ulysses : 17.15 — h a l s w i r b e l k a n a l
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zoulou : 2.52 — Tatsächlich existieren noch immer Menschen, deren Herzen mittels Schrittmachern beschleunigt werden, die von Plutonium 238 angetrieben sind. Andere ruhen bereits in Gräbern. Ihre Herzen, stelle ich mir vor, sind längst verschwunden, aber aus metallenen Dosen funken weiterhin elektrische Pulse, lautlose wie vergeblich Suchende. – stop
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tango : 6.28 — Nehmen wir wieder einmal an, ich könnte die Geschwindigkeit meines Sprechens für einen ganzen Tag bestimmen, etwa so, als würde ich die Drehgeschwindigkeit einer Schallplatte durch das Umlegen eines Hebels verändern. Würde ich mich beschleunigen oder würde ich mich bremsen? Spreche ich so schnell oder so langsam wie vor Jahren noch? — stop
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himalaya : 6.55 — Isaak B. Singer in deutschsprachiger Übersetzung: Ein Tag in Coney Island. Lektüre immer wieder unterbrochen, um Suchmaschinen zu kontaktieren: Seagate Esther Brooklyn Sience Post Nanorobots Kierkegaard Columbia Heights Pulsar Giuseppi Logan. Ich zählte, wie vorgenommen, meine Suchanfragen für diesen Tag. Es waren 27 nachmittags und weitere 15 am Abend. Jede einzelne meiner Fragen soll den Verbrauch von vier Watt Strom verursacht haben. Erstaunliche Sache. Entdeckte wunderbares Orchester fliegender Roboter. Draußen Regen wie Gischt. Die Vögel in den Bäumen dampfen. — stop

alpha : 0.22 — Die Entdeckung des Wortes mikobeli ereignete sich am 20. Dezember des Jahres 2007. Ich machte das so: Zunächst schloss ich die Augen. Dann versuchte ich lauthals Wörter auszusprechen, die ich nie zuvor hörte. Eine nicht ganz einfache Aufgabe. Kurz darauf notierte ich das Wort mikobeli auf ein Blatt Papier und prüfte, ob das Wort in den Verzeichnissen der Googlemaschine bereits enthalten sein könnte. Das war nicht der Fall, ich war zufrieden. Einige Zeit, zwei oder drei Wochen lang, versuchte ich weitere unbekannte und zugleich wohlklingende Wörter zu entdecken, dann hörte ich damit auf. Heute, Dienstag, 4. September 2012, um kurz nach 17 Uhr MESZ, wurde mir das Wort mikobeli wieder in Erinnerung gerufen, in dem ich bemerkte, dass nahe Tiblisi (Georgien) nach genau diesem erfundenen Wort in den Googleverzeichnissen gesucht worden war. Und weil nun das Wort mikobeli in meinem digitalen Schatten zu finden war, durfte ich für wenige Minuten einen Besucher aus dem Kaukasus auf meiner Particles – Seite verzeichnen. Erstaunlich ist, dass das Wort mikobeli von meiner Analysemaschine mittels georgischer Schriftzeichen wiedergegeben wird, fein und weich und vollständig fremd. Irgendein Mensch, stellte ich mir vor, könnte in derselben Art und Weise wie ich das Wort mikobeli erfunden haben und hatte kurz darauf nach Spuren seiner Existenz im Internet gesucht. Eine aufregende Geschichte, die sich tatsächlich genauso ereignete. Bitte melden! — stop
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lima : 10.27 — Die Arme meiner Cousine sind kurz, an ihren Händen fehlen die Daumen. Als ich noch ein Kind gewesen war, beobachtete ich gern ihre Füße, die sich bewegten, als wären sie nicht Füße, sondern Hände. Man kann mit den Füßen malen, das wusste ich schon immer, und man kann mit den Füßen in Büchern blättern und einen Löffel zum Munde führen, man kann auf Füßen gehen und man kann sich mit den Füßen die Haare kämmen. Je nachdem, von welchem Standpunkt aus man das betrachtet, ist das seltsam oder eben nicht. Meine Cousine machte die Erfahrung, dass man sie versteckte, wenn Besucher zu ihrer Familie nach Hause kamen. Ich selbst dagegen wurde gerufen, damit ich betrachtet werden konnte. Mein Gott, ist er doch wieder kräftig gewachsen, der kleine Kerl! Er heißt Andreas, nichts weiter. Meine Cousine heißt Lilli, und sie heißt noch das Wort Contergan dazu, weil das viele Menschen sofort denken, wenn sie die Malerin Lilli Eben sehen. Da kann man nichts machen. Wenn etwas anders ist an einem Menschen, wenn etwas zu viel ist oder fehlt, dann bekommt das Fehlende oder das Zusätzliche einen Namen, der ein Leben begleitet, wie das meiner Cousine, die eine starke Persönlichkeit geworden ist. Aber die Hände und der Rücken tun außerordentlich weh mit dem Alter, und auch die Zähne tun weh, weil sie so viel mit den Zähnen machen musste in ihrem Leben. Eine einzige kleine Tablette, nicht wahr, die ihre Mutter, meine Tante, zu sich genommen hatte zu einer Zeit, da sie noch nicht wusste, dass sie schwanger gewesen war. Tausende Tote. Zehntausende Menschen mit einem oder mehreren Handicaps. Am vergangenen Freitag wurde von dem Geschäftsführer der Firma Grünenthal der Versuch einer Entschuldigung unternommen, ohne weiterführende Verantwortung übernehmen zu wollen. Er sagte: Wir bitten um Entschuldigung, dass wir fast 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen von Mensch zu Mensch gefunden haben. Wir bitten Sie, unsere lange Sprachlosigkeit als Zeichen der stummen Erschütterung zu sehen, die Ihr Schicksal bei uns bewirkt hat. — stop

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nordpol : 8.27 — Xiang, 24, notiert in einer E‑Mail über Musik und Anatomie – zwei Begriffe, die auf den ersten Blick unvereinbar scheinen. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher erkenne ich eine mögliche Verbindung. Sicher ist es das Thema des Todes, dass die Musik dort dominieren würde, sodass mir spontan Besetzungen wie Orgel (allmächtiger Charakter), Xylofon (Kälte, Leblosigkeit) oder Chor (Totenklage) einfallen. Ich kann mir entweder sehr alte Musikstile, wie Gregorianik und Frühbarock, oder Musik des 20./21. Jahrhunderts vorstellen, z. B. John Cage oder George Crumb, deren Intention immerhin gerade in einer gewissen Absurdität, Grenzüberschreitung, bzw. in gewollter Entfernung von der Ästhetik der Wirklichkeit zu finden ist. Gerade dieses Moment prägt die Atmosphäre des Präpariersaales: eine zwar artifizielle, jedoch nicht primär ästhetische Arbeit an menschlichen Körpern, die durch den Tod und den Vorgang des Haltbar-Machens von einem Individuum zu einem Präparat verwandelt wurden, sodass Zeitlosigkeit an die Stelle dynamischen Lebens getreten ist. Es ist nicht leicht an Musik in diesem Zusammenhang zu denken, da sich Musik gerade durch ihren ewigen Fluss, ihre im Inneren geborgene Lebendigkeit auszeichnet, ihre Seele, die niemals sterben kann, selbst dann nicht, wenn noch so viele Versuche unternommen werden, sie in Momentaufnahmen zu konservieren. — stop

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alpha : 6.38 — Ich gehe ein paar Schritte nach links, dann gehe ich ein paar Schritte nach rechts. Sobald ich gehe, denke ich in einer anderen Art und Weise, als würde ich noch sitzen. Ich habe schon viel nachgedacht, während ich ging. Und ich habe schon viel vergessen, während ich ging. Wenn ich gehe, kommen die Gedanken aus der Luft und verschwinden wieder in die Luft. Wenn ich sitze, kommen die Gedanken aus meinen Händen. Sobald ich einmal nicht schreibe, ruhen meine Hände auf den Tasten der Schreibmaschine und warten. Sie warten darauf, dass eine Stimme in meinem Kopf diktiert, was zu schreiben ist. Ich könnte vielleicht sagen, dass meine Hände darauf warten, mein Gedächtnis zu entlasten. Was ich mit meinen Händen in die Tastatur der Maschine schreibe, habe ich gedacht, aber ich habe, was ich schrieb, nicht gelernt, nicht gespeichert, weil ich weiß, dass ich wiederkommen und lesen könnte, was ich notierte. Seltsame Dinge. Ich denke manchmal seltsame Dinge zum zweiten oder dritten Mal. Gerade eben habe ich wahrgenommen, dass es nicht möglich ist, zwei Zeichen zur selben Zeit auf meiner Schreibmaschine zu schreiben, immer ist ein Zeichen um Bruchteile von Sekunden schneller als das andere Zeichen. Wenn ich seltsame Dinge gedacht habe, freue ich mich. Wenn ich mich freue, kann ich nicht bleiben, wo ich bin. Die Freude ist ein Gefühl, das mich in Bewegung versetzt. Ich springe auf, wenn ich saß, oder ich springe in die Luft, wenn ich bereits auf meinen Beinen stand. Dann gehe ich ein paar Schritte nach links, dann gehe ich ein paar Schritte nach rechts. Sobald ich gehe, denke ich in einer anderen Art und Weise, als würde ich noch sitzen. — stop
