Aus der Wörtersammlung: ente

///

ai : TÜRKEI

aihead2

MENSCH IN GEFAHR: „Bis zu 17 Stu­die­ren­de der Uni­ver­si­tät Boğa­zi­çi, die zum Teil seit bereits zwei Wochen in Poli­zei­ge­wahr­sam gehal­ten wer­den, weil sie gegen den tür­ki­schen Mili­tär­ein­satz in Afrin im Nor­den Syri­ens pro­tes­tiert hat­ten, wur­den am 3. bzw. 5. April vor drei Frie­dens­ge­rich­te in Istan­bul gestellt. Die Staats­an­walt­schaft hat­te wegen „Pro­pa­gan­da für eine ter­ro­ris­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on“ Unter­su­chungs­haft für sie bean­tragt. Auf die­sen Straf­tat­be­stand ste­hen bis zu fünf Jah­re Gefängnis./ Am 3. April ver­häng­te das Frie­dens­ge­richt für Straf­sa­chen Nr. 8 in Istan­bul, das über den Antrag der Staats­an­walt­schaft auf Unter­su­chungs­haft für sie­ben der 17 Stu­die­ren­den zu ent­schei­den hat­te, Unter­su­chungs­haft gegen vier Stu­die­ren­de, weil Kame­ra­auf­nah­men zeig­ten, dass ihre Mün­der in einer Wei­se geöff­net waren, die nahe­leg­te, dass sie Paro­len rie­fen. Dies zei­ge, dass sie eine akti­ve und andau­ern­de Rol­le in der Pro­test­ver­an­stal­tung spiel­ten, bei der auch Trans­pa­ren­te mit Paro­len wie „Kur­di­stan wird das Grab des Faschis­mus“, „Wir wol­len kei­ne Unterstützer_innen der Free Syria Army in unse­rer Uni­ver­si­tät“, „Sei­te an Sei­te gegen Faschis­mus“, „Der Palast will Krieg, das Volk will Frie­den“ auf­ge­hängt wur­den. Das Frie­dens­straf­ge­richt Nr. 6 in Istan­bul, das die Fäl­le von acht Stu­die­ren­den prüf­te, ver­häng­te eben­falls Unter­su­chungs­haft gegen fünf Stu­die­ren­de auf der Grund­la­ge, dass sie „Trans­pa­ren­te gehal­ten und Paro­len geru­fen haben.“ Die bei­den Gerich­te lie­ßen die übri­gen sechs Stu­die­ren­den frei, weil Fotos dar­auf schlie­ßen lie­ßen, dass sie zwar anwe­send, aber nicht aktiv an dem Pro­test betei­ligt waren. Am 5. April ver­häng­te das Istan­bu­ler Frie­dens­ge­richt für Straf­sa­chen Nr. 2 Unter­su­chungs­haft gegen ein_e der am 3. und 4. April inhaf­tier­ten Stu­die­ren­den und ließ die ande­re gegen Kau­ti­on frei./ Bei den zehn Stu­die­ren­den in Unter­su­chungs­haft han­delt es sich um: Deniz Yıl­maz, Yus­uf Noyan Öztürk, Agah Suat Atay, Ber­ke Aydoğan, Şükran Yaren Tun­cer, Zül­küf İbrah­im Erkol, Esen Deniz Üstündağ, Sev­de Öztürk, Kübra Sağır und Tev­ger Uzay Tulay. İbrah­im Mus­ab Çura­baz, Ham­za Din­çer, Kül­ti­gin Demir­lioğ­lu, Ali İmr­an Şirin, Deniz­han Eren, Mus­ta­fa Ada Kök und Emir Eray Kara­bıyık wur­den gegen Kau­ti­on frei­ge­las­sen. / Durch die Teil­nah­me an der Pro­test­ver­an­stal­tung nah­men die Stu­die­ren­den ledig­lich ihre Rech­te auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung und fried­li­che Ver­samm­lung wahr, die im natio­na­len Recht und im Völ­ker­recht ver­brieft sind.“ - Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen bis spä­tes­tens zum 18.5.2018 unter > ai : urgent action
ping

///

abschnitt neufundland

picping

Abschnitt Neu­fund­land mel­det fol­gen­de gegen Küs­te gewor­fe­ne Arte­fak­te : Wrack­tei­le [ See­fahrt – 15, Luft­fahrt — 8, Auto­mo­bi­le — 421 ], Gruß­bot­schaf­ten in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert — 1, 19. Jahr­hun­dert – 22, 20. Jahr­hun­dert – 455, 21. Jahr­hun­dert — 6552 ], Trol­ley­kof­fer [ blau : 28, rot : 6, gelb : 57, schwarz : 144 ], See­not­ret­tungs­wes­ten [ 1088 ], phy­si­cal memo­ries [ bespielt — 5, gelöscht : 9 ], Amei­sen [ Arbei­ter ] auf Treib­holz [ 377 ], 2 Giraf­fen [ Holz / Bau­jahr 2012 ], Brumm­krei­sel : 16, Öle [ 0.21 Ton­nen ], Pro­the­sen [ Herz — Rhyth­mus­be­schleu­ni­ger – 8, Knie­ge­len­ke – 17, Hüft­ku­geln – 12, Bril­len – 768 ], Halb­schu­he [ Grö­ßen 28 – 39 : 124, Grö­ßen 38 — 45 : 85 ], Plas­tik­san­da­len [ 754 ], Rei­se­do­ku­men­te [ 567 ], Kühl­schrän­ke [ 2 ], Tele­fo­ne [ 653 ], Pup­pen­köp­fe [ 2 ] Gas­mas­ken [ 17 ], Tief­see­tauch­an­zü­ge [ ohne Tau­cher – 3, mit Tau­cher – 12 ], Engels­zun­gen [ 758 ] | stop |

ping

///

vom tonfilm

pic

marim­ba : 18.15 UTC – Das Haus der alten Men­schen scheint ein guter Ort zu sein, um das Wesen der Zeit zu beob­ach­ten. Ich habe auf den Flu­ren und in den Zim­mern des Hau­ses weder Zei­ger­uh­ren noch Zif­fer­uh­ren an Wän­den ent­deckt, aber Pul­se. Man­che der alten Damen und Her­ren tra­gen Arm­band­uh­ren, man­che der Uhren sind längst ste­hen geblie­ben, nie­mand, so kommt mir das vor, wür­de sie wie­der auf­zie­hen wol­len oder ihre Bat­te­rien erneu­ern. Auch mei­ne alte Mut­ter trägt eine Uhr, sie ist von einem hel­len Blau, das ist wich­tig, nicht wel­che Zeit die Uhr anzei­gen mag, die blaue Uhr ist neu, wes­halb sich die Zei­ger der Uhr noch bewe­gen. Wenn man lan­ge Zeit ganz still sitzt an einem Bett, in dem sich ein schla­fen­der Mensch befin­det, scheint das Zeit­ge­fühl sich zu ver­for­men. Die Zeit ver­geht lang­sam oder sie ver­geht schnell. Eine alte Dame kommt im Roll­stuhl vor­über in einem Rhyth­mus, der als eine gehei­me Uhr wirk­sam wer­den könn­te. Sie fährt auf und ab, wie ein Pen­del, einen lan­gen Flur hin und her. Auch die Bewe­gun­gen der Schwes­tern wir­ken wie gehei­me Uhren, die Aus­ga­be der Medi­ka­men­te, das Wen­den der Kör­per in den Bet­ten. Die alte, pen­deln­de Frau auf dem Flur wird bald 100 Jah­re alt gewor­den sein. Im Jahr ihrer Geburt wur­de der Ton­film erfun­den. — stop

///

linie 8

pic

echo : 10.06 UTC – Nächs­te Hal­te­stel­le Max-Weber-Platz. Ich hab Weiß Ferdls Gesang noch im Ohr, wie er die Geschich­te erzählt von der Linie 8, die durch Mün­chen fährt zu einer Zeit, da ich noch nicht gebo­ren wor­den war. Wie oft habe ich die­se Auf­nah­me als Kind viel­leicht gehört? Die Stim­me des alten Münch­ner Kaba­ret­tis­ten ist mir heut Mor­gen ver­mut­lich des­halb ins Gehör gera­ten, weil ich Infor­ma­tio­nen einer moder­nen Stra­ßen­bahn zuhör­te, einer Stim­me prä­zi­se, die von einem Com­pu­ter erzeugt wird: Bit­te in Fahrt­rich­tung rechts aus­stei­gen. Die­se Stim­me, wie sie mir bewusst wur­de, scheint sich bereits in vie­le wei­te­re Städ­te fort­ge­setzt zu haben, es ist eine weib­li­che Stim­me, die auch kom­pli­zier­te Stra­ßen­na­men zu for­mu­lie­ren ver­mag. Manch­mal dehnt sie Wör­ter in einer selt­sam unbe­hol­fe­nen Art. Das hört sich an, als wür­de eine Schall­plat­te für einen Moment beschleu­nigt, dann wie­der abge­bremst. Auch Kin­der hören zu, oder Men­schen, die soeben die deut­sche Spra­che ler­nen. Viel­leicht, stel­le ich mir vor, wer­den sich in die­ser Wei­se bestän­di­ger Wie­der­ho­lung nach und nach jene unbe­hol­fen klin­gen­den Sen­ten­zen der Stra­ßen­bahn­an­sa­gen in unse­re all­täg­li­che Spra­che schlei­chen. Das ist denk­bar. Ich muss das beob­ach­ten. — stop

///

abschnitt neufundland

picping

Abschnitt Neu­fund­land mel­det fol­gen­de gegen Küs­te gewor­fe­ne Arte­fak­te : Wrack­tei­le [ See­fahrt – 155, Luft­fahrt — 3, Auto­mo­bi­le — 546 ], Gruß­bot­schaf­ten in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert — 3, 19. Jahr­hun­dert – 12, 20. Jahr­hun­dert – 655, 21. Jahr­hun­dert — 4532 ], Trol­ley­kof­fer [ blau : 22, rot : 8, gelb : 57, schwarz : 856 ], See­not­ret­tungs­wes­ten [ 12439 ], phy­si­cal memo­ries [ bespielt — 12, gelöscht : 33 ], Amei­sen [ Arbei­ter ] auf Treib­holz [ 458 ], 2 Kro­ko­dil­pup­pen [ Bau­jahr 1965 ], Brumm­krei­sel : 12, Öle [ 0.22 Ton­nen ], Pro­the­sen [ Herz — Rhyth­mus­be­schleu­ni­ger – 83, Knie­ge­len­ke – 6, Hüft­ku­geln – 14, Bril­len – 5688 ], Halb­schu­he [ Grö­ßen 28 – 39 : 112, Grö­ßen 38 — 45 : 55 ], Plas­tik­san­da­len [ 6452 ], Rei­se­do­ku­men­te [ 568 ], Kühl­schrän­ke [ 1 ], Tele­fo­ne [ 755 ], Pup­pen­köp­fe [ 6 ] Gas­mas­ken [ 1 ], Tief­see­tauch­an­zü­ge [ ohne Tau­cher – 5, mit Tau­cher – 14 ], Engels­zun­gen [ 528 ] | stop |

ping

///

apfel

pic

echo : 0.10 UTC — Ich hat­te an einem Abend der ver­gan­ge­nen Woche mein Fern­seh­ge­rät aus­ge­schal­tet, war in die Küche getre­ten, um Schne­cke Esme­ral­da zu beob­ach­ten, wie sie einen Apfel zunächst umrun­de­te, sich dann auf­rich­te­te samt ihrem Gehäu­se und auf den Apfel klet­ter­te. Eine Bewe­gung, die gera­de­zu wag­hal­sig anmu­te­te. Es reg­ne­te. Ich wur­de schläf­rig. Um kurz vor Mit­ter­nacht klin­gel­te das Tele­fon. Jemand war in der Lei­tung, sprach aber nicht, atme­te nur. Ich hör­te eine Wei­le zu, und ich dach­te, dass Atem eine schö­ne Spra­che ist, aber auch etwas unheim­lich. Also kehr­te ich zu Esme­ral­da zurück, die nun auf dem Apfel hock­te, als wäre der Apfel ein Stuhl oder ein Sofa. Wie so häu­fig nachts las ich Esme­ral­da einen ver­schlüs­sel­ten Nach­rich­ten­text vor. Ich habe näm­lich bemerkt, dass Esme­ral­da sehr auf­merk­sam wird, sobald ich ihr kryp­ti­sche Tex­te vor­tra­ge, erstaun­lich, da Schne­cken doch gehör­los sein sol­len. In die­sem Fall, es war nicht leicht gewe­sen, las ich T.C.Boyle: Nfjof muvoh jtu tfis fout­di­j­fe­fo- bcfs xbt oýu{u ft@ Jdi cjo gýs Gsbvfosfdiuf/ Jdi cjo gýs Vnxfmutdivu{/ Jdi cjo gýs Nvmujlvmuvsbmjtnvt/ Jdi cjo gýs Cjmevoh/ Ejf wjfmfo Nfot­di­fo bvt efs Bsc­f­jufslmbttf- ejf jdi lfoof- tjoe qpmjujt­di sbe­jlbm boefsfs Botj­diu bmt jdi/ Ejf VTB tjoe fjo hft­qb­muf­oft Mboe/ Jdi lpnnf tfmc­tu bvt efs Bsc­f­jufslmbttf- voe jdi mfcf fjo­fo hspà­fo Ufjm nfjofs [fju jo efo lbm­jgpsojt­di­fo Cfsh­fo- xp wjfmf tph­fo­boouf Sfeofdlt mfcfo/ Jdi mjf­cf ejftf Nfot­di­fo- wjfmf wpo jio­fo tjoe joufmm­jh­fou voe fjogýimtbn/ Bcfs jo qpmjujt­di­fo Gsbh­fo ibc­fo tjf tjdi usbvs­jhfsx­fjtf hbo{ voe hbs nbo­j­qvm­jfs­fo mbttfo/ Ebc­fj xfse­fo hfs­bef tjf ejf Pqgfs wpo Usvn­qt Qpmju­jl tfjo voe bn nfjtu­fo voufs jis {v mfje­fo ibcfo/ Xfoo qsj­wjmfh­jf­suf Bnf­sjlb­ofs xjf jdi ovs hfnåà jis­fo xjsut­dibgumj­di­fo Joufsftt­fo hfxåi­mu iåu­ufo- eboo iåu­ufo xjs Usvnq hfxåi­mu- xfjm fs ejf Tufvf­so tfol­fo xjmm voe ebgýs tps­hu- ebtt xjs votfs Hfme cfibmufo/ Bcfs jdi xåimf efo Lboe­je­bu­fo- eftt­fo Ibmu­voh jdi gýs sjdi­ujh ibmuf- voe ojdiu efo- efs njs Qspgju csjohu/ Jdi cjo Qbusjpu/ — stop

nach­rich­ten von esme­ral­da »
ping

ABOUT ESMERLADA / ENDE

///

max

2

char­lie : 20.45 UTC — Ich habe mei­nen Freund Max besucht, der in Mün­chen wohnt in der Bri­en­ner­stra­ße unter dem Dach in einem Loft, das der­art weit­räu­mig ist, dass man dar­in Hal­len­fuß­ball spie­len könn­te. Sei­ne Vögel, zwei Kaka­dus, flie­gen dort gern frei her­um, sie sol­len, so Max, nie­mals bis­lang irgend­ei­nen Scha­den an sei­nen Möbeln ange­rich­tet haben. Das liegt viel­leicht auch dar­an, dass Max’ Vögel mög­li­cher­wei­se nicht ganz echt sind, ich mei­ne, dass sie küh­le Tie­re von äußerst leich­tem Metall sein könn­ten unter dich­tem Feder­kleid ver­bor­gen, dass sie also nur vor­ge­ben, Vögel zu sein, wäh­rend sie viel­mehr Droh­nen sind, die sich von Max’ Com­pu­ter gesteu­ert durch die Woh­nung bewe­gen, als wären sie natür­li­che Wesen. Ich habe bei­de Tie­re immer nur im Flug beob­ach­tet, nie aus nächs­ter Nähe, denn wenn sie ein­mal nicht flie­gen, sit­zen sie in einem Käfig, der dicht unter der Decke des Rau­mes uner­reich­bar weit ent­fernt mon­tiert wur­de. Wun­der­ba­re Algo­rith­men steu­ern den Flug der Kaka­dus, auch ihre Gesprä­che, die sie bestän­dig füh­ren. Es ist spät gewor­den, eigent­lich woll­te ich eine ganz ande­re Geschich­te erzäh­len, von Max’ Com­pu­ter, der über eine Tas­te für Cap­puc­ci­no ver­fü­gen soll. Die­se Geschich­te wer­de ich im nächs­ten Jahr erzäh­len. — stop

///

eine lampe

2

nord­pol : 10.28 UTC — Ges­tern, ehe ich das Haus der alten Men­schen besuch­te, dach­te ich noch, das Alt­wer­den, das Alt- oder Uralt­sein habe mit Unru­he zu tun, mit Schlaf, des­sen Zeit­räu­me kür­zer und kür­zer wer­den. Heu­te nun wür­de ich sagen, das Alt- oder Uralt­sein hat etwas mit Schlaf über lan­ge Zeit­räu­me hin­zu­tun, auf einem rol­len­den Stuhl sit­zen und schla­fen oder däm­mern. Da war wie­der eine Frau im Licht einer gel­ben Lam­pe, die im Wohn­saal vor einem Tisch saß und einen Tele­fon­hö­rer in der Hand hielt. Der Tele­fon­hö­rer war mit einem Tele­fon mit Wähl­schei­be ver­bun­den, ein der­art altes Tele­fon, dass man, um eine Num­mer zu wäh­len, eine krei­sen­de Bewe­gung aus­füh­ren muss. Die­ses Tele­fon nun war nicht mit der Wand in Ver­bin­dung, viel­mehr rag­te aus dem Gehäu­se des Tele­fons ein kur­zes Stück Kabel, das anzeig­te, dass das Tele­fon ein­mal tat­säch­lich mit der elek­tri­schen Welt ver­bun­den gewe­sen war. Als ich an der alten tele­fo­nie­ren­den Dame vor­bei­kam, dach­te ich für einen Moment, viel­leicht liest ihr gera­de jemand vor, viel­leicht Hra­bal, der aus sei­nem Roman Ich habe den eng­li­schen König bedient zitiert. Es wird Herbst, in jeder Hin­sicht. 288P, ein Dop­pel­as­te­ro­id, wur­de ent­deckt. Hur­ri­ka­ne Maria ver­wüs­tet die Kari­bik. Mr. Un droht mit Was­ser­stoff­bom­ben­test. — stop

ping

///

zwergseerose no 2

9

nord­pol : 0.02 UTC — Als ich heu­te Mor­gen erwach­te, knis­ter­te mein lin­kes Ohr. Das war ver­mut­lich dar­um gewe­sen, weil ich auf mei­nem lin­ken Ohr meh­re­re Stun­den lang träu­mend ruh­te. Für einen Moment dach­te ich, mei­ne Ohr­mu­schel wäre von Papier gemacht. Wäh­rend ich so lag und lausch­te, erin­ner­te mich an eine Geschich­te, die ich in einem schat­tigen Laden nahe der Roose­velt Island Tram­way Basis­sta­tion West in New York vor län­ge­rer Zeit erleb­te. Ich erzähl­te bereits von dem alten Mann, der hin­ter einem Tre­sen auf Kun­den war­te­te. Er war vermut­lich ameri­ka­ni­scher Staats­bürger, doch eher chine­si­schen Ursprungs. Als ich von dem klei­nen Park her, des­sen Linden­bäume Küh­le spen­deten, in den Laden trat, ver­beug­te sich der Mann, grüß­te, er kann­te mich bereits, wuss­te, dass ich mich für Schne­cken inter­es­siere, für Wasser­schne­cken prä­zi­se, auch für wan­dern­de Seeane­mo­nen­bäume, und für Pra­li­nen, die unter der Wasser­ober­fläche, also im Was­ser, hübsch anzu­sehen sind, schwe­bende Versu­chungen, ohne sich je von selbst aufzu­lösen. An die­sem hei­ßen Sommer­abend kamen wir sofort ins Gespräch. Ich erzähl­te dem alten Mann, ich wür­de nach einem beson­deren Geschenk suchen für ein Kiemen­mäd­chen namens Rose. Sie sei zehn Jah­re alt und nicht sehr glück­lich, da sie schon lan­ge Zeit den Wunsch ver­spür­te, wie ande­re Kin­der ihres Alters zur Schu­le zu gehen, leib­haftig am Unter­richt teil­zu­nehmen, nicht über einen Bild­schirm mit einem fer­nen Klas­sen­raum ver­bun­den. Ich glau­be, ich war genau zu dem rich­tigen Zeit­punkt in den Laden gekom­men, denn der alte, chine­sisch wir­ken­de Mann, freu­te sich. Er mach­te einen hel­len, pfei­fenden Ton, ver­schwand in sei­nen Maga­zinen, um kurz dar­auf eine Rei­he von Spiel­dosen auf dem Tre­sen abzu­stellen. Das waren Wal­zen- und Loch­plat­ten­spiel­dosen mit Kurbel­werken, die der Ladung einer Feder­span­nung dien­ten. Vor einer Stun­de gelie­fert, sag­te der alte Mann, sie machen schau­er­lich schö­ne Geräu­sche im Was­ser! Man kön­ne, setz­te er hin­zu, sofern man sich in dem­sel­ben Was­ser der Spiel­dosen befän­de, die fei­nen Stö­ße ihrer mecha­ni­schen Wer­ke über­all auf dem Kör­per spü­ren. Bald leg­te er eine der Dosen in ein Aqua­rium ab, in wel­chem Zwerg­see­rosen sie­del­ten. Kurz dar­auf fuhr ich mit der Tram nach Roose­velt Island rüber. Das Musik­werk, Ben­ny Good­man, das ich für Rose erstan­den hat­te, war in das Gehäu­se einer Jakobs­mu­schel ver­senkt. Die Schne­cke leb­te, wes­we­gen ich tropf­te, weil der Beu­tel, in dem ich Roses Geschenk trans­por­tierte, über eine undich­te Stel­le ver­füg­te. Gegen Mitter­nacht, ich war gera­de einge­schlafen, öff­ne­te tief in mei­nem rech­ten Ohr knis­ternd eine Zwerg­see­rose ihre Blü­te. – stop

ping

///

von taubenschwänzchen

9

echo : 23.55 UTC — Exis­tiert viel­leicht eine Poe­tik gut­mü­ti­ger Droh­nen? Das sind freund­li­che Wesen, unbe­waff­net, lei­se, flink, von der Grö­ße der Tau­ben­schwänz­chen. Sie ver­fü­gen über Atom­her­zen, beglei­ten Men­schen rund um die Uhr, immer nur eine Per­son, ver­zeich­nen das Leben die­ser Per­son, ihre Rou­ten, Gewohn­hei­ten, Aben­teu­er, fil­men und schrei­ben in mensch­li­cher Spra­che. 5.12 UTC: Samu­el träumt. Going to sleep. — stop



ping

ping