Aus der Wörtersammlung: rain

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von reisenden papageien

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tan­go : 0.08 UTC — Als ich das Radio ein­schal­te­te, hör­te ich, bei Ryan­air, einer Flug­ge­sell­schaft, sol­len Stück­kos­ten, dem­zu­fol­ge die Kos­ten je trans­por­tier­ten Pas­sa­giers, erneut dra­ma­tisch gesun­ken sein. Wei­ter­hin wür­den in einem Land des Fer­nen Ostens bald Züge über das Land rasen, die stets sehr pünkt­lich sein wer­den, da sie auch von selbst mor­den­den Men­schen nie­mals auf­zu­hal­ten sind, sie fah­ren immer wei­ter und wei­ter zu. Auf der ers­ten Sei­te einer spa­ni­schen Pro­vinz­zei­tung sei ein leicht­ge­wich­ti­ger Hund zu sehen, der im Moment sei­ner Auf­nah­me von einer Elek­tro­droh­ne über ein Haus­dach beför­dert wur­de. Die Zahl der hun­gern­den Men­schen auf die­ser Welt wür­de im kom­men­den Jahr erfreu­li­cher­wei­se um 10 Mil­lio­nen auf unter 800 Mil­lio­nen Men­schen sin­ken. Das war am 27. Mai 2015 gewe­sen. Ges­tern erzähl­te das Radio, dass auch Kin­der aus der Ukrai­ne west­wärts flüch­ten. Sie sei­en lei­se sie ste­hen unter Schock. Geflüch­te­te Men­schen sagen: Wir sind kei­ne Flücht­lin­ge, wir sind Rei­sen­de. Auch Papa­gei­en rei­sen und Kat­zen und Hun­de. — stop / Es war lan­ge Zeit still in mei­nen Hän­den. Die­ser Text wur­de am 5. Juni für den 3. März notiert.
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pripyat

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echo : 21.08 UTC — Auf mei­nem Fern­seh­bild­schirm sicht­bar üben ukrai­ni­sche Sol­da­ten den Häu­ser­kampf in der win­ter­li­chen Stadt Prip­jat. Es ist Abend. Ich öff­ne mein Note­book, nähe­re mich in der digi­ta­len Sphä­re jener unheim­li­chen Stadt, Stadt eines Rie­sen­ra­des, ich erin­ne­re mich, ein Rie­sen­rad in die­ser selt­sam ein­sa­men Stadt. Da waren vor vie­len Jah­ren noch Men­schen gewe­sen, sie spa­zier­ten an einem son­ni­gen Tag durch einen Park, gro­ße Men­schen und Kin­der­men­schen kurz nach Hava­rie des nahen Reak­tors. Da waren Blit­ze, Spu­ren star­ker radio­ak­ti­ver Strah­lung, die sich in das Film­ma­te­ri­al, wel­ches von den gro­ßen Men­schen und den Kin­der­men­schen erzählt, ein­ge­brannt hat­te. All das plötz­lich wie­der gegen­wär­tig an die­sem Abend, da ich mei­ne Bild­schirm­rei­se begin­ne. Ich kom­me von Süden, es ist Som­mer. Win­ter­bil­der exis­tie­ren von die­ser nord­ukrai­ni­schen Land­schaft nicht in den Maga­zi­nen der Goog­le Earth Maschi­ne, aber eben som­mer­li­che Spu­ren, zwei Strö­me, Juni 2015 und ein wei­te­rer Strom, der im Som­mer 2020 auf­ge­zeich­net wur­de. Je eine schnur­ge­ra­de Stra­ße kur vor dem Check­point Leliv. Im Juni 2015 kom­men wir an, im Juli des Jah­res 2020 fah­ren wir wei­ter durch die Wäl­der des Sperr­ge­bie­tes kurz vor Tscher­no­byl. Die Stra­ße ist gepflegt, jen­seits der Stra­ße zer­fal­len­de Häu­ser, auch Gebüsch von leuch­ten­dem Grün. Plötz­lich eine klei­ne Stadt, die ich in die­ser Wild­nis nicht erwar­tet hat­te. Häu­ser­blocks. Strom­lei­tun­gen füh­ren über Brü­cken. Men­schen ste­hen in klei­nen Grup­pen am Stra­ßen­rand. Dann wie­der Juni 2015, wir pas­sie­ren das Denk­mal derer, die die Welt geret­tet haben. Da und dort Bir­ken, auch röt­lich gefärb­te Gewäch­se. Und Schil­der, gel­be Schil­der, die vor Strah­lung war­nen. Da und dort Wol­ken him­mel­wärts. — stop
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ai : BELARUS

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MENSCH IN GEFAHR: „Mar­fa Rab­ko­va ist eine Men­schen­rechts­ver­tei­di­ge­rin und arbei­tet als Koor­di­na­to­rin des Frei­wil­li­gen­diens­tes des Men­schen­rechts­zen­trums Vias­na. / Sie wur­de am 17. Sep­tem­ber fest­ge­nom­men und am 25. Sep­tem­ber unter Para­graf 293(3) des Straf­ge­setz­buchs (“Trai­ning oder ande­re Vor­be­rei­tung von Men­schen zur Teil­nah­me an Auf­stän­den, oder Finan­zie­rung sol­cher Akti­vi­tä­ten”) ange­klagt. Bei einer Ver­ur­tei­lung dro­hen ihr bis zu drei Jah­re im Gefäng­nis. Sie befin­det sich zur­zeit in der Unter­su­chungs­haft­ein­rich­tung Nr. 1 in Minsk./ Mar­fa Rab­ko­va ist eine gewalt­lo­se poli­ti­sche Gefan­ge­ne, die allein wegen ihres recht­mä­ßi­gen Ein­sat­zes als Men­schen­rechts­ver­tei­di­ge­rin schi­ka­niert wird. Sie beob­ach­tet Demons­tra­tio­nen und doku­men­tiert Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen wie Fol­ter oder ande­re Miss­hand­lun­gen an fried­li­chen Pro­tes­tie­ren­den durch Beamt_innen der Sicher­heits­be­hör­den. Mar­fa Rab­ko­va hat kei­ne Straf­tat began­gen. Ihre Straf­ver­fol­gung ist eine erheb­li­che Ver­let­zung der inter­na­tio­na­len men­schen­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen des Landes./ Die bela­rus­si­schen Behör­den müs­sen auf­hö­ren, Mit­glie­der des Men­schen­rechts­zen­trums Vias­na und ande­re zivil­ge­sell­schaft­li­che Aktivist_innen straf­recht­lich zu ver­fol­gen. Sie müs­sen die Rech­te auf Vereinigungs‑, Ver­samm­lungs- und Mei­nungs­frei­heit der bela­rus­si­schen Bevöl­ke­rung respek­tie­ren.“ - Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen bis spä­tes­tens zum 1.12.2020 unter > ai : urgent action

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fred im zug

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sier­ra : 22.32 UTC — Im Zug, es war Sams­tag, saßen nur weni­ge Men­schen. Sie tru­gen alle eine Mas­ke vor Mund und Nase. Ein selt­sa­mer, berüh­ren­der Anblick. Gera­de des­halb, weil sie schlie­fen, wirk­ten sie ver­letz­lich. Wie ich lang­sam an den Schla­fen­den vor­über­ging, die Ver­su­chung je einer Foto­gra­fie. Plötz­lich dach­te ich an den Posau­nis­ten Fred Wes­ley: Wie geht es Dir, Fred? Ich erin­ner­te mich so im Gehen an eine Nacht vor Jah­ren, da ich Fred Wes­ley mit­tels eines Film­do­ku­ments so lan­ge beob­ach­tet hat­te, bis ich der fes­ten Über­zeu­gung gewe­sen sein konn­te, eine Posau­ne habe auf Fred Wes­leys Schul­ter wie ein Tier Platz genom­men, sie habe den kor­pu­len­ten, alten Herrn sozu­sa­gen okku­piert:  Fun­ky! Fun­ky! Mit Fred Wes­ley ist das hof­fent­lich noch immer so: Er bewegt sich geschmei­dig und ele­gant, er scheint zu tan­zen, selbst dann noch, wenn er reg­los, wie schein­bar ange­hal­ten, für Sekun­den vor einem Mikro­fon ver­harrt. Ich hat­te damals den Ver­dacht, der alte Posau­nist ver­fü­ge über die Fähig­keit, außer­ge­wöhn­lich lan­ge Zeit die Luft anzu­hal­ten. Des­halb notier­te ich unver­züg­lich fol­gen­de E‑Mail: Sehr geehr­ter Mr. Wes­ley, es ist Mit­ter­nacht in Euro­pa. Ich hei­ße Lou­is, und ich wüss­te ger­ne, wo Sie sich gera­de befin­den, weil ich ein Gespräch mit Ihnen zu füh­ren wün­sche über das Anhal­ten der Luft und die­se Din­ge, die einem Posau­nis­ten, wie sie einer sind, viel­leicht außer­or­dent­lich gut gelin­gen. Ges­tern auf dem Weg von einem Zim­mer in ein ande­res Zim­mer, wäre ich um Haa­res­brei­te umge­fal­len, weil mir schwin­de­lig wur­de, weil ich kurz zuvor eine Minu­te und eine hal­be Minu­te nicht geat­met hat­te. Ich fra­ge mich, ob ich viel­leicht etwas falsch gemacht haben könn­te. Wie trai­nie­re ich am bes­ten und was sind sinn­vol­le Zie­le, die ein Mensch in die­sem Sport errei­chen kann, ohne sein Leben aufs Spiel zu set­zen? Soll ich mir eine Posau­ne kau­fen? Wie auch immer, ver­ehr­ter Mr. Wes­ley, ich wäre Ihnen dank­bar, wenn Sie mir recht bald ant­wor­ten wür­den, damit ich sogleich mit mei­nen Übun­gen fort­fah­ren kann. Ihr Lou­is — stop
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früh auf der straße

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marim­ba : 8.56 UTC — Ein­mal, Jah­re sind ver­gan­gen, hat­te ich mir vor­ge­nom­men, eine Notiz über eine Amei­se zu schrei­ben, die ich an einem Nach­mit­tag in einem U‑Bahnwaggon ange­trof­fen hat­te. Aber dann beob­ach­te­te ich mei­ne Hän­de, Hän­de, wie sie dicht über der Tas­ta­tur der Schreib­ma­schi­ne schwe­bend auf Anwei­sung war­te­ten. Ich bemerk­te damals, dass mei­ne Hän­de jene ana­to­mi­schen Struk­tu­ren mei­nes Kör­pers sind, die ich am bes­ten ken­ne, weil ich sie oft betrach­tet habe. Alle mei­ne Hän­de, die ich erin­nern kann, sind die Hän­de eines Men­schen, der nicht mehr Kind ist. Aber ich erin­ne­re mich an Bewe­gun­gen, die Kis­sen in einem Kin­der­wa­gen sor­tie­ren. Ich erin­ne­re mich an mei­nen Wunsch, in mei­nem Kin­der­wa­gen Ord­nung zu hal­ten. An höl­zer­nes Spiel­zeug erin­ne­re ich mich, das vor mei­ner Nase bau­mel­te. Da sind jetzt win­zi­ge, blaue Schu­he in mei­nem Kopf. Sie bewe­gen sich, wenn ich wün­sche, dass sie sich bewe­gen. — Heu­te am frü­hen Mor­gen war­te­te ich vor einem Laden auf Ein­lass. Ich trug eine Mund­be­de­ckung, noch immer ver­su­che ich mich an Stoff­strei­fen vor mei­nem Gesicht zu gewöh­nen. In mei­ner nächs­ten Nähe ging eine uralte Frau auf ihren Stock gestützt auf und ab. Ich glau­be, sie woll­te trai­nie­ren. Sie war klein, zier­lich, zer­brech­lich. Auch sie trug einen Mund­schutz vor dem Gesicht, der zer­knit­tert war, als wür­de sie ihn bereits seit Jah­ren tra­gen. Ich woll­te sie auf den Arm neh­men, um sie zu beschüt­zen. Ich glau­be, sie fürch­te­te mei­nen Blick. — stop

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von den fächertieren

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echo : 18.06 UTC — Erin­nern Sie sich an das Geräusch der Tau­ben in einem Tau­ben­schlag, ich mei­ne an das Geräusch der Flü­gel, wenn sie ihre Federn schüt­teln? Soll­ten Sie sich erin­nern, wird Ihnen nicht schwer­fal­len, einen klei­nen Laden vor­zu­stel­len, in wel­chem Fächer­tie­re woh­nen, die erwar­ten, dass irgend­je­mand sie mit sich nimmt, ein Ort vol­ler Win­de kreuz und quer. Fächer­tie­re sind wert­vol­le Geschöp­fe. Ein aus­ge­wach­se­nes, gut trai­nier­tes Exem­plar wird nicht unter 750 Pfund gehan­delt. Wenn man nun eines die­ser Wesen aus einer Schar hun­der­ter wei­te­rer Wesen wähl­te, wird es in einen beson­de­ren Kof­fer ver­staut. Es han­delt sich um einen knö­cher­nen Behäl­ter von läng­li­cher Form, in dem das Fächer­tier zur Ruhe gelegt wer­den kann. Nicht not­wen­dig zu erwäh­nen, dass das Tier gegen sei­ne Fes­se­lung mit­tels fau­chen­der Lau­te pro­tes­tie­ren wird, aber das gibt sich bald, das muss man sich nicht all­zu sehr zu Her­zen neh­men. Kaum aus dem Laden getre­ten, schläft das Fächer­tier ein, das machen sie in Zei­ten einer Rei­se immer, es ist nichts ande­res zu tun. Und so geht man also spa­zie­ren. Bald sitzt man in einer Stra­ßen­bahn, es ist heiß, es ist schwül, jetzt soll­te man das klei­ne Tier aus sei­nem Köcher holen. Man hält es vor­sich­tig in der Hand, unver­züg­lich wird das selt­sa­me Wesen wach. Dort wo die Federn des Tie­res in einem Punkt zuein­an­der lau­fen, ist nun, aus der Nähe betrach­tet, ein klei­ner, run­der Kör­per zu ent­de­cken, so groß wie eine Mur­mel, der atmet, zwei Augen auch, und ein Schna­bel, in dem sich eine Zun­ge hin und her bewegt, die einer Karp­fen­zun­ge ähnelt. Man darf das Tier an die­ser Stel­le berüh­ren, sanft, dann lässt man es los. Das Fächer­tier ent­fal­tet sich, präch­ti­ge Far­ben, Mus­ter, die sich von Tier zu Tier unter­schei­den, kei­nes gleicht dem ande­ren. Und schon geht es los, eine Bewe­gung auf und ab, hin und her, küh­len­de Win­de, es ist ganz wun­der­bar. Indes­sen, in den ers­ten Minu­ten stau­nen­der Beob­ach­tung, wird man viel­leicht befürch­ten, sie könn­ten sich ent­fer­nen, aber das ist nie­mals der Fall. — stop

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patagonien

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nord­pol : 22.08 UTC – Schnee liegt sehr fein wie gepu­dert, die Luft klirrt von der Käl­te, Eich­hörn­chen het­zen über die Stra­ße. Das Haus, in dem die alten Men­schen woh­nen, dampft, aus den Schorn­stei­nen wie ein gro­ßes Schiff, das gera­de Anlauf nimmt, um in See zu ste­chen. Der Boden, auf dem ich gehe unter Bäu­men, an deren blatt­lo­sen Ästen sich fros­ti­ge Äpfel hal­ten, zit­tert. Und auch der lan­ge Flur im Haus, über den ich spa­zie­re, scheint unter mei­nen Füßen zu schlin­gern. An einem Tisch sitzt eine alte Leh­re­rin, sie sitzt immer nur so da und schaut zum Fens­ter hin­aus, sie spricht nicht, nie­mals. Eine ande­re alte Dame han­gelt sich in ihrem Roll­stuhl sit­zend durch die Flu­re von mor­gens bis abends, sie lächelt, wenn man ihr begeg­net. Klein ist sie, zier­lich, trai­niert wie eine Tur­ne­rin, mage­re und doch kräf­ti­ge Arme. Bei­na­he mei­ne ich, dass sie sich an mich viel­leicht erin­nert, sie lächelt mich an, ver­mut­lich des­halb, weil ich ihr schon häu­fig begeg­ne­te. Längst könn­te sie eine Stre­cke bis nach Mexi­ko in die­ser han­geln­den Wei­se zurück­ge­legt haben. Oder bis nach Pata­go­ni­en. — stop

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ein taucher

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nord­pol : 10.12 — Ich hör­te, auf Grön­land soll in einer Sied­lung nörd­lich des Polar­krei­ses ein Mann exis­tie­ren, der trai­niert wur­de, in Wal­fisch­kör­pern zu tau­chen. Sobald sorg­fäl­tigs­te Unter­su­chung eines gestran­de­ten Tie­res not­wen­dig wer­den soll­te, wür­de jener Wal­fisch­tau­cher unver­züg­lich zur Arbeit geru­fen. Ich stel­le mir vor, wie der Mann in einen Neo­pren­an­zug gehüllt, mit einem fla­chen Sau­er­stoff­ge­rät aus­ge­rüs­tet, einer star­ken Lam­pe, zwei äußerst schar­fen Mes­sern, sowie einem ange­spitz­ten Helm aus­ge­rüs­tet, am Strand ruhen­de Leich­na­me besucht, die mög­li­cher­wei­se noch warm sind. Ein fast laut­lo­ser Vor­gang. Der Tau­cher ver­schwin­det voll­stän­dig, arbei­tet sich Zen­ti­me­ter um Zen­ti­me­ter schnei­dend durch den Kör­per vor­an. Viel­leicht wird sei­ne Stim­me zu hören sein, eine Funk­stim­me, die bis­wei­len mel­det, dass er sich gut füh­le, dass er das Herz des Wales bald errei­chen wer­de, das ist denk­bar. — stop

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nuevo mundo

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lima : 12.15 UTC — Ich stel­le mir einen Film vor, ein media­les Arche Noah Prin­zip, jedes Lebe­we­sen unse­res Pla­ne­ten wäre dar­auf ver­zeich­net, jede Pflan­ze, auch das mikro­sko­pisch Kleins­te, Mikro­ben, Bak­te­ri­en, Viren. In kür­zes­te Schnitt­fol­gen müss­te die­ser Film zer­legt sein, um in mensch­li­cher Lebens­zeit je betrach­tet wer­den zu kön­nen. Wel­ches Lebe­we­sen könn­te auf dem letz­ten ver­füg­ba­ren Bild des Fil­mes zu sehen sein? — stop

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von stimmen

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del­ta : 18.12 UTC — Ich habe lan­ge Zeit über das Bild der Kehl­köp­fe nach­ge­dacht, wie sie in einem ana­to­mi­schen Prä­pa­rier­saal durch die Luft flie­gen, als wären sie Vögel. Wann die­ses Bild zum ers­ten Mal auf­tauch­te, weiß ich nicht. Viel­leicht wäh­rend eines Spa­zier­gan­ges über den alten Münch­ner Fried­hof St. Georg. Ich stand vor Liesl Karl­stadts Grab, plötz­lich hör­te ich ihre Stim­me, die von irgend­wo her aus den Kas­ta­ni­en­bäu­men in nächs­ter Nähe zu kom­men schien. Oran­ge­far­be­ne Blü­ten, Fuchs­köp­fen ähn­lich, lun­ger­ten auf dem klei­nen Karl­stadt­hü­gel. Blaue Füh­ler­kä­fer hetz­ten über san­di­gen Boden. Wald­bie­nen, Moo­shum­meln, Rau­pen­flie­gen, es sirr­te und brumm­te in allen mög­li­chen Tönen. Auf dem Gedenk­stein für Rai­ner Wer­ner Fass­bin­der hock­te ein Mari­en­kä­fer von Holz, der Schirm eines Fächer­ahorns spen­de­te Schat­ten. Auch an Fass­bin­ders Stim­me konn­te ich mich sofort erin­nern, ohne einen kon­kre­ten Satz aus sei­nem Mun­de zu ver­neh­men. Es war ganz so, als wür­den die Stim­me in mei­nem Kopf eine Stim­me simu­lie­ren. Erich Käst­ner aller­dings war mir ent­we­der abhan­den­ge­kom­men oder ich habe sei­ne Stim­me tat­säch­lich noch nie in mei­nem Leben gehört. Aber den Sedl­mayr, Wal­ter, erin­ner­te ich unver­züg­lich und auch die ange­nehm war­me Stim­me Bernd Eichin­gers, der so plötz­lich gestor­ben war. Som­mer­fä­den schweb­ten durch die Luft. Das Rascheln der Eich­hörn­chen unter dem Efeu. Über mir ein blau­grau­er, blit­zen­der Him­mel. Es duf­te­te nach Zimt, war­um? — stop / koffertext 

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