india : 16.23 — n a s e n r a c h e n
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Aus der Wörtersammlung: wasser
stille
kilimandscharo : 1.58 — Fliegen am Abend traurigster Nachricht, Zausige, die mit dem Wasser sprechen. Regen, sanfter Regen. Deine fröhliche Stimme. Wir Menschen sind für letzte Dinge nicht gemacht. Dankbar lausch ich weiter Elefantenohrenwinden nach. - für g.

singende rosen
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~ : louis
to : Mr. jonathan noe kekkola
subject : SINGENDE ROSEN
Mein lieber, lieber Jonathan Kekkola, wie ich mich freue über Ihre späte Nachricht! Stolz bin ich und voll Bewunderung, indem ich sehe, wie weit Sie gekommen sind. Ich habe gestern Ihre Eltern besucht, und wir studierten gemeinsam eine Karte Ihrer großen Wanderung dem amerikanischen Süden zu. Das Wasser war kühl, ihre Mutter schien zu frösteln, und Ihr Vater schwebte auf dem Kopf, sodass mir etwas schwindelig wurde, weil ich oben und unten für Momente nicht unterscheiden konnte. Ich hatte auf Sie gewartet, mein Lieber, saß mit einer Melone im Sand und schaute aufs Meer hinaus. Einmal glaubte ich, Sie gesehen zu haben. Ein Mann winkte mir zu, er stand bis zum Hals im Wasser, plötzlich war er verschwunden. Nun, am Ende dieses merkwürdigen Tages, will ich Ihre Frage beantworten. Ja, sie sind gekommen, unsere Geschöpfe, Elefanten, sie sind gekommen, so wie wir sie vorausgesehen haben. Ein glücklicher Moment voller Demut. Ich konnte sie hören, ihr leises Gespräch, Trompetenmusik, den Gesang der Rosen, der von der wandernden Luft in Wellen an Land getragen wurde. Als in der Dämmerung der Wind auffrischte, fuhr ich zurück in die Stadt, eine stundenlange Reise unter Straßen bis rauf nach Woodlawn und wieder zurück. — Alles Gute, alles Liebe! Ihr Louis. Ahoi!
gesendet am
12.05.2010
22.24 MESZ
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louis to jonathan
noe kekkola »
MELDUNGEN : LOUIS TO MR. JONATHAN NOE KEKKOLA / ENDE
eine kleine physik
charlie : 0.02 — Zunächst Bilder, dann Klänge. Die Erinnerung des Gehörs scheint langsamer zu spielen, als die Erinnerung der Augen. Wie sich allgemeine physikalische Gesetze der Außenwelt in meinem Gehirn beruhigend wiederfinden. — Stellen Sie sich vor, ich habe den gestrigen Nachmittag unter einem Regenschirm zugebracht. So im Gehen im Wasser, die Suche nach kleinsten Partikeln einer großen Stadt. Bin ich Angler, bin ich Jäger, bin ich ein Dompteur? Ob Eichhörnchen mittels Zungenstimmen zueinander sprechen? — stop
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iris


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tango : 0.05 — 1500 Meilen Wolkentüll über atlantischem Ozean. Fünf weitere Stunden, bald hellblau der Himmel, das Wasser, man könnte die Welt dort oben auf den Kopf stellen und würde es mit den Augen nicht bemerken. Höhe 11887 Meter. Wellen, leichteste Wellen, — 55° Celsius, Eis wispert in der Paukenhöhle. Reptilien von Dunst recken geschärfte Rücken aus der Tiefe. Dann wieder sanfte Gebilde, Wolkenlamellen vom Meer an den Himmel geatmet. Von dort aus fällt man zu Boden, öffnet Iris der Behörde, fährt im luftfedernden Taxischiff über alte Brücke, Nacht, sandmüde Augen spazieren unter dem Regenschirm. Der erste Blick ins irre Licht. — stop

schirme
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~ : louis
to : Mr. jonathan noe kekkola
subject : SCHIRME
Rasend, lieber Jonathan, vergeht die Zeit! Ein Jahr ist es nun her, seit ich das erste Mal von Ihnen hörte. Viele Stunden, ganze Tage, Wochen habe ich an Sie gedacht, und doch keine durch belichtete Vorstellung gewonnen. Ihre Augen, hell oder dunkel? Wie werden Sie mir begegnen, mit welcher Stimme sprechen? An diesem schönen Morgen darf ich berichten, dass ich mich gut erholen konnte. Fühle mich wohl in meiner Haut. Sieben Uhr. Sie werden sicher noch schlafen, da drüben in Amerika, und sofort, wenn Sie in Kürze erwachen, einen ersten tiefen Zug kühler Waldluft zu sich nehmen. Ihre Verwunderung, wie immer, dass Sie nicht länger unter Wasser leben, dass Sie frei sich zu bewegen in der Lage sind. Wie oft schon habe ich den Versuch unternommen, mich einzufühlen in ihre Lage, unvollkommen, sagen wir, aber nicht vergeblich, wie ich hoffe, weil Sie bemerkt haben werden, dass ich mich um Sie kümmere, dass ich Fragen stelle, dass ich Sie nicht gedankenlos der Welt überantwortet habe. Noch zweiundzwanzig Tage, mein lieber Kekkola, hören Sie zu! Ich habe Wetterkarten studiert, fürchte, wir werden unter Regenschirmen sitzen. Ihren Eltern im Übrigen geht es gut! Ahoi! Ihr Louis
gesendet am
10.04.2010
6.01 MESZ
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louis to jonathan
noe kekkola »
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papierlicht
olimambo : 1.28 — Das Wort Papier in meinem Kopf, ein von jeher helles, weißes Wort, weshalb die Erfindung lebender Papiere, ihre Erforschung, ihre Beobachtung in lichte Räume führt. Ich könnte demzufolge sagen, dass mein lotendes Fabulieren wie eine Bogenlampe in mein Leben wirkt. – 1 Uhr 28 mitteleuropäischer Winterzeit: Auf dem Kapitol zu Washington, im Haus der Repräsentanten, erklärt die demokratische Abgeordnete Debbie Wasserman Schultz / Florida während der Debatte zur entscheidenden Abstimmung über Barak Obamas Gesundheitsreform mit fester Stimme: The nightmare ends tonight! — stop
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windstille
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~ : louis
to : Mr. jonathan noe kekkola
subject : WINDSTILLE
Es war Mittwoch, lieber Jonathan, trauriger Tag, mein letzter Fisch ist von mir gegangen. Als ich ihn besuchen wollte, ruhte er seitwärts auf sandigem Boden, eine scheinbar schlafende Gestalt. Das Gewicht seines Körpers kurz darauf in meiner Hand, nicht erwartete Kühle und die Rauheit seines Kopfes, den ich nie zuvor berührt hatte, ein seltsamer, ein bewegender Moment. Sie werden, lieber Kekkola, meine leise Trauer nach Jahren gemeinsamen Lebens verstehen, Sie ganz gewiss! — Sagen Sie, wie geht es Ihren Lungen, haben Ihre Atemflügel den Winter gut überstanden, ist alles so wie gewünscht, oder sind Sie vielleicht Stunden oder Tage ins Wasser zurückgekehrt, um Luft zu holen in vertrauter Art und Weise? Eine kuriose Vorstellung, wie mir scheint, Mr. Kekkola tauchend unter der Eishaut eines nordamerikanischen Sees. Ich darf Ihnen sagen, dass ich mich ein wenig vor Ihnen fürchte! Trotzdem hoffe ich, Sie haben sich bereits auf südöstlichen Kurs begeben. Ein wolkenloser Himmel sollte Sie erwarten, Windstille bei 17° Celsius, dort, wo ich Sie lebend vermute. – Ihr Louis, ahoi!
gesendet am
18.03.2010
4.38 MESZ
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louis to jonathan
noe kekkola »
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hydra No 2
lima : 22.55 — Es schneit angeblich, mag es schneien. Über dem Schnee und seinen Wolken scheint der Mond. — Was haben wir heute eigentlich für einen Tag, Sonntag vielleicht oder Montag? Abend jedenfalls, einen schwierigen Abend. Würde ich aus meiner Haut fahren, sagen wir, oder mit einem Auge meinen Körper verlassen und etwas in der Zeit zurückreisen, dann könnte ich mich selbst beobachten, einen Mann, der gegen sechs Uhr in der Küche steht und spricht. Der Mann spricht mit sich selbst, während er Tee zubereitet, er sagt: Heute machen wir das, heut ist es richtig. Ein Bündel von Melisse zieht durchs samtig heiße, flimmernde Wasser. Jetzt trägt er seine dampfende Tasse durch den Flur ins Arbeitszimmer, schaltet den Bildschirm an, sitzt auf einem Gartenstuhl vor dem Schreibtisch und arbeitet sich durch elektrische Ordner in die Tiefe. Dann steht er, steht zwei Meter vom Bildschirm entfernt, ein Mensch kniet dort auf dem Boden, ein Mensch, der sich fürchtet. Da ist eine Stimme. Eine schrille Stimme spricht scheppernd Sätze in arabischer Sprache, unerträglich diese Töne, sodass der Mann vor dem Schreibtisch einen Schritt zurücktritt. Er scheint sich zur Betrachtung zu zwingen. Zwei Finger der rechten Hand bilden einen Ring. Er hält ihn vor sein linkes Auge, das andere Auge geschlossen, und sieht hindurch. So verharrt er, leicht vorgebeugt, bewegungslos, zwei Minuten, drei Minuten. Einmal ist sein Atmen heftig zu hören. Kurz darauf steht er wieder in der Küche, lehnt mit dem Rücken am Kühlschrank, denkt, dass es schneit und spürt eine Unruhe, die lange Zeit in dieser Heftigkeit nicht wahrzunehmen gewesen war. Ein Mensch, Daniel Pearl, wurde zur Ansicht getötet. – Was machen wir jetzt? — stop
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rüsselhupe
echo : 12.03 — Sagen wir das so: Tiefseeelefanten, sobald sie geboren werden auf hoher See in großer Tiefe, bleiben ihren Müttern lange Zeit verbunden. Solange Zeit genau wandern sie in nächster Nähe, bis ihre Rüssel ausreichend gewachsen sind, um zur Oberfläche des Meeres gelangen zu können. Wie sie sich küssen von Zeit zu Zeit in ewiger Dunkelheit, wie eine Mutter ihrem kleinen Elefanten Luft einhaucht, wie das taumelnde Wesen im Moment der Übergabe lustvoll seine blinden Augen schließt, eine Ahnung vom berauschenden Duft der Welt weit über ihm, von salzigen Schäumen, von Motorölen, Tang und weiteren angenehmen Substanzen, die ihm bald unmittelbar begegnen werden. Manchmal, eher selten, steigen sie, Miniaturen einer späteren Zeit, langsam aufwärts. Sie haben dann aus dem Munde ihrer Mutter einen Ballon süßer Luft entgegengenommen, der zu groß geworden sein könnte von Sorge und Liebe. Zwei oder drei Tage sind sie nun schwebend unterwegs, bis die Oberfläche des Wassers erreicht sein wird. Das feine Geräusch ihrer ersten Rüsselhupe, mit der sie die lichte Welt begrüßen. – Sonntag. Leichter Schneefall. Viel Jazz im Kopf. — stop




