Aus der Wörtersammlung: rot

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kurz vor panitanki

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marim­ba : 4.18 — Ich kann nicht mit Sicher­heit sagen, wo sich Mila­n­o­ma­ki gera­de tat­säch­lich auf­hält, ich weiß nicht ein­mal, ob es sich um eine Frau oder um einen Mann han­delt, und wie alt die­ser Mensch sein könn­te, der mir erzählt. Zuletzt noch fol­gen­de Notiz im Dezem­ber: Ich soll­te ein Ohren­mensch sein. Ich sit­ze mit leicht zur Sei­te geneig­tem Kopf und höre zu, einem Men­schen viel­leicht oder einer Flie­ge, die über mir im Luft­raum turnt. Oder ich ste­he in einem Zim­mer ganz still, um so prä­zi­se wie mög­lich den­ken zu kön­nen. Kurz dar­auf set­ze ich mich an einen Schreib­tisch und mache vie­le Wör­ter, dann mache ich eine Pau­se, dann lese ich alles das Notier­te noch ein­mal durch, dann strei­che ich so vie­le Wör­ter mit dem Kopf, wie mög­lich ist, um bald wie­der nur einen Strich vor mir auf dem Papier vor­zu­fin­den. Ich habe viel erlebt. — Vor weni­gen Stun­den nun eine wei­te­re Nach­richt, die in einem Zug­ab­teil drit­ter Klas­se wäh­rend einer Fahrt von Mum­bai nach Dar­jee­ling ent­stan­den sein soll. Lesen Sie selbst: Ich kann nicht auf­hö­ren, rasen­des, unent­weg­tes Schrei­ben, weil mir jemand beim Schrei­ben zusieht. Ich schrieb über das Fie­ber der ver­gan­ge­nen Tage, aber dann ent­deck­te ich den Blick der roten Schu­he, und schrieb und schrieb nur noch über mei­ne flie­gen­den Hän­de, wie sie schnel­ler und immer schnel­ler notie­ren, wäh­rend sich die­ser eine rote, fla­che Schuh in mei­ner Nähe immer schnel­ler dreh­te, klei­ne Krei­se in die Luft zeich­ne­te, die sich beschleu­nig­ten, weil ich flin­ker und flin­ker schrei­be, ein Text über das Schnell­schrei­ben, das nur des­halb mög­lich ist, weil die Schreib­ma­schi­nen nicht mehr klap­pern wie frü­her noch, mein Gott, wür­den sie noch klap­pern die­se Schreib­ma­schi­nen, was wür­de das nur bedeu­ten, ein Getö­se, jetzt nur noch ein sanf­tes lei­ses Geräusch im Schrei­ben über das Schrei­ben, ein Ver­such, die­sen Schuh, der zu einem ande­ren Sys­tem gehört, schnel­ler und immer schnel­ler krei­sen zu las­sen. - stop

drohne12

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alpha : 1.45 — Wei­te­re fünf­zehn Minu­ten Lek­tü­re auf Posi­ti­on Face­book nahe Pegi­da. Fol­gen­de Begrif­fe ent­deckt, die Asyl suchen­de Men­schen bezeich­nen: Drecks­pack Ver­ge­wal­ti­ger Zigeu­nerk­lau­ge­sin­del Mos­lem­ge­mat­sche Nig­ger Kaker­la­ken Ficker Vieh­zeug Rat­ten­pack Neger­skla­ven Seu­che Gesocks. Die­se so bezeich­ne­ten Men­schen möch­te man wahl­wei­se: ver­bren­nen, ver­ga­sen, abfa­ckeln, erschie­ßen, kas­trie­ren, in einem Euro­tun­nel unter Was­ser set­zen bis sie alle tot sind oder aber mit­tels einer schwe­ren Ver­schub­lock über­rol­len, durch­lö­chern, schred­dern, erhän­gen, weg­bom­ben, vor Schnee­pflü­ge span­nen, als Bio­mas­se ver­hei­zen. Noch immer könn­te ich zahl­rei­che bür­ger­li­che Namen jener Per­so­nen, die die­se Bezeich­nun­gen wähl­ten, sowie zu Mord und Tot­schlag auf­ru­fen, an Ort und Stel­le hier notie­ren, sie sind bekannt, man scheint sich nicht im min­des­ten ver­heim­li­chen zu wol­len. — stop

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olkiluoto

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romeo : 0.01 — Im Doku­men­tar­film Into Eter­ni­ty aus dem Jahr 2010 eine äußerst span­nen­de Fra­ge ent­deckt: Ob viel­leicht das End­la­ger für Atom­müll Onka­lo, auf der fin­ni­schen Halb­in­sel Olki­luotoi gele­gen, wel­ches um das Jahr 2100 her­um für alle Zeit ver­sie­gelt wer­den wird, an Ort und Stel­le vor­sich­tig mar­kiert oder aber in einen Zustand ver­setzt wer­den soll­te, dass es von Men­schen ver­ges­sen wer­den könn­te? Ein viel­stim­mi­ger Text geht die­ser Fra­ge nach: Ja, es exis­tiert einer­seits der phi­lo­so­phi­sche Ansatz, dass es sinn­voll wäre, das Atom­müll­la­ger Onka­lo zu ver­ges­sen, eine Ent­de­ckung wäre dem­zu­fol­ge nur durch Zufall denk­bar. Wie aber ist es mög­lich, Ver­ges­sen zu orga­ni­sie­ren? Ander­seits könn­te man das End­la­ger mar­kie­ren. Ein nahe lie­gen­des Modell wäre ein Stein mit einem Text dar­auf in geläu­fi­gen Spra­chen der UN, je mit Hin­wei­sen auf wei­te­re Mar­ker mit je wei­ter­füh­ren­den Infor­ma­tio­nen bis hin zu einer stei­ner­nen Biblio­thek, die in unter­ir­di­schen Räu­men ange­legt wer­den könn­te. Haupt­bot­schaf­ten sind: Dies ist ein gefähr­li­cher Ort, bit­te stört die Ruhe die­ser Anla­ge nicht! Bild­spra­che käme nun ins Spiel, dras­ti­sche Sym­bo­le oder abwei­send gestal­te­te Land­schaf­ten, wel­che aller­dings nicht zwin­gend wir­kungs­voll sein wer­den. In Nor­we­gen exis­tiert ein uralter Stein, des­sen Unter­sei­te mit einer Runen­in­schrift ver­se­hen war: Do not move. Die­se War­nung wur­de von neu­zeit­li­chen Archäo­lo­gen kom­plett igno­riert. Wenn wir die Zeit spie­geln und 100000 Jah­re in die Ver­gan­gen­heit bli­cken, müs­sen wir ein­se­hen, wir haben mit unse­ren Vor­fah­ren, den „Nean­der­ta­lern“, sehr wenig gemein. Es könn­te sein, dass Men­schen der Zukunft, die auf das Lager sto­ßen, über eine ganz ande­re Erschei­nung ver­fü­gen, über ande­re Sin­ne und Bedürf­nis­se als mensch­li­che Wesen unse­rer Zeit. Die Fra­ge ist voll­kom­men offen, ob ein ver­nunft­be­gab­tes Wesen in Zukunft irgend­et­was sinn­voll inter­pre­tie­ren könn­te oder woll­te. In aller Kür­ze: Nie­mand weiß irgend­et­was! Es ist exis­tiert die Not­wen­dig­keit einer Ent­schei­dung trotz Unwäg­bar­keit. Man muss zu die­sem Zeit­punkt sagen, was man weiß, und man muss sagen, wovon man weiß, dass man es nicht weiß, und auch wovon man nicht weiß, dass man es nicht weiß. — stop

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ameisengesellschaft lh — 728

picping

MELDUNG. Amei­sen­ge­sell­schaft LN — 728 [ Säbeldor­ni­ge Kno­ten­amei­se ] Posi­ti­on 49°43’31.6“N 1°56’22.7“W nahe Cap de la Hague / Fol­gen­de Objek­te wur­den von 16.00 — 16.32 Uhr MESZ über das nord­west­li­che Wen­del­por­tal ins Waren­haus ein­ge­führt : zwei­und­fünf­zig tro­cke­ne Flie­gen­tor­si mitt­le­rer Grö­ße [ je ohne Kopf ], dreiund­reis­sig Baum­stäm­me [ à 10 Gramm ], acht­zehn Rau­pen in Grün, acht­und­dreis­sig Rau­pen in Feu­er­rot, zwölf Insek­ten­flü­gel [ ver­mut­lich die von 6 Zitro­nen­fal­tern ], ein­hun­dert­und­zwei Streich­holz­köp­fe [ à ca. 1.8 Gramm ], sechs Per­so­nen der Gat­tung Tachi­na fera [ Igel­flie­ge ] in vol­lem Saft, son­nen­ge­trock­ne­te Sand­dorn­blü­ten [ ca. 80 Gramm von ver­gan­ge­nem Jahr ], sechs Schne­cken­häu­ser [ je ohne Schne­cke ], 1 Par­ti­kel Plu­to­ni­um [ ca 0.01 Gramm ], zwölf gelähm­te Schne­cken [ je ohne Haus ], zwei­hun­dert­und­zwölf Amei­sen anlie­gen­der Staa­ten [ betäubt oder tran­chiert ], zwei Lauf­kä­fer [ him­mel­blau ], fünf Aas­ku­geln eines Pil­len­dre­hers, wenig spä­ter der Pil­len­dre­her selbst, eine Wild­bie­ne, eine Por­zel­lan­hand [ Pup­pe Zwerg Leo­pold Lam­bert um 1890 ] 7.8 Gramm. — stop

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ulys­ses : 0.12 — Fünf Minu­ten Lek­tü­re auf Posi­ti­on Face­book nahe Pegi­da. Fol­gen­de Begrif­fe ent­deckt, die Asyl suchen­de Men­schen bezeich­nen: Pack Zecken Gott­lo­se Krea­tu­ren Schma­rot­zer Ver­ge­wal­ti­ger Abzo­cker Ter­ror­ris­ten Bom­ben­le­ger Kopf­ab­schnei­der Aus­län­der Dro­gen­ku­rie­re Stück Ein­dring­lin­ge Okku­pan­ten Flut­lin­ge Inva­so­ren­pack Bobos Tau­ge­nicht­se Die da!- Ich könn­te die bür­ger­li­chen Namen jeder der Per­so­nen, die die­se Bezeich­nun­gen wähl­ten, an Ort und Stel­le hier notie­ren, sie sind mir bekannt, man scheint über­zeugt zu sein, man scheint sich nicht im min­des­ten ver­heim­li­chen zu wol­len. Sehr selt­sam. — stop

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salzluft

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sier­ra : 6.25 — In der zen­tra­len Biblio­thek der Stadt Upp­sa­la soll eine Abtei­lung duf­ten­der Bücher exis­tie­ren. Der Beschrei­bung nach han­delt es sich bei die­ser Abtei­lung um einen küh­len, abge­dun­kel­ten Saal, in dem sich ent­lang der Wän­de glä­ser­ne Behäl­ter rei­hen, in wel­chen sich je ein Buch befin­det. Die­se Bücher sei­en min­des­tens ein­hun­dert Jah­re alt. Sie hät­ten sehr beweg­te Zei­ten hin­ter sich, sei­en zur See gefah­ren, über­dau­er­ten Jahr­hun­der­te in Kir­chen oder über­leb­ten zu Füßen vul­ka­ni­scher Ber­ge schwers­te Erup­tio­nen. Nähe­re man sich nun einem die­ser Behäl­ter, wür­de man bemer­ken, dass er über einen Vor­satz mit einem Rie­gel ver­fü­ge, den man öff­nen kön­ne, sobald man eine Nase an den Vor­satz leg­te. Unver­züg­lich wür­de man über­rascht von inten­si­ven Düf­ten, von Salz­luft­duft, zum Bei­spiel, wie er See­hä­fen eigen sei, oder von Schwe­fel­dämp­fen, von Weih­rauch- oder Myr­re­düf­ten. Lesen kön­ne man die Bücher natür­lich nicht, das sei nun über­haupt nicht vor­ge­se­hen, sie sind ja ein­ge­sperrt, und das wür­de sich nie­mals ändern, eine merk­wür­di­ge Geschich­te. Die­se merk­wür­di­ge Geschich­te wur­de mir ges­tern von einem Rei­sen­den erzählt, der nachts im Ter­mi­nal 1 des Flug­ha­fens war­te­te. Es war um kurz nach fünf Uhr, als sich eine Frau mit einem klei­nen roten Kof­fer in der Hand nähr­te. Sie erkun­digt sich nach der Uhr­zeit. Ich sag­te: Es ist genau fünf­zehn Minu­ten nach. Wor­auf­hin die Frau wei­ter frag­te: Mor­gens oder abends? — stop

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ai : ägypten

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MENSCHEN IN GEFAHR: „Die Frau­en­recht­le­rin Azza Soli­man sowie 16 wei­te­re Per­so­nen, die bei einem fried­li­chen Gedenk­marsch Augenzeug_innen einer Tötung durch die Poli­zei gewor­den waren, müs­sen am 4. Juli vor Gericht erschei­nen. Ihnen dro­hen bis zu fünf Jah­re Haft und eine Geld­stra­fe bis zu 50.000 Ägyp­ti­schen Pfund (rund 5.800 Euro). Das Gericht ord­ne­te am 13. Juni die per­sön­li­che Anwe­sen­heit der Ange­klag­ten bei der Anhö­rung am 4. Juli an. Die 17 Ange­klag­ten waren am 23. Mai von einem Kai­ro­er Gericht von dem Vor­wurf der “Teil­nah­me an ille­ga­len Pro­tes­ten” und der “Stö­rung der öffent­li­chen Ord­nung” auf Grund­la­ge des repres­si­ven Demons­tra­ti­ons­ge­set­zes frei­ge­spro­chen wor­den. Drei Tage spä­ter leg­te die ägyp­ti­sche Staats­an­walt­schaft ein Rechts­mit­tel ein. Die Anhö­rung am 13. Juni war die ers­te im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren. Sie fand vor dem Beru­fungs­ge­richt Zain­hom in Anwe­sen­heit von zwei Prozessbeobachter_innen der Dele­ga­ti­on der Euro­päi­schen Uni­on in Kai­ro statt. / Laut dem von Azza Soli­man gegrün­de­ten Rechts­hil­fe­zen­trum für ägyp­ti­sche Frau­en Cen­ter for Egyp­ti­an Women’s Legal Assis­tance bemerk­te das Gericht, dass die Ange­klag­ten bei die­ser Anhö­rung nicht wie vom ägyp­ti­schen Pro­zess­recht vor­ge­se­hen vor Gericht erschie­nen waren. Die Rechts­bei­stän­de der Ver­tei­di­gung führ­ten an, dass ihre Mandant_innen das Recht hät­ten, von Rechts­bei­stän­den ver­tre­ten zu wer­den. Sie haben ihre Mandant_innen instru­iert, dass nicht alle von ihnen am 4. Juli erschei­nen müs­sen. / Der Poli­zei­be­am­te Yas­sin Hatem Sala­he­deen wur­de am 11. Juni wegen der Tötung der links­ge­rich­te­ten Akti­vis­tin und Dich­te­rin Shai­maa Al-Sab­bagh zu 15 Jah­ren Haft ver­ur­teilt.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 13. August hin­aus, unter »> ai : urgent action

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alexandros panagoulis

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alpha : 2.58 — Ich beob­ach­te­te einen jun­gen Mann, der lan­ge Zeit neben einer Ampel vor einer Kreu­zung stand, eine vor­neh­me und zugleich merk­wür­di­ge Erschei­nung. Der Mann trug einen ele­gan­ten, grau­en Anzug, hell­brau­ne, fei­ne Schu­he, ein wei­ßes Hemd und eine Kra­wat­te, feu­er­rot. Er mach­te etwas Selt­sa­mes, er setz­te näm­lich sei­nen rech­ten Fuß auf die Stra­ße, um ihn sogleich wie­der zurück­zu­zie­hen, als ob der Belag der Stra­ße zu heiß wäre, um sie tat­säch­lich betre­ten zu kön­nen. Das ging eine Vier­tel­stun­de so ent­lang, ein frü­her Nach­mit­tag, es reg­ne­te leicht. Der Mann schien nicht zu bemer­ken, dass ich ihn beob­ach­te­te. Um uns her­um waren sehr vie­le Men­schen unter­wegs gewe­sen, die die Kreu­zung Broad­way Ecke 30. Stra­ße schnell­fü­ßig unter sich dre­hen­den Regen­schir­men über­quer­ten. Für einen Augen­blick hat­te ich den Ein­druck, der Mann wür­de sich ver­hal­ten wie eine Figur in einem sehr kur­zen Film, der sich unab­läs­sig wie­der­hol­te. Ein­mal bleibt eine älte­re Frau neben ihm ste­hen, sie schien zu zögern, aber dann trat sie doch ent­schlos­sen auf die Stra­ße, um kurz dar­auf zurück­zu­keh­ren und dem jun­gen Mann eine Tüte Nüs­se zu über­rei­chen. In genau die­sem Augen­blick ließ ich los und spa­zier­te wei­ter in Rich­tung South Fer­ry, ohne mich noch ein­mal nach dem jun­gen Mann umzu­dre­hen. — Kurz vor drei Uhr. Noch Stil­le drau­ßen vor den Fens­tern, küh­le Nacht. Erin­ner­te mich vor weni­gen Stun­den an Alex­an­dros Pana­gou­lis, an das vor­ge­stell­te Bild des Dich­ters, wie er im grie­chi­schen Mili­tär­ge­fäng­nis Bogia­ti in einer Zel­le sitzt. Er ist ohne Papier, er notiert Gedich­te, die er auf­hebt in sei­nem Kopf. Lan­ge muss­te ich nach sei­nem Namen suchen, er war ver­schwun­den gewe­sen, als hät­te ich nie von ihm gele­sen. — stop
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ai : SUDAN

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MENSCHEN IN GEFAHR: „Zwei Mit­glie­der der pres­by­te­ria­ni­schen Kir­che im Süd­su­dan, Rever­end Yat Micha­el und Rever­end Peter Yen, sind am 1. März auf der Grund­la­ge des suda­ne­si­schen Straf­ge­setz­buchs in acht Punk­ten unter Ankla­ge gestellt wor­den. Zwei der ihnen zur Last geleg­ten Straf­ta­ten kön­nen die Todes­stra­fe nach sich zie­hen. Rever­end Yat Micha­el und Rever­end Peter Yen waren am 21. Dezem­ber 2014 bzw. am 11. Janu­ar 2015 vom suda­ne­si­schen Geheim­dienst (NISS) fest­ge­nom­men wor­den und wur­den bis zum 2. März 2015 ohne Kon­takt zur Außen­welt in Haft gehal­ten. Sie wur­den am 1. März auf der Grund­la­ge des Straf­ge­setz­buchs von 1991 unter Ankla­ge gestellt. Die ihnen zur Last geleg­ten Straf­ta­ten sind “gemein­sa­me Hand­lun­gen zur Pla­nung einer kri­mi­nel­len Hand­lung”, “Unter­wan­de­rung der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung”, “Krieg gegen den Staat”, “Spio­na­ge gegen das Land”, “Ent­hül­lung und Erhalt von Infor­ma­tio­nen und offi­zi­el­len Doku­men­ten”, “Schü­ren von Hass zwi­schen reli­giö­sen Grup­pen”, “Stö­rung des öffent­li­chen Frie­dens” und “Belei­di­gung von reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen”. Auf der Grund­la­ge des suda­ne­si­schen Straf­ge­setz­buchs kön­nen die Straf­tat­be­stän­de “Krieg gegen den Staat” und “Unter­gra­bung der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung” mit der Todes­stra­fe geahn­det wer­den, wäh­rend die übri­gen sechs Straf­tat­be­stän­de eine Prü­gel­stra­fe nach sich zie­hen. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die bei­den Geist­li­chen wegen ihrer reli­giö­sen Über­zeu­gun­gen fest­ge­nom­men und ange­klagt wur­den. Der NISS hielt die Gefan­ge­nen bis zum 2. März ohne Kon­takt zur Außen­welt fest. An die­sem Tag wur­den sie ins Gefäng­nis Kober in Khar­tum ver­legt, und man gestat­te­te ihnen ers­te Familienbesuche.Reverend Yat Micha­el und Rever­end Peter Yen tra­ten am 28. und 29. März zwei Tage in den Hun­ger­streik, um gegen ihre fort­ge­setz­te Inhaf­tie­rung und die Ver­wei­ge­rung des Zugangs zu Rechts­bei­stän­den zu pro­tes­tie­ren. Sie wer­den der­zeit von einem pro bono täti­gen Anwalts­team ver­tre­ten. Am 19. und am 31. Mai haben bereits Anhö­run­gen im Fall der bei­den Geist­li­chen statt­ge­fun­den. Am 15. Juni soll ihre Ver­fah­ren fort­ge­setzt wer­den. Amnes­ty Inter­na­tio­nal betrach­tet Rever­end Yat Micha­el und Rever­end Peter Yen als gewalt­lo­se poli­ti­sche Gefan­ge­ne, die allein wegen der fried­li­chen Wahr­neh­mung ihres Rechts auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung fest­ge­nom­men, inhaf­tiert und ange­klagt wur­den.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 21. Juli hin­aus, unter »> ai : urgent action

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ein pinguin

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india : 6.38 — Lud­wig, ich traf ihn am Frei­tag­abend wäh­rend eines Spa­zier­gangs zufäl­lig unten am Fluss, erzähl­te von einem Expe­ri­ment, das er vor weni­gen Wochen im April gestar­tet haben will. Es gehe, sag­te Lud­wig, um den Ver­such, Luft­post­brie­fe nach Alep­po zu ver­schi­cken. Weder habe er selbst Freun­de noch Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge in Alep­po, trotz­dem habe er ein gutes Dut­zend Brie­fe in die zer­stör­te Stadt geschickt, zufäl­li­ge Stra­ßen, zufäl­li­ge Häu­ser, zufäl­li­ge Namen. Eine Freun­din habe ihm bei sei­ner Arbeit gehol­fen, Lucil­le, die die ara­bi­sche Spra­che mühe­los spre­chen und schrei­ben kön­ne. 5 sei­ner Brie­fe sei­en nach weni­gen Tagen bereits zurück­ge­kom­men, sie waren je mit einem hand­schrift­li­chen Ver­merk in deut­scher Spra­che ver­se­hen: Zur­zeit nicht zustell­bar. 12 wei­te­re Brie­fe sei­en noch ver­schol­len, 1 Brief war jedoch zu ihm zurück­ge­kehrt. Der Brief schien tat­säch­lich bis in die Stadt Alep­po gekom­men zu sein, ein Stem­pel in fran­zö­si­scher Spra­che begrün­de­te die Rück­sen­dung des Brie­fes: Adres­se insuf­fi­san­te. Die­se Nach­richt hat­te Lud­wig erwar­tet, nicht aber, dass auf dem Brief­um­schlag selbst eine Nach­richt in der Gestalt eines hand­ge­zeich­ne­ten Pin­gu­ins hin­ter­las­sen wor­den war. — stop
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