Aus der Wörtersammlung: eis

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barrel bomb

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romeo : 0.14 — Habe gelernt, was eine Fass­bom­be ist, weil ich das Wort Fass­bom­be mehr­fach hör­te, dar­um habe ich nach Fass­bom­ben in der digi­ta­len Sphä­re gesucht, nach Erläu­te­run­gen, was eine Fass­bom­be sein könn­te und was sie bedeu­tet, wenn sie als Fass­bom­be tat­säch­lich vom Him­mel fällt. Wei­te­re sehr inter­es­san­te Wör­ter und ihre Bedeu­tung sind in der Umge­bung der Fass­bom­ben­be­rich­te mög­lich gewor­den: Leit­flü­gel . Auf­schlag­zün­der . Schrapnell . Wei­ches Ziel. Es ist sehr wahr­schein­lich, dass ich mich selbst als ein wei­ches Ziel zu betrach­ten habe, weil ich ein Mensch bin. Ich dach­te, neh­men wir ein­mal an, eine Fass­bom­be nähe­re sich, und ich dach­te plötz­lich, dass in mei­ner Nähe, in mei­ner Umge­bung, also in der Stadt, in der ich mich befin­de, Men­schen ange­kom­men sind, die wis­sen, wie sich eine Fass­bom­be anhört, wenn sie explo­diert. Ich könn­te eini­ge Städ­te wei­ter­fah­ren mit dem Zug, und auch dort wer­den Men­schen ange­kom­men sein, die wis­sen, wie sich eine Fass­bom­be anhört oder anfühlt, wenn sie vom Him­mel fällt, wenn sie in die Luft geht, wenn sie den Men­schen um die Ohren fliegt, wei­che Men­schen, ja, wei­che Men­schen, wie weich wir Men­schen sind. Ich bin froh, dass ich weiß, wei­che Men­schen ich fra­gen könn­te, was eine Fass­bom­be ist, gleich hier in mei­ner Stadt könn­te ich sie fra­gen. — stop
ping

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nachtmann

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vic­to­ry : 0.55 — Es ist 1 Uhr mit­ten in der Nacht und es reg­net. Ein Mann kommt auf sei­nem Fahr­rad weit unten pfei­fend die Stra­ße ent­lang. Etwas ist selt­sam, er kommt sonst zu ande­rer Zeit, er kommt sonst immer um 3 Uhr, nie­mals frü­her, und nie­mals, wenn es nach halb 4 Uhr gewor­den ist. Ich habe vor eini­ger Zeit von die­sem Mann bereits berich­tet, dass ich ihn ein­mal von oben her beob­ach­tet habe, dass er sich in einer Wei­se ver­hält, als wür­de er selbst eine abge­schlos­se­ne Geschich­te sein, zu der sich nichts wirk­lich Neu­es hin­zu­fü­gen lässt. Heu­te Nacht stell­te ich mir vor, sei­ne Erschei­nung könn­te viel­leicht glän­zen, weil er nass ist, sei­ne Hau­be, sein Man­tel, sein Fahr­rad. Viel­leicht wird er hoch­schau­en zum Dach, wird das Licht sehen hin­ter mei­nen Fens­tern, wird sagen: Der Nacht­mensch ist wie­der da! — Ich muss mich geirrt haben. Es ist tat­säch­lich so, dass sich die­ser Mann zu ver­än­dern scheint, sei­ne Geschich­te, nicht nur die Geschich­ten in den Zei­tun­gen, die er zu schla­fen­den Men­schen bringt. Min­des­tens wird der Mann immer älter, wie ich immer älter wer­de, und sein Fahr­rad, als ich vor drei Wochen ver­reis­te, noch ohne, ver­fügt plötz­lich über einen Motor, der knat­tert. — stop

handzeichnung

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von kreide und schnee

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nord­pol : 22.01 — Far­ben ant­ark­ti­schen Eises auf einem Gesicht, noch Krei­de­far­ben, noch Pig­men­te ohne Öle, Wan­gen, Nase, Lip­pen, Stirn, von flin­ken, träu­men­den Fin­gern im Pro­zess der Arbeit schein­bar ohne Bewusst­sein im Ver­se­hen auf die eige­ne Haut gezeich­net, Anmu­tun­gen von Blau, von Grau, von Weiß, von Schwarz. Es scheint bedeu­tend, wenn nicht unver­zicht­bar zu sein, Far­ben von Schwarz, von Umbra, Kern­schat­ten­far­ben, in die Hand zu neh­men, die Far­ben der Wüs­ten­ge­stei­ne, um das Eis der Ant­ark­tis, das Eis eines grön­län­di­schen Glet­schers vor­aus zeich­nen zu kön­nen. Ein lei­ses Gespräch, wis­pernd, in dem Sand­ge­stei­ne sich auf die Lein­wand legen, zärt­lich fau­chend, das Licht in den meer­wärts flie­ßen­den Schat­ten, in den Win­keln eines Mun­des. Wie Mel­ly Cus­aro, die an einem win­ter­li­chen Tag beschloss, den Mars zu berei­sen, fort­an das Wesen des Eises und des Schnees zu begrei­fen sucht. Wer nach Was­ser for­schen wird in der Welt­raum­fer­ne, sagt sie, muss sich von der Wüs­te und vom Schnee eine prä­zi­se Vor­stel­lung gezeich­net haben. Es schnei­te in Brook­lyn, Schnee lehn­te an Wän­den alter Häu­ser, türm­te sich auf Bal­ko­nen, rie­sel­te im zar­ten Atem eines fast wind­stil­len Tages von den Ulmen. Wer moch­te, konn­te mit Schlitt­schu­hen über die Pro­me­na­de auf den Höhen fah­ren. Wel­ches Geräusch wür­de in der Stil­le ein Kon­tra­bass von Eis erzeu­gen? — stop
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abschnitt neufundland

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Abschnitt Neu­fund­land mel­det fol­gen­de gegen Küs­te gewor­fe­ne Arte­fak­te : Wrack­tei­le [ See­fahrt – 112, Luft­fahrt — 86, Auto­mo­bi­le — 231], Gruß­bot­schaf­ten in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert — 0, 19. Jahr­hun­dert – 32, 20. Jahr­hun­dert – 1458, 21. Jahr­hun­dert — 532 ], Trol­ley­kof­fer [ blau : 5, rot : 88, gelb : 67, schwarz : 1231 ] phy­si­cal memo­ries [ bespielt — 3256, gelöscht : 355 ], See­not­ret­tungs­wes­ten : [ 2477 ], Amei­sen [ Arbei­ter ] auf Treib­holz [ 5 ], Brumm­krei­sel : 2, Öle [ 0.18 Ton­nen ], Matrosch­ka — Pup­pen von Bir­ken­holz : 3, Pro­the­sen [ Herz — Rhyth­mus­be­schleu­ni­ger – 3, Knie­ge­len­ke – 1455, Hüft­ku­geln – 87, Bril­len – 236 ], Halb­schu­he [ Grö­ßen 28 – 39 : 778, Grö­ßen 38 — 45 : 201 ], Plas­tik­san­da­len [ 5786 ], Rei­se­do­ku­men­te [ 1205 ], Kühl­schrän­ke [ 3 ], Tele­fo­ne [ 386 ], Pup­pen­köp­fe [ 52 ] Gas­mas­ken [ 8 ], Tief­see­tauch­an­zü­ge [ ohne Tau­cher – 2, mit Tau­cher – 5 ], Engels­zun­gen [ 88 ] | stop |

ping

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auf schienen

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alpha : 0.10 — Als wür­de sich die­se merk­wür­di­ge Frau auf unsicht­ba­ren Gelei­sen durch die Zeit bewe­gen, so kommt sie in unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den immer wie­der ein­mal an mir vor­über, arm­se­lig geklei­det, jawohl, auf das Äußers­te arm­se­lig geklei­det, trägt sie im Som­mer wie im Win­ter eine Poli­zei­schirm­müt­ze, einen merk­wür­dig grü­nen, zer­schlis­se­nen Fal­ten­rock, eine gel­be, ver­schmutz­te Blu­se und dar­über eine Jeans­ja­cke, mein Gott, außer­dem Turn­schu­he, die mög­li­cher­wei­se längst über kei­ner­lei Soh­len­werk mehr ver­fü­gen. Aber das mit den Schu­hen ist gar kein Wun­der, sie läuft andau­ernd schnell her­um, ich habe sie nie­mals ste­hend oder irgend­wo sit­zend ange­trof­fen. Unge­wöhn­lich an die­ser Frau ist ins­be­son­de­re ein Papp­schild, wel­ches an einem län­ge­ren Stock befes­tigt wur­de. Sie trägt das Papp­schild hoch über dem Kopf, stolz schein­bar, es ist immer das­sel­be Schild, geschützt von einer fei­nen Foli­en­haut. Auf die­sem Schild nun ist mit akku­ra­ter Schrift fol­gen­de For­de­rung auf­ge­zeich­net: Kei­ne Gewalt gegen unse­re Poli­zei! Die Ver­brei­tung die­ser Bot­schaft scheint ihr wesent­li­ches Anlie­gen zu sein, ich habe mehr­fach ver­sucht, an die eilen­de Per­son her­an­zu­tre­ten, ver­geb­lich, ent­we­der war sie zu schnell oder ich war zu lang­sam in der Ver­fol­gung gewe­sen. Tat­säch­lich beschleu­nigt sie ihre Schrit­te unver­züg­lich, wenn ich ver­su­che, mich ihr zu nähern. Ein­mal, es war hoher Som­mer, tele­fo­nier­te ich gera­de, als ich sie kom­men sah. Ich nahm mei­nen Tele­fon­com­pu­ter vom Ohr und rich­te­te ihn auf die demons­trie­ren­de Frau, um sie zu foto­gra­fie­ren. Ges­tern, Sonn­tag um kurz vor Mit­ter­nacht: Sie scheint sehr leicht gewor­den zu sein, ande­re wür­den viel­leicht sagen, dass sie äußerst mager gewor­den ist. Sie raucht wie eine Loko­mo­ti­ve. — stop

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mexico

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nord­pol : 1.15 — Ges­tern Abend ist etwas Lus­ti­ges pas­siert. Schne­cke Esme­ral­da ent­deck­te eine Mög­lich­keit, mein Fern­seh­ge­rät zu bestei­gen. Sie saß wohl schon eine Wei­le dort oben­auf, als ich sie, kurz nach­dem ich das Fern­seh­ge­rät ein­ge­schal­tet hat­te, bemerk­te. Vom auf­blen­den­den Licht unter ihrem Haft­fuß über­rascht, begann sie, kreuz und quer über den Bild­schirm zu flüch­ten, ihre Augen indes­sen streck­te sie so weit wie mög­lich von sich, schließ­lich ließ sie sich ein­fach fal­len, wand sich auf dem Boden als wäre sie ver­rückt gewor­den, lag dann eine Wei­le still, sodass ich mich vor­sich­tig näher­te, weil ich fürch­te­te, sie könn­te ernst­haft Scha­den genom­men haben. Ich fuhr, um ihre Lebens­geis­ter zu locken, mit einem fei­nen Pin­sel über ihre feuch­te, led­ri­ge Haut, und bemerk­te bald, wie ein Schim­mern über ihren Kör­per wan­der­te. Kurz dar­auf streck­te sich ihr Kör­per unter ihrem schwe­ren Gehäu­se in der Art der Sche­cken, wenn sie sich erhe­ben, und wan­der­te über den Boden fort in die Die­le und von dort aus in die Küche hoch auf den Tisch, wo sie nun seit Stun­den auf einer Bana­ne sitzt. Ich glau­be, sie schläft, ihre Turm­au­gen haben sich in den Kör­per zurück­ge­zo­gen, aber sie erwacht unver­züg­lich, wenn ich und solan­ge ich tele­fo­nie­re, zum Bei­spiel mit M., die von ihrem Freund erzählt, der bald nach Mexi­ko rei­sen wird. Sie wohnt seit Jah­ren mit ihm in einer Woh­nung, ohne ein Wort mit ihm zu spre­chen. Sie sagt, jede sei­ner Rei­sen sei­en für sie mit dem Wunsch ver­bun­den, er möge bald zurück­keh­ren, sie sei fröh­lich, sobald er wie­der in die Woh­nung tre­te, spre­chen wer­de sie jedoch nie wie­der mit ihm an die­sem Ort, und das sei gut so, weil sie sich in die­ser Wei­se zu Hau­se nie strei­ten, sie leb­ten sehr har­mo­nisch, er mache immer Früh­stück für sie, er lege Foto­gra­fien, zum Bei­spiel von Mexi­ko, auf ihren gemein­sa­men Tisch, sie suche dann die Guten her­aus, Bil­der, die gelun­gen sind, es gebe nie Dis­kus­sio­nen des­we­gen, weil sie eben nicht mehr mit­ein­an­der spre­chen, höchs­tens mit den Augen und mit den Hän­den oder mit­tels Gegen­stän­den, die irgend­wo lie­gen oder nicht lie­gen. — stop

nach­rich­ten von esmeralda »

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ein ohr

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del­ta : 22.01 — Ich erin­ne­re mich gern an Max. Er war gera­de 6 Jah­re alt gewor­den, als ich ihm zuletzt per­sön­lich begeg­ne­te. Wir saßen damals an einem Küchen­tisch, es war Abend, Max schon müde. Er schüt­tel­te etwas gelang­weilt eine Papri­ka­scho­te und wun­der­te sich, weil in der gel­ben Frucht Bewe­gung zu sein schien. Ich nahm ihm die Papri­ka aus der Hand, und tat­säch­lich war in ihrem Inne­ren etwas lose gewor­den oder exis­tier­te dort, das sich übli­cher­wei­se nicht in einer Papri­ka befin­den soll­te. Also leg­te ich die Papri­ka zur Unter­su­chung auf einen Tel­ler und öff­ne­te sie vor­sich­tig. Es war ein klei­nes Loch, das ich in die Papri­ka schnitt. Sei­te an Sei­te sit­zend, war­te­ten wir gespannt vor der Frucht dar­auf, ob viel­leicht Irgend­et­was oder Irgend­je­mand aus der Öff­nung stei­gen wür­de. Indes­sen erzähl­te ich von der Erfin­dung der Tief­see­ele­fan­ten, von ihren kilo­me­ter­lan­gen Rüs­seln, die sie zur Mee­res­ober­flä­che recken, sofern sie den Atlan­tik durch­que­ren. Bald wur­de Max unge­dul­dig, er nahm die Papri­ka in sei­ne Hän­de, um durch das spar­sa­me Loch zu spä­hen, ohne frei­lich etwas sehen zu kön­nen, es war dun­kel da drin, wes­halb ich das Loch ver­grö­ßer­te, und außer­dem noch zwei klei­ne­re Löcher für das Licht seit­wärts in den Kör­per trieb. Wie­der­um späh­te Max in die Papri­ka, jetzt konn­te er etwas erken­nen. Er stell­te nüch­tern fest, dass sich in der Papri­ka ein Ohr befin­den wür­de, ein Papri­kaohr, ganz ein­deu­tig. Zwei Jah­re sind seit­her ver­gan­gen. Als ich kürz­lich mit Max tele­fo­nier­te, erklär­te er, dass er in der Schu­le Tief­see­men­schen mit Blei­stift zeich­ne­te. Immer wie­der habe er die Kör­per der Tief­see­men­schen, die über den Mee­res­bo­den spa­zier­ten, aus­ra­diert, um sie noch klei­ner zu machen, damit ihre Häl­se auch lang genug wer­den konn­ten auf dem viel zu klei­nen Blatt Papier, das ihm zur Ver­fü­gung gestellt wor­den war. — stop

handschrift

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tintenfinger

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lima : 0.55 — Mit dem lang­sa­men Ver­schwin­den der Brie­fe flüch­ten unse­re Post­wert­zei­chen in Schach­tel­be­häl­ter, in Alben, in Muse­en, kost­ba­re, bun­te Wesen von Papier, die wir noch mit unse­ren Zun­gen befeuch­te­ten, um sie mit Brief­um­schlä­gen für immer zu ver­bin­den. Auch Ges­ten, die den Brie­fen zuge­ord­net sind, wer­den sich nach und nach ver­lie­ren. Die Ges­te des Zer­rei­ßens bei­spiels­wei­se, oder die Ges­te des Zer­knül­lens. Wann habe ich zuletzt beob­ach­tet, wie der Emp­fän­ger eines Brie­fes sich dem geöff­ne­ten Doku­ment mit der Nase näher­te, um von der Luft der gelieb­ten schrei­ben­den Per­son zu atmen, die mit dem Brief gereist sein könn­te? Ver­lo­ren die Abdrü­cke der Tin­ten­fin­ger, die Rän­der einer Brief­sei­te zier­ten, ver­lo­ren auch das fei­ne Geräusch der Skal­pel­le, indem sie tei­lend durch das sei­de­ne Fut­ter der Kuvert­kof­fer zie­hen. Ein absur­der Gedan­ke mög­li­cher­wei­se, wie ich den E‑Mailbrief einer Behör­de, der mich zor­nig wer­den lässt, aus­dru­cke, wie ich ihn in einen Umschlag ste­cke, wie ich ihn für eini­ge Sekun­den in Hän­den hal­te, wie ich mich kon­zen­trie­re, wie ich den Brief genuss­voll in win­zi­ge Tei­le zer­le­ge. — stop

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zerzaust

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vic­tor : 0.55 — L. erzählt, sie habe ein­mal eine Frau gekannt, die weder in Büchern las noch in Zei­tun­gen. Trotz­dem sei die­se Frau, deren Namen sie nicht in Erin­ne­rung habe, Wör­tern sehr eng ver­bun­den gewe­sen, da sie pau­sen­los Wör­ter notier­te. Sie schrieb mit der Hand, sie schrieb in Cafés, U‑Bahnen, auf Bän­ken sit­zend in Parks einer Stadt, die sie ein Leben lang nie ver­las­sen haben soll. Sie schrieb an einem ein­zi­gen Buch, an einem Buch, das sie stets in einer wei­te­ren Vari­an­te mit sich führ­te, im Grun­de an einem Buch einer­seits, das sie bereits auf­ge­schrie­ben hat­te, und einem Buch ande­rer­seits, in dem sie das Buch, das zu Ende geschrie­ben wor­den war, wie­der­hol­te, aber natür­lich nicht, ohne das Buch im Pro­zess des Abschrei­bens zu ergän­zen. Jede Ergän­zung wur­de sorg­fäl­tig über­legt, manch­mal wur­den Wör­ter ersetzt, gan­ze Sät­ze oder ein Gedan­ke hin­zu­ge­fügt, sel­ten eine Pas­sa­ge gestri­chen. In die­ser Wei­se ver­än­der­te sich das Buch, das Buch nahm an Umfang zu, wur­de lang­sam schwe­rer. Immer dann, wenn ein Buch abge­schrie­ben wor­den war, ver­schwand das abge­schrie­be­ne Buch. Und wie­der­um begann die Frau eine wei­te­re Kopie anzu­fer­ti­gen, die sich im Pro­zess der Ver­dopp­lung schein­bar nur unwe­sent­lich von ihrem Ori­gi­nal unter­schei­den wür­de. Der Rücken der Frau war leicht gekrümmt, sie ging viel spa­zie­ren und war stets sorg­fäl­tig geklei­det. Sie soll schon ein wenig wild aus­ge­se­hen haben, zer­saust, aber glück­lich, sagen wir, zer­zaust und immer beschäf­tigt und irgend­wie fröh­lich. Sie notier­te zier­li­che, äußerst exak­te Zei­chen. — stop
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brief an dornier

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echo : 2.02 — Sehr geehr­te Damen und Her­ren von der Stif­tung Dor­nier für Luft- und Raum­fahrt! Ich wen­de mich hier­mit höf­lichst mit der Bit­te um Unter­stüt­zung an Sie, obgleich ich nicht sicher sein kann, mit mei­nem Anlie­gen Ihr Gehör fin­den zu kön­nen, da mein Vor­ha­ben weder Auf­ga­ben bemann­ter Luft­fahrt, noch Auf­ga­ben bemann­ter Raum­fahrt berüh­ren wird. Ich hof­fe den­noch für einen Moment Ihre Auf­merk­sam­keit zu gewin­nen, es geht näm­lich dar­um, einen kugel­för­mi­gen Kör­per zu ent­wi­ckeln, nicht schwe­rer als 1,5 Gramm, der in der Art und Wei­se der Pflan­zen­flug­sa­men mit dem Wind durch die Welt rei­sen könn­te. Im Objekt ent­hal­ten sein soll­ten je eine Kame­ra mit einem 360°-Objektiv, eine höchst leis­tungs­fä­hi­ge Bat­te­rie sowie ein Sen­der, der in Minu­ten­fre­quenz auf­ge­nom­me­ne Bil­der des Zufalls an einen Emp­fän­ger ver­äu­ßern wür­de, an eine mensch­li­che Per­son oder einen Com­pu­ter, die sich um die Doku­men­ta­ti­on der über­mit­tel­ten Auf­nah­men bemü­hen, sie kata­lo­gi­sie­ren, bewer­ten und gege­be­nen­falls ver­öf­fent­li­chen wür­de. Eine außer­ge­wöhn­li­che Eigen­schaft die­ses mikro­sko­pisch klei­nen Wesens soll­te sein, dass es in sei­ner Form sehr fle­xi­bel sein wird, einer Flüs­sig­keit ähn­lich. In die­ser Wei­se exis­tie­rend wür­de es bei­na­he jedes Hin­der­nis über­win­den, sich kaum irgend­wo dau­er­haft ver­fan­gen, des­halb für sehr lan­ge Zeit auf Rei­sen sein, auch mit Mee­res­strö­mun­gen wan­dern, mit Dünen der Wüs­ten, durch Stadt­land­schaf­ten vaga­bun­die­ren, durch Wald­ge­bie­te und Step­pen, indes­sen immer­zu foto­gra­fie­rend, eine zufäl­li­ge, von kei­ner mensch­li­chen Per­son vor­be­stimm­te Spur gefan­ge­nen Lichts ver­zeich­nend. Mel­den Sie sich bit­te, sofern ich Ihnen aus dem Inne­ren mei­ner Vor­stel­lung im Detail berich­ten darf. Ihr Lou­is – stop

flug



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