himalaya : 22.02 — Stellte mir vor, ich arbeitete im Weltraum. stop. Wort für Wort, unbefestigt. stop. Denkbar, dass ich eine Erfindung bin. stop. Grandiose Idee. stop. t w o b l u e f i s h e s k i s s i n g m y w i n d o w
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himalaya : 22.02 — Stellte mir vor, ich arbeitete im Weltraum. stop. Wort für Wort, unbefestigt. stop. Denkbar, dass ich eine Erfindung bin. stop. Grandiose Idee. stop. t w o b l u e f i s h e s k i s s i n g m y w i n d o w
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himalaya : 2.10 — Einmal, im Alter von fünf oder sechs Jahren, beobachtete ich einen Mann, von dem nichts zu sehen gewesen war, als die Spitzen seiner Schuhe, eine ramponierte Hose, ein rußiges Hemd und ein Hut mit Feder, weil der Mann von Musikinstrumenten geradezu überfallen gewesen zu sein schien. Ich hatte den Eindruck, dass nicht der Mann auf seinen Instrumenten spielte, sondern die Instrumente auf einem Gefangenen. An diese Geschichte, von meinem damals jungen Gehirn vor einem wirklichen Bild entworfen, erinnerte ich mich gestern Abend, während ich an der Konstruktion eines Rasselkäfers arbeitete. Bald geisterte die Gestalt eines weiteren Mannes durch meinen Kopf, auf dessen Körper hunderte knatternde Käferwesen Platz genommen hatten. Nein, sie hatten sich nicht eigentlich niedergelassen, sie waren fest mit ihm verbunden, sie waren Teil, sie waren ihm aus der Haut gefahren und knisterten und klapperten ohne eine Pausenzeit einzulegen, weswegen es sich bei jenem von mir eroberten Menschenwesen, um eine Person ohne Gehör handeln musste. Könnte dieser Mann glücklich sein? Ich wüsste gerne, was nun zu unternehmen ist! Schluss jetzt. Fangen wir noch einmal von vorne an. Heute ist Dienstag, Frühling und Winter. — stop
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~ : geraldine
to : louis
subject : MEIN SOMMERHUT
Es ist windig heute, Mr. Louis, aber das Meer bewegt sich nicht. Kleinste Wellen nur, als würde das Wasser frieren. Weil dazu die Sonne scheint, hatte Papa am Vormittag den Schiffsfotografen und meinen Sommerhut mitgebracht. Jetzt schwimmt mein Hut auf dem Atlantik, weil ich einen Moment nicht aufgepasst und ihn nicht festgehalten habe. Bald werde ich eine Fotografie besitzen mit einem Hut, den es nicht mehr gibt. Eine lustige Geschichte, nicht wahr? Aber was erzähle ich Ihnen da für unwichtige Dinge? Ich muss immerzu an meinen kleinen, lieben Steward denken. Seit zwei Tagen liegt er in seiner Kajüte, weil er krank geworden ist. Nichts Ernstes, nur ein Schnupfen und etwas Husten. Und natürlich darf ich nicht zu ihm, ich könnte mich infizieren mit Himmelweißwas und das würde mich umbringen, sagt der Doktor, obwohl ich das nicht glaube, weil ich doch sehr verliebt bin. In zwei Tagen darf ich vielleicht zu ihm. Bis dahin schicke ich kleine Briefe, weshalb ich eigentlich überhaupt keine Zeit habe, an Sie zu schreiben. — Ahoi, Mr. Louis, Ahoi! Ihre Geraldine auf hoher See.
notiert im Jahre 1962
an Bord der Queen Mary
aufgefangen am 22.02.2009
22.18 MEZ

GERALDINE TO LOUIS / ENDE
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~ : yanuk le
to : louis
subject : GEIGEN
date : jan 12 09 6.52 a.m.
Dämmerung. Und doch schon warme, weiche, ja schmeichelnde Luft. Werde einige Wochen hier auf Höhe 51O verweilen. Bin glücklich. Mehrfach während eines Tages passiert das Mädchen, von dem ich berichtete, mit einem rasselnden Geräusch, das vielleicht eine Sprache darstellen sollte, unser Habitat. Eine fabelhafte Kletterin! Entweder ist sie leicht wie eine Feder, oder aber sie verfügt über außerordentliche Muskelkräfte. Kein Tag, seit sie auf uns gestoßen ist, an dem sie nicht aus den Schatten der Blätter und Blüten tauchte, um bewegungslos für lange Zeiten mittels eines Armes an einem Ast befestigt vor uns über dem Abgrund zu schweben. Sie scheint in dieser Haltung doch zu schlafen. Ein seltsames Wesen! Gesprochen haben wir bislang noch nicht, kein verständliches Wort kam über ihre Lippen, aber sie lauscht meiner Stimme, indem sie den Kopf zu Seite neigt, wenn ich etwas sage, wenn ich erzähle, zum Beispiel, von Dir erzähle, und dass ich für Dich Gedanken und Beobachtungen notiere aus dem Gebiet der Riesenbäume. Auch in diesen Sekunden, lieber Mr. Louis, ist sie hier bei uns. Sie muss vor Kurzem noch, während eines Jagdausfluges, den Erdboden betreten haben. Der leblose Körper eines Kaninchens baumelt über ihrer linken Schulter. Denkbar, dass wir bald ein Geschenk erhalten werden. Cucurrucu — Yanuk
eingefangen
6.55 UTC
1875 Zeichen

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~ : yanuk le to : louis
subject : FRÖHLICHE WEIHNACHTEN
date : dez 23 08 6.55 a.m.
In diesen Minuten, Mr. Louis, will ich sehr leise und behutsam von einer aufregenden Beobachtung berichten. Du musst wissen, heute Morgen, als ich auf Höhe 385 schlaftrunken mein Zelt verließ, hatte ich sofort bemerkt, dass während der Nacht irgendetwas geschehen sein musste, etwas Seltsames, etwas, das meine kleinen Affenfreunde beunruhigte. Sie lagen nicht, wie üblich, vor sich hin dämmernd lose auf dem hölzernen Boden herum, sondern dicht aneinander gedrängt und bebten, als würden sie frieren. Alle sahen sie mit ihren zitronengelben Augen in ein und dieselbe Richtung, starrten zum Stamm eines benachbarten Baumes hin, ein Bündel furchtsamer oder vielleicht staunender Blicke, das den schmalen, vollkommen unbekleideten Körper eines Mädchens betastete, der nur wenige Meter von uns entfernt über der Tiefe hing. Ich hatte natürlich zunächst den Gedanken, dass das vor mir baumelnde Mädchen nur eine Erscheinung gewesen war, vielleicht ein Traum oder die Spur eines Traumes, die in einen wirklichen Tag hinüberreichte. Beunruhigt wie meine Freunde, begann ich deshalb zunächst mit einer Kurbel Strom für meine Schreibmaschine zu erzeugen. Eine kontemplative Bewegung, eine, die ich auch im Schlaf verrichten könnte. Während ich so arbeitete, hörte ich bald ein menschliches Lachen. Ja, Sie lesen ganz richtig, Mr. Louis, das Mädchen lachte, ein feines, helles Lachen war zu hören, und die Affen fauchten und wurden so flach, als wollten sie spurlos verschwinden im warmen Holz oder sonst wohin, ganz unsichtbar werden. Wie sich doch alle vertrauten Geräusche verändern, sobald unerwartete Dinge geschehen. Ich hörte meine eigene Stimme, wie sie sagte, das ist unglaublich, das ist ganz unglaublich, und ich hörte auf zu kurbeln und sah dem Mädchen in die Augen, und sofort klappte sie ihre Augen zu. Ich glaube, sie schläft jetzt, während ich diese Sätze so behutsam schreibe, wie ich nur kann, um das Mädchen nicht zu wecken. Ja, stellen Sie sich vor, Mr. Louis, sie scheint tatsächlich tief und fest zu schlafen, während sie den Ast, der sie trägt, mit ihrer linken Hand umfasst. Die rechte Hand liegt flach auf ihrem Bauch, einem muskulösen Bauch von hellem Schein, opak, als würde ein Teil des Sonnenlichts sich im Körper des Mädchens verfangen und weiter leuchten, von innen heraus weiter leuchten. Wenn sie nur nicht loslassen wird in dieser Höhe! Kein Haar auf dem Körper des Mädchens zu sehen. Das ist natürlich seltsam und ich weiß noch nicht genau, warum das so ist. Ich will Dir, Mr. Louis, an dieser Stelle meine herzlichen Weihnachtsgrüße übermitteln aus meinen tropischen Räumen. Und so mache ich das jetzt, ehe ich einen ersten Versuch unternehmen werde, mit dem Mädchen ein Gespräch zu führen. Vielleicht werde ich ihr meine Blütenzeichnungen zeigen, die ich während der vergangenen Tage sammelte. Fröhliche Weihnachten! Cucurrucu – Yanuk
eingefangen 6.58 UTC 2882 Zeichen
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romeo : 16.25 — Mit einer jungen Ärztin im Gespräch über Menschen, die sich aus modischen Gründen von kleineren Teilen ihrer Wangen trennen, um sie durch edelste Hölzer zu ersetzen, je nach Teint, stellte ich mir vor, hellere oder etwas dunklere Materialien, die man polieren kann, die glühen wie die Substanzen feiner Pfeifenköpfe. Ich erzählte diese Gedankengeschichte bei einer Tasse Schokolade, rückte mit meiner Fantasie langsam vorwärts, weil ich erwartete, sie würde vielleicht aufspringen und sich entfernen wollen. Stattdessen stellte sie die Frage, ob man die Materialien des Waldes, über die ich nachgedacht hatte, als Schmuckware betrachten sollte, die im Fleisch des Körpers schwimmen würde, oder eher um Bojenkörper, welche mit einem der Gesichtsknochen verbunden sein müssten. Sie machte eine kleine Pause und noch ehe ich antworten konnte, stellte sie nüchtern fest: Die Ränder der Natürlichkeit sind ein Problem. stop. Kurz nach vier Uhr und fast schon dunkel. Seit einer Stunde Regen. Er kommt in einer Weise vom Himmel gefallen, dass ich ihn wieder hören kann. — stop

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echo : 8.27 — Das warme Licht, das im Holz der Kontrabässe brennt, ein Glühen, in das ich vernarrt bin, soweit ich zurückdenken kann? Die Schuhe eines uralten Bassisten, wie sie vor dem kleinen Jungen sehr fest auf dem Boden einer Kellerbühne stehen, während die Welt drumherum aufgewühlt ist, schwarze, spiegelblanke Schuhe, und irgendwo weit oben am Schneckenturm, dunkle Hände, die wie Echsen über Holz und kupferne Seile springen. — Mein seltsam fühlender Bauch. — Wunderte mich, dass sie miteinander sprechen, während sie spielen, lachen, spaßen, sich befeuern und beim Namen nennen. Höre ich nicht gerade noch Thelonius Sphere Monks Stimme wie er im Jahre 1957: Coltrane! Coltrane ruft? — stop

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~ : yanuk le
to : louis
subject : RAIN
date : oct 23 08 6.52 p.m.
Lieber Mr. Louis, froh bin ich, lesen zu dürfen, dass Du wieder Schlaf finden kannst. 38 Tage mit je nur ein oder zwei Stunden der Ruhe, das ist eine lange Zeit. Du musst wohl bald Gespenster gesehen haben, ja, das nehme ich an, Geister oder solche Wesen, die eigentlich nicht für Dich anwesend sind. Ich kann nachfühlen, wie schwer diese Tage für Dich gewesen sein müssen. Auch ich schlafe nicht gut zurzeit. Seit acht Tagen Regen ohne Unterbrechung. Verlasse kaum das Zelt, ständig Geräusche des Wassers. Kühl ist es geworden auf Höhe 286. Ich habe alles so weit vorbereitet, dass ich unverzüglich weiter klettern kann, sobald der Regen nachgelassen haben wird. Vor zwei Tagen hatte ich einen Versuch gewagt und mich auf den Weg gemacht. Aber der Stamm meines Baumes und alle Gewächse, die ich üblicherweise nütze, um mich festzuhalten, sind so feucht, als seien sie Unterwasserpflanzen. Wundere mich, dass ich Deine Nachricht überhaupt empfangen konnte. Vielleicht könntest Du mir etwas Literatur übermitteln. Wäre das möglich? Solange ich nichts zu lesen habe, vertreibe ich mir die Zeit mit der Rettung von Ameisen. Schwimmt eine an meinem Zelt vorbei, biete ich ein Stöckchen an oder ein Blatt und fische sie aus den Sturzbächen heraus. Sie sind alle sehr ähnlich in der Art und Weise, wie sie sich trocknen. Zunächst streifen sie sich das Wasser von den Augen, dann bebt ihr Hinterleib, eine unglaublich schnelle Bewegung. Kaum zufrieden, laufen sie im Zelt herum und kämpfen gegen weitere zufriedene Artgenossen. Ja, jeder kämpft hier gegen jeden, als hätten sie alle unter der Erfahrung des Wassers ihr Gedächtnis verloren. – Cucurrucu! Yanuk
eingefangen
20.58 UTC
1680 Zeichen

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~ : yanuk le
to : louis
subject : MEDUSEN
date : oct 4 08 8.55 a.m.
Gegen den Abend zu Höhe 286 erreicht. Wollte noch weiter steigen, heftiges Fieber zwang mich zur Ruhe. Zunächst lange Zeit geschlafen, nachdem ich mein Zelt errichtet hatte und vertäut mit dem Stamm des Baumes, der noch immer so kräftig ist, dass zwei oder drei Menschen ihn gemeinsam nicht umarmen könnten. Heute ist mir wohler, obwohl ich noch erhitzt bin. Auf Knien bewege ich mich über die Plattform, weil meine Schritte unsicher sind, habe das Gefühl zu schlingern. Ja, Mr. Louis, so schlafe ich und beobachte dann wieder das Steigen und Sinken der Medusenfliegen, es sind hunderte, vielleicht tausende Handteller große Wesen, deren Schirme langsam um sich kreisen. Und weil sie leuchten, ein zartes, blaues Licht, das pulsiert, das auf die Bewegung meiner Finger reagiert, als würden sie zu mir und mit mir sprechen, wird es nachts an dieser Stelle meiner Reise niemals dunkel. Habe nach langer Beobachtung festgestellt, dass sie miteinander verbunden sind, Fäden, sehr feines Werk, vielleicht freiliegende Neuronen, sodass ich den Schwarm der Medusenfliegen, als ein schwebendes Gehirn beschreiben könnte. Muss das weiter untersuchen. Hast Du schon einmal versucht, einen Fischschwarm zu zählen? Oder eine Vogelwolke? stop. Yanuk
eingefangen
15.58 UTC
1288 Zeichen
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kilimandscharo : 0.28 — Gegen Mitternacht stehe ich im Arbeitszimmer, hebe beide Arme, mache Flügel, weil ich darüber nachdenke, wie es wäre, gewichtslos zu sein. Ich habe mir vorgestellt, dass man vielleicht einmal auf die Idee kommen wird, Menschen zu erfinden, die ohne Knochen sind, weil sie Knochen nicht benötigen, weil sie ohne jede Schwere im Weltraum existieren auf großer Fahrt. Diese Menschen würden von einer kräftigen Haut begrenzt, legten sich vielleicht in wabenförmigen Strukturen zur Ruhe, wären faltbar und weich wie Medusen. Wenn sich zwei dieser Medusenmenschen in einem schwerelosen Raum begegneten, würden sie sich in einer Zartheit umschmeicheln, die uns Knochenmenschen grundsätzlich fremd ist, weil wir in der Begegnung, auch in der Liebe, gewohnt sind auf Widerstände stoßen zu wollen, auf Gegenwehr, auf eine Festigkeit, die wir benötigen, um sagen zu können, das bin ich und das bist Du. Ist das nicht ein bezaubernder Film, wie sich nahe des Siriussternes zwei uralte Medusenwesen durch einen Tango atmen, wie sie verliebt ihre pulsierenden, ihre lichtdurchlässigen Lungen betrachten? Wie könnten diese Wesen bekleideten sein, welche Bücher würden sie lesen, welche Musik würde sie in glückliche Schwingung versetzen, was werden sie essen, was werden sie trinken, was werden sie einmal von mir denken, wenn sie lesen, was ich heute Nacht bereits für sie aufgeschrieben habe? — stop
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