Aus der Wörtersammlung: erle

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lichtprobe

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hima­la­ya : 3.10 — Ein Minu­ten­aus­schnitt aus der fürch­ter­li­chen Wirk­lich­keit eines Bür­ger­krie­ges. Im Film­do­ku­ment, das ich vor zwei Tagen beob­ach­tet habe, sind in der syri­schen Stadt Alep­po Män­ner zu sehen, sehr jun­ge, bei­na­he kind­lich wir­ken­de und etwas älte­re Män­ner, sie erschie­ßen wei­te­re Män­ner, die teil­wei­se kaum noch beklei­det waren und offen­sicht­lich von Schlä­gen ver­letzt. In einer Art Rausch, so neh­me ich das aus gro­ßer Ent­fer­nung wahr, wur­de getö­tet, auf­ge­nom­men von Han­dy­ka­me­ras. Kurz dar­auf waren die­se Hand­lun­gen auf Ser­ver­ma­schi­nen gela­den und sind seit­her von jedem Ort die­ser Welt, der über einen Inter­net­zu­gang ver­fügt, für unbe­stimm­te Zeit abruf­bar. Man kann den einen oder ande­ren der schie­ßen­den Män­ner für Sekun­den eben­so gut erken­nen wie jene Män­ner, die durch Schüs­se getö­tet wur­den. Hun­der­te, wenn nicht Tau­sen­de die­ser Doku­men­te lie­gen vor. Was wird mit die­sen Doku­men­ten gesche­hen? Wer­den Sie bereits gesi­chert? In die­ser Minu­te viel­leicht? Und vom wem und in wel­cher Absicht? – stop

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kühle augen

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nord­pol : 6.32 — Ges­tern am spä­ten Abend wohn­te ich via Inter­net einer Hin­rich­tung bei. Fünf Män­ner wur­den erschos­sen, und zwar in Alep­po auf offe­ner Stra­ße. Es waren Rebel­len, die das Feu­er auf Gefan­ge­ne eröff­ne­ten. Sie rie­fen: Gott ist groß! Gott ist groß! Als die Per­so­nen, es sol­len Ange­hö­ri­ge einer berüch­tig­ten, mor­den­den und fol­tern­den, regie­rungs­treu­en Miliz gewe­sen sein, längst tot gewe­sen waren, wur­de noch immer auf sie geschos­sen, als woll­te man die Kör­per vor der Haus­wand zu Staub zer­le­gen, den der Wind mit sich fort­tra­gen könn­te. Rechts neben dem gera­de erwähn­ten Film­do­ku­ment von zwei Minu­ten Län­ge, war die Exis­tenz wei­te­rer Fil­me in Vor­schau zu sehen, dar­un­ter der Bericht eines nord­ame­ri­ka­ni­schen Fern­seh­sen­ders über die chir­ur­gi­sche Rekon­struk­ti­on eines schwer ver­letz­ten Gesich­tes. Ein Kan­ni­ba­le hat­te im Staa­te Loui­sia­na Nase, Mund und Augen eines Man­nes ver­speist. Der arme Mann war kurz dar­auf noch am Leben gewe­sen und wur­de nun von zwei Schwes­tern behut­sam über den Flur eines Kran­ken­hau­ses geführt. Auch die­sen Film habe ich mit küh­len Augen betrach­tet. Dann war Mit­ter­nacht vor­über und ich spa­zier­te ein wenig durchs Vier­tel. Kat­zen waren unter­wegs, die mit ihren Schein­wer­fern nach mir leuch­te­ten. Im Park um die Ecke wur­den Fei­gen und Dat­teln gebra­ten. Ein süßer, mil­der Nebel­duft hing in der Luft. Ich saß eine hal­be Stun­de auf einer Bank und beob­ach­te­te Bäu­me, ob sie viel­leicht nacht­wärts arbei­ten, der ein oder ande­re. – stop

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thelonious monk

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kili­man­dscha­ro : 21.33 — Regen. Sonn­tag. Ich habe mei­ne Mut­ter ange­ru­fen. Sie war unter­wegs gewe­sen, viel­leicht im Gar­ten, viel­leicht in den Ber­gen. Nach 10 Sekun­den schal­te­te sich der Anruf­be­ant­wor­ter an. Eine Stim­me, die die Stim­me mei­ner Mut­ter war, mel­de­te ver­traut: Hier ist der Anschluss von Pau­la und Jür­gen. Ich sag­te sofort mei­nen klei­nen Spruch auf: Hal­lo, seid Ihr Zuhau­se? Wie geht es Euch? Mir geht es gut. Es reg­net. Hal­lo! Mel­de mich wie­der! – Seit mein Vater gestor­ben ist, habe ich immer wie­der ein­mal gedacht, dass das selt­sam ist, dass mei­ne Mut­ter, solan­ge sie nicht bei sich selbst anru­fen wird, nicht bemer­ken wür­de, dass ihre Begrü­ßung anru­fen­de Freun­de irri­tie­ren könn­te. Ich über­le­ge, ob ich sie nicht viel­leicht bei Gele­gen­heit dar­auf auf­merk­sam machen soll­te, dass wir eine wei­te­re Ton­band­auf­nah­me anfer­ti­gen könn­ten. Der Ein­druck unver­züg­lich, ich wür­de mei­nen Vater durch die­se Hand­lung distan­zie­ren, einen Geist hin­aus­wer­fen aus dem Haus, in dem er wei­ter­lebt, in sei­nen Spu­ren, in unse­ren Erin­ne­run­gen. Da ist sein Stuhl und da ist sein Com­pu­ter. Und da sind sei­ne Gar­ten­schu­he, sei­ne Schall­plat­ten, sei­ne Bücher und im Teich blü­hen Rosen, See­ro­sen, weiß und rosa, die von sei­ner Hand ins Was­ser gesetzt wor­den waren. Hin­ter einer Schach­tel, ich lüf­te ein Geheim­nis, die auf sei­nem Schreib­tisch ruht, habe ich eine Tril­ler­pfei­fe ver­steckt, mit deren Hil­fe mein Vater in einem Not­fall sei­ne Frau rufen konn­te. – Nein, ich muss davon nicht spre­chen. Es ist Sonn­tag. Es reg­net. The­lo­nious Monk: Round Mid­night — stop

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unterwassersprechgeräusch

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tan­go : 2.12 — Seit Wochen ver­su­che ich den Klang mensch­li­cher Stim­men vor­zu­stel­len, wie sie sich unter der Was­ser­ober­flä­che arti­ku­lie­ren. Eine nicht ganz leich­te Auf­ga­be, ins­be­son­de­re des­halb nicht, weil ich einer­seits glau­be, ein authen­ti­sches Unter­was­ser­sprech­ge­räusch in mei­nem Kopf jeder­zeit erzeu­gen zu kön­nen, ande­rer­seits jedoch über kei­ner­lei Wör­ter ver­fü­ge, die­ses Geräusch ange­mes­sen zu beschrei­ben. Es scheint ein Über­set­zungs­pro­blem vor­zu­lie­gen, ein Raum zwi­schen geis­ti­gem Hören und dem annä­hernd kor­rek­ten Aus­druck in Spra­che, der auch in die­ser Nacht nicht zu über­win­den ist. Ich neh­me an, dass Lau­te, die eine wei­te Öff­nung des Mun­des erfor­dern, in der Spra­che unter der Was­ser­ober­flä­che spre­chen­der Lun­gen­men­schen, im Lau­fe der Jahr­hun­der­te sel­te­ner wer­den, Arti­ku­la­ti­on mit­tels gespitz­ter Lip­pen, pfei­fen­de Lau­te, eine Ent­wick­lung in die­se Rich­tung, das ist denk­bar. Wes­halb über­haupt ein­mal das Spre­chen der Lun­gen­men­schen unter der Was­ser­ober­flä­che sinn­voll sein könn­te, davon will ich heu­te nichts erzäh­len, viel­leicht mor­gen, viel­leicht kurz nach Mit­ter­nacht, wenn wie­der Abend gewor­den ist. – Vier Uhr acht­zehn in Tremnseh, Syri­en. — stop

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doppellunge

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del­ta

~ : louis
to : dai­sy und vio­let hilton
sub­ject : DOPPELLUNGE

Heu­te, lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let, als ich im Park spa­zier­te, hab ich an Euch gedacht. Das war näm­lich so gewe­sen, dass ich wie­der ein­mal übte, im Wan­dern die Luft anzu­hal­ten. Ich ver­such­te 100 Meter weit zu kom­men, lang­sam, sehr lang­sam, dann etwas schnel­ler gehend. Es ist mög­lich, heu­te end­lich ist es mög­lich gewor­den. Plötz­lich frag­te ich mich, wel­che Wir­kun­gen die Übung des Luft­an­hal­tens bei Euch frü­her ein­mal gezei­tigt haben könn­te. Ich über­leg­te, ob ihr Euch über das Luft­an­hal­ten ver­stän­digt haben wür­det. Es ist immer­hin denk­bar, dass das Anhal­ten der Luft in Eue­rem Fal­le, bei der einen wie der ande­ren eine gewis­se Kurz­at­mig­keit her­vor­ge­ru­fen haben müss­te. Viel­leicht wer­det Ihr Euch erin­nern? Wenn ja, dann gebt mir recht bald Bescheid. Ich arbei­te zur­zeit sehr hart in die­sen Din­gen. Vor eini­gen Tagen habe ich mir eine Pas­sa­ge der Klei­nen Erin­ne­run­gen José Saramago’s laut vor­ge­le­sen, und zwar in der Art und Wei­se lang­sa­men Aus­at­mens. Das ist fol­gen­der­ma­ßen vor­zu­stel­len: Ich fass­te das ers­te Wort der ers­ten Zei­le des klei­nen Tex­tes ins Auge, schöpf­te Luft so tief ich konn­te und begann zu lesen. Ich sprach zunächst laut: Manch­mal fra­ge ich mich, ob bestimm­te Erin­ne­run­gen wirk­lich mei­ne eige­nen sind oder viel­leicht eher frem­de, in denen ich unbe­wusst mit­ge­spielt habe. Ich las so lan­ge ich konn­te, ich las, ohne zu atmen, ich las, bis ich alle Luft ver­lo­ren hat­te. Im ers­ten Ver­such kam ich 11 Zei­len weit. Das war natür­lich nicht befrie­di­gend. Also setz­te ich noch ein­mal von vorn an, ich hat­te eine ent­spann­te Posi­ti­on des Sit­zens ein­ge­nom­men und füll­te mei­ne Brust mit Luft und begann zu spre­chen. Die­ses Mal las ich mit lei­ser Stim­me, wie geflüs­tert. Ich kam exakt 1 Zei­le, also 55 Zei­chen wei­ter. Kurz dar­auf war zu beob­ach­ten gewe­sen, wie ich mich rück­lings auf mein Sofa leg­te und den­sel­ben Text noch ein­mal hauch­te. Das lie­gen­de atem­lo­se Lesen ermög­lich­te nun eine wei­te­re Zei­le a 55 Zei­chen. Ich mach­te also klei­ne Fort­schrit­te in die­ser Kunst des Lesens, ich ver­moch­te bald die Zei­le 14 des klei­nen Tex­tes zu errei­chen in einem Zustand, da ich Wort für Wort noch mit­den­ken konn­te. Nach einer Stun­de des Übens hör­te ich für die­se Nacht auf, um in der kom­men­den Nacht­zeit fort­zu­fah­ren. — Herz­lichst grüßt Euch Euer Lou­is. Ahoi! – stop

gesen­det am
10.07.2012
22.01 MESZ
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lou­is to dai­sy and violet »

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langsame stunde

9

ulys­ses : 2.12 — Schrit­te und Türen. Auf dem Kühl­schrank, zir­pen­de Glä­ser. Der Kühl­schrank selbst, Ven­ti­la­tor. Von der Stra­ße her, Lachen. Kurz vor 1 Uhr, Stra­ßen­bahn hält, Stra­ßen­bahn setzt sich in Bewe­gung. Schrit­te. Türen. Schrit­te. Das Klop­fen mei­ner Fin­ger an der Stirn. Und mein Wecker, tack, tack, tack, wie er Schwel­len in der Zeit ver­legt. Wenn ich das Wort Atem schrei­be, höre ich mei­ne eige­nen Luft­ge­räu­sche so lan­ge, bis ich das Wort Atem ver­ges­se. Und wie­der Schrit­te. Und wie­der Türen. Ich ver­such­te, mit mei­nen Augen­li­dern einen Laut zu erzeu­gen. Ver­geb­lich. Auch mei­ne Augen selbst, wenn ich mei­ne Augen bewe­ge, ohne jedes ver­nehm­ba­re Geräusch. Man stel­le sich ein­mal vor, die Bewe­gung der Augen wür­de knar­zen­de Geräu­sche erzeu­gen. Von der Stra­ße her, Lachen, Hupen. Dann Stim­men, spa­nisch. Rufen. Und Türen. Schrit­te. Auch das Licht mei­ner Lam­pen macht kein Geräusch. Fried­lich lie­gen mei­ne Äpfel geräusch­los im Korb her­um. Wer mich in die­sem Moment beob­ach­te­te, könn­te sehen, wie ich einen Apfel belau­sche. Ich habe noch nie einen Apfel belauscht. Oder eine Bir­ne. Oder einen Pfir­sich. Auch Bana­nen sind ohne Geräusch. Es ist denk­bar, dass ich mich irre, dass ich als Kind einen Apfel belausch­te. Kurz vor 2 Uhr, Stra­ßen­bahn hält, Stra­ßen­bahn setzt sich in Bewe­gung. Auf dem Kühl­schrank, zir­pen­de Glä­ser. — stop
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cindirella

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MELDUNG. Erfolg­reich aus 28500 Fuß Höhe über dem Pazi­fi­schen Oze­an kurz vor San­ta Rosa abge­wor­fen: Pana­ma-Nacht­af­fen­da­me Cin­di­rel­la, 2 Jah­re, fünf­te Über­le­ben­de der Test­se­rie Tef­lon-D08 {Haut­we­sen}. Man ist, der Schre­cken, noch voll­stän­dig ohne Spra­che, aber bei vol­lem Bewusst­sein. – stop
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ein beamter unterirdischer musikabspielgeräte

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nord­pol : 0.25 — Als der Beam­te, der für das Fried­hofs­we­sen zustän­dig ist, win­kend eine Wie­se über­quer­te, stand ich mit einem Gärt­ner unter einer blatt­lo­sen Ulme. Der Mann rauch­te einen Ziga­ril­lo. Spä­ter Nach­mit­tag. Flü­gel­tie­re, gold­far­be­ne Gespens­ter, flat­ter­ten in der Luft her­um. Ich hat­te gera­de die Fra­ge gestellt, ob der Baum, unter dem wir war­te­ten, noch am Leben sei, als uns der Beam­te erreich­te. Er war etwas außer Atem und lach­te, weil ich ein altes Eisen­kreuz in mei­nen Hän­den dreh­te. Er sag­te sofort, dass die­ses Kreuz an Ort und Stel­le denk­bar sei. Das kön­nen sie hier auf­stel­len! Also waren wir sehr zufrie­den alle, wir hat­ten in gemein­sa­mer Gegen­wart kaum drei­fach geat­met und schon konn­ten wir wie­der aus­ein­an­der­ge­hen, wenn da nicht jener Baum gewe­sen wäre ohne Blät­ter, wes­we­gen wir über das Wet­ter zu spre­chen began­nen, über Win­ter­ta­ge, die kei­ne mehr sind. Und über Som­mer­zei­ten, die den Herbst­zei­ten von Jahr zu Jahr ähn­li­cher zu wer­den schei­nen. Ein Eich­hörn­chen toll­te über ein Grab in unse­rer Nähe, grub sich in die Erde, Stei­ne flo­gen durch die Luft. Viel­leicht weil sich das klei­ne Tier sicht­bar in die Tie­fe vor­an arbei­te­te, hat­te ich die Idee, mei­ne Vor­stel­lung unter­ir­di­scher Musik vor­zu­tra­gen, die ich vor Mona­ten bereits ein­mal notier­te. Und so erzähl­te ich, wie ich geschrie­ben hat­te, dass näm­lich auf mei­ner letz­ten Ruhe­stät­te ein­mal ein Wind­rad ste­hen könn­te. Das Rad wür­de, in dem es sich dreh­te, Strom erzeu­gen. Mit­tels eines Kabels wür­de die­ser Strom zu einer Bat­te­rie unter die Erde geführt. Sobald nun durch kräf­ti­ge Win­de aus­rei­chen­de Men­gen von Strom gesam­melt sein wer­den, wür­de sich ein Musikab­spiel­ge­rät in Bewe­gung set­zen, um etwas Char­lie Par­ker oder Ben­ny Good­man zu spie­len. Eine rei­zen­de Vor­stel­lung, sag­te ich, eine Über­le­gung, die mich seit dem ver­gan­ge­nen April täg­lich beglei­tet. Und wie nun der Fried­hofs­gärt­ner anfing zu lachen, ein Lachen, das wärm­te, und wie aus dem Beam­ten der klei­nen Stadt, ein Beam­ter für unter­ir­di­sche Musik zu wer­den begann. — stop

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fischvögel

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~ : louis
to : Madame van Lishout
sub­ject : FISCHVÖGEL

Sehr geehr­te Madame van Lishout, ver­zei­hen Sie bit­te viel­mals mein Schrei­ben auf elek­tri­schem Wege. Ich bin nicht sicher, ob ich Ihre kor­rek­te Adres­se erin­ne­re. Ein Brief auf Papier mit unter­zeich­ne­ter Bestel­lung wur­de an fol­gen­de Anschrift gesen­det: M.v.L., Chal­li­ons 7, 4968 Mal­mers­by, Bel­gi­um. Es geht um ein drin­gen­des Geschenk, das bis zum 10. August für einen Freund fer­tig­ge­stellt sein muss. Sie erin­nern sich viel­leicht, es geht um jenen Freund, der seit einem Jahr­zehnt im Was­ser exis­tiert. Da die Krea­ti­on unter der Was­ser­ober­flä­che leben­der Sing­vö­gel nicht mög­lich ist, – ich habe Ihre Erläu­te­run­gen ver­stan­den -, sehr wohl aber die Manu­fak­tur eines Fisch­pär­chens, das in Gestalt und Beneh­men Sing­vö­geln ähn­lich sein könn­te, wäre ich Ihnen dank­bar, wenn Sie für mich ein oder zwei Ent­wür­fe zur Ver­wirk­li­chung for­mu­lie­ren wür­den. Auch einen Käfig, der in Süß­was­ser län­ge­re Zeit über­dau­ern könn­te, habe ich vor, in Auf­trag zu geben, schön wäre ein fili­gra­nes Gehäu­se von dunk­lem Holz. In der Grö­ße soll­te das Pär­chen vogel­ähn­li­cher Fische die Dimen­si­on der Zei­si­ge nicht über­tref­fen, da die Was­ser­woh­nung mei­nes Freun­des eher beschei­den aus­ge­fal­len ist. In der farb­li­chen Aus­füh­rung wün­sche ich wei­che pas­tell­far­be­ne Töne. Ein gewis­ses Leucht­ver­mö­gen von innen her wäre wun­der­voll. Könn­te dies alles mög­lich sein, wür­den Sie mich sehr glück­lich erle­ben. Der Gesang der klei­nen Fische soll­te fröh­lich, nicht all­zu laut, vor allem eben hei­ter sein. Ich erwar­te Ihre Ant­wort drin­gend und ver­blei­be hoch­ach­tungs­voll mit freund­li­chen, dank­ba­ren Grü­ßen. Ihr Mr. Lou­is

gesen­det am
5.06.2012
2.58 MEZ
1551 zeichen

polaroidtaucher

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sommernachmittag

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char­lie : 6.24 — Ein­mal, vor ein oder zwei Jah­ren, saß ich eini­ge Stun­den lang an der Sei­te mei­nes Vaters vor sei­nem Schreib­tisch. Wir sahen Noti­zen durch, die er seit der Stu­di­en­zeit auf Zet­teln nie­der­leg­te. Da waren nun Zet­tel aus jün­ge­rer Zeit gewe­sen und Zet­tel, die er bereits vor 10 oder 20 Jah­ren notier­te, Adres­sen, Tele­fon­num­mern, Ver­zeich­nis­se, auch phi­lo­so­phi­sche Bemer­kun­gen, For­meln, Pass­wör­ter. Wir ver­such­ten gemein­sam zu unter­schei­den, was noch wich­tig war und was viel­leicht zur Sei­te gelegt wer­den konn­te. Mein Vater kämpf­te an die­sem Tag des Sor­tie­rens um jeden ein­zel­nen sei­ner Zet­tel. Wenn ich das Zim­mer ein­mal kurz ver­las­sen hat­te, um Milch oder Tee zu holen, konn­te ich vom Flur her sehen, wie sich sei­ne rech­te Hand bemüh­te, Zet­tel, die wir dem Ver­schwin­den über­eig­net hat­ten, in die Abtei­lung UNVERZICHTBAR zurück­zu­ho­len, ein lus­ti­ges Spiel. Ich setz­te mich bald zurück an den Tisch und wir taten bei­de so, als ob in der kur­zen Zeit mei­ner Abwe­sen­heit nichts gesche­hen wäre. Drau­ßen vor dem Fens­ter reg­ne­te es ohne Unter­bre­chung. Wir spra­chen wenig. Immer­zu beweg­te ich mich zu schnell. Manch­mal schlief mein Vater ein. Das war an einem Som­mer­nach­mit­tag gewe­sen. — stop
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