Aus der Wörtersammlung: stunde

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im zug

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nord­pol : 0.02 — Oder aber ich hebe mei­nen Blick vom Bild­schirm mei­ner Schreib­ma­schi­ne. Ich beob­ach­te wie­der­um in einem Nacht­zug rei­send einen Film, der vom Über­le­ben in der Stadt Alep­po erzählt. Plötz­lich glau­be ich zu erken­nen, wie ein Mann im Zug mit einer Pis­to­le um sich schießt. Men­schen flüch­ten und fal­len um. Ich wer­de in die Schul­ter getrof­fen, und ich den­ke noch, ich soll­te wütend wer­den, es wäre gut, wenn man ein Löwe zu wer­den wünscht, wütend zu sein. Ein­mal ste­he ich auf, im Zug herrscht noch Frie­den. Ein älte­rer Mann wirft in die­sem Moment mit Wucht einen Blick auf mich: Bist Du gefähr­lich? Es ist kein ange­neh­mer Blick, es ist ein kal­ter Blick, den man nicht befra­gen kann, weil man weiß, dass man kei­ne kor­rek­te Ant­wort erhal­ten wür­de. Auch so her­um ist das also mög­lich. Selt­sa­me Gedan­ken. — stop
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eine geschichte von büchern

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nord­pol : 4.02 — B. erzähl­te ges­tern, war­um sie ihren Lieb­ha­ber M. nun wirk­lich zum letz­ten Mal aus ihrer Woh­nung gewor­fen habe. Sie sei, sag­te sie, ihrem jun­gen Freund noch immer sehr ver­bun­den, aber es sei eben auch so, dass sie gelernt habe, nie­mals vor­her­sa­gen zu kön­nen, was M. Ver­rück­tes in der nächs­ten oder über­nächs­ten Stun­de unter­neh­men wür­de. Ein­mal habe er sich auf eine Stra­ße gelegt, um Kin­dern, die ihn beob­ach­te­ten, vor­zu­füh­ren, was gesche­hen wür­de, wenn sie bei Rot über die Stra­ße gin­gen. Er sei dann bald selbst über­fah­ren wor­den, nur weil die Kin­der win­kend auf der Stra­ße einem sich nähern­den Bus ent­ge­gen­ge­lau­fen sei­en, war er ver­mut­lich am Leben geblie­ben. Wie­der­holt, sie­ben oder acht Male, sei er außer­dem in das Klas­sen­zim­mer, in dem B. gera­de unter­rich­te­te, ein­ge­drun­gen, um ihr, mit Rosen bewaff­net, je einen Hei­rats­an­trag zu eröff­nen. Ein­mal, das wer­de sie nie­mals ver­ges­sen, sei M. wäh­rend einer Film­vor­füh­rung im Metro­po­lis-Kino auf­ge­sprun­gen und habe dar­um gebe­ten, den Film sofort anzu­hal­ten, zurück­zu­spu­len und lang­sam wie­der vor­wärts­lau­fen zu las­sen, da er etwas Beson­de­res beob­ach­tet haben woll­te, er sei sich aber nicht sicher gewe­sen, er müss­te das über­prü­fen. Nun also habe sich M. an ihrer, B.’s, Biblio­thek ver­grif­fen. Zwei­tau­send Bücher, sorg­fäl­tigst sor­tiert, Phi­lo­so­phie, Kunst, Rei­se, Dich­tung, ein Sys­tem, in dem sie sofort jedes gesuch­te Buch noch im Traum fin­den konn­te. Auch wenn er in guter Absicht gehan­delt haben moch­te, an einem Vor­mit­tag, da sie unter­rich­te­te, habe M. ihre Biblio­thek voll­kom­men neu orga­ni­siert, er habe ihre Bücher sowohl der Grö­ße, als auch der Far­be ihrer Buch­rü­cken nach in die Rega­le ein­sor­tiert, noch schlim­mer sei gewe­sen, dass er sich ihre Empö­rung nicht erklä­ren konn­te. Sie habe ihn in die Arme genom­men, und dann habe sie ihn behut­sam auf den Geh­steig vor ihr Haus gestellt. — stop
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von lilli

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tan­go : 1.02 — Es ist denk­bar, dass Lil­li Tam­pe­re eine Aus­nah­me ist. Sie scheint vom frü­hen Mor­gen an bis in den spä­ten Abend hin­ein, auch wäh­rend der Nacht noch, Twit­ter­nach­rich­ten zu notie­ren. 17558 Bot­schaf­ten will sie per­sön­lich in einem Zeit­raum von 15 Mona­ten in sie­ben Spra­chen ver­fasst haben. Ich dach­te selbst­ver­ständ­lich über Zah­len, Tage, Stun­den, Minu­ten, Anschlä­ge nach, ich wun­der­te mich, ich war begeis­tert, sofort habe ich Lil­li Tam­pe­re einen Brief gesen­det. Ich habe geschrie­ben: Lie­ber red_maki, wie hei­ßen Sie wirk­lich! Ich kann nicht glau­ben, dass Sie tat­säch­lich exis­tie­ren in der Art und Wei­se, dass Sie über ein ein­zel­nes, schla­gen­des Herz ver­fü­gen, ver­mut­lich sind Sie, in Betrach­tung der unge­heu­ren Zahl der Text­nach­rich­ten, die Sie bereits gesen­det haben, ent­we­der eine Per­son, die sich aus zahl­rei­chen Per­so­nen oder Her­zen fügt, oder aber Sie sind ein Com­pu­ter! — Red_maki ant­wor­te­te umge­hend: Lie­ber Herr Lou­is, ich bin sehr begabt, ich habe klei­ne, schnel­le Hän­de, ich muss nie­mals schla­fen, ich bin kein Com­pu­ter, ich hei­ße Lil­li Tam­pe­re. Guten Mor­gen! – Ich muss das wei­ter beob­ach­ten. — stop

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herzfach

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romeo : 0.06 — Unlängst erzähl­te ich E. von gekühl­ten Herz­fä­chern, die in einem Insti­tut der Uni­ver­si­tät Oslo ange­legt wor­den sein sol­len. Ich sag­te: Ist das nicht erstaun­lich, seit eini­gen Mona­ten exis­tiert dort in einem Fach ein Herz, das mei­nem Her­zen ähn­lich ist, weil es von mir, weil es nach mei­nen Zell­in­for­ma­tio­nen gewach­sen ist. Weißt Du, soll­te mein eige­nes Herz ein­mal schwach oder sehr krank wer­den, könn­te man die­ses voll­kom­men neue Herz in mei­nen Brust­korb set­zen, wir, das Herz und ich, wären sofort befreun­det. Nun ist das so gekom­men, dass E. sich heim­lich der­art für die­se Mög­lich­keit eines zwei­ten Her­zens begeis­ter­te, dass sie selbst gern über ein zwei­tes Herz ver­fü­gen wür­de. Ich bin jetzt ein wenig in Ver­le­gen­heit. Ich den­ke seit Stun­den über die For­mu­lie­rung einer ein­fühl­sa­men Ant­wort nach. – stop

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julia : letzte position 29°05’22.3“N 12°25’35.9“E

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tan­go : 2.01 — Vor weni­gen Stun­den erreich­te mich die Nach­richt von der Exis­tenz wei­te­rer Foto­gra­fien, die ent­haup­te­te Men­schen zei­gen sol­len. Ein Ver­weis, der zu den Auf­nah­men im Netz füh­re, sei auf Posi­ti­on Twit­ter zu lesen. Ich über­leg­te eine Wei­le, ob ich dem bei­gefüg­ten Link fol­gen soll­te. Ich dach­te, wie nah wir doch immer wie­der Höl­len­an­sich­ten kom­men, die mög­li­cher­wei­se nur des­halb pro­du­ziert wer­den, weil zu ver­mu­ten ist, dass Mil­lio­nen Men­schen welt­weit sie betrach­ten wer­den. Ich notier­te einen Brief­ent­wurf: Mein lie­ber Maxi­mi­li­an, vie­len Dank, dass Du mich wie­der ein­mal auf schreck­li­che Ereig­nis­se, die sich in der liby­schen Wüs­te ereig­net haben, auf­merk­sam machst. Noch ein­mal will ich Dich bit­ten, auf wei­te­re Hin­wei­se die­ser Art zu ver­zich­ten, da ich leb­lo­se Köp­fe nicht wei­ter besich­ti­gen möch­te, sie wir­ken so hilf­los, müde, und ent­setzt von der unge­heu­ren Gewalt, die in der letz­ten Sekun­de ihres Lebens auf sie wirk­te. Ich weiß, Du kannst selbst nicht damit nicht auf­hö­ren, Du zählst mensch­li­che Köp­fe ohne Leib, Du ver­gleichst leb­lo­se Gesich­ter, Du sicherst Bewei­se, ich neh­me an, Du wirst Dich in die­ser Arbeit weni­ger hilf­los füh­len. Wie trau­rig, dass noch immer kei­ne Nach­richt von Julia bei Dir ein­ge­trof­fen ist, kei­ne Spur in der Wüs­te, kein Hin­weis, es ist eine Tra­gö­die. Viel­leicht willst Du mich ein­mal besu­chen! Wir könn­ten spa­zie­ren, Du könn­test mir erzäh­len, ich könn­te Dir zuhö­ren. Im bota­ni­schen Gar­ten wird gera­de der Honig der Wild­bie­nen geern­tet. Herz­li­che Grü­ße sen­det Dir Dein Lou­is – stop
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unordentliches kind

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india : 0.58 — Unor­dent­li­ches Kind: Jeder Stein, den es fin­det, jede gepflück­te Blu­me und jeder gefan­ge­ne Schmet­ter­ling ist ihm von Anfang an schon Samm­lung, und alles, was es über­haupt besitzt, macht ihm eine ein­zi­ge Samm­lung aus. An ihm zeigt die­se Lei­den­schaft ihr wah­res Gesicht, der in den Anti­qua­ren, For­schern, Bücher­nar­ren nur noch getrübt und manisch wei­ter­brennt. Kaum tritt es ins Leben, so ist es Jäger. Es jagt die Geis­ter, deren Spur es in den Din­gen wit­tert. Sei­ne Noma­den­jah­re sind Stun­den im Traum­wald. Dort­her schleppt es die Beu­te heim, um sie zu rei­ni­gen, zu fes­ti­gen, zu ent­zau­bern. Sei­ne Schub­la­den müs­sen Zeug­haus und Zoo, Kri­mi­nal­mu­se­um und Kryp­ta wer­den. Auf­räu­men hie­ße einen Bau ver­nich­ten voll sta­che­li­ger Kas­ta­ni­en, die Mor­gen­ster­ne, Stan­ni­ol­pa­pie­re, die ein Sil­ber­hort, Bau­klöt­ze, die Sär­ge, Kak­teen, die Totem­bäu­me und Kup­fer­pfen­ni­ge, die Schil­der sind. Wal­ter Ben­ja­min. Ein Pfiff. — stop

monroenote

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ai : SÜDAFRIKA

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MENSCHEN IN GEFAHR: „Im März wur­de der süd­afri­ka­ni­sche Land­rechts­ak­ti­vist und Vor­sit­zen­de des Ama­di­ba Cri­sis Com­mit­tee (ACC), Sik­ho­si­phi Rha­de­be, erschos­sen. Kurz vor sei­nem Tod hat­te er erfah­ren, dass sein Name sowie die Namen zwei­er wei­te­rer Sprecher_innen des ACC auf einer “Abschuss­lis­te” ste­hen. Es gibt Zwei­fel an der Gründ­lich­keit der Unter­su­chun­gen der Tötung. Zudem besteht Sor­ge um die Sicher­heit der bei­den ACC-Spre­cher_in­nen sowie wei­te­rer Aktivist_innen, die in Xolo­be­ni gegen ein Berg­bau­pro­jekt kämp­fen. Sik­ho­si­phi “Bazoo­ka” Rha­de­be wur­de am 22. März 2016 von zwei Män­nern erschos­sen, die ihn bei sich zuhau­se in Lur­hol­we­ni in der Pro­vinz Ost­kap auf­such­ten und sich als Poli­zis­ten aus­ga­ben. Sein min­der­jäh­ri­ger Sohn war bei dem Vor­fall anwe­send. Weni­ge Stun­den vor sei­nem Tod hat­te Sik­ho­si­phi Rha­de­be erfah­ren, dass sein Name auf einer “Abschuss­lis­te” stand. Auf die­ser Lis­te befin­den sich zudem die Namen zwei­er wei­te­rer ACC-Mit­glie­der, Mza­mo Dla­mi­ni und Nonhle Mbut­hu­ma. Sik­ho­si­phi Rha­de­be war Lei­ter des ACC, einer Gemein­schafts­in­itia­ti­ve gegen den Abbau von Titan und ande­ren Schwer­me­tal­len in einem Tage­bau auf Gemein­schafts­land in Xolo­be­ni durch ein loka­les Toch­ter­un­ter­neh­men des aus­tra­li­schen Kon­zerns Mine­ral Com­mo­di­ties Limi­t­ed (MRC). Das ACC befürch­tet, dass infol­ge des Berg­bau­pro­jekts Hun­der­te Ange­hö­ri­ge der Gemein­schaft der Umgun­gund­l­o­vu von ihrem ange­stamm­ten Land ver­trie­ben wer­den, und dass durch Umwelt­schä­den wie z. B. Was­ser­ver­schmut­zung ihr Recht auf einen ange­mes­se­nen Lebens­stan­dard (ein­schließ­lich Zugang zu sau­be­rem Trink­was­ser) ver­letzt wird. Das ACC besteht aus etwa 3.000 Mit­glie­dern und kämpft seit zehn Jah­ren für die Rech­te der Anwohner_innen, die im Fall einer Berg­bau­li­zenz für die MRC-Toch­ter­ge­sell­schaft gefähr­det wären. ACC-Mit­glie­der sind wegen ihrer Arbeit bedroht und ange­grif­fen wor­den, unter ande­rem auch von Anwohner_innen, die das Berg­bau­pro­jekt unter­stüt­zen. Die Orga­ni­sa­ti­on hat die­se Angrif­fe bei der Poli­zei ange­zeigt, die jedoch größ­ten­teils untä­tig geblie­ben ist. Nach der Tötung von Sik­ho­si­phi Rha­de­be sind füh­ren­de ACC-Mit­glie­der äußerst besorgt um ihre Sicher­heit. Kurz nach dem Vor­fall über­gab die ört­li­che Poli­zei die Unter­su­chung der Tötung an die Ein­heit zur Unter­su­chung schwe­rer Straf­ta­ten (Direc­to­ra­te for Prio­ri­ty Cri­mes Inves­ti­ga­ti­on — DCPI) des natio­na­len Poli­zei­diens­tes. Doch die Ermitt­lun­gen wei­sen eini­ge Män­gel auf, was Zwei­fel dar­an auf­kom­men lässt, ob die Fami­lie von Sik­ho­si­phi Rha­de­be Gerech­tig­keit erfah­ren wird.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 6. Juli 2016 hin­aus, unter > ai : urgent action

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louis im gebirge

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nord­pol : 0.02 — Wie­der wäh­rend der Nacht lan­ge sit­zen. Nichts tun. Nur atmen. Gegen zwei Uhr Abstieg über eine stei­le Trep­pe aus der Kam­mer unter dem Dach, wo im Win­ter Tau­ben woh­nen. Die Stu­fen der Trep­pe knar­ren bei jedem Schritt, seuf­zen, spre­chen. Auf dem stei­len, gefähr­li­chen Pfad in der Nähe des Abgrunds vor der Hüt­te leich­ter, küh­ler Höhen­wind. In den Bäu­men Geräu­sche, als wür­den die Vögel mur­meln im Schlaf. Es ist aber des­halb, weil es nie wirk­lich dun­kel wird unterm Him­mel vol­ler Ster­ne. Stun­den­lang kann man sich von hier aus über das Nahen des Mor­gens strei­ten. Wie ich zurück­kom­me, Licht weit oben, ein klei­nes Fens­ter, alle wei­te­ren Fens­ter sind ohne Licht. Plötz­lich bin ich wie­der bei mir, tre­te in die Kam­mer, die vor Kur­zem noch ohne mich gewe­sen ist. Mein Heft auf dem Tisch. Drau­ßen, von den Wie­sen her, die Nacht­glo­cken der Kühe, lei­se, lei­se. Ich notie­re: Beob­ach­te­te unlängst eine japa­ni­sche Rei­sen­de, die im Flug­ha­fen­su­per­markt mit ihrem Mobil­te­le­fon 1 hal­be Stun­de lang Scho­ko­la­den­en­gel film­te. — stop

louisimgebirge2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

lou­is im
gebirge
22. mai
2016

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ein reisekoffer

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gink­go : 3.55 — Das Geräusch der trop­fen­den Bäu­me vor dem ewi­gen Brau­sen der Stadt. Eine Nacht voll Wintergewit­ter, glim­mende Vögel irren am Him­mel, Nacht­vö­gel ohne Füße, Vogel­we­sen, die nie­mals lan­den. Als ich vor eini­gen Tagen nach Esme­ral­da such­te, brauch­te ich eine Wei­le, um die klei­ne Schne­cke mit ihrem Gehäu­se auf dem Rücken fin­den zu kön­nen. Sie saß schla­fend auf einer Fens­ter­schei­be. Es war nicht schwer, sie vom Glas zu lösen und auf den Rücken mei­ner rech­ten Hand abzu­set­zen. Esme­ral­da beob­ach­te­te mich von dort aus mit einem Auge, das sie weit aus ihrem Kopf gestreckt hat­te, wäh­rend das ande­re Auge unsicht­bar blieb, viel­leicht weil es wei­ter schlief, weil ein ein­zel­nes Auge genüg­te, um mich zu betrach­ten oder in Schach zu hal­ten. Indem ich mich mit einem Ohr Esme­ral­das Schne­cken­ge­häu­se näher­te, war da wie­der der Ein­druck, ein lei­ses Sum­men zu ver­neh­men, das von einem hel­len Ticken beglei­tet war, als wäre im Häus­chen eine Uhr ein­ge­sperrt. Aber der eigent­li­che Grund, wes­halb ich nach Esme­ral­da such­te, war nicht der Wunsch gewe­sen, an Esme­ral­das Häus­chen zu lau­schen, viel­mehr woll­te ich Esme­ral­da ihren Sche­cken­rei­se­kof­fer zei­gen, eine Schach­tel von 10 cm Län­ge, 5 cm, Höhe, 5 cm Brei­te. Die Schach­tel war per­fo­riert, feins­te Löcher, sodass Luft in sie ein­drin­gen konn­te, außer­dem mit einem feuch­ten Tuch aus­ge­klei­det. Vor­sich­tig hob ich Esme­ral­da an und set­ze sie in der Schach­tel ab, dann schloss ich den Deckel und sag­te zu Esme­ral­da hin: In einer Stun­de hole ich Dich wie­der her­aus. Die­se Geschich­te ereig­ne­te sich vor zwei Wochen. Noch immer leich­ter Regen. — stop

nach­rich­ten von esmeralda »
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