Aus der Wörtersammlung: tief

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karawane

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del­ta : 0.02 — Auf dem Broad­way wan­der­te eine Kara­wa­ne mensch­li­cher Trä­ger süd­wärts. Ich folg­te die­ser merk­wür­di­gen Erschei­nung von der 30. bis zur 8. Stra­ße an einem win­di­gen Tag. Die Son­ne leuch­te­te tief vom Hud­son her, Staub war in der Luft, die Män­ner, die sich sehr lang­sam beweg­ten, hus­te­ten und nies­ten. Sie waren alle sehr ordent­lich geklei­det, Anzü­ge von dun­kel­grau­er Far­be und Kra­wat­ten in unter­schied­li­cher Mus­te­rung. Außer­dem tru­gen sie fin­ger­brei­te Schil­der über ihren Her­zen von japa­ni­schen Schrift­zei­chen besetzt. Ich erin­ne­re mich, dass ich mich wun­der­te, weil die Män­ner nicht mit­ein­an­der spra­chen. Sie bil­de­ten eine lini­en­för­mi­ge Ein­heit, einer der Trä­ger führ­te die­se Linie an, er war sozu­sa­gen ihr Kopf. Sobald die­ser Mann nun eine Kreu­zung erreich­te, blieb er ste­hen und war­te­te, bis die Ampel der Kreu­zung zunächst rot wur­de und dann wie­der grün. Ein Mann stand jetzt exakt hin­ter dem ande­ren, in dem sie sehr geschickt ihren Bal­last auf ihren Köp­fen balan­cier­ten, jeder Trä­ger einen Kar­ton. Indes­sen schien die Kara­wa­ne der grau­en Män­ner jenen Men­schen, die mit oder gegen ihre Lauf­rich­tung über die Stra­ßen eil­ten, nicht beson­ders auf­zu­fal­len. Für einen Moment hat­te ich die Idee, sie wären viel­leicht unsicht­bar, genau­er, sie wären nur für mich sicht­bar gewe­sen, rei­ner Unsinn natür­lich, weil der Raum, den die Kara­wa­ne auf Geh­we­gen und Stra­ße ein­ge­nom­men hat­te, respek­tiert wur­de. Etwa drei Kilo­me­ter lie­fen sie so ruck­wei­se süd­wärts dahin, um dann in der 8. Stra­ße in einem Back­stein­haus zu ver­schwin­den. Ende der Geschich­te einer Beob­ach­tung. Es ist Mon­tag. In den Kas­ta­ni­en vor dem Fens­ter das Sum­men der Nacht­bie­nen. – stop
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handohren

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sier­ra

~ : oe som
to : louis
sub­ject : HANDOHREN
date : may 27 12 3.05 a.m.

Lie­ber Lou­is, Mit­ter­nacht ist längst vor­über. Ich bin ruhig, aber ich kann nicht schla­fen. Seit Tagen geht das so mit mir, dass ich die Augen schlie­ße und doch wach lie­ge, zumin­dest nicht wirk­lich auf die ande­re Sei­te gelan­ge. Ich spü­re wie sich das Schiff auf und ab bewegt, manch­mal erhe­be ich mich und gehe spa­zie­ren an Deck, oder ich besu­che Lin, die sich für den Monat Mai in Nacht­schicht befin­det. Seit drei Tra­gen sitzt sie in der Werk­statt an der Über­tra­gung des Romans Mol­loy von Samu­el Beckett. Ich darf ihr zuse­hen, wie sie Zei­chen für Zei­chen aus dem papie­re­nen Buch kopiert, eine geschmei­di­ge Bewe­gung, sie schreibt, ohne ihren Blick auf den Stift zu rich­ten. Jedes Wort, das sie in Angriff nimmt, wird zunächst in den Raum geflüs­tert: Wach­tel­kö­nig. Als ob sie eine Anwei­sung geben wür­de, als ob ihre schrei­ben­de Hand über gehei­me Ohren ver­füg­te. Ich wünsch­te mir, ich könn­te ihre Hän­de ein­mal ein­ge­hend unter­su­chen, einen Bericht schrei­ben über die Ent­de­ckung der Hand­oh­ren kurz nach Mit­ter­nacht auf einem Schiff vor Neu­fund­land. Eigent­lich, lie­ber Lou­is, woll­te ich Dir von mei­nem ers­ten Besuch bei Noe in der Tie­fe berich­ten, was ich dort gese­hen habe, sei­ne Augen wie sie mei­ne Augen betrach­te­ten durch das Pan­zer­glas. Ich den­ke, ich bin noch nicht so weit. Ich wer­de Dir aus­führ­lich notie­ren, sobald ich ein­mal eine Nacht durch­ge­schla­fen habe. Es ist mög­lich, dass ich das Tau­chen nicht ver­tra­ge oder Noe’s hel­len Blick viel­leicht, der mich ver­folgt, ich gebe das zu, Noe’s Blick ver­folgt mich. Manch­mal den­ke ich, dass nicht rich­tig ist, was wir tun. Gute Nacht! Ahoi! Dein OE SOM

gesen­det am
27.05.2012
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oe som to louis »

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tahiti

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oli­mam­bo : 5.08 — In der ver­gan­ge­nen Nacht habe ich das Ruf­re­gis­ter mei­nes Tele­fons bear­bei­tet. Zwei Num­mern oder Per­so­nen wur­den gelöscht. Das war kurz vor 1 Uhr gewe­sen. Ich hat­te mir eine See­bar­be gebra­ten, und wäh­rend ich nun einer­seits den Fisch beob­ach­te­te, wie er in der Pfan­ne dampf­te, betas­te­te ich ander­seits das Tele­fon mit bei­den Hän­den. Der Appa­rat pieps­te, indem ich die Num­mern lösch­te und ich hat­te im Moment des Löschens das Gefühl, leich­ter gewor­den zu sein. Dann leg­te ich das Tele­fon auf einen Tisch und betrach­te­te es. Ich erin­ne­re mich, dass ich dar­an dach­te, mit genau die­sem Tele­fon, hin und wie­der mei­nen Vater ange­ru­fen zu haben. Und ich dach­te noch dazu, dass das nun nicht mehr mög­lich sein wird. Wenn ich frü­her ein­mal vor­hat­te, mei­nen Vater anzu­ru­fen, öff­ne­te ich das Menü der Anruf­lis­te und navi­gier­te, bis ich den Ein­trag ELTERN erreich­te. Bis­wei­len war mein Vater sofort am Tele­fon, meis­tens aber war mei­ne Mut­ter schnel­ler gewe­sen. Ich sag­te, Hal­lo, hier ist Lou­is, wie geht es Euch? Oh, ja, bei uns reg­net es auch. Nein, ich konn­te tief schla­fen, trotz der Hit­ze. Ich hat­te die Fens­ter geöff­net, wäh­rend ich arbei­te­te, die Luft riecht heu­te wie­der so gut nach Stei­nen. Ein paar nas­se Fal­ter sit­zen auf der Fens­ter­bank und zit­tern um die Wet­te. In der ver­gan­ge­nen Nacht reg­ne­te es nicht, aber die Fens­ter waren wie­der geöff­net und die Fal­ter segel­ten durch die Luft. Ich könn­te viel­leicht noch etwas Ver­rück­tes unter­neh­men, ich könn­te ein wenig in Georg Fors­ter Rei­se nach Tahi­ti und in die Süd­see lesen. Das machen wir jetzt. 5 Uhr und zwei Minu­ten. Mitt­woch. – stop
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rosen

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echo : 5.26 — Ich erin­ne­re mich an einen Mann, den ich im Febru­ar in Man­hat­tan beob­ach­tet hat­te, wie er durch Sub­way Sta­tio­nen wan­der­te. Er sah ein wenig aus wie Art Gar­fun­kel in jün­ge­ren Jah­ren, trug einen hel­len Anzug, um den Hals war ein roter Schal gewi­ckelt, außer­dem hielt er einen Strauß unsicht­ba­rer Rosen im Arm. Die­se nicht sicht­ba­ren, aber sehr wohl exis­tie­ren­den Rosen nun, ver­schenk­te er an Frau­en, die auf Züge war­te­ten. Wenn er sich einer Frau genä­hert hat­te, mach­te er eine leich­te Ver­beu­gung und ent­nahm kurz dar­auf mit der rech­ten Hand aus der Rosen­wie­ge sei­nes lin­ken Armes eine Blu­me. Er hielt sie mit drei Fin­gern vor­sich­tig fest, um sie in einer wei­te­ren, tie­fe­ren Ver­beu­gung zu über­rei­chen. Dann setz­te er sei­nen Weg fort, ohne ein Wort gespro­chen zu haben. Manch­mal ver­zog er sein Gesicht, ver­mut­lich weil er sich an einer der Rosen­dor­nen gesto­chen hat­te, aber bald lach­te er wie­der und mach­te eine fröh­li­che Mie­ne. Für einen Beob­ach­ter wie mich war das eine auf­re­gen­de Geschich­te. Des­halb folg­te ich dem Mann an einem sehr kal­ten Vor­mit­tag in einen Zug, der in süd­li­cher Rich­tung fuhr. Als der Rosen­ka­va­lier näm­lich das Ende des Bahn­stei­ges erreicht hat­te, stieg er in den nächst­bes­ten Wag­gon, setz­te sich dort auf eine Bank und war­te­te dar­auf, an der nächs­ten Sta­ti­on wie­der aus­stei­gen zu kön­nen. Fried­lich saß er unter den Fahr­gäs­ten, zupf­te immer wie­der ein­mal an sei­nen Rosen her­um, ord­ne­te die Wick­lung sei­nes Scha­les, dann stieg er aus und mach­te sich wie­der­um auf den Weg über den Bahn­steig, um dort ver­sam­mel­te Frau­en zu begrü­ßen, und zwar jede Frau ohne Aus­nah­me, sofern sie nicht vor ihm flüch­te­ten oder vor­ga­ben, blind zu sein. Man­che der Frau­en lach­ten und bedank­ten sich, vie­le schie­nen den Mann zu ken­nen. Eine fei­ne, berüh­ren­de Erfah­rung, ins­be­son­de­re des­halb, weil ich dem Mann nahe kom­men konn­te, ohne dass er je auf mich reagiert hät­te. — Exis­tie­ren even­tu­ell unsicht­ba­re Vasen in Queens, Brook­lyn, Har­lem, der Bronx? — stop

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tiefsee : 38. etage

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hima­la­ya : 0.08 — Hef­ti­ge Gewit­ter. Regen­ge­räu­sche auf dem Dach. Gehe auf und ab und lese oder sit­ze im Ses­sel, der sich nord­wärts zu bewe­gen scheint. Auf mei­nem Sekre­tär, weni­ge Meter ent­fernt, leuch­tet der Bild­schirm eines hand­li­chen Com­pu­ters. Hun­dert­tau­sen­de Wör­ter und ihre Über­set­zun­gen befin­den sich im klei­nen Kas­ten. Run­ning lus­ter. Gegen drei Uhr die Lek­tü­re Pete L. Munki’s Roman Nau­ti­lus wie­der auf­ge­nom­men. Eine sich äußerst lang­sam vor­wärts erzäh­len­de Bewe­gung. Die Geschich­te eines Man­nes, der einen Kof­fer in den 38. Stock eines Wohn­hau­ses wuch­tet. Alle Auf­zü­ge des Hau­ses sind seit Tagen aus­ge­fal­len. Es ist Sams­tag. Hoch­som­mer. Lex­ing­ton Ave­nue Ecke 58. Stra­ße. Im Kof­fer des Man­nes ein Glas­be­häl­ter, in wel­chem zwei leben­de Tief­see­fi­sche sit­zen. Fol­ge eine Stun­de lang dem Gespräch des Kof­fer­trä­gers mit sich selbst. Ein lei­ses Buch, ein Buch wie geflüs­tert. — stop

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von den glücksgeräuschen der froschvögel

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ulys­ses : 4.18 — Frü­her Mor­gen. Wind­stil­le. Licht noch schwach. Die Luft ist kühl gewor­den über die Nacht. Vor dem Teich im Gar­ten die Spu­ren mei­ner Füße im Gras. Am Ufer des klei­nen Sees ruht ein Molch, äußerst lang­sam geht sein Herz­schlag, da muss doch ein Geräusch zu hören sein. Ich erin­ne­re mich, ges­tern wur­de die Ent­de­ckung eines neu­en Teil­chens im Atom bekannt gege­ben. Das Teil­chen trägt den Namen: Xi_b^0. Hät­te ich von sei­ner Ent­de­ckung nicht gele­sen, wäre ich in der Beob­ach­tung mei­ner Hand, die auf mei­nem Knie ruht, nicht so auf­merk­sam wie an die­sem frü­hen Mor­gen. Ich fra­ge mich, wie vie­le Teil­chen der Bezeich­nung Xi_b^0 sich in mei­ner halb­schla­fen­den Hand wohl befin­den mögen, wie alt sie sind und woher sie viel­leicht gekom­men waren. Es ist still am Mor­gen heu­te. Die Amseln schla­fen noch. Ein Was­ser­läu­fer über­quert den Teich. In die­sem Moment bemer­ke ich ein bal­lon­ar­ti­ges Wesen, das hoch über mir am Him­mel schwebt. Es nähert sich lang­sam, in dem es tie­fer kommt. Das Wesen ist hell, es ist weiß, es ver­fügt über Flü­gel, die sich sehr schnell bewe­gen, Füh­ler­au­gen, wie die Augen der Lun­gen­schne­cken, es ist ein Vogel. Der Vogel scheint den See unter ihm auf­merk­sam zu betrach­ten. Jetzt öff­net sich sein Bauch an erd­na­her Stel­le, ein Mund spitzt sei­ne fahl­ro­sa Lip­pen, Beu­tel fal­len her­aus aus die­sem Mund, sie schla­gen hohe Wel­len im Teich. Der Molch ver­schwin­det im Gras, Was­ser­läu­fer, die bewe­gungs­los an See­ro­sen­blatt­spit­zen däm­mer­ten, flit­zen auf und davon. Jene Beu­tel­chen, das kann ich von mei­ner Posi­ti­on aus gut erken­nen, die aus dem Vogel her­aus­ge­fal­len sind, haben sich geöff­net, Kaul­quap­pen, tau­sen­de, schwär­men nach allen Rich­tun­gen aus. Noch immer schwebt der Vogel über mir über dem See über der Wie­se. Ein fas­zi­nie­ren­des Geräusch ist von sei­nem Kör­per her zu ver­neh­men, ein Hupen, das Trom­pe­ten­ge­räusch eines Zwerg­ele­fan­ten. Es ist nun denk­bar, dass ich als ers­ter Mensch die Glücks­ge­räu­sche der Frosch­vö­gel wahr­ge­nom­men habe. — stop

für mei­ne Mutter,
für mei­nen Vater

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subnautilus aquarius

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hima­la­ya : 0.05 — Nach viel­stün­di­ger, kon­zen­trier­ter Arbeit ist die Erfin­dung einer wei­te­ren Gat­tung schau­keln­der Perl­boo­te end­lich denk­bar gewor­den. Sub­nau­ti­lus aqua­ri­us, Geschöpf rei­nen Wun­sches. Wesent­li­che Merk­ma­le kurz notiert: Perl­boo­te der Gat­tung Sub­nau­ti­lus aqua­ri­us leben aus­schließ­lich in Süß­was­ser­um­ge­bung, vor­nehm­lich in fla­chen Gewäs­sern, das heißt, in Gewäs­sern bis fünf Meter Tie­fe. Tem­pe­ra­tu­ren jen­seits 30° Cel­si­us (doch unter 40° Cel­si­us) sind Vor­aus­set­zung, um höhe­res Alter errei­chen zu kön­nen. Grö­ße in Rei­fe: 150 mm. Gas­steue­rung sowohl auf als auch abwärts. Äuße­re Hül­le: Ara­go­nit. Inne­re Hül­le: Perl­mutt. Fang­ar­me: 120. Perl­boo­te der Gat­tung Sub­nau­ti­lus aqua­ri­us gebie­ten wei­ter­hin über die Fähig­keit, Licht zu erzeu­gen in viel­fäl­ti­gen Far­ben. Algen (5 bis 8 Gramm pro Tag), aber auch Schup­pen mensch­li­cher Haut, wer­den bevor­zugt aus dem Was­ser genom­men. Man kann hören. — stop

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luftzungen

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nord­pol

~ : louis
to : dai­sy und vio­let hilton
sub­ject : LUFTZUNGEN

Lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let! Was für ein stür­mi­scher Mor­gen hier bei uns in Mit­tel­eu­ro­pa. Wet­ter, wie ich es mir wün­sche in die­sen Tagen. Eis­kör­ner pfei­fen durch die Luft, Wol­ken­däm­me­rung. Ich ver­mu­te, Ihr wer­det bemerkt haben, mein Vater ist gestor­ben. Drei Stun­den war ich noch an sei­nem Bett gewe­sen, habe von Bil­dern eines nahen Sees berich­tet, den ich vom Zim­mer des Hos­pi­tals aus sehen konn­te. Ein Schau­fel­rad­damp­fer fuhr hin und her, der Wind schrieb mit Luft­zun­gen schim­mern­de Spu­ren ins Was­ser, Möwen segel­ten über den Ufer­bäu­men. Wie mein Vater gestor­ben ist, war es noch hell, die Son­ne nicht unter­ge­gan­gen, weiß der Him­mel, ob er sie zu erken­nen ver­moch­te, sein Blick war ein Blick, wie ich mein­te, der schon nach innen sich rich­te­te. Wenn ich Euch sage, es ist nicht wirk­lich begreif­bar, nicht wirk­lich fühl­bar, dass ein gelieb­ter Mensch nie wie­der neben uns am Tisch sit­zen wird, wer­det Ihr viel­leicht ver­ste­hen, wovon ich spre­che. Die­ses Nie­wie­der macht einen Ein­druck von Unwirk­lich­keit, von Unwirk­sam­keit, als wür­de man ver­su­chen, eine Trom­pe­te vom Schall­be­cher her zu bespie­len. Und doch, nach und nach wer­de ich ruhi­ger, ich schla­fe tief, träu­me selt­sa­me Geschich­ten. Ja, so ist das, lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let. Was machen die Sim­mons? Ist alles o. k.? Ahoi – Euer Lou­is — stop

gesen­det am
22.04.2012
7.05 MEZ
1212 zeichen

lou­is to dai­sy and violet »

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indianer

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del­ta

~ : oe som
to : louis
sub­ject : INDIANER
date : mar 30 12 9.28 a.m.

Ges­tern Abend, stür­mi­sche See, war Mil­ler mit einer Schach­tel Foto­gra­fien Noe’s vom Fest­land zurück­ge­kehrt. Es dun­kel­te bereits, als er mit dem Segel­schiff Esther Val­dez zufrie­den ein­traf. Wir saßen dann die hal­be Nacht an einem Tisch, um eine ers­te Foto­gra­fie unter drei Dut­zend wei­te­rer Foto­gra­fien Noe’s aus­zu­wäh­len. Noe als Säug­ling auf einem Wickel­tisch lie­gend. Noe in einer Bade­wan­ne mit einem Hüt­chen auf dem Kopf. Er war damals vier oder fünf Jah­re alt gewe­sen und lach­te in die Kame­ra. Noe zur Kar­ne­vals­zeit, ein India­ner. Noe wie er ein klei­nes Mäd­chen küsst, das grö­ßer ist als er selbst. Ein Pass­bild in Far­be. Noe ist bereits weit über 20 Jah­re alt gewe­sen, mit die­sem Bild wol­len wir begin­nen, und so haben wir Noes Foto­gra­fie in Glas gepan­zert. Mil­ler mach­te sich dann nach etwas Schlaf höchst­per­sön­lich auf den Weg abwärts. Er ist in die­sem Moment auf Tie­fe 250 Fuß ange­kom­men, noch zwei Stun­den und er wird Noe errei­chen. Mil­ler mel­det, er kön­ne Noe bereits erken­nen, einen leuch­ten­den Punkt, sagt Mil­ler, einen gleich­mä­ßig blin­ken­den Punkt. Noe selbst scheint zufrie­den zu sein. Er ist wach, wir hören sei­nen Atem. Noch vor weni­gen Minu­ten ver­such­te er sei­nen Blick nach oben zu rich­ten, aber sei­ne Kräf­te sind zu gering, um sei­nen schwe­ren Anzug bewe­gen zu kön­nen. Er sei nicht mehr der Jüngs­te, sag­te Noe. Er seh­ne sich nach einer Uhr, setz­te er hin­zu. — Das Meer ist heu­te ruhig. Ein sanft blau­er Him­mel über uns. Nichts an die­ser Stel­le deu­tet dar­auf­hin, welch dra­ma­ti­sche Geschich­te sich unter uns in aller Stil­le ereig­net. Ob Noe sich wie­der erken­nen wird? — Ahoi, lie­ber Lou­is. Dein OE SOM

gesen­det am
30.03.2012
1632 zeichen

oe som to louis »

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peru

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sier­ra : 0.02 — Ein Tele­fon klin­gelt und hört sofort wie­der auf. Aus einem Buch fällt eine Kino­kar­te, sie ist 21 Jah­re alt, Down by Law. Ein perua­ni­scher Zwerg­kak­tus auf mei­nem süd­öst­li­chen Fens­ter­brett beginnt zu blü­hen. Das Knis­tern in der Tie­fe mei­nes Armes. Und ein Fal­ter, still, das Dioden­licht sei­ner Augen. Eine Wie­se von Leber­blüm­chen. Wie klei­ne Din­ge in die­sen Tagen beru­hi­gen. – stop



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