Aus der Wörtersammlung: nacht

///

san marco

2

echo : 8.15 UTC — In der ver­gan­ge­nen Nacht habe ich geträumt, wun­der­ba­re 5 Jah­re lang geschla­fen zu haben. Als ich erwach­te, fühl­te ich mich wohl, dann bemerk­te ich, dass ich im Was­ser stand bis zum Bauch. Das Was­ser war warm, es roch nach Tang und nach Salz und nach Öl in die­sem Augen­blick des Erwa­chens. Ich hör­te vor dem Fens­ter die Stim­men spie­len­der Kin­der. Ich sah mich um und dach­te: Was für ein schö­ner Anblick, all die­se Lich­ter, es muss Nacht sein, Schif­fe fah­ren her­um, die von Vögeln gezo­gen wer­den, als wären sie Pfer­de. Dann erwach­te ich erneut. Es war frü­her Mor­gen, anstatt Kin­der­stim­men, hör­te ich die hell pfei­fen­den Stim­men eini­ger See­mö­wen. Ich trat an ein Fens­ter, sah auf den Hof. Da waren tat­säch­lich Möwen. Sie ver­such­ten, Müll­tü­ten zu öff­nen. Man­che der Müll­tü­ten lagen auf dem Boden, ande­re hin­gen in den Bäu­men. Ich fand, die Möwen waren nicht sehr geschickt im Öff­nen der Müll­tü­ten. Plötz­lich hüpf­ten Kin­der auf der Gas­se her­um. Sie tru­gen Schul­ran­zen auf dem Rücken und Tele­fo­ne mit Bild­schir­men in ihren Hän­den. Immer wie­der blie­ben sie ste­hen und steck­ten die Köp­fe zusam­men und lach­ten. Ich bemerk­te, dass der Ole­an­der vor dem West­fens­ter im Hof zu blü­hen begann. Es waren rote Blü­ten. Ges­tern Abend habe ich Men­schen beob­ach­tet, die auf dem Mar­kus­platz um eine Öff­nung im Boden stan­den, aus wel­cher Was­ser sicker­te. Sie foto­gra­fier­ten, aber das Was­ser war sehr wenig, wes­we­gen sie her­an­zoo­men muss­ten. Auch waren da Men­schen, die Tan­go tanz­ten nach Melo­dien eines Kaf­fee­haus-Orches­ters. — stop

///

alberoni

2

india : 22.06 UTC — Regen­wind­tü­cher wan­dern in der Fer­ne vor Ber­gen, die sich am Hori­zont deut­lich abbil­den. Vom Lido aus, an der Meer­enge zur Insel­zun­ge Pal­estri­na, öff­net sich ein wei­ter Blick nord­wärts über die Lagu­ne hin. Das Meer noch beru­higt, Muschel­fang­sta­tio­nen set­zen wie gezeich­net fei­ne Akzen­te, höl­zer­ne Fin­ger, zu Rei­hen grup­piert, jen­seits der Was­ser­bah­nen, die mit­tels mäch­ti­ger Boh­len mar­kiert wor­den sind. In Albe­ro­ni stei­ge ich aus, spa­zie­re an Leucht­tür­men vor­bei, eine Mole ent­lang, mäch­ti­ge Stei­ne. Da sind ein wil­der Wald und sump­fi­ge Mul­den, in wel­chen Fisch­chen blit­zen, Wol­ken­struk­tu­ren, die des Him­mels und die der Schup­pen­haut­schwär­me. Ich nähe­re mich Schritt für Schritt, irgend­wo da unten in der Tie­fe der Was­ser­stra­ße hin zum offe­nen Meer soll sich M.O.S.E. befin­den. Eine jun­ge Vene­zia­ne­rin erklär­te noch: Bad Pro­jekt! Und wie sich ihre Augen ange­sichts des Bösen ver­dun­kel­ten, mein­te ich mei­nen Wunsch, M.O.S.E zu besu­chen, ver­tei­di­gen zu müs­sen. Die Son­ne geht lang­sam unter. Röt­lich glim­men­de Stä­be nahe dem schma­len Mund zur Lagu­ne erschei­nen, als wür­den sie in der Nacht auf die Exis­tenz des schla­fen­den Schutz­rie­sen unter der Was­ser­ober­flä­che ver­wei­sen. Da liegt ein ver­las­se­ner Kin­der­spiel­platz in Mee­res­nä­he unter Ole­an­der­bäu­men. Ein san­di­ger Strand, Muscheln, höl­zer­nes Treib­gut, drei Möwen, ein Ang­ler, Fuß­spu­ren im feuch­ten Sand, die die auf­kom­men­de Flut bald ver­schlin­gen wird. Im Was­ser selbst drei mensch­li­che Köp­fe, die lachen, und ein wei­te­rer Kopf, der sich par­al­lel zur Küs­te schwim­mend hin und her bewegt, nur nicht die tie­fe­re Zone die­ses Mee­res berüh­ren, in dem so vie­le Men­schen bereits ertrun­ken sind. In einem Regal des Kin­der­spiel­plat­zes ent­de­cke ich heim­wärts gehend eini­ge Bücher, kurz dar­auf einen Fuß­ab­druck, den ich selbst hin­ter­las­sen haben könn­te. — stop

ping

///

zattere

2

ulys­ses : 20.32 UTC — Jenes ein­sa­me Nadel­blatt­ge­wächs in der Form der Pini­en­bäume unweit der Pon­te agli Incura­bili könn­te Joseph Brod­sky bei Regen noch beschir­men. Von dort soll der Dich­ter gern über den Kanal nach Giudec­ca geschaut haben. Ich erwar­tete eine Bank von Stein oder von Holz, vergeb­lich. Viel­leicht wird Joseph Brod­sky sich zur Beob­ach­tung des Was­sers einen klei­nen Klapp­stuhl mitge­nommen haben oder ließ die Bei­ne von der Kai­mau­er bau­meln, sie wer­den vermut­lich bald nass gewor­den sein. Wenn ich nur lan­ge genug nach Wes­ten schaue zu den Hafen­an­lagen hin, kann ich Joseph Brod­sky sit­zen sehen, wie er sich mit den Wel­len des Mee­res unter­hält, ihre Bewe­gung erforscht. Wie sich in die­sem Augen­blick, es ist kurz nach 8 Uhr, ein braun rosa­far­be­ner feuch­ter Elefan­ten­rüssel aus dem Was­ser erhebt, wie er bebend die Luft son­diert, wie er sich dem Dich­ter nähert, als wäre er noch immer dort, Fonda­menta degli Incura­bili. – stop
ping

///

zitelle

2

echo : 22.05 UTC — Ich hör­te, in der Lagu­ne, in wel­cher im Wes­ten die Stadt Chiog­gia, im Osten die Stadt Vene­dig zu fin­den sind, sol­len 120 Robo­ter­fi­sche kreu­zen, ein Schwarm, der das Was­ser erkun­det, Strö­mun­gen, Plank­ton, Metal­le, die im Was­ser schwe­ben oder sich bereits mit dem Was­ser ver­bun­den haben. Wie lan­ge Zeit, dach­te ich, müss­te ich nahe der Vapo­ret­to — Sta­ti­on Zitel­le unter See­mö­wen sit­zen und ins Was­ser spä­hen, bis ich einen die­ser klei­nen Robo­ter­fi­sche mit eige­nen Augen beob­ach­tet haben wür­de. Ein selt­sa­mes Wesen wer­den jene schö­nen, gro­ßen, scheu­en Vögel viel­leicht den­ken. Es war­tet, es schaut ins Was­ser, es ist auch in der Nacht noch vor Ort, es schläft nicht, es scheint nicht gefähr­lich zu sein, es ver­speist Äpfel, wir müs­sen nur war­ten, dann bekom­men wir ein wenig von den Äpfeln vor­ge­legt. Gleich neben mir steigt das Meer eine stei­le Trep­pe hin­auf und wie­der hin­ab. — stop
ping

///

morgens

2

bamako : 16.52 UTC — Mut­ter vor Jah­ren, wie sie aus dem Haus tritt. Es ist frü­her Mor­gen, viel­leicht Okto­ber, Nebel. Sie trägt einen Mor­gen­man­tel, der noch immer in ihrem alten Haus im Bade­zim­mer an einem Haken hängt. Sie bückt sich nach der Zei­tung, schließt die Haus­tür, geht lang­sam, etwas unsi­cher bereits, zum Wohn­zim­mer­tisch, legt die Zei­tung auf ihm ab.  Weni­ge Schrit­te ent­fernt war­tet eine Tas­se Kaf­fee. Die holt sie jetzt. Sie setzt sich vor die Zei­tung und beginnt ihre eige­ne Zei­tung her­zu­stel­len. Das ist ein Vor­gang, der eine hal­be Stun­de Zeit in Anspruch neh­men kann. Um ihre eige­ne Zei­tung her­stel­len zu kön­nen, muss sie die ange­lie­fer­te Zei­tung Sei­te um Sei­te betrach­ten. Sobald sie eine Sei­te ent­deckt, auf wel­cher ein Arti­kel sich befin­det, den sie zu lesen wünscht, trennt sie die Sei­te vor­sich­tig von allen wei­te­ren Sei­ten, fal­tet sie und legt sie zur Sei­te. In die­ser Wei­se ent­steht nach und nach ein klei­ner Sta­pel von Zei­tungs­sei­ten, die die alte Dame nach und nach lesen wird. Sie geht spa­zie­ren, sie geht ein­kau­fen mit ihrem Wägel­chen von schot­ti­schem Mus­ter­stoff, sie tele­fo­niert mit ihren Freun­din­nen und sie sam­melt Blät­ter im Gar­ten und grüßt die Fische, die sich bereits auf den Win­ter vor­be­rei­ten. Indes­sen, immer wie­der ein­mal, ent­fal­tet sie eine der Sei­ten ihrer Zei­tung, um sie zu lesen. Dann ist Abend gewor­den. Unter der Lek­tü­re einer der letz­ten Zei­tungs­sei­ten schläft sie ein im Bett, das in ihrem alten Haus noch immer steht, wie auch die Nacht­tisch­lam­pe und ihre Bücher, ein Turm, die sie vor­hat­te zu lesen. — Im Haus der alten Men­schen, dort, wo über die Flu­re Roll­stüh­le fah­ren, dort wo Mut­ter nun lebt, exis­tie­ren weder Zei­tun­gen noch Bücher. Ich habe das genau so beob­ach­tet. — stop

///

nachtmann

ping
ping
ping

del­ta : 0.36 UTC — Ich stell­te mir einen Nacht­mann vor, der unter einem Schirm durch die Welt reist, oder mit einem leich­ten Zelt, das sich beleuch­ten lässt, wie sich auch der Schirm beleuch­ten lässt. Ein­mal erreicht der Mann die süd­li­che Küs­te der Insel Kre­ta. Er beschloss, an einem Strand nahe Soug­hia zu über­win­tern. Er errich­te­te dar­auf­hin sein Zelt im Schat­ten eines Salz­bau­mes. Nun konn­te man ihn nachts im Dorf oder am Strand her­um­lau­fen oder spa­zie­ren sehen. Am Tag ruh­te er in der Dun­kel­heit sei­nes Zel­tes und schlief oder las oder tele­fo­nier­te im Licht sei­ner Lam­pen. — stop

///

papiere

2

del­ta : 22.58 UTC — In die­sem Moment, da die Tem­pe­ra­tur der Luft 38 °C erreicht, darf ich einen Text zitie­ren, den ich vor Jah­ren bereits notier­te. Er han­delt von Eis­pa­pie­ren und von einem beson­de­ren Kühl­schrank, den ich damals in Emp­fang genom­men hat­te, von einem Behäl­ter enor­mer Grö­ße. Ich schrieb, ich wieder­hole, dass die­ser Kühl­schrank, in wel­chem ich pla­ne im Som­mer wie auch im Win­ter kost­bare Eisbü­cher zu stu­die­ren, eigent­lich ein Zim­mer für sich dar­stellt, ein gekühl­tes Zim­mer, das wie­der­um in einem höl­zer­nen Zim­mer sitzt, das sich selbst in einem grö­ße­ren Stadt­haus befin­det. Nicht dass ich in der Lage wäre, in mei­nem Kühl­schrank­zimmer auf und ab zu gehen, aber es ist groß genug, um einen Stuhl in ihm unter­zu­bringen und eine Lam­pe und ein klei­nes Regal, in dem ich je zwei oder drei mei­ner Eisbü­cher aus­stel­len wer­de. Dort, in nächs­ter Nähe zu Stuhl und Regal, habe ich einen wei­te­ren klei­neren, äußerst kal­ten, einen sehr gut iso­lier­ten Kühl­schrank aufge­stellt, einen Kühl­schrank im Kühl­schrank sozu­sagen, der von einem Notstrom­ag­gregat mit Ener­gie ver­sorgt wer­den könn­te, damit ich in den Momen­ten eines Strom­aus­falles ausrei­chend Zeit haben wür­de, jedes ein­zel­ne mei­ner Eisbü­cher in Sicher­heit zu brin­gen. Es ist näm­lich eine uner­träg­liche Vorstel­lung, jene Vorstel­lung war­mer Luft, wie sie mei­ne Bücher berührt, wie sie nach und nach vor mei­nen Augen zu schmel­zen begin­nen, all die zar­ten Sei­ten von Eis, ihre Zei­chen, ihre Geschich­ten. Seit ich den­ken kann, woll­te ich Eisbü­cher besit­zen, Eisbü­cher lesen, schim­mernde, küh­le, uralte Bücher, die knis­tern, sobald sie aus ihrem Schnee­schuber glei­ten. Wie man sie für Sekun­den liebe­voll betrach­tet, ihre pola­re Dich­te bewun­dert, wie man sie dreht und wen­det, wie man einen scheu­en Blick auf die Tex­tu­ren ihrer Gaszei­chen wirft. Bald sitzt man in einer U‑Bahn, den lei­se sum­men­den Eisbuch­rei­se­koffer auf dem Schoß, man sieht sich um, man bemerkt die begeis­terten Bli­cke der Fahr­gäste, wie sie flüs­tern: Seht, dort ist einer, der ein Eis­buch besitzt! Schaut, die­ser glück­liche Mensch, gleich wird er lesen in sei­nem Buch. Was dort wohl hinein­ge­schrieben sein mag? Man soll­te sich fürch­ten, man wird sei­nen Eisbuch­rei­se­koffer viel­leicht etwas fes­ter umar­men und man wird mit einem wil­den, mit einem entschlos­senen Blick, ein gie­ri­ges Auge, nach dem ande­ren gegen den Boden zwin­gen, solan­ge man nicht ange­kommen ist in den fros­tigen Zim­mern und Hal­len der Eisma­ga­zine, wo man sich auf Eis­stüh­len vor Eisti­sche set­zen kann. Hier end­lich ist Zeit, unter dem Pelz wird nicht gefro­ren, hier sitzt man mit wei­te­ren Eisbuch­be­sit­zern ver­traut. Man erzählt sich die neu­es­ten arkti­schen Tief­se­ee­is­ge­schichten, auch jene verlo­renen Geschich­ten, die aus purer Unacht­sam­keit im Lau­fe eines Tages, einer Woche zu Was­ser gewor­den sind: Haben sie schon gehört? Nein! Haben sie nicht? Und doch ist kei­ne Zeit für alle die­se Din­ge. Es ist immer die ers­te Sei­te, die zu öff­nen, man fürch­tet, sie könn­te zerbre­chen. Aber dann kommt man schnell vor­an. Man liest von uner­hörten Gestal­ten, und könn­te doch nie­mals sagen, von wem nur die­se fei­ne Luft­eis­schrift erfun­den wor­den ist. – stop

///

luftgesellschaft

2

nord­pol : 0.05 UTC — Irgend­et­was fehl­te, oder jemand. Ein Gefühl zunächst, ich begann zu zäh­len. Ich zähl­te von 23 Uhr bis Mit­ter­nacht fol­gen­de Besu­cher, die durch mein geöff­ne­tes Fens­ter licht­wärts flo­gen: Zwei klei­ne Flie­gen, eine grün, die ande­re bläu­lich schim­mernd. 3 Mari­en­kä­fer, rot, je 5 Punk­te. 1 Fal­ter, der mir ein Tag­fal­ter zu sein schien, er war aus dem Fens­ter hin­aus, ehe ich ihn unter­su­chen konn­te. 2 fast durch­sich­ti­ge Wesen von hel­lem Grün, die mir bekannt gewe­sen, weil ich mich seit Jah­ren, sobald ihre Art an den Wän­den mei­ner Zim­mer zit­ternd ein­ge­trof­fen ist, beob­ach­tet füh­le. Zuletzt 1 Wes­pe. Es ist Ende Juli, und es ist warm und schwül. — stop

ping

///

von lampen

9

tan­go : 22.15 — Ein Mann schob einen klei­nen Wagen einen Flur ent­lang. Der Wagen war bepackt mit grö­ße­ren oder klei­ne­ren elek­tri­schen Lam­pen, die der Mann ent­zün­det hat­te, so als woll­te er, dass ich sie alle sehen könn­te, viel­leicht um sie an mich zu ver­kau­fen. Nein, eigent­lich war das ganz anders gewe­sen, ich wuss­te, der Mann ver­kauf­te kei­ne Lam­pen, son­dern er tausch­te Lam­pen aus, Decken­lam­pen, Schreib­tisch­lam­pen, Not­leuch­ten, Licht­ta­pe­ten, glim­men­de Stäb­chen, auch flie­gen­de Lich­ter, Droh­nen­leuch­ten. Die­se Droh­nen, win­zi­ge Wesen, saus­ten um sei­nen Kopf her­um, als wären sie Insek­ten, Flie­gen, die Stirn­lam­pen tru­gen, mit wel­chen sie mehr oder min­der frei­wil­lig aus­ge­rüs­tet, ihren Flug doku­men­tier­ten. Wah­re Wol­ken von Licht waren zu bemer­ken, auch saßen Flie­gen auf dem Rücken des Man­nes, der in einer Wei­se leuch­te­te, als wäre Schnee gefal­len. Da war noch eine Schne­cke, die sich über sei­nen Hals beweg­te, auch die Schne­cke leuch­te­te: Das sah sehr schön aus, das vie­le Licht und der Mann, der sei­nen schau­keln­den Wagen über den Flur schob, gera­de auf mich zu. Plötz­lich blieb der Mann ste­hen. Er frag­te, ob ich die Schne­cke haben wol­le, sie sei zahm, sie ernäh­re sich von Staub, den sie zu sehr fei­nen Würm­chen pres­sen wür­de, wel­che ich dann bequem auf­sam­meln könn­te. Außer­dem sei sie wun­der­schön anzu­se­hen nachts auf ihrer Wan­de­rung durch die Dun­kel­heit. Ohne eine Ant­wort abzu­war­ten, fass­te sich der Mann an sei­nen Hals und zog am Gehäu­se der Schne­cke, die sich wehr­te, sie leuch­te­te zunächst rot und dann blau, und wur­de schließ­lich in dem Moment, da sie sich vom Hals des Man­nes lös­te, grün. So, in die­ser grü­nen Far­be leuch­tend, reis­te sie an der Hand des Man­nes durch die Luft. Kurz dar­auf hock­te sie an mei­nem Hals, dicht unter dem Kinn. Ich ver­moch­te ihr Licht an mei­ner Schul­ter erken­nen, die Schne­cke schien sich wohl­zu­füh­len, leuch­te­te in einem schwa­chen Oran­ge, das pul­sier­te, lang­sam, beru­hi­gend. Ich sol­le ihr einen Namen geben, sag­te der Mann. Dann war Mor­gen, es reg­ne­te, selt­sa­mer­wei­se aus einer Wol­ke, die sich unmit­tel­bar über mei­nem Bett unter Zim­mer­de­cke türm­te. — stop

 

///

pfählung

9

sier­ra : 10.55 — Eine Vor­stel­lung muss nicht zwin­gend Erfin­dung zu sein. Aber eine Nacht­bie­ne, wie sie sich im Dun­keln gra­zi­ös durch die Luft bewegt. — Ein­mal notier­te ich auf einen Zet­tel: Ich glau­be, die Men­schen wer­den immer käl­ter und här­ter. Am 23. Juni woll­te mich ein Herr namens Ul.Stinner* bei leben­di­gem Lei­be pfäh­len, weil ich ihm eine Twit­ter­fra­ge stell­te. — stop

*Name geän­dert

ping



ping

ping