Aus der Wörtersammlung: telefon

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am telefon

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romeo : 0.03 — Ich hat­te vor­ges­tern mit einem Amt tele­fo­niert. Ich saß auf einem Stuhl und ver­zeich­ne­te in einem Notiz­block, wel­che Papie­re das Amt benö­tigt, um ent­schei­den zu kön­nen, was nun von amt­li­cher Sei­te her zu tun ist, nach­dem mein Vater nicht mehr lebt. Ich hör­te die Stim­me einer jun­gen Frau, sie sag­te: Haben sie schon eine Ster­be­ur­kun­de erhal­ten? Wenn sie eine Ster­be­ur­kun­de erhal­ten haben, sen­den Sie uns das Doku­ment bit­te zu, damit wir nach­voll­zie­hen kön­nen, dass ihr Vater gestor­ben ist. Solan­ge wir ihre Urkun­de nicht erhal­ten haben, ver­ste­hen sie, ist ihr Vater den Fak­ten nach noch am Leben. Ich schick­te ein lei­ses Lachen durchs Tele­fon, ein lei­ses Lachen kehr­te von der ande­ren Sei­te her zurück. Ges­tern tele­fo­nier­te ich wie­der­um mit der jun­gen Frau vom Amt. Ich teil­te ihr mit, dass ich das Doku­ment zu ihr hin abge­schickt haben wür­de. Ein sehr selt­sa­mer Moment. Ich war, wäh­rend ich tele­fo­nier­te, wie­der ein­mal in der Lage gewe­sen, mei­nen Vater zu sehen, wie er vor­sich­tig, Schritt um Schritt, die Trep­pe her­un­ter­kommt. Ich press­te den Tele­fon­ap­pa­rat an mein rech­tes Ohr, mit dem lin­ken Ohr erwar­te­te ich, dass die Stim­me mei­nes Vaters in der nächs­ten Sekun­de hör­bar wer­den wür­de. — stop

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das licht eines nahenden todes

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char­lie : 15.14 — Wie ein nahen­der Tod in den Bewe­gun­gen der Men­schen auf Hos­pi­tal­flu­ren, in Gesprä­chen, Nach­rich­ten, Tele­fo­na­ten, auch in den Bli­cken pfle­gen­der Schwes­tern und behan­deln­der Ärz­tin­nen nach und nach erscheint. Das Licht des kom­men­den Endes wird sicht­bar im Leis­er­wer­den der Stim­me des Ster­ben­den, ein Mund, der sich öff­net wie der Mund eines jun­gen Vogels, nach Luft suchend, nach etwas Was­ser, Tee, Apri­ko­se. Letz­te zärt­li­che Berüh­run­gen, die Küh­le der Glie­der, wan­dern­de Far­ben der Haut, lie­be­vol­le Sät­ze von Dank, Kla­gen, Wei­nen, Gebe­te. Ja, das Licht eines nahen­den Todes erscheint nach und nach unauf­halt­sam wie das Licht der Far­ben auf einer Pola­roid­fo­to­gra­fie erscheint. — stop

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die stimme meines Vaters

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ulys­ses : 22.18 — Im Som­mer des Jah­res 2007, wäh­rend ich gera­de an mei­ner Bir­dy­ma­schi­ne arbei­te­te, tele­fo­nier­te ich mit mei­nem Vater. Es war eine war­me Zeit gewe­sen, die Fens­ter im weit ent­fern­ten Arbeits­zim­mer stan­den offen. Ich hör­te über eine Tele­fon­lei­tung, die ver­mut­lich durch den Welt­raum führ­te, Vögel im Gar­ten pfei­fen. Und da war noch etwas ande­res, da waren Funk­ge­räu­sche und der Gesang der Wale und ein Ras­peln, das Stimm­ge­räusch Bir­dys. Ich erin­ne­re mich, mein Vater beob­ach­te­te in jenem Som­mer Bir­dy täg­lich stun­den­lang vor sei­nem Com­pu­ter sit­zend. Sobald er einen Feh­ler bemerk­te, mel­de­te er den Feh­ler unver­züg­lich an mich wei­ter. Er nahm in die­ser zeit­li­chen Nähe Instru­men­te der klei­nen Erzähl­ma­schi­ne wahr, die ich gera­de erst in Betrieb genom­men hat­te. Von jeder Ent­de­ckung berich­te­te er in einer Wei­se, als ob er der ers­te Mensch gewe­sen sei, der sie zu Gesicht bekom­men hat­te, auf­ge­regt, kom­men­tie­rend, fra­gend. Ein sanf­ter Gedan­ke an einem Tag, da ich seit weni­gen Stun­den weiß, dass ich die Stim­me mei­nes Vaters nie wie­der hören wer­de. — stop
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peru

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sier­ra : 0.02 — Ein Tele­fon klin­gelt und hört sofort wie­der auf. Aus einem Buch fällt eine Kino­kar­te, sie ist 21 Jah­re alt, Down by Law. Ein perua­ni­scher Zwerg­kak­tus auf mei­nem süd­öst­li­chen Fens­ter­brett beginnt zu blü­hen. Das Knis­tern in der Tie­fe mei­nes Armes. Und ein Fal­ter, still, das Dioden­licht sei­ner Augen. Eine Wie­se von Leber­blüm­chen. Wie klei­ne Din­ge in die­sen Tagen beru­hi­gen. – stop

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in der dritten stunde schlafloser nacht

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gink­go : 2.55 — In dem Doku­men­tar­film Unter Kon­trol­le, der von den inne­ren Räu­men des Atom­kraft­zeit­al­ters her erzählt, erklärt ein lei­ten­der Inge­nieur den Wir­kungs­zu­sam­men­hang zwi­schen com­pu­ter­ge­steu­er­ten Rou­ti­nen und mensch­li­chen Wir­kungs­op­tio­nen, die zu Sicher­heit oder mög­lichst gerin­ger Unsi­cher­heit füh­ren sol­len. Es ist ein sym­pa­thi­scher älte­rer Herr, der dort spricht. Man sieht, er ist stolz auf die von mensch­li­chem Geist geschaf­fe­ne Maschi­ne. Um sei­ner Über­zeu­gungs­kraft nicht voll­stän­dig zu erlie­gen, muss ich mich bemü­hen, ich schwim­me, mit­tels Gedan­ken­be­we­gung, gera­de­zu an gegen den Sog sei­ner Argu­men­ta­ti­on, ich den­ke: Three Mile Island, Tscher­no­byl, Fuku­shi­ma, ein Tele­gramm, den­ke ich, das sich wie­der­ho­len lässt, ein klei­ner Kopf­ro­tor. Ein­mal äußert der sym­pa­thi­sche alte Mann einen höchst bemer­kens­wer­ten Gedan­ken, er sagt, dass sta­tis­tisch gese­hen jeder Mensch 10 Feh­ler in einer Stun­de unter­neh­men wür­de. Das ist eine sehr selt­sa­me Sache. Mir geht das nicht mehr aus dem Kopf. Es ist jetzt bald drei Uhr in der Nacht, der Sta­tis­tik zufol­ge habe ich bis­her 28 Feh­ler unter­nom­men, die jeder für sich nicht schwer gewe­sen sein dürf­ten, weil ich noch immer exis­tie­re. Ich ruh­te, zum Bei­spiel, in der ver­gan­ge­nen Stun­de auf einem Sofa, ich habe weder tele­fo­niert noch habe ich Musik gehört, auch habe ich in kei­nem Buch gele­sen, ich habe an mei­nen Vater gedacht, an mei­ne Mut­ter, an mei­ne Schwes­ter, an mei­ne Brü­der, und auch an jenen älte­ren Herrn und sei­ne Begrün­dung der Maschi­ne. Bald, in weni­gen Minu­ten, wer­de ich in die vier­te Stun­de die­ses Tages tre­ten. — stop
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bewegung

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nord­pol : 0.28 — Wie Peter Bich­sel vor Jah­ren in einer Film­do­ku­men­ta­ti­on von einem Zustand der Bewe­gung berich­te­te, der für ihn zum Schrei­ben hilf­reich sei. Fah­ren. Rei­sen. Der Schrift­stel­ler saß, indem er das erzähl­te, in einem Wag­gon der Schwei­zer Bun­des­bahn, Land­schaft mit Bäu­men schweb­te hin­ter dem Fens­ter vor­bei, und ich mei­ne, mich rich­tig zu erin­nern, wenn sich das Gesicht des Dich­ters in der Schei­be spie­gel­te. Immer wie­der ein­mal habe ich an die­se Situa­ti­on gedacht, ges­tern zuletzt, weil ich bemerk­te, dass mir in die­sen Tagen die Stun­den des Schrei­bens auf der Sta­ten Island Fäh­re feh­len, Stun­den bemer­kens­wer­ter Beweg­lich­keit in mei­nen Gedan­ken. Nicht allein die gleich­mä­ßi­ge Bewe­gung des Schif­fes, scheint eine selt­sa­me Öff­nung mei­ner Gedan­ken bewirkt zu haben, oder der Blick auf das Meer, die Sil­hou­et­te Brook­lyns, den Hafen New Jer­seys, sei­ne Krä­ne, die wie Stor­chen­vö­gel am Hori­zont zu sehen sind, in mei­nem Fall waren es die Men­schen, ihre Gesich­ter, Stim­men, Bewe­gun­gen, Gerü­che, Hüte, Tele­fo­ne, Schu­he, Taschen, Gesprä­che, die mich mit Span­nung einer­seits und inne­rer Ruhe ander­seits ver­sorg­ten. Ich ahne, ich ver­mag in der Umge­bung zahl­rei­cher Men­schen, die sich nicht wei­ter um mich küm­mern, sehr lan­ge Zei­ten und weit geöff­net still­zu­sit­zen. Mei­ne Augen spa­zie­ren her­um und mei­ne Ohren, mein Schreib­ge­hirn aber scheint indes­sen in eine ganz ande­re Rich­tung zu schau­en. War­um das so ist, weiß ich nicht. – Ein stil­les Gebet seit Tagen.

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upper west side : broadway

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del­ta : 8.05 — Das Haus am River­si­de Dri­ve, in dem Uwe John­son leb­te und arbei­te­te. Pfa­de, die Uwe John­son spa­ziert haben könn­te. Eine Sub­way Sta­ti­on, 96. Stra­ße, uralte, dunk­le Bäu­me. Das Regen­licht über dem Hud­son. Was­ser­tanks, die auf Dächern wach­sen. Auf dem Broad­way tor­kelt eine Ampel. Klei­ne, schwar­ze, schweig­sa­me Män­ner in grü­nen Uni­for­men der Frei­heits­sta­tue ver­tei­len Ein­la­dun­gen zur Schiff­fahrt. Eine Kut­sche wei­ßer Pfer­de, damp­fen­de Nüs­tern, klap­pert in Rich­tung Cen­tral Park. Es ist Mon­tag, oder Diens­tag oder Sonn­tag. Eine Frau, sie tele­fo­niert in einer Spra­che, die ich noch nie zuvor hör­te. Ein Mann mit Kühl­schrank war­tet am Stra­ßen­rand. Schnel­le, scheue Bli­cke. — stop

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manhattan : subwayaugen

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tan­go : 0.02 — Ich fah­re in der Sub­way, ein Buch in Hän­den, in oder über der Stadt unter Men­schen sit­zend dahin und bän­di­ge mei­nen Blick. Ich kann nun tat­säch­lich lesen, also abwe­send sein. Oder ich kann vor­ge­ben, als ob ich lesen wür­de. In die­sem Fall betrach­te ich Buch­sta­ben oder die Sei­te eines Buches und ihre Zei­chen oder das Buch ins­ge­samt. Ande­re, die in mei­ner Nähe rei­sen, betrach­ten ihre Hän­de oder ihr Tele­fon oder eine Zei­tung. Wie­der ande­re lesen in der Zei­tung, sind dem­zu­fol­ge tat­säch­lich nicht anwe­send oder nur zum Teil anwe­send, wäh­rend ein Auge den Zei­len folgt, trach­tet das ande­re Auge nach innen gerich­tet in den kom­men­den Abend oder auf den ver­gan­ge­nen Mor­gen zurück. Ges­tern, auf der Fahrt mit der Linie D von der 96. Stra­ße West nach Coney Island, habe ich ein schö­nes Buch beob­ach­tet. E.B.Whites Essay Here is New York. stop. Regen. stop. Es ist warm gewor­den. Man­che New Yor­ker tra­gen Som­mer­klei­dung für einen Tag, ande­re Hand­schu­he. In der Däm­me­rung in den Pfüt­zen der Stra­ßen wie­der blin­ken­de, damp­fen­de Hun­de, künst­li­che Licht­na­tu­ren. Gespens­ter. — stop

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körpergeräusch

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echo : 18.25 — Hat­te gera­de noch von einem schnar­ren­den Geräusch erzählt, das mei­nem Arm ent­kommt, sobald ich ihn hori­zon­tal bewe­ge, um zur Geschmei­dig­keit zu über­re­den. Ein Ras­peln, das ich spü­re und höre zur sel­ben Zeit. Ich leg­te den Tele­fon­hö­rer zur Sei­te. Genau in die­sem Moment war das Geräusch, von dem ich einem weit ent­fern­ten Men­schen berich­tet hat­te, wie­der im Raum gewe­sen, als ob es sich behaup­ten woll­te, bewei­sen, bestä­ti­gen, dass es tat­säch­lich exis­tiert. Ich über­leg­te, ob das Schnar­ren in mei­nem Arm vor­über­ge­hen­der Natur oder doch eher dau­er­haft sein könn­te, sagen wir, für immer, zeit mei­nes Lebens ein Ras­peln, ein Knar­zen, sehr lei­se, eigent­lich nur hör­bar in der Stil­le bei Bewe­gung. Sturm vor den Fens­tern. Regen knis­tert an den Schei­ben. Ich ent­de­cke in die­sen Minu­ten, dass ich Geräu­sche, die in mei­nem Kör­per unter der Haut sich ereig­nen, auch dann zu hören ver­mag, wenn ich sie nicht hören kann, weil sie zu lei­se sind in einer Regen­wind­um­ge­bung. Es knirscht die Erin­ne­rung an ein Geräusch, oder ich höre, – das ist denk­bar -, das Geräusch durch mei­nen Kör­per wan­dern. — stop

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muschelsegel

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tan­go : 8.25 — Eine Maschi­ne, die selt­sam brau­sen­de Strö­me zu erzeu­gen ver­mag, wird gleich zum Ein­satz kom­men. Nicht viel grö­ßer als ein Hand­te­le­fon sit­zen zwei Fort­sät­ze von Plas­tik an ihrem Gehäu­se wie leben­de Muscheln fest. In der Nähe die­ser Muschel­rä­der ent­kom­men dem Kör­per des Gerä­tes zwei Dräh­te, die sich an ihren Enden tei­len. Metal­le­ne Segel sind dort befes­tigt, die ich an mei­nem Arm der­art anle­gen kann, dass sie sich fest­zu­hal­ten schei­nen. In dem Moment nun, da ich an den Muschel­räd­chen dre­he, beginnt der Appa­rat zu brum­men. Ein leich­tes Bren­nen auf der Haut und in die Tie­fe, und schon beginnt sich mein Arm zu heben und zu sen­ken, ohne dass ich ihm Anwei­sung zu die­ser Bewe­gung erteilt haben wür­de. Wenn ich nun die Hand mei­nes elek­tri­sier­ten Armes auf die Leh­ne eines Stuh­les sin­ken las­se, scheint das Holz unter ihr zu wan­dern, obwohl ich mit mei­nen Augen wahr­neh­men kann, dass der Stuhl sich nicht im Gerings­ten bewegt. Bald wan­dert auch der Boden, die Wän­de des Zim­mers schlie­ßen sich an, das Fens­ter zu den Ber­gen hin, die Ber­ge selbst. Sechs Uhr und zehn Minu­ten. Ein Ober­arm­mus­kel flat­tert. — stop

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