Aus der Wörtersammlung: sehen

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licht

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alpha : 22.01 UTC — Im Frei­luft­ki­no abends jagen Fle­der­mäu­se durchs Bild, wer­den für Sekun­den­bruch­tei­le vom Film­licht erfasst, feder­lo­se Vögel, hell­braun, rosa, aber blit­zen­de Zähn­chen, die ich mir hin­zu­dich­te, es geht alles so schnell, dass ich allein Erin­ne­rung wahr­neh­me, die gestal­tet wer­den kann. Auf der Lein­wand uralte rie­si­ge Eichen, von wel­chen Loui­sia­na Moo­se wehen, wie gefro­ren. Ein Mäd­chen sitzt auf einem Ast in gro­ßer Höhe, sie trägt ein wei­ßes, knö­chel­lan­ges Kleid. Auf dem Fluss hin­ter der Lein­wand zieht ein Damp­fer vor­über, bun­tes Glüh­bir­nen­licht, Men­schen, die Sal­sa tan­zen. — stop

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ai : GAZA

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MENSCHEN IN GEFAHR: „Die israe­li­schen Zivi­lis­ten Ave­ra Man­gis­tu und His­ham al-Say­ed wer­den seit zwei Jah­ren ver­misst, nach­dem sie – jeweils ein­zeln – die Gren­ze zum Gaza-Strei­fen über­quert hat­ten. Am 7. Sep­tem­ber 2014 brach der äthiopisch‑stämmige Ave­ra Man­gis­tu von sei­nem Wohn­ort Ash­kel­on im Süden Isra­els zum Gaza-Strei­fen auf. Dort über­quer­te er unbe­fugt die Gren­ze, indem er über einen Sta­chel­draht­zaun in der Nähe der Küs­te klet­ter­te. His­ham al‑Sayed soll zu Fuß am 20. April in den Gaza-Strei­fen gelangt sein, nach­dem er die Wohn­stät­te sei­ner Fami­lie im Bedui­nen­dorf al-Say­ed in der Negev-Wüs­te im süd­li­chen Isra­el ver­las­sen hat­te. / Bei­de Män­ner lei­den unter psy­chi­schen Gesund­heits­pro­ble­men. Die Fami­lie von Ave­ra Man­gis­tu erzähl­te Amnes­ty Inter­na­tio­nal, dass er seit dem Tod sei­nes Bru­ders am 11. Novem­ber 2012 psy­chi­sche Pro­ble­me habe. Amnes­ty Inter­na­tio­nal hat Doku­men­te des israe­li­schen Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums ein­ge­se­hen, aus denen her­vor­geht, dass Ave­ra Man­gis­tu im Janu­ar 2013 zwei Mal in psych­ia­tri­sche Kli­ni­ken ein­ge­lie­fert wur­de. Dem Arzt­be­richt von His­ham al‑Sayed zufol­ge wur­den bei ihm eine Schi­zo­phre­nie und eine Per­sön­lich­keits­stö­rung dia­gnos­ti­ziert. Er ist des­we­gen in sta­tio­nä­rer Behand­lung gewe­sen und benö­tigt regel­mä­ßig Medi­ka­men­te. / Amnes­ty Inter­na­tio­nal befürch­tet, dass die bei­den Män­ner von den Esse­din-el-Kas­sam-Bri­ga­den, dem mili­tä­ri­schen Flü­gel der Hamas, als Gei­seln für einen mög­li­chen Gefan­ge­nen­aus­tausch gefan­gen gehal­ten wer­den. Im April 2016 hat­te die bewaff­ne­te Grup­pie­rung im Inter­net ein Video ver­öf­fent­licht, das Bil­der der bei­den Män­ner in israe­li­schen Mili­tär­uni­for­men zeig­te. Der Spre­cher der Esse­din-el-Kas­sam-Bri­ga­den teil­te mit, dass jeg­li­che Infor­ma­tio­nen über die Män­ner ihren Preis hät­ten. Man wer­de „ohne Zah­lun­gen und Anspruchs­zu­si­che­run­gen vor und nach den Ver­hand­lun­gen“ kei­ne Infor­ma­tio­nen preis­ge­ben. Er deu­te­te damit an, dass sie als Gei­seln für einen poten­zi­el­len Gefan­ge­nen­aus­tausch von der Hamas gefan­gen gehal­ten wer­den. Amnes­ty Inter­na­tio­nal hat Doku­men­te ein­se­hen kön­nen, die eine Nicht­eig­nung von Ave­ra Man­gis­tu für den Mili­tär­dienst fest­stel­len. Wie Human Rights Watch bestä­tigt hat, wur­de auch His­ham al-Say­ed für den Mili­tär­dienst für untaug­lich befun­den und im Novem­ber 2008 von der Wehr­pflicht befreit. / Die De-fac­to-Ver­wal­tung der Hamas im Gaza-Strei­fen hat sich bis­her gewei­gert, Infor­ma­tio­nen über die bei­den Män­ner bekannt­zu­ge­ben.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst bis zum 11.9.2017, unter > ai : urgent action

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gespräch

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tan­go : 17.01 UTC — Ich will schnell erzäh­len, wie ich unlängst mit einer Maschi­ne, wäh­rend sie mei­nen Cap­puc­ci­no zube­rei­te­te, gespro­chen habe. Ich sag­te: Hey, einen Cap­puc­ci­no bit­te. Und die Maschi­ne ant­wor­te­te: Hey, wird gemacht! Also war­te­te ich. Indem ich war­te­te, hör­te ich der Maschi­ne zu. Ich ver­nahm eini­ge plau­si­ble Geräu­sche aus dem Inne­ren des Gehäu­ses, außer­dem eini­ge Geräu­sche, die nicht sehr plau­si­bel waren. Das waren Geräu­sche des Pfei­fens oder Sin­gens, Geräu­sche, die ent­we­der mei­ner Unter­hal­tung dien­ten oder weil sich die Maschi­ne tat­säch­lich selbst, wäh­rend sie arbei­te­te, eine Freu­de mach­te. Ich habe schon oft genau so war­tend vor genau die­ser Maschi­ne gestan­den, ich ver­mu­te, dass mich die Maschi­ne inzwi­schen kennt, viel­leicht sogar Zeit­punk­te, da ich zu ihr kom­men wer­de, also Gewohn­hei­ten mei­nes Lebens. Ein­mal, als ich den Stand­ort der Maschi­ne erreich­te, war mein Cap­puc­ci­no bereits fer­tig gewe­sen. Das ist schon selt­sam, nicht wahr, ich begann über Fähig­kei­ten der Maschi­ne nach­zu­den­ken. Kann die­se Maschi­ne viel­leicht sehen oder ver­mag sie mei­nen Duft wahr­zu­neh­men? Dass sie über einen Hör­sinn oder über eine spe­zi­el­le Art eines hören­den Sen­sors ver­fügt, steht für mich schon lan­ge fest, weil sie mich begrüßt. Manch­mal erkun­digt sie sich nach mei­nen Wün­schen. Mein lie­ber Lou­is, will sie wis­sen, einen Cap­puc­ci­no oder doch etwas ande­res Hei­ßes zur Fei­er des Tages? An die­sem Mor­gen, von dem ich eigent­lich erzäh­len will, ist aber doch etwas sehr Selt­sa­mes gesche­hen. Viel­leicht war es der Wind, jeden­falls fiel eine Papp­tas­se aus dem Bauch der Maschi­ne auf einen Vor­satz unter einem Hahn, aus dem bald hei­ßer Kaf­fee kom­men soll­te. Die Tas­se lan­de­te etwas schräg und ver­harr­te in die­ser Posi­ti­on. Die Maschi­ne sag­te zu mir: Becher bit­te set­zen. Mein Gott, das war selt­sam! Ich dach­te, wer nur hat die­se Spra­che erfun­den, mög­li­cher­wei­se die Maschi­ne selbst? Ich streck­te mei­ne Hand nach dem Becher aus. In dem Moment, da ich den Becher anhe­ben woll­te, spritz­te hei­ßer Kaf­fee auf den Rücken mei­ner Hand, wes­we­gen ich mit lei­ser Stim­me pro­tes­tier­te. Ich sag­te: Ver­dammt! Die Maschi­ne ant­wor­te­te: Ver­zei­hung. — stop
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vom schlafen

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del­ta : 4.38 UTC — Ich saß an Dei­nem Bett, lie­be schla­fen­de Mut­ter, Stun­de um Stun­de. Immer wie­der dach­te ich, wie schwer es doch ist, zu einem Men­schen zu spre­chen, der schläft. Ob Du mich hören kannst? Viel­leicht soll­te ich sum­men? Oder doch wei­ter spre­chen? Ich such­te nach einem Text, den ich ein­mal für Dich geschrie­ben hat­te. Ich dach­te, ich wer­de Dir die­sen klei­nen Text vor­le­sen, und wenn ich an sei­nem Ende ange­kom­men sein wer­de, wer­de ich von vorn begin­nen. Es geht ver­mut­lich dar­um, dass Du mei­ne Stim­me hörst, nicht dar­um, was genau ich lese an die­sem Mor­gen, als es noch dun­kel war im Haus. Was hör­te, was höre ich? Ich höre ein sir­ren­des Geräusch. Das Geräusch näher­t sich, es kommt über die Trep­pe abwärts her­an. Zunächst ist nichts zu sehen, dann aber eine Dei­ner drei Bril­len, lie­be Mut­ter, die seit dem Vor­abend über zar­te Roto­ren ver­fü­gen, wel­che in der Lage sind, Bril­len­kon­struk­tio­nen durch die Luft zu bewe­gen, durch Räu­me oder den Gar­ten. Dei­ne Bril­le kommt näher, durch­quer­t das Wohn­zim­mer, kreis­t ein­mal um mei­nen Kopf, lan­de­t schließ­lich sanft auf dem Ess­ti­sch in der Nähe des Stuh­les, auf dem Du hof­fent­lich ein­mal wie­der Platz neh­men wirst. Über drei Bril­len ver­fügst Du, lie­be Mut­ter, und jede die­ser Bril­len kann nun flie­gen. Eine Bril­le wird im Dach­ge­schoss sta­tio­nieren, eine wei­te­re Bril­le im Erd­ge­schoss, die drit­te Dei­ner Bril­len, lie­be Mut­ter, zu ebe­ner Erde. Wie sie zu blin­ken begin­nen, Dioden in gel­ber Far­be, Zei­chen, dass sie sich mit­tels unhör­ba­rer Funk­si­gna­le ori­en­tie­ren. Das Suchen hat nun ein Ende, alles wird gut, Du darfst erwa­chen. – stop
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im aufzug

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sier­ra : 22.01 UTC — Stel­len Sie sich vor, ich war in einem Auf­zug gewe­sen, der nicht wei­ter­fuhr, weder nach oben noch nach unten, kei­ner­lei Bewe­gung, eine eigent­lich harm­lo­se Geschich­te, aber ich war nicht allein in dem Auf­zug, wir waren zu fünft, zum Glück nur zu fünft, nicht etwa zu siebt oder zu acht, dann wäre wirk­lich Ernst gewor­den. Da waren also ich und vier wei­te­re Per­so­nen, die ich noch nie zuvor gese­hen hat­te, Per­so­nen von der Art, von wel­chen man sagen könn­te, dass sie nicht gera­de freund­li­che Men­schen sind. Ich wür­de sogar sagen, sie waren in ihrem Auf­tre­ten unhöf­li­che Wesen, ich kann das beur­tei­len, ich war der ers­te in dem Auf­zug gewe­sen, alle wei­te­ren vier Per­so­nen kamen etwas spä­ter hin­zu, tra­ten in die Auf­zug­ka­bi­ne her­ein, ohne zu grü­ßen. Den ers­ten Herrn grüß­te ich noch, aber bei dem zwei­ten Herrn war ich schon vor­sich­tig gewe­sen, ich grüß­te ihn nicht, viel­leicht wird der vier­te Besu­cher des Auf­zu­ges dem­zu­fol­ge gedacht haben, was sind das nur für unfreund­li­che Men­schen an die­sem Ort, weil wir drei, die vor ihm im Auf­zug gewe­sen waren, uns bereits ärger­ten, des­halb ent­spre­chen­de Gesich­ter zeig­ten. Wir hat­ten kein Glück, so könn­te man das viel­leicht sagen, auch die Besu­cher vier und fünf waren kei­ne Froh­na­tu­ren, sie tra­ten her­ein, beob­ach­te­ten, was da für Men­schen sich im Auf­zug befan­den, und sag­ten sich ver­mut­lich, wir wer­den schwei­gen, weil alle schwei­gen. Dann blieb der Auf­zug also ste­hen, ohne dass sich eine Tür geöff­net haben wür­de, das Licht ging aus, auch die Anzei­gen der Stock­wer­ke, wir stan­den im Dun­keln. Unver­züg­lich hol­ten wir unse­re Dienst­te­le­fo­ne aus den Taschen, es wur­de Licht, fünf Gesich­ter, die beleuch­tet waren, ängst­li­che Gesich­ter, weil wir ahn­ten, dass wir uns nicht moch­ten, dass wir unfreund­li­che Men­schen waren, die ver­mu­te­ten, dass sofort oder in Kür­ze etwas Schreck­li­ches gesche­hen könn­te. — stop

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im aquarium

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india : 20.01 UTC — Ein­mal beob­ach­te­te ich in der Unter­was­ser­ab­tei­lung eines zoo­lo­gi­schen Gar­tens Medu­sen und Hai­fi­sche, auch Bunt­bar­sche und See­ster­ne. Es war dort bei­na­he dun­kel gewe­sen, Besu­cher flüs­ter­ten, wohl weil man im Schat­ten­licht lei­se spricht. Als ich mich gera­de umdre­hen woll­te, um nach einem Aus­gang zu suchen, ent­deck­te ich einen klei­ne­ren Behäl­ter, der auf einem Sockel inmit­ten des Saa­les ruh­te. Da schweb­te ein Wesen in dem Behäl­ter, das ich noch nie zuvor gese­hen hat­te. Ich dach­te, tat­säch­lich exis­tie­ren Unter­was­se­r­en­gel, Per­sön­lich­kei­ten, die sich ein Maler aus­ge­dacht haben könn­te. Eini­ge Minu­ten lang war­te­te ich dar­auf, doch end­lich wach zu wer­den, indes­sen der Unter­was­se­r­en­gel mich sei­ner­seits zu beob­ach­ten schien. Kurz dar­auf näher­te sich ein Mit­ar­bei­ter des Aqua­ri­ums, er strich mit einem Fin­ger über die Schei­be hin, der Fisch folg­te dem Fin­ger, als ob er mit ihm befreun­det sei. Ich sag­te, das ist ein selt­sa­mer Fisch, eine Art Unter­was­se­r­en­gel. Nein, ant­wor­te­te der Mit­ar­bei­ter, das ist ein Fet­zen­fisch. Das kann nicht sein, erwi­der­te ich, eine selt­sa­me Bezeich­nung für ein so wun­der­vol­les Wesen. Eine Wei­le dis­ku­tier­ten wir über das Recht oder Unrecht, Namen an Tie­re oder Pflan­zen zu ver­ge­ben. In die­ser Zeit beob­ach­te­te uns der Fisch auf­merk­sam. Plötz­lich dreh­te er sich um und ver­schwand in einer Höh­le, so als habe er die Ent­schei­dung getrof­fen, genau in die­sem Moment sei­nen Arbeits­tag als Fet­zen­fisch zu been­den. — stop

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nasa

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kili­man­dscha­ro : 20.52 UTC — Ob viel­leicht Mond­brie­fe exis­tie­ren, Brie­fe, gestem­pelt, beschrif­tet, mit einer Brief­mar­ke ver­se­hen, die bereits tat­säch­lich ein­mal zum Mond hin und vom Mond her wie­der zurück­ge­flo­gen sind? — stop
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ein koffer

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del­ta : 16.12 UTC — Ich weiß nicht, wohin die Vögel schla­fen gehen, stellt Hil­de Domin ein­mal fest. Sie erzählt, wie sie ihrem gelieb­ten Mann begeg­ne­te, dass sie wun­der­ba­re Gesprä­che führ­ten, dass sie sicher ein Jahr brauch­ten, um sich zum ers­ten Mal zu küs­sen. Wir waren sehr förm­lich. In der 45. Minu­te des wun­der­vol­len Films Ich will Dich — Begeg­nun­gen mit Hil­de Domin von Anna Dit­ges will die jun­ge Fil­me­ma­che­rin wis­sen, ob Hil­de Domin’s Ehe­mann ein guter Lieb­ha­ber gewe­sen sei. Hil­de Domin ant­wor­tet mit tro­cke­ner Stim­me: Ich hat­te kei­nen ande­ren. Ich kann das nicht beur­tei­len. Ich find, ja. Sie macht eine län­ge­re Pau­se. Dann fährt sie fort: Ich habe auch vor ihm nie­man­den geküsst. Das war damals nicht üblich, dass man so zurück­hal­tend war wie ich. Mei­ne Freun­din­nen waren alle anders. Anna Dit­ges: Er war der ein­zi­ge Mann, den Du je gekannt hast? Hil­de Domin ant­wor­tet: Ja! Anna Dit­ges: Wür­dest Du sagen, dass Erwin heu­te immer noch Dei­ne gro­ße Lie­be ist? — Hil­de Domin: Jeden­falls habe ich kei­ne ande­re. Weißt Du, der leben­di­ge Mensch ist der leben­di­ge Mensch. Und der Mensch, der nur noch in mei­ner Vor­stel­lung ist, das ist nicht das­sel­be. — In die­sem Augen­blick erin­ne­re ich mich an eine Foto­grafie, die mich neben mei­nem ster­benden Vater zeigt. Ich sit­ze auf einem Stuhl, mein Vater liegt in einem Bett. Es ist ein Bild, das ich zunächst kaum anzu­sehen wag­te. Ich habe tatsäch­lich eine Hand vor Augen gehal­ten und zwi­schen mei­nen Fin­gern her­vor gespäht. Spä­ter wur­de mir warm, wenn ich das Bild betrach­te­te. Die Foto­grafie zeigt einen fried­li­chen Moment mei­nes Lebens. Etwas geschieht, wovor ich mich lan­ge Zeit fürch­te­te. Wei­nen und Lachen fal­ten sich, wie Hän­de sich fal­ten. Mut­ter irr­te wochen­lang zwi­schen Haus und Fried­hof hin und her, als wür­de sie unsicht­bare Ware in gleich­falls unsicht­baren Kof­fern tra­gen. Sie geht noch immer, Jah­re sind ver­gan­gen, so umher. – stop

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von kakteen

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ulys­ses : 19.35 UTC — Ein­mal woll­te ich einen Text notie­ren, der mög­lichst noch nie zuvor auf­ge­schrie­ben wur­de. Ich woll­te die­sen Text in das Maga­zin einer Ser­ver­ma­schi­ne trans­fe­rie­ren, ver­se­hen mit einer all­ge­mei­nen Anwei­sung für Such­ma­schi­nen, die­sen Text nicht zu beach­ten. Ich plan­te dem­zu­fol­ge mit­tels einer Ver­lo­ckung (Text­kö­der) sowie einer Anwei­sung für ent­spre­chen­de Ver­zeich­nis­se (.htac­cess noin­dex) zu erpro­ben, ob Such­ma­schi­nen mei­nen Wunsch wahr­neh­men und akzep­tie­ren, oder ob sie mei­nen Wunsch wahr­neh­men und sich ihm wider­set­zen wer­den. Ich notier­te: marim­ba : 8.02 – Palmen­garten. stop. Wüsten­haus. stop. Das fei­ne Geräusch der Kak­teen, sobald ich ihr Stachel­horn mit einem Pin­sel, einem Mika­do­st­äb­chen, einem Fin­ger berüh­re. Hell. stop. Federnd. stop. Propel­lernd. stop. Klän­ge, für die in mei­nem suchen­den Wort­gehör noch kei­ne eige­ne Zeichen­folge zu fin­den ist. stop. stop. Die Stil­le beim Durch­blät­tern eines feuch­ten Buches in der Mangro­ven­ab­tei­lung. stop. stop. Zwei­ter Ver­such. — Ich könn­te vom heu­ti­gen Tage an Such­ma­schi­nen als Lebe­we­sen betrach­ten, die über Wil­le, Lust und Lau­ne gebie­ten. — stop

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