Aus der Wörtersammlung: dach

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nachtechse

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alpha : 2.55 — Stellt Euch vor, eine Eidech­se, wil­des Tier, hockt seit bald zwei Stun­den auf mei­nem Küchen­tisch. Das wäre für sich genom­men schon eine bemer­kens­wer­te Geschich­te, weil ich recht weit oben woh­ne, die Fens­ter nicht geöff­net wur­den und auch kei­ner­lei fri­sche Geschenk­wa­re in den ver­gan­ge­nen Wochen bei mir ange­kom­men ist. Außer­or­dent­lich span­nend wird die klei­ne Geschich­te nun aber durch die Beob­ach­tung der zwei Köp­fe, über die das Wesen gebie­tet. Sie sit­zen vorn an dem Tier am Hals, der sich gabelt. Die Augen der Eidech­se gehen auf und zu, wie sie möch­te, alle auf ein­mal oder auch getrennt von­ein­an­der, es sind vier. Zwei Zun­gen natür­lich, die zün­geln, gemein­sam oder gar nicht oder auch sie unab­hän­gig von­ein­an­der. Ich über­leg­te nun, ob die Eidech­se von Geburt an über zwei Köp­fe ver­fügt haben könn­te, oder aber, wel­cher der eigent­li­che Kopf der Eidech­se gewe­sen sein dürf­te, der ers­te­re der Köp­fe oder der ori­gi­na­le Kopf, und wel­cher der zwei Köp­fe dem­zu­fol­ge der nach­ge­wach­se­ne Kopf gewe­sen müss­te. Ich habe wei­ter­hin dar­über nach­ge­dacht, ob es mög­lich wäre, einen der zwei Eidech­sen­köp­fe mit­tels einer Papier­sche­re zu ent­fer­nen, ohne dem klei­nen Tier viel­leicht weh zu tun. Das scheint aller­dings sehr unwahr­schein­lich zu sein, des­halb bleibt die Sche­re lie­gen. Unter der Lupe ist ein wei­te­rer Kopf viel­leicht schon sicht­bar, ich mei­ne eine Aus­buch­tung an der Schul­ter zu erken­nen, ich muss das wei­ter beob­ach­ten. — Kurz nach drei Uhr, weit vor Däm­me­rung. Ich soll­te noch ein paar Flie­gen fan­gen. Wenn man drin­gend Flie­gen braucht, sind nie­mals Flie­gen da. — stop

ping

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who is fred wesley?

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tan­go : 2.30 — Hei­te­rer Stim­mung war ich ges­tern Abend der Geschwin­dig­keit, mit wel­cher Waren, die ich kauf­te, an der Kas­se eines Super­mark­tes behan­delt wur­den, nicht gewach­sen, viel­leicht des­halb, weil ich über­haupt lang­sa­mer gewor­den bin, oder weil ich in dem Augen­blick, da mei­ne Ware über einen Scan­ner bewegt wur­de, dar­über nach­dach­te, ob es sich bei E‑Mails, die ich manch­mal schrei­be, noch um Wesen han­delt, die man als Schrift­stü­cke bezeich­nen könn­te. Ohne­hin droh­te ein Fias­ko, da sich die Waren, die gera­de in mei­nen Besitz über­ge­gan­gen waren, hin­ter dem Fließ­band inein­an­der scho­ben wie Pack­eis­schol­len auf dem Atlan­tik vor Grön­land. Eine jun­ge kolum­bia­ni­sche Assis­ten­tin kam glück­li­cher­wei­se bald zu Hil­fe, ich führ­te meh­re­re gefal­te­te Papier­tü­ten mit mir, die sehr sorg­fäl­tig bepackt wer­den muss­ten. Sie sprach nur weni­ge Wör­ter mei­ner Spra­che, und sie schwitz­te indes­sen und ver­such­te mir zu erklä­ren, dass es in ihrem Land noch viel wär­mer sei als bei uns in Euro­pa, aber dass sie dort, auch im Regen­wald nicht, nie­mals so hef­tig schwit­zen wür­de wie hier, die Kli­ma­an­la­ge sei aus­ge­fal­len, dass ich etwas lang­sa­mer sei als üblich, wäre gera­de­zu ver­nünf­tig. Ja, ver­mut­lich bin ich lang­sa­mer gewor­den, und ich dach­te, man könn­te ein­mal Schnell­kas­sen in dem Sin­ne beden­ken, dass dort rasen­de Men­schen mit rasen­den Hän­den rasen­de Geld­bör­sen bedie­nen, alles gin­ge dort so schnell, dass man als ein lang­sa­mer Mensch, auf der ande­ren Sei­te der Zeit befind­lich, nur noch Unschär­fen in der Luft wahr­neh­men wür­de, nicht aber ein­kau­fen­de Per­so­nen, wäh­rend einer wie ich als eine Foto­gra­fie erschei­nen wür­de, als Etwas, das sich nie­mals bewegt. — Kurz nach zwei Uhr. Wun­der­bar küh­le Luft. Who is Fred Wes­ley? — stop
guggenheim

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kym

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del­ta : 5.05 — Ges­tern Abend ent­deck­te ich einen Brief, den ich vor lan­ger Zeit ein­mal erhal­ten und damals nicht geöff­net hat­te. Im Brief befand sich ein von hand­schrift­li­chen Zei­chen bedeck­tes Stück Papier, wei­ter­hin eine Foto­gra­fie, die einen blü­hen­den Gar­ten zeigt. Außer­dem bewahr­te das Kuvert, wel­ches den Brief umhüll­te, eine hauch­dün­ne, in Sei­den­pa­pier ein­ge­schla­ge­ne Schei­be Christ­stol­lens, die stein­hart gewor­den war. Der Brief wur­de einst von mei­ner Groß­mutter auf den Weg gebracht, sie ist längst gestor­ben. Ich leg­te das Gebäck, – Rosi­nen, Anis, Zimt, Mar­zi­pan, Mohn, – vor­sich­tig auf einen Tel­ler ab, bald lan­de­ten Flie­gen auf der Zucker­schei­be. Kurz dar­auf näher­te sich eine Zebra­spring­spin­ne, sodass ich mit­tels mei­ner Lese­bril­le dra­ma­ti­sche Sze­nen beob­ach­te­te. — Däm­me­rung. Gro­ße Hit­ze unter dem Dach. Maceo Par­ker Shake ever­y­thing you’­ve got. — stop

tasche

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von zeppelinkäfern

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marim­ba : 2.28 — Für einen Moment dach­te ich heu­te Nacht an eine Geschich­te, die ich vor lan­ger Zeit ein­mal erzähl­te. Das war gegen 2 Uhr gewe­sen. Ich beob­ach­te­te aus meh­re­ren Metern Ent­fer­nung, wie ein Käfer, der einem Zep­pel­in­kä­fer ähn­lich war, sehr lang­sam durch mein Zim­mer schweb­te, um auf einer Tisch­lam­pe zu lan­den. Dort blieb er für eini­ge Minu­ten sit­zen. Sofort such­te ich nach jener Geschich­te, die von einem Zep­pel­in­kä­fer han­delt. Sobald ich sie gefun­den hat­te, segel­te der Käfer, der mich an mei­ne Notiz erin­nert hat­te, in die Dun­kel­heit davon, sodass ich ihn bei­na­he für die per­so­ni­fi­zier­te Erin­ne­rung die­ser einen Geschich­te hal­ten möch­te. Sie geht so: Ein selt­sa­mes Wesen schweb­te kurz nach 1 Uhr in der Nacht schnur­ge­ra­de eine unsicht­ba­re Linie über den höl­zer­nen Fuß­bo­den mei­nes Arbeits­zim­mers ent­lang, wur­de in der Mit­te des Zim­mers von einer Luft­strö­mung erfasst, etwas ange­ho­ben, dann wie­der zurück­ge­wor­fen, ohne aller­dings mit dem Boden in Berüh­rung zu kom­men. — Ein merk­wür­di­ger Auf­tritt. – Und die­ser groß­ar­ti­ge Bal­lon von opa­k­em Weiß! Ein Licht, das kaum noch merk­lich fla­cker­te, als ob eine offe­ne Flam­me in ihm bren­nen wür­de. Ich habe mich zunächst gefürch­tet, dann aber vor­sich­tig auf Knien genä­hert, um den Käfer von allen Sei­ten her auf das Genau­es­te zu betrach­ten. — Fol­gen­des ist nun zu sagen. Sobald man einen Zep­pel­in­kä­fer von unten her besich­tigt, wird man sofort erken­nen, dass es sich bei einem Wesen die­ser Gat­tung eigent­lich um eine fili­gra­ne, flü­gel­lo­se Käfer­ge­stalt han­delt, um eine zer­brech­li­che Per­sön­lich­keit gera­de­zu, nicht grö­ßer als ein Streich­holz­kopf, aber schlan­ker, mit acht recht lan­gen Ruder­bei­nen, gestreift, schwarz und weiß gestreift in der Art der Zebra­pfer­de. Fünf Augen in grau­blau­er Far­be, davon drei auf dem Bauch, also gegen den Erd­bo­den gerich­tet. Als ich bis auf eine Nasen­län­ge Ent­fer­nung an den Käfer her­an­ge­kom­men war, habe ich einen leich­ten Duft von Schwe­fel wahr­ge­nom­men, auch, dass der Käfer flüch­tet, sobald man ihn mit einem Fin­ger berüh­ren möch­te. Ein Wesen ohne Laut. – Guten Mor­gen! Heu­te ist Sonn­tag bei gro­ßer Hit­ze. — stop

drohne7

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onkel ludwig

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tan­go : 1.38 — Mein alter Onkel Lud­wig, der wirk­lich schon sehr alt ist, berich­tet, er habe errech­net, wenn er noch in der Lage wäre, jeden Tag 300 Sei­ten eines Buches zu lesen, wenn er außer­dem noch fünf Jah­re lesend erle­ben dürf­te, wür­de er, bei guter Füh­rung, 1825 wei­te­re Bücher zu sich neh­men. Das könn­te genü­gen, sag­te Onkel Lud­wig. Er ist übri­gens noch gut zu Fuß, man kann ihn mor­gens gegen 10 Uhr beob­ach­ten, wie er die Trep­pen zur Stadt­bi­blio­thek erklimmt. Er kommt mit der Stra­ßen­bahn dort an, heim­wärts, schwe­re Bücher­ta­schen tra­gend, nimmt er ein Taxi. Manch­mal sitzt er noch ein oder zwei Stun­den im Café Mozart, er liebt Käse­ku­chen und Mohn­schnit­ten von Her­zen. Ich glau­be, heu­te ist Mitt­woch, heu­te wird er ein Buch der Schrift­stel­le­rin Yoko Oga­wa zu sich neh­men, so ist sein Plan, in die­sem Buch soll ein Ele­fant auf dem Dach eines Kauf­hau­ses leben. Gera­de eben leich­ter Gewit­ter­re­gen. Das wird sicher sehr war­mes Was­ser sein, das vom Him­mel fällt. Guten Mor­gen! — stop

queenmary

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vom fotografieren

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hima­la­ya : 2.28 — Ges­tern Abend mach­te ich einen Spa­zier­gang durch die Stadt. Es war schön warm gewor­den, über den Opern­platz jag­ten ein paar Hai­füss­lie­re in Kopf­hö­he unter den fla­nie­ren­den Men­schen dahin, eine wirk­lich schö­ne dun­kel­blaue Stun­de. Und wäh­rend ich so ging, tele­fo­nier­te ich schein­bar, das heißt, ich hielt mein Mobil­te­le­fon an mein rech­tes Ohr, aber anstatt einer Stim­me zuzu­hö­ren, die gar nicht aus dem Tele­fon her­aus­kom­men konn­te, weil ich mit nie­man­dem ver­bun­den war, foto­gra­fier­te ich wild her­um, ohne frei­lich sehen zu kön­nen, was mir vor die Ohr­lin­se kam. Auf der Kai­ser­stra­ße mach­te ich in die­ser Wei­se heim­lich Auf­nah­men von einem Hüt­chen­spie­ler. Ich muss­te mich dazu seit­wärts zum Gesche­hen in mei­ner Nähe posi­tio­nie­ren. Jemand könn­te in die­sem Moment viel­leicht Ver­dacht geschöpft haben, als ich wei­ter­ging, wur­de ich beob­ach­tet, zwei Her­ren, die mir nicht gefie­len, beglei­te­ten mich. Sie kamen sehr nah an mich her­an. Um mich zu ret­ten, begann ich in mein Tele­fon zu spre­chen. Ich tat so, als ob ich irgend­je­man­dem eine Geschich­te erzäh­len wür­de. Ich berich­te­te von Häu­sern, die unter rie­si­gen Bal­lo­nen schwe­ben. Indes­sen ging ich nicht schnel­ler vor­an als üblich. Zwei­mal blieb ich ste­hen, und auch die zwei Män­ner blie­ben ste­hen. Am Lon­do­ner Platz fiel mir zu Bal­lon­häu­sern nichts mehr ein, ich gab dar­um eine Wei­le vor, selbst einer Geschich­te zuzu­hö­ren, nick­te immer wie­der, lach­te, dann frag­te ich mit fes­ter Stim­me, ob ich viel­leicht die Geschich­te von den Eis­bü­chern erzäh­len soll­te. Da lie­ßen, weiß der Him­mel, war­um, bei­de Herrn von mir ab. — stop
ping

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im nachtpark

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alpha : 4.52 — Ges­tern, am frü­hen Mor­gen, spa­zier­te ich im Ador­no Park. Die Vögel schlie­fen noch, bei­na­he Licht­lo­sig­keit. Wie ich so ging und über­leg­te, ent­deck­te ich eine Gestalt, die auf einer Bank unter einer Kas­ta­nie saß. Sie beweg­te sich nicht im min­des­ten und schien, obwohl doch kaum Licht exis­tier­te, in einer Zei­tung zu lesen. Auch die Zei­tung beweg­te sich nicht, viel­leicht weil kein Wind. Ein merk­wür­di­ger Anblick. Ich stand ganz still und war­te­te. Ich war­te ein oder zwei Minu­ten lang, dass sich die Gestalt auf der Bank für einen Moment bewe­gen möge, ein Lebens­zei­chen von sich geben, ein Geräusch viel­leicht. Ich dach­te noch, das könn­te ein selt­sa­mer Anblick sein für einen hin­zu­kom­men­den Beob­ach­ter, ein Mann, der reg­los auf einer Bank sitzt, wäh­rend er von einem wei­te­ren reg­los ste­hen­den Mann betrach­tet wird. Nun wird viel­leicht auch die­ser Beob­ach­ter stau­nend oder furcht­sam inne­hal­ten, was für eine selt­sa­me Sache. Zum Glück wird es bald hell wer­den, die Vögel wer­den erwa­chen und das Licht begrü­ßen, oder sie wer­den ganz still sein vor Ver­wun­de­rung, welch uner­hör­te Din­ge sich in ihrem Park ereig­nen. — Fünf Uhr zwei­und­fünf­zig in Pal­my­ra, Syria. — stop

ping

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timi

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nord­pol : 5.32 — Seit fünf Tagen bereits ver­su­che ich von einem Zim­mer zu träu­men, in dem es immer­fort reg­net. Ich mache das so, dass ich in den Minu­ten, da ich ein­zu­schla­fen wün­sche, über­le­ge, wie es wäre, wenn in dem Zim­mer, in dem ich mich gera­de befin­de, Regen fal­len wür­de. Die­se Metho­de des Regen­den­kens ist lei­der bis­lang nicht sehr erfolg­reich gewe­sen. Ein­mal schlief ich ein. Als ich erwach­te, hör­te ich wirk­li­chen Regen drau­ßen in den nächt­li­chen Bäu­men. Ich ging dann spa­zie­ren, dach­te fin­nisch klin­gen­de Namen aus: Satu N. Mäke­la . Annuk­ka R. Timi. Hele­na Pai­vi . Jona­than Pai­vi . Jan­ne Olli­la. Zwei die­ser aus­ge­dach­ten Namen zei­ti­gen Spu­ren wirk­li­cher Men­schen in der Sphä­re der Such­ma­schi­nen, einer scheint männ­li­cher Natur zu sein, obwohl ich ihn weib­lich über­leg­te. — stop

mrlisa

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von der wirbelkastenschnecke

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tan­go : 3.52 — Ges­tern war ein hei­ßer Tag gewe­sen, es war heiß in der Küche, heiß in den Zim­mern zum Schla­fen, zum Spa­zie­ren, heiß im Bad, im Trep­pen­haus, sogar im Kel­ler, auf der Stra­ße und in der Tram­bahn war es so heiß, dass ich mich gern sofort in einen Kühl­schrank gesetzt haben wür­de. Als ich das Wort Kühl­schrank dach­te, erin­ner­te ich mich an einen höl­zer­nen Kühl­schrank, den ich mir ein­mal aus­ge­malt hat­te, da war ich gera­de auf dem Post­amt, auch da war es heiß, und die Män­ner und Frau­en hin­ter dem Tre­sen schwitz­ten. Aus­ge­rech­net an einem Tag hei­ßer Luft erreich­te mich ein Päck­chen, auf das ich seit bei­na­he zwei Wochen in außer­or­dent­li­cher Käl­te war­te­te. Ich hat­te bei Hvalf­jör­dur Cor­po­ra­ti­on eine Schei­be aus dem Brust­bein eines Pott­wales bestellt, aber die islän­di­sche Post war acht Tage lang in einen Streik getre­ten, und so war das gekom­men, dass das Päck­chen einen erbärm­li­chen Gestank ver­ström­te, was mich nicht im Min­des­ten wun­der­te, da man ver­ges­sen hat­te, das Brust­bein des Wales, der bereits im Mai gefan­gen und zer­legt wor­den war, ganz und gar von Blut zu befrei­en. Nun aber ist alles wie­der in Ord­nung. Ich habe den Kno­chen, der erstaun­lich leicht in der Hand liegt, gründ­lich gerei­nigt, nur noch ein lei­ser Ver­dacht von Ver­we­sung liegt in der Luft, ist ver­mut­lich nicht tat­säch­lich, ist viel­mehr ein Faden von Erin­ne­rung. Sobald der Kno­chen getrock­net sein wird, wer­de ich einen ers­ten Ver­such unter­neh­men, eine Schne­cke aus ihm zu schnit­zen, die der Wir­bel­kas­ten­schne­cke einer Gei­ge ähn­lich sein wird. – Sams­tag, kurz vor Däm­me­rung. Es ist noch immer heiß. Vor den Fens­tern jagen Fle­der­mäu­se. – stop

ping

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aleppo

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char­lie : 0.32 — Er wer­de lang­sam alt, erzähl­te der Jour­na­list L., alt und müde. Manch­mal füh­le er sich morsch, wie ein Kno­chen, der lan­ge Zeit in feuch­ter Luft unter frei­em Him­mel her­um­ge­le­gen hat­te, da wird man bald stau­big, und dann kommt ein Wind und schon ist man so leicht gewor­den, dass man ganz und gar für immer auf­hö­ren möch­te. Des­halb habe er ein Haus an der Küs­te gekauft, mit einem Reet­dach, das links und rechts des Hau­ses nahe­zu bis auf den Boden rei­che. Er benö­ti­ge einen Ort, an den er sich zurück­zie­hen, einen Ort, an dem er leich­ter wer­den kön­ne, wan­dern am Meer stun­den­lang und spre­chen mit sich selbst. Wenn er Selbst­ge­sprä­che füh­re, wür­de er in sich hin­ein­se­hen, Wör­ter und Sät­ze bewir­ken, dass er für eini­ge Zeit nicht mehr auf­hö­ren kön­ne zu spre­chen, weil er doch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eigent­lich so schweig­sam gewor­den war, weil er doch immer, als er noch dis­ku­tier­te und erzähl­te, ver­ges­sen habe, was er sag­te, wes­halb er tage­lang dar­über nach­den­ken muss­te, ob er nicht etwas gesagt haben könn­te, das unmög­lich gesagt sein durf­te, die­se Wör­ter, die­se Sät­ze, die man so lie­bend gern zurück­ho­len woll­te, weil sie nicht pas­send oder ganz ein­fach zu vie­le Wör­ter gewe­sen waren. Des­halb nun ein Haus an der Küs­te, mit einem Reet­dach, das links und rechts des Hau­ses nahe­zu bis auf den Boden rei­che, wo er mit sich selbst spre­chen kön­ne so lan­ge er wol­le, wo ihm nie­mand zuhö­ren wür­de, nur das Haus und er selbst und manch­mal der Sand und ein paar Vögel, wenn er von Alep­po erzäh­le, wo er vor weni­gen Wochen, ein Him­mel­fahrts­kom­man­do, noch gewe­sen sei. — stop
flieger



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