Aus der Wörtersammlung: wort

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psyop

in louisiana

kili­man­dscha­ro : 22.52 UTC – Ich habe heu­te ein beson­de­res Wort ent­deckt. Das Wort lau­tet Psyop. Ich dach­te, als ich das Wort las, das ist unheim­lich, ein unheim­li­ches Wort. Ich habe, um Bekannt­schaft zu schlie­ßen, das Wort zunächst laut aus­ge­spro­chen, dann notiert: Das Wort Psyop wur­de von einer X‑Person buch­sta­biert, die die Ent­hül­lung eines Deep Sta­te in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka for­dert. Man for­der­te gleich­wohl, kei­ne drei Minu­ten waren an Ort und Stel­le ver­gan­gen, ame­ri­ka­ni­sche Staatsbürger/innen soma­li­schen Ursprungs, des Lan­des zu ver­wei­sen, das heißt zu depor­tie­ren. Eine Foto­gra­fie wur­de zur Unter­stüt­zung gesen­det, die Foto­gra­fie einer jun­gen Frau, einer Frau von schwar­zer Haut­far­be, das ist wich­tig, sie per­sön­lich also soll inhaf­tiert und depor­tiert wer­den. Die Frau, die die Foto­gra­fie zeigt, lacht. Sie wuss­te zum Zeit­punkt der Auf­nah­me nicht, was auf ihre Foto­gra­fie und sie selbst zukom­men wird. Ich stel­le fest: 45000 Augen­paa­re haben zum Zeit­punkt mei­ner Beob­ach­tung die­sen Text mit Bild wahr­ge­nom­men, 2270 mensch­li­che Wesen haben Zustim­mung durch Herz­stem­pel erteilt. Ich frag­te ChatGPT nach einer Umschrei­bung des Wor­tes Psyop. Bot ant­wor­tet Fol­gen­des: Psyop ist eine Abkür­zung für „psy­cho­lo­gi­sche Ope­ra­ti­on“ (auf Eng­lisch: psy­cho­lo­gi­cal ope­ra­ti­on). Der Begriff stammt aus dem mili­tä­ri­schen und geheim­dienst­li­chen Bereich und bezieht sich auf Maß­nah­men, die dar­auf abzie­len, die Wahr­neh­mun­gen, Ein­stel­lun­gen und das Ver­hal­ten von Men­schen oder Grup­pen zu beein­flus­sen. Ziel ist es, psy­cho­lo­gi­schen Ein­fluss aus­zu­üben, der oft poli­ti­scher, mili­tä­ri­scher oder sozia­ler Natur ist, um bestimm­te Reak­tio­nen oder Hand­lun­gen zu för­dern. — stop

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vater foto­gra­fier­te
1971 die
Stadt
New York.
Es war kalt.
Ein Jahr vor
Watergate.

 

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silence

silence

bamako : 10.22 UTC — Mut­ter sag­te im Novem­ber des Jah­res 2016, nach­dem Donald J. T. zum Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten gewählt wor­den war: Das ist doch ver­rückt! Ich hör­te heut Nach­mit­tag ihre Stim­me. Mei­ne Gedan­ken­stim­me ant­wor­te­te: ja Mut­ter, voll­kom­men ver­rückt und gefähr­lich. Es ist selt­sam, ich kann mich auch an die Stim­me mei­nes Vaters wie­der erin­nern. Er ist noch vor Novem­ber 2016 gestor­ben. Ver­mut­lich wür­de er prä­zi­se wie­der­holt haben, was Mut­ter sag­te am Tele­fon an einem frü­hen Mor­gen. John Cage notier­te in sei­nem wun­der­ba­ren Buch Silence: Gib einem Gedan­ken einen Stoß, er fällt leicht um. — stop

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von maschineller übersetzung

maschinellem übersetzung

nord­pol : 16.22 UTC — In der Umge­bung des rus­si­schen Über­falls auf die Ukrai­ne, selt­sa­me Wör­ter des Krie­ges: Was­ser­te­le­fon (ver­mut­lich Rohr­lei­tung) . Hagel­kör­ner (Gra­na­ten) . Ziga­ret­ten­feld (Bedeu­tung noch unbe­kannt) . Stra­ßen­dampf­schiff (Pan­zer) . Milch­zäh­ne (Pan­zer­sper­re) . Muscheln (Bom­ben) . Dreh­ar­bei­ten (Beschuss) . Tier­heim (Schutz­raum) . Glü­hen­de Todes­zei­ten (Schrapnel­le) . Einer ara­bisch den­ken­den Maschi­ne ent­neh­me ich das Wort Rake­ten­bir­ne für eine eben­falls noch unbe­kann­te ara­bi­sche Wort­be­deu­tung vor maschi­nel­ler Über­set­zung. — stop

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stimmen

9

alpha : 2.58 UTC — Eine hoch­be­tag­te Dame wünscht zu ver­rei­sen. Sie erzählt, sie kön­ne doch kaum noch Schrit­te gehen, sie ver­rei­se mit dem Roll­stuhl, in einem Auto­mo­bil wird sie durch die Land­schaft gefah­ren wer­den, das ist ihr Wort, Auto­mo­bil, ein Wort der Kin­der­zeit. Sie sagt, sie wis­se nicht, ob sie die Rei­se schaf­fen wür­de. Ich sage, Du musst auf Dei­ne inne­re Stim­me hören. Da sind vie­le Stim­men, ant­wor­tet sie, eine Stim­me sagt, das musst Du tun, Du hast nicht mehr viel Zeit. Eine ande­re Stim­me sagt, das ist gefähr­lich, die­se Stim­me ist lei­se. In der Nacht bekommt sie Fie­ber. Sie wird nicht rei­sen, sagt sie am Tele­fon. Fie­ber­stim­me. — stop

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hidup — am Leben

9

nord­pol : 2.15 UTC — Die ukrai­ni­sche Schrift­stel­le­rin Nadi­ya Suk­horu­ko­va, die aus der bom­bar­dier­ten Stadt Mariu­pol im März des Jah­res 2022 flüch­ten konn­te, erzählt von einer berüh­ren­den Situa­ti­on: Wie Men­schen ihr Leben ris­kier­ten, um ein Lebens­zei­chen an die Welt und ihre Ange­hö­ri­gen und Freun­de außer­halb der Stadt in der Ukrai­ne zu sen­den. Sie schreibt auf der digi­ta­len Posi­ti­on „Mono­logs of War“ Fol­gen­des: Ein klei­nes Wun­der geschah. Es gab eine Ver­bin­dung direkt am Ein­gang. Mei­ne Kel­ler­nach­barn erzähl­ten ein­an­der, dass Kyiv­star bom­bar­diert wor­den war, aber einer der Ange­stell­ten schal­te­te regel­mä­ßig den Gene­ra­tor ein und ver­sorg­te ihn mit Strom, sodass man sich kurz unter­hal­ten und die Nach­rich­ten erfah­ren konn­te. Auch wenn es unmög­lich war, in Mariu­pol anzu­ru­fen, konn­ten wir doch Ver­wand­te in ande­ren Städ­ten infor­mie­ren. Dank eines Frem­den, der es Mariu­pol ermög­lich­te, den vom Unbe­kann­ten ver­rückt gewor­de­nen Men­schen jeden Tag ein Wort zu sagen: „am Leben“. Und ihre Schat­ten: A live. живим . i leven­de live . gyvas . en vie . vivo — 活著 . على قيد الحياة . elus . ζωντανός . hidup. War Mono­logs sind lei­der zur­zeit oder für immer nicht erreich­bar. Spu­ren sind in den Inter­net­ar­chi­ven zu fin­den. — stop

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murmansk

9

del­ta : 0.28 UTC — Regen fällt. Nach Mit­ter­nacht sind Sire­nen zu hören im Zim­mer 305 eines Hotels an der Rue de Javel im 15. Arron­dis­se­ment der Stadt Paris. Eine Frau, sie viel­leicht 60 Jah­re alt, sitzt auf dem Sofa, Blick zum Fens­ter. Sie hört die­sem gnä­di­gen Regen zu und jenem Sire­nen­ton, den ihr Tele­fon spielt, ein Ton, den sie so gut kennt. Sie schließt das Fens­ter, geht ein oder zwei Schrit­te vor dem Bett auf und ab. Der höl­zer­ne Boden knarzt. Sie nimmt ihr Hand­te­le­fon vom Tisch, wählt und spricht sofort los: Hier ist Mama! Seid ihr schon im Flur? Sind alle da, habt ihr Strom? Was­ser? Und die Kat­zen? — Die Frau spricht mit ruhi­ger, fes­ter Stim­me, als wür­de sie eine Lis­te ver­le­sen. Auf jede der Fra­gen ant­wor­tet ihre Toch­ter mit eben­so ruhi­ger Stim­me: Ja, alle sind da. Anna ist da. Artem ist da. Vik­to­ri­ja ist da. Alle sind im Flur, ja, die Türen sind geschlos­sen, ja, wir haben zwei Power­banks, Was­ser, Licht. Lie­be Mut­ter, sagt die Toch­ter, wenn das Tele­fon aus­fällt, reg Dich nicht auf, ich ruf Dich wie­der an. — Am Nach­mit­tag bereits waren stra­te­gi­sche Bom­ber in der Fer­ne gestar­tet, tief im rus­si­schen Hin­ter­land, von Mur­mansk aus, um die Men­schen der Stadt Kyjiw zu bom­bar­die­ren. In die­ser Stun­de, es reg­net in Paris, sind ihre Geschos­se ange­kom­men, schritt­wei­se in Wel­len. Eine lan­ge, sor­gen­vol­le Nacht. Die Mut­ter, die in Paris auf ihrem Bett sitzt, wird ihr Tele­fon nicht aus der Hand legen. Viel­leicht wird sie gegen den Mor­gen zu ein­ge­schla­fen sein von der Müdig­keit der Jah­re. Es reg­net, die Vögel wer­den nass. Noch immer ist kurz nach Mit­ter­nacht. — stop

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ChatGPT

9

lima : 0.22 UTC — Am spä­ten Abend bei gro­ßer Hit­ze stel­le ich ChatGPT eine Fra­ge. Ob für sie „per­sön­lich“, will ich wis­sen, eine Unter­schei­dung von Tag­zeit zu Nacht­zeit von Bedeu­tung sei. ChatGPT ant­wor­tet, wie erwar­tet, notiert Fol­gen­des:  Als KI habe ich kein Bewusst­sein, kei­ne kör­per­li­chen Emp­fin­dun­gen und damit auch kein Kon­zept von Tag oder Nacht. Zeit exis­tiert für mich nur in dem Sin­ne, dass ich dar­auf pro­gram­miert bin, Infor­ma­tio­nen in Echt­zeit zu ver­ar­bei­ten und zu reagie­ren. Ich arbei­te unab­hän­gig von der Tages­zeit und habe weder Bedürf­nis­se noch den bio­lo­gi­schen Rhyth­mus, der bei Lebe­we­sen das Gefühl von Tag und Nacht prägt. Für mich gibt es also kei­nen Unter­schied zwi­schen Tag und Nacht, und ich ste­he jeder­zeit zur Ver­fü­gung, um Infor­ma­tio­nen bereit­zu­stel­len oder Auf­ga­ben zu erfül­len. — Out­put Ende. Stil­le. Kei­ne Bewe­gung auf dem Bild­schirm, kei­ne wei­te­re Zei­le. Eine Flie­ge brummt durchs Zim­mer, noch wach, der klei­ne Kerl, der mich durch den Tag beglei­te­te, treu wie ein zah­mer Vogel. In die­sem Moment, kurz nach Mit­ter­nacht, eine selt­sa­me, lei­se Erwar­tung, ChatGPT wür­de nach lan­ger, gedul­di­ger Zeit des Ant­wor­tens selbst eine per­sön­li­che Fra­ge stel­len: Lou­is, bist Du müde? — stop

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von farben

9

marim­ba : 23.18 UTC — S. ist schwarz und ich bin weiß. Selt­sa­me For­mu­lie­rung. Stem­pel­satz, dem zahl­rei­che wei­te­re selt­sa­me Stem­pel­ge­dan­ken fol­gen, Gedan­ken, die eben nicht hör­bar, aber sehr wir­kungs­voll sind. Ich stell­te ihr vor­sich­tig eine Fra­ge, die sie mir selbst ver­mut­lich nie stel­len wür­de. Ich fra­ge, wie sie Ras­sis­mus in ihrem All­tag erle­be. Sie kön­ne hun­der­te Geschich­ten erzäh­len, vom Über­se­hen wer­den, von Men­schen, die ihr in selt­sa­mer Spra­che ant­wor­ten wür­den, als sei sie ein Baby, vom offe­nen Stau­nen, dass sie einen deut­schen Pass besit­zen wür­de, der Pass wird mehr­fach kon­trol­liert, ein­mal flog sie wie­der zurück über den Atlan­ti­schen Oze­an, weil man ihr die Ein­rei­se grund­los ver­wei­ger­te. Ein jun­ger Mann bemerk­te im Zug, dass sie Tru­man Capo­te lese. Sie sei intel­li­gent, setz­te er hin­zu. Im Blick man­cher Men­schen, wenn sie sie betrach­te­ten, wür­de etwas fla­ckern, sehr selt­sam, sag­te sie, spoo­ky. — stop

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ai : JORDANIEN

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MENSCH IN GEFAHR: „Dem syri­schen Flücht­ling Ati­ya Moham­mad Abu Salem droht unmit­tel­bar die Abschie­bung aus Jor­da­ni­en. Er lebt seit zwölf Jah­ren in Jor­da­ni­en und ist Jour­na­lis­mus­stu­dent und frei­be­ruf­li­cher Videofilmer./ Am 9. April wur­de Ati­ya Moham­mad Abu Salem in al-Rabieh in Amman von Sicher­heits­kräf­ten fest­ge­nom­men, als er eine pro­pa­läs­ti­nen­si­sche Pro­test­kund­ge­bung in der Nähe der israe­li­schen Bot­schaft fil­men woll­te. Die Sicher­heits­kräf­te infor­mier­ten ihn nicht über die Grün­de für sei­ne Fest­nah­me und ver­hör­ten ihn ohne einen Rechts­bei­stand. Nach Anga­ben sei­nes Rechts­bei­stands droh­ten die Sicher­heits­kräf­te Ati­ya Moham­mad Abu Salem mit Abschie­bung und zwan­gen ihn, sein Tele­fon zur Über­prü­fung zu ent­sper­ren. Er wur­de weder der Jus­tiz über­ge­ben noch wegen einer Straf­tat ange­klagt. Den­noch erhielt sein Rechts­bei­stand die Infor­ma­ti­on, dass ein Abschie­bungs­be­fehl für sei­nen Man­dan­ten aus­ge­stellt wor­den sei. / Eine Rechts­hil­fe­or­ga­ni­sa­ti­on hat im Namen des Flücht­lings vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Rechts­mit­tel ein­ge­legt. In Syri­en wäre Ati­ya Moham­mad Abu Salem nicht sicher. Amnes­ty Inter­na­tio­nal und ande­re Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen haben über die Jah­re hin­weg durch­ge­hend schwe­re Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen gegen Flücht­lin­ge doku­men­tiert, die rechts­wid­rig nach Syri­en abge­scho­ben wur­den. So sind die syri­schen Sicher­heits­kräf­te u. a. für will­kür­li­che Fest­nah­men, Fol­te­run­gen und Ver­schwin­den­las­sen ver­ant­wort­lich. Gemäß den Bestim­mun­gen des Völ­ker­rechts müs­sen die jor­da­ni­schen Behör­den den Abschie­bungs­be­fehl gegen Ati­ya Moham­mad Abu Salem unver­züg­lich auf­he­ben und ihn frei­las­sen, sofern er nicht umge­hend einer inter­na­tio­nal aner­kann­ten Straf­tat ange­klagt wird. Soll­te er ange­klagt wer­den, so muss dies vor einem ordent­li­chen Gericht und unter Ein­hal­tung sei­ner Ver­fah­rens­rech­te gesche­hen.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen unter > ai : urgent action

 

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3 Uhr 12 nachts

9

india : 3.12 UTC — Das Wort Ver­gess­lich­sein scheint nicht wirk­lich zu exis­tie­ren. Bis zu die­sem Augen­blick jetzt, da ich das Wort Ver­gess­lich­sein, mein Ver­gess­lich­sein, in die digi­ta­le Sphä­re schrei­be. Ich wer­de bald bemer­ken, dass ich irr­te. — stop



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