Aus der Wörtersammlung: not

///

auf der intensivstation

pic

ulys­ses : 8.22 UTC — Am Tele­fon berich­te­te eine Schwes­ter der Inten­siv­me­di­zin: Heu­te Nacht war es ernst, sie hat­te eine Atem­kri­se. Viel­leicht wol­len sie kurz vor­bei­kom­men? Eine Stra­ßen­bahn­halb­stun­de spä­ter trat ich in die Sta­ti­on. Selt­sam hupen­de Geräu­sche von da, von dort. Blin­ken­de Appa­ra­tu­ren, gelb, rot, grün. Eine wei­te­re Schwes­ter erzähl­te, sie habe mor­gens bei der Über­ga­be gehört, es sei knapp gewe­sen: Das Leben ihrer Freun­din hing an einem sei­de­nen Faden. Und ich dach­te, sie wird nicht die­sel­be sein, wenn sie wie­der auf­wa­chen wird. Wer wird sie sein? Und ich dach­te noch dazu: Jedes der Zim­mer an die­sem Ort, jedes Abteil, ist eine Sor­gen­welt. Und schon saß ich auf einem Stuhl vor dem Bett der Schla­fen­den. Sie lag auf dem Bauch, ich konn­te ihr Gesicht nicht sehen, aber ihre Ohren. Eine der tap­fer fröh­li­chen Schwes­tern schlug vor, ich sol­le doch mög­lichst mit der Schla­fen­den spre­chen: Das mögen sie näm­lich! Und schon waren wir unter uns allein mit den Maschi­nen. Ich ver­such­te also zu spre­chen. Es ist schwer, einer schla­fen­den Per­son zu erzäh­len, man hört nur sich selbst, und man glaubt nicht, was man erzählt, obwohl doch alles wahr ist, was man erzählt. Sofort in die­ser Not­la­ge such­te ich in den Maga­zi­nen mei­ner Schreib­ma­schi­ne nach Geschich­ten, die ich vor­le­sen könn­te, vor­le­sen, sagen wir, wie spre­chen, mit mei­ner Stim­me locken. Ich sag­te: Fol­gen­des, hör zu! Da ist ein Muse­um, das Muse­um der Nacht­häu­ser, das sich in New York am Shore Bou­le­vard nörd­lich der Hell Gates Bridge befin­det, ein recht klei­nes Haus, rote Back­stei­ne, ein Schorn­stein, der an einen Fabrik­schlot erin­nert, ein Gar­ten, in dem ver­wit­ter­te Apfel­bäu­me ste­hen, und der East River so nah, dass man ihn rie­chen kann. Wäh­rend eines Spa­zier­gan­ges, zufäl­lig, ent­deck­te ich die­ses Muse­um, von dem ich nie zuvor hör­te. Es war ein spä­ter Nach­mit­tag, ich muss­te etwas war­ten, weil, so war zu lesen, das Muse­um nicht vor Ein­bruch der Däm­me­rung geöff­net wür­de. Es ist eben ein Muse­um für Nacht­men­schen, die in Nacht­häu­sern woh­nen, wel­che erfun­den wor­den waren, um Nacht­men­schen art­ge­rech­tes Woh­nen zu ermög­li­chen. Als das Muse­um dann öff­ne­te, war ich schon etwas müde gewor­den, und weil ich der ein­zi­ge Besu­cher in die­ser Nacht gewe­sen war, führ­te mich ein jun­ger Mann her­um. Er war sehr gedul­dig, war­te­te, wenn ich wie wild in mein Notiz­buch notier­te, weil er über­aus span­nen­de Geschich­ten erzähl­te von jenen merk­wür­di­gen Gegen­stän­den, die in den Vitri­nen des Muse­ums ver­sam­melt waren. Von einem die­ser Gegen­stän­de will ich kurz erzäh­len, von einem metal­le­nen Wesen, das mich an eine Kreu­zung zwi­schen einem Gecko und einer Spin­ne erin­ner­te. Das Ding war ver­ros­tet. Es hat­te die Grö­ße eines Schuh­kar­tons. An je einer Sei­te des Objekts saßen Bei­ne fest, die über Saug­näp­fe ver­füg­ten, eine Kame­ra thron­te oben­auf wie ein Rei­ter. Der jun­ge Mann erzähl­te, dass es sich bei die­sem Gerät um ein Instru­ment der Ver­tei­di­gung han­de­le, aus einer Zeit da Nacht­men­schen mit Tag­men­schen noch unter den Dächern ein und der­sel­ben Häu­ser wohn­ten. Das klei­ne Tier saß in der Vitri­ne, als wür­de er sich ducken, als wür­de es jeder­zeit wie­der eine Wand bestei­gen wol­len. Das war näm­lich sei­ne vor­neh­me Auf­ga­be gewe­sen, Zim­mer­wän­de zu bestei­gen in der Nacht, sich an Zim­mer­de­cken zu hef­ten und mit klei­nen oder grö­ße­ren Ham­mer­werk­zeu­gen Klopf,- oder Schlag­ge­räu­sche zu erzeu­gen, um Tag­men­schen aus dem Schlaf zu holen, die ihrer­seits weni­ge Stun­den zuvor noch durch ihre har­ten Schrit­te den Erfin­der der Geck­oma­schi­ne, einen Nacht­ar­bei­ter, aus sei­nen Träu­men geris­sen hat­ten. Ja, zum Teu­fel, schon zum hun­derts­ten Male war das so gesche­hen, obwohl man aller freund­lichst um etwas Ruhe, um etwas Vor­sicht gebe­ten hat­te, nein gefleht, nein geflüs­tert. Es war, sag­te der jun­ge Mann, immer so gewe­sen damals in die­ser schreck­li­chen Zeit, dass sich jene Tag­men­schen, die über geräu­mi­gen Zim­mern wohn­ten, sicher fühl­ten vor jenen Nacht­men­schen, die unter ihnen wohn­ten und mit ihren Schrit­ten die Zim­mer­de­cke nie­mals errei­chen konn­ten. Aus und fini! — stop
ping

///

metamorphosen

9

tan­go : 15.38 UTC — Eine Frau sitzt an einem Tisch, sie notiert Ovids Meta­mor­pho­sen auf eine Papier­luft­schlan­ge. Wie behut­sam sie vor­geht, um das Papier nicht zu zer­rei­ßen. Kaum ist sie mit der Beschrif­tung einer der papie­re­nen Stre­cken zu Ende gekom­men, ver­bin­det sie mit einem Tröpf­chen Kleb­stoff eine wei­te­re noch unbe­schrif­te­te Schlan­ge. Kurz dar­auf notiert sie wei­ter, sehr fei­ner Pin­sel. Vor drei Jah­ren war ich die­ser Frau zum ers­ten Mal begeg­net. Heu­te ist sie noch immer frisch, eine Blü­te, viel­leicht des­halb, weil ihre Auf­ga­be, ihr Pro­jekt, unend­lich zu sein scheint. Vic­tor Klem­pe­rers Tage­bü­cher bereits seit Mai, dem 5. — stop

///

kalkutta

2

echo : 0.25 UTC — Ein­mal woll­te ich nach Kal­kut­ta rei­sen. Ich dach­te, das ist jetzt eine beschlos­se­ne Sache. Ich mach­te mich unver­züg­lich an die Vor­be­rei­tung mei­ner Rei­se: Kof­fer, Regen­schirm, Aus­weis, Apo­the­ke, Imp­fun­gen, Notiz­bü­cher, Schreib­ma­schi­ne, Foto­ap­pa­ra­te, Flug hin und zurück, Hotel­zim­mer, Stadt­plan, Lite­ra­tur, Son­nen­hut. Weni­ge Tage spä­ter erreich­te mich ein ers­tes Paket des Doku­men­tar­films Phan­tom Indi­en von Lou­is Mal­le. Ich las, der Film habe ins­ge­samt eine Spiel­zeit von 6 Stun­den und 3 Minu­ten. Solan­ge Zeit, stell­te ich mir vor, könn­te eine Fahrt quer durch Kal­kut­ta mit dem Taxi dau­ern. Es ist nun über­haupt die Fra­ge, wie lan­ge Zeit soll­te ich mich mit der Vor­be­rei­tung mei­ner Rei­se nach Kal­kut­ta beschäf­ti­gen? — Lan­ge Zeit in der ver­gan­ge­nen Nacht das nord­ame­ri­ka­ni­sche Fern­se­hen beob­ach­tet. Wie man sich in den Wor­ten, wenn man sie spürt, fin­den kann, kann man sich im Rau­schen rasen­der Wor­te ver­lie­ren. — stop
ping

///

chicago

2

echo : 15.12 UTC — Am Ende jeden Tages eine Auf­ga­be notie­ren, die sofort nach Schlaf­zeit zu tun ist, zum Bei­spiel: Natha­lie Sar­rau­tes Kind­heit lesen. Oder: 1 Par­tic­les schrei­ben, wel­ches? Oder eine Roman­se­quenz stu­die­ren: Dave Eggers Zeit­o­un. Ein brü­tend hei­ßer Tag. Lud­wig rief an, ja, der Lud­wig, die­ser ner­vö­se, freund­li­che Mann, der seit Jah­ren von einer klei­nen Erb­schaft lebt, die ihm sei­ne Mut­ter hin­ter­ließ, etwas Geld also für beschei­de­nes Leben, sowie ein Kabi­nett voll grau­sa­mer Erin­ne­run­gen. Lud­wig berich­tet, er habe nun 580 Mas­ken der Schutz­klas­se FFP2 zur Ver­fü­gung, ein Vor­rat, gelie­fert von der Post nach un d nach, der für vie­le Jah­re aus­rei­chend sein könn­te, wenn man bedenkt, dass Lud­wig nur ein oder zwei Male in der Woche für kur­ze Zeit sei­ne Woh­nung ver­lässt. Er trägt wun­der­schö­ne Schu­he, ich wür­de Lud­wig sofort anhand sei­ner Schu­he erken­nen. Auch sei­ne Schu­he lie­fert die Post. Im Grun­de, das ist denk­bar, wur­de Lud­wigs Leben durch die Pan­de­mie nur unwe­sent­lich ver­än­dert. Das Leben drau­ßen war bereits sehr gefähr­lich, als das Virus noch nicht exis­tier­te, als das Virus nur eine Idee gewe­sen war. Lud­wigs Geld könn­te an Wert ver­lie­ren, dar­über haben wir nicht gespro­chen, aber über den Klang der Was­ser­spra­chen. — stop

///

laterne

2

echo : 0.18 UTC — Ges­tern bemerk­te ich eine Bewe­gung auf mei­nem Bild­schirm, die ich weder ver­ste­hen noch beein­flus­sen konn­te. Ich notier­te gera­de eine E‑Mail, als zwei Sät­ze die­ser E‑Mail Buch­sta­be für Buch­sta­be rück­wärts gelöscht wur­den. Nichts konn­te ich tun, als die­sen Vor­gang beob­ach­ten. Ich erin­ner­te mich an das Bild eines Pull­overs, wie er ver­lo­ren ging, ein Faden mei­nes Pull­overs war in die Fän­ge einer Kat­ze gera­ten, die wild spie­lend durch die Woh­nung ras­te. Ich saß still auf einem Stuhl und beob­ach­te­te, wie sich der Zusam­men­hang mei­nes Pull­overs auf­lös­te. Ich habe heu­te ver­stan­den, dass man Infor­ma­tio­nen, die inner­halb eines Licht­stroms über­mit­telt wer­den, mit­tels eines Pris­mas in zwei Licht­strö­me spal­ten kann. Auch dass es mög­lich ist, mit­tels eines Enzyms SARS-CoV-2-Viren zu beleuch­ten, das heißt Tei­le, Seg­men­te des Virus so zu codie­ren, dass Licht von ihnen aus­geht. Es ist ein win­zi­ges Licht, aber wenn man sehr nahe her­an­geht an das Licht mit­tels eines Mikro­skops, ist das Licht ein gro­ßes Licht, man könn­te dann von einer Later­ne spre­chen — stop
ping

///

auf stelzen

2

echo : 0.08 UTC — Ein­mal war ein merk­wür­di­ger Tag gewe­sen, die hal­be Stadt stand im Was­ser wie auf Stel­zen. Man hör­te das Was­ser nicht, aber es war anwe­send, in den Kel­lern, in den Stim­men in den Tele­fo­nen, den Unter­füh­run­gen, den tie­fer gele­ge­nen Stra­ßen. Spät, hoch auf einem Stelz­haus, sag­te Mar­gue­ri­te Duras, sie führ­te ein Gespräch mit dem fran­zö­si­schen Regis­seur Benoît Jac­quot auf einem Fern­seh­bild­schirm, berüh­ren­de Sät­ze über das wil­de Schrei­ben, über die Ver­bin­dung von Zwei­fel und Ein­sam­keit. Ein Schrift­stel­ler sei stumm. Unmög­lich, über ein Buch zu spre­chen, das gera­de im Ent­ste­hen begrif­fen ist. Ein Buch sei Nacht. — Es ist nun Jah­re spä­ter. Ich fuhr im Zug. Ich schau­te in mein Notiz­buch, las vom Was­ser und von den Stel­zen. Da stürmt ein Mann in den Zug, setzt sich unmit­tel­bar neben mich, schnauft. Eine jun­ge Frau steht auf und läuft davon, ein wei­te­rer Mann steht auf und läuft davon. Der Mann, der sich neben mich set­ze, schnauft. Ich bemer­ke, er trägt kei­ne Mas­ke vor Nase und Mund. Also ste­he ich auf und lau­fe davon. Es war ein merk­wür­di­ger Tag gewe­sen. — stop
ping

///

fred im zug

pic

sier­ra : 22.32 UTC — Im Zug, es war Sams­tag, saßen nur weni­ge Men­schen. Sie tru­gen alle eine Mas­ke vor Mund und Nase. Ein selt­sa­mer, berüh­ren­der Anblick. Gera­de des­halb, weil sie schlie­fen, wirk­ten sie ver­letz­lich. Wie ich lang­sam an den Schla­fen­den vor­über­ging, die Ver­su­chung je einer Foto­gra­fie. Plötz­lich dach­te ich an den Posau­nis­ten Fred Wes­ley: Wie geht es Dir, Fred? Ich erin­ner­te mich so im Gehen an eine Nacht vor Jah­ren, da ich Fred Wes­ley mit­tels eines Film­do­ku­ments so lan­ge beob­ach­tet hat­te, bis ich der fes­ten Über­zeu­gung gewe­sen sein konn­te, eine Posau­ne habe auf Fred Wes­leys Schul­ter wie ein Tier Platz genom­men, sie habe den kor­pu­len­ten, alten Herrn sozu­sa­gen okku­piert:  Fun­ky! Fun­ky! Mit Fred Wes­ley ist das hof­fent­lich noch immer so: Er bewegt sich geschmei­dig und ele­gant, er scheint zu tan­zen, selbst dann noch, wenn er reg­los, wie schein­bar ange­hal­ten, für Sekun­den vor einem Mikro­fon ver­harrt. Ich hat­te damals den Ver­dacht, der alte Posau­nist ver­fü­ge über die Fähig­keit, außer­ge­wöhn­lich lan­ge Zeit die Luft anzu­hal­ten. Des­halb notier­te ich unver­züg­lich fol­gen­de E‑Mail: Sehr geehr­ter Mr. Wes­ley, es ist Mit­ter­nacht in Euro­pa. Ich hei­ße Lou­is, und ich wüss­te ger­ne, wo Sie sich gera­de befin­den, weil ich ein Gespräch mit Ihnen zu füh­ren wün­sche über das Anhal­ten der Luft und die­se Din­ge, die einem Posau­nis­ten, wie sie einer sind, viel­leicht außer­or­dent­lich gut gelin­gen. Ges­tern auf dem Weg von einem Zim­mer in ein ande­res Zim­mer, wäre ich um Haa­res­brei­te umge­fal­len, weil mir schwin­de­lig wur­de, weil ich kurz zuvor eine Minu­te und eine hal­be Minu­te nicht geat­met hat­te. Ich fra­ge mich, ob ich viel­leicht etwas falsch gemacht haben könn­te. Wie trai­nie­re ich am bes­ten und was sind sinn­vol­le Zie­le, die ein Mensch in die­sem Sport errei­chen kann, ohne sein Leben aufs Spiel zu set­zen? Soll ich mir eine Posau­ne kau­fen? Wie auch immer, ver­ehr­ter Mr. Wes­ley, ich wäre Ihnen dank­bar, wenn Sie mir recht bald ant­wor­ten wür­den, damit ich sogleich mit mei­nen Übun­gen fort­fah­ren kann. Ihr Lou­is — stop
ping

///

30 minuten

9

india : 12.32 UTC — Wie­der bemerkt, dass ich bei­de Arme hebe, also von mei­nem Kör­per abwen­de, also Flü­gel mache, sobald ich durch die Woh­nung lau­fe und dar­über nach­den­ke, wie es wäre, ohne jedes Gewicht zu sein. — Gegen Mit­ter­nacht schau­te ich auf die Uhr. Ich war­te­te so lan­ge Zeit, bis der neue Tag begann. Nach einer hal­ben Stun­de notier­te ich in das Zeit­ver­zeich­nis mei­ner Schreib­ma­schi­ne: Flug­übun­gen / 30 Minu­ten. — stop

///

ai : GUATEMALA

aihead2

MENSCHEN IN GEFAHR: „Im März hat die gua­te­mal­te­ki­sche Regie­rung in einem Indus­trie­park in Gua­te­ma­la-Stadt ein Kran­ken­haus für COVID-19-Pati­en­t_in­nen ein­ge­rich­tet. Jetzt wur­den 46 dort arbei­ten­de Instand­hal­tungs- und Rei­ni­gungs­kräf­te ent­las­sen. Als Grund für die Kün­di­gun­gen ver­wies das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um auf Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, denen zufol­ge die­se Arbeiter_innen einen Ober­stu­fen- oder Uni­ver­si­täts­ab­schluss besit­zen müs­sen, um in dem Kran­ken­haus arbei­ten zu kön­nen. Ein Groß­teil die­ser Beschäf­tig­ten ver­fügt nur über eine grund­le­gen­de Schul­bil­dung und kann die gefor­der­ten Nach­wei­se nicht erbrin­gen. Hin­zu kommt, dass die gekün­dig­ten Per­so­nen, ähn­lich wie Tei­le des medi­zi­ni­schen Per­so­nals, seit dem 24. März kei­nen Lohn erhal­ten haben. Arbeits­lo­sen­un­ter­stüt­zung haben sie eben­falls nicht bekom­men. / Hin­ter­grund: Bereits vor der COVID-19-Pan­de­mie erhielt Gua­te­ma­la auf­grund sei­nes schwa­chen Gesund­heits­sys­tems beson­de­re Unter­stüt­zun­gen von der Pan­ame­ri­ka­ni­schen Gesund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on OPS. Am 9. Juni mel­de­te Gua­te­ma­la 7.055 COVID-19-Fäl­le und 252 Pan­de­mie­to­te.  /  Im März rich­te­te die Regie­rung Gua­te­ma­las in einem Indus­trie­park der Haupt­stadt namens Par­que de la Indus­tria ein Kran­ken­haus für COVID-19-Fäl­le ein. Die Kli­nik hat­te eine Anfangs­ka­pa­zi­tät von 319 Bet­ten und wur­de am 21. März eröff­net. Anfang Mai beschwer­te sich das medi­zi­ni­sche Per­so­nal öffent­lich über feh­len­de Arbeits­ver­trä­ge, nicht aus­ge­zahl­ten Lohn und gefähr­li­che Arbeits­be­din­gun­gen. Pres­se­be­rich­ten zufol­ge, die auf Infor­ma­tio­nen des natio­na­len Rech­nungs­hofs basie­ren, hat das COVID-19-Kran­ken­haus weni­ger als zwei Pro­zent des ihm vom Kon­gress zuge­wie­se­nen Bud­gets in Anspruch genom­men. Der Grund dafür liegt in der gerin­gen ope­ra­ti­ven Kapa­zi­tät und dem Feh­len von ent­spre­chend qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal. / Die Kran­ken­haus­lei­tung gab an, dass die in der Kli­nik arbei­ten­den Per­so­nen über das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um ein­ge­stellt wer­den, wobei die in Haus­halts­be­stim­mung 189 (Titel: “Sons­ti­ge Leis­tun­gen”) des öffent­li­chen Haus­halts fest­ge­leg­ten Anfor­de­run­gen zu befol­gen sind. Vertreter_innen des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums wie­sen dar­auf hin, das Gesetz über den öffent­li­chen Dienst ver­lan­ge, dass unter die­ser Haus­halts­li­nie ein­ge­stell­te Per­so­nen einen Nach­weis über ihren Ober­stu­fen- oder Uni­ver­si­täts­ab­schluss erbrin­gen müs­sen. Der natio­na­len Ombuds­stel­le für Men­schen­rech­te Pro­cu­ra­du­ría de los Derechos Huma­nos zufol­ge wur­den die­se Bele­ge noch nicht ver­langt, als das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um das betref­fen­de Per­so­nal ein­stell­te. Da 46 der im COVID-19-Kran­ken­haus beschäf­tig­ten Instand­hal­tungs- und Rei­ni­gungs­kräf­te nicht die ent­spre­chen­den Unter­la­gen vor­le­gen konn­ten, wur­den sie kur­zer­hand ent­las­sen. Sie hat­ten erst knapp drei Mona­te lang in der Kli­nik gear­bei­tet und muss­ten teil­wei­se ihre eige­nen Werk­zeu­ge und Mate­ria­li­en zur Arbeit mit­brin­gen. Das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um iden­ti­fi­zier­te 38 Per­so­nen, die die Anfor­de­run­gen nicht erfüll­ten. Die natio­na­le Ombuds­stel­le für Men­schen­rech­te hin­ge­gen mel­de­te 46 Kün­di­gun­gen im Bereich Instand­hal­tungs- und Rei­ni­gungs­per­so­nal. / Ent­ge­gen der Begrün­dung des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums besagt der Klas­si­fi­ka­ti­ons­plan für Beschäf­ti­gun­gen im öffent­li­chen Sek­tor in Über­ein­stim­mung mit Para­graf 35 des Geset­zes über den öffent­li­chen Dienst, dass bei einer Rei­he von Stel­len mit über­wie­gend “kör­per­li­cher und repe­ti­ti­ver Arbeit” kei­ne über die Grund­schu­le hin­aus­ge­hen­de Schul­bil­dung not­wen­dig ist. Zudem ist im Hand­buch zur Klas­si­fi­ka­ti­on der Haus­halts­li­ni­en für den öffent­li­chen Dienst (Minis­ter­ver­ein­ba­rung 291‑2012) kei­ne Rege­lung zur Not­wen­dig­keit eines Ober­stu­fen­ab­schlus­ses für die Anstel­lung von Per­so­nen unter Haus­halts­be­stim­mung 189 auf­ge­führt. / Im COVID-19-Kran­ken­haus im Par­que de la Indus­tria in Gua­te­ma­la-Stadt sind die Rech­te der dort Arbei­ten­den –  sowohl die der Instand­hal­tungs- und Rei­ni­gungs­kräf­te als auch die des medi­zi­ni­schen Per­so­nals – bedroht. Die­se Beschäf­tig­ten nicht ange­mes­sen zu schüt­zen, bedeu­tet, nicht nur ihre son­dern auch die Gesund­heit der gua­te­mal­te­ki­schen Bevöl­ke­rung aufs Spiel zu set­zen. Seit Beginn der Pan­de­mie haben Beschäf­tig­te im Gesund­heits­we­sen im gan­zen Land öffent­lich und wie­der­holt das Feh­len ange­mes­se­ner Schutz­aus­rüs­tung kri­ti­siert. Laut der natio­na­len Ombuds­stel­le für Men­schen­rech­te hat­ten sich bis zum 24. Mai 2020 min­des­tens 49 Pfle­ge­kräf­te und Ärzt_innen mit COVID-19 infi­ziert. Am 30. Mai 2020 for­der­te das Ver­fas­sungs­ge­richt das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um auf, unver­züg­lich alle Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen mit ent­spre­chen­der Schutz­aus­rüs­tung aus­zu­stat­ten.“ - Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen bis spä­tes­tens zum 20.7.2020 unter > ai : urgent action
ping

///

eine flasche gin

ping
ping
ping

nord­pol : 0.18 UTC — Wes­halb Georg jene selt­sa­me Geschich­te, die er mir unlängst erzähl­te, gera­de jetzt in die­sen Tagen träum­te, da er ängst­lich in der Welt her­um­spa­ziert wie vie­le von uns, wird viel­leicht nie­man­den wirk­lich wun­dern. Im Traum näm­lich war Georg krank gewor­den vom Virus, vor dem er seit Wochen flüch­tet. Er war im Hos­pi­tal gewe­sen, konn­te kaum noch atmen, saß schweiß­nass im Bett. Da trat eine Ärz­tin in sein Zim­mer. Sie hielt eine Fla­sche Gin in der Hand. Sie war wirk­lich sehr höf­lich. Sie sag­te, er sol­le die Fla­sche unver­züg­lich lee­ren, das hel­fe, sag­te sie, die ame­ri­ka­ni­sche Metho­de. Georg ant­wor­te­te, er flüs­ter­te, dass er seit über zwan­zig Jah­ren kei­nen Alko­hol getrun­ken habe, das wür­de ihn nun doch ganz sicher unter die Erde brin­gen. Er wach­te, Gott sei Dank, bald auf. Georg war betrun­ken. Aber das war nicht wirk­lich der Fall, es war eine Ver­mu­tung, wes­halb unver­züg­lich not­wen­dig gewor­den war, den auf­rech­ten Gang zu pro­bie­ren, wes­halb Georg in die Küche spa­zier­te, das Fens­ter öff­ne­te, um nach den Vögeln zu sehen. Dann rief er mich an, um mir sei­ne Geschich­te zu erzäh­len. — stop



ping

ping