Aus der Wörtersammlung: zeit

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westbengalen luftpostbrief

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nord­pol : 0.55 — Vor über einem Jahr im Som­mer habe ich von einem Freund einen Brief erhal­ten, der per Luft­post zu mir gekom­men war. Die­ser Brief wur­de an die­ser Stel­le bereits gesen­det. Lei­der konn­te ich mei­nem Freund damals nicht ant­wor­ten, weil er kei­ne pos­ta­li­sche Adres­se hin­ter­las­sen hat­te. Nun glück­li­cher­wei­se ein Lebens­zei­chen aus Tibet. Er schreibt, er habe sei­nen Brief unter mei­nen par­tic­les ent­deckt, er freue sich. Die­se Nach­richt nun erreich­te mich per E‑Mail. Ich dach­te, sie könn­te natür­lich von über­all her gekom­men sein. Eigen­tüm­lich ist, dass mein Freund, wenn er an die­sem Abend über einen Anschluss an das Inter­net ver­fü­gen soll­te, mei­ne Ant­wort, die ich in der kom­men­den Stun­de notie­ren wer­de, unver­züg­lich erhal­ten wird, wäh­rend sein Brief aus Dar­jee­ling damals zwei Wochen unter­wegs gewe­sen war. Der Brief war von sei­ner äuße­ren Gestalt her ein Stan­dard­luft­post­brief, fühl­te sich aller­dings weich an, als wür­de ein dün­nes Tuch in ihm ent­hal­ten sein. Er war zudem etwas schwe­rer als üblich. Als ich ihn öff­ne­te, fand ich ein hand­schrift­li­ches Schrei­ben vor, eine Foto­gra­fie und einen wei­te­ren Brief von klei­ne­rem For­mat, mit einer Art Ven­til in sei­ner Mit­te. Mein Freund notier­te am 25. Juni 2012 mit einem Blei­stift: Lie­ber Lou­is, seit zwei Wochen befin­de ich mich in West­ben­ga­len nahe Sona­da in einem klei­nen Haus, das voll­stän­dig von Holz gemacht ist. Ich gehe haupt­säch­lich spa­zie­ren und wenn ich ein­mal nicht spa­zie­ren gehe, fah­re ich mit dem Zug zwi­schen Jal­pai­guri und Dar­jee­ling hin und her. Eine wun­der­bare Zeit. Ich ken­ne inzwi­schen alle Zug­füh­rer per­sön­lich und so darf ich bei Dampf­be­span­nung vorn auf der Loko­mo­tive rei­sen. Du siehst mich anbei auf der Foto­gra­fie vor dem Kes­sel ste­hen, ja, ich bin unter den drei klei­nen Män­nern mit den Ruß­ge­sich­tern der in der Mit­te. Ich habe Dir, lie­ber Lou­is, etwas indi­sche Eisen­bahn­luft ein­ge­fan­gen. Sie ruht in den Umschlag gefüllt, der ver­mut­lich vor Dir auf dem Tisch liegt. Es wäre viel­leicht am bes­ten, wenn Du einen Stroh­halm ver­wen­den wür­dest, den Du mit dem Ven­til ver­bin­dest, um dann einen tie­fen Atem­zug durch ein Nasen­loch zu neh­men. Aller­beste Grü­ße Dein L. — stop

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ai : RUSSISCHE FÖDERATION

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MENSCH IN GEFAHR: „Jew­ge­ni Witisch­ko muss eine drei­jäh­ri­ge Haft­stra­fe in einer Straf­ko­lo­nie antre­ten. So hat es das Regio­nal­ge­richt von Kras­no­dar in einem Rechts­mit­tels­ver­fah­ren am 12. Febru­ar ent­schie­den. Amnes­ty Inter­na­tio­nal betrach­tet den inhaf­tier­ten Umwelt­schüt­zer als gewalt­lo­sen poli­ti­schen Gefan­ge­nen, der straf­recht­lich ver­folgt wird, weil er Umwelt­schä­den in der Regi­on Kras­no­dar auf­ge­deckt hat. / Am 12. Febru­ar hat das Regio­nal­ge­richt von Kras­no­dar ein von Jew­ge­ni Witisch­ko ein­ge­leg­tes Rechts­mit­tel gegen die gegen ihn ver­häng­te Haft­stra­fe zurück­ge­wie­sen und damit die Ent­schei­dung eines Gerichts unte­rer Instanz bestä­tigt. In dem Urteil des Regio­nal­ge­richts heißt es, der Umwelt­schüt­zer habe gegen eine Auf­la­ge (Rei­se­be­schrän­kung) ver­sto­ßen, die ihm im Zusam­men­hang mit einer zur Bewäh­rung aus­ge­setz­ten drei­jäh­ri­gen Frei­heits­stra­fe auf­er­legt wor­den war. Er müs­se des­halb die drei Jah­re Haft in einer Straf­ko­lo­nie ver­bü­ßen. Das ursprüng­li­che Urteil war nach Auf­fas­sung von Amnes­ty Inter­na­tio­nal in einem poli­tisch moti­vier­ten und unfai­ren Gerichts­ver­fah­ren gegen ihn ergan­gen. Der Ter­min für die Ver­hand­lung über das Rechts­mit­tel war zunächst auf den 22. Febru­ar fest­ge­setzt wor­den, wur­de dann aber auf den 12. Febru­ar vor­ver­legt, sodass es in den Zeit­raum der 15-tägi­gen Haft von Jew­ge­ni Witisch­ko fiel, die er wegen kon­stru­ier­ter Vor­wür­fe im Zusam­men­hang mit “gering­fü­gi­gem Row­dy­tum” in der Stadt Tuap­se ver­bü­ßen muss­te. Der Umwelt­schüt­zer konn­te des­halb an der Ver­hand­lung nur per Video­schal­tung teil­neh­men. Als Reak­ti­on auf das Urteil kün­dig­te Jew­ge­ni Witisch­ko einen Hun­ger­streik an. / Nach­dem er sei­ne 15-tägi­ge Haft­stra­fe ver­büßt hat­te, soll­te Jew­ge­ni Witisch­ko am 18. Febru­ar frei­ge­las­sen wer­den und sich dann pri­vat auf den Weg zu der Straf­ko­lo­nie machen, um dort sei­ne drei­jäh­ri­ge Frei­heits­stra­fe anzu­tre­ten. Die Behör­den erklär­ten dann jedoch, er wer­de nicht aus der Haft ent­las­sen, son­dern beglei­tet von Gefäng­nis­per­so­nal direkt in die Straf­ko­lo­nie gebracht. Amnes­ty Inter­na­tio­nal vor­lie­gen­den Infor­ma­tio­nen zufol­ge befin­det er sich der­zeit auf dem Weg dort­hin, das genaue Ziel ist aber nicht bekannt.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 1. April 2014 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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luftmeduse

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echo : 0.28 — Eine Pflan­ze ist denk­bar, wel­che zeit­le­bens als flie­gen­des Wesen exis­tiert. Sie wird in der Luft gebo­ren und dort stirbt sie am Ende auch, ohne je den Erd­bo­den berührt zu haben. Irgend­wie scheint sie trotz­dem den Laub­moo­sen ver­wandt, sie schätzt den Wind und den Regen, vor län­ge­rer Zeit ein­mal muss sie dann abge­ho­ben sein, hält sie sich nun bevor­zugt in einer Höhe von 1000 bis 2000 Metern frei schwe­bend auf. Es darf dort nicht zu kalt und nicht zu tro­cken sein, sie ist dem­zu­fol­ge ein Geschöpf eher feuch­ter, war­mer, äqua­to­ria­ler Gebie­te. Man könn­te sagen, dass sie mit­tels einer Lupe betrach­tet Medu­sen­tie­ren ähn­lich ist, Zwerg­me­du­sen, weil von klei­ner Gestalt, ihre Blü­ten, dort wo der Wind sie bestäubt, sind trans­pa­ren­te Gewe­be, nicht grö­ßer als Mari­en­kä­fer­ge­häu­se, wel­che der­art ange­ord­net sind, dass der Wind die flie­gen­de Pflan­ze in eine vor­be­stimm­te Him­mels­rich­tung treibt. Man ernährt sich vom Licht der Son­ne, vom Was­ser, das sich in der Luft, das heißt, in den Wol­ken befin­det, und von mine­ra­li­schen Stäu­ben, die die Welt umkrei­sen. Ihre Wur­zeln sind fei­nen Füh­lern ähn­lich, aller­dings abwärts gerich­tet, dem Erd­bo­den zu, sie sind in der Lage, mit kleb­ri­gem Film, der sie bedeckt, alles das fest­zu­hal­ten oder ein­zu­fan­gen, was in der Grö­ße zu ihnen passt. Manch­mal, in den Zei­ten größ­ter Not, fres­sen sie ein­an­der auf, was im Prin­zip eine leich­te Sache ist, weil man nicht sel­ten, zu Kolo­nien ver­wach­sen, in nächs­ter Nähe zuein­an­der lebt, wes­halb man vor­ein­an­der nicht flüch­ten kann. Die schnel­le­re unter zwei Nach­bar­pflan­zen gewinnt, ist aller­dings sehr häu­fig bereits selbst schon von ande­rer Sei­te her behut­sam ange­tas­tet. Das sind Tra­gö­di­en der Luft, die sich unauf­hör­lich und voll­kom­men geräusch­los voll­zie­hen, ein Kom­men und Gehen, wo sie sich über den Him­mel bewe­gen, herrscht Däm­me­rung, ster­ben die Wäl­der des Bodens, Wie­sen, Step­pen, Gär­ten. Flie­gen­de Pflan­zen sind nicht ohne Grund strengs­tens ver­bo­te­ne Erfin­dun­gen. – stop

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propellerfeige

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del­ta : 2.38 — Wie man mit einem Stift eine Sub­stanz zu einem Zei­chen auf Papier setzt, wird mit dem Skal­pell die Atmo­sphä­re des Prä­pa­rier­saa­les in einen Kör­per ein­ge­tra­gen. Zer­glie­dern heißt zunächst, Räu­me zu schaf­fen für das Licht. — Oder das Den­ken. Wie man von Satz zu Satz Räu­me öff­net zu wei­te­ren Gedan­ken, die bereits lan­ge Zeit unbe­merkt exis­tiert haben könn­ten. Wör­ter, die sich wie Anten­nen in unbe­kann­te Zim­mer tas­ten. Pro­pel­ler­fei­ge. — stop

polaroidairbus

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nüsse. 20 gramm

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oli­mam­bo : 0.15 — Als ich unlängst von einer Rei­se zurück­kehr­te, ent­deck­te ich Esme­ral­da auf dem Rah­men der Tür zum Arbeits­zim­mer. Die klei­ne Schne­cke hock­te genau dort, wo ich sie vor mei­ner Abrei­se zuletzt gese­hen hat­te. Viel­leicht konn­te sie das Gewicht mei­ner Schrit­te auf der Trep­pe spü­ren, ihre Füh­ler­au­gen jeden­falls waren bereits aus­ge­fah­ren, als ich die Tür zur Woh­nung öff­ne­te. Esme­ral­da schien den heim­keh­ren­den Mann in aller Ruhe zu betrach­ten. Ich über­leg­te, kaum hat­te ich die Woh­nung betre­ten, ob es mög­lich sein könn­te, dass sich das Schne­cken­we­sen in der Zeit mei­ner Abwe­sen­heit nicht von der Stel­le bewegt haben könn­te. Geschäl­te Pekan­nüs­se, die ich im Dezem­ber noch in Küche und Die­le auf den Boden leg­te, waren unbe­rührt. Nun aber, da ich mei­nen Kof­fer aus­pack­te, rühr­te sich Esme­ral­da. Sie schien an Gewicht ver­lo­ren zu haben, war in ihrer Wan­de­rung jedoch so schnell wie üblich, wes­halb ich behaup­ten möch­te, dass Esme­ral­da kei­nen Scha­den genom­men haben dürf­te. Nach einer Wei­le erreich­te sie das Arbeits­zim­mer und klet­ter­te unver­züg­lich zur Decke empor, um direkt über mei­nem geöff­ne­ten Kof­fer Platz zu neh­men. Dort ver­weil­te sie für meh­re­re Stun­den, auch als ich mei­nen Kof­fer längst ent­leert und das Licht im Zim­mer aus­ge­schal­tet hat­te, rühr­te sie sich nicht. Direkt unter ihr, auf dem Sofa, lagen ein Paar Hand­schu­he und ein Notiz­buch. Gegen Mit­ter­nacht mel­de­te sich L. Er berich­te­te, er habe einen Auf­trag ange­nom­men, näm­lich in die Gegend von Nar­vik zu rei­sen, um zwei­hun­dert tief­ge­fro­re­ne Seen, die noch ohne Namen sein sol­len, zu bezeich­nen. Als ich kurz dar­auf in mein Arbeits­zim­mer zurück­kehr­te, genau in dem Moment, da ich das Licht anschal­te­te, ließ Esme­ral­da sich von der Decke fal­len. Sie lan­de­te weich auf mei­nen Hand­schu­hen. Ein unglaub­li­cher Anblick, es schien, als wür­de die Schne­cke in dras­ti­scher Wei­se mit mir kom­mu­ni­zie­ren. Indem ich sie in die Luft hob, ver­such­te sie ver­geb­lich, sich in ihr Haus zurück­zu­zie­hen. Jetzt wie­der Ruhe. Nebel­nacht. — stop

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polaroidmonroe2

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fenster süd

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echo : 2.28 — Fünf Mari­en­kä­fer sit­zen auf einem Rol­lo, das das Süd­fens­ter mei­ner Woh­nung von innen her ver­dun­kelt. Sie sind klein, unge­fähr so groß wie der Glas­kopf einer Steck­na­del. Noch nie habe ich der­art klei­ne Käfer gese­hen. Ver­mut­lich sind sie hier in mei­ner Woh­nung ent­stan­den, ken­nen von der Welt nichts als mei­ne Zim­mer, Die­le, Bad und Küche. Ich glau­be, es ist noch nicht viel Zeit ver­gan­gen, seit sie geschlüpft sind, ein oder zwei Tage viel­leicht. Wenn ich mich mit einer Lupe nähe­re, gehen sie etwas in die Knie, legen den Pan­zer auf­grund, und war­ten ab, dass sich das gro­ße Auge, das sie betrach­tet, wie­der zurück­zieht. Eine Wei­le las in einer Erzäh­lung von Juli­an Bar­nes her­um, ruh­te auf dem Sofa. Von dort aus konn­te ich, obwohl sie wirk­lich sehr klein waren, die Kör­per der Käfer auf dem gro­ßen Weiß erken­nen. Zunächst dach­te ich, sie beweg­ten sich nicht. Wenn ich mich aber län­ge­re Zeit auf die Sät­ze des Buches kon­zen­trier­te, waren ihre Kör­per doch wei­ter­ge­rückt, sobald ich zum Fens­ter blick­te. Ich dach­te, dass sie sich viel­leicht nur dann beweg­ten, wenn ich sie nicht betrach­te­te, dass sie also ihrer­seits mich beob­ach­te­ten. Wahr­schein­li­cher ist, dass mein Gehirn ihre lang­sa­me Art und Wei­se der Bewe­gung nicht zu erfas­sen ver­mag, weil sein Nah­zeit­spei­cher äußerst flüch­tig zu sein scheint. Ein­mal stand ich auf und pflück­te einen Käfer vom Rol­lo und warf ihn vor­sich­tig in die Luft. Damit hat­te der Käfer nicht gerech­net. Er stürz­te, ohne sei­ne Flü­gel geöff­net zu haben, auf die wei­che Flä­che mei­nes Sofas ab. Unver­züg­lich schlief der Käfer ein, weil es immer­hin weit nach Mit­ter­nacht gewor­den war. Wer­de selbst bald schla­fen, zuvor aber fünf klei­ne Mari­en­kä­fer in eine Schach­tel set­zen, wer­de den Deckel der Schach­tel mehr­fach mit einer Gabel per­fo­rie­ren, und die­se Schach­tel in mei­nen Kühl­schrank legen, 6° Cel­si­us. Bald Früh­ling. — stop
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code blue

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gink­go

~ : malcolm
to : louis
sub­ject : CODEBLUE
date : jan 8 14 3.15 p.m.

Eis schin­delt auf der Upper New York Bay. Es ist kalt gewor­den, kla­re Luft. Seit zwei Tagen ankert das Fähr­schiff John F. Ken­ne­dy vor dem Saint Geor­ge Ter­mi­nal. Wir haben Erlaub­nis, an Bord zu blei­ben. Not­be­leuch­tung auf den Decks. Alli­son war kurz an Land gegan­gen, um Erd­nüs­se für Fran­kie zu besor­gen. Er tollt jetzt schon seit Stun­den auf dem Schiff her­um, als wür­de es ihm allein gehö­ren. Wir erle­ben in die­ser Wei­se eine ruhi­ge Zeit, nie­mand hier, der Fran­kie zu nahe kom­men könn­te. Von der Besat­zung des Schif­fes ist nur ein Matro­se geblie­ben. Er hat damit begon­nen, die Rah­men der Fens­ter zu strei­chen. Auf den Fähr­schif­fen, die an uns vor­bei­zie­hen, sind ver­mumm­te Pas­sa­gie­re zu erken­nen. Man­che wagen sich auf die Pro­me­na­den hin­aus, vie­le tra­gen Mas­ken vor ihrem Gesicht, ein unheim­li­cher Anblick. Und das Knis­tern des Eises, das sich in Ufer­nä­he sofort wie­der hin­ter den Schif­fen schließt. Noch ist es kein Hin­der­nis. Schol­len rich­ten sich senk­recht auf, blei­ben ste­hen wie mes­ser­schar­fe Zäh­ne. Ein Tran­sis­tor­ra­dio spielt Jazz­mu­sik. Stünd­li­che Nach­rich­ten von der Lage in der Stadt. Kir­chen und Schutz­räu­me sol­len für Per­so­nen ohne Woh­nung geöff­net wor­den sein. Wir fra­gen uns, ob Fran­kie im Cen­tral Park über­lebt haben wür­de. Wei­ter­hin, auch nachts, sind Möwen am Him­mel. — Mal­colm. Ahoi! / code­wort : codeblue

emp­fan­gen am
8.01.2014
1171 zeichen

mal­colm to louis »

polaroidlungen

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remington

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whis­key : 1.28 — In der ver­gan­ge­nen Nacht träum­te ich von einer Schreib­ma­schi­ne. Die­se Schreib­ma­schi­ne ver­füg­te über ein Band von roter und schwar­zer Far­be sowie über einen Satz Ham­mer­zei­chen, die sich nur dann beweg­ten, wenn ich die Tas­ten mit gro­ßer Kraft in das mecha­ni­sche Getrie­be der Maschi­ne drück­te. Manch­mal, wäh­rend ich notier­te, blie­ben ein­zel­ne der Tas­ten in der Tie­fe hän­gen, als woll­te die Schreib­ma­schi­ne nicht von dem Zei­chen las­sen, das sie gera­de noch auf das Papier gesetzt hat­te. Eine Tas­te nach der ande­ren fiel aus, bis ich nur noch das Zei­chen M bewe­gen konn­te. Ich erin­ne­re mich, in mei­nem wirk­li­chen Leben tat­säch­lich eine Schreib­ma­schi­ne wie die geträum­te Schreib­ma­schi­ne beses­sen zu haben. Sie stand lan­ge Zeit auf mei­nem Schreib­tisch, ich hob sie nur sel­ten an, weil sie schwer gewe­sen war, 10 oder 15 Kilo­gramm. Es war eine Reming­ton mit einem Farb­band, tro­cken wie nami­bi­scher Wüs­ten­sand. Da nie­mand wuss­te, auf wel­chem Wege man an ein fri­sches Farb­band gelan­gen konn­te, erzeug­te die Schreib­ma­schi­ne zeit­le­bens kein sicht­ba­res, aber tast­ba­re Zei­chen, und doch tipp­te ich manch­mal auf der Maschi­ne her­um, als wür­de ich etwas auf­schrei­ben, als wür­de ich üben, laut­lo­se Musik, Ges­ten, stum­me Gedan­ken. In mei­nem Traum der ver­gan­ge­nen Nacht wur­de die Maschi­ne unter mei­nen Hän­den immer klei­ner, bis sie zuletzt ver­schwun­den war. Ich habe dann noch etwas wei­ter geträumt. Ich war in einem U‑Boot unter­wegs. Ich fuhr den Mis­sis­sip­pi auf­wärts. Das Was­ser war dun­kel. Ich beob­ach­te­te leuch­ten­de Rin­der, wie sie auf dem Grund des Flus­ses durch knie­ho­hen Schlamm wate­ten. — stop
polaroidzeichnungen

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schachtelzimmer

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echo : 0.02 — Julio Cor­tá­zar erzählt in sei­nem Kalei­do­skop Rei­se um den Tag in 80 Wel­ten eine Geschich­te, in wel­cher eine Flie­ge von zen­tra­ler Bedeu­tung ist. Die­se Flie­ge soll auf dem Rücken geflo­gen sein, als der Autor sie ent­deck­te, Augen nach unten dem­zu­fol­ge, Bein­chen nach oben, ein für Flie­gen­tie­re nicht übli­ches Ver­hal­ten. Natür­lich muss­te die­se selt­sa­me Flie­ge unver­züg­lich näher betrach­tet wer­den. Julio Cor­tá­zar erfand des­halb ein Zim­mer, in wel­chem die Flie­ge fort­an exis­tier­te, und einen Mann, der die Flie­ge zu fan­gen such­te. Wie zu erwar­ten gewe­sen, war der Mann in sei­ner Beweg­lich­keit viel zu lang­sam, um die Flie­ge behut­sam, das heißt, ohne Beschä­di­gung, erha­schen zu kön­nen. Er bemüh­te sich red­lich, aber die Flie­ge schien jede sei­ner Bewe­gun­gen vor­her­zu­se­hen. Nach einer Wei­le mach­te sich der Mann dar­an, das Zim­mer, in dem er sich mit der Flie­ge auf­hielt, zu ver­klei­nern. Er fal­te­te Papie­re zu Schach­teln, die den Flug­raum der beson­de­ren Flie­ge all­mäh­lich der­art begrenz­ten, dass sie sich zuletzt kaum noch bewe­gen konn­te. Flie­ge und Fän­ger waren in einem licht­lo­sen Raum inner­halb eines Schach­tel­zim­mers gefan­gen, dar­an erin­ne­re ich mich noch gut, oder auch nicht, weil ich die­se Geschich­te bereits vor lan­ger Zeit gele­sen habe, immer wie­der von ihr erzähl­te, wes­halb sich die Geschich­te ver­än­dert, von der ursprüng­li­chen Geschich­te ent­fernt haben könn­te. Das Buch, in dem sie sich auf­hält, befin­det sich zur­zeit außer Reich­wei­te, aber ich wer­de die Geschich­te so bald wie mög­lich über­prü­fen. Es ist eine klei­ne Geschich­te, die behilf­lich sein könn­te, schnel­le Droh­nen­vö­gel ein­zu­fan­gen, wenn man ihrer Gat­tung ein­mal zufäl­lig begeg­nen soll­te oder von einer Mikro­droh­ne ver­folgt sein wür­de. Ich glau­be, ich habe noch etwas Zeit, das Jahr ist erst weni­ge Tage alt. — stop
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isaak b. singer

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nord­pol : 2.55 — Ich stell­te mir soeben einen jun­gen Mann vor, der an einer län­ge­ren Novel­le schreibt. Die­se Novel­le erzählt von Kie­men­men­schen, wel­che in Was­ser­woh­nun­gen der Stadt Val­let­ta exis­tie­ren sol­len. Merk­wür­dig ist viel­leicht, dass der jun­ge Mann einen Erzähl­band Isaac B. Sin­gers auf sei­nen Arbeits­tisch leg­te, dem er nun Wör­ter ent­nimmt, die er in sei­ner Novel­le ver­wen­den will. Ich spre­che mit dem jun­gen Mann, erfah­re, dass er für sei­ne Geschich­te aus­schließ­lich Wör­ter ver­wen­den dür­fe, die im Buch Isaac B. Sin­gers ent­hal­ten sind. Es han­delt sich um eine Über­set­zung der Coll­ec­ted Sto­ries aus dem Jahr 1983. In dem Buch sind kaum noch freie Wör­ter zu fin­den. Wör­ter, die bereits ver­wen­det wur­den, sind mit Blei­stift mar­kiert. Der jun­ge Mann blät­tert wie wild gewor­den in sei­nem Buch her­um, er sucht nach den Wör­tern Lun­gen­schleu­se und See­ane­mo­nen­baum, er sucht viel­leicht ver­geb­lich, weil die­se Wör­ter in dem Roman Isaac B. Sin­gers bis­her von nie­man­dem ent­deckt wer­den konn­ten. Zu die­sem Zeit­punkt, inmit­ten der Nacht, ist denk­bar, dass der jun­ge Mann noch Jah­re so sit­zen wird und suchen, ohne sei­ne Geschich­te je fort­set­zen oder zu Ende schrei­ben zu kön­nen. — stop
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