Aus der Wörtersammlung: louis

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luftzungen

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nord­pol

~ : louis
to : dai­sy und vio­let hilton
sub­ject : LUFTZUNGEN

Lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let! Was für ein stür­mi­scher Mor­gen hier bei uns in Mit­tel­eu­ro­pa. Wet­ter, wie ich es mir wün­sche in die­sen Tagen. Eis­kör­ner pfei­fen durch die Luft, Wol­ken­däm­me­rung. Ich ver­mu­te, Ihr wer­det bemerkt haben, mein Vater ist gestor­ben. Drei Stun­den war ich noch an sei­nem Bett gewe­sen, habe von Bil­dern eines nahen Sees berich­tet, den ich vom Zim­mer des Hos­pi­tals aus sehen konn­te. Ein Schau­fel­rad­damp­fer fuhr hin und her, der Wind schrieb mit Luft­zun­gen schim­mern­de Spu­ren ins Was­ser, Möwen segel­ten über den Ufer­bäu­men. Wie mein Vater gestor­ben ist, war es noch hell, die Son­ne nicht unter­ge­gan­gen, weiß der Him­mel, ob er sie zu erken­nen ver­moch­te, sein Blick war ein Blick, wie ich mein­te, der schon nach innen sich rich­te­te. Wenn ich Euch sage, es ist nicht wirk­lich begreif­bar, nicht wirk­lich fühl­bar, dass ein gelieb­ter Mensch nie wie­der neben uns am Tisch sit­zen wird, wer­det Ihr viel­leicht ver­ste­hen, wovon ich spre­che. Die­ses Nie­wie­der macht einen Ein­druck von Unwirk­lich­keit, von Unwirk­sam­keit, als wür­de man ver­su­chen, eine Trom­pe­te vom Schall­be­cher her zu bespie­len. Und doch, nach und nach wer­de ich ruhi­ger, ich schla­fe tief, träu­me selt­sa­me Geschich­ten. Ja, so ist das, lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let. Was machen die Sim­mons? Ist alles o. k.? Ahoi – Euer Lou­is — stop

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22.04.2012
7.05 MEZ
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perlboote

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india : 0.02 — Auf der Suche nach Behäl­ter­kon­struk­tio­nen, in wel­chen Perl­boo­te der Gat­tung Nau­ti­lus durch eine gro­ße Stadt trans­por­tiert wer­den könn­ten, ohne dass die Mee­res­tie­re Scha­den neh­men wür­den, auf eine Web­site gesto­ßen, die unter dem Namen Lou­is Benett fol­gen­de Zei­chen­fol­ge ver­merkt: mem­ber sin­ce mon­day, 30 janu­ary 2012 20.00 / last online > never log­ged in / pro­fi­le views : 158 – stop. Selt­sa­me Geschich­te. Die Spur eines über­aus vor­sich­ti­gen Ver­hal­tens viel­leicht, ein Zögern. – Mit­ter­nacht. stop. — Ben­ny Good­man. — stop

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indianer

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del­ta

~ : oe som
to : louis
sub­ject : INDIANER
date : mar 30 12 9.28 a.m.

Ges­tern Abend, stür­mi­sche See, war Mil­ler mit einer Schach­tel Foto­gra­fien Noe’s vom Fest­land zurück­ge­kehrt. Es dun­kel­te bereits, als er mit dem Segel­schiff Esther Val­dez zufrie­den ein­traf. Wir saßen dann die hal­be Nacht an einem Tisch, um eine ers­te Foto­gra­fie unter drei Dut­zend wei­te­rer Foto­gra­fien Noe’s aus­zu­wäh­len. Noe als Säug­ling auf einem Wickel­tisch lie­gend. Noe in einer Bade­wan­ne mit einem Hüt­chen auf dem Kopf. Er war damals vier oder fünf Jah­re alt gewe­sen und lach­te in die Kame­ra. Noe zur Kar­ne­vals­zeit, ein India­ner. Noe wie er ein klei­nes Mäd­chen küsst, das grö­ßer ist als er selbst. Ein Pass­bild in Far­be. Noe ist bereits weit über 20 Jah­re alt gewe­sen, mit die­sem Bild wol­len wir begin­nen, und so haben wir Noes Foto­gra­fie in Glas gepan­zert. Mil­ler mach­te sich dann nach etwas Schlaf höchst­per­sön­lich auf den Weg abwärts. Er ist in die­sem Moment auf Tie­fe 250 Fuß ange­kom­men, noch zwei Stun­den und er wird Noe errei­chen. Mil­ler mel­det, er kön­ne Noe bereits erken­nen, einen leuch­ten­den Punkt, sagt Mil­ler, einen gleich­mä­ßig blin­ken­den Punkt. Noe selbst scheint zufrie­den zu sein. Er ist wach, wir hören sei­nen Atem. Noch vor weni­gen Minu­ten ver­such­te er sei­nen Blick nach oben zu rich­ten, aber sei­ne Kräf­te sind zu gering, um sei­nen schwe­ren Anzug bewe­gen zu kön­nen. Er sei nicht mehr der Jüngs­te, sag­te Noe. Er seh­ne sich nach einer Uhr, setz­te er hin­zu. — Das Meer ist heu­te ruhig. Ein sanft blau­er Him­mel über uns. Nichts an die­ser Stel­le deu­tet dar­auf­hin, welch dra­ma­ti­sche Geschich­te sich unter uns in aller Stil­le ereig­net. Ob Noe sich wie­der erken­nen wird? — Ahoi, lie­ber Lou­is. Dein OE SOM

gesen­det am
30.03.2012
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james baldwin

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tan­go

~ : oe som
to : louis
sub­ject : JAMES BALDWIN
date : mar 22 12 11.15 p.m.

Abso­lu­te Stil­le. Kein Wind, kei­ne Bewe­gung auf dem Was­ser, der Him­mel leer. Seit 382 Tagen schwebt Tau­cher Noe unter uns in der Tie­fe. Er scheint glück­lich zu sein, die Tage sei­nes Auf­be­geh­rens sind vor­über. Noch vor weni­gen Wochen wünsch­te Noe, zurück­keh­ren zu dür­fen, sofort! Wir haben ihm vom Regen erzählt, von Stür­men, von sei­ner Mut­ter, von sei­nem Vater, wie stolz sie auf ihn sind. Nach 5 Tagen war Noe ruhi­ger gewor­den, mür­be von der lan­gen Zeit toben­den Zwei­fels, viel­leicht auch des­halb, weil wir ihn aus 850 Fuß Tie­fe der Dun­kel­heit auf Höhe der Däm­me­rung hoben, eine Ahnung von Licht, Hoff­nung, das Gefühl, noch nicht ver­lo­ren zu sein. Ein tap­fe­rer Mann. Er habe das Wort Schnee in sei­nem Kopf hin und her bewegt, aber er kön­ne nicht sagen, was es bedeu­te. Sor­ge berei­te ihm außer­dem, dass er sein Gesicht nicht erin­ne­re. Seit­her dis­ku­tie­ren wir, ob wir ihm nicht doch ein hei­te­res Bild sei­ner Per­son über­mit­teln könn­ten, Noe droh­te das Rück­wärts­spre­chen zu üben. All das scheint nicht unge­wöhn­lich zu sein für sei­ne schwe­ben­de Lage, ein lan­ge Zeit andau­ern­der Moment von Ein­sam­keit, Fische, die ihn beob­ach­ten, Wör­ter gehen ver­lo­ren. In die­ser Sekun­de, lie­ber Lou­is, da ich Dir schrei­be, beginnt Noe wie­der zu lesen mit hel­ler Stim­me, James Bald­win / Unter­was­ser­buch No 285, nachts träum­te ich, und mor­gens wach­te ich zit­ternd auf, konn­te mich aber nie an den Traum erin­nern, nur dar­an, dass ich gerannt war. Ich wuss­te nicht mehr, wann es mit die­sen Träu­men ange­fan­gen hat­te; es war lan­ge her. Zwi­schen­durch gab es Zei­ten, in denen ich über­haupt nicht träum­te. Und dann ging es wie­der los, jede Nacht. – Ahoi! Dein OE SOM

gesen­det am
23.03.2012
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stand clear to the closing doors

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sier­ra : 0.27 —  War auf dem Weg süd­wärts in einem Sub­way­zug. Hat­te mein Notiz­buch in der Hand und notier­te Wör­ter für Geräu­sche, die ich hör­te. Heu­len. Schep­pern. Klir­ren. Zischen. Pfei­fen. Bald waren alle nahe lie­gen­den Mög­lich­kei­ten ver­zeich­net, und so fing ich an, Wör­ter zu erfin­den, dschumm dschumm. Das war kei­ne leich­te Arbeit, vor allem das Notie­ren von Hand in die­ser schwan­ken­den Land­schaft war kaum mög­lich gewe­sen, ich mach­te anstatt Wör­tern Zeich­nun­gen, die sich über eine gan­ze Sei­te mei­nes Notiz­bu­ches erstreck­ten. Und plötz­lich war da eine Stim­me, eine beson­de­re Stim­me. Es war die Stim­me einer Frau, die ich hör­te. Sie reis­te mit im Zug, ver­kün­de­te die Namen der Sta­tio­nen, die wir bald errei­chen wür­den. Die Stim­me kam aus einem Laut­spre­cher, der in die Decke des Wag­gons ein­ge­las­sen war. Eine sanf­te Stim­me, eine Stim­me, die ich viel­leicht des­halb wahr­ge­nom­men hat­te, weil man in ihr eine Spur von Anteil­nah­me ver­neh­men konn­te, eine Freu­de zu spre­chen, die­se Wör­ter auf­zu­sa­gen, Cham­bers Street. Ein Satz schien ihr beson­ders am Her­zen zu lie­gen: Stand clear to the clo­sing doors! Die­sen Satz wie­der­hol­te sie bei­na­he zärt­lich immer dann, wenn der Zug eine der Sta­tio­nen wie­der ver­las­sen soll­te. Es war wie eine Melo­die. Ich hör­te auf zu schrei­ben, und ich mach­te eine Ton­auf­nah­me, beob­ach­te­te den Aus­schlag des Zei­gers auf mei­ner Maschi­ne. Als wir eine hal­be Stun­de spä­ter die End­sta­ti­on des Zuges erreich­ten, South Fer­ry, mach­te ich mich auf die Suche nach der Frau, der ich zuge­hört hat­te. Es war eine klei­ne Frau, eine dun­kel­häu­ti­ge Frau mit wei­ßem Haar, sie war sehr fein geschminkt, etwa 60 Jah­re alt, sie unter­hielt sich, als ich an ihr vor­über­kam, mit einem Herrn, der wie sie selbst die blaue Uni­form der New Yor­ker Ver­kehrs­be­trie­be trug. Sie schien sehr glück­lich zu sein, vol­ler Freu­de, eine leuch­ten­de Per­son, dschumm dschumm. — stop

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minutengeschichten

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ulys­ses

~ : louis
to : dai­sy und vio­let hilton
sub­ject : MINUTENGESCHICHTEN

Lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let! Grüß Euch ganz herz­lich! Frü­her Mor­gen hier unten bei uns. How are you doing? Ich hat­te, selt­sa­me Sache, in der ver­gan­ge­nen Nacht das Gefühl, irgend­je­mand wür­de mir, wäh­rend ich mit mei­nem Blei­stift arbei­te­te, über die Schul­ter schau­en. Mehr­fach habe ich mich umge­se­hen, auch vor­ge­ge­ben, rein gar nie­man­den bemerkt zu haben, und dann plötz­lich, na, Ihr wisst schon, ich bin mir sicher, Ihr wart in mei­ner Nähe gewe­sen, wie noch vor weni­gen Wochen, als ich unter­wegs war in New York, da habe ich Euch leib­haf­tig gese­hen nachts an Bord der John F. Ken­ne­dy – Fäh­re, wie ihr übers Salon­deck husch­tet, Gespens­ter, wür­de man viel­leicht sagen, Geis­ter, rei­zen­de Erschei­nun­gen. Sagt, habt Ihr nun gele­sen, was ich notier­te? Jenen klei­nen Text der Minu­ten­ge­schich­ten, den ich so gern mit der Hand wie­der­ho­le in schwe­ren Zei­ten? Ich schick ihn Euch zur Sicher­heit noch ein­mal mit, ja, ja, die Bücher­men­schen, das soll­tet Ihr wis­sen, das sind Per­so­nen, die selbst dann noch lesen, wenn sie spa­zie­ren gehen. Wenn sie ein­mal nicht spa­zie­ren gehen, sit­zen sie stu­die­rend auf Bän­ken in Park­land­schaf­ten her­um, in Cafés oder in einer Unter­grund­bahn. Dort, aus hei­te­rem Him­mel ange­spro­chen, wenn man sich nach ihrem Namen erkun­dig­te, wür­den sie erschre­cken und sie wür­den viel­leicht sagen, ohne den Kopf von der Zei­chen­li­nie zu heben, ich hei­ße Anna oder Vic­tor, obwohl sie doch ganz anders hei­ßen. Wenn man sie frag­te, wo sie sich gera­de befin­den, wür­den sie behaup­ten, in Petusch­ki oder in Brook­lyn oder in Kai­ro oder auf einem Amzo­nas­re­gen­wald­fluss. — Heu­te habe ich mir gedacht, man soll­te für die­se Men­schen eine eige­ne Stadt errich­ten, eine Metro­po­le, die allein für lesend durch das Leben rei­sen­de Men­schen gemacht sein wird. Man könn­te natür­lich sagen, wir bau­en kei­ne neue Stadt, son­dern wir neh­men eine bereits exis­tie­ren­de Stadt, die geeig­net ist, und machen dar­aus eine ganz ande­re Stadt, eine Stadt zunächst nur zur Pro­be. In die­ser Stadt lesen­der Men­schen sind Biblio­the­ken zu fin­den wie Blu­men auf einer Wie­se. Da sind also gro­ße Biblio­the­ken, und etwas klei­ne­re, die haben die Grö­ße eines Kiosks und sind geöff­net bei Tag und bei Nacht. Man könn­te dort sehr kost­ba­re Bücher ent­lei­hen, sagen wir, für eine Stun­de oder zwei. Dann macht man sich auf den Weg durch die Stadt. Wäh­rend man geht, wird gele­sen. Das ist sehr gesund in die­ser Art so in Bewe­gung. Auf alle Stra­ßen, die man pas­sie­ren wird, sind Lini­en auf­ge­tra­gen, Stre­cken, die lesen­de Men­schen durch die Stadt gelei­ten. Da sind also die gel­ben Krei­se der Stun­den- und da sind die roten Lini­en der Minu­ten­ge­schich­ten. Blau sind die Stre­cken mäch­ti­ger Bücher, die schwer sind von feins­ten Papie­ren. Sie füh­ren weit aufs Land hin­aus bis in die Wäl­der, wo man unge­stört auf sehr beque­men Pini­en­bäu­men sit­zen und schla­fen kann. In die­ser Stadt lesen­der Men­schen haben Auto­mo­bi­le, sobald ein lesen­der Mensch sich nähert, den Vor­tritt zu geben, und alles ist sehr schön zau­ber­haft beleuch­tet von einem Licht, das aus dem Boden kommt. – Ahoi! Euer Lou­is — stop

gesen­det am
13.03.2012
06.05 MEZ
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queens : ein mädchen

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lima : 22.06 — Es ist spä­ter Nach­mit­tag. Queens. Eigent­lich woll­te ich durch die Gegend strei­fen, in der Lou­is Arm­strong gelebt hat­te, sein Haus besu­chen, das zu einem Muse­um gewor­den ist. Als ich ein­tref­fe, Sta­ti­on North Coro­na, bereits Däm­me­rung. Die Stra­ßen schwach beleuch­tet. In der Nähe eines Fens­ters, das von der Sub­way in einem Abstand von 1 Meter pas­siert wird, sitzt ein dun­kel­häu­ti­ges Mäd­chen vor einem Fern­seh­ge­rät. Ich wür­de das Mäd­chen gern fra­gen, ob es mich sehen kann, ob es die Züge noch hört, die in fünf Minu­ten Fre­quenz an ihrem Wohn­zim­mer vor­über kom­men. Das sind schep­pern­de Züge, krei­schen­de, quiet­schen­de, ble­cher­ne Röh­ren. stop. Schlan­gen. stop. Unge­tü­me. stop. Wie vie­le Jah­re, wie vie­le Züge, die das Mäd­chen viel­leicht nicht hör­te? — stop

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102 minuten

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nord­pol

~ : louis
to : dai­sy und vio­let hilton
sub­ject : 102 MINUTEN

Vor­mit­tag. Der Him­mel son­nig, die Spit­zen der Ber­ge weiß seit Tagen. Weni­ge Wochen vor mei­ner Rei­se nach New York, lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let, will ich Euch berich­ten von einer klei­nen Pro­be, die ich unter­nom­men habe, um vor­zu­prü­fen, ob ich in der Lage sein wer­de, in der gro­ßen Stadt mit mei­nen Unter­su­chun­gen der Wirk­lich­keit rasch vor­an­zu­kom­men. Ich habe näm­lich gera­de einen Kof­fer mit allen mög­li­chen Gegen­stän­den gefüllt, die ich vor­ha­be mit­zu­neh­men, ein Jackett, Pull­over, Wild­le­der­fäust­lin­ge, einen Schal, Wan­der­schu­he, zwei Nor­we­ger­müt­zen, sowie einen Schnee­schirm, der in der Lage sein soll­te über mei­nem Kopf durch die Luft zu schwe­ben. Des Wei­te­ren eine Schreib­ma­schi­ne, eine elek­tri­sche Maus, zwei Foto­ap­pa­ra­te, ein Ton­band­ge­rät, das gera­de so groß ist, dass ich es mit einer Hand umfas­sen kann. Außer­dem einen Rei­se­be­häl­ter, wie unlängst berich­tet, für Trom­pe­ten­kä­fer pola­ren Ursprungs, Spa­zier­plä­ne, Sub­way­kar­ten, Bücher für Ruhe­zei­ten abends und nachts. Da wären Robert Fal­con Scotts Auf­zeich­nun­gen einer letz­ten Rei­se, Wil­helm Gen­a­zi­nos Roman Wenn wir Tie­re wären, das Buch der 102 Minu­ten, das mich seit Tagen fes­selt, weil es auch von Hol­ly erzählt. Kurz­um, die­se Gegen­stän­de nun waren in einem gro­ßen und einem wei­te­ren, klei­ne­ren Kof­fer auf­ge­ho­ben. Ich habe bei­de Rei­se­ob­jek­te neben mich gestellt und ange­ho­ben für zwei Minu­ten. Ich sage Euch, es geht. Was machen die Sim­mons? Ist alles o. k.? Ahoi – Euer Louis

gesen­det am
10.12.2011
18.30 MEZ
1433 zeichen

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wintermütze

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kili­man­dscha­ro : 8.55 — Seit Tagen fra­ge ich mich, wel­chen Anblick ich dar­ge­bo­ten haben könn­te, nar­ko­ti­siert, ich, Lou­is, über vier Stun­den Zeit im chir­ur­gi­schen Saal auf einem Tisch. Habe ich gespro­chen? Habe ich mich aus eige­ner Kraft bewegt? Wenn ich sage: Mei­ne schla­fen­den Augen, spre­che ich von Augen, die ich nie gese­hen habe. Kann mich an den Moment des Schla­fens nicht erin­nern, als ob die­ser Moment nie exis­tier­te. Möch­te bald mei­nen, unter Nar­ko­se unsicht­bar gewor­den zu sein. Statt­des­sen war ich sicht­bar, wie ich zuvor nie sicht­bar gewe­sen bin. Mein Ellen­bo­gen, von meh­re­ren Sei­ten her geöff­net, aus­ge­leuch­tet, dar­ge­legt. Einer der Chir­ur­gen, die ope­rier­ten, erzähl­te, man habe, sobald Kap­sel, Bän­der, Mus­keln, Seh­nen sor­tiert und genäht wor­den waren, alle übli­chen Bewe­gun­gen eines Ellen­bo­gen­ge­lenks erfolg­reich aus­pro­biert, ich sol­le mir kei­ne Gedan­ken machen, ich kön­ne bald wie­der schrei­ben von Hand, essen, mei­ne Win­ter­müt­ze auf­set­zen. Im Janu­ar spä­tes­tens das beid­hän­di­ge Wer­fen schwe­rer Kof­fer üben. — stop

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alpenregen

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echo

~ : oe som
to : louis
sub­ject : ALPENREGEN
date : okt 31 11 10.52 p.m.

Bes­ten Dank, lie­ber Lou­is, für das fei­ne Ton­ma­te­ri­al, das Du uns gesen­det hast. Wir haben Dei­ne Alpen­re­gen­ge­räu­sche am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag zu Noe in die Tie­fe über­mit­telt. Gro­ße Freu­de! Gleich­wohl sehnt Noe sich nach wie vor eine Uhr her­bei, die wir ihm lei­der nicht gewäh­ren kön­nen. Es ist nun fol­gen­des gesche­hen. Noe press­te, viel­leicht zunächst ohne einen Vor­satz, sei­ne rech­te Hand gegen die Innen­sei­te sei­nes Tau­cher­an­zu­ges und konn­te in die­ser Wei­se Pul­se erspü­ren. Von die­sem Moment an zähl­te Noe die Schlä­ge sei­nes Her­zens, er zähl­te bis er die Zahl 70 erreich­te, eine Minu­te Zeit, seit zwei Tagen immer­zu der­sel­be Pro­zess der Zäh­lung mit lau­ter Stim­me, eine Demons­tra­ti­on sei­ner Wil­lens­stär­ke, die uns nach und nach unheim­lich wird, Noe, eine Uhr, auch schla­fend, däm­mernd, träu­mend, eine Uhr, ver­dammt, ich war mehr­fach ver­sucht gewe­sen, Noes Mikro­phon aus­zu­schal­ten, Ruhe an Bord, eine Gewalt­tat, die Bewe­gung eines klei­nen Fin­gers nur, Stil­le, und doch nicht Stil­le, weil ich die Fort­set­zung des Zäh­lens in der Tie­fe anneh­men müss­te, ein­und­fünf­zig, zwei­und­fünf­zig, drei­und­fünf­zig. Kurz nach 10 Uhr, eis­kal­te Nacht, auf­kom­men­der Wind von Nord­west, wir haben schwe­ren See­gang zu erwar­ten. Dein OE SOM – Ahoi!

gesen­det am
31.10.2011
1166 zeichen

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