ohrensegel

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whiskey : 0.01 – Gespräch mit einer kleinen Philo­so­phin am frühen Abend in einer Stra­ßen­bahn, weswegen ich nun für den Rest meines Lebens gerührt sein werde von einem ihrer Gedanken, der mir zu erklären versuchte, weswegen ihre Ohren etwas größer seien als die Ohren ihrer besten Freundin. Das wäre nämlich so, dass ihre Ohren deshalb größer seien, weil sie viel weniger spre­chen würde als ihre Freundin übli­cher­weise. Ich kann, fuhr sie fort, mit meinen Ohren sogar meine eigene Stimme hören, obwohl ich gar nichts sage. Blinde segelten durch die Luft.
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kakaduzwerge

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ginkgo : 6.55 – Ein schläf­riger Mann sitzt in diesen Minuten mit einer Schreib­ma­schine auf dem hölzernen Boden seines Arbeits­zim­mers. Habe zuletzt zwei Stunden in Chris­toph Rans­mayrs letzter Welt gelesen, in einem Buch, das ich immer dann zur Hand nehme, wenn mir die Sprache müde zu werden scheint. Der Mai kam blau und stür­misch. Ein warmer, nach Essig und Schnee­rosen duftender Wind fraß die letzten Eisrinden von den Tümpeln, fegte die Rauch­schwaden aus den Gassen und trieb zerris­sene Girlanden, Papier­blumen und die öligen Fetzen von Lampions über den Strand. (Chrostoph Rans­mayr) Kaum hatte ich das Wort Schnee­rose zu Ende gelesen, stand ich auf und wartete erhitzt zwei oder drei Minuten vor meinem Aqua­rium. Dort wohnen seit einigen Monaten Wälder und Fische, die mich im Zwie­licht schwe­bend, Stunde um Stunde beob­achten. Einmal, gegen Zwei, entfal­tete ich einen Stadt­plan New Yorks. Das machte sie wild. Dann wieder Ruhe. Flos­sen­fäden. Flug­dra­chen­schwänze. Und dieser Mann, dieser schläf­rige Mann, der sich wieder und wieder nähert. Seine Freude, dass ihn das Wort Schnee­rose, indem es dem Wort Essig folgte, derart begeis­terte, dass ihm warm wurde, feurig und alle diese Dinge. Aber natür­lich, aber natür­lich erneut die Frage, ob meine Kaka­duzwerge mich als einen der ihren, als einen Fisch betrachten. – Guten Morgen!
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manhatten / hippodrom

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delta

~ : louis
to : daisy und violet hilton
subject : HIPPODROM

Liebe Violet! Liebe Daisy! Ich grüße Euch ganz herz­lich. Ich hoffe, Ihr seid fröh­lich! War gestern lange spazieren, folgte dem Duft­faden der Kohle­öfen durch die Stadt. Und wie ich so ging, dachte ich an Euch, weil ich wieder einmal Foto­gra­fien betrachtet hatte, die Euer Lachen zeigen, eine Freude, die mir so wirk­lich zu sein scheint, obwohl ich manchmal denke, dass ihr doch unglück­lich gewesen sein könntet, genau in dem Moment unglück­lich, als Euer gesam­meltes Licht von einem Foto­ap­parat einge­fangen wurde. Vor wenigen Tagen, das will ich Euch rasch erzählen, ehe ich wieder an meine nächt­liche Arbeit gehen werde, habe ich gelesen von Euerem Enga­ge­ment 1924 in New York. Wie nur konnte man Euch das antun! Eine Arena, groß wie ein Base­ball­sta­dion, das Hippo­drom, und dort ihr zwei kleinen Wunder­wesen im blen­denden Licht der Schein­werfer. Euer Zittern, Euer Beben. Bald einmal werde ich Manhattan besu­chen. Ich habe den Ort des Verge­hens an Euch in meinem Spazier­plan vermerkt. Ich werde, verspro­chen, die Gegend für Euch foto­gra­fieren. Eine aufre­gende Geschichte, ich bin mir sicher, vom Verschwinden, wird sich wie von selbst notieren. – Euer Louis.

gesendet am
7.11.2009
0.05 MEZ
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twins2

dorothy parker

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india : 23.12 – Ein selt­samer Traum. Als ich erwachte, stol­perte ich unver­züg­lich zum Schreib­tisch und notierte: Mit Dorothy Parker spaziert. Manchmal frage ich mich, wie meine Träume entstehen, wie ich dazu komme, mir Geschichten zu erzählen, die von kosmi­scher Ferne sind, obwohl ich doch selbst in ihnen enthalten bin. Vor dem Hotel im Traum, 37. Straße West, wartete eine uralte, strah­lend schöne Frau, die nach meinem rechten Arm verlangte, ohne ein Wort zu spre­chen, eine geschmei­dige, eine unwi­der­steh­lich reizende Geste, und schon waren wir auf dem Weg dem Süden zu. Winter­zeit, die Straßen dampften. Schwei­gend gingen wir neben­ein­ander her. Die alte Frau trug einen schweren, dunklen Pelz­mantel, feine Leder­hand­schuhe von weißer Farbe und einen roten Hut, auf den ich herab­sehen konnte, weil die Gestalt an meiner Seite sehr zier­lich gewesen war. Ich kann mich nicht erin­nern, wer nun wen durch Manhattan führte, jeden­falls passierten wir den Broadway, die Bowery, die Brook­lyn­bridge. Wir mussten lange Zeit unter­wegs gewesen sein, weil Mrs. Dorothy Parker, die sich selbst im Traum nicht zu erkennen gab, sehr, sehr langsam ging. Einmal hob ich sie hoch und trug sie eine Weile und sie schlief in meinen Armen ein. Dann erreichten wir den Pros­pect Park, eine Gegend, die mir bekannt zu sein schien. Da war eine Kreu­zung. Und da war Harvey Keitel, der foto­gra­fierte. Er kam auf mich zu und betrach­tete das Gesicht der alten Frau und lächelte und erkun­digte sich, ob ich denn wüsste, wen ich da in den Armen halten würde. – Und jetzt ist wieder Nacht geworden und ich habe gute, sehr gute Laune und funkende Lust traum­wärts weiter­zu­er­zählen. Wie nur komme ich über den Atlantik hinweg genau an den Ort meiner kleinen Schlaf­ge­schichte zurück?
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napapiin

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india : 6.22 – Schaute gegen den Himmel. Bemerkte, dass sich die Dunkel­heit wie eine Flüs­sig­keit verhielt. Vögel hüpften in dieser feuchten Licht­lo­sig­keit in Kasta­ni­en­bäumen von Ast zu Ast, ein traum­ar­tiges Bild. Viel­leicht habe ich etwas gesehen, das ich nur deshalb beob­achten konnte, weil ich ohne jeden Grund auf der Straße stand, wie aus einem Versehen heraus, ein Mann, der die falsche Tür genommen hatte. Jetzt, etwas später, ahne ich, dass ich dort vor dem Haus gelandet war, weil ich insge­heim wünschte, mit meinen Gedanken an den gewalt­samen Tod eines Torhü­ters, unter freiem Himmel zu stehen. Und wie ich so wartete, hörte ich die Stimme seiner mutigen, jungen Frau in meinem Kopf, eine Stimme, die versuchte, von all dem Wahn­sinn, dem Wahn­sinn des Verheim­li­chens zu spre­chen. Da war einmal ein Mensch gewesen, der nicht weiter­leben konnte, der sterben musste, weil er seine Verletz­lich­keit, seine Schwäche, seine Mensch­lich­keit nicht zeigen durfte oder glaubte, sie nicht zeigen zu dürfen. So könnte das gewesen sein. Ein Mensch, der lange Zeit über Wasser hastete. So weit ist er gelaufen, dass kein Land mehr zu sehen, kein Laut mehr zu hören gewesen war. – 2 Uhr und fünf­zehn Minuten. Die Welt dreht sich, um einen Atemzug lang­samer geworden, weiter, immer weiter. Soeben wurde amtli­cher­seits die Öffnung folgender Weih­nachts­post­ämter, nörd­liche Hemi­sphäre, bekannt­ge­geben: Nordpol-Grön­land Santa Claus Nord­polen, Jule­man­dens Post­kontor DK-3900 Nuuk / Finn­land Santa’s Main Post Office FIN-96930 Napa­piin / USA Santa Claus Indiana 47579.
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01001010

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echo : 0.02 – Eine Foto­grafie, die ich lange Zeit vergeb­lich wieder­zu­finden suchte, zeigt die Raum­sta­tion MIR in großer Höhe über der Erde schwe­bend. Ich kann mich noch gut an das farbige Bild erin­nern, viel­leicht deshalb, weil ich mich die Aufnahme tage­lang berührte. Ein Bull­auge, dort das Gesicht einer Frau, deren Namen ich vergessen habe, ein ernstes Gesicht, Ahnung, Schatten, Züge einer russi­schen Kosmo­nautin, die Monate alleine auf der MIR-Station lebte. Sie beob­achtet die äußerst behut­same Annä­he­rung eines Raum­schiffes der NASA, in dem sich Menschen befinden, die vermut­lich bereits Kontakt aufge­nommen haben: Wir sehen Dich! – Da war das tiefe Schwarz des Welt­alls im Hinter­grund, ein absolut tödli­cher wirkender Raum, der sich zwischen den beiden Raum­kör­pern erstreckte. Immer wieder einmal in den vergan­genen Jahren habe ich mich an das Gesicht der Kosmo­nautin erin­nert, eine Ikone mensch­li­cher Verlo­ren­heit, und insge­heim weiter gezeichnet.
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coney island

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nordpol

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : CONEY ISLAND

Mein lieber Kekkola, das müssen Sie wissen, ich bin glück­lich, fühle mich leicht, alle Sorgen der vergan­genen Wochen sind von mir gefallen, ein Mensch, der mir nahe ist, wird weiter­leben. Wie schweren Zeiten, leich­tere Zeiten folgen! Nun wieder ange­nehmes Arbeiten. Bin zu atlan­ti­schen Phäno­menen zurück­ge­kehrt, das Hörver­mögen der Tief­see­le­fanten, natür­lich, eine unend­liche Geschichte. Habe darüber nach­ge­dacht, ob es nicht viel­leicht möglich sein könnte, dass Tief­see­ele­fanten über kleine, kaum noch sicht­bare Ohren verfügen, die an ihren Rüssel­spitzen gewachsen sind über Jahr­mil­lionen ihres heim­li­chen Lebens hinweg, um hören zu können, was man spricht in der Trom­pe­ten­sprache jenseits des Wasser. So könnte ich weiter­kommen in dieser Ange­le­gen­heit. Es ist nun beinahe sicher, dass ihre Herden bereits in der Mitte des vergan­genen Jahr­hun­derts vor Coney Island im Staate New York wahr­ge­nommen worden sind. Ein Herr schrieb mir von Hand, seine geliebte Rose habe ihm, während eines Ausfluges an den Strand, von Erschei­nungen erzählt, die alle unsere Vermu­tungen bestä­tigen. Ich füge, lieber Kekkola, meinem Brief eine Foto­grafie hinzu, die an genau jenem Tag der Beob­ach­tung aufge­nommen worden sein soll. Sieht sie nicht hinrei­ßend unsterb­lich aus, Mrs. Rose, wie sie so sitzt und sich über das Tief­see­leuchten ihres Kopfes zu freuen scheint? – Ihr Louis, ihr Vogel.

gesendet am
14.11.2009
22.58 MESZ
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louis to jona­than
noe kekkola »


rose

central park

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tango : 0.10 – Man lässt sich abends treiben, sitzt mit Schreib­ma­schine auf dem Sofa, schaut Regen zu, liest da einen Satz und dort einen Satz, und wartet darauf, dass sich der Kopf endlich entfalten möge. – Einmal suchte ich nach Spuren zweier Eich­hörn­chen, nach Billy, nach Frankie, und landete im Central Park im Winter und zwar im Jahre 1902. Genau genommen landete ich in einem magi­schen Film, der von Mitar­bei­tern der Thomas Alpha Edison Inc. bei Eis und Schnee aufge­nommen worden war. Ich stellte mir vor, wie die Kälte das Öl der Kame­ra­kurbel fester werden ließ, so dass ein Pfeifen zu hören gewesen sein könnte und der Kame­ra­mann frös­telte. Ja, so genau muss das gewesen sein, weswegen der kleine Film, fest­ge­halten in einer Zeit lange vor meiner Zeit, auch heute noch zu beben scheint. Ich muss ihn noch finden. – stop

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echo

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echo : 0.15 – Folgendes. Wenn Sie diese hin und her gefal­tete Zeile lesen und immer weiter lesen, werden Sie einer kleinen Geschichte begegnen, die ich in der vergan­genen Woche bereits notierte und gesendet habe. Eine Foto­grafie war damals hinzu­ge­fügt, und weil ich sehr müde gewesen war, legte ich mich schlafen, um zwei oder drei Stunden später mit dem Gedanken wach zu werden: Nein, Louis, nein! Das ist kein guter Text, den Du da gesendet hast! Ich hastete also zum Schreib­tisch und löschte den Text, und auch die Foto­grafie, und schlief sofort sehr zufrieden wieder ein. Kaum eine Stunde ist vergangen, seit ich den Text noch einmal gelesen habe. Ich wunderte mich, weil mich die Geschichte nun doch berührte, und ich ahne sehr gründ­lich, warum das so ist. Hier also ist meine kleine gelöschte Geschichte ohne Foto­grafie, eine Geschichte, die von einem Spazier­gang erzählt, der mich über einen Nacht­flug­hafen führte. Still war die Zeit, überall in den Hallen und auf den Fluren lagen schla­fende Menschen herum. In einem beson­ders großen Saal aber schau­kelten zwei Männer durch Luft, die Glüh­birn­chen in Fassungen schraubten, um weih­nacht­liche Stim­mung zu erzeugen. Beide waren sie gut gelaunt, machten Späße und erzählten sich laut­hals irgend­welche Geschichten, sie hatten ganz ohne Zweifel viel Freude mit ihrer Arbeit unter dem gläsernen Gewölbe an Seilen hängend. Einmal kamen sie auf den Erdboden zurück. Sie standen etwas unsi­cher auf den Beinen und flat­terten mit ihren Armen. Als ich mich erkun­digte, ob ihnen viel­leicht schon irgend­wann eine Glüh­lampe von der Decke gefallen und zerbro­chen sei, antwor­tete einer der Männer: Nein! Niemals! Ich machte dann eine Aufnahme, merk­würdig, dieser Moment, da sie zur Flug­ha­fen­schwe­be­bahn schlen­derten. Denn genau in dem Augen­blick, als ich den Auslöser der Kamera drückte, war ich mir sicher gewesen, dass die zwei Männer in ihren blauen Anzügen auf meiner Foto­grafie später nicht zu sehen sein würden. – So, das war meine Geschichte, die in der vergan­genen Woche verschwand. Jetzt ist sie wieder da und wird vermut­lich bleiben. Kurz nach Mitter­nacht. Ich trage das schöne Wort Gandhin­euron in meinem Kopf.
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times square

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sierra : 1.30 – Und wieder, immer wieder, auch heute Nacht, das Schreiben im Stehen, weil das Stehen sich in der Nähe des Gehens befindet, das Sitzen aber in der Nähe des Liegens, also des Schla­fens.

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regenschirmtiere vol.2

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tango : 22.28 – Seit einigen Tagen denke ich, sobald ich lese, begeis­tert an Neurone, Synapsen, Axone, weil ich hörte, dass ich mittels Gedanken, die Anatomie meines Gehirns zu gestalten vermag. Vorhin, zum Beispiel, ich folgte der Ankunft eines Schiffes in New York im Jahre 1867, über­legte ich, was nun eigent­lich geschieht in diesem Moment der Lektüre dort oben hinter meinen lesenden Augen, ob man verzeichnen könnte, wie für das Wort M a r y, das in dem Buch immer wieder aufge­rufen wird, frische Fädchen gezogen werden, indem sich das Wort nach und nach mit einer unheim­li­chen Geschichte verbindet. Oder der Regen, der Regen, was geschieht, wenn ich schla­fend, Stunde um Stunde, Geräu­sche fallenden Wassers vernehme? In der vergan­genen Nacht jeden­falls habe ich wieder einmal von Regen­schirm­tieren geträumt, sie scheinen sich fest einge­schrieben zu haben in meinen Kopf, viel­leicht deshalb, weil ich sie schon einmal nacht­wärts gedacht und einen kleinen Text notiert hatte, der wiederum in meinem Gehirn zu einem blei­benden Schatten geworden ist. Natür­lich besuchte ich meinen Schat­ten­text und erkannte ihn wieder. Trotzdem das Gefühl, Gedanken einer fernen Person wahr­ge­nommen zu haben. Die Geschichte geht so: Von Regen­schirm­tieren geträumt. Die Luft im Traum war hell vom Wasser, und ich wunderte mich, wie ich so durch die Stadt ging, beide Hände frei, obwohl ich doch allein unter einem Schirm spazierte. Als ich an einer Ampel warten musste, betrach­tete ich meinen Regen­schirm genauer und ich staunte, nie zuvor hatte ich eine Erfin­dung dieser Art zu Gesicht bekommen. Ich konnte dunkle Haut erkennen, die zwischen bleich schim­mernden Knochen aufge­spannt war, Haut, ja, die Flug­haut der Abend­segler. Sie war durch­blutet und so dünn, dass die Rinn­sale des abflie­ßenden Regens deut­lich zu sehen waren. In jener Minute, da ich meinen Schirm betrach­tete, hatte ich den Eindruck, er würde sich mit einem weiteren Schirm unter­halten, der sich in nächster Nähe befand. Er vollzog leicht schau­kelnde Bewe­gungen in einem Rhythmus, der dem Rhythmus des Nach­bar­schirms ähnelte. Dann wachte ich auf. Es regnete noch immer. Jetzt sitze ich seit bald einer halben Stunde mit einer Tasse Kaffee vor meinem Schreib­tisch und über­lege, wie mein geträumter Regen­schirm sich in der Luft halten konnte. Ob er wohl über Augen verfügte und über ein Gehirn viel­leicht und wo genau mochte dieses Gehirn in der Anatomie des schwe­benden Schirms sich aufge­halten haben.
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segelohren

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whiskey : 23.33 – Manchmal, wenn ich nach Wörtern, Sätzen, Auswegen suchend durch meine kleine Wohnung spaziere, glaube ich, auf einem Boden zu handeln, der nicht fest ist, der schwankt, der schlin­gert. Ich gehe dann sofort anders­herum, dieselbe Strecke oder einmal kurz aus dem Haus rüber zum See, der in diesen Tagen längst zuge­froren sein müsste. Das hilft gegen Seekrank­heit auf dem Nacht­schiff und alle weiteren Dinge. – Kurz vor Mitter­nacht. Ruhige, entspannte Arbeits­stunden stehen bevor. Ich hatte seit dem frühen Abend eine Frage in meinem Kopf solange vergeb­lich hin und her bewegt, dass ich sie nun guten Gewis­sens zur Seite legen kann. Sie wird wieder­kommen. Ich versuchte nämlich zu verstehen, weshalb Barak Obama auf den Einsatz der Land­mi­nen­waffen, die insbe­son­dere  gegen zivile Menschen wirken, nicht verzichten will oder kann. In diesen Momenten der Irri­ta­tion, wieder die Ansicht, wie viel ich nicht weiß, eine Ahnung, die sich nur schwer weiter­denken lässt. Aber die Herzen der Tief­see­ele­fanten sind mir bekannt, sind vertraut, kommen näher und näher, wie ihre Ohren, phan­tas­ti­sche Haut­se­gel­flä­chen, die sie sanft über den sandigen Boden des Atlan­tiks tragen. – Gute Nacht!

grüne schuhe

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lima : 22.02 – Beob­ach­tung des New Yorker Poli­zei­funks. Schep­pernde Stimmen, als würde man Trans­pa­rent­pa­pier beatmen, Sprache von Zahlen, von Codes. Ab und zu Passagen, die Geschichten erzählen. Eine laut­hals singende Frau im Central Park, Höhe Dakota Buil­ding, sie kehrt als Spur, als Wörter­insel immer wieder zurück, man vermutet, dass sie viel­leicht verrückt sein könnte. Die Frau ist etwa 50 Jahre alt, trägt grüne Schuhe, Blue Jeans, eine beige Jacke und läuft im Kreis herum. Einmal will man ihre Papiere über­prüfen und da hörte ich im Rauschen des Äthers tatsäch­lich eine hell­schim­mernde Stimme.
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