Aus der Wörtersammlung: ware

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von telefonen

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romeo : 0.08 UTC – Das Tele­fon­buch mei­ner Groß­mutter wur­de von mei­nem Bru­der in einer Kom­mo­de ent­deckt, die viel­fach mit uns umge­zo­gen war. Es ist ein dunk­les Bänd­chen von Kar­ton und Papier, das in den tie­fen Schat­ten­räu­men der Tru­he bei­na­he über­se­hen wor­den wäre. In Süt­ter­lin wur­den dort Namen ver­zeich­net, sowie Zif­fern, die ein­mal vor lan­ger Zeit Tele­fo­nen ver­bun­den gewe­sen waren, wel­che sehr sicher nicht län­ger exis­tie­ren. Bei genau­er Betrach­tung sind viel­fach Namen ein und der­sel­ben Num­mer ver­bun­den gewe­sen, ver­mut­lich, weil die Tele­fo­ne zur Num­mer in Flu­ren oder Trep­pen­häu­sern an den Wän­den befes­tigt waren, nicht in Woh­nun­gen selbst, oder Tele­fo­nen, die sich in benach­bar­ten Woh­nun­gen befan­den. Man rief nun Frau Sin­del­fin­ger an, die über ein Tele­fon ver­füg­te, die Frau Huber zu sich hol­te, die selbst über kein Tele­fon ver­füg­te, aber Frau Sin­del­fin­ger gefragt hat­te, ob sie die Num­mer ihres Tele­fons bei Gele­gen­heit wei­ter­rei­chen dür­fe. Frau Lie­ber­mann aus dem 1. Stock habe ich noch per­sön­lich gekannt, da war ich 50 cm hoch und trug win­zi­ge Leder­schu­he von blau­er Far­be. Kurz war ich ver­sucht, eine der Tele­fon­num­mern zu pro­bie­ren, das war mir dann aber doch zu unheim­lich gewe­sen an die­sem neb­li­gen Tag, da mir beim Spa­zie­ren zum ers­ten Mal leuch­ten­de Mund­na­sen­mas­ken begeg­ne­ten. — stop
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samuel beckett : 16 steine

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india : 3.25 UTC – Hört zu! Ich nut­ze die­sen Auf­ent­halt, um mich mit Stei­nen zum Lut­schen zu ver­sor­gen. Es waren klei­ne Kie­sel, aber ich nen­ne sie Stei­ne. Ja, die­ses Mal brach­te ich einen bedeu­ten­den Vor­rat von ihnen zusam­men. Ich ver­teil­te sie gleich­mä­ßig in mei­nen vier Taschen und lutsch­te sie nach­ein­an­der. Dadurch ent­stand ein Pro­blem, das ich zunächst auf fol­gen­de Art lös­te: Ange­nom­men, ich hat­te sech­zehn Stei­ne und vier davon in jeder mei­ner vier Taschen, näm­lich in den zwei Taschen mei­ner Hose und den zwei­en mei­nes Man­tels. Wenn ich einen Stein aus der rech­ten Man­tel­ta­sche nahm und in den Mund steck­te, so ersetz­te ich ihn in der rech­ten Man­tel­ta­sche durch einen Stein aus der rech­ten Hosen­ta­sche, den ich durch einen Stein aus der lin­ken Hosen­ta­sche ersetz­te, den ich durch einen Stein aus der lin­ken Man­tel­ta­sche ersetz­te, den ich wie­der­um durch den Stein in mei­nem Mund ersetz­te, sobald ich mit dem Lut­schen fer­tig war. Auf die­se Wei­se befan­den sich immer vier Stei­ne in jeder mei­ner vier Taschen, aber nicht genau die­sel­ben… / Es ist Sams­tag. Ich notie­re die­sen Text, weil ich ihn schon ein­mal notiert habe, um an Samu­el Beckett zu erin­nern. Damals war Mitt­woch. Es war Som­mer und es war dun­kel. Schwe­re, wür­zi­ge Luft der Kas­ta­ni­en­blü­te. Nacht­bie­nen summ­ten am Fens­ter vor­über. Mut­ter leb­te noch, Vater war schon tot. — stop

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zeitoun

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whis­key : 9.35 UTC — In den letz­ten 10 Tagen des Okto­ber­mo­nats lern­te mei­ne Schreib­ma­schi­ne fol­gen­de Wör­ter, die in ihren Prüf­ver­zeich­nis­sen vor­dem nicht zu fin­den gewe­sen waren: Abstand­si­gna­le . Aqua­re­lia . Bang­sein . Bir­dy . Brief­tau­ben­wör­ter . Camar . Care­con . Clus­ter­su­che . Con­ta­gi­on . Coro­na­si­mu­la­ti­on . Droh­nen­au­ge . Droh­nen­sich­tung . Droh­nen­vo­gel . Droll­bir­ne . Ebo­la­vi­rus . Eich­hörn­chen­schat­ten . Fin­ger­cur­ser . Ina­ri. Inzi­denz. Jennifer.five . Koli­bri­we­sen . Kro­ko­dil­mo­dell . Kür­bis­sup­pe . Libel­len­lar­ven . Loo­ters . luren . Mee­res­ge­wäch­se . Mee­res­we­sen . Mon­roe . Mund­schutz­al­go­rith­mus . Nacht­schiff­tag . neu­ro­nal . Palan­ca . Pan­de­mie­to­te . Pan­de­mie­zeit . Par­tic­les­zei­chen . Pfuhl­schnep­fe . Ple­xi­glas­schei­ben . Resi­li­enz . Rotkopf­schild­krö­ten . Sars-Cov‑2 . Sars­lämp­chen . Schiff­pen­del­be­we­gung . Schlaf­durch­ein­an­der­zeit . See­ane­mo­nen­blü­te . See­tang­klum­pen . Spät­abend­men­schen . Spel­ling . Super­do­me­hal­le . Süß­was­ser­ane­mo­ne . Tän­zer­ra­ver . Teil­lock­down . Tress­pass­an­gers . Vak­zin . War­logs . Wort­kern­bil­der . Zat­te­re . Zeit­o­un . Zep­pe­lin­werk­statt . Zep­pe­lin­wol­ken. — stop
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dunkelkammer

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echo : 0.06 UTC — Ich ste­he vor einer Tür. Ich bin groß genug gewor­den, um die Klin­ke der Tür mit einer Hand zu errei­chen. Ich ver­su­che die Tür zu öff­nen, da ruft Mut­ter, nicht Lou­is, Papi arbei­tet. Aber das war selt­sam, weil das Zim­mer hin­ter der Tür das Bade­zim­mer gewe­sen war, nicht das Arbeits­zim­mer, das gab es auch. Mut­ter sag­te: Dein Vater ent­wi­ckelt Bil­der, es muss dun­kel, stock­dun­kel sein im Zim­mer, Du musst etwas war­ten, mein Schatz, Papi wird bald her­aus­kom­men. Ich erin­ne­re mich, dass ich mich auf den Boden leg­te und unter der Tür zum Bade­zim­mer hin­durch späh­te. Ich konn­te Vaters Radio hören, und ich beob­ach­te rotes Licht, das im Bade­zim­mer leuch­te­te, sodass ich dach­te, das Radio wür­de viel­leicht rot leuch­ten. Es ist nicht dun­kel, sag­te ich, Mut­ter ant­wor­te, doch, doch, das ist Vaters Dun­kel­kam­mer. Ver­mut­lich weil ich erleb­te, was ich gera­de erzähl­te, bewirk­te, dass ich mit Radio­ap­pa­ra­ten noch Jah­re spä­ter rotes Licht in Ver­bin­dung brach­te. Dann, bald, wur­den Radi­os grün, wegen ihres leuch­ten­den Auges. Es waren Röh­ren­ge­rä­te. — stop

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vom winterflieder

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sier­ra : 20.01 UTC — Manch­mal, wenn es reg­ne­te an Nach­mit­ta­gen, wur­de Nacht gemacht. Das Licht des Tages drau­ßen aus­ge­sperrt, nah­men wir Kin­der im Wohn­zim­mer Platz auf dem Sofa, auf dem Boden, auf Stüh­len und war­te­ten, dass Vater sei­ne Licht­ma­schi­ne, die er längst vor­be­rei­tet hat­te, end­lich star­ten wür­de. Da war eine Lein­wand, und da waren beschrif­te­te und geripp­te Behäl­ter von Kunst­stoff, in wel­chen sich Sekun­den­zeit reih­te, Zeit­ab­tei­le, die wir bald anse­hen wür­den und davon berich­ten, wann das war und wo das war und wer das gewe­sen war auf der Lein­wand bewe­gungs­los. Da dach­te ich ein­mal, da hast Du Lou­is aber streng geschaut, da hät­test du viel­leicht ein Lächeln der Kame­ra schen­ken sol­len, da kann man jetzt nichts mehr machen. Du schaust aber melan­cho­lisch drein, sag­te mein Bru­der, und ich sag­te: Das nächs­te Bild, wei­ter, bit­te wei­ter! Und da war dann ein Flie­der­baum zu sehen, es war Win­ter, und der Flie­der brü­te­te Schnee­flo­cken aus, und das Licht­ge­rät rausch­te und das blü­hen­de Bild stand so lan­ge still, bis mein Vater auf jenen roten Knopf sei­ner Fern­steue­rung drück­te. — stop

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hamstern

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india : 21.20 UTC — In einer Abend­se­kun­de, da ich Kon­takt zu ihm auf­neh­me, hebt er sei­nen müden Blick von dem Scan­ner, der unter einer röt­lich schim­mern­den Schei­be von Glas ver­bor­gen liegt, über die er Waren zieht, die er selbst noch von eige­ner Hand in Rega­le räum­te, die er selbst noch von Staub befrei­te, den er selbst nicht in die­sen Super­markt­la­den ein­ge­führt haben konn­te in die­ser Men­ge, die­ser Staub muss an Füßen der Kun­den her­ein­ge­kom­men sein, ein Staub der immer­hin sicht­bar ist, bei Gott, ist das doch gut, dass noch Wesen exis­tie­ren, die sicht­bar sind, sicht­bar für mensch­li­che Augen, nicht unsicht­bar wie jene kleins­ten Par­ti­kel, die Men­schen­we­sen auf die­sem Erd­ball hin­ter Mas­ken­tü­chern zwin­gen, sodass sie sich ähn­lich wer­den, die­se Men­schen­we­sen über­all sich ähn­lich wer­den in ihrer Schutz­be­dürf­tig­keit, ähn­lich, ob sie nun hin­ter roten, gel­ben, blau­en oder schnee­wei­ßen Mas­ken sich zu ver­ber­gen haben, um nicht viel­leicht ster­ben zu müs­sen, bei Gott, Men­schen eben. Er hebt den Kopf in die­sem Moment, da ich Kon­takt zu ihm auf­neh­me, da ich sage, sie hams­tern wie­der, nicht wahr, es wird Herbst und sie hams­tern wie­der, Teig­wa­ren, Taschen­tü­cher, und die­se Din­ge, hams­tern und strei­ten vor den Rega­len, nicht wahr? Und da sagt er, dass das ein Krieg sei, dass eigent­lich das Mili­tär hier auf die­sem sei­nem Platz zu sit­zen habe, der Kata­stro­phen­schutz, weil die­se Schei­be von künst­li­chem Glas, ihn doch nie­mals schüt­zen kön­ne, weil hier das Unsicht­ba­re her­um­flie­ge, all die­se Sachen, die das Fie­ber brin­gen, da kann man nur war­ten, war­ten, war­ten. — stop
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im wald

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ulys­ses : 18.12 UTC — Ein­mal spa­zier­te ich mit Mut­ter durch einen Wald. Die alte Dame, sie trug rote Turn­schu­he, frag­te mich, ob sie denn selt­sam aus­se­hen wür­de, so wie sie ging. Und ich ant­wor­te­te: Nein, dein Gang ist viel­leicht etwas steif gewor­den, etwas lang­sa­mer, vor­sich­ti­ger, aber nicht selt­sam. Am Him­mel kreis­te ein Modell­flug­zeug mit einem Kopf­pro­pel­ler, sehr lei­se, kunst­voll über einem Hügel, von dem aus wir Vaters Segel­flug­zeu­ge in herbst­li­che Win­de häng­ten. In jenem Wald, ich erin­ne­re mich, den ich mit Mut­ter spa­zier­te, such­te ich als Jun­ge nach Ske­let­ten. Es war ein dich­ter Wald jun­ger Tan­nen. Man erzähl­te, dass die Tie­re sich dort­hin zurück­zo­gen, um in Ruhe zu ster­ben. Ver­mut­lich des­halb habe ich sehr vie­le Kno­chen gefun­den. Sie waren über Jah­re hin über den Boden gewan­dert, das waren ver­mut­lich Wild­schwei­ne gewe­sen. Ich trug zahl­rei­che Kno­chen nach Hau­se, um sie zu sor­tie­ren, mit­hil­fe eines natur­kund­li­chen Buches. In einem gro­ßen Kar­ton ver­wahr­te ich Kno­chen, die ich nicht zuord­nen konn­te. Ein­mal schüt­te­te ich die­se Kno­chen vor mich auf den Boden und setzt sie so zusam­men, dass sich ein Tier abzeich­ne­te, wel­ches über meh­re­re Schä­del ver­füg­te und zahl­rei­che Bei­ne. Das Tier war sehr lang, ein Tier, über des­sen Leben ich auf­re­gen­de Geschich­ten erzäh­len konn­te. — stop

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~/library/spelling

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gink­go : 9.35 UTC — Von Mon­tag­mor­gen die­ser Woche bis heu­te, Mitt­woch­abend, lern­te mei­ne Schreib­ma­schi­ne fol­gen­de Wör­ter, die in ihren Prüf­ver­zeich­nis­sen bis­lang nicht zu fin­den gewe­sen waren: Appa­la­chen . Droh­nen­ge­stalt­man­tel . Eva­ku­ie­rungs­ge­bie­te . Gras­wur­zel­be­we­gung . Grill­wa­gen . Herz­nuss­text . Home­l­es­s­peo­p­le . Hur­ri­ca­ne . Kie­men­men­schen . Lakritz­was­ser . Löt­lam­pen­ef­fekt . Maki­mensch . Montauk . Nacht­haus­ge­schich­te . Plas­tik­ton­nen­boo­te . Ran­dom­ge­fäß . Schlaf­durch­ein­an­der­zeit . See­tang­klum­pen . Street­wor­ker . Lakritz­was­ser . Such­zet­tel­wäl­der . Teig­ta­sche . Topor­mo­dus . Tria­ge . Umspann­werk . Vital­funk­ti­on. Nacht­spei­cher­poe­ten. — Fas­zi­nie­ren­de Sache.  — stop
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auf der intensivstation

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ulys­ses : 8.22 UTC — Am Tele­fon berich­te­te eine Schwes­ter der Inten­siv­me­di­zin: Heu­te Nacht war es ernst, sie hat­te eine Atem­kri­se. Viel­leicht wol­len sie kurz vor­bei­kom­men? Eine Stra­ßen­bahn­halb­stun­de spä­ter trat ich in die Sta­ti­on. Selt­sam hupen­de Geräu­sche von da, von dort. Blin­ken­de Appa­ra­tu­ren, gelb, rot, grün. Eine wei­te­re Schwes­ter erzähl­te, sie habe mor­gens bei der Über­ga­be gehört, es sei knapp gewe­sen: Das Leben ihrer Freun­din hing an einem sei­de­nen Faden. Und ich dach­te, sie wird nicht die­sel­be sein, wenn sie wie­der auf­wa­chen wird. Wer wird sie sein? Und ich dach­te noch dazu: Jedes der Zim­mer an die­sem Ort, jedes Abteil, ist eine Sor­gen­welt. Und schon saß ich auf einem Stuhl vor dem Bett der Schla­fen­den. Sie lag auf dem Bauch, ich konn­te ihr Gesicht nicht sehen, aber ihre Ohren. Eine der tap­fer fröh­li­chen Schwes­tern schlug vor, ich sol­le doch mög­lichst mit der Schla­fen­den spre­chen: Das mögen sie näm­lich! Und schon waren wir unter uns allein mit den Maschi­nen. Ich ver­such­te also zu spre­chen. Es ist schwer, einer schla­fen­den Per­son zu erzäh­len, man hört nur sich selbst, und man glaubt nicht, was man erzählt, obwohl doch alles wahr ist, was man erzählt. Sofort in die­ser Not­la­ge such­te ich in den Maga­zi­nen mei­ner Schreib­ma­schi­ne nach Geschich­ten, die ich vor­le­sen könn­te, vor­le­sen, sagen wir, wie spre­chen, mit mei­ner Stim­me locken. Ich sag­te: Fol­gen­des, hör zu! Da ist ein Muse­um, das Muse­um der Nacht­häu­ser, das sich in New York am Shore Bou­le­vard nörd­lich der Hell Gates Bridge befin­det, ein recht klei­nes Haus, rote Back­stei­ne, ein Schorn­stein, der an einen Fabrik­schlot erin­nert, ein Gar­ten, in dem ver­wit­ter­te Apfel­bäu­me ste­hen, und der East River so nah, dass man ihn rie­chen kann. Wäh­rend eines Spa­zier­gan­ges, zufäl­lig, ent­deck­te ich die­ses Muse­um, von dem ich nie zuvor hör­te. Es war ein spä­ter Nach­mit­tag, ich muss­te etwas war­ten, weil, so war zu lesen, das Muse­um nicht vor Ein­bruch der Däm­me­rung geöff­net wür­de. Es ist eben ein Muse­um für Nacht­men­schen, die in Nacht­häu­sern woh­nen, wel­che erfun­den wor­den waren, um Nacht­men­schen art­ge­rech­tes Woh­nen zu ermög­li­chen. Als das Muse­um dann öff­ne­te, war ich schon etwas müde gewor­den, und weil ich der ein­zi­ge Besu­cher in die­ser Nacht gewe­sen war, führ­te mich ein jun­ger Mann her­um. Er war sehr gedul­dig, war­te­te, wenn ich wie wild in mein Notiz­buch notier­te, weil er über­aus span­nen­de Geschich­ten erzähl­te von jenen merk­wür­di­gen Gegen­stän­den, die in den Vitri­nen des Muse­ums ver­sam­melt waren. Von einem die­ser Gegen­stän­de will ich kurz erzäh­len, von einem metal­le­nen Wesen, das mich an eine Kreu­zung zwi­schen einem Gecko und einer Spin­ne erin­ner­te. Das Ding war ver­ros­tet. Es hat­te die Grö­ße eines Schuh­kar­tons. An je einer Sei­te des Objekts saßen Bei­ne fest, die über Saug­näp­fe ver­füg­ten, eine Kame­ra thron­te oben­auf wie ein Rei­ter. Der jun­ge Mann erzähl­te, dass es sich bei die­sem Gerät um ein Instru­ment der Ver­tei­di­gung han­de­le, aus einer Zeit da Nacht­men­schen mit Tag­men­schen noch unter den Dächern ein und der­sel­ben Häu­ser wohn­ten. Das klei­ne Tier saß in der Vitri­ne, als wür­de er sich ducken, als wür­de es jeder­zeit wie­der eine Wand bestei­gen wol­len. Das war näm­lich sei­ne vor­neh­me Auf­ga­be gewe­sen, Zim­mer­wän­de zu bestei­gen in der Nacht, sich an Zim­mer­de­cken zu hef­ten und mit klei­nen oder grö­ße­ren Ham­mer­werk­zeu­gen Klopf,- oder Schlag­ge­räu­sche zu erzeu­gen, um Tag­men­schen aus dem Schlaf zu holen, die ihrer­seits weni­ge Stun­den zuvor noch durch ihre har­ten Schrit­te den Erfin­der der Geck­oma­schi­ne, einen Nacht­ar­bei­ter, aus sei­nen Träu­men geris­sen hat­ten. Ja, zum Teu­fel, schon zum hun­derts­ten Male war das so gesche­hen, obwohl man aller freund­lichst um etwas Ruhe, um etwas Vor­sicht gebe­ten hat­te, nein gefleht, nein geflüs­tert. Es war, sag­te der jun­ge Mann, immer so gewe­sen damals in die­ser schreck­li­chen Zeit, dass sich jene Tag­men­schen, die über geräu­mi­gen Zim­mern wohn­ten, sicher fühl­ten vor jenen Nacht­men­schen, die unter ihnen wohn­ten und mit ihren Schrit­ten die Zim­mer­de­cke nie­mals errei­chen konn­ten. Aus und fini! — stop
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vom brausetütchen

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echo : 0.28 UTC — Zeit­räu­me mei­nes Lebens exis­tie­ren, für die ich kei­ne Erin­ne­rung habe, Bil­der, Geräu­sche, Geschich­ten, Gegen­stän­de, die ich sofort auf­ru­fen könn­te, irgend­wo sind sie ver­steckt. Vor kur­zem erin­ner­te ich mich an Spring­spie­le mei­ner Kind­heit, was waren das für Gum­mi­bän­der gewe­sen? Brau­se­tüt­chen. Ein Plat­ten­spie­ler. Ein sich im Wind wie­gen­der Baum. — Das Wort Pan­de­mie ist mir schon lang bekannt, wann prä­zi­se könn­te ich das Wort zunächst gele­sen oder gehört haben? — stop



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