Aus der Wörtersammlung: wasser

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ein alter mann

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romeo : 0.32 — Ich erin­ne­re mich, vor einem Jahr, an einem Som­mer­abend, saß mein Vater auf einem Stuhl in sei­nem Gar­ten. Vor ihm stand ein klei­ner Tisch und auf die­sem Tisch eine Fla­sche Was­ser mit einem Dreh­ver­schluss. Ich glaub­te, dass mein Vater mich nicht bemerk­te. Er schien mit der Fla­sche zu spre­chen. Er beug­te sich vor, hielt die Fla­sche mit der einen Hand fest, wäh­rend er mit der ande­ren Hand an ihrem Ver­schluss dreh­te. Aber die Fla­sche war nicht leicht fest­zu­hal­ten gewe­sen, ver­mut­lich des­halb, weil sich die Feuch­te der Luft auf ihr nie­der­ge­schla­gen hat­te. Also lehn­te sich mein Vater wie­der auf sei­nem Stuhl zurück und schloss die Augen. Ich neh­me an, er wird ein­ge­schla­fen sein. Als er wie­der erwach­te, war ich noch immer da und auch die Fla­sche stand noch auf dem Tisch. Mein Vater beug­te sich vor, nahm die Fla­sche und dreh­te an ihrem Ver­schluss. Erneut schien er sich mit der Fla­sche zu unter­hal­ten, ohne aber die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den, weil die Fla­sche sich noch immer dage­gen wehr­te, geöff­net zu wer­den. Also lehn­te sich mein Vater erneut zurück, er schüt­tel­te den Kopf. In die­sem Moment schweb­te eine Libel­le über den Tisch. Sie betrach­te­te mei­nen Vater, setz­te sich auf den Ver­schluss der Fla­sche und fal­te­te ihre Flü­gel. Ein Moment der Stil­le, des Frie­dens. Ein paar Zika­den waren zu hören, sonst nichts. Mein Vater war bald wie­der ein­ge­schla­fen, es wur­de dun­kel und die Libel­le ver­schwand. Als er erwach­te, saß ich vor ihm. Ich hat­te die Fla­sche für ihn geöff­net und ein Glas mit Was­ser gefüllt. Mein Vater erzähl­te, dass er sich gewun­dert habe, war­um er die Fla­sche nicht öff­nen konn­te, er habe sie doch selbst zuge­dreht. — stop

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MLR X‑867

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nord­pol : 3.55 — Fol­gen­dem Mol­lus­ken­we­sen gilt nacht­wärts mei­ne Auf­merk­sam­keit: MLR X‑867, 10 cm in der Län­ge, 1 cm in der Höhe, 2 cm in der Brei­te, sam­tig schwar­zer Kör­per, 30 Gramm schwer, hohl und höchst beweg­lich. Die­ses Schne­cken­we­sen lebt vor­nehm­lich im Was­ser, wes­we­gen es über Kie­men gebie­tet, wan­dert dort lang­sam auf Lamel­len­bei­nen über den Boden hin oder fel­si­ge Wän­de auf und abwärts. Aber auch in Gefan­gen­schaft über­lebt es ger­ne, solan­ge man war­me Flie­gen­lar­ven füt­tert, die groß­zü­gig über die Ober­flä­che des Mol­lus­ken­ge­wäs­sers zu ver­tei­len sind. Es ist viel­leicht so, dass in ste­ti­ger Erwar­tung, das klei­ne Tier in genau jenem Moment, da es der beben­den Lar­ven­kör­per ansich­tig gewor­den ist, Hoch­ge­schwin­dig­keits­zun­gen in Rich­tung sei­ner Beu­te schi­cken wird, Zun­gen, die einem schma­len Rücken ent­kom­men, dort reiht sich ein Mund an den nächs­ten, es sind sie­ben ins­ge­samt, die geschlos­sen voll­stän­dig unsicht­bar blei­ben. Nun wäre das noch nichts Beson­de­res, wenn es sich bei die­sem Wesen, nicht um eine Per­sön­lich­keit von her­vor­ra­gen­der Musi­ka­li­tät han­deln wür­de, man leuch­tet näm­lich in jeder erdenk­li­chen Far­be, sobald man Geräu­sche, noch die lei­ses­ten hört. Das Schwarz­sein bedeu­tet also Stil­le. Art und Posi­ti­on der Schne­cken­oh­ren sind zu die­sem Zeit­punkt, 3 Uhr 28 Minu­ten, noch nicht bekannt. — stop
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james baldwin

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tan­go

~ : oe som
to : lou­is
sub­ject : JAMES BALDWIN
date : mar 22 12 11.15 p.m.

Abso­lu­te Stil­le. Kein Wind, kei­ne Bewe­gung auf dem Was­ser, der Him­mel leer. Seit 382 Tagen schwebt Tau­cher Noe unter uns in der Tie­fe. Er scheint glück­lich zu sein, die Tage sei­nes Auf­be­geh­rens sind vor­über. Noch vor weni­gen Wochen wünsch­te Noe, zurück­keh­ren zu dür­fen, sofort! Wir haben ihm vom Regen erzählt, von Stür­men, von sei­ner Mut­ter, von sei­nem Vater, wie stolz sie auf ihn sind. Nach 5 Tagen war Noe ruhi­ger gewor­den, mür­be von der lan­gen Zeit toben­den Zwei­fels, viel­leicht auch des­halb, weil wir ihn aus 850 Fuß Tie­fe der Dun­kel­heit auf Höhe der Däm­me­rung hoben, eine Ahnung von Licht, Hoff­nung, das Gefühl, noch nicht ver­lo­ren zu sein. Ein tap­fe­rer Mann. Er habe das Wort Schnee in sei­nem Kopf hin und her bewegt, aber er kön­ne nicht sagen, was es bedeu­te. Sor­ge berei­te ihm außer­dem, dass er sein Gesicht nicht erin­ne­re. Seit­her dis­ku­tie­ren wir, ob wir ihm nicht doch ein hei­te­res Bild sei­ner Per­son über­mit­teln könn­ten, Noe droh­te das Rück­wärts­spre­chen zu üben. All das scheint nicht unge­wöhn­lich zu sein für sei­ne schwe­ben­de Lage, ein lan­ge Zeit andau­ern­der Moment von Ein­sam­keit, Fische, die ihn beob­ach­ten, Wör­ter gehen ver­lo­ren. In die­ser Sekun­de, lie­ber Lou­is, da ich Dir schrei­be, beginnt Noe wie­der zu lesen mit hel­ler Stim­me, James Bald­win / Unter­was­ser­buch No 285, nachts träum­te ich, und mor­gens wach­te ich zit­ternd auf, konn­te mich aber nie an den Traum erin­nern, nur dar­an, dass ich gerannt war. Ich wuss­te nicht mehr, wann es mit die­sen Träu­men ange­fan­gen hat­te; es war lan­ge her. Zwi­schen­durch gab es Zei­ten, in denen ich über­haupt nicht träum­te. Und dann ging es wie­der los, jede Nacht. – Ahoi! Dein OE SOM

gesen­det am
23.03.2012
1630 zeichen

oe som to louis »

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roosevelt Island

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char­lie : 3.05 — Wie, zum Teu­fel, kommt die­ser merk­wür­di­ge Traum in mei­nen Kopf? War im Cen­tral Park auf der Suche nach einem groß­ar­ti­gen Jazz­po­sau­nis­ten, nach Fred Wes­ley gewe­sen, ver­irr­te ich mich, spa­zier­te plötz­lich auf Roo­se­velt Island her­um. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glau­be sehr fest dar­an, dass es sich um Roo­se­velt Island gehan­delt haben muss­te, weil ich mit einer Art Luft­gon­del, einer Seil­bahn ange­kom­men war. Wahr­haf­tig eine her­un­ter­ge­kom­me­ne Gegend, zer­fal­le­ne Gebäu­de, Müll und Stra­ßen, die teil­wei­se unter Was­ser stan­den. Ich war­te­te in einem Kel­ler­lo­kal, auch hier Was­ser in Knie­hö­he, hun­der­te Tische. Man konn­te in die­sem Lokal vom Men­schen essen. Wenn man sich, nach Besich­ti­gung der Kar­te, ent­schie­den hat­te, kam ein Mensch her­bei, von dem man pro­bie­ren konn­te. Da waren Arm­men­schen mit köst­lich schme­cken­den Armen, und da waren Bauch­men­schen mit köst­lich schme­cken­den Bäu­chen. Man­che die­ser Per­so­nen sahen recht schreck­lich aus, weil bereits häu­fi­ger von ihnen abge­bis­sen wor­den war. Ich wer­de das jetzt nicht wei­ter aus­füh­ren. Es ist Mon­tag. – stop

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fährschiff john f. kennedy : armzungen

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del­ta : 0.08 — Eine klei­ne Geschich­te habe ich rasch noch zu erzäh­len. Sie ver­fügt über kaum Hand­lung, eine Geschich­te, die sich im Grun­de Tag für Tag auf einem Fähr­schiff der Sta­ten Island Flot­te wie­der­ho­len könn­te. Auf die­sem Schiff, das den Namen John F. Ken­ne­dys trägt, befin­det sich in der Mit­te des Bridge­decks hin­ter einem Tre­sen ein klei­nes Laden­ge­schäft, das der Ver­sor­gung der Rei­sen­den dient, ein Ort, der leuch­tet und blinkt, ein Ort, der nach Pop­corn duf­tet, nach Kaf­fee, nach gebra­te­nem Schin­ken und nach wei­te­ren Sub­stan­zen, die ich bis­lang nicht iden­ti­fi­zie­ren konn­te. Obst, Scho­ko­la­de, Coo­kies, Bon­bons, auch Stra­ßen­plä­ne Man­hat­tans, Feu­er­zeu­ge, Coca-Cola, Zucker­was­ser in ver­schie­dens­ten Far­ben, Nüs­se, gerös­te­te Man­deln, was ich wäh­le, was ich wün­sche, bekom­me ich von einem Mann aus­ge­hän­digt, der sei­ner Erschei­nung nach in Mexi­ko oder Nica­ra­gua gebo­ren wor­den sein könn­te. Sein stoi­scher Aus­druck ist mir sofort auf­ge­fal­len, lan­ge Zeit habe ich ihn beob­ach­tet, die­ses Gesicht, das wirk­te, als wür­de es eine aus Tro­pen­holz geschnitz­te, eine auf das Sorg­fäl­tigs­te bemal­te Mas­ke tra­gen, dar­in Augen, dunk­le, schim­mern­de Knöp­fe. Die Stim­me des Man­nes, die sich dort irgend­wo befin­den muss, habe ich bis­her nie gehört. Und ich habe nie gese­hen, dass er sich von sei­nem Platz fort­be­weg­te, er steht senk­recht hin­ter sei­ner Ware, ein Monu­ment, das über sehr schnel­le, sehr lan­ge Arme ver­fügt, ja, es sind die Arme, das Ein­zi­ge, was sich an die­sem Mann bewegt sind, sei­ne Arme, die­se Arme sind Hand­lung, sie sind eine Geschich­te, sie sind erstaun­lich, weil sie in der Geschwin­dig­keit der Cha­mä­le­on­zun­gen nach Waren grei­fen. Ein­mal habe ich einen der Foto­ap­pa­rat gekauft, die der Mann in sei­nem Sor­ti­ment für Tou­ris­ten bereit­hält. Der Appa­rat kos­te­te sechs Dol­lar und der Film 8 Dol­lar. Das ist ein wirk­lich alt­mo­di­scher Film, einer, den man, um sei­ne Bil­der betrach­ten zu kön­nen, ent­wi­ckeln muss. Ich habe den Mann nun mit genau die­sem Foto­ap­pa­rat foto­gra­fiert. Ich glau­be, der Mann freu­te sich über mei­ne Ges­te. Er schien unter der Mas­ke sei­nes Gesich­tes zu lächeln. Viel­leicht ahn­te er zu die­sem Zeit­punkt, dass ich ein­mal nach­se­hen wer­de, ob er lächel­te, ein Geschenk für die Zukunft. Ende der Geschich­te. — stop

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manhattan transfer : ein wölkchen asche

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ulys­ses : 23.57 — Am spä­ten Abend, die Luft war von selt­sa­mer Mil­de, auf dem Pro­me­na­den­deck des Fähr­schiffs Spi­rit of Ame­ri­ca der ers­ten See­be­stat­tung mei­nes Lebens bei­gewohnt. Ein heim­li­cher Vor­gang, des­sen Beob­ach­tung nur des­halb mög­lich gewe­sen war, weil mich der jun­ge Mann und die jun­ge Frau, die vom Bug des Schif­fes her gekom­men waren, in den Nacht­schat­ten nicht wahr­ge­nom­men hat­ten. Sie stan­den für eini­ge Minu­ten still in mei­ner Nähe, sahen auf das Was­ser her­ab, das dun­kel gewe­sen war, hiel­ten sich an den Hän­den und spra­chen sehr lei­se. Sie spra­chen so, als wür­den sie beten. Ein hel­les Wölk­chen von Asche stieg in der Luft. Die jun­ge Frau fass­te in ihre Man­tel­ta­sche, sie warf ein Stück Papier in die Tie­fe, dann Blu­men, Blü­ten, eine Hand­voll Blü­ten die jun­ge Frau, und eine Hand­voll Blü­ten der jun­ge Mann. Dann gin­gen sie lang­sam fort in die Rich­tung, aus der sie gekom­men waren. — stop

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south ferry : ein mann

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del­ta : 0.32 — Im Was­ser das Wüh­len der Schrau­ben, die sich der Fahrt des Schif­fes ent­ge­gen­stem­men. Dann Ruhe, Stil­le, eine aus­at­men­de Bewe­gung, indem sich die Fäh­re dem Lan­de nähert, glei­ten­de Fahrt. Fang­ar­men einer Got­tes­an­be­te­rin ähn­lich lau­ern Gang­ways in den Schat­ten der Hafen­ter­mi­nals. Ein Matro­se steht dort, sehr gefähr­lich, hoch über schäu­men­dem Was­ser. Es ist das letz­te Schiff sei­ner Schicht, drei­ßig Fäh­ren hat er an die­sem Tag schon in der Annä­he­rung gese­hen. Am Bug ste­hen Men­schen, sie wer­den grö­ßer, er kann Gesich­ter erken­nen, ihren Atem in der kal­ten Luft. Man­che foto­gra­fie­ren. Ande­re ver­su­chen in der Men­ge einen Platz zu errei­chen, von dem aus sie unver­züg­lich los­lau­fen wer­den, ein klei­ner Vor­sprung, ein oder zwei Minu­ten Zeit. Das Schiff kommt von der Sei­te her, von rechts, es schrammt an schwe­ren Holz­pfäh­len ent­lang, sie geben nach unter dem Gewicht des mäch­ti­gen Kör­pers, ein Äch­zen, die rei­sen­den Men­schen suchen Halt in die­ser Sekun­de, dann, in einer sanf­ten Bewe­gung dreht sich das Schiff, kommt näher, schmiegt sich an, so dass kei­ne Hand, nicht die kleins­te, zwi­schen Schiff und Steg gelegt wer­den könn­te. Das ist der Moment, da der war­ten­de Mann den Weg in die Stadt frei­ge­ben, das ist der Moment, da er den war­men Geruch der Men­schen wahr­neh­men kann. Ein Tier kommt auf ihn zu, es ist eine Schlan­ge, die drei oder vier Minu­ten sei­ner Zeit an ihm vor­über­zie­hen wird. Gera­de war sie noch schweig­sam, jetzt spricht sie, sie spricht an ihrem Kopf und auch von ihren Sei­ten her. Und da ist ein offe­ner Blick, den der Mann viel­leicht wahr­neh­men kann, mein Blick, ein Blick, der sich um ihn küm­mert, der sich auf den Land­ma­tro­sen vor­be­rei­tet hat­te, der ein­sam­meln will, jede ein­zel­ne sei­ner Bewe­gun­gen, um sie spä­ter ein­mal wie­der­ho­len zu kön­nen. — stop

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upper new york bay : eine minute auf der samuel I. newhouse

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ulys­ses : 17.58 — Sta­ten Island Fäh­re gegen 15 Uhr. Eine Frau und ein Mann, die tief schla­fend Sei­te an Sei­te sit­zen und doch auf eine selt­sa­me Wei­se mit­ein­an­der zu spre­chen schei­nen. Sie tra­gen bei­de kei­ne Zäh­ne, viel­leicht weil sie mor­gens ver­ges­sen haben, sie ein­an­der in den Mund zu legen. Ihre Schlä­fen, eine lin­ke und eine rech­te Schlä­fe, zuein­an­der gelehnt. Lider, ala­bas­ter­far­ben, durch­sich­tig bei­na­he, hier, an der Bewe­gung der Aug­äp­fel, ist zu erken­nen, dass sie kom­mu­ni­zie­ren. Eine Hand des Man­nes ruht, gleich­wohl schla­fend, auf dem Bauch der Frau. Drau­ßen, hin­ter Salz­fens­tern, die Was­ser­fah­ne eines Feu­er­lösch­boo­tes. Und Möwen, schwe­re Möwen, die das Schiff betrach­ten, als hät­ten sie es noch nie zuvor gese­hen. Gleich wer­den die Schla­fen­den sich erhe­ben. Sie wer­den, als ob sie in ihrem Inne­ren über eine gehei­me Sand­uhr ver­füg­ten, ihre Augen öff­nen und sich bug­wärts auf den Weg machen, Sekun­den nur, ehe eine Laut­spre­cher­stim­me sie zum Ver­las­sen der Fäh­re auf­for­dern wird. — Leich­ter Regen. — stop
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upper west side : broadway

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del­ta : 8.05 — Das Haus am River­si­de Dri­ve, in dem Uwe John­son leb­te und arbei­te­te. Pfa­de, die Uwe John­son spa­ziert haben könn­te. Eine Sub­way Sta­ti­on, 96. Stra­ße, uralte, dunk­le Bäu­me. Das Regen­licht über dem Hud­son. Was­ser­tanks, die auf Dächern wach­sen. Auf dem Broad­way tor­kelt eine Ampel. Klei­ne, schwar­ze, schweig­sa­me Män­ner in grü­nen Uni­for­men der Frei­heits­sta­tue ver­tei­len Ein­la­dun­gen zur Schiff­fahrt. Eine Kut­sche wei­ßer Pfer­de, damp­fen­de Nüs­tern, klap­pert in Rich­tung Cen­tral Park. Es ist Mon­tag, oder Diens­tag oder Sonn­tag. Eine Frau, sie tele­fo­niert in einer Spra­che, die ich noch nie zuvor hör­te. Ein Mann mit Kühl­schrank war­tet am Stra­ßen­rand. Schnel­le, scheue Bli­cke. — stop

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manhattan : canal street

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tan­go : 10.15 — Ich habe einen merk­wür­di­gen Kon­duk­teur der Sub­way mit Tau­cher­bril­le beob­ach­tet. Der Mann war auf der N‑Linie von Brook­lyn her kom­mend in die Canal Street ein­ge­fah­ren. Ein sel­te­ner Anblick. Sein schma­ler Kopf, der aus einem der mitt­le­ren Wag­gons des Zuges rag­te, im Fahrt­wind wehen­des, schloh­wei­ßes Haar, und eben sei­ne Bril­le, deren Schei­be Augen und Nase unwirk­lich ver­grö­ßer­te. Für einen Moment hat­te ich den Ein­druck, die Tau­cher­bril­le des Man­nes sei mit Was­ser gefüllt. Ich woll­te den Mann foto­gra­fie­ren, aber das Licht der Sta­ti­on war spär­lich und der Mann schau­kel­te ohne Pau­se sei­nen Kopf hin und her wie ein alter, müder Ele­fant, ver­mut­lich weil er sich um einen umfas­sen­den Blick der Ereig­nis­se auf dem Bahn­steig bemüh­te. Es ist nun denk­bar, dass ich eine Per­son beob­ach­tet habe, die fest mit dem Füh­rer­haus des Zuges ver­wach­sen war, denn der Mann füg­te sich har­mo­nisch in das Bild, das ich mir seit jeher von wirk­li­chen Zug­füh­rern mache, Men­schen, die auf Zug­stän­den gebo­ren wer­den, Men­schen, die auf Zügen fah­rend ihre Kind­heit ver­brin­gen, Men­schen, die letzt­lich ihren per­sön­li­chen Zug zur Leb­zeit nie­mals ver­las­sen. — stop

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