Aus der Wörtersammlung: menschen

///

ponge

2

alpha : 20.05 UTC — Die Gegen­stän­de eines Men­schen berüh­ren: Einen Stuhl, einen Schreib­tisch, einen Füll­fe­der­hal­ter, einen Löf­fel. Ich erin­ne­re mich, in Fran­cis Ponge’s Kie­fern­wald lagen weder bota­ni­sche noch geo­gra­fi­sche Bücher. Oder einen Schal, ein Fie­ber­ther­mo­me­ter, einen Hand­schuh, ein Salz­fäss­chen, ein Buch, eine Post­kar­te, einen Kamm, einen Herz­schritt­ma­cher, eine Tee­tas­se, eine Schreib­ma­schi­ne, einen Foto­ap­pa­rat. Ein Haar — stop
ping

///

ai : ÄGYPTEN

aihead2

MENSCH IN GEFAHR: „Am 9. Mai stell­te Amal Fathy ein Video auf ihrer Face­book-Sei­te ein, in dem sie die von ihr erleb­te sexua­li­sier­te Beläs­ti­gung the­ma­ti­sier­te, die Dring­lich­keit die­ses Pro­blems in Ägyp­ten beton­te und die Regie­rung kri­ti­sier­te, weil sie die Frau­en in Ägyp­ten nicht davor schützt. Zudem kri­ti­sier­te sie das schar­fe Vor­ge­hen der Regie­rung gegen die Men­schen­rech­te, die sozio­öko­no­mi­schen Bedin­gun­gen und die Miss­stän­de im öffent­li­chen Dienst­leis­tungs­sek­tor. Dar­auf­hin durch­such­te die Poli­zei am 11. Mai gegen 2:30 Uhr die Woh­nung von Amal Fathy und inhaf­tier­te sie in der Poli­zei­wa­che Maa­di in Kai­ro zusam­men mit ihrem Ehe­mann Moha­med Lot­fy, einem frü­he­ren Mit­ar­bei­ter von Amnes­ty Inter­na­tio­nal und aktu­el­len Direk­tor der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Ägyp­ti­sche Kom­mis­si­on für Rech­te und Frei­hei­ten (Egyp­ti­an Com­mis­si­on for Rights and Free­doms – ECRF) und ihrem drei­jäh­ri­gen Kind. Mann und Kind wur­den nach drei Stun­den wie­der frei­ge­las­sen. / Am 11. Mai prüf­te die Staats­an­walt­schaft Maa­di Amal Fathys Fall und ord­ne­te 15 Tage Haft für die Dau­er der Ermitt­lun­gen zu den gegen sie erho­be­nen Vor­wür­fen an – unter ande­rem „Ver­öf­fent­li­chung eines Vide­os, das Falsch­in­for­ma­tio­nen ent­hält, die den öffent­li­chen Frie­den beein­träch­ti­gen könn­ten”. Am fol­gen­den Tag ver­hör­te die Staats­an­walt­schaft der Staats­si­cher­heit sie in einem wei­te­ren Fall zu ihrer angeb­li­chen Ver­bin­dung zur Jugend­be­we­gung 6. April. Für die Dau­er der Ermitt­lun­gen wegen Mit­glied­schaft in einer ver­bo­te­nen Grup­pe ord­ne­te sie wei­te­re 15 Tage Unter­su­chungs­haft an. / Inter­net-Trol­le kopier­ten das Video und Fotos von Amal Fathy von ihren Sozia­len Medi­en-Sei­ten und pos­te­ten sie auf Face­book und Twit­ter zusam­men mit geschlechts­spe­zi­fi­schen Beschimp­fun­gen und der For­de­rung nach ihrer Fest­nah­me. Meh­re­re regie­rungs­freund­li­che und staat­li­che Medi­en ver­öf­fent­lich­ten Arti­kel über das Video und behaup­te­ten fälsch­lich, dass sie eine Akti­vis­tin der Jugend­be­we­gung 6. April sei und bei der ECRF arbei­te. Dar­über­hin­aus schrie­ben sie, dass sie mit dem Direk­tor der ECRF ver­hei­ra­tet sei und ver­stie­ßen damit gegen ihr Recht auf Pri­vat­sphä­re.“ - Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen bis spä­tes­tens zum 30.6.2018 unter > ai : urgent action
ping

///

von stühlen

2

nord­pol : 7.58 UTC — Im Haus der alten Men­schen sit­zen Damen an einem Tisch von früh bis spät. Ein Fern­seh­ap­pa­rat, der an der Wand hängt, flach wie ein Schol­len­fisch, spult sich durch den Tag. Die alten Damen neh­men kaum Notiz von dem Licht, das auf sie fällt. Der Ton ist aus­ge­schal­tet, der Fisch ist stumm. So sit­zen sie zeit­los, wie mir scheint, sie erin­nern sich ver­mut­lich nicht, ob ich an die­sem Tag schon an ihnen vor­über gekom­men bin, aber sie ken­nen mich, den treu­en Besu­cher, ich habe doch einen Ein­druck hin­ter­las­sen. Wenn ich mich über einen lan­gen Flur spa­zie­rend dem Raum der alten Damen nähe­re, weiß ich prä­zi­se vor­her­zu­sa­gen, wel­che der Damen auf wel­chem der Stüh­le sit­zen wird, vor dem Tisch, der drei­mal am Tag sich füllt, mit Spei­sen, auch mit Kaf­fee oder gekühl­tem Him­beer­saft. Nur wenn das Wet­ter sich Hals über Kopf ver­än­dern wird, davon erzäh­len lee­re Stüh­le, die doch von den Abwe­sen­den besetzt sind, sie war­ten oder schla­fen nachts im Halb­dun­kel, schla­fen­de Stüh­le. — stop

ping

///

minutengeschichte

2

echo : 0.02 UTC — Im Haus der alten Men­schen in einem Flur steht ein Roll­stuhl. Eine win­zi­ge Per­son sitzt in die­sem Stuhl, so klein ist sie, dass von hin­ten her nur ein Hut von ihr zu sehen ist, der sich nicht bewegt, weil die klei­ne Per­son, eine alte Dame, ein­ge­schla­fen ist. Auf einem Sofa in ihrer unmit­tel­ba­ren Nähe hockt ein Mann, ihr Sohn. Der Sohn schaut zum Fens­ter hin­aus, es blitzt, ein Regen beginnt, der die Luft hell wer­den lässt, und dann don­nert es, und die alte Dame wird wach. Mit ihren mage­ren Hän­den, die zit­tern, nähert sie sich ihrem Sohn. Er lächelt sie an, und sie sagt zu ihm: Komm, hilf mir, ich möch­te auf­ste­hen und gehen. Und der Mann ant­wor­tet: Mut­ter, du kannst nicht gehen, Du bist seit einem Jahr nicht auf eige­nen Bei­nen gestan­den, Du bist schwer gestürzt, Du bist auf Dei­nen Kopf gefal­len, Dei­ne Bei­ne sind so dünn, dass ich sie je mit einer Hand umfas­sen könn­te. Und da sagt die alte Dame zu ihm: Ich kann gehen, ich weiß das, komm hilf mir, ich bin immer gegan­gen. War­um willst Du mir nicht hel­fen! Und sie sieht ihn an, er kennt die­sen Blick. Und es don­nert und blitzt da drau­ßen vor dem Fens­ter, ein wun­der­ba­res Gewit­ter, ganz wun­der­bar. — stop
ping

///

nacht wird um 8

2

nord­pol : 0.05 UTC — Im Haus der alten Men­schen wird für sei­ne Bewoh­ner Nacht um 8, wenn für die Besu­cher gera­de eben­die­ses Hau­ses der Abend erst beginnt. Es war heu­te Gewit­ter­luft gewe­sen, wes­halb vie­le der alten Men­schen nicht auf­ste­hen woll­ten. Also blie­ben sie lie­gen und ver­irr­ten sich nicht. Es ist näm­lich so, dass man sich, wenn man im Haus der alten Men­schen ein Zim­mer genom­men hat, manch­mal nicht weiß, wer man ist, oder man weiß nicht, wo zu Hau­se sein könn­te, und bekommt, wenn man zu einer Schwes­ter sagt: Ich möch­te heim, zur Ant­wort: Mei­ne Lie­be, hier ist Daheim. Auf den Rücken der alten Men­schen, die nicht wis­sen, wo sie sind, steht zu lesen: Ich hei­ße so oder so, ich habe mich ver­lau­fen, ich woh­ne im Haus der alten Men­schen, bit­te brin­gen Sie mich nach Hau­se. Auf einem Tisch hier daheim steht ein Schall­plat­ten­spie­ler, der Musik macht, die ver­traut ist, auch wenn man nicht weiß, wer selbst man ist, es wird gesun­gen, es sind Lie­der der Kind­heit. Twit­ter kennt man hier nicht. — stop

///

eine seerose perdu

2

romeo : 8.55 UTC — Ges­tern, gegen Mit­ter­nacht, wur­de eine Per­son, die sich als deut­sche See­ro­se defi­nier­te, von Mit­ar­bei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen der Twit­ter­ma­schi­ne dau­er­haft aus­ge­sperrt, weil sie in regel­mä­ßi­ger Wei­se Men­schen nicht deut­scher Her­kunft an deut­schen Bäu­men erhän­gen woll­te. Ein Vor­gang, der ein sie­ben­jäh­ri­ges Twit­ter­le­ben abrupt been­de­te. Über zwölf­tau­send Kurz­nach­rich­ten sind sehr plötz­lich nicht wie­der­zu­fin­den, Geschich­ten aus einem Alb­traum­le­ben. Man (See­ro­se. Deutsch) fängt ver­mut­lich, ohne das Erhän­gen, wie­der von vorn an. — stop

ping

///

ai : BURUNDI

aihead2

MENSCH IN GEFAHR: „Nes­tor Nibi­tan­ga, ein ehe­ma­li­ger regio­na­ler Beob­ach­ter der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Asso­cia­ti­on pour la Pro­tec­tion des Droits Humains et des Per­son­nes Déte­nues (APRODH) in Zen­tral- und Ost-Burun­di wird seit mehr als fünf Mona­ten in Unter­su­chungs­haft gehal­ten. Ihm wer­den „Bedro­hung der natio­na­len Sicher­heit“ und „Rebel­li­on“ zur Last gelegt. Amnes­ty Inter­na­tio­nal ist der Ansicht, dass dies eine Ver­gel­tungs­maß­nah­me für sei­ne fried­li­che Men­schen­rechts­ak­ti­vi­tä­ten und sei­ne frü­he­re Zuge­hö­rig­keit zu APRODH sind. / Er wur­de am 21. Novem­ber 2017 bei sich zuhau­se in Gite­ga fest­ge­nom­men. Wäh­rend sei­ner Fest­nah­me nahm die Poli­zei zwei USB-Sticks aus sei­nem Haus an sich, von denen einer den Ent­wurf eines Tätig­keits­be­richts für ein loka­les Netz von Menschenrechtsbeobachter_innen ent­hielt. Nes­tor Nibi­tan­ga war zu der Zeit nicht bei APRODH ange­stellt, da sie eine von min­des­tens zehn Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen war, die der Innen­mi­nis­ter im Okto­ber 2016 geschlos­sen hat­te. Er warf den Orga­ni­sa­tio­nen vor, „den Ruf des Lan­des zu schä­di­gen“ und „Hass und Zwie­tracht unter der Bevöl­ke­rung zu säen“. / Zunächst war Nes­tor Nibi­tan­ga vom Geheim­dienst (Ser­vice natio­nal de rens­eig­ne­ment – SNR) ohne Zugang zu einem Rechts­bei­stand in der Haupt­stadt Bujum­bu­ra fest­ge­hal­ten wor­den. Am 4. Dezem­ber 2017 wur­de er dann in das Zen­tral­ge­fäng­nis Muremb­wa nach Rumon­ge gebracht. / Am 3. Janu­ar wur­de sein Antrag auf Frei­las­sung gegen Kau­ti­on abge­lehnt. Gegen die­se Ent­schei­dung hat er Rechts­mit­tel ein­ge­legt. / Amnes­ty Inter­na­tio­nal betrach­tet Nes­tor Nibi­tan­ga als gewalt­lo­sen poli­ti­schen Gefan­ge­nen, der auf­grund sei­ner fried­li­chen Men­schen­rechts­tä­tig­keit ins Visier gera­ten ist.“ - Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen bis spä­tes­tens zum 11.6.2018 unter > ai : urgent action
ping

///

verwandlung

2

echo : 0.52 UTC — Vor weni­gen Tagen führ­te ein Gedan­ken­aus­tausch mit einer Per­son, die mir in der digi­ta­len Sphä­re begeg­ne­te, zu einer selt­sa­men Situa­ti­on. Spä­ter Abend. Ich stand in der Küche und schau­te aus dem Fens­ter und über­leg­te, ob es sein kann, dass ein Mensch, der mei­nen tat­säch­li­chen Namen nicht kennt, weil ich mit ihm unter einem Deck­na­men dis­ku­tier­te, in der Lage sein könn­te, her­aus­zu­fin­den, wer ich tat­säch­lich bin, in wel­cher Stadt ich woh­ne, in wel­cher Stra­ße noch dazu. Er hat­te mich näm­lich als Tier bezeich­net, nach­dem ich ihn gefragt hat­te, ob er denn jemals mit einem Men­schen, der in Afri­ka gebo­ren wor­den war, per­sön­lich gespro­chen habe. Er schrieb: Du Zecke, so kön­nen nur Schma­rot­zer fra­gen. Ich ant­wor­te­te, ich müs­se doch anneh­men, dass er sehr vie­le afri­ka­ni­sche Men­schen ken­ne, weil er doch andau­ernd über sie schrei­ben wür­de, dass man oder gar er per­sön­lich inzwi­schen dar­an gewöhnt sei, dass Afri­ka­ner Babys Köp­fe abschnei­den. Und schon woll­te er mich besu­chen, nicht sofort, in ein paar Tagen, viel­leicht in der kom­men­den Woche, er wür­de mir dann das Licht aus­knip­sen. Des­halb stand ich in der Küche und über­leg­te. Es war kurz nach Mit­ter­nacht. — stop

///

von bestien

pic

lima : 15.42 UTC – Was für ein wun­der­ba­rer Nach­mit­tag. Son­ne scheint ins Arbeits­zim­mer, Magno­li­en blü­hen, und die Luft duf­tet nach Frö­schen und Zimt. Hör­te Char­lie Par­kers Sum­mer­ti­me, wäh­rend ich im Echo­kam­mer­th­read auf Posi­ti­on Twit­ter pfund­wei­se Dreh­or­gel­sät­ze über Gut­men­schen lese, die man gern auf­hän­gen wür­de, wenn man doch end­lich ein­mal auf­räu­men dürf­te. Das Wort auf­räu­men ist ein sehr begehr­tes Wort in der Kam­mer. Auch heu­te wie­der geht Euro­pa, geht Deutsch­land unter, und alle, die ande­rer Ansicht sind, lügen. Wür­den sie, die Andre88 hei­ßen, Rebell77, Aus­bil­der Schmidt, Wer­wolf, Deutsch­ro­se, wür­den sie, die in die­ser Wei­se hei­ßen, tun, wovon sie reden, hät­ten wir vie­le lust­vol­le Bes­ti­en über­all auf den Stra­ßen, in den Parks, den Hin­ter­hö­fen. Auch Eich­hörn­chen, unse­re lie­ben mit­tel­eu­ro­päi­schen Eich­hörn­chen, wür­den dann, von Men­schen­vor­bil­dern gelei­tet, mit gefletsch­ten Zäh­nen zuge­reis­te Nut­ri­as im Teich des bota­ni­schen Gar­tens bis zu ihrem bit­te­ren Ende jagen. — stop
ping



ping

ping