Aus der Wörtersammlung: os

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malta : lower barracca gardens

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india : 23.37 – Sams­tag. stop. Seit bald zwei Tagen kei­ne Zei­tung gele­sen. Über den wol­ken­lo­sen mal­te­si­schen Him­mel streu­nen Was­ser­flug­zeu­ge. Es ist heiß in der Son­ne, aber es weht ein ange­nehm küh­ler Wind durch die Gas­sen der alten Stadt. Habe in den Lower Bar­rac­ca Gar­dens Stun­den ver­sucht, selt­sam luf­ti­ge Wesen zu foto­gra­fie­ren, sie sind ohne Aus­nah­me, sobald ich auf den Aus­lö­ser drü­cke, Flüch­ten­de, das heißt, Abwe­sen­de, als ob sie mei­ne pla­nen­den Gedan­ken lesen könn­ten, segeln mit einem sir­ren­den Geräusch unter ver­wit­ter­ten Bäu­men davon, Gril­len viel­leicht, Gril­len­vö­gel, weil sie nicht sprin­gen, son­dern flie­gen, aber nicht von der Gestalt der Vögel, son­dern von der Gestalt der Insek­ten sind. Gold­gelb die Far­be ihres Kör­pers, wie die Stei­ne der Stadt so gold­gelb, für einen Moment dach­te ich, dass sie selbst stei­ner­ne Wesen sein könn­ten, dass sie den Wän­den der Häu­ser ent­kom­men, dass die Stadt in die­ser Wei­se in klei­nen Tei­len gegen die Abend­luft zu ent­wei­chen wünscht, eine Stadt kurz vor dem Abflug, aber noch nicht ent­schlos­sen, kehrt sie zurück, ehe die Son­ne ganz ver­schwun­den ist. Da sind Füh­ler an den flie­gen­den Stein­tie­ren befes­tigt, län­ger als ihr Haupt­kör­per sind sie, und hauch­dün­ne Segel­flü­gel, die Däm­me­rung vom Him­mel rufen. Lot­sen­schif­fe ver­las­sen den Hafen. Gegen Mit­ter­nacht wer­den sie zurück­kom­men, Tank­schif­fe, rie­si­gen gewäs­ser­ten Zep­pe­li­nen ähn­lich, im Schlepp. — stop

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malta : manoelstreet

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echo : 22.56 – Im Auf­zug des Hau­ses Man­oel­street No 8 sitzt eine Schne­cke mit gel­bem Gehäu­se auf dunk­lem Fur­nier. Bald wer­de ich erfah­ren, dass es von Höl­zern genom­men wur­de, die Eng­län­der vor lan­ger Zeit nach Mal­ta impor­tier­ten, Bäu­me die­ser Far­be wach­sen hier nicht aus der roten Insel­er­de, aber nied­ri­ge Oran­gen und Zitro­nen­ge­wäch­se. Wenn man abends im Wind, der von der See her in die Stadt spa­zie­ren kommt, in einem der klei­ne­ren Parks lan­ge genug war­tet, kann man die Früch­te fal­len hören, wei­che, seuf­zen­de Geräu­sche, kaum wahr­nehm­bar. — Spä­ter Abend. Wäh­rend der Fahrt vom Flug­ha­fen her in einem uralten Bus durch­ge­schüt­telt, habe ich ein Ohr ver­lo­ren. Ich tra­ge es behut­sam in der Hosen­ta­sche den Flur ent­lang zu mei­nem Zim­mer, das von war­mer Far­be ist, eine Tür, die von selbst ins Schloss fällt, ein Bal­kon hin zum Meer, irgend­wo da drau­ßen in der Dun­kel­heit soll es schon lan­ge exis­tie­ren. Still die Stadt an die­sem Abend, weni­ge Stim­men, klap­pern­de Töp­fe, die Glo­cken einer Kir­che zur vol­len Stun­de, nichts wei­ter. Wie ich mein Ohr betrach­te, das auf dem Bett liegt, noch immer knis­ternd vom Sturz­flug aus grö­ßer Höhe kurz nach Sizi­li­en unter Tur­bu­len­zen hin­durch, die­ser selt­sa­me Ein­druck eines Tage wäh­ren­den Zwi­schen­rau­mes, nicht mehr zu Hau­se und doch schon im Süden ange­kom­men, unwirk­lich, alles ist denk­bar. Seh mich nach Mit­ter­nacht über eine Kat­zen­stra­ße der Stadt Val­let­ta gehen. Das Meer aus nächs­ter Nähe, brau­send aus dem unend­li­chen, dunk­len Raum her­an, fried­lich an die­ser Stel­le zu die­ser Stun­de. — stop
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moskitoeintagsfliegen no.2

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sier­ra : 5.24 — Bald ein­mal, ich wie­der­ho­le mich, mensch­li­che Wesen von 20000 Jah­ren Lebens­er­war­tung gestal­ten, Hüter der Plu­to­ni­um­wer­ke, memo­rie­ren­de Beob­ach­ter, flüs­tern­de Spre­cher durch Räu­me der Zeit, die bis­her nicht vor­stell­bar sind, weil wir sie weder füh­len noch träu­men, weil unse­re Her­zen durch die Atom­zeit rasend schla­gen wie die Her­zen der Mos­ki­to­ein­tags­flie­gen. — stop

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alesund

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romeo : 22.58 — Plötz­lich bin ich in Ale­sund am Meer. Mei­ne Arme lie­gen traum­wärts auf einem Tisch von Holz. Bäu­me wach­sen auf ihrer Haut, Regen­wäl­der, dicht. Wenn ich mich mit einem Ohr nähe­re, hör ich das Brül­len der Affen, das Sin­gen der Vögel. Blau­es, ewi­ges Licht. Die Erde steht still. Ein schnee­wei­ßes Schiff glei­tet geräusch­los am Pier vor­über. Eis­ber­ge schau­keln am Hori­zont. Wenn ich sie betrach­te, schla­fe ich auf der Stel­le ein. — stop

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prypjat

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echo : 5.57 — Die Stadt Pryp­jat an einem son­ni­gen April­tag des Jah­res 1986. Duns­ti­ge Haut lag über far­bi­gen Bil­dern des Films, spie­len­de Kin­der vor Häu­ser­blocks, ein Karus­sell, ein Rie­sen­rad, fla­nie­ren­de Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, All­tag, Frie­den. Man­che der Men­schen tru­gen Taschen, ande­re hiel­ten ihre Söh­ne und Töch­ter an der Hand, ein Drei­rad glaub­te ich gese­hen zu haben, Bäu­me von hel­lem Grün, und den Him­mel, wol­ken­los. Aber da war noch etwas ande­res gewe­sen, etwas Unheim­li­ches, da waren Punk­te, Krei­se, hel­le Erschei­nun­gen, in Bruch­tei­len rasen­der Zeit tauch­ten sie auf und waren sofort wie­der ver­schwun­den. So rasch und so uner­war­tet tra­ten sie aus der Bewe­gung des Films her­vor, dass ein mensch­li­cher Betrach­ter nicht sicher sein konn­te, ob die Erschei­nung, die er gera­de wahr­ge­nom­men hat­te, tat­säch­lich zu sehen oder nicht ein Irr­tum sei­nes Gehirns gewe­sen war, hel­le Schir­me, pel­zig, weich. Die­ses blit­zen­de Licht, das ich vor eini­gen Jah­ren beob­ach­te­te, zeig­te Ver­let­zun­gen des bild­tra­gen­den Mate­ri­als an, Ver­hee­run­gen, die durch strah­len­de Teil­chen des bren­nen­den Gra­phit­re­ak­tors zu Tscher­no­byl ver­ur­sacht wur­den, Teil­chen­spur­licht, des­halb so unheim­lich, so tra­gisch, weil die­ses Licht in den Augen des Film­be­trach­ters von einer spä­te­ren Wirk­lich­keit aus wahr­ge­nom­men wer­den konn­te, nicht aber von jenen Men­schen, die sich in der Wirk­lich­keit der Auf­nah­me vor der Kame­ra beweg­ten durch einen lebens­ge­fähr­li­chen Tag, den sie für einen glück­li­chen Tag ihres Lebens gehal­ten haben moch­ten, weil nie­mand sie vor der unsicht­ba­ren Bedro­hung, die sich in der Atmo­sphä­re befand, warn­te. — Ich muss mei­ne Erin­ne­rung sofort über­prü­fen. — stop

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zivilisation

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romeo : 5.51 — Ein schwer­ge­wich­ti­ger Mann unlängst am Ende der Nacht wäh­rend einer Stra­ßen­bahn­fahrt. Drückt mich samt Schreib­ma­schi­ne zur Sei­te. Ein har­ter, zunächst schwei­gen­der Kör­per, fah­les Gesicht. Dann mit gepress­ter Stim­me. Ich sei einer, der in der 1. Klas­se rei­sen soll­te. Unter­drück­te, mas­si­ve Gewalt­be­reit­schaft, die bei lei­ses­ter Pro­vo­ka­ti­on hem­mungs­los aus­zu­bre­chen droht. Enor­mer Hass aus klei­nen Augen. Ein Moment, da ich glau­be, dem Bösen höchst­per­sön­lich zu begeg­nen. Der mas­si­ge Mann folgt mir an die­sem Früh­lings­mor­gen kla­rer Luft über die Stra­ße. Das Sin­gen der Amseln in den Bäu­men. Der glü­hen­de Wunsch in mei­nem Kopf, die Gestalt hin­ter mir mit­tels eines Skal­pells sorg­fäl­tig in kleins­te Tei­le zu zer­le­gen. Ein Hauch nur, so fein die Haut der Zivi­li­sa­ti­on, die mich im Innern schützt. — Erneut enden­de Nacht. Ein Repor­ter stand gera­de noch vor mir auf einem Dach in Tokio. Er sag­te, die­se Situa­ti­on, mor­gens zu erwa­chen und zu bemer­ken, dass wie­der ein Kern­re­ak­tor explo­diert ist, sei sur­re­al. — Man müss­te, den­ke ich, auf der Stel­le Käfer­we­sen erfin­den, die sich rasch ver­meh­ren, Mil­li­ar­den Käfer Stun­de um Stun­de, Wesen, die sich unver­züg­lich auf die Jagd nach kleins­ten Teil­chen in der Atmo­sphä­re machen wür­den, um sie zu ver­spei­sen, weil das ihre Bestim­mung ist, ihre Lei­den­schaft, das Jagen, das Fan­gen und das Segeln auf strah­len­den Flü­geln weit aufs Meer hin­aus. — stop

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fernsehmaschine

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tan­go : 22.08 — Bil­der von der Fern­seh­ma­schi­ne, die einem Alb­traum ent­kom­men. Das Meer reißt mensch­li­ches Leben an sich, eine gewal­ti­ge, flüs­si­ge Faust, die auf schwan­ken­des Land nie­der­geht. Ato­ma­re Höl­len­hit­ze in zer­brech­li­chen Gefä­ßen. Ein klei­ner Jun­ge steht unter Nadel­bäu­men, erho­be­ne Hän­de, vor einer erwach­se­nen Per­son, die einen Schutz­an­zug trägt. Der Astro­naut misst, ob das Kind gefähr­lich gewor­den ist. Uralte Men­schen ruhen in der kal­ten Luft auf Bah­ren in Decken gewi­ckelt dicht über dem Boden, Neu­ge­bo­re­ne in ihren letz­ten Lebens­ta­gen, die mit wild gewor­de­nen Augen den Him­mel betas­ten. Von Stun­de zu Stun­de zäh­len Kom­men­ta­to­ren in den Spra­chen die­ser Welt Geis­ter­zah­len, Tote, Ver­miss­te, Ver­letz­te. Da ist ein brau­sen­des Geräusch, schwar­zes Was­ser, das Autos, Schif­fe, Häu­ser durch enge Stra­ßen land­ein­wärts drückt, Hupen, ble­cher­nes Kra­chen, kei­ne mensch­li­chen Stim­men. Am Strand dann aber ein Mann, der zu einer Kame­ra spricht. Er sagt, er glau­be, sich in einem Hor­ror­film zu befin­den, er wis­se nicht, ob er träu­me. Mit einem fes­ten Griff reißt er an der Haut sei­nes Gesich­tes. Das Unsicht­ba­re schon anwe­send. Weit drau­ßen auf dem offe­nen Pazi­fi­schen Oze­an treibt ein wei­te­rer Mann. Er steht auf dem Dach sei­nes eige­nen Hau­ses. — stop

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swetlana geier

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del­ta : 0.03 — Ein auf­re­gen­des Buch, das ich gera­de wie­der lese in klei­nen Etap­pen, Wil­helm Gen­a­zi­nos Erzäh­lung Das Licht brennt ein Loch in den Tag. Ein­hun­dert­fünf­zehn Geschich­ten eines Man­nes, der fürch­tet, sein Gedächt­nis zu ver­lie­ren, Geschich­ten, die der Mann sei­nen Freun­den erzählt, damit sie ihm spä­ter ein­mal zurück­ge­ge­ben wer­den könn­ten. Ja, so soll­te man leben, so genau, dass für jeden geleb­ten Tag eine Geschich­te zu ver­zeich­nen ist. Man­che die­ser Geschich­ten wer­den viel­leicht nur aus einem ein­zi­gen Satz bestehen, einem Gedan­ken oder einem zitie­ren­den Text, Wör­tern wie die­sen, die ich ges­tern, nach­dem ich den fas­zi­nie­ren­den Film Die Frau mit den 5 Ele­fan­ten gese­hen hat­te und in sei­ne zwölf­te Minu­te zurück­ge­kehrt, der Über­set­ze­rin Swet­la­na Gei­er von den Lip­pen las: Es stellt sich immer wie­der her­aus, und es ist ein Zei­chen für einen hoch­wer­ti­gen Text, dass der Text sich bewegt. Und plötz­lich, man hat es vor­be­rei­tet und man sieht alles, und man weiß alles, aber plötz­lich ist da etwas, was man noch nie gese­hen hat. Ein sol­cher Text ist uner­schöpf­lich. Man kann ihn eigent­lich, auch wenn man ihn über­setzt hat oder zwei­mal, ich hab das jetzt zwei­mal über­setzt, man kann ihn nicht aus­schöp­fen. Und das ist eben wahr­schein­lich ein Zei­chen der aller­höchs­ten Qua­li­tät. Natür­lich, man muss lesen ler­nen. — stop


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an der nachtzeitküste

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gink­go : 6.00 – Flug­ha­fen. Ter­mi­nal 1. Drei Uhr und fünf­zehn Minu­ten. Ich sto­ße auf Char­lie, 36, Arbei­ter. Der Mann, der in Togo gebo­ren wur­de und lan­ge Zeit dort gelebt hat­te, sitzt unter schla­fen­den Rei­se­men­schen an der Nacht­zeit­küs­te. Er sieht selt­sam aus an die­ser Stel­le, ein Mann, der in sei­nem Leben noch nie mit einem Flug­zeug reis­te, statt­des­sen in Zügen, Bus­sen, Schif­fen durch den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent Rich­tung Euro­pa geflüch­tet war, ja, merk­wür­dig sieht Char­lie aus, wie er so unter schlum­mern­den Nord­ame­ri­ka­nern, Usbe­ken, Chi­le­nen, Japa­nern, Neu­see­län­dern sitzt. Er trägt Sicher­heits­schu­he, ein karier­tes Holz­fäl­ler­hemd und Hosen von kräf­ti­gem Stoff, mit Kat­zen­au­gen besetz­te dun­kel­blaue Bein­klei­der, die in jede Rich­tung reflek­tie­ren. Nein, unsicht­bar ist Char­lie, auch im Dun­keln, sicher nicht. Er macht gera­de Pau­se, trinkt Kaf­fee aus einer schrei­end gel­ben Ther­mos­kan­ne und genießt ein Stück­chen Brot und etwas Käse, den er aus einer Dose fischt. Sorg­fäl­tig kaut er vor sich hin, nach­denk­lich, viel­leicht weil er sich auf ein Spiel kon­zen­triert, das er seit Jah­ren bereits an die­ser Stel­le war­tend stu­diert. Char­lie tippt Lot­to. Char­lie ist ein Meis­ter des Lot­to­spiels, Char­lie spielt mit Sys­tem. Er hat noch nie ver­lo­ren. Er hat noch nie ver­lo­ren, weil er noch nie einen wirk­li­chen Cent auf eine der Zah­len­rei­hen setz­te, die er in sei­ne Notiz­bü­cher notiert. Char­lie ist ein beob­ach­ten­der Spie­ler, Vater von fünf Kin­dern, immer ein wenig müde, weil er eben ein Nacht­ar­bei­ter ist. Wenn ich mich neben ihn set­ze und ihm zuse­he, wie er mit einem roten Kugel­schrei­ber Zah­len­ko­lon­nen in sei­ne Hef­te notiert, freut er sich, macht eine klei­ne Pau­se, erkun­digt sich nach mei­nem Befin­den, und schon schreibt er wei­ter, ana­ly­siert, rech­net, sucht nach einer For­mel, die sei­ne Fami­lie zu einer rei­chen Fami­lie machen wird. Ein­mal fra­ge ich Char­lie, ob er noch Brie­fe schrei­ben wür­de an sei­ne Eltern in Lomé. Ja, sagt Char­lie, jede Woche schrei­be er einen Brief an sei­ne Eltern, die am Meer leben, am Atlan­tik näm­lich. Ein ander­mal will ich wis­sen, war­um er nicht einen Com­pu­ter ein­set­zen wür­de, um viel­leicht schnel­ler fin­den zu kön­nen, was er sucht. Char­lie lacht, sieht mich an durch kräf­ti­ge Glä­ser einer Bril­le, sagt, dass er wis­se, wie bedeu­tend Com­pu­ter sei­en für die Welt, in der wir leben, sei­ne Kin­der spiel­ten mit die­sen Maschi­nen, für ihn sei das aber nichts. Und sofort schreibt er wei­ter. Eine ruhi­ge, kla­re Schrift. Rote Zei­chen. In die­sem Moment begrei­fe ich, dass ich einer Beschwö­rung bei­woh­ne, einem Gebet, Male­rei, einer Kom­po­si­ti­on, der all­mäh­li­chen Ver­fer­ti­gung der Idee beim Schrei­ben. Her­mann Bur­ger — stop
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nachtfalter

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alpha : 0.03 – Tru­man Capo­tes fei­ne Geschich­te Music for Cha­me­le­ons. Das Por­trät einer Aris­to­kra­tin, die dem ame­ri­ka­ni­schen Schrift­stel­ler wäh­rend der 50er-Jah­re auf Mar­ti­ni­que Gast­ge­be­rin gewe­sen war. Ich hat­te die Geschich­te vor lan­ger Zeit bereits gele­sen und seit­her nie aus den Augen, nie aus dem Nah­ge­dächt­nis ver­lo­ren. Wie eine ele­gan­te Lady auf einem gut gestimm­ten Kla­vier eine Mozart-Sona­te spielt, und wie sich Cha­mä­le­ons, von den Geräu­schen des Instru­ments ange­zo­gen, zu ihren Füßen ver­sam­meln. Ich konn­te mich gut erin­nern an Geis­ter­we­sen, an rot­äu­gi­ge klei­ne Men­schen weiß wie Krei­de, an einen Gar­ten rie­si­ger Nacht­fal­ter, an Pfef­fer­minz­tee und Absinth, an Gau­gu­ins schwar­zen Spie­gel. Und wie die Cha­mä­le­ons in ihren Far­ben, die über ihren Kör­per blitz­ten, die Musik Mozarts impro­vi­sie­ren, davon hat­te ich begeis­tert immer und immer wie­der ein­mal erzählt. Und dann lese ich Capo­tes Geschich­te wie­der. Da waren Nacht­fal­ter und Men­schen von krei­de­wei­ßer Haut, und Pfef­fer­minz­tee und Absinth, Mozart, Gau­gu­in, aller­lei Geis­ter, eine Lady und ihr Kla­vier, und natür­lich Cha­mä­le­ons, Cha­mä­le­ons laven­del­far­ben, gelb, lind­grün, schar­lach­rot. Ich las und war­te­te, war­te­te dar­auf, dass ich bald jene Stel­le errei­chen wür­de im Text, da Far­ben impro­vi­sie­rend die Kör­per der Cha­mä­le­ons beleuch­te­ten. War­te­te ver­geb­lich. War­te­te noch, als der Text schon lan­ge Zeit zu Ende gele­sen war. — Exis­tiert viel­leicht eine gehei­me Schreib­ma­schi­ne in mei­nem Kopf, die Lek­tü­ren mei­nes Lebens geräusch­los wei­ter­schreibt? — stop

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