Aus der Wörtersammlung: sonne

///

brooklyn : zur zeit der fliederblüte

9

sier­ra : 2.10 — Man stel­le sich das ein­mal vor, wie man an einem war­men Früh­lings­tag in Brook­lyn durch den Pro­s­pect Park spa­ziert. Gera­de ist die Zeit der Flie­der­blü­te ange­bro­chen, die Bäu­me duf­ten weit in die Stra­ßen hin­ein, Möwen flie­gen im Park her­um, obwohl sie eigent­lich nie­mals die Innen­sei­te der Stadt besu­chen, es ist eben ein beson­de­rer Tag in einem nächs­ten Jahr. Und wie wir so im Park spa­zie­ren, mei­nen wir zu bemer­ken, dass das Licht ein ande­res Licht ist, als noch vor Mona­ten, als wir zuletzt an die­sem wun­der­ba­ren Ort ein paar Stun­den Zeit ver­brach­ten, um Wasch­bä­ren zu zäh­len viel­leicht, oder Eich­hörn­chen, Tau­ben, Men­schen, die­se Freu­de, jawohl, an der Zäh­lung der Welt, an der Beob­ach­tung der Far­ben. Heu­te aber ist das Licht ein ande­res Licht gewor­den, noch immer oder wie­der Son­ne, aber auch ein selt­sa­mer Schat­ten, kei­ner der Wol­ken­schat­ten, die immer­zu von Licht durch­setzt gewe­sen sind, son­dern ein Schat­ten, der ener­gisch ist, der das Gleich­ge­wicht des Lich­tes in der Wei­te des Parks zu ver­än­dern scheint. Noch haben wir nicht zum Him­mel geschaut, son­dern uns nur gewun­dert, dass das Licht ein ande­res Licht ist, ein Licht­ge­fühl, das sich grund­sätz­lich änder­te, das könn­te sein, ein merk­wür­dig blau­es Licht, das auf den Blät­tern der Bäu­me flim­mert, auf den Fel­len der Eich­hörn­chen, im Gefie­der der Tau­ben. Und da sehen wir, dass den Bäu­men, den Eich­hörn­chen­tie­ren, den Tau­ben ihre Schat­ten feh­len, als wäre so etwas wie eine Son­nen­fins­ter­nis am Him­mel auf­ge­tre­ten. Höhe Caroll Street ent­de­cken wir ein Tau, nein, ein metal­le­nes Seil, das im Gestein fest ver­an­kert wur­de, ein kräf­ti­ges Seil, das senk­recht aus dem Boden steigt, ein Seil, um wel­ches sich wei­te­re Sei­le aus dem Boden erhe­ben. Gera­de in dem Moment, als wir dort am Ort der im Wie­sen­bo­den ver­an­ker­ten Seil­strän­ge ange­kom­men sind, beob­ach­ten wir eine metal­le­ne Seil­bahn­ka­bi­ne, in wel­cher ein Mensch steht, der lang­sam him­mel­wärts schwebt. Wir fol­gen ihm mit unse­ren Bli­cken hin­auf zu einem rie­si­gen Fes­sel­bal­lon, an wel­chem statt eines Kor­bes, Gebäu­de von Holz befes­tigt sind. Das sind wun­der­ba­re, klei­ne Häu­ser, sie sind in den Far­ben der Nord­län­der gestri­chen, in Blau und Gelb und grün und rot, eine Trau­be bun­ter Häu­ser, die über Fens­ter ver­fü­gen, dort, wo sich an Häu­sern Fens­ter immer befin­den. Aber die Türen, die Türen sind in den Boden der Häu­ser ein­ge­las­sen, das ist schon selt­sam, die­se Türen, die sich dort befin­den, wo man die Häu­ser nie­mals sieht, weil sie auf dem Boden ruhen. Wir ste­hen ganz still und schau­en hin­auf, und wir wun­dern uns wie weit es da doch hin­auf­geht, Men­schen win­ken aus geöff­ne­ten Fens­tern, sie sind klein, ja, die­se win­ken­den Wesen müs­sen unbe­dingt Men­schen sein, an die­sem wun­der­bar war­men Früh­lings­tag in Brook­lyn im kom­men­den Jahr, einem Tag, an dem Sil­ber­mö­wen in fürch­ter­li­chen Rudeln vom Meer her in die Stadt gekom­men sind. — stop
ping

///

von turku nach kalkutta

9

nord­pol : 5.38 — In der vor­letz­ten Nacht habe ich ein Ver­spre­chen ein­ge­löst, das ich mir selbst vor eini­gen Mona­ten gege­ben habe: Du soll­test jeden Text, den Du an die­ser oder ande­rer Stel­le ver­öf­fent­li­chen wirst, lesen, Wort für Wort. Das ist, möch­te man mei­nen, eigent­lich eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, nicht aber, wenn man Text­pas­sa­gen von erheb­li­chen Aus­ma­ßen publi­zie­ren möch­te, die von einer wei­te­ren Per­son oder von einem Com­pu­ter­pro­gramm auf­ge­schrie­ben wor­den sind. Es han­delt sich in die­sem Fall um eine Weg­be­schrei­bung, die Stre­cke führt uns von Tur­ku nach Kal­kut­ta über Land, und zwar zu Fuß. Um kurz nach Mit­ter­nacht nahm ich die Lek­tü­re auf, ver­folg­te mei­ne vir­tu­el­le Bewe­gung mit einem Fin­ger auf mei­nem Glo­bus, den Tau­ben nachts in aller Ruhe gern betrach­ten, wenn sie vor dem Fens­ter sit­zen. Ich neh­me an, sie wer­den die leuch­ten­de Erd­ku­gel für den Mond hal­ten oder für die Son­ne. Es war kurz vor Son­nen­auf­gang, als ich mit mei­ner Lek­tü­re fer­tig wur­de. Ich weiß nun, dass jene von der Com­pu­ter­ma­schi­ne vor­ge­schla­ge­ne Stre­cke, nicht nur beschwer­lich wer­den könn­te, viel­mehr auch gefähr­lich sein wür­de. Lesen Sie selbst: zu Fuß 7.960 km, 1.599 Std.Turku, Finn­land nach Kal­kut­ta, West­ben­ga­len, Indi­en /// Tur­ku Finn­land: > Nach Süd­wes­ten Rich­tung Uni­ver­si­tets­gatan / Ylio­pis­ton­ka­tu 61 Links abbie­gen auf Uni­ver­si­tets­gatan  / Ylio­pis­ton­kat 18 m links abbie­gen auf Aura­ga­tan  / Aura­ka­tu 400 m Wei­ter auf Aurabron/ Auran­sil­ta 110 m Wei­ter auf Kas­ken­ka­tu / Kas­kis­gatan 800 m Wei­ter auf Kas­ken­tie / Kas­kis­vä­gen 1,0 km Wei­ter auf Nylands­gatan  / Nylands­vä­gen / Uuden­ma­an­tie / Rou­te 110 Wei­ter auf Rou­te 110 10,2 km step by step >

ping

///

nachts gegen drei

9

sier­ra : 3.01 — Um kurz vor drei Uhr nachts stand ich vor dem geöff­ne­ten Fens­ter und schau­te zu den Ster­nen. Ich hat­te die Nach­richt erhal­ten, am Him­mel über mir wer­de die Inter­na­tio­na­le Raum­sta­ti­on ISS sicht­bar wer­den ( Time: Thu May 26 3:01 AM, Visi­ble: 6 min, Max Height: 69°, Appears: 10° abo­ve WNW, Dis­ap­pears: 11° abo­ve E ) ein Pünkt­chen, das sich, von der bald auf­ge­hen­den Son­ne beleuch­tet, rasend schnell über das Fir­ma­ment bewe­gen wür­de, genau so war es berich­tet wor­den von einem Beob­ach­ter, der mehr­fach Augen­zeu­ge gewe­sen sein will. Aber der Him­mel war bedeckt, es reg­ne­te leicht. Wie ich mich gera­de abwen­den woll­te, ent­deck­te ich eine Flie­ge, die auf schnur­ge­ra­der Bahn mein Fens­ter pas­sier­te. Sie kam von rechts, also von Nor­den her, und ich frag­te mich, wie das mög­lich sei, weil es doch reg­ne­te, schwe­re Trop­fen. Kaum hat­te ich mei­ne Fra­ge im Kopf so for­mu­liert, dass ich sie wahr­neh­men konn­te, war die Flie­ge, ohne eine Spur zu hin­ter­las­sen, ohne einen Beweis ihrer Exis­tenz, in der Dun­kel­heit ver­schwun­den gewe­sen. — stop

drohne25

///

im museum

9

tan­go : 2.12 — Auf der Suche nach Tex­ten, die das Wesen der Brief­mar­ken­samm­ler beschrei­ben, ent­deck­te ich eine wun­der­vol­le Beob­ach­tung der Schrift­stel­le­rin Dubrav­ka Ugre­sic. Sie notiert: Im Ber­li­ner Zoo­lo­gi­schen Gar­ten steht neben dem Bas­sin mit einem See­ele­fan­ten eine unge­wöhn­li­che Vitri­ne. Hier lie­gen unter Glas die im Magen des See-Ele­fan­ten Roland gefun­de­nen Gegen­stän­de, nach­dem die­ser am 21. August 1961 ver­en­det war, und zwar: Ein rosa Feu­er­zeug, vier Eis­stie­le (Holz), eine Metall­bro­sche in Gestalt eines Pudels, ein Fla­schen­öff­ner, ein Damen­arm­band (Sil­ber?), eine Haar­span­ge, ein Blei­stift, eine Was­ser­pis­to­le aus Plas­tik, ein Plas­tik­mes­ser, eine Son­nen­bril­le, ein Kett­chen, eine klei­ne­re Metall­fe­der, ein Gum­mi­rei­fen, ein Spiel­zeug­fal­schirm, eine Eisen­ket­te, (ca. 40 cm lang), vier lan­ge Nägel, ein grü­nes Plas­tik­au­to, ein Metall­kamm, ein Püpp­chen, eine Bier­do­se (Pil­se­ner, 0,33 l), eine Streich­holz­schach­tel, ein Kin­der­pan­tof­fel, ein Kompaß, ein Auto­schlüs­sel, vier Mün­zen, ein Taschen­mes­ser mit Holz­griff, ein Schnul­ler, ein Bund mit Schlüs­seln (5 St.), ein Vor­hän­ge­schloß, ein Plas­tik­etui mit Näh­zeug. / aus: Das Muse­um der bedin­gungs­lo­sen Kapi­tu­la­ti­on. — stop

muscheln2

///

m

pic

alpha : 2.08 — Plu­to­ni­um, zum Bei­spiel, eine töd­li­che Dosis wür­de für mensch­li­che Augen ohne Fern­glas unsicht­bar sein. Dage­gen exis­tie­ren Gif­te, die unsicht­bar sind, aber doch sehr schön ver­packt, sodass sie weit­hin, sagen wir, recht­zei­tig, zu bemer­ken sind: Toll­kir­sche, Flie­gen­pilz, Gold­re­gen. See­wes­pen sind Unbe­rühr­ba­re der Mee­res­welt. Zau­ber­haft das Leuch­ten eines Cognac­gla­ses im Licht einer tief über dem Hori­zont ste­hen­den Son­ne. Gemein scheint allen gif­ti­gen Din­gen zu sein, dass sie als Sub­stanz selbst aus dem Licht ver­schwun­den sind, sobald sie ihre Wir­kung ent­fal­ten. — stop

ping

///

brooklyn heights promenade : höhe pierrepont st.

pic

del­ta : 0.02 — Immer wie­der bemer­kens­wert in der Däm­me­rung: Der syn­chro­ne Auf­tritt kor­pu­len­ter Netz­spin­nen. Von einem Augen­blick zum nächs­ten Augen­blick, sit­zen sie im Dut­zend in der Mee­res­luft auf Vor­nacht­ge­spins­ten, um unver­züg­lich Repa­ra­tur­ar­bei­ten auf­zu­neh­men. Fast möch­te man mei­nen, sie wären in ihren Tages­ver­ste­cken mit­tels gehei­mer Signal­lei­tun­gen mit­ein­an­der ver­bun­den, so plötz­lich tau­chen sie in der Dun­kel­heit auf, laut­los, ohne Geruch, ver­we­ben sie Fäden von stau­bi­gem Licht. Ich habe den Ver­dacht, sie könn­ten, mit sen­si­bels­ten opti­schen Sen­so­ren aus­ge­rüs­tet, in der Lage sein, feins­te Gra­de von Licht­stär­ke zu mes­sen. Ich dach­te, eine Art der Dau­er­be­leuch­tung, Mit­ter­nachts­son­ne über Man­hat­tan, könn­te sie mür­be machen. — stop

polaroiddowntown

///

winterpäckchen

pic

marim­ba : 3.05 – Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch soll Lud­wig, er ist gera­de 8 Jah­re alt gewor­den, dabei beob­ach­tet wor­den sein, wie er eine Schuh­schach­tel vor das Fens­ter sei­nes Zim­mers stell­te, um 1 Stun­de lang das Licht eines frü­hen Nach­mit­tags ein­zu­fan­gen. Er wen­de­te in die­ser Stun­de nicht eine Minu­te sei­nen Blick von dem Behäl­ter, den er dann sorg­fäl­tig mit erns­ter Mie­ne ver­schloss, um ihn noch an dem­sel­ben Tag mit sei­ner Mut­ter zu einem Post­amt zu brin­gen. Das ist für mei­nen Freund Janos, erklär­te Lud­wig dem Beam­ten, der bei der Ver­fer­ti­gung einer zoll­amt­li­chen Erklä­rung behilf­lich war, 1 Stun­de Son­ne für mei­nen Freund, der in Teri­ber­ka weit im Nor­den in Russ­land wohnt. Jetzt war­tet Lud­wig. Es ist denk­bar, dass er nun sei­ner­seits zur Weih­nacht viel­leicht etwas Win­ter­nacht­licht geschenkt bekom­men wird. — stop

ping

///

ameisengesellschaft lh — 728

picping

MELDUNG. Amei­sen­ge­sell­schaft LN — 728 [ Säbeldor­ni­ge Kno­ten­amei­se ] Posi­ti­on 49°43’31.6“N 1°56’22.7“W nahe Cap de la Hague / Fol­gen­de Objek­te wur­den von 16.00 — 16.32 Uhr MESZ über das nord­west­li­che Wen­del­por­tal ins Waren­haus ein­ge­führt : zwei­und­fünf­zig tro­cke­ne Flie­gen­tor­si mitt­le­rer Grö­ße [ je ohne Kopf ], dreiund­reis­sig Baum­stäm­me [ à 10 Gramm ], acht­zehn Rau­pen in Grün, acht­und­dreis­sig Rau­pen in Feu­er­rot, zwölf Insek­ten­flü­gel [ ver­mut­lich die von 6 Zitro­nen­fal­tern ], ein­hun­dert­und­zwei Streich­holz­köp­fe [ à ca. 1.8 Gramm ], sechs Per­so­nen der Gat­tung Tachi­na fera [ Igel­flie­ge ] in vol­lem Saft, son­nen­ge­trock­ne­te Sand­dorn­blü­ten [ ca. 80 Gramm von ver­gan­ge­nem Jahr ], sechs Schne­cken­häu­ser [ je ohne Schne­cke ], 1 Par­ti­kel Plu­to­ni­um [ ca 0.01 Gramm ], zwölf gelähm­te Schne­cken [ je ohne Haus ], zwei­hun­dert­und­zwölf Amei­sen anlie­gen­der Staa­ten [ betäubt oder tran­chiert ], zwei Lauf­kä­fer [ him­mel­blau ], fünf Aas­ku­geln eines Pil­len­dre­hers, wenig spä­ter der Pil­len­dre­her selbst, eine Wild­bie­ne, eine Por­zel­lan­hand [ Pup­pe Zwerg Leo­pold Lam­bert um 1890 ] 7.8 Gramm. — stop

drohne8

///

zitronengelb

2

char­lie : 7.08 — Über mei­nen Groß­va­ter, den ich nie per­sön­lich ken­nen­ge­lernt habe, ist mir nicht sehr viel bekannt. Er soll ein warm­her­zi­ger Mensch gewe­sen sein, der als Beam­ter der Stadt Mün­chen in ein klei­nes Büro­zim­mer ver­setzt wor­den war, das im Win­ter nicht beheizt wer­den konn­te. Mein Groß­va­ter woll­te nicht in die Par­tei ein­tre­ten, des­halb muss­te er frie­ren, des­halb war er oft krank gewe­sen. Die Fami­lie, mei­ne Mut­ter war ein Mäd­chen von damals fünf oder sechs Jah­ren, bewohn­te eine klei­ne Woh­nung in einem nörd­li­chen Stadt­teil. Sie waren dort zu fünft, die Eltern und ihre drei Töch­ter. In der Küche der Woh­nung im zwei­ten Stock war Par­kett­fuß­bo­den ver­legt, kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit für die­se Zeit. Wenn Bom­ben ins Mün­che­ner Zen­trum fie­len, zit­ter­te in Moos­ach der Boden und die Höl­zer des Par­ketts hüpf­ten wie Frö­sche her­um. Vor einem Spie­gel steht mein Groß­va­ter. Er rasiert sich mit zit­tern­den Hän­den. Er hat Zucker und kein Insu­lin. Er ist immer sehr durs­tig und spricht vom Durch­hal­ten wegen der Ren­te. Vor allem ist sein Gesicht so gelb wie eine Zitro­ne. Die­se Vor­stel­lung habe ich einer Erzäh­lung mei­ner Mut­ter unlängst ent­nom­men, die ich hör­te, als wir über den Nord­fried­hof gin­gen, um das Grab der Groß­mutter und des Groß­va­ters zu besu­chen. Bald wird das Grab ver­schwun­den sein, aber die Kno­chen blei­ben im Boden zurück. Zum Zeit­punkt unse­res Besu­ches war alles anwe­send, wie frü­her noch, als ich selbst, ein Kind, an Sonn­ta­gen vor das Efeu­grab getre­ten war. Ein­mal stand ich dort in blau­en San­da­len. Auf dem Grab­stein spa­zier­te eine Schne­cke. Sie leg­te eine Blei­stift­stre­cke zurück, dann blieb sie sit­zen und schlief in der war­men Herbst­son­ne ein. — stop
ping

///

nach ferney nach essaouira und von einer kaktusblüte

pic

nord­pol : 2.52 — In Genf, an einer Stra­ßen­kreu­zung von der Rue de Rho­ne zur Rue d’Italie, sind selt­sa­me Din­ge zu bemer­ken. Män­ner und Frau­en näm­lich, die sich krei­send oder auf und ab über das Pflas­ter bewe­gen, wäh­rend sie das Grün­licht der Ampeln erwar­ten. Bei genaue­rer Betrach­tung möch­te man mei­nen, sie könn­ten viel­leicht nicht in der Lage sein, still­zu­ste­hen. Sie tra­gen Damen­kos­tü­me, Her­ren­an­zü­ge, fei­ne Schu­he, sie sind ver­mut­lich gera­de aus dem Büro gekom­men, befin­den sich auf dem Weg viel­leicht nach Hau­se, zur Bus­sta­ti­on nach Fer­ney, oder ins Kino, ins Thea­ter, zum Jazz, die Son­ne scheint, ers­te war­me Stun­den. Aber auch an einem eis­kal­ten Tag im Win­ter wür­den sie sich genau so bewe­gen, in Krei­sen oder auf und ab. Man nimmt jetzt nur noch sel­ten den Auf­zug, man nimmt die Trep­pe, der Blick hin zum Hand­ge­lenk, zur Appa­ra­tur, die Pul­se, Tem­pe­ra­tu­ren, und auch den Schlaf aus­zu­mes­sen ver­mag. Und noch einen Kreis gleich hin­ter­her und über die Stra­ße, wie vie­le Schrit­te, wie vie­le Schrit­te heu­te, wie vie­le Schrit­te mehr als ges­tern, wie weit bin ich gekom­men in die­sem Monat, viel­leicht bis nach Cham­bé­ry, vor dem Som­mer noch könn­te ich Mont­pel­lier errei­chen, im Win­ter Valen­cia, am Ende des kom­men­den Jah­res wer­de ich in Essaoui­ra sein. – Es ist 2 Uhr und 44 Minu­ten. Gera­de eben noch habe ich mei­nen Kak­tus beob­ach­tet, wie er blüht. Wenn mein Kak­tus blüht, hält er sei­ne Blü­te auch bei Nacht geöff­net, als ob er ahn­te oder wüss­te, dass in mei­nen Zim­mern Nacht­bie­nen und Nacht­win­de woh­nen. — stop

ping



ping

ping