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alpha : 3.18 – Ich könnte das Wort Regen schreiben. stop. Wie viel Zeit vergeht, ehe ich das Wort Regen zu Ende geschrieben haben werde? stop. Einhundert Regenzeiten. stop. Wie viele Regenzeiten machen einen Tag? — stop

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alpha : 3.18 – Ich könnte das Wort Regen schreiben. stop. Wie viel Zeit vergeht, ehe ich das Wort Regen zu Ende geschrieben haben werde? stop. Einhundert Regenzeiten. stop. Wie viele Regenzeiten machen einen Tag? — stop

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echo : 5.22 — Einmal wartete ich im Regen stehend auf eine Straßenbahn. Das war ein sehr angenehmer, warmer, nach Steinen duftender Regen, eine Art Regen, bei der ich an das Wort Monsun denke, wenn ich seine Geräusche höre. Ich stand also im Regen und dachte an das Wort Monsun, als genau um 22 Uhr und 18 Minuten die Straßenbahn, die ich erwartete, vor mir hielt. Die Türen öffneten sich und ein Herr stieg aus der Straßenbahn, der eine Zigarre rauchte. Er trug einen grauen Anzug, ein weißes Hemd, eine hellgrüne Krawatte, keine Schuhe, aber Strümpfe. Für einen kurzen Moment, ich hatte einen Fuß bereits in den Waggon der Straßenbahn gestellt, stand der Mann direkt neben mir. Ich sagte: Sie haben keine Schuhe an, mein Herr. So, erwiderte der Mann, blickte dann erstaunt an sich herab, sah mir in die Augen und fragte mit einer sehr hellen Stimme: Warum? — stop

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sierra : 6.02 — Das sind lustige Tage, Tage wie dieser hier nach durcharbeiteter Nacht. Noch immer, drinnen wie draußen, sehr warme und feuchte Hitze. In der Dämmerung schloss ich die Fenster. Auf das Bett waren leichte Tücher gelegt, das luftigste Material, das zu finden gewesen ist, die Fenster verdunkelt, alles bereit, den beginnenden Tag sofort zur Nacht zu machen. Ich lag bald unterm Buch, das mir den Kopf müde macht. Ich dachte, dass ich nichts denken sollte, schaute nach Lichtern, die unter den Lidern in Schlafaugen wandern. Fast war ich weggekommen, als eine Fliege auf meiner Schulter landete und sofort mit dem Mundstempel nach Salz und anderen Dingen zu forschen begann. Ich sagte, bitte, bitte nicht, Lucie, heute bitte nicht, ich muss schlafen. Und so erhob sich Lucie in die Luft und ich hörte, wie sie eine langsame, traurig summende Runde linksherum durch mein Zimmer flog. Dann schlief ich ein und träumte zwei blaue Schnecken. Sie waren von kühler Temperatur und hatten sich wie Polarfüchse in einer Schneehöhle, in meine Augenhöhlen gelegt. Als ich wach wurde, als ich zunächst wach geworden war, wie immer mit geschlossenen Augen, hörte ich Gewitterdonner, dann entdeckte ich Lucie in nächster Nähe. Sie hatte sich, während ich träumte, vorsichtig auf den Rücken meiner linken Hand gesetzt und ihre Beine angezogen, sodass sie nicht saß, vielmehr auf mir lag. Ja, ist es denn Fliegentieren möglich, die Augen zu schließen? — stop
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papa : 22.00 ‑Eine grauenhafte Vorstellung ist, es könnte eines schönen Tages Cognac regnen. Eine taubengraue Wolke würde aufgezogen sein und mit Weinbrand werfen. Vor allem an schwülheißen Tagen würde sich rasch ein Zustand allgemeiner Unordnung ergeben. Man könnte vielleicht gerade noch unter die Dächer der Häuser fliehen, um der süßen Dampfluft zu entgehen. Auch Bäume wären sichere Orte, sobald das Malheur weiter gezogen sein wird. Man sitzt jetzt mit anderen Flüchtlingen nahe der Krone unter betrunkenen Vögeln. Wie ist das möglich, wird man fragen, wer hat den Weinbrand in die Wolke gesteckt? — stop

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~ : yanuk le
to : louis
subject : FROGS
date : june 1 08 8.15 p.m.
Lieber Mr. Louis, seit acht Tagen Regen. Verbrachte zuletzt sechs Stunden an den Stamm meines Baumes gefesselt, um nicht vom Sturm in die Tiefe gerissen zu werden. Gestern, sehr früh in der Morgendämmerung, dann auf Höhe 152 zurückgekehrt. Das Lager, ramponiert. Ein paar Affen, Tamarine, haben sich breit gemacht, musste kämpfen, ehe sie die Plattform räumten. Habe meine Vorräte zum Trocknen ausgebreitet, Nüsse, vorwiegend Nüsse, und ein paar Fleischkonserven sind da noch und etwas Brot, das hoffentlich nicht schimmeln wird. Bin jetzt ohne Lichtmaschine, der Sturm hat sie mit sich fortgerissen. Aber die Ameisen sind zurück, Du erinnerst Dich, träge Ameisentiere, die nach Langusten schmecken. Deshalb ohne Furcht, habe Trinkwasser im Überfluss. Werde morgen weiter zu den Fröschen sprechen. Wie seltsam, meine Stimme aus ihren Schallbeuteln zu vernehmen. So deutlich flüstern sie mir nach, als ob keine andere, als die menschliche Sprache, ihnen je zu Ohren gekommen wäre. Erstaunliche Entdeckung. Welchen Namen, frage ich Dich, soll ich ihrer Gattung geben? — Yanuk
eingefangen
20.57 UTC
1231 Zeichen

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charlie : 0.01 — Während eines Spaziergangs entdeckte ich unlängst im Eingangsbereich einer luxuriösen Wohnanlage eine Regenmaschine. Eine Regenmaschine, werden Sie vielleicht fragen, was ist denn das? Nach Beobachtung, eine halbe Stunde, lässt sich Folgendes notieren. Eine Regenmaschine regnet je für drei Sekunden genau dorthin, wohin ein ordentlicher Regen, der vom Himmel kommt, nicht fallen kann, weil ihn ein Dach, beispielsweise, daran hindert. Eine Regenmaschine hingegen regnet auch unter Dächern oder in Hauseingängen oder in Wohnungen, und auch dann, wenn es gerade einmal nicht vom Himmel regnet, regnet sie im Takt einer Minute. Dieser Regen einer Regenmaschine, wie ich sie vorgefunden habe, ist also ein besonderer Regen, ein Regen, der sich gegen Personen richtet, gegen Straßenbürger, gegen Menschen ohne eigenes Dach über dem Kopf. Organisierter Regen, sagen wir, Regen gegen den Schlaf und diese Dinge. — stop
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tango : 0.05 — Als würde Regen fallen, so mächtig die Küsse der Fliegen ins Wasser. Irr auch die Falter, die Weißen und die Roten und die Blauen. Und auch die Libellen am Himmel, alle irr von der Liebe. — Wenn der Stein durchsichtig wird oder – genauer – wenn die Durchsichtigkeit Stein wird, lassen sich alle Träume der Erde lesen. Edmond Jabès

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~ : louis
to : Mr. gustave flaubert
subject : MEMPHIS
Verehrter Mr. Flaubert, gestern, am späten Nachmittag, knisterte ein feiner Regen ans Dachfenster meines Zimmers und ich habe mich auf den Rücken gelegt und ihr ägyptisches Reisetagebuch geöffnet, eine sehr feine Arbeit, detailliert, das Abschiednehmen, ihre voraus reisenden Koffer. Während Sie gerade an Bord der Canja Memphis passierten, bin ich eingeschlafen, vielleicht weil ich müde war von einer viel zu kurzen Nacht. Als ich wieder wach wurde, knisterte der Regen noch immer gegen das Fenster, und ich erinnerte mich, ihnen erzählen zu wollen, dass ich seit vorgestern, 15 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, Augenpaare sammle, die meine elektrische Seite besuchen. Vermutlich werden Sie mich für einen seltsamen Vogel halten, weil ich Augen paarweise zähle, ihre Existenz und woher sie kommen und welche Brillen sie tragen und die Zeit messe, die sie mit meinen Wörtern verbrachten. Gestern Abend um 22 Uhr 17 Minuten und 11 Sekunden hatte ich Besuch aus Shanghai. In großer Entfernung lurten also ein paar Augen, verweilten, kaum zu glauben, sechs Sekunden auf meinen Zeilen, dann waren sie wieder weg. Ich habe mir gedacht, dass diese hastigen Augen vielleicht meine Schriftzeichen nicht entziffern konnten, dass sie deshalb nur zwei oder drei Atemzüge lang bei mir verweilten. Ja, lieber Flaubert, das könnte sein, nein, ich hoffe, dass es so gewesen ist. Später Abend schon wieder. Werde jetzt weiter lesen in Ihrer ägyptischen Reise, während die Augenzählmaschine arbeitet, ohne dass ich mich auch nur einmal für sie bewegen müsste. Ihr Louis, mit allerbesten Grüßen.

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echo : 0.15 — Im botanischen Garten spaziert. Das angenehm rasselnde Geräusch des Regens, die Luft hell vom Wasser, das noch kalt und geruchlos ist. Stöberte in Notizbüchern. Entdeckte folgende Sequenz: Sonntag. Heute ist Schwester Julia wieder im Dienst. Sehe zu, wie sie Marikki vorsichtig wäscht. Behutsame Bewegungen, ja, sehr feine Berührungen, beinahe zärtlich. Sie trägt einen Mundschutz, der sich, wenn sie lacht, wie ein Segel bläht. Sie sagt, dass Marikki uns hören könne, deshalb summe sie und deshalb hört Marikki gerade etwas NASA, während ich in ihrer Nähe sitze und notiere und im Cheever lese, heitere Gespräche der Apollo 14 Besatzung auf dem Flug vom Mond zurück. Habe bemerkt, dass ich die Luft anhalte, wenn ich sie betrachte, dass ich jenseits der amerikanischen Stimmen, die links und rechts ihres zierlichen Kopfes wispernd durch die Häute der gepolsterten Ohrhörer dringen, nach weiteren, beruhigenden Geräuschen suche. 18. Juni 2006

