Aus der Wörtersammlung: menschen

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auf der intensivstation

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ulys­ses : 8.22 UTC — Am Tele­fon berich­te­te eine Schwes­ter der Inten­siv­me­di­zin: Heu­te Nacht war es ernst, sie hat­te eine Atem­kri­se. Viel­leicht wol­len sie kurz vor­bei­kom­men? Eine Stra­ßen­bahn­halb­stun­de spä­ter trat ich in die Sta­ti­on. Selt­sam hupen­de Geräu­sche von da, von dort. Blin­ken­de Appa­ra­tu­ren, gelb, rot, grün. Eine wei­te­re Schwes­ter erzähl­te, sie habe mor­gens bei der Über­ga­be gehört, es sei knapp gewe­sen: Das Leben ihrer Freun­din hing an einem sei­de­nen Faden. Und ich dach­te, sie wird nicht die­sel­be sein, wenn sie wie­der auf­wa­chen wird. Wer wird sie sein? Und ich dach­te noch dazu: Jedes der Zim­mer an die­sem Ort, jedes Abteil, ist eine Sor­gen­welt. Und schon saß ich auf einem Stuhl vor dem Bett der Schla­fen­den. Sie lag auf dem Bauch, ich konn­te ihr Gesicht nicht sehen, aber ihre Ohren. Eine der tap­fer fröh­li­chen Schwes­tern schlug vor, ich sol­le doch mög­lichst mit der Schla­fen­den spre­chen: Das mögen sie näm­lich! Und schon waren wir unter uns allein mit den Maschi­nen. Ich ver­such­te also zu spre­chen. Es ist schwer, einer schla­fen­den Per­son zu erzäh­len, man hört nur sich selbst, und man glaubt nicht, was man erzählt, obwohl doch alles wahr ist, was man erzählt. Sofort in die­ser Not­la­ge such­te ich in den Maga­zi­nen mei­ner Schreib­ma­schi­ne nach Geschich­ten, die ich vor­le­sen könn­te, vor­le­sen, sagen wir, wie spre­chen, mit mei­ner Stim­me locken. Ich sag­te: Fol­gen­des, hör zu! Da ist ein Muse­um, das Muse­um der Nacht­häu­ser, das sich in New York am Shore Bou­le­vard nörd­lich der Hell Gates Bridge befin­det, ein recht klei­nes Haus, rote Back­stei­ne, ein Schorn­stein, der an einen Fabrik­schlot erin­nert, ein Gar­ten, in dem ver­wit­ter­te Apfel­bäu­me ste­hen, und der East River so nah, dass man ihn rie­chen kann. Wäh­rend eines Spa­zier­gan­ges, zufäl­lig, ent­deck­te ich die­ses Muse­um, von dem ich nie zuvor hör­te. Es war ein spä­ter Nach­mit­tag, ich muss­te etwas war­ten, weil, so war zu lesen, das Muse­um nicht vor Ein­bruch der Däm­me­rung geöff­net wür­de. Es ist eben ein Muse­um für Nacht­men­schen, die in Nacht­häu­sern woh­nen, wel­che erfun­den wor­den waren, um Nacht­men­schen art­ge­rech­tes Woh­nen zu ermög­li­chen. Als das Muse­um dann öff­ne­te, war ich schon etwas müde gewor­den, und weil ich der ein­zi­ge Besu­cher in die­ser Nacht gewe­sen war, führ­te mich ein jun­ger Mann her­um. Er war sehr gedul­dig, war­te­te, wenn ich wie wild in mein Notiz­buch notier­te, weil er über­aus span­nen­de Geschich­ten erzähl­te von jenen merk­wür­di­gen Gegen­stän­den, die in den Vitri­nen des Muse­ums ver­sam­melt waren. Von einem die­ser Gegen­stän­de will ich kurz erzäh­len, von einem metal­le­nen Wesen, das mich an eine Kreu­zung zwi­schen einem Gecko und einer Spin­ne erin­ner­te. Das Ding war ver­ros­tet. Es hat­te die Grö­ße eines Schuh­kar­tons. An je einer Sei­te des Objekts saßen Bei­ne fest, die über Saug­näp­fe ver­füg­ten, eine Kame­ra thron­te oben­auf wie ein Rei­ter. Der jun­ge Mann erzähl­te, dass es sich bei die­sem Gerät um ein Instru­ment der Ver­tei­di­gung han­de­le, aus einer Zeit da Nacht­men­schen mit Tag­men­schen noch unter den Dächern ein und der­sel­ben Häu­ser wohn­ten. Das klei­ne Tier saß in der Vitri­ne, als wür­de er sich ducken, als wür­de es jeder­zeit wie­der eine Wand bestei­gen wol­len. Das war näm­lich sei­ne vor­neh­me Auf­ga­be gewe­sen, Zim­mer­wän­de zu bestei­gen in der Nacht, sich an Zim­mer­de­cken zu hef­ten und mit klei­nen oder grö­ße­ren Ham­mer­werk­zeu­gen Klopf,- oder Schlag­ge­räu­sche zu erzeu­gen, um Tag­men­schen aus dem Schlaf zu holen, die ihrer­seits weni­ge Stun­den zuvor noch durch ihre har­ten Schrit­te den Erfin­der der Geck­oma­schi­ne, einen Nacht­ar­bei­ter, aus sei­nen Träu­men geris­sen hat­ten. Ja, zum Teu­fel, schon zum hun­derts­ten Male war das so gesche­hen, obwohl man aller freund­lichst um etwas Ruhe, um etwas Vor­sicht gebe­ten hat­te, nein gefleht, nein geflüs­tert. Es war, sag­te der jun­ge Mann, immer so gewe­sen damals in die­ser schreck­li­chen Zeit, dass sich jene Tag­men­schen, die über geräu­mi­gen Zim­mern wohn­ten, sicher fühl­ten vor jenen Nacht­men­schen, die unter ihnen wohn­ten und mit ihren Schrit­ten die Zim­mer­de­cke nie­mals errei­chen konn­ten. Aus und fini! — stop
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luftgang

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echo : 15.12 UTC — Ein­mal, abends, begin­ne ich Natha­lie Sar­rau­tes Kind­heit zum zwei­ten Male zu lesen. Das Buch beglei­tet mich seit Jah­ren. Wun­der­voll, wie sich ihre Geschich­ten Lebe­we­sen gleich von den Sei­ten lösen. Das Mäd­chen, das so lan­ge kaut, bis alles in ihrem Mund befind­li­che zu Sup­pe gewor­den ist. Wie das­sel­be Mäd­chen die Luft anhält, an einer Stra­ßen­kreu­zung war­tend, um dem Essig­ge­ruch ihres Kin­der­mäd­chens zu ent­ge­hen. Wie sie einen Tele­gra­fen­mast berührt, und glaubt zu ster­ben. Wie sie bemerkt, dass die Mut­ter sich nicht in sie hin­ein­zu­set­zen ver­moch­te. Wie sie der Mut­ter einen Löf­fel Staub reicht, um ein Geschwis­ter­chen zu bekom­men. — Auch ich habe heu­te mehr­fach die Luft ange­hal­ten, um dem Atem pas­sie­ren­der Men­schen zu ent­ge­hen. — stop
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im regenzimmer

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marim­ba : 0.28 UTC — Seit 1911 Tagen bereits ver­su­che ich von einem Zim­mer zu träu­men, in dem es immer­fort reg­net. Ich mache das so, dass ich in den Minu­ten, da ich einzu­schlafen wün­sche, über­lege, wie es wäre, wenn in dem Zim­mer, in dem ich mich gera­de befin­de, Regen fal­len wür­de. Die­se Metho­de des Regen­den­kens ist lei­der bis­lang nicht sehr erfolg­reich gewe­sen. Immer wie­der schla­fe ich ein, ohne je vom Regen­zim­mer zu träu­men. Ein­mal, als ich erwach­te, hör­te ich wirk­li­chen Regen drau­ßen in den nächt­li­chen Bäu­men. Ich ging dann spa­zie­ren und dach­te dar­über nach, wie sich unse­re Menschen­welt verän­dern wür­de, wenn wir von einem Tag zum ande­ren Tag über arm­lan­ge Zun­gen der Geckos ver­füg­ten? In wel­cher Form kämen sie in einer voll besetz­ten Stra­ßen­bahn zum Ein­satz? Und wie bei der Lie­be? Und wie im Streit? Und was wür­den die­se Zun­gen wohl im Schlaf unter­nehmen? Was wäre, wenn wir uns nie wie­der berüh­ren dürf­ten, kein Mensch einen wei­te­ren Mensch, ohne zugrun­de zu gehen? – stop

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ja bitte?

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echo : 15.02 UTC — In den Archi­ven mei­ner fla­chen Glas­schreib­ma­schi­ne sind letz­te Gesprä­che gebor­gen, die ich vor zwei Jah­ren im Som­mer mit mei­ner Mut­ter führ­te. Sie war im Haus der alten Men­schen plötz­lich wie­der wach gewor­den, so wach, dass sie in ihrem Bett sit­zen und erzäh­len woll­te. Sie trug, ich erin­ne­re mich noch gut, eine rosa­far­be­ne Blu­se, und wäh­rend sie erzähl­te, fass­te sie immer wie­der nach mei­ner Schreib­ma­schi­ne, woll­te sie in Hän­den hal­ten, sah die Bewe­gung ihrer Stim­me auf dem Bild­schirm, Ampli­tu­den. Plötz­lich schlief sie ein. Und ich ließ das Ton­band­pro­gramm lau­fen, leg­te mei­ne Schreib­ma­schi­ne neben Mut­ter ins Bett und ging ein wenig über die Flu­re spa­zie­ren. Als ich zurück­kehr­te, war mei­ne Mut­ter wach gewor­den. Ich hör­te, noch war ich auf dem Flur, wie sie sprach, wie sie der Maschi­ne erzähl­te, die sie gleich neben sich lie­gen sah. Sie lach­te, als sie mich ent­deck­te und erzähl­te wei­ter, ohne eine Pau­se zu machen. Ich habe die­se Gesprä­che mit mei­ner Mut­ter, ihre Erzäh­lun­gen, seit­her nicht wie­der gehört, habe sie jedoch sorg­fäl­tig gesi­chert. Es fällt nicht leicht ihre Stim­me zu erin­nern so ein­fach so. Aber wenn ich mir vor­stel­le, ich wür­de sie anru­fen, dann geht es: Sie sagt: Ja bit­te? — stop
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radarpuls

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alpha : 2.08 UTC — Stell­te mir Men­schen vor, die in einer Eis­welt leben. Uralte Men­schen. Ihr Herz schlägt 1 Mal Tag für Tag. Von Zeit zu Zeit wer­den sie wach und den­ken und füh­len und unter­hal­ten sich. — Wer an Wun­der glaubt, ver­mag leich­ter zu schwei­gen. — Satz über­prü­fen! — stop
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marys nase

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marim­ba : 12.15 UTC — Ein Schul­mäd­chen zeig­te mir heu­te im Zug ihre Nase. Sie hat­te viel­leicht beob­ach­tet, wie ich die Schutz­mas­ke um mei­ne eige­ne Nase her­um hef­tig kne­te­te, damit alles schön dicht sei. Kurz dar­auf muss­te ich nie­sen und schon war die Mas­ke wie­der­um ver­rutscht. Ich mach­te ein erns­tes Gesicht, da zog das Mäd­chen ihre Mas­ke her­un­ter, weiß der Him­mel, war­um, ver­mut­lich, um mich zu ärgern. In die­sem Augen­blick dach­te ich an einen Besuch auf Ellis Island. Ein schwül­war­mer Tag, Gewit­ter waren auf­ge­zo­gen, der Him­mel über Man­hat­tan blei­grau. Trotz­dem fuh­ren klei­ne wei­ße Schif­fe von Bat­tery Park aus los, um Besu­cher auf die frü­he­re Qua­ran­tän­e­insel zu trans­por­tie­ren. Ehe man an Bord gehen konn­te, wur­de jeder Pas­sa­gier sorg­fäl­tig durch­sucht, Taschen, Schu­he, Com­pu­ter, Foto­ap­pa­ra­te. Ein grie­chi­scher Herr von hohem Alter muss­te mehr­fach durch die Strah­len­schleu­se tre­ten, weil das Gerät Metall alar­mier­te. Er schwitz­te, er mach­te den Ein­druck, dass er sich vor sich selbst zu fürch­ten begann, auch sei­ne Fami­lie schien von der erns­ten Pro­ze­dur der­art beein­druckt gewe­sen zu sein, dass ihnen ihr gelieb­ter Groß­va­ter unheim­lich wur­de. Die Über­fahrt dau­er­te nur weni­ge Minu­ten. Es begann hef­tig zu reg­nen, das Was­ser wur­de grau wie der Him­mel, Pus­teln, Tau­sen­de, blink­ten auf der Ober­flä­che des Mee­res. Im Café des Ein­wan­de­rer­mu­se­ums kämpf­ten hun­der­te Men­schen um frit­tier­te Kar­tof­feln, gebra­te­ne Hüh­ner­vö­gel, Him­beer­eis, Sah­ne, Bon­bons. Ihre Beu­te wur­de in den Gar­ten getra­gen. Dort Son­nen­schir­me, die der Wind, der vom Atlan­tik her weh­te, davon­zu­tra­gen droh­te. Am Ufer eine her­ren­lo­se Dreh­or­gel, die vor sich hin dudel­te, Fah­nen knall­ten in der Luft. Über den san­di­gen Boden vor dem Zen­tral­haus tanz­ten hand­tel­ler­gro­ße Wir­bel von Luft, hier, genau an die­ser Stel­le, könn­te Mary Mal­lon im Alter von 15 Jah­ren am 12. Juni 1895 sich ihre Füße ver­tre­ten haben, ehe sie mit Typhus im Blut nach Man­hat­tan ein­rei­sen durf­te. Ihr Schat­ten an die­sem Tag in mei­nen Gedan­ken. Ein wei­te­res Gewit­ter ging über Insel und Schif­fe nie­der, in Sekun­den leer­te sich der Park. Dann kamen die Möwen, gro­ße Möwen, gel­be Augen, sie raub­ten von den Tischen, was sie mit sich neh­men konn­ten. Wie ein Sturm gefie­der­ter Kör­per stürz­ten sie vom Him­mel, es reg­ne­te Kno­chen, Ser­vi­et­ten, Bestecke. Unter einem Tisch kau­er­te ein Mäd­chen, die Augen fest geschlos­sen. – stop / kof­fer­text

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fred im zug

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sier­ra : 22.32 UTC — Im Zug, es war Sams­tag, saßen nur weni­ge Men­schen. Sie tru­gen alle eine Mas­ke vor Mund und Nase. Ein selt­sa­mer, berüh­ren­der Anblick. Gera­de des­halb, weil sie schlie­fen, wirk­ten sie ver­letz­lich. Wie ich lang­sam an den Schla­fen­den vor­über­ging, die Ver­su­chung je einer Foto­gra­fie. Plötz­lich dach­te ich an den Posau­nis­ten Fred Wes­ley: Wie geht es Dir, Fred? Ich erin­ner­te mich so im Gehen an eine Nacht vor Jah­ren, da ich Fred Wes­ley mit­tels eines Film­do­ku­ments so lan­ge beob­ach­tet hat­te, bis ich der fes­ten Über­zeu­gung gewe­sen sein konn­te, eine Posau­ne habe auf Fred Wes­leys Schul­ter wie ein Tier Platz genom­men, sie habe den kor­pu­len­ten, alten Herrn sozu­sa­gen okku­piert:  Fun­ky! Fun­ky! Mit Fred Wes­ley ist das hof­fent­lich noch immer so: Er bewegt sich geschmei­dig und ele­gant, er scheint zu tan­zen, selbst dann noch, wenn er reg­los, wie schein­bar ange­hal­ten, für Sekun­den vor einem Mikro­fon ver­harrt. Ich hat­te damals den Ver­dacht, der alte Posau­nist ver­fü­ge über die Fähig­keit, außer­ge­wöhn­lich lan­ge Zeit die Luft anzu­hal­ten. Des­halb notier­te ich unver­züg­lich fol­gen­de E‑Mail: Sehr geehr­ter Mr. Wes­ley, es ist Mit­ter­nacht in Euro­pa. Ich hei­ße Lou­is, und ich wüss­te ger­ne, wo Sie sich gera­de befin­den, weil ich ein Gespräch mit Ihnen zu füh­ren wün­sche über das Anhal­ten der Luft und die­se Din­ge, die einem Posau­nis­ten, wie sie einer sind, viel­leicht außer­or­dent­lich gut gelin­gen. Ges­tern auf dem Weg von einem Zim­mer in ein ande­res Zim­mer, wäre ich um Haa­res­brei­te umge­fal­len, weil mir schwin­de­lig wur­de, weil ich kurz zuvor eine Minu­te und eine hal­be Minu­te nicht geat­met hat­te. Ich fra­ge mich, ob ich viel­leicht etwas falsch gemacht haben könn­te. Wie trai­nie­re ich am bes­ten und was sind sinn­vol­le Zie­le, die ein Mensch in die­sem Sport errei­chen kann, ohne sein Leben aufs Spiel zu set­zen? Soll ich mir eine Posau­ne kau­fen? Wie auch immer, ver­ehr­ter Mr. Wes­ley, ich wäre Ihnen dank­bar, wenn Sie mir recht bald ant­wor­ten wür­den, damit ich sogleich mit mei­nen Übun­gen fort­fah­ren kann. Ihr Lou­is — stop
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eine uhr

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tan­go : 0.58 UTC — Dach­te an Mut­ter, wie sie noch vor zwei Jah­ren reg­los in einem Bett lag, nicht spre­chen, nur schau­en konn­te. Im nahen Wohn­zim­mer, zwei Stra­ßen­zü­ge weit nur um die Ecke, ihre Stand­uhr, die schon Groß­mutter Abend für Abend auf­ge­zo­gen haben muss­te. Wie Mut­ter, als sie noch gehen konn­te, klei­ner und immer klei­ner wur­de, stell­te sie einen Sche­mel vor die Uhr. Und als sie noch klei­ner wur­de, stand sie dort auf dem Sche­mel, wie­der­um auf den Spit­zen ihrer Zehen, um mit ihrem rech­ten Zei­ge­fin­ger behut­sam den Minu­ten­zei­ger einer wun­der­schö­nen, geräusch­voll ticken­den Uhr zu berüh­ren, deren Zeit mit Mut­ters Sturz ende­te. Ich erin­ne­re mich, Abend für Abend stand die alte Frau vor ihrer Uhr, um sie zur Schlaf­zeit anzu­hal­ten. Und mor­gens stand die alte Frau vor ihrer Uhr, um sie wie­der in Bewe­gung zu ver­set­zen bis zuletzt. Ein­mal erzähl­te ich Mut­ter, die mich indes­sen im Bett lie­gend unver­wandt betrach­te­te, von Kie­men­men­schen. Gegen Mit­ter­nacht kehr­te ich ins Haus zurück. Stil­le. Es war Win­ter. Schnee lag im Gar­ten. — stop

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giraffe

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ulys­ses : 6.28 UTC — Ich träum­te, mei­ne Mut­ter wür­de von einer Stra­ßen­bahn über­rollt wor­den sein. Sie hat­te den schwe­ren Unfall im Traum über­lebt, aber ihr Hals war nun lang wie der Hals einer Giraf­fe. Weil ihr dort, wo Giraf­fen am Hals über erheb­li­che Mus­kel­pa­ke­te ver­fü­gen, jede Stüt­zung fehlt, wur­de ein Gerüst von fei­nem Kirsch­baum­holz gezim­mert, eine Röh­re, durch wel­che zur Säu­be­rung Was­ser ein­ge­lei­tet wer­den könn­te. Getra­gen wird die Kon­struk­ti­on von einem fahr­ba­ren elek­tri­schen Stuhl, den mei­ne Mut­ter bewohnt, in wel­chem sie sit­zen, aber auch zum Spa­zie­ren fah­ren kann. In einem wei­te­ren Traum­seg­ment hat­te sich der Kopf mei­ner Mut­ter tat­säch­lich in den Kopf einer Giraf­fe ver­wan­delt. Sie leb­te an einem Ort wei­te­rer Giraf­fen­men­schen. Ich sah die­se wun­der­ba­ren Wesen majes­tä­tisch durch die Parks der Umge­bung strei­fen. Da und dort führ­ten Lei­tern in die Kro­nen der Kas­ta­ni­en­bäu­me. — stop
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ai : GUATEMALA

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MENSCHEN IN GEFAHR: „Im März hat die gua­te­mal­te­ki­sche Regie­rung in einem Indus­trie­park in Gua­te­ma­la-Stadt ein Kran­ken­haus für COVID-19-Pati­en­t_in­nen ein­ge­rich­tet. Jetzt wur­den 46 dort arbei­ten­de Instand­hal­tungs- und Rei­ni­gungs­kräf­te ent­las­sen. Als Grund für die Kün­di­gun­gen ver­wies das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um auf Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, denen zufol­ge die­se Arbeiter_innen einen Ober­stu­fen- oder Uni­ver­si­täts­ab­schluss besit­zen müs­sen, um in dem Kran­ken­haus arbei­ten zu kön­nen. Ein Groß­teil die­ser Beschäf­tig­ten ver­fügt nur über eine grund­le­gen­de Schul­bil­dung und kann die gefor­der­ten Nach­wei­se nicht erbrin­gen. Hin­zu kommt, dass die gekün­dig­ten Per­so­nen, ähn­lich wie Tei­le des medi­zi­ni­schen Per­so­nals, seit dem 24. März kei­nen Lohn erhal­ten haben. Arbeits­lo­sen­un­ter­stüt­zung haben sie eben­falls nicht bekom­men. / Hin­ter­grund: Bereits vor der COVID-19-Pan­de­mie erhielt Gua­te­ma­la auf­grund sei­nes schwa­chen Gesund­heits­sys­tems beson­de­re Unter­stüt­zun­gen von der Pan­ame­ri­ka­ni­schen Gesund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on OPS. Am 9. Juni mel­de­te Gua­te­ma­la 7.055 COVID-19-Fäl­le und 252 Pan­de­mie­to­te.  /  Im März rich­te­te die Regie­rung Gua­te­ma­las in einem Indus­trie­park der Haupt­stadt namens Par­que de la Indus­tria ein Kran­ken­haus für COVID-19-Fäl­le ein. Die Kli­nik hat­te eine Anfangs­ka­pa­zi­tät von 319 Bet­ten und wur­de am 21. März eröff­net. Anfang Mai beschwer­te sich das medi­zi­ni­sche Per­so­nal öffent­lich über feh­len­de Arbeits­ver­trä­ge, nicht aus­ge­zahl­ten Lohn und gefähr­li­che Arbeits­be­din­gun­gen. Pres­se­be­rich­ten zufol­ge, die auf Infor­ma­tio­nen des natio­na­len Rech­nungs­hofs basie­ren, hat das COVID-19-Kran­ken­haus weni­ger als zwei Pro­zent des ihm vom Kon­gress zuge­wie­se­nen Bud­gets in Anspruch genom­men. Der Grund dafür liegt in der gerin­gen ope­ra­ti­ven Kapa­zi­tät und dem Feh­len von ent­spre­chend qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal. / Die Kran­ken­haus­lei­tung gab an, dass die in der Kli­nik arbei­ten­den Per­so­nen über das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um ein­ge­stellt wer­den, wobei die in Haus­halts­be­stim­mung 189 (Titel: “Sons­ti­ge Leis­tun­gen”) des öffent­li­chen Haus­halts fest­ge­leg­ten Anfor­de­run­gen zu befol­gen sind. Vertreter_innen des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums wie­sen dar­auf hin, das Gesetz über den öffent­li­chen Dienst ver­lan­ge, dass unter die­ser Haus­halts­li­nie ein­ge­stell­te Per­so­nen einen Nach­weis über ihren Ober­stu­fen- oder Uni­ver­si­täts­ab­schluss erbrin­gen müs­sen. Der natio­na­len Ombuds­stel­le für Men­schen­rech­te Pro­cu­ra­du­ría de los Derechos Huma­nos zufol­ge wur­den die­se Bele­ge noch nicht ver­langt, als das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um das betref­fen­de Per­so­nal ein­stell­te. Da 46 der im COVID-19-Kran­ken­haus beschäf­tig­ten Instand­hal­tungs- und Rei­ni­gungs­kräf­te nicht die ent­spre­chen­den Unter­la­gen vor­le­gen konn­ten, wur­den sie kur­zer­hand ent­las­sen. Sie hat­ten erst knapp drei Mona­te lang in der Kli­nik gear­bei­tet und muss­ten teil­wei­se ihre eige­nen Werk­zeu­ge und Mate­ria­li­en zur Arbeit mit­brin­gen. Das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um iden­ti­fi­zier­te 38 Per­so­nen, die die Anfor­de­run­gen nicht erfüll­ten. Die natio­na­le Ombuds­stel­le für Men­schen­rech­te hin­ge­gen mel­de­te 46 Kün­di­gun­gen im Bereich Instand­hal­tungs- und Rei­ni­gungs­per­so­nal. / Ent­ge­gen der Begrün­dung des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums besagt der Klas­si­fi­ka­ti­ons­plan für Beschäf­ti­gun­gen im öffent­li­chen Sek­tor in Über­ein­stim­mung mit Para­graf 35 des Geset­zes über den öffent­li­chen Dienst, dass bei einer Rei­he von Stel­len mit über­wie­gend “kör­per­li­cher und repe­ti­ti­ver Arbeit” kei­ne über die Grund­schu­le hin­aus­ge­hen­de Schul­bil­dung not­wen­dig ist. Zudem ist im Hand­buch zur Klas­si­fi­ka­ti­on der Haus­halts­li­ni­en für den öffent­li­chen Dienst (Minis­ter­ver­ein­ba­rung 291‑2012) kei­ne Rege­lung zur Not­wen­dig­keit eines Ober­stu­fen­ab­schlus­ses für die Anstel­lung von Per­so­nen unter Haus­halts­be­stim­mung 189 auf­ge­führt. / Im COVID-19-Kran­ken­haus im Par­que de la Indus­tria in Gua­te­ma­la-Stadt sind die Rech­te der dort Arbei­ten­den –  sowohl die der Instand­hal­tungs- und Rei­ni­gungs­kräf­te als auch die des medi­zi­ni­schen Per­so­nals – bedroht. Die­se Beschäf­tig­ten nicht ange­mes­sen zu schüt­zen, bedeu­tet, nicht nur ihre son­dern auch die Gesund­heit der gua­te­mal­te­ki­schen Bevöl­ke­rung aufs Spiel zu set­zen. Seit Beginn der Pan­de­mie haben Beschäf­tig­te im Gesund­heits­we­sen im gan­zen Land öffent­lich und wie­der­holt das Feh­len ange­mes­se­ner Schutz­aus­rüs­tung kri­ti­siert. Laut der natio­na­len Ombuds­stel­le für Men­schen­rech­te hat­ten sich bis zum 24. Mai 2020 min­des­tens 49 Pfle­ge­kräf­te und Ärzt_innen mit COVID-19 infi­ziert. Am 30. Mai 2020 for­der­te das Ver­fas­sungs­ge­richt das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um auf, unver­züg­lich alle Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­we­sen mit ent­spre­chen­der Schutz­aus­rüs­tung aus­zu­stat­ten.“ - Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen bis spä­tes­tens zum 20.7.2020 unter > ai : urgent action
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