Aus der Wörtersammlung: wasser

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mululela

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bamako : 3.05 — Habe in den ver­gan­ge­nen Wochen ver­schie­de­ne Wör­ter­bü­cher unter­sucht, ins­be­son­de­re jene Samm­lun­gen, die im Hin­ter­grund zahl­rei­cher Text­edi­to­ren heim­li­che Arbeit ver­rich­ten. Es ist so, dass auf der Ebe­ne der Spra­chen, Nacht­men­schen in einem Wort exis­tie­ren, aber nicht Tag­men­schen. Das Wort Tag­mensch wird sofort als nicht kor­rek­tes Wort aus­ge­wie­sen. Es scheint dem­zu­fol­ge für am Tage leben­de Men­schen mög­lich zu sein, ande­re, näm­lich Men­schen, die über­wie­gend in der Nacht­zeit exis­tie­ren, mit einem Wort zu kenn­zeich­nen, wäh­rend hin­ge­gen Nacht­men­schen nicht mög­lich ist, jene Men­schen, die die Nacht ver­schla­fen, mit einem ein­deu­ti­gen Wort zu bezeich­nen. Das ist aus mei­ner Sicht zunächst selt­sam, eine Übung, die sich ver­mut­lich bald ändern wird, indem sich Lebens­ar­ten und Arbeits­wel­ten der Men­schen immer fort ver­dich­ten. — Flug­ha­fen. Leich­ter Schnee­fall. Es ist kurz vor drei Uhr. Eine rie­si­ge Anto­now-Maschi­ne rollt über das Flug­feld. Kein Laut zu hören vom Unge­tüm, das doch flie­gen kann. Weni­gen Minu­ten zuvor erzähl­te mir Mulu­le­la, 24, Trai­nee aus Kame­run, dass sich das Leben in Deutsch­land doch sehr vom Leben in Afri­ka unter­schei­de. In ihrem Dorf, zum Bei­spiel, spa­zie­re sie ein­fach los, wenn sie an jeman­den den­ken wür­de, um die­sen Men­schen sofort zu besu­chen. In Deutsch­land müs­se man zunächst tele­fo­nie­ren, fra­gen, sich ankün­di­gen. Über­haupt müs­se man hier für alles, aber auch wirk­lich alles bezah­len, nur das Was­ser in den Trink­brun­nen schei­ne kos­ten­los zu sein und die Luft zum Atmen. Ganz sicher sei sie sich in die­ser Sache aber nicht! — stop

ping
polaroidcafe

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atolle

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del­ta : 6.58 — Gegen 2 Uhr heu­te Nacht fol­gen­de Beob­ach­tung. Wenn ich um die Wort­grup­pe schwe­res Was­ser ein Ver­zeich­nis leicht­sin­ni­ger Asso­zia­tio­nen lege, ver­schwin­det der Begriff in der Gestalt eines Atolls. Ob nicht viel­leicht Erin­ne­rung in die­ser Form orga­ni­siert sein könn­te? Gedan­ken­krei­se um unter­ge­gan­ge­ne, ursprüng­li­che Land­schaf­ten. — stop

ping

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erdbeben

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ulys­ses : 6.02 — Einen Tag lang habe mit mei­ner Ant­wort an Jen­ni­fer 7 gewar­tet. Vor weni­gen Stun­den fol­gen­de kur­ze E‑Mail-Notiz: Lie­be Jen­ni­fer, ich ver­ste­he, dass Sie unru­hig gewor­den sind. Bit­te haben Sie etwas Geduld, ich weiß um Ihr Leid, ahne, was es bedeu­tet, wenn man nicht schla­fen kann, weil Schrit­te von Men­schen in nächs­ter Nähe über die Decke spa­zie­ren. Man glaubt ihre Schat­ten zu sehen jen­seits der Bast­mat­ten, der Stei­ne, der Höl­zer. Wenn es ein­mal still ist, dann war­tet man in die­ser Stil­le auf das nächs­te Geräusch, das den Schlaf zer­rei­ßen wird, alles schon da tod­si­cher in der Zukunft, all das Getö­se, weil man an es denkt, weil es nicht anders sein kann, jede lei­se Erschüt­te­rung des Bodens eine Erschüt­te­rung der Welt, Erd­be­ben, Tra­gö­die. Man möch­te sich erhe­ben, man möch­te sich käm­men, Hemd und Hose sind bereits über­ge­wor­fen, so tritt man auf den Flur, um sich zur Beschwer­de auf­wärts zu bege­ben. Man klopft an eine Tür. Man sieht einen Schat­ten hin­ter dem Bull­au­ge des Spi­ons: BIST DU ALSO DA! Aber nie­mand öff­net die Tür. Auch nach Minu­ten des War­tens nicht. Und dann ist man doch noch ein­ge­schla­fen, mei­ne lie­be Jen­ni­fer 7, man schläft vor Erschöp­fung, man schläft mit geöff­ne­ten Augen unter dem Schwa­nen­hals. — Don­ners­tag. Leich­ter Regen. Es ist kalt gewor­den über Nacht. Noch immer habe ich kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge gefun­den, wes­halb Kie­men­men­schen, sobald sie schla­fen oder sich küs­sen, Kopf nach unten in ihren Was­ser­woh­nun­gen schwe­ben. — stop

polaroidemergency

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georges perec

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tan­go : 22.01 — Fol­gen­des. Immer gegen 8 Uhr in der Früh bre­chen wir auf, Geor­ges und ich. Wir gehen ein paar Schrit­te über die Rue de Javel, neh­men die 6er-Metro durch den Süden, stei­gen dann um in Rich­tung Por­te Dau­phin, fah­ren mal unter, mal über der Erde im Kreis her­um, bis es Abend oder noch spä­ter gewor­den ist. So kann man gut sit­zen, zufrie­den, durch­ge­schüt­telt, Sei­te an Sei­te für vie­le Stun­den, und Men­schen betrach­ten, wie sie her­ein­kom­men, Fahr­gäs­te, wie sie im Wag­gon Platz neh­men, wie sie beschaf­fen sind, davon legen wir Ver­zeich­nis­se an, Geor­ges ein Ver­zeich­nis, und ich ein Ver­zeich­nis. Weil es aber sehr schwer ist, ein Ver­zeich­nis aller Erschei­nun­gen eines Rau­mes anzu­le­gen, der nicht gera­de erfun­den wird, eines Rau­mes, der sich fort­be­wegt, der betre­ten und ver­las­sen wird von Men­schen im Minu­ten­takt, das Ver­zeich­nis eines Rau­mes, des­sen Fens­ter sich von Sekun­de zu Sekun­de neu bespie­len, weil es also unmög­lich ist, das Ver­zeich­nis eines wirk­li­chen Rau­mes anzu­le­gen, machen wir das so: in der ers­ten Stun­de des Rei­se­ta­ges notie­ren wir ein Ver­zeich­nis der zuge­stie­ge­nen Kra­wat­ten, in der zwei­ten ein Ver­zeich­nis der Schu­he und der Strümp­fe, ein Ver­zeich­nis, sagen wir, der Geh­werk­zeu­ge und ihrer Beklei­dung, dann ein Ver­zeich­nis der Haar­trach­ten, der Taschen, der Metho­den sich im fah­ren­den Zug einen siche­ren Stand zu ver­schaf­fen, der Gesprächs­ge­gen­stän­de, der Art und Wei­se sich zu küs­sen, zu strei­ten, oder aber ein Ver­zeich­nis absei­ti­ger Gestal­ten, ein Ver­zeich­nis der Die­be, der Bett­ler, der Posau­nis­ten, der Ver­wirr­ten ohne Ziel, je ein Ver­zeich­nis der Spra­chen und klei­ner Geschich­ten, die wir aus der all­ge­mei­nen Bewe­gung zu iso­lie­ren ver­mö­gen. Von Zeit zu Zeit, wäh­rend wir so fah­ren und notie­ren, höre ich neben mir ein Lachen. Wenn Geor­ges lacht, hört sich das an, als habe er einen Vogel ver­schluckt, als lache er nur des­halb, weil er Made­moi­sel­le Moreau wie­der frei­las­sen wol­le. Dann weiß ich, Geor­ges hat etwas gefun­den, das er mir abends in irgend­ei­nem Café, wenn wir fer­tig, wenn Papier und Strom zu Ende sind und unser bei­der Köp­fe so voll, dass sich nichts mehr in ihnen auf­be­wah­ren lässt, vor­tra­gen wird, – „Auf Kra­wat­te gelb, zehn­zwei, leben­de Amei­se, argen­ti­nisch, kreuz und quer. Der Code­na­me Ser­vals war Lou­viers“, sagt Geor­ges und hebt sein Glas. Fünf Glä­ser Pas­tis, fünf Glä­ser Was­ser, – dann sind wir wie­der leicht gewor­den, und weil die Luft warm ist, weil Mai ist, neh­men wir den letz­ten Über­land­zug nach Nor­den oder den 11er nach Süden, dort­hin, wo die Feu­er­nel­ken blühn, und wenn es end­lich Mor­gen gewor­den ist, stei­gen wir um, öff­nen die Fens­ter und fah­ren nach Wes­ten in unse­rer Wind­ma­schi­ne spa­zie­ren. Der Regen schlägt uns ins Gesicht und wir sehen Gewit­ter auf­stei­gen und Schwe­fel vom Him­mel kom­men und wei­ßes Licht, das die Land­schaft ent­zün­det. So haben wir schon sehr schö­ne Gedan­ken über das Feu­er gefan­gen und über das Schlag­zeug in die­sem gewal­ti­gen Raum, der über uns hängt, einem Raum, des­sen zen­tra­les Ver­zeich­nis von nicht mensch­li­chen Maßen ist, sodass wir bald nur schwei­gen und auf ent­fern­te Men­schen schau­en, auf Sze­nen im rasen­den Vor­über­kom­men, auf Fil­me, die in unse­ren Hin und Her has­ten­den Augen der­art kur­ze Fil­me sind, dass sie einer Foto­gra­fie sehr nahe kom­men, nicht mehr Film sind und noch nicht voll­stän­dig unbe­wegt. Es ist so, als wür­den wir an einer gewal­ti­gen Auf­nah­me der Zeit vor­über kom­men, an einer Foto­gra­fie, deren Gegen­wart wir nicht berüh­ren, weil wir nicht aus­stei­gen kön­nen, ohne das Leben zu ver­lie­ren, weil wir zu schnell, weil wir in einer ande­ren Zeit sind. — stop / kof­fer­text

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im parc jarry

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MELDUNG. Wie Wöl­fe im Rudel, laut­los, haben zwölf win­ter­fes­te Sumpf­schild­krö­ten im Parc Jar­ry zu Mont­re­al eine Stan­darden­te bejagt und so rasch unter Was­ser gezo­gen, dass weder Wehr noch Mel­dung erfolg­te. Nichts blieb, als eine wan­dern­de Spur auf­stei­gen­der Luft. — stop
ping

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anton voyls fortgang

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del­ta

~ : oe som
to : lou­is
sub­ject : ANTON VOYLS FORTGANG
date : nov 10 12 10.08 p.m.

Es ist gekom­men, wie ich es erwar­tet habe. Noe schweigt. Wir haben ihm Geor­ge Perecs Roman Anton Voyls Fort­gang in die Tie­fe geschickt. Es han­delt sich in unse­rer Ver­suchs­an­ord­nung um das Unter­was­ser­buch No 282, ein Buch, in dem der Buch­sta­be E auf 320 Sei­ten nicht erschei­nen wird. Kurz nach­dem Noe sei­ne Lek­tü­re mit fes­ter Stim­me auf­ge­nom­men hat­te, ver­such­ten wir vor­her­zu­se­hen, wie lan­ge Zeit Noe lesen wür­de, ehe er das voll­stän­di­ge Feh­len eines bedeu­ten­den Buch­sta­bens im Text bemerkt haben wür­de. Er las etwa 10 Minu­ten, dann hör­te er auf, sei­ne Stim­me wur­de zunächst lei­ser, er dehn­te die Wor­te, sag­te, dass ihm etwas merk­wür­dig vor­kom­men wür­de, er kön­ne bis­her nicht sagen, was genau ihm merk­wür­dig erschei­ne, er müs­se nach­den­ken. Wir sit­zen jetzt alle vor den Laut­spre­chern und Bild­schir­men und war­ten. Im Schein der Lam­pe, die Noe und das Buch, das er in sei­nen schwe­ren Hän­den hält, beleuch­tet, sehen wir, dass er sich lang­sam bewegt. Er scheint im Buch zu blät­tern. Er scheint über­haupt noch immer, nach 656 Tagen in einer Mee­res­tie­fe von 820 Fuß schwe­bend, ein guter Beob­ach­ter zu sein, obwohl es nichts zu sehen gibt als etwas Däm­me­rung, wenn Tag gewor­den ist, und ein paar Fische, die ihn von Zeit zu Zeit besu­chen. Ich neh­me an, Noe wird oft an uns den­ken. Er hört uns zu, hört, was wir spre­chen, auch dann, wenn wir unter uns sind, wenn wir ver­ges­sen haben, das Mikro­fon aus­zu­schal­ten. An der Art und Wei­se wie wir atmen, ver­mag Noe zu unter­schei­den, ob Lin, Eric, Mar­tin, Tom, Lil­ly oder ich vor dem Mikro­fon Platz genom­men haben. Gera­de eben beginnt er wie­der zu lesen, er scheint an den Anfang des Buches zurück­ge­kehrt zu sein: In Roca­ma­dour gabs Mund­raub sogar am Tag: man fand dort Thun­fisch, Milch und Scho­ko­bon­bons im Kilo­pack. Und wie­der schweigt Noe. Es ist spä­ter Abend. Sams­tag. Ein Fracht­schiff, hell beleuch­tet, lun­gert am Hori­zont. Ahoi, lie­ber Lou­is. Dein OE SOM

gesen­det am
10.11.2012
1856 zeichen

oe som to louis »

ping

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im reservat der trinkerlemure

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hima­la­ya : 6.46 — Ich hör­te, irgend­wo auf die­ser Welt soll eine Stadt exis­tie­ren, die über einen beson­de­ren Park ver­fügt, eine Natur­land­schaft, in wel­cher Trin­ker­le­mu­re exis­tie­ren, Aber­tau­sen­de bei­na­he unsicht­ba­re Per­so­nen. Man kann sich das viel­leicht nicht vor­stel­len, ohne län­ge­re Zeit dar­über nach­ge­dacht zu haben. Wäl­der und Wie­sen, ein Fluss, da und dort ein Berg, nicht sehr hoch, Höh­len, Hüt­ten, Schlaf­sackt­rau­ben, die von mäch­ti­gen Bäu­men bau­meln. Man könn­te sagen, dass es sich bei die­sem Park ver­mut­lich um ein Hotel oder ein Reser­vat han­deln wird von enor­men Aus­ma­ßen, 15 Kilo­me­ter in der Brei­te, 20 Kilo­me­ter in der Län­ge. Das Are­al ist umzäunt. Tore bie­ten Zugang im Wes­ten, im Nor­den, im Osten, im Süden. Dort fah­ren Ambu­lan­zen vor oder Kran­ken­wa­gen­bus­se, um schreck­li­che Gestal­ten aus­zu­la­den, die in den gro­ßen Städ­ten der Welt auf­ge­sam­melt wur­den, zer­lump­te, eit­ri­ge, zit­tern­de Wesen, sie spre­chen oder flu­chen in Spra­chen, die wir nur ahnen, wenn wir uns Mühe geben, ihnen zuzu­hö­ren, Eng­lisch ist dar­un­ter, Rus­sisch, Chi­ne­sisch, Deutsch, Fran­zö­sisch, Spa­nisch und vie­le wei­te­re Spra­chen mehr. Sie haben meist eine wei­te Rei­se hin­ter sich, aber jetzt sind sie ange­kom­men, End­sta­ti­on Sehn­sucht, Kran­ken­schwes­tern hel­fen, den letz­ten Weg zurück­zu­le­gen durch eines der Tore. Dann sind sie frei. Wir erken­nen am Hori­zont eine Stra­ßen­bahn­hal­te­stel­le. Sie liegt am Ran­de eines Wal­des. Tat­säch­lich fah­ren dort aus­ran­gier­te Züge der Stadt Lis­sa­bon im Kreis her­um, es geht um nichts ande­res, als dass man in die­sen Zügen sit­zen und trin­ken darf so viel man will. Aus polier­ten Häh­nen strömt Whis­key. An jedem zwei­ten Baum ist ein Fäss­chen mit Likö­ren oder Gin oder Wod­ka zu ent­de­cken. Es riecht sehr fest in die­ser Land­schaft, gera­de dann, wenn es warm ist, Bie­nen und Flie­gen und Libel­len tor­keln über wun­der­voll blü­hen­de Wie­sen. Da und dort sit­zen hei­te­re Grup­pen voll­trun­ke­ner Män­ner und Frau­en in der Idyl­le, sie erzäh­len von der Hei­mat oder von den Deli­ri­en, die man bereits über­lebt haben will. Manch einer weiß nicht mehr genau, wie sein Name gewe­sen sein könn­te. Ande­re leh­nen an Bäu­men, klap­pe­ri­ge Tote, die ungut rie­chen, arme Hun­de. Aber wer noch lebt, ist rasend vor Angst oder zufrie­den, man kann sich über­all­hin zur Ruhe legen. In dem Flüss­chen, das ich bereits erwähn­te, lagert fla­schen­wei­se küh­les Bier, es scheint sogar der Him­mel nicht Was­ser, son­dern Wod­ka zu reg­nen, auch die Vögel alle sind betrun­ken. Aus einem Wald­ge­biet tritt eine zier­li­che Frau, sie tau­melt. Die Frau trägt einen Hut und ein lan­ges wei­ßes Kleid, so schrei­tet sie durch das hohe Gras, bückt sich nach den Blü­ten, es ist in der Zeit der Korn­blu­men, die­ses zau­ber­haf­te Blau. Manch­mal fällt die Frau um, sie ist dann eine Wei­le nicht zu sehen, aber dann erscheint ihr Hut zunächst und kurz dar­auf sie selbst. Jetzt steht sie ganz still, schau­kelt ein wenig hin und her, seit Stun­den fra­ge ich mich, um wen genau es sich han­deln könn­te. — stop

 

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eine hand

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india : 5.02 — Mei­ne Hand am frü­hen Mor­gen, wie sie sich bewegt. Immer wie­der erstaun­lich. Vor weni­gen Stun­den noch habe ich von der Vor­stel­lung erzählt, ein­mal in der Art und Wei­se der Eidech­sen einen Fin­ger von mir wer­fen zu kön­nen, schmerz­frei und ohne Furcht in dem Wis­sen, dass jedes zur Sei­te geleg­te Glied mir bald wie­der nach­wach­sen wird.  — stop

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rom : bälle

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vic­tor : 17.16 — Nah der Iso­la Tibe­ri­na befin­det sich eine von Men­schen­hand gefer­tig­te Schwel­le im Bett des Tibers, die den lang­sam dahin rei­sen­den Fluss zu einem rei­ßen­den Strom wer­den lässt. Das braun grü­ne Was­ser ist hell gewor­den, blau und frisch von der ein­ge­fan­ge­nen Luft. Fla­schen, Bäl­le, Höl­zer wer­den zu Spiel­zeu­gen der stru­deln­den Wal­ze, die sie fängt, die sie mit sich in die Tie­fe nimmt, um sie kurz dar­auf wie­der frei­zu­las­sen für Sekun­den. Wenn man dort sitzt und war­tet, kann man sich kaum satt sehen an jener lebens­lus­ti­gen Ord­nung des Zufalls. Jun­ge Men­schen kau­ern am Ufer, schau­en zu, zäh­len Bäl­le, Far­ben, For­men, spä­hen fluss­auf­wärts, ob wei­te­re Gegen­stän­de sich nähern, um vom Was­ser bear­bei­tet zu wer­den, bis sie sich irgend­wann ein­mal auf­ge­löst haben wer­den oder so leicht gewor­den sind, dass ein Wind­stoß sie der Umar­mung des Flus­ses ent­zie­hen kann. Die Wän­de der Tiber­fas­sung ragen hoch hin­ter uns auf, zehn oder zwan­zig Meter, kaum Geräu­sche mensch­li­chen Lebens drin­gen bis hier­her, Stadt und Fluss schei­nen getrennt. Schwe­re, dun­kel gefie­der­te See­mö­wen haben vom Meer hier­her gefun­den. Ruhig ste­hen sie am Was­ser, blin­ken mit den Augen, als wären sie Foto­ap­pa­ra­te. Irgend­wo in nächs­ter Nähe sol­len sich Fun­da­men­te Jahr­tau­sen­de alter Brü­cken unter der Was­ser­ober­flä­che befin­den. Wenn man sie ein­mal zu Gesicht bekom­men soll­te, müss­te der Fluss bald ver­schwun­den sein, ver­dampft wie die Spat­zen, deren Spe­zi­es ich bald ver­ges­sen haben wer­de, dass sie je exis­tier­te. — stop
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