Aus der Wörtersammlung: einmal

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auf einmal

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apha : 15.18 — Letz­te Bil­der, ich stell­te mir letz­te Bil­der vor eines Lebens­films, Bil­der ohne im Dies­seits noch for­mu­lier­ba­re Gedan­ken. Eine Flie­ge an einer Hos­pi­tal­de­cke viel­leicht, die Iris eines Gelieb­ten, schon von Trau­er durch­kam­mert. Zwie­licht. Oder doch nur ein Geräusch. Weder hell noch dun­kel. Eine Tür, die sich öff­net. Ein Atem­zug­wind. Flüs­tern. Schnee. — stop

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tapetum cellulosum lucidum /// IED EXPLOSION IN BAGHDAD (ZONE X) 2004-01-14 18:40:00 ///

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sier­ra : 22.01 — Knis­tern­de Käl­te. Dom­pfaf­fen, Rot­kehl­chen, Grün­fin­ken hän­gen, zwit­schern­de Trau­ben, an Fut­ter­bäl­len im Gar­ten über Schnee. Ich hat­te, in dem ich sie beob­ach­te­te, die Idee, dass mir selbst bald ein­mal reflek­tie­ren­de Zell­schich­ten in den Augen­höh­len wach­sen könn­ten, tape­tum cel­lu­lo­sum luci­dum, hin­ter den Glas­kör­pern hin­ter den Pupil­len, Kat­zen­au­gen­häu­te, nicht von der Beob­ach­tung der Natur da drau­ßen im Gar­ten, son­dern vom Lesen der Wiki­leaks – Irak — Pro­to­kol­le : IED EXPLOSION IN BAGHDAD (ZONE X) 2004-01-14 18:40:00 — IP X REPORTED THAT A GREY X EXPLODED IN A RESIDENTIAL AREA. IPS AND X ELEMENTS WENT TO THE SITE AND FOUND THE EXPLODED CAR. X BROTHERS AND THEIR X CLAIMED THAT SOMEONE ELSE MUST HAVE PUT THE EXPLOSIVES IN THEIR CAR. IZ EOD BELIEVES AN IED WENT OFF PREMATURELY. — UPDATE: DETAINED THE X BROTHERS AND HAVE COORDINATED TO HAVE THE BOMB DOGS GO TO THE HOUSE LATER TODAY. IED TRACKING NUMBER IS X. stop. stop. 390136 Doku­men­te. stop. Neh­men wir ein­mal an, ich ver­such­te Tag für Tag 100 die­ser Tex­te zu lesen und nach­zu­füh­len, was sie bedeu­ten könn­ten, Par­tic­les, die von Bom­ben­an­schlä­gen, Scharf­schüt­zen, Ent­haup­tun­gen, Feu­er­ge­fech­ten, Ent­füh­run­gen berich­ten, dann wür­de ich län­ge­re als zehn Jah­re Zeit in die­ser Arbeit ver­brin­gen. Inwie­fern wür­de sich bald die Gestalt mei­nes Gehir­n­es ver­än­dert haben, mei­ne Spra­che, wel­cher­art wären die Geschich­ten, die ich noch erzähl­te? — stop
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sekundenromane : nachts

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alpha

~ : louis
to : dai­sy und vio­let hilton
sub­ject : SEKUNDENROMANE : NACHTS

Für Stun­den ver­sucht, zwei Buch­sta­ben zur sel­ben Zeit auf elek­tri­scher Schreib­ma­schi­ne zu notie­ren, immer ist ein Zei­chen um Bruch­tei­le von Sekun­den schnel­ler als das ande­re Zei­chen auf dem Bild­schirm sicht­bar gewor­den, nie­mals lie­gen sie über­ein­an­der. — Guten Abend, Ihr Zwei! Wenn Euch die­se Nach­richt errei­chen wird, habe ich drei oder vier Tage bereits wei­ter­ge­lebt, das hof­fe ich jeden­falls, bin glück­lich mit sehr wesent­li­chen Fra­gen beschäf­tigt, die mei­ne Wahr­neh­mung der Zeit betref­fen oder die Wahr­neh­mung einer mensch­li­chen Stim­me im Schlaf, genau­er, die Stim­me eines schla­fen­den Men­schen, in dem sie hör­bar wird in den Ohren eines wachen­den Men­schen für Sekun­den, Wort­ge­räu­sche, wel­che sehr viel mehr als nur ein Wort in sich ber­gen, eine gan­ze Geschich­te viel­leicht in jedem die­ser Lau­te, wie sie zärt­lich aus nächs­ter Nähe zu mir durch den dunk­len Raum geflo­gen kom­men, unver­gess­lich und doch nicht wie­der­hol­bar, das Zir­pen schnells­ter Erzäh­lung, Roma­ne in Sekun­den­zeit, dann wie­der Atem­zü­ge, Mel­dun­gen des Lebens. >

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich hat­te eine selt­sa­me Idee, lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let, ich über­leg­te, in dem ich nacht­wärts mit mei­ner Stirn an einem sanft­war­men, an einem träu­men­den Rücken leh­nend lausch­te, ob ich nicht einen die­ser beson­de­ren Lau­te auf­zeich­nen und an Euch über­mit­teln könn­te, dort­hin wo man viel­leicht zu spie­len ver­mag mit der Geschwin­dig­keit der Zeit, wie sie sich bewegt, so dass Ihr mir bald ein­mal erzäh­len könn­tet, wovon gespro­chen wur­de in die­ser einen oder ande­ren Sekun­de, an die sich die Schla­fen­de, nach­dem sie erwach­te, nicht erin­nern konn­te. Und so habe ich eine klei­ne Samm­lung der Wort­ge­räusch­ro­ma­ne für Euch auf­ge­zeich­net. Ich bit­te Euch herz­lich, sie lang­sa­mer, sie les­bar zu machen für mich. Anbei, wie ver­spro­chen, eine Minu­te gefilm­ter Zeit vom Lau­fen über den East River von Brook­lyn aus nach Man­hat­tan. Euer Lou­is, cucur­ru­cu, wünscht eine gute Nacht! 

gesen­det am
14.01.2011
22.08 MEZ
1785 zeichen

lou­is to dai­sy and violet »

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silence

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romeo : 22.58 — Da waren ein­mal mei­ne klei­nen Augen gewe­sen, mei­ne klei­nen Füße, mei­ne klei­ne Nase, mein klei­ner Mund. Bis­wei­len, wenn ich aus­ru­he, wenn ich auf einem Stuhl sit­ze ohne einen Gedan­ken, der auf­ge­schrie­ben wer­den müss­te, betrach­te ich mei­ne Hän­de. Mei­ne lin­ke Hand ruht dann an der Innen­sei­te mei­ner rech­ten Hand. Sie schei­nen sich zu ken­nen. Ich ver­mag mei­ne Hän­de zu betrach­ten, als wären sie nicht mei­ne Hän­de, son­dern die Hän­de einer ande­ren Per­son. Wie wür­de ich heu­te gestal­tet sein, wenn ich eines Tages nicht auf­ge­hört haben wür­de zu wach­sen? — stop

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tuttle

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echo : 20.08 — Besuch von Mr. Tuttle zur unmög­lichs­ten Zeit gegen 10 Uhr vor­mit­tags. Saß, müde Augen, vor dem Bild­schirm und hör­te, wie der Mon­teur mit Pum­pen­ma­schi­nen, Schrau­ben­schlüs­seln, Rohr­zan­gen an mei­nen Was­ser­lei­tun­gen in der Küche han­tier­te. Das waren Geräu­sche eines Kamp­fes, nicht Geräu­sche einer Rekon­struk­ti­on, Boh­run­gen wur­den ins Erd­in­ne­re vor­an­ge­trie­ben, Wän­de zu benach­bar­ten Woh­nun­gen ein­ge­ris­sen, har­tes Was­ser strahl­te Bil­der­rah­men in alle Win­de. Ein­mal kam Mr. Tuttle in das Zim­mer, in dem ich das Ende sei­nes Besu­ches erwar­te­te. Zag­haf­tes Klop­fen, sei­ne erstaun­lich hel­le Stim­me, ob er mich spre­chen kön­ne, stand bald neben mei­nen Papie­ren, mit erhitz­tem Gesicht, stau­big, ein Hüne, er müs­se jetzt an die Hei­zung. Dann wie­der Hie­be von sono­rem Klang, über­leg­te, was in mei­ner nächs­ten Nähe geschah, wel­che Arbeit prä­zi­se die Erschüt­te­rung mei­ner Schreib­ma­schi­ne, mei­ner gan­zen Per­son bewir­ken könn­te. Ein Lösch­zug pas­sier­te die Stra­ße vor dem Fens­ter. Vom Dach des Hau­ses gegen­über stürz­te ein Schnee­brett in die Tie­fe. Irgend­et­was flat­ter­te pfei­fend um mei­nen Kopf her­um. Ein Punkt ver­harr­te über der Boden­li­nie. — stop

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flügel

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tan­go : 6.15 — Im Zug saß ein Mann, der sich mit einer Frau in der Hand­zei­chen­spra­che der gehör­lo­sen Men­schen unter­hielt. Obwohl ich die Hän­de der zwei Spre­chen­den ein­ge­hend betrach­te­te, lie­ßen sie sich nicht stö­ren, ver­mut­lich weil sie ahn­ten oder wuss­ten, dass ich ihre Spra­che nicht ver­ste­hen konn­te. Der Ein­druck, dass die bei­den wei­te­re Kör­per­zei­chen ver­wen­de­ten, um die Spra­che ihrer Hän­de zu ergän­zen. Als wären sie Flü­gel eines Vogels, der sich Was­ser aus dem Gefie­der schüt­telt, flat­ter­ten ihre Augen­li­der. Kaum den Zug ver­las­sen, ver­such­te ich ver­geb­lich die­se erstaun­li­che Bewe­gung ihrer Augen nach­zu­ah­men. Und auch heu­te Mor­gen, nach einer ruhi­gen Nacht, bin ich nicht in der Lage, mei­ne Lider in der beschrie­be­nen Wei­se erzit­tern zu las­sen. So uner­reich­bar sind sie wie mei­ne Ohren, die nie gehor­chen wol­len, wenn ich mir mit ihrer Hil­fe Luft zufä­cheln möch­te. Viel­leicht werd ich’s am Abend noch ein­mal pro­bie­ren. Neh­me an, sie haben Töne erzeugt, sin­gen­de Töne, mit ihren Augen im Zug. — stop

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coney island

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alpha : 5.05 — Das Gewicht einer Erfin­dung. Wie ich mit Innen­au­gen einen elek­tri­schen Vogel beob­ach­te, der sin­kend reg­los auf mei­ner elek­tri­schen Hand­flä­che ruht. Ein­mal fol­ge ich in die­ser Wei­se Gene Hack­man. Wir gehen zu Fuß unter der Hoch­bahn, Still­way Ave­nue, Rich­tung atlan­ti­scher Küs­te. Coney Island, rot glü­hen­des Neon­licht klap­pern­der Buden, Gestank von ran­zi­gem Fisch, Regen, Tang­wind, mein Pho­to­ap­pa­rat, der den Poli­zis­ten erfolg­los zu belich­ten sucht. Statt­des­sen Erschei­nung der Trop­fen, Bäl­le aus gro­ßer Höhe, erstaun­lich. — Unbe­ding­ter Durch­stiegs­wil­le. — stop

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moskitoeintagsfliegen

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ulys­ses : 5.24 — Bald ein­mal mensch­li­che Wesen von 20000 Jah­ren Lebens­er­war­tung gestal­ten, Hüter der Plu­to­ni­um­wer­ke, memo­rie­ren­de Beob­ach­ter, flüs­tern­de Spre­cher durch Räu­me der Zeit, die bis­her nicht vor­stell­bar sind, weil wir sie weder füh­len noch träu­men, weil unse­re Her­zen durch die Atom­zeit rasend schla­gen wie die Her­zen der Mos­ki­to­ein­tags­flie­gen. — stop
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wörterstimmen

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kili­man­dscha­ro : 3.30 — Man stel­le sich ein­mal vor, man wach­te eines Tages auf und könn­te jedes Wort, das man von die­sem Moment des Erwa­chens an dach­te, erin­nern, all die Selbst­ge­sprä­che und for­schen­den Dis­kur­se, auch jene Gedan­ken, die man nie bemerk­te, weil sie so schnell vor­über­zie­hen, dass man sie ver­gisst, indem man sich schon in nächs­ten Gedan­ken befin­det. Nichts wür­de fort­an ver­lo­ren gehen. Auch alle jene Sät­ze nicht, die man hören wird, sobald man das Haus ver­lässt, Notiz­zet­tel, Ein­kaufs­lis­ten, Frag­men­te von Zei­le zu Zei­le fal­len­der Anzei­ge­ta­feln auf Flug­hä­fen, Zei­tungs­ar­ti­kel, Film­dia­lo­ge, alles das wür­de gespei­chert und könn­te zu jeder Zeit in genau der Rei­hen­fol­ge wie­der­holt wer­den, in der es von Wör­ter­stim­men auf­ge­zeich­net wur­de. Was wür­de gesche­hen? Wie lan­ge Zeit könn­te man mit die­sem Ver­mö­gen aus­ge­stat­tet über­le­ben? — stop

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lippenstille seidenherz

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del­ta : 7.28 — Es gebe, notiert René Char in sei­ner Gedicht­samm­lung Lob einer Ver­däch­ti­gen, nur zwei Umgangs­ar­ten mit dem Leben: ent­we­der man träu­me es oder man erfül­le es. In bei­den Fäl­len sei man rich­tungs­los unter dem Sturz des Tages, und grob behan­delt, Sei­den­herz mit Herz ohne Sturm­glo­cke. — Bald ein­mal zwei oder drei Tage schwei­gen, um den Kopf­stim­men stum­mer Men­schen nach­zu­spü­ren. Ich könn­te mich kurz vor Beginn des Silen­ti­ums ver­ab­schie­den von Freun­den: Bin tele­fo­nisch nicht erreich­bar! Oder einen Block besor­gen, Fra­gen zu ver­zeich­nen, sagen wir so: Füh­ren sie in ihrem Sor­ti­ment Hör­ge­rä­te für Engel­we­sen fin­ger­groß? Eine Kärt­chen­samm­lung zu erwar­ten­der Wie­der­ho­lungs­sät­ze wei­ter­hin: Habe vor­über­ge­hend mein Ton­ver­mö­gen ver­lo­ren! — Dass einer, der nach einer trau­ma­ti­schen Erfah­rung ohne Stim­me ist, in drin­gen­den Fäl­len kopf­seits zu brül­len beginnt, dass er in der Lip­pen­stil­le mit den Ohren noch nach gerings­ten Spu­ren eines Geräu­sches sucht. — stop
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