Aus der Wörtersammlung: finden

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ein seltsames buch

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echo : 1.18 — Seit zwei Stun­den beob­ach­te ich ein Buch, das kein gewöhn­li­ches Buch ist, son­dern ein selt­sa­mes Buch. Dass es sich um ein selt­sa­mes Buch han­delt, ist dem Buch zunächst nicht anzu­se­hen, weil es sei­ner äuße­ren Gestalt nach, ein übli­ches Buch zu sein scheint. Die­ses hier auf mei­nem Tisch ist von einer blau­en Far­be. Sobald man das blaue Buch in die Hän­de nimmt, wird man aber spü­ren, dass das Buch atmet, weil an sei­ner Rück­sei­te durch fei­ne Lamel­len war­me Luft aus­zu­tre­ten scheint. Das ist des­halb so, weil sich in dem Buch eine Rechen­ein­heit befin­det, ein win­zi­ger Com­pu­ter, der sich mit dem Text oder mit der Geschich­te, die sich in dem Buch befin­det, beschäf­tigt. Es han­delt sich bei dem Buch­kör­per bei genau­er Betrach­tung näm­lich um eine Ver­samm­lung hauch­dün­ner Bild­schir­me, auf wel­chen sich Zei­chen befin­den, Bild­schir­me, die man umblät­tern kann. Was zunächst zu sehen ist, gleich auf wel­cher Sei­te das Buch auf­ge­schla­gen wird, sind eben erwähn­te Buch­sta­ben oder Zif­fern, die sich rasend schnell bewe­gen, sodass man nicht lesen, viel­mehr nur ahnen wird, was sich dort befin­den könn­te. Es ist dies der Moment, da der Com­pu­ter des Buches jenen Text, den man mit eige­nen Augen ger­ne sofort lesen wür­de, zu ent­schlüs­seln beginnt. Ein mög­li­cher­wei­se auf­wen­di­ges, zeit­rau­ben­des Ver­fah­ren. Als ich das Buch kauf­te, konn­te mir der Händ­ler der ver­schlüs­sel­ten Bücher nicht sagen, wie lan­ge Zeit ich war­ten müs­se, bis der Text des Buches für mich sicht­bar wer­den wür­de. Es berei­te­te ihm Freu­de, ich bin mir sicher, aus­zu­spre­chen, was ich längst dach­te, dass die Ent­schlüs­se­lung des Tex­tes eine Stun­de, einen Tag oder zwei­hun­dert Jah­re dau­ern könn­te, das sei immer­hin das Prin­zip, wes­halb man ein Buch die­ser Art erwer­ben woll­te, dass man ein Buch besitzt, von dem man nicht sagen kön­ne, ob es jemals les­bar wer­den wird. — Kurz nach Mit­ter­nacht. — stop

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ludmilla

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echo : 6.12 — Ich habe eine E‑Mail bekom­men. Lesen Sie selbst: Ver­ehr­ter Lou­is, wie geht es Ihnen? Ich hof­fe, Sie sind wohl­be­hal­ten zurück­ge­kehrt von Ihrer Rei­se. Lei­der konn­ten wir uns nicht tref­fen, so wie noch im Janu­ar geplant. Es ist schwie­ri­ger gewor­den, das Haus zu ver­las­sen. Ich füh­le mich nicht län­ger sicher auf der Stra­ße. Aber auch unter mei­nem eige­nen Dach habe ich immer wie­der das Gefühl, beob­ach­tet zu wer­den. Ich neh­me an, es exis­tie­ren längst Ideen über mich, viel­leicht wird man sagen: Er könn­te nun doch ver­rückt gewor­den sein. Aber natür­lich weiß ich, was ich tue und wovor ich mich fürch­te. Im April war ich noch lan­ge Stun­den am Strand unter­wegs gewe­sen, besuch­te mei­ne Freun­din Lud­mil­la, die abends vor dem Board­walk mit ihren Freu­den im kal­ten See­wind sitzt. Ihr gehört jetzt ein Roll­stuhl, den sie von eige­ner Hand bewe­gen kann, weil sie zäh und leicht ist, Sie wür­den stau­nen. Irgend­wann muss ich das Haus wie­der ver­las­sen, das ist mir Her­zens­wunsch, ich kann Lud­mil­la doch nicht ver­lie­ren, ohne sie noch ein­mal gese­hen zu haben. Im Dezem­ber wird sie 92 Jah­re alt, da kann man an das Ende schon ein­mal den­ken, nicht wahr! Nun, ich will nicht kla­gen, bin sehr vor­sich­tig gewor­den. Wenn ich zum Ein­kau­fen gehe ein­mal in der Woche, dann nie­mals allein, son­dern immer in der Beglei­tung eines alten Freun­des. Sie wer­den ver­ste­hen, dass ich sei­nen Namen nicht erwäh­ne. Er ist zuver­läs­sig, hilft mir beim Tra­gen der Fla­schen. Was ich sonst noch benö­ti­ge, las­se ich mir kom­men. Ich erin­ne­re mich, jetzt, da ich hier sit­ze und schrei­be, dass ich als Kind ein­mal über­leg­te, eine Spra­che zu erfin­den, die nur ich ver­ste­hen kann. Ich hat­te mir vor­ge­nom­men, alle Wör­ter, die ich kann­te, in mei­ne neue Spra­che zu über­set­zen. Ich woll­te ler­nen, mit­tels die­ser Wör­ter zu den­ken. Seit weni­gen Tagen arbei­te ich nun dar­an, mir genau die­sen uralten Wunsch zu erfül­len. Ist das nicht wun­der­bar! Viel­leicht wer­de ich mich bald wie­der sicher füh­len. See­mö­wen sit­zen auf dem Bal­kon, ihre Augen wir­ken bei­zei­ten so, als wären sie Objek­ti­ve, die man füt­tern kann. Genug! Es ist Sonn­tag. Mor­gen wer­de ich Ihnen einen Brief von Papier über­mit­teln, in wel­chem ich eine Lis­te von Wör­tern ver­merk­te, die Sie in Zukunft bit­te nicht wei­ter ver­wen­den, wenn Sie mir eine E‑Mail schrei­ben. Sie wis­sen, wo der Brief zu fin­den ist. Bis bald, mein lie­ber Lou­is. Ihr Micha­el – stop

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nachtstimme

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india : 2.58 — Das Stimm­ge­räusch in mei­nem Kopf. Ob sich der Klang mei­ner den­ken­den Stim­me mit der ver­strei­chen­den Lebens­zeit ver­än­der­te? Habe ich als Kind mit­tels der Stim­me eines Kin­des gedacht? — Ich wer­de für die­se Fra­gen viel­leicht nie eine Ant­wort fin­den. Es ist zu spät. Aber ich könn­te einem Kind erklä­ren, was ich her­aus­zu­fin­den wün­sche. Das Kind wür­de mich viel­leicht mit einem vor­sich­ti­gen Lächeln betrach­ten, wür­de sei­ne Augen schlie­ßen und ein paar Sät­ze spre­chen im Kopf. Ist es einem mensch­li­chen Wesen über­haupt mög­lich, die eige­ne den­ken­de Stim­me, die Stim­me des Gehir­n­es, auf­zu­be­wah­ren, sich an sie zu erin­nern, sie zu ver­glei­chen? — Eine war­me Nacht. Fal­ter kom­men zum Ster­ben her­ein. Und Mari­en­kä­fer, wie­der ein gutes Dut­zend. Die­se Käfer sind merk­wür­di­ge Wesen. Ich ken­ne sie, solan­ge ich den­ken kann. Sie wan­dern an der Zim­mer­de­cke. Das Licht mei­ner Lam­pi­ons scheint ihnen zu gefal­len, als ob sie von die­sem Licht zeh­ren könn­ten. Sobald es dun­kel gewor­den ist, wenn sie schla­fen oder däm­mern, fal­len sie zu Boden, als ob es im Dun­kel nicht mög­lich wäre, recht­zei­tig die Flü­gel zu öff­nen. — Gigi Ibra­him, Akti­vis­tin, twit­tert aus Kai­ro: Ever­y­ti­me someone say „30 June revo­lu­ti­on“ or „army and peo­p­le one hand“ I die a litt­le insi­de. — stop

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cairo

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alpha : 4.32 — Ich erin­ne­re mich an ein Gespräch, das ich vor zwei Jah­ren mit einem Bekann­ten führ­te, der lan­ge Zeit in Ägyp­ten leb­te, genau­er in Kai­ro am Nil. Er wur­de in der alten, rie­si­gen Stadt gebo­ren, vor einem hal­ben Jahr­hun­dert. Ich hat­te von unse­rem Gespräch bereits erzählt. Immer, wenn ich ihn seit­her getrof­fen hat­te, stell­te ich ihm Fra­gen: Warst Du zu Hau­se im Som­mer? Wie geht es Dei­ner Fami­lie? Was kos­tet ein Hotel­zim­mer in Kai­ro in siche­rer Lage? Ich bemerk­te, dass Belem sich über mei­ne Fra­gen freu­te, aber er ant­wor­te­te nur sel­ten prä­zi­se, er sag­te immer wie­der, dass es eine Fra­ge des Respekts sei, dass man irgend­wie ler­nen müs­se, gemein­sam zu arbei­ten und zu leben. Vie­le Men­schen sei­en arm, das sei das größ­te Pro­blem, sie könn­ten nicht lesen und schrei­ben. Ein­mal frag­te ich, ob er bereit wäre, einen klei­nen Text aus der ara­bi­schen Spra­che für mich zu über­set­zen, einen Twit­ter­brief, den ich nicht lesen konn­te. Aber das woll­te Belem nicht, er schien sich in die­sem Moment vor mir oder den Zei­len, die ich auf ein Stück Papier gedruckt hat­te,  zu fürch­ten. — Mon­tag. Seit Stun­den kom­me ich nicht wei­ter in der Lek­tü­re digi­ta­ler Nach­rich­ten aus Kai­ro. Ich ver­su­che, zu ver­ste­hen. Es sind sehr selt­sa­me Tex­te, die mir Über­set­zungs­ma­schi­nen lie­fern, Bruch­stü­cke, Ahnun­gen, Wort­sand: Gott Ylank­wa auf der Erde und im Him­mel ein Fluch und Fluch ya Welad El Bha­im o obers­te Kar­te Hun­de vor Aiallk Ein­ak Ahan füh­len Sod­bren­nen Herz Eltern und alle da Les Ahan Scha­fe Iowa euch haben tat­säch­lich Amor­pho­phal­lus Rivie­ri CDDA Scha­fe ich Wor­te von Belei­di­gung und defekt, aber nach Li da Sie lip Tstahl­wa schmut­zigs­ten Belei­di­gung in Alas­han Antua eigent­lich Scha­fe und Hun­de und Skla­ven und Amrk­wa wel­che Hatb­ko­wa brau­chen euch eine Betharb­wa Alhan Cuesh Reli­gi­on und nicht in die Hei­mat Euch Betharb­wa Alhan 7tt jeder Hund und Ely ist Mur­si nicht bei­gelegt. Mur­si da wenn Ragel har­te Masche 7tt Khrong wur­de das Blut Divi­si­on zu hal­ten oder sogar min­des­tens sei­ner Fami­lie und sei­nen Clan aber Lebens­dau­er Staa­ten Khai­nin Brü­dern und bei­de Alai­kum Ya Ya Welad Hun­de Hun­de / Und Gott Staats­si­cher­heit haben sie Gna­de, die uns von DVD Elly Zico Btal­wa ver­ließ die Sicher­heit des Staa­tes und die Her­stel­lung da Ret­tung, wel­che Bek­tosh ken­nen sie lachen über Leu­te und Leu­te ich Tani Les ein Raza Ullah Ein­woh­ner in Sidi Gaber in der elf­ten Run­de ihre Brü­der Embareh Æøá­úæç Úáì Ãç Íþæã Èå Archi­tek­tur und schla­gen den Por­tier und sie in ihrer Woh­nung waren und eine Stim­me hör­te zu mir spre­chen und ich traf den Schuss und Aial­ha Hor­ror und wein­te und floh die besetz­ten Ober­flä­che Btaa Archi­tek­tur, und Vio­li­ne von Atrmi wur­de die Vio­li­ne ein Ver­bre­cher und Embareh füh­ren den Sicher­heits­sta­tus / Ers­te Bewer­tun­gen über den Stau­see ist klar, dass Kin­der nicht müs­sen manu­el­le Illus­tra­tor Gabe Archi­tek­tur der Ein­gang Por­tal Teil­neh­mer arbei­ten und mehr Men­schen sind ent­we­der Kin­der, ihre Eltern-Wäch­ter, die nur Sie der Stau­see-Ent­wick­lung her­aus­neh­men, aber sie Men­schen, die sie benö­ti­gen sind, um Schutz gegen unse­re Herrn sagen Ahan Mikhlinash Brü­der hass­te Sie jeden Bedarf wir sagen ganz klar die Sze­ne zu einem mei­ner Brü­der ist Bdkon NAS Keteer sehr Päd­ago­gen Dkonhm Ägyp­tens und Fami­li­en starr­te ist rüh­rend, mei­ne Brü­der und Les in eine fes­te Schie­ne Und sie neh­men ihre Mode Welaikh und Gen­tle­man und Men­schen Wakhd­in­ha das Alter des Pro­phe­ten Chris­ti­an Leh­man Daq­qoun Kin­der-und Jugend­sport hal­ten Masche einer Bank, es nicht Brü­der, ist vor­aus­ge­setzt die Tah­r­ir Daq­qoun Kteer waren die Rebel­len, nicht Brü­der natür­lich sage ich allen mein Ziel, dass alle Medi­en benö­tig­ten zu Fuß und wir sahen, Schlie­ßung des Auges Ehna Lina in ich weg­ge­las­sen Z Mabens­hov CBC tags­über Dream­Works benö­tigt, fin­den Sie unter Nile News und Ara­bisch und Al-Jaze­era sie­he Ent­war­nung Not­wen­dig­keit gezeigt Nicht alle Kanä­le Val­fol Wahr­heit und Bedau­ern-Ver­län­ge­rung. — stop
ping

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murphy

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india : 5.01 — Um 2 Uhr nachts sit­zen plötz­lich hun­der­te Flie­gen an den Fens­tern. Beben­de Flü­gel, hel­le, fast wei­ße Kör­per. Unter ihren Füßen das Licht eines künst­li­chen Tages, hin­ter ihren Rücken Gewit­ter­blit­ze. Indes­sen brum­men drei Mari­en­kä­fer durchs Zim­mer. Beob­ach­te­te Becketts absur­de Schach­par­tie, die in sei­nem Roman Mur­phy zu fin­den ist. Unge­üb­te Augen könn­ten irren: e4 Ng8h6 2. Ng1h3 Rh8g8 3. Rh1g1 Nb8c6 4. Nb1c3 Nc6e5 5. Nc3d5 Rg8h8 6. Rg1h1 Ne5c6 7. Nd5c3 Nh6g8 8. Nc3b1 Nc6b8 9. Nh3g1 e6 10. g3 Ng8e7 11. Ng1e2 Ne7g6 12. g4 Bf8e7 13. Ne2g3 d6 14. Bf1e2 Qd8d7 15. d3 Ke8d8 16. Qd1d2 Qd7e8 17. Ke1d1 Nb8d7 18. Nb1c3 Ra8b8 19. Ra1b1 Nd7b6 20. Nc3a4 Bc8d7 21. b3 Rh8g8 22. Rh1g1 Kd8c8 23. Bc1b2 Qe8f8 24. Kd1c1 Bd7e8 25. Bb2c Ng6h8 26. b4 Be7d8 27. Qd2h6 Nb6a8 28. Qh6f6 Nh8g6 29. Bc3e5 Bd8e7 30. Na4c5 Kc8d8 31. Ng3h1 Be8d7 32. Kc1b2 Rg8h8 33. Kb2b3 Bd7c8 34. Kb3a4 Qf8e8 35. Ka4a5 Na8b6 36. Be5f4 Nb6d7 37. Qf6c3 Rb8a8 38. Nc5a6 Be7f8 39. Ka5b5 Ng6e7 40. Kb5a5 Nd7b8 41. Qc3cNe7g8 42. Ka5b5 Kd8e7 43. Kb5a5 Qe8d8 — stop

polaroidcentral

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sieben punkte

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hima­la­ya : 5.06 — Drau­ßen, vor weni­gen Stun­den noch, rausch­te Was­ser vom Him­mel. Aber jetzt ist es still. Es ist eine tat­säch­lich nahe­zu geräusch­lo­se Nacht. Die letz­te Stra­ßen­bahn ist längst abge­fah­ren, kein Wind, des­halb auch die Bäu­me still und die Vögel, alle Men­schen im Haus unter mir schei­nen zu schla­fen. Für einen Moment dach­te ich, dass ich viel­leicht wie­der ein­mal mein Gehör ver­lo­ren haben könn­te, ich sag­te zur Sicher­heit ein Wort, das ich ges­tern ent­deck­te: Kapr­un­bi­ber. Das Wort war gut zu hören gewe­sen, mei­ne Stim­me klang wie immer. Aber auf dem Fens­ter­brett hockt jetzt ein Mari­en­kä­fer, einer mit gel­bem Pan­zer, sie­ben Punk­te, ich habe nicht bemerkt, wie er ins Zim­mer geflo­gen war. Es ist nicht der ers­te Käfer die­ses Jah­res, aber einer, den ich mit ganz ande­ren Augen betrach­te. Ich hat­te für eine Sekun­de die Idee, die­ser Käfer könn­te viel­leicht ein künst­li­cher Käfer sein, einer, der mich mit dem Vor­satz besuch­te, Foto­gra­fien mei­ner Woh­nung auf­zu­neh­men, oder Gesprä­che, die ich mit mir selbst füh­re, wäh­rend ich arbei­te. War­um nicht auch ich, dach­te ich, ein Ziel. Ich nahm den Käfer, der sei­ne Geh­werk­zeu­ge unver­züg­lich eng an sei­nen Kör­per leg­te, in mei­ne Hän­de und trans­por­tier­te ihn in die Küche, wo ich ihn in das grel­le Licht einer Tisch­lam­pe leg­te. Wie ich ihn betrach­te­te, bemerk­te ich zunächst, dass ich nicht erken­nen konn­te, ob der Käfer in der künst­li­chen Hel­lig­keit sei­ne Augen geschlos­sen hat­te. Weder Herz­schlag noch Atmung war zu erken­nen, auch nicht unter einer Lupe, nicht die gerings­te Bewe­gung, aber ich fühl­te mich von dem Käfer selbst beob­ach­tet. Also dreh­te ich den Käfer auf den Rücken und such­te nach einem Zugang, nach einem Schräub­chen da oder dort, einer Ker­be, in wel­che ich ein Mes­ser­werk­zeug ein­füh­ren könn­te, um den Pan­zer vom Käfer zu heben. Man stel­le sich ein­mal vor, ein sehr klei­ner Motor wäre dort zu fin­den, Mikro­fo­ne, Sen­der, Lin­sen, es wäre eine unge­heu­re Ent­de­ckung. Gegen­wär­tig zöge­re ich noch, den ers­ten Schnitt zu setz­ten, es reg­net wie­der, jawohl, ich wer­de am bes­ten zunächst noch ein wenig den Regen beob­ach­ten, es ist kurz nach drei. – stop

ping

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tod in peking 3

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oli­mam­bo : 3.12 — Wie­der nach Spu­ren des Foto­gra­fen Ted­dy S. in digi­ta­len Räu­men gesucht, sie­ben Mona­te sind ver­gan­gen, seit er in Peking starb. Es ist merk­wür­dig. Ich kann mit­tels der Such­ma­schi­nen, die mir zur Ver­fü­gung ste­hen, kei­ne Nach­richt fin­den, die davon erzählt, dass er nicht mehr am Leben ist. Weder eine Todes­an­zei­ge noch eine Fra­ge nach sei­nem Ver­bleib ist zu ent­de­cken, aber nach wie vor Hin­wei­se auf sei­ne Arbeit, Foto­gra­fien, Noti­zen, Meta­da­ten zu Licht­fang­ma­schi­nen. Die letz­te schrift­li­che Nach­richt Ted­dys wur­de an einem Flug­ha­fen auf­ge­ge­ben. Es ist der 10. Okto­ber 2012: Pack­ing my bags for ano­ther trip to Chi­na. Tonight I’ll fly to Shang­hai and a litt­le later to Bei­jing for a lon­ger stay. Extre­me­ly hap­py to be back so fast after my last stay in August. — Wenn nun ein Mensch nach ihm such­te, weil er sich nach lan­ger Zeit an Ted­dy erin­ner­te, wenn er ihn nicht per­sön­lich antref­fen könn­te, an Tele­fo­nen nicht und hin­ter E‑Mail-Adres­sen, weil sei­ne vor­dem treu­en Ser­ver­ma­schi­nen Ted­dy nicht län­ger ken­nen, wür­de das Ende sei­nes Lebens viel­leicht denk­bar wer­den. Nichts mehr kommt hin­zu, weder Foto­gra­fien noch Wör­ter. — 27. Juni: A mes­sa­ge that you sent could not be deli­ver­ed to one or more of its reci­pi­ents. This is a per­ma­nent error. The fol­lo­wing address(es) fai­led: t.s@gmx%2ede SMTP error from remo­te mail ser­ver after RCPT TO:: host mx01.gmx.net [213.165.67.97]: 550 Reques­ted action not taken: mail­box unavailable. This is a copy of the mes­sa­ge, inclu­ding all the hea­ders. Return-path: Recei­ved: from fwd55.aul.x (fwd55.aul.x ) by mai­lout x with smtp id 1UsMG3-00075X-W9; Fri, 28 Jun 2013 02:09:48 +0200 Recei­ved: from local­host (Z w u h M r Z f Y h P e h n f I Z 0 n a e u s T F — d y f y 2 k j p g p s 3 4 m W f n T j B r a Y B Y k g O l M E e t S t u E g P p @ [ 1 7 2 . 2 0 . 1 0 1 . 1 2 4 ] ) by with esmtp id 1UsMG3-3aLg­s­C0; Fri, 28 Jun 2013 02:09:47 +0200 MIME-Ver­si­on: 1.0 Recei­ved: from 79.218.83.163:30332 by cmpweb56.aul.t‑online.de with HTTP/1.1 (NGCS V4‑0–19‑4 on API V3-11–28‑0) Date: 23 Jun 2013 02:09:47 +0200 — Rep­ly-To: To: t.%73@gmx%2ede X‑Priority: 3 X‑UMS: E‑Mail X‑Mailer: DTAG NGCS V4‑0–19‑4 Sub­ject: fra­ge — Con­tent-Type: multipart/alternative; boundary=“=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0” Mes­sa­ge-ID: <1UsMG3%2d3%61Lg%73%430%40f%77d%355%2e%61u%6c.x> X‑ID: Z w u h M r Z f Y h P e h n f I Z 0 n a e u s T F — d y f y 2 k j p g p s 3 4 m W f n T j B r aY B Y k g O l M E e t S t u E g P p%40x%2e%6eet X‑TOI-MSGID: a e 6 4 0 9 f b — 1 8 7 0 — 4 5 a 9 — b 0 8 b — 9 2 2 8 6 6 a 4 d b a 9 –=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0 Con­tent-Type: text/plain; charset=“UTF‑8” Con­tent-Trans­fer-Enco­ding: 7bit — WO BIST DU? –=_0 f a 1 e 2 5 5 2 f 2 0 f 4 b e 2 7 4 6 f 4 5 c 4 7 f 7 b 2 0 0 Con­tent-Type: text/html; charset=“UTF‑8” Con­tent-Trans­fer-Enco­ding: quo­ted-prin­ta­ble — stop

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koffer

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tan­go : 23.59 — Mit die­ser Minu­te endet Lou­is’ 18868. Lebens­tag. Ich habe an die­sem Tag eine selt­sa­me Erfah­rung gemacht. Vor einer Stun­de unge­fähr bemerk­te ich, dass ich mein Notiz­buch, in wel­ches ich hand­schrift­lich Wör­ter notie­re, mit schein­bar ande­ren Augen als noch am frü­hen Mor­gen betrach­te­te. Ich dach­te, bei die­sem klei­nen Heft hier han­delt es sich um mei­nen ein­zig ver­blie­be­nen Raum, in dem ich Gedan­ken auf­zeich­nen kann, die nur für mich bestimmt sind. Ja, so könn­te es gekom­men sein. Alle Wör­ter, die ich mit­tels mei­ner elek­tri­schen Schreib­ma­schi­ne, die mit dem Inter­net ver­bun­den ist, notie­re, sind oder sind mög­li­cher­wei­se öffent­li­che Wör­ter, weil sie einem kom­mu­ni­ka­ti­ven Sys­tem ver­bun­den sind, wel­ches jeder­zeit aus­ge­le­sen und gespei­chert wer­den kann auf unbe­stimm­te Zeit. Es exis­tie­ren dem­zu­fol­ge auf­ge­zeich­ne­te Wör­ter einer­seits, die tat­säch­lich so lan­ge pri­vat sind, wie ich den Kof­fer, in dem ich sie auf­be­wah­re, nicht ver­lie­re, ande­rer­seits auf­ge­zeich­ne­te Wör­ter, die sich außer­halb die­ses Kof­fers befin­den. — stop

ping

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paris — mumbai

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tan­go : 3.55 — Eine ange­neh­me Nacht. Lei­ses Regen­ge­räusch. Ich habe über die Erfin­dung flie­gen­der Pflan­zen nach­ge­dacht, über Pflan­zen, die zeit­le­bens den Erd­bo­den nie­mals berüh­ren. Gegen drei Uhr dann einen Brief an Hen­ry geschrie­ben. Lie­ber Hen­ry, anbei die Stre­cke Paris — Mum­bai in Wor­ten, so wie sie der Com­pu­ter aus­ge­rech­net hat. Ich habe für das tür­ki­sche Staats­ge­biet eini­ge Lücken gelas­sen, da ich ent­spre­chen­de Zei­chen­sät­ze nicht fin­den konn­te, um Städ­te und Dör­fer kor­rekt dar­zu­stel­len. Von die­sen Gebie­ten ein­mal abge­se­hen, soll­te Dei­ne Rou­te voll­stän­dig vor­ge­schrie­ben sein. Du wirst, sofern alles gut gehen wird, nach 105 Stun­den Bom­bay errei­chen. Natür­lich darfst Du nicht anhal­ten, am bes­ten reist Du in Beglei­tung. Das Pro­gramm gab fol­gen­den war­nen­den Hin­weis: Unse­re Anga­ben die­nen nur zu Pla­nungs­zwe­cken. Es ist mög­lich, dass die Ver­kehrs­ver­hält­nisse auf­grund von Bau­stel­len, Ver­kehr, Wet­ter oder ande­ren Fak­to­ren von den hier dar­ge­stell­ten Vor­schlä­gen abwei­chen. Sie soll­ten daher Ihre Rei­se ent­spre­chend pla­nen und alle Ver­kehrs­schil­der oder Hin­weise bezüg­lich Ihrer Rou­te beach­ten. Ich wün­sche Dir, lie­ber Hen­ry, eine gute Rei­se. Dein Lou­is > Rou­te nach Mum­bai Cen­tral, Mum­bai, Maha­rash­tra, Indi­en 9.302 km – ca. 105 Stun­den Paris, Frank­reich‎ 1. Auf Rue de Rivo­li nach Wes­ten Rich­tung Rue du Renard star­ten 69 m wei­ter gesamt 69 m 2. Leicht links abbie­gen auf Rue de la Cou­tel­le­rie Ca. 56 Sekun­den 140 m wei­ter gesamt 210 m 3. Rechts abbie­gen auf Av. Vic­to­ria 32 m wei­ter gesamt 240 m 4. 1. Abzwei­gung links neh­men, um auf Rue Saint-Mar­tin zu wech­seln 71 m wei­ter gesamt 300 m 5. 1. Abzwei­gung links neh­men, um auf Quai de Ges­v­res zu wech­seln Ca. 1 Minu­te 160 m wei­ter gesamt 450 m 6. Wei­ter auf Quai de l’Hôtel de ville Ca. 1 Minu­te 600 m wei­ter gesamt 1,1 km 7. Wei­ter auf Quai des Céles­tins Blitz­ge­rät inner­halb von 200 m 260 m wei­ter gesamt 1,3 km 8. Wei­ter auf Quai Hen­ri IV Ca. 1 Minu­te 750 m wei­ter gesamt 2,1 km 9. Wei­ter auf Voie Mazas Ca. 1 Minu­te 950 m wei­ter gesamt 3,0 km 10. Wei­ter auf Quai de Ber­cy Ca. 2 Minu­ten 1,5 km wei­ter gesamt 4,5 km 11. A3 A6 Péri­phé­ri­que Por­te de Ber­cy Cha­ren­ton Die Auf­fahrt Rich­tung A3/A6/Périphérique/Porte de Bercy/Charenton neh­men 270 m wei­ter gesamt 4,8 km 12. An der Gabe­lung rechts hal­ten und wei­ter Rich­tung A4 70 m wei­ter gesamt 4,8 km 13. An der Gabe­lung rechts hal­ten und wei­ter Rich­tung A4 120 m wei­ter gesamt 5,0 km 14. An der Gabe­lung rechts hal­ten und wei­ter Rich­tung A4 27 m wei­ter gesamt 5,0 km 15. A4 Metz Nan­cy Mar­ne la Val­lée Cré­teil An der Gabe­lung rechts hal­ten, Beschil­de­rung in Rich­tung A4/Metz/Nancy/Marne la Vallée/Créteil fol­gen und wei­ter auf A4 Teil­weise gebüh­ren­pflich­tige Stra­ße Blitz­ge­räte ab 7,4 km > …

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am Wasser

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gink­go : 2.08 — Eine Foto­gra­fie, die mich ges­tern Abend per E‑Mail erreich­te, zeigt eine älte­re Frau auf der Dach­ter­ras­se eines Hau­ses, das voll­stän­dig aus Holz zu bestehen scheint. Das Gebäu­de befin­det sich an der Küs­te des Atlan­tiks auf Sta­ten Island. Ein blü­hen­der Gar­ten umgibt das Anwe­sen weit­räu­mig, man kann das gut erken­nen, weil der Foto­graf zum Zwe­cke der Auf­nah­me auf einen höhe­ren Baum gestie­gen sein muss, im Hin­ter­grund das Del­ta des Lemon Creek, zwei schnee­wei­ße Segel­boo­te, die vor Anker lie­gen, und Schwä­ne, sowie ein paar ame­ri­ka­ni­sche Sil­ber­mö­wen, die sich zan­ken. Die Frau nun winkt mit ihrer lin­ken Hand zu dem Foto­gra­fen hin. Mit der ande­ren Hand drückt sie ihren Som­mer­hut fest auf den Kopf, ver­mut­lich des­halb, weil an dem Tag der Auf­nah­me eine fri­sche Bri­se vom Meer her weh­te. Far­ben sind auf dem Schwarz-Weiß-Bild nur zu ver­mu­ten. Ich erin­ne­re mich jedoch, dass mir jemand erzähl­te, das Haus sei in einem leuch­ten­den Rot gestri­chen. Bei der Frau auf der Foto­gra­fie han­delt es sich übri­gens um Emi­ly im Alter von 62 Jah­ren. Ich kann das so genau sagen, weil in einer Notiz, die der E‑Mail bei­gefügt wur­de, einen Hin­weis zu fin­den war, eben auf Emi­ly, die sich im Moment der Belich­tung auf der Dach­ter­ras­se ihres Hau­ses damit beschäf­tig­te, eine Salz­wie­se anzu­le­gen: Das ist mei­ne Emi­ly als sie noch leb­te. Ein hei­ßer Tag. Wir waren von einem Spa­zier­gang zurück­ge­kom­men, hat­ten in Ufer­nä­he Salz­mie­ren, Strand­a­s­tern, Mit­tags­blu­men, Fuchs­schwän­ze, Blei­wurz und Was­ser­nüs­se gesam­melt. Am Nach­mit­tag mach­te sich Emi­ly an die Arbeit. Sie brach­te san­di­ge Erde auf ihren Blu­men­ti­schen aus, in wel­cher Lei­tun­gen für Flut, für Ebbe ver­bor­gen lagen. Sie war glück­lich gewe­sen, aber sie ahn­te bereits, dass das Was­ser stei­gen wird. Sie fürch­te­te sich vor den Win­ter­stür­men, ihren Namen, ihrer tosen­den Wild­heit. An dem Abend, als ich die Auf­nah­me mach­te, sag­te Emi­ly, dass es selt­sam sei, sie habe das Gefühl, an einem Ort zu woh­nen, der eigent­lich bereits dem Meer gehö­re. Dein S. – stop
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