gewor­den bin. B. erzähl­te noch ein wenig von Ber­lin und von New York, und als sie auf­ge­legt hat­te, such­te ich nach einer Notiz der Affen­ge­schich­te, die schon so lan­ge Zeit in der Ver­gan­gen­heit liegt, dass B. bald selbst ein­mal von Affen erzäh­len wird. Die Geschich­te geht so: Ein­mal, früh­mor­gens, kam ein schläf­ri­ges Mäd­chen zu mir in die Küche, setz­te sich auf mei­ne Knie und sag­te: Du, Lou­is, ich muss Dir was erzäh­len. Ein Mann lebt in Ame­ri­ka. Er lässt sich sei­nen Kopf abneh­men und auf einen Affen ver­pflan­zen. – War­um, frag­te ich, will der Mann das tun? – Bei dem Mann lebt nur noch der Kopf, antwor­tete das Mäd­chen und gähn­te. – War­um nur noch der Kopf, frag­te ich. – Er ist gelähmt. – Und der Affe? – Der Affe nicht. – Was geschieht mit dem Kopf des Affen? – Weiß nicht, sag­te das Mäd­chen, und stürm­te davon. — stop

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ai : HAITI

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MENSCHEN IN GEFAHR: „Die Men­schen­rechts­ver­tei­di­ger David Boni­face und Juders Yse­mé fürch­ten nach dem plötz­li­chen Tod ihres Kol­le­gen Nis­sa­ge Mar­tyr um ihr Leben. Nis­sa­ge Mar­tyr starb einen Tag, nach­dem die drei in den USA gegen Jean Moro­se Vili­ena, den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter ihrer Hei­mat­stadt in Hai­ti, Kla­ge wegen schwe­rer Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ein­ge­reicht hat­ten. Die Män­ner berich­ten seit 2007 von wie­der­hol­ten Mord­dro­hun­gen und Angrif­fen durch den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter. Sie müs­sen daher ange­mes­se­nen Schutz erhal­ten. / Am 22. März reich­ten David Boni­face, Juders Yse­mé und Nis­sa­ge Mar­tyr Kla­ge gegen Jean Moro­se Vili­ena, den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter ihrer Hei­mat­stadt Les Irois im Süd­wes­ten von Hai­ti, bei einem Bun­des­ge­richt in Bos­ton im Nord­os­ten der USA ein. Die Kla­ge wur­de in den USA ein­ge­reicht, weil Jean Moro­se Vili­ena Anfang 2009 in die USA geflo­hen war, nach­dem die hai­tia­ni­schen Behör­den wegen des Mor­des an David Boni­faces Bru­der im Jahr 2007 und eines Angriffs auf den Gemein­de­ra­dio­sen­der im Jahr 2008 ein Straf­ver­fah­ren gegen ihn ein­ge­lei­tet hat­ten. Bei die­sem Angriff ver­lor Nis­sa­ge Mar­tyr ein Bein und Juders Yse­mé ein Auge. Die drei Män­ner wer­fen Jean Moro­se Vili­ena vor, dass er für eine Rei­he von Angrif­fen gegen sei­ne Kritiker_innen ver­ant­wort­lich ist, dar­un­ter “Brand­stif­tung”, “außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tun­gen”, “ver­such­te außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tung”, “Fol­ter” und “Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit”. Die Ver­bre­chen wur­den auf sei­ne Anwei­sung hin von einer bewaff­ne­ten Grup­pe ver­übt, die mit sei­ner poli­ti­schen Par­tei in Ver­bin­dung steht. Am 24. März 2017, einen Tag nach­dem die Kla­ge gegen Jean Moro­se Vili­ena ein­ge­reicht wor­den war, erkrank­te Nis­sa­ge Mar­tyr plötz­lich schwer und starb auf dem Weg ins Kran­ken­haus von Les Irois. Sei­ne Fami­lie gibt an, dass er zuvor ganz gesund war. Mit Hil­fe ihrer Rechts­bei­stän­de for­dert die Fami­lie eine sofor­ti­ge unab­hän­gi­ge Aut­op­sie und umfas­sen­de Unter­su­chun­ge sei­nes Todes. Die ört­li­che Staats­an­walt­schaft hat zwar die Aut­op­sie geneh­migt, doch bis jetzt kei­ne Unter­su­chung auf­ge­nom­men. / David Boni­face und Juders Yse­mé sind Men­schen­rechts­ver­tei­di­ger und wer­den als Unter­stüt­zer der Par­tei Orga­ni­sa­ti­on du Peu­ple en Lut­te, einer Oppo­si­ti­ons­par­tei in Hai­ti, betrach­tet. Seit 2007 berich­ten die bei­den Män­ner und Nis­sa­ge Mar­tyr, dass Jean Moro­se Vili­ena und sei­ne Ver­bün­de­ten ihnen Mord­dro­hun­gen schi­cken und sie tät­lich angrei­fen und ver­sucht haben, sie zu töten, weil sie ihre legi­ti­me Arbeit als Men­schen­rechts­ver­tei­di­ger aus­füh­ren. Im Zuge des­sen haben sie das ers­te Gemein­de­ra­dio initi­iert sowie die straf­recht­li­che Ver­fol­gung von Jean Moro­se Vili­ena und sei­nen Ver­bün­de­ten ange­strebt, um der Gewalt in der Gemein­de ein Ende zu berei­ten. 2015 gewähr­te die Inter­ame­ri­ka­ni­sche Men­schen­rechts­kom­mis­si­on den drei Män­nern und ihren Fami­li­en Schutz­maß­nah­men, um ihre Sicher­heit zu gewähr­leis­ten. David Boni­face und Juders Yse­mé berich­te­ten Amnes­ty Inter­na­tio­nal, dass die hai­tia­ni­schen Behör­den auf­grund der gras­sie­ren­den Straf­lo­sig­keit im Land jedoch nichts unter­nom­men hät­ten, um die­sen Maß­nah­men Fol­ge zu leis­ten. Die bei­den Män­ner sind nach Nis­sa­ge Mar­tyrs Tod mit ihren Fami­li­en aus Les Irois geflo­hen, da sie um ihre Sicher­heit fürch­ten. Sie gaben an, dass der ein­zi­ge Weg zu Gerech­tig­keit ihre Aus­sa­ge gegen Jean Moro­se Vili­ena sei, doch dass sie ohne ange­mes­se­nen Schutz fürch­ten, getö­tet zu wer­den, noch ehe sie ihre Aus­sa­ge machen kön­nen.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 24. Mai 2017 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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im garten

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sier­ra : 18.01 UTC — Vater an einem Mon­tag, wie er im Arbeits­zim­mer vor sei­nem Com­pu­ter­bild­schirm sitzt. Er wür­de sich, wenn er noch leb­te, ganz sicher mit dem Inter­net ver­bun­den haben, um sehr auf­merk­sam einer Anhö­rung des U.S. Kon­gres­ses zu fol­gen, die sich der Fra­ge wid­me­te, ob der 45. Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka die Wahr­heit oder wis­sent­lich die Unwahr­heit erzähl­te, als er den 44. Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter eines schwe­ren Ver­ge­hens bezich­tig­te. Ich sehe, wie mein Vater sei­nen Kopf zur Sei­te neigt, er lauscht, er war­tet, es ist ein span­nen­der Tag. — Ich habe mei­nen Vater immer wie­der ein­mal beob­ach­tet, wie er las oder schlief oder an sei­nem Com­pu­ter arbei­te­te. Manch­mal dach­te ich, dass er nun wirk­lich alt gewor­den sei, obwohl ich ihn immer schon als einen alten Mann wahr­ge­nom­men hat­te, eben sehr viel älter als ich selbst. Ich erin­ne­re mich an einen Som­mer­abend, vor fünf Jah­ren. Mein Vater saß auf einem Stuhl in sei­nem Gar­ten. Vor ihm stand ein klei­ner Tisch und auf die­sem Tisch eine Fla­sche Was­ser mit einem Dreh­ver­schluss. Ich glaub­te damals, dass mein Vater mich nicht bemerk­te. Er schien mit der Fla­sche zu spre­chen. Er beug­te sich vor, hielt die Fla­sche mit der einen Hand fest, wäh­rend er mit der ande­ren Hand an ihrem Ver­schluss dreh­te. Aber die Fla­sche war nicht leicht fest­zu­hal­ten gewe­sen, ver­mut­lich des­halb, weil sich die Feuch­te der Luft auf ihr nie­der­ge­schla­gen hat­te. Also lehn­te sich mein Vater wie­der auf sei­nem Stuhl zurück und schloss die Augen. Ich neh­me an, er wird ein­ge­schla­fen sein. Als er wie­der erwach­te, war ich noch immer da und auch die Fla­sche stand noch immer auf dem Tisch. Mein Vater beug­te sich vor, nahm die Fla­sche und dreh­te an ihrem Ver­schluss. Erneut schien er sich mit der Fla­sche zu unter­hal­ten, ohne aber die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den, weil die Fla­sche sich noch immer dage­gen wehr­te, geöff­net zu wer­den. Also lehn­te sich mein Vater erneut zurück, er schüt­tel­te den Kopf. In die­sem Moment schweb­te eine Libel­le über den Tisch. Sie betrach­te­te mei­nen Vater, setz­te sich auf den Ver­schluss der Fla­sche und fal­te­te ihre Flü­gel. Ein Moment der Stil­le, des Frie­dens. Ein paar Zika­den waren zu hören, sonst nichts. Mein Vater war bald wie­der ein­ge­schla­fen, es wur­de dun­kel und die Libel­le ver­schwand. Als er erwach­te, saß ich unmit­tel­bar vor ihm. Ich hat­te die Fla­sche für ihn geöff­net und ein Glas mit Was­ser gefüllt. Mein Vater erzähl­te, dass er sich gewun­dert habe, war­um er die Fla­sche nicht öff­nen konn­te, er habe sie doch selbst zuge­dreht. — stop
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