Aus der Wörtersammlung: telefon

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esmeralda

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tan­go : 22.08 — Vor zwei Tagen, spä­ter Nach­mit­tag, über­reich­te mir ein schwer atmen­der Bote ein Päck­chen, auf des­sen Anschrif­ten­sei­te mit wuch­ti­gen Druck­buch­sta­ben eine Anwei­sung notiert wor­den war: Do not shake! Der jun­ge Mann, viel­leicht um mich zu war­nen, deu­te­te auf die Schach­tel in sei­ner Hand und sag­te: Ich rie­che, dass in die­sem Päck­chen etwas lebt! Und schon war er wie­der auf der Trep­pe ver­schwun­den. Tat­säch­lich han­del­te es sich bei dem Päck­chen um einen Lebend­trans­port, der in der ita­lie­ni­schen Hafen­stadt Tala­mo­ne auf­ge­ge­ben wor­den war. Eine Schne­cke hock­te in einer per­fo­rier­ten Schach­tel geduckt unter wel­ken Blät­tern. Als ich das klei­ne Tier vor­sich­tig auf einen Tel­ler setz­te, mach­te es zunächst einen sehr müden, erschöpf­ten Ein­druck. Sein Haus schien bald vom Kör­per zu rut­schen, auch wur­de kei­ner­lei Flucht­ver­such unter­nom­men, statt­des­sen saß die Schne­cke nahe­zu ohne Bewe­gung und schau­te mich an. Selbst, als ich mich mit einem Fin­ger näher­te, zog sie sich nicht in ihr Kalk­ge­win­de zurück. Eine hal­be Stun­de lang betrach­te­ten wir uns gedul­dig. Dann war spä­ter Abend gewor­den, ich hat­te mehr­fach tele­fo­niert, der Schne­cke ein Apfel­stück­chen ange­bo­ten, das Pack­pa­pier, in wel­ches die Sen­dung ein­ge­schla­gen gewe­sen war, auf der Suche nach einer Bot­schaft oder einem Absen­der, ein­ge­hend unter­sucht, und war dann kurz spa­zie­ren gegan­gen. Indes­sen hat­te sich die Schne­cke in Rich­tung der Süd­wand mei­ner Küche in Bewe­gung gesetzt, war von dort aus, eine schim­mern­de Spur hin­ter­las­send, wei­ter zur Die­le hin gewan­dert, erreich­te dort den Boden, um eine hal­be Stun­de spä­ter mein Arbeits­zim­mer zu betre­ten. Der­art lei­se war die Schne­cke wei­ter­ge­zo­gen, dass ich sie bei­na­he ver­ges­sen hät­te. Dann war Sams­tag, der Sams­tag ver­ging, zwei wei­te­re Stück­chen Apfel, und es wur­de Sonn­tag und wie­der Abend und es begann zu reg­nen. In die­sem Moment sitzt die Schne­cke einen hal­ben Meter hoch über dem Fuß­bo­den an der Wand mei­nes Wohn­zim­mers. Sie scheint zu schla­fen. Wie­der­um ist sie nicht in ihrem Häus­chen ver­schwun­den, was höchst merk­wür­dig ist. — stop

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polaroidanemonen

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ping

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alpha : 22.08 — Ich besit­ze zwei Schreib­ma­schi­nen, eine klei­ne, fla­che und eine grö­ße­re, schwe­re Schreib­ma­schi­ne. Nun ist das so: In dem Moment, da ich bei­de Schreib­ma­schi­nen als Lebe­we­sen betrach­te, mei­ne ich dif­fe­ren­zie­rend davon spre­chen zu kön­nen, dass es sich bei jener klei­ne­ren, rei­sen­den Schreib­ma­schi­ne einer­seits, um eine ner­vö­se Maschi­ne han­delt, die kaum jemals zur Ruhe kommt, wäh­rend mei­ne zurück­blei­ben­de Schreib­ma­schi­ne ande­rer­seits, ein vor­nehm­lich sta­tio­nä­res, ein gelas­se­nes, schla­fen­des Leben führt. Seit eini­gen Wochen bereits, bei Tag und bei Nacht, kom­mu­ni­zie­ren bei­de Schreib­ma­schi­nen über grö­ße­re oder klei­ne­re Ent­fer­nun­gen hin­weg. Mei­ne rei­sen­de Schreib­ma­schi­ne erzählt der schla­fen­den Schreib­ma­schi­ne bei­spiels­wei­se Geschich­ten, die wie­der­um ich selbst mit Hän­den notier­te. Das ist des­halb mög­lich gewor­den, weil mei­ne schla­fen­de Schreib­ma­schi­ne nicht wirk­lich schläft, son­dern halb schla­fend dar­auf war­tet, ange­spro­chen, das heißt, geweckt zu wer­den. Zu die­sem Zweck wen­det sich mei­ne rei­sen­de Schreib­ma­schi­ne zunächst an zwei ent­fern­te Ser­ver­ma­schi­nen, an eine mir unbe­kann­te, gehei­me Maschi­ne, sowie an eine mir ver­trau­te Maschi­ne, die sich nahe der Stadt San Fran­cis­co unter wei­te­ren halb schla­fen­den Maschi­nen befin­den soll, um mei­ne Geschich­te dort abzu­le­gen, sodass die­se Geschich­te von der Sekun­de ihrer Über­tra­gung an vier­fach exis­tiert, auch eben dort, wo sie zunächst erzählt wor­den war, sehr flüch­tig in mei­nem Kopf. Nun ereig­net sich fol­gen­des, dass näm­lich jene Ser­ver­ma­schi­ne nahe San Fran­cis­co unver­züg­lich mit mei­ner sta­tio­nä­ren, mit mei­ner halb schla­fend war­ten­den Schreib­ma­schi­ne tele­fo­niert, um mei­ne Geschich­te dort in einer fünf­ten Ver­si­on ein­zu­la­gern, so dass mei­ne rei­sen­de Schreib­ma­schi­ne der zurück­ge­blie­be­nen Schreib­ma­schi­ne in Minu­ten­frist wie­der sehr ähn­lich gewor­den ist. Eine Rou­ti­ne, deren Voll­zug ich mir in die­sen Tagen ger­ne vor­stel­le, wie im Dun­keln eines weit ent­fern­ten Zim­mers das Gespräch der Maschi­nen sicht­bar wird im Fla­ckern eines Dioden­lich­tes, und hör­bar glei­cher­ma­ßen in der sum­men­den Bewe­gung eines magne­tisch schrei­ben­den Stif­tes. – Sonn­tag. — stop. — Guten Abend. — stop

polaroidsubway

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fenster zum fluss

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sier­ra : 17.08 — Ein Freund, der sich seit län­ge­rer Zeit in Man­hat­tan auf­hält, erzählt via E‑Mail eine hei­te­re Geschich­te, die er selbst erlebt haben will. Vor eini­gen Tagen habe er dem­zu­fol­ge eine Bekann­te besucht, die ein Apart­ment in einem moder­nen Miets­haus der Upper East Side bewohnt. Es han­de­le sich um eine geräu­mi­ge Woh­nung in der 28. Eta­ge mit fas­zi­nie­ren­der Aus­sicht auf den East River. Eine Lei­den­schaft der Woh­nungs­be­sit­ze­rin, eine Pas­si­on gera­de­zu, sei die Beob­ach­tung der Schif­fe gewor­den, die den Fluss tief unten befah­ren. Der Anblick der Käh­ne und Oze­an­damp­fer beru­hi­ge sie, schon von Wei­tem kön­ne sie erken­nen, wenn sich ein grö­ße­res Schiff vom Atlan­tik her nähe­re. Nicht zu ver­ges­sen natür­lich, jene zier­li­chen, wei­ßen und gel­ben Amei­sen­schif­fe, Was­serta­xis bei Tag und Nacht, und das bestän­di­ge Blin­ken der Spie­ren­ton­nen, Pul­se, wel­che sie durch ihr Fern­glas wahr­neh­men kön­ne. Als nun mein Freund sei­nen Besuch tele­fo­nisch ankün­dig­te, wur­de er gewarnt, der Auf­zug des Hau­ses sei seit zwei Wochen defekt, wes­halb vie­le der älte­ren Bewoh­ner das Haus seit Tagen ent­we­der gar nicht oder für län­ge­re Zeit ganz ver­las­sen haben, er müs­se zu Fuß empor­stei­gen und eine hal­be Stun­de Zeit für sei­nen Auf­stieg berech­nen, er sol­le sich etwas Pro­vi­ant mit­neh­men. Mein Freund mach­te sich weni­ge Stun­den spä­ter auf den Weg nach oben. Weil er nicht trai­niert war, ging er lang­sam, zunächst zähl­te er noch sei­ne Schrit­te, aber bereits in der 6. Eta­ge muss­te er sich set­zen und sei­nen Atem beru­hi­gen. Eini­ge Boten, jun­ge Män­ner mit Ruck­sä­cken auf dem Rücken, kamen vor­über. Kurz dar­auf pas­sier­te ihn eine älte­re Dame, schla­fend oder bewusst­los, auf einer Tra­ge lie­gend abwärts. Höhe der 18. Eta­ge stand die Tür einer Woh­nung offen. Tre­ten Sie ein, war auf einem Zet­tel zu lesen. Im Wohn­zim­mer saß eine wei­te­re älte­re Dame hin­ter einem Tisch, reich gedeckt, Obst und kal­ter Fisch und Brot und Was­ser. Ein rei­zen­der Anblick, Kat­zen lagen auf dem Boden her­um. Die alte Frau war­te­te unter einem Son­nen­schirm. Sie sag­te: Komm, komm, in Zei­ten der Not muss man zusam­men­hal­ten, alles ist umsonst, aber Du darfst in der Stadt nicht davon erzäh­len! Eine Stun­de spä­ter erreich­te mein Freund end­lich die Woh­nung sei­ner Bekann­ten. Sie saßen lan­ge Zeit vor dem Fens­ter zum Fluss. Ein­mal näher­te sich ein Hub­schrau­ber. Er lan­de­te auf dem Dach. – stop

polaroidteller

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kairo

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nord­pol : 23.56 — Kai­ro. Mitt­woch. Schlaf­los im abge­dun­kel­ten Zim­mer. Süd­li­ches Mit­tag­stun­den­licht. Drei Moni­to­re auf dem Sofa, ein Fern­seh­bild­schirm, ein Tele­fon. Beob­ach­te den Tag über aus gro­ßer Ent­fer­nung Spu­ren eines mensch­li­chen Infer­nos. Kom­men­ta­to­ren in eng­li­scher und ara­bi­scher Spra­che. Das Geräusch der Schüs­se hell. Loops, die immer wie­der die sel­ben grau­en­vol­len Bil­der zei­gen. Gigi Ibra­him, ägyp­ti­sche Akti­vis­tin, twit­tert vom frü­hen Mor­gen an in eng­li­scher Spra­che, 2 Tweets in ara­bi­scher Spra­che sind an die­ser Stel­le nicht wie­der­ge­ge­ben: 

Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug — I guess we have rea­ched the zero hour #rabaa army and poli­ce moving in to disper­se both pro-Mor­sy sit in ..this won’t be pret­ty #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I can hear from home which is near #rabaa the gunshots being fired other than that the­re is no chan­nels cove­ring this #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Meh­war chan­nel is actual­ly airing some live foo­ta­ge by Nah­da and Rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Meh­war Tv show­ing full bodi­ed armored riot poli­ce with tear gas shot­guns get­ting rea­dy #Rabaa #Nah­da ONT­V­li­ve is airing some foo­ta­ge too / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Huge amounts of trucks army, poli­ce, and spe­cial forces floo­ding #Nah­da sitin with tear gas live on ONTVLIVE / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug A war­ning speech is being announ­ced via loud spea­k­ers with army trucks direc­ting pro­tes­ters to not resist pro­vi­ding them a safe exit #nah­da / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Big black smo­ke coming out of the sit in pro­tes­ters might have lit some tires to deter the tear gas smo­ke #nah­da / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug / If I am not mista­ken, the­se loud sharp round shots are sound shots now live in #nah­da via OnT­v­li­ve / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug This is the first time I see tho­se loud spea­k­ers for war­ning befo­re disper­sing a sit in #Rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 /14 Aug Heli­c­op­ter fly­ing over near #rabaa now I can  hear it from home ..I also can hear gun shots #NasrCi­ty / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Trucks are going into #rabaa to level all the bar­riers MB have put up huge amounts of tear gas bring fired, smo­ke ever­y­whe­re via Meh­war / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug This is Abaas el Akad st #NasrCi­ty / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Al Nahar is brin­ging clo­se up foo­ta­ge #Nah­da sitin being leve­led by trucks while gunshots are being fired in the back­ground / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug MB in #Rabaa are report­ing over 8 kil­led with live bul­lets this is uncon­firm­ed but belie­va­ble / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Non stop heli­c­op­ters fly­ing over #rabaa area / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I have never seen the army or poli­ce disper­sing a sit-in this way, usual­ly it is shoot, kill, or/& detain still I am against the disper­se / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Meh­war TV is say­ing that Mobil gas sta­ti­on (loca­ted at Yous­sef Abbas and Nasr st) at #Rabaa sit in has explo­ded! / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug  MB pro-Mor­sy sup­port­ers are pro­test­ing at Aswan  gover­ne­ra­te buil­ding in respon­se to the attacks in #nah­da and #rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Accor­ding to aljz foo­ta­ge, army and riot poli­ce have yet to reach the cen­ter of the sitin in #Rabaa still full of peo­p­le rus­hing inju­red / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug #Rabaa stage has shiekhs in gas masks pary­ing sur­re­al loo­king / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug #rabaa field hos­pi­tal show­ing most­ly the flo­or and came­ra moving around then a few injured/dead via alja­ze­era / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Health minis­try reports no deaths yet, sta­te TV reports 2 poli­ce offi­cers kil­led, alj­ze­era now says 77 MB kil­led #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Foo­ta­ge on alj­ze­era show­ing sni­pers but honest­ly I cant con­firm whe­re exact­ly in #Rabaa or how genu­in it is..looks off but could be real too / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Alja­ze­era is strea­ming live #rabaa audio and recy­cling the same foo­ta­ge ..pret­ty much #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Now alj­ze­era jumps the kil­led from 77 to 120 via the field hos­pi­tal #rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@Beltrew: Live ammo being shot from poli­ce, crou­ch­ing behind car” #Rabaa #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: Get­ting arres­ted” #Rabaa AFP repor­ter is get­ting atres­ted 8:48 am #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: With two pho­to­graph­ers, sol­diers have taken their came­ras and dele­ting all their pho­tos.” AFP repor­ter at #Rabaa arres­ted / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug @sarahussein @tomfinn2 @FarahSaafan cor­rec­ted my bad Tom is reu­ters’ not AFP repor­ter / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Foo­ta­ge from Nah­da in Giza show­ing seve­ral arrests by poli­ce of pro­tes­ters / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug MB pro-Mor­sy sup­port­ers in #alex­an­dria are also pro­teating in respon­se to the disper­sal of Nah­da and Rabaa sit ins #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: They let us go.” Reu­ters repor­ter let go after been arres­ted in #Rabaa but all foo­ta­ge dele­ted / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug  @MariamKirollos @cairowire ? Explain the seems part plz / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Sound of gun­fi­re con­ti­nues whe­re i live near #rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Alja­ze­era jumps from 77 to 120 to now 450 kil­led in #Rabaa via the field hos­pi­tal / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Here goes the heli­c­op­ters again abo­ve #Rabaa area whe­re I live / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Disper­sing the sitin will only get the Isla­mists more united, more orga­ni­zed and more mobi­li­zed ..now who knows what will hap­pen #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug More vio­lence and more repres­si­on is what’s expec­ted by today’s dispersal..if you think MB force will go down this easy, u r mista­ken / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14  Aug  What is hap­pe­ning in Mohand­ssi­en? / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Appar­ent­ly MB attemp­ting to start a sit in in Mohand­ssi­en in Mos­ta­fa Mah­moud sq and blo­cked some roads / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Teat gas rea­chee in front of stage in #Rabaa ..peo­p­le run­jing but most resis­ting and thro­winf back the tear gas via alja­ze­era / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug In respon­se to army & poli­ce attack of pro-Mor­sy sit-ins few churches and copts-owned shops have been bur­ned or atta­cked in upper #Egypt Many jour­na­lists are cordo­ned off, not allo­wed ent­ry to Rabaa even though they made if clear to secu­ri­ty forces they are repor­ters. / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug While all media is focu­sed on #Rabaa and #Nah­da sitins , chru­ches are being bur­nee and atta­cked in upper #Egypt ..No covera­ge!!! @Ontveg / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I can here gun fire non­stop near #Rabaa whe­re I live ..I also smell smo­ke even though I am abt 15 min walk from the­re #NasrCi­ty / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Mean­while in Mohandssien,“civilians” some w/ beards are tearing down a poli­ce car& van­da­li­zing it bea­ting ano­ther civi­li­an drip­ping in blood  / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I am home & I feel trap­ped insi­de it & I’m not even loo­king over #Rabaa only near it..helicopters, gunshots, smo­ke by sit­ting on the couch / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug 6 octo­ber bridge clo­sed! / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug They are too busy being MB mouth­pie­ce RT “@MalakBoghdady: 6 churches burnt down in 3 hours!! Broad­cast this if you dare @CNN #Egypt” / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Why the hell is NO one tal­king about churches being bur­ned in ANY media???!! A7a / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 23h News about enfor­cing a cur­few short­ly ..this is shit #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h Cur­few starts from 7 pm to 6am ..let’s see how many civi­li­ans will be tried in mili­ta­ry courts this time..down with mili­ta­ry rule !!! #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h I lite­ral­ly feel impri­so­ned and not the same fee­ling of fuck cur­few like all the first months under SCAF #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h Dic­ta­tor­ships get cemen­ted woith emer­gen­cy law and cur­fews ..it starts for just a “month” then it lasts a life time #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h @sarahlphillips email me (twit­ter name at gmail) / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h If the sitins were not atta­cked, ima­gi­ne what would have hap­pen­ed then compa­re it with what is hap­pe­ning now .. #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h Bey­ond depres­sed with what is hap­pe­ning ..ever­y­thing is shit #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h The­re is a small pro­test in the street behind my house chan­ting “ya rab, we are mar­tyrs by the mil­li­ons” #NasrCi­ty side streets from  #Rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h  State­ment from #Egypt Revo­lu­tio­na­ry Socia­lists on the mas­sacre in Cai­ro, Down with mili­ta­ry rule! / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 15h — Heli­c­op­ters are still hove­ring around #Rabaa area even after it is cle­ared ..annoy­ing to keep hea­ring it #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h El Bara­die resigns #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h Mor­sy remo­ved by army #Egypt pic.twitter.com/4oie8UzzyF / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h haha El Bara­die base who hate Ikhwan view him now as a coward,& the peo­p­le who saw him as a tool now respect him for resig­ning #Truesto­ry / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h My FB time­line is bet­ween cus­sing Bara­die and tho­se who are salu­ting him..i am indif­fe­rent, he should have known bet­ter going into SCAF gov / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Pho­tos: #Rabaa sitin second mas­sacre http://www.flickr.com/photos / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h You know that fee­ling in your sto­mach that makes you feel like you can’t brea­the that’s all i am fee­ling right now / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h  any­thing strea­ming what is hap­pe­ning in #Rabaa now? ..have they cle­ared it all? / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h  And the cur­few starts.. #NoMil­Tri­als #NoS­CAF #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h The divi­si­ons are get­ting clea­rer and the grey area is dimi­nis­hing #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Tho­se who are Ikwa­no­pho­bic, pro-army, secu­la­rists, “pro-revo­lu­ti­on” are the ones denoun­cing Baradie’s decis­i­on the har­dest #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h  Tho­se who are pro-revo­lu­ti­on, secu­la­rists, against SCAF’s mas­sacre, yet against MB are more wel­co­ming of Baradie’s choice #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h I hate to gene­ra­li­ze, but some­ti­mes it is nee­ded to explain com­plex situa­tions kno­wing that the­re are always excep­ti­ons #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Cur­few has been post­po­ned to start at 9 pm ins­tead of 7 pm, ends at 6 am #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Tam­rood go to fuck­in hell! coun­ter-revo­lu­ti­on at best / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 17h / Being a news repor­ter in Egypt means you are not a repor­ter rather giving us your pathe­tic opi­ni­on (on whi­che­ver side you are) #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 17h CBC reports that MB lea­ders Bel­ta­gy, Eri­an, and Hega­zy have been arres­ted by #Rabaa , anyo­ne con­firm­ed that? #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 17h  @RamyYaacoub natio­na­lism aka fascism / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h  — #Moi pres­ser is start­ing #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — Until now MOI men­tio­ned NOTHING of burnt churches #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — He just men­tio­ned 7 churches burnt but not that they fai­led to pro­tect them #Moi #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — #Moi denies the alle­ga­ti­on of the escape and arrest of Bel­ta­gy, Hega­zy and Eri­an being very vague #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — #MOI pres­ser was just cut on @ONtveg why? / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — Why was the #MOI pres­ser cut on all chan­nels when it is not over yet ? #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — #MOI no sit in will be tole­ra­ted in any sq in the enti­re coun­try and will be dealt with firm­ly in coor­di­na­ti­on with mili­ta­ry forces #Egypt /// — stop  :::  gigi ibra­him on twitter

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von eisbriefboten

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nord­pol : 6.33 — Ein Eis­brief­bo­te war­te­te ges­tern, es war ein Diens­tag, vor mei­ner Woh­nungs­tü­re im 22. Stock. Der Mann trug blaue Turn­schu­he der Mar­ke Nike, kur­ze, hel­le Hosen und ein wei­ßes Hemd, das viel zu groß gewe­sen war für sei­nen schmäch­ti­gen Kör­per. Er schwitz­te, weil er die Trep­pe neh­men muss­te, da in mei­nem Haus kei­ner­lei Auf­zug exis­tiert, wes­halb das Haus nicht sehr beliebt ist bei Gäs­ten und Boten. Meis­tens bie­te ich den hart arbei­ten­den Män­nern über die Funk­sprech­an­la­ge an, ihnen ent­ge­gen­zu­kom­men. Ich sage: Tref­fen wir uns im 11. Stock in 10 Minu­ten! Ges­tern aber war ich sehr müde gewe­sen. Ich trank einen Kaf­fee, tele­fo­nier­te mit einer Behör­de, und war­te­te dann still in aller Ruhe, bis der Mann bei mir oben unter dem Dach ange­kom­men war. Es sind die­se ers­ten Bli­cke, die ich nie ver­ges­se. Der erschöpf­te Bote öff­ne­te sei­ne Kühl­ta­sche und über­reich­te mir einen wei­te­ren eis­ge­kühl­ten wei­chen Behäl­ter, in wel­chem sich nun unmit­tel­bar ein Brief von Eis befand, den ich zunächst in mei­nen Gefrier­schrank zu wei­te­ren Eis­brie­fen und Eis­bü­chern leg­te. Kurz dar­auf setz­te ich mich ins Trep­pen­haus und hör­te dem jun­gen Mann bei sei­nem Abstieg zu. Er war sehr schnell unter­wegs gewe­sen, er schien zu flie­gen, stürz­te im fünf­ten oder sechs­ten Stock, Minu­ten lang war kein Laut zu hören, dann das Wim­mern einer Ambu­lanz. Da saß ich längst in mei­ner Küche und las, was mir ein Freund notier­te, wie er schrieb, mit gro­ßer Freu­de auf dem ver­gäng­lichs­ten Mate­ri­al, das ihm zur Ver­fü­gung ste­he: Lie­ber Lou­is, die­ser Brief ist geheim. Er wird sich auf­lö­sen, sobald oder bevor Du ihn gele­sen haben wirst. Du musst Dich also beei­len oder den Brief immer wie­der ein­mal in den Kühl­schrank zurück­le­gen oder ihn foto­gra­fie­ren, ehe er geschmol­zen sein wird. Sei behut­sam, mein Lie­ber. Lies bit­te nicht an Tagen, da es warm ist in Dei­ner Woh­nung unter dem Dach, es könn­te sein, dass Du in schwü­ler Luft nicht schnell genug lesen kannst. Ich ver­mu­te, ich habe die Wör­ter an die­ser Stel­le bereits ver­geb­lich geschrie­ben. Dein K. – stop
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kekkola

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ulys­ses : 22.00 — Schnell erzäh­len, was ich ent­deck­te, als ich Kek­ko­la besuch­te, dem ich seit eini­gen Jah­ren ver­bun­den bin, weil er gern sehr selt­sa­me Din­ge tut. Eigent­lich ist er nicht son­der­lich ver­rückt, viel­mehr sind die Men­schen ver­rückt, von deren Leben Kek­ko­la erzählt. Ich habe kei­ne Ahnung, ob sie tat­säch­lich jemals exis­tier­ten, jeden­falls nimmt es Kek­ko­la sehr genau damit, sie zu ver­ste­hen, sich in sie ein­zu­füh­len. Ein­mal soll er drei Tage lang mit einem Luft­ge­wehr reg­los auf sei­nem Bal­kon gekau­ert haben. Er ziel­te gegen einen wei­te­ren Bal­kon, oder auf ein Fens­ter, das sich hin­ter die­sem Bal­kon befand. Er war­te­te. Es war im Win­ter gewe­sen und es war kalt im 38. Stock, ein Schnee­sturm pas­sier­te, ohne Kek­ko­la vom Bal­kon ver­trei­ben zu kön­nen. Als ich ges­tern mit ihm tele­fo­nier­te, hör­te ich im Hin­ter­grund Was­ser­ge­räu­sche. Ich frag­te, ob er zu Hau­se sei und ob ich vor­bei­kom­men sol­le. Ich hat­te den Ein­druck, dass er viel­leicht Fie­ber haben könn­te, weil er nicht sehr deut­lich for­mu­lier­te, schläf­rig und etwas irr. Also eil­te ich zu ihm. Er bemerk­te noch, dass er mir nicht öff­nen wür­de, weil er sich in einem Ver­such befän­de, der Schlüs­sel zur Woh­nung sei in der Lob­by abzu­ho­len. Kek­ko­la saß im Bad auf einem Stuhl vor sei­ner Wan­ne. Um ihn her­um auf dem Boden lagen Was­ser­fla­schen, auch Whis­key, Brot­stan­gen, Bücher und eine Decke, die ihm von den Schen­keln gerutscht sein muss­te. Sei­ne Füße stan­den in der Bade­wan­ne in Salz­was­ser, das von einer grün­li­chen Far­be war. Es roch moo­rig in der Zel­le gleich neben der Küche. Glück­li­cher­wei­se war Kek­ko­la noch am Leben. Er hat­te tat­säch­lich hohes Fie­ber. Ich bat einen Nach­barn um Hil­fe. Wir hoben sei­ne Bei­ne vor­sich­tig aus dem Was­ser, sie waren schwer ent­zün­det, an sei­nen Zehen begann sich die Haut vom Kör­per zu lösen, eine Blau­krab­be hat­te sich in sei­ne lin­ke Wade ver­bis­sen. Kekkola’s Füße stan­ken fürch­ter­lich, er fluch­te, wie wir ihn ins Schlaf­zim­mer schlepp­ten. Vier Tage hat­te er in beschrie­be­ner Hal­tung aus­ge­harrt, fünf Tage woll­te er schaf­fen. Als ich die Bade­wan­ne, der Aus­fluss war ver­stopft, von Hand aus­zu­schöp­fen begann, ent­de­cke ich einen jun­gen Horn­hecht, drei Atlan­ti­kaa­le, Sand­wür­mer, Glas­scher­ben, Schlick­gar­ne­len, Muschel­scha­len und fünf wei­te­re Blau­krab­ben, die sich hef­tig wehr­ten. — stop
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tod in peking 3

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oli­mam­bo : 3.12 — Wie­der nach Spu­ren des Foto­gra­fen Ted­dy S. in digi­ta­len Räu­men gesucht, sie­ben Mona­te sind ver­gan­gen, seit er in Peking starb. Es ist merk­wür­dig. Ich kann mit­tels der Such­ma­schi­nen, die mir zur Ver­fü­gung ste­hen, kei­ne Nach­richt fin­den, die davon erzählt, dass er nicht mehr am Leben ist. Weder eine Todes­an­zei­ge noch eine Fra­ge nach sei­nem Ver­bleib ist zu ent­de­cken, aber nach wie vor Hin­wei­se auf sei­ne Arbeit, Foto­gra­fien, Noti­zen, Meta­da­ten zu Licht­fang­ma­schi­nen. Die letz­te schrift­li­che Nach­richt Ted­dys wur­de an einem Flug­ha­fen auf­ge­ge­ben. Es ist der 10. Okto­ber 2012: Pack­ing my bags for ano­ther trip to Chi­na. Tonight I’ll fly to Shang­hai and a litt­le later to Bei­jing for a lon­ger stay. Extre­me­ly hap­py to be back so fast after my last stay in August. — Wenn nun ein Mensch nach ihm such­te, weil er sich nach lan­ger Zeit an Ted­dy erin­ner­te, wenn er ihn nicht per­sön­lich antref­fen könn­te, an Tele­fo­nen nicht und hin­ter E‑Mail-Adres­sen, weil sei­ne vor­dem treu­en Ser­ver­ma­schi­nen Ted­dy nicht län­ger ken­nen, wür­de das Ende sei­nes Lebens viel­leicht denk­bar wer­den. Nichts mehr kommt hin­zu, weder Foto­gra­fien noch Wör­ter. — 27. Juni: A mes­sa­ge that you sent could not be deli­ver­ed to one or more of its reci­pi­ents. This is a per­ma­nent error. The fol­lo­wing address(es) fai­led: t.s@g%6dx.d%65 SMTP error from remo­te mail ser­ver after RCPT TO:: host mx01.gmx.net [213.165.67.97]: 550 Reques­ted action not taken: mail­box unavailable. This is a copy of the mes­sa­ge, inclu­ding all the hea­ders. Return-path: Recei­ved: from fwd55.aul.x (fwd55.aul.x ) by mai­lout x with smtp id 1UsMG3-00075X-W9; Fri, 28 Jun 2013 02:09:48 +0200 Recei­ved: from local­host (Z w u h M r Z f Y h P e h n f I Z 0 n a e u s T F — d y f y 2 k j p g p s 3 4 m W f n T j B r a Y B Y k g O l M E e t S t u E g P p @ [ 1 7 2 . 2 0 . 1 0 1 . 1 2 4 ] ) by with esmtp id 1UsMG3-3aLg­s­C0; Fri, 28 Jun 2013 02:09:47 +0200 MIME-Ver­si­on: 1.0 Recei­ved: from 79.218.83.163:30332 by cmpweb56.aul.t‑online.de with HTTP/1.1 (NGCS V4‑0–19‑4 on API V3-11–28‑0) Date: 23 Jun 2013 02:09:47 +0200 — Rep­ly-To: To: %74.%73@gmx.%64%65 X‑Priority: 3 X‑UMS: E‑Mail X‑Mailer: DTAG NGCS V4‑0–19‑4 Sub­ject: fra­ge — Con­tent-Type: multipart/alternative; boundary=“=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0” Mes­sa­ge-ID: <1%55sMG%33%2d%33a%4c%67sC0@fwd%35%35%2e%61%75%6c.x> X‑ID: Z w u h M r Z f Y h P e h n f I Z 0 n a e u s T F — d y f y 2 k j p g p s 3 4 m W f n T j B r aY B Y k g O l M E e t S t u E g P p@x%2ene%74 X‑TOI-MSGID: a e 6 4 0 9 f b — 1 8 7 0 — 4 5 a 9 — b 0 8 b — 9 2 2 8 6 6 a 4 d b a 9 –=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0 Con­tent-Type: text/plain; charset=“UTF‑8” Con­tent-Trans­fer-Enco­ding: 7bit — WO BIST DU? –=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0 Con­tent-Type: text/html; charset=“UTF‑8” Con­tent-Trans­fer-Enco­ding: quo­ted-prin­ta­ble — stop

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regen

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ulys­ses : 6.06 — Ges­tern Abend tele­fo­nier­te ich mit einer Freun­din. Sie hat­te kurz zuvor geschrie­ben, Hoch­was­ser habe den Kel­ler ihres Hau­ses erreicht. Sie erzähl­te, das Was­ser kom­me nun durch zwei klei­ne Löcher in Boden und Wand her­ein, 5 Liter in einer hal­ben Stun­de. Ich hör­te ihre Stim­me, erschöpft, müde, sie wol­le sich einen Wecker stel­len und jede hal­be Stun­de Was­ser schöp­fen. Eine har­te Sache, die noch einen Tag und eine gan­ze Nacht so wei­ter­ge­hen kön­ne. Wäh­rend wir spra­chen, war das Geräusch trop­fen­den Was­sers im Hin­ter­grund zu ver­neh­men, als wür­de mei­ne Gesprächs­part­ne­rin in einer Höh­le sit­zen, in einer ent­fern­ten Zeit, auf dem Mond oder auf dem Mars. Als ich klein und sehr uner­fah­ren gewe­sen war, hat­te ich die Vor­stel­lung, nach star­kem Regen könn­te das Was­ser in Tele­fon­lei­tun­gen drin­gen. Ich wun­der­te mich des­halb, dass das Tele­fo­nie­ren nach Gewit­ter­re­gen noch funk­tio­nier­te. Wenn ich dann etwas spä­ter durch den Gar­ten spa­zier­te, mein­te ich zu beob­ach­ten, wie unse­re Tele­fon­lei­tun­gen aus dem Boden flüch­te­ten. Sie hat­ten sich zu Tei­len auf­ge­löst und schlän­gel­ten, hell­ro­te, glän­zen­de Wür­mer, durch das feuch­te Gras. Ich konn­te sie berüh­ren, und wenn ich sie ihn mei­ne Hän­de nahm, kit­zel­te es sehr ange­nehm auf den Hand­flä­chen. Ein­mal setz­te ich eine flüch­ten­de Tele­fon­lei­tung in ein Mar­me­la­den­glas. Es waren ein gutes Dut­zend Wür­mer gewe­sen, die sich um Aus­gang bemüh­ten. Ich beäug­te sie lan­ge Zeit, die Wän­de des Gla­ses beschlu­gen rasch, sodass ich das Glas immer wie­der öff­nen muss­te. Wenn ich mein Ohr an den Behäl­ter drück­te, konn­te ich sie hören, einen eigen­tüm­li­chen Laut der Not, für des­sen Beschrei­bung ich bis­her kein Wort ent­deck­te. Damals nahm ich das Glas mit in mein Zim­mer. Ich stell­te es unter mein Bett. Am nächs­ten Mor­gen hat­te ich sei­ne Exis­tenz ver­ges­sen. — stop

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vor den mangroven

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del­ta : 2.25 — Es darf nicht sein, dass Leu­te einem den Film kaputt machen. Man­chen habe ich schon das Essen aus der Hand geris­sen und weg­ge­wor­fen. Man muss sie ver­prü­geln oder bedro­hen, sonst ist der Film ver­dor­ben, man hat das Recht sie umzu­brin­gen, damit sie auf­hö­ren. Aber Mord ist kei­ne sehr gute Lösung, nach­her wird man noch ver­haf­tet, bevor der Film zu Ende ist. Als ich die „Lady von Shang­hai“ das letz­te Mal gese­hen habe, woll­te ich nicht ein­fach nur mit Rita Hay­worth schla­fen: Ich woll­te Sex mit ihr in Schwarz­weiß! Viel­leicht könn­te man das mit Kon­takt­lin­sen oder einer Bril­le hin­krie­gen, die alles in Mono­chrom ver­wan­delt. Das ist eine selt­sa­me Sache, dass ihre Lip­pen nicht rot sind. Und das liegt nicht am Lip­pen­stift. Ihr Mund hat die­se beson­de­re Far­be, weil er in die­sem silb­ri­gen Schwarz­weiß gefilmt wor­den ist. Sie ist ein Fetisch­ob­jekt, nicht nur, weil sie so schön ist, son­dern weil Wel­les’ Kame­ra sie foto­gra­fiert hat. Des­halb möch­te man nicht nur ein­fach Sex mit Rita Hay­worth, man möch­te genau mit die­ser Figur aus dem Film schla­fen. Der Grund, war­um ich sexu­ell total ver­küm­mert bin, liegt in mei­nem Schei­tern, den fil­mi­schen Vor­bil­dern gerecht zu wer­den. Im ech­ten Leben spielt sich Sex nie­mals in Schwarz­weiß ab. — Die­se klei­ne Geschich­te, die eigent­lich aus zwei Geschich­ten besteht, erzähl­te Jack Angst­reich gera­de noch in dem wun­der­vol­len Film Cine­ma­nia von Ange­la Christ­lieb und Ste­phen Kijak, einer Doku­men­ta­ti­on, die von dem Leben lei­den­schaft­li­cher Kino­gän­ger in New York berich­tet. — 2:15 Uhr. Regen nach wie vor, küh­ler, hell­grau­er Herbst­re­gen. Es könn­te sein, dass die­ser Regen nie wie­der auf­hö­ren wird. In eini­gen tau­send Jah­ren bald beweg­ten sich amphi­bi­sche Eich­hörn­chen vor mei­nem Fens­ter durchs Man­gro­ven­ge­biet. Eben­so denk­bar ist, dass ich zu die­sem Zeit­punkt über zuge­spitz­te Fin­ger­bee­ren ver­fü­gen wer­de, geeig­net, jede der fili­gra­nen Tas­ta­tu­ren moder­ner Tele­fon­ap­pa­ra­te feh­ler­frei und gelas­sen bespie­len zu kön­nen. — stop
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capote

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nord­pol : 1.22 — Gegen sechs Uhr rief ich bei Lions Wri­ters Sup­port Ser­vices an. Guten Abend, sag­te ich, ich benö­ti­ge drin­gend einen Capo­te zum Spa­zie­ren am kom­men­den Sams­tag. Haben Sie viel­leicht einen für mich frei, den Sie mir lei­hen könn­ten von 3 Uhr am Nach­mit­tag bis in die Nacht irgend­wann? Das Fräu­lein am ande­ren Ende der Lei­tung ant­wor­te­te: Einen Capo­te? Bit­te war­ten Sie einen Moment. Also war­te­te ich. Ich war­te­te unge­fähr fünf Minu­ten, hör­te, wie sie mit irgend­wel­chen Leu­ten dis­ku­tier­te. Ich glau­be, sie bedeck­te, wäh­rend sie sprach, mit einer Hand die Mikro­fon­mu­schel ihres Tele­fon­hö­rers zu. Nach eini­gen Minu­ten kehr­te sie zurück: Ja, sag­te sie, wir haben einen Capo­te frei am kom­men­den Sams­tag. Wo wol­len sie ihn tref­fen? Ich ant­wor­te­te, dass ich unbe­dingt am Strand von Coney Island spa­zie­ren müs­se, Treib­gut sam­meln, Sturm­zei­chen notie­ren, das Meer betrach­ten, mit Tru­man über das Was­ser spre­chen, über digi­ta­le Schreib­ma­schi­nen, Funk­bü­cher und alle die­se Din­ge. Treff­punkt also Brigh­ton Beach Ave­nue Ecke 3th Street!  Wird gemacht, bestä­tig­te das Fräu­lein, Sie wis­sen schon, Capo­tes sind nicht ganz bil­lig? Oh, ja, sag­te ich, das will ich ger­ne glau­ben. Wie viel, frag­te ich, was habe ich zu erwar­ten? — 150 Dol­lar die Stun­de, ant­wor­te­te das Fräu­lein. Sie mach­te eine kur­ze Pau­se, um bald hin­zu­zu­set­zen, dass sie etwas weni­ger berech­nen wür­de, weil jener Capo­te, der für mich reser­viert war, bereits für eine Frei­tags­par­ty gebucht wor­den sei. Er wird nicht ganz frisch am Sams­tag vor Ihnen erschei­nen, sagen wir 120 Dol­lar, wäre das in Ord­nung? — Aber natür­lich wäre das in Ord­nung, ich jubi­lier­te, ein ver­ka­ter­ter Capo­te, even­tu­ell leicht betrun­ken, wun­der­voll! Ich quit­tier­te 1200 Dol­lar für zehn Stun­den und notier­te: Spa­zier­ge­spräch mit Tru­man Capo­te. Sams­tag, 18. Mai, 15 Uhr. Das war also ges­tern gewe­sen. Vor weni­gen Minu­ten wur­de mir per Kurier eine Gebrauchs­an­wei­sung für Herrn Tru­man Capo­te über­mit­telt. Ein Hand­buch. 15 Sei­ten. — stop
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