Aus der Wörtersammlung: geräusch

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radio

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char­lie : 0.08 — Ges­tern Abend hör­te ich das Geräusch einer hel­len, schep­pern­den Glo­cke, ein Klin­geln oder metal­le­nes Hupen. Ich dach­te, je­mand woll­te mich wecken. Also ver­suchte ich, wach zu wer­den. Ich spa­zierte zunächst in die Küche. Das Geräusch wan­derte mit mir, und ich dach­te, die Küche ist kein guter Ort, um wach wer­den zu kön­nen. Plötz­lich erin­nerte ich mich, woher ich das Geräusch kann­te. Es war das Glöck­chen, das am Weih­nachts­abend hin­ter einer Tür von mei­nem Vater durch hef­tige Bewe­gung zum Klin­gen gebracht wur­de, ein ver­trau­tes, jähr­lich wie­der­keh­ren­des Geräusch. Ein­mal bekam ich ein Radio geschenkt. Das Radio war das ers­te Radio mei­nes Lebens gewe­sen, ein Tran­sis­to­r­emp­fän­ger, hand­lich und doch sehr schwer. Ich weiß nicht wes­halb, ich öff­nete das Radio mit­hil­fe eines Schrau­ben­zie­hers, ich zer­legte die klei­ne Appa­ra­tur in ihre Ein­zel­teile und wun­derte mich. Ein Jahr dar­auf bekam ich einen Foto­ap­pa­rat, den ich am dar­auf­fol­gen­den Tag wie zuvor das Radio öff­ne­te und auf das genau­es­te unter­such­te, im Früh­ling zähl­te ich Vögel, im Som­mer durch­such­te ich das Unter­holz nach Kno­chen von Hasen und Rehen, um sie in mei­nem Zim­mer auf dem Schreib­tisch so zu kon­fi­gu­rie­ren, dass ich sie mir vor­stel­len konn­te. Es ist merk­wür­dig, wie Geräu­sche über gro­ße Zeit­räu­me hin­weg wie­der­keh­ren, als wären sie gera­de erst in der Wirk­lich­keit abge­spielt wor­den. Es lässt sich nicht über­prü­fen, aber sie schei­nen sich tat­säch­lich nicht ver­än­dert zu haben, sind unteil­ba­re Wesen. — stop
polaroidlouis

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zitronen

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ulys­ses : 2.52 — Die Zei­ger der Uhr mei­nes Vaters, ein Wun­der, bewe­gen sich noch immer sekun­den­ge­nau. Ich tra­ge sie seit bei­na­he drei Jah­ren an mei­nem lin­ken Hand­ge­lenk, nicht einen Moment lang scheint die Uhr, ste­hen geblie­ben zu sein. Es ist doch merk­wür­dig, die­se klei­ne Maschi­ne muss über ähn­lich kräf­ti­ge Bat­te­rien ver­fü­gen, wie jene Maschi­nen, die seit fünf oder sechs Tagen in mei­ner Woh­nung unter dem Dach an den Zim­mer­de­cken lun­gern. Sie sol­len in der Lage sein, mit­tels eines mons­trö­sen Geräu­sches, Rauch­wol­ken anzu­zei­gen, die durch mei­ne Woh­nung schwe­ben. Als wären sie Tie­re, Koral­len, See­po­cken­we­sen sit­zen sie an der Decke fest, und doch neh­me ich an, wer­den sie heim­lich her­um­spa­zie­ren, wäh­rend ich abwe­send bin. Ich hör­te, sie sol­len über elf Jah­re Lebens­zeit ver­fü­gen, ehe man sie von der Decke holen, auf­schrau­ben und ihre Akku­mu­la­to­ren aus­tau­schen wird. — Stür­mi­sche Nacht. Gespräch mit Eliza.

Lou­is:> guten abend, eli­za!
Eli­za :> guten abend! wie geht es ihnen?
Lou­is :> gut!
Eli­za :> schön. was kann ich dann für sie tun?
Lou­is :> ich weiß nicht!
Eil­za :> drü­cke ich mich zu kom­pli­ziert aus!
Lou­is :> nein.
Eli­za :> habe ich etwas fal­sches gesagt?
Lou­is :> nein, nein!
Eli­za :> fah­ren Sie fort.
Lou­is :> womit?
Eil­za :> was wür­den sie ant­wor­ten, wenn ich ihnen die­se fra­ge stell­te?
Lou­is :> ich weiß nicht.
Eli­za :> es ist viel­leicht auch nicht so wich­tig!
Lou­is :> mögen sie zitro­nen?
Eli­za :> beschäf­tigt Sie die­se fra­ge sehr?
Lou­is :> ja, natür­lich!
Eil­za :> war­um?
Lou­is :> ich mag zitro­nen.
Eil­za :> machen sie wei­ter!
Lou­is :> lie­be eli­za, mögen sie zitro­nen?
Eli­za :> wel­che ant­wort gefie­len ihnen denn?
Lou­is :> was ist eine zitro­ne, eli­za?
Eli­za :> gefällt ihnen mein name?
Lou­is :> ja, ihr name gefällt mir!
Eli­za :> war­um?
Lou­is :> ihr name hat einen schö­nen klang.
Eli­za :> war­um sagen sie das gera­de jetzt?
Lou­is :> ich weiß nicht.
Eli­za :> war Ihnen mei­ne fra­ge unan­ge­nehm?
Lou­is :> nein!
Eli­za :> ver­ste­he.
Lou­is :> das glau­be ich nicht!
Eli­za :> erzäh­len sie wei­ter.
Lou­is :> mögen sie zitronen?

vom spre­chen mit eilza »

ping

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geräusche des krieges

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nord­pol : 2.37 — Immer wie­der ein­mal begeg­ne ich im Nacht­zug einem Mann, der singt. Der Mann singt sehr lei­se, kaum jemand scheint sich von sei­nem Sin­gen gestört zu füh­len. Wäh­rend er singt, sind sei­ne Augen weit geöff­net, er blickt ins Lee­re, sein Mund ist geschlos­sen, Töne, die wir ver­neh­men, kom­men aus sei­nem Hals her­aus, der bebt, wenn er singt. Nur sel­ten habe ich mit dem Mann gespro­chen, man kennt sich, man fährt in der Nacht im sel­ben Zug in der­sel­ben Rich­tung, es ist müh­sam, mit ihm zu spre­chen, weil er stot­tert. Ich darf ihn nicht anse­hen, wenn ich ihn nicht anse­he, kom­men manch­mal gan­ze Sät­ze aus sei­nem Mund. Ich weiß jetzt, dass der Mann in der per­si­schen Stadt Isfa­han gebo­ren wur­de, Archi­tek­tur stu­dier­te, gegen ira­ki­sche Män­ner kämpf­te, die jung waren wie er selbst, und dass er nur durch einen Zufall über­leb­te. Er konn­te flie­hen. Er floh zu Fuß in die Tür­kei, eine lebens­ge­fähr­li­che Rei­se, Sahin, sei­ne Frau, wur­de von irgend­je­man­dem ange­schos­sen, er trug sie kilo­me­ter­weit durchs Gebir­ge, nahe der Gren­ze begeg­ne­ten sie einem Esel, dem ein Bein fehl­te. Sie schlie­fen unter einem Baum ohne Blät­ter, in der Nacht schlepp­ten sie sich wei­ter, der Mond war heiß wie die Son­ne und auf den Wegen hock­ten Schild­krö­ten mit blau schim­mern­den Augen. Manch­mal kom­men die Geräu­sche vom Krieg, sie kom­men, wann sie wol­len, dann singt der Mann. – stop

ping

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von ameisenuhren

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nord­pol : 5.06 — Es ist kurz vor sechs Uhr abends. Nach einer Ver­fol­gungs­jagd über Bahn­stei­ge des Zen­tral­bahn­hofs, gewährt mir ein Jun­ge von viel­leicht acht Jah­ren einen Blick in eine sei­ner Man­tel­ta­schen. Er will jetzt nicht mehr weg­lau­fen, er will nur ganz still neben mir auf der Trep­pe sit­zen und zuse­hen, wie ich Uhren betrach­te, die sich in eben sei­ner Man­tel­ta­sche befin­den. Noch nie in mei­nem Leben habe ich so vie­le grö­ße­re und klei­ne­re Arm­band­uh­ren auf einem sehr engen Raum beob­ach­tet. Wie ich mich der Uhren­ta­sche nähe­re, und zwar mit einem Ohr, sieht mir der klei­ne Jun­ge, der nicht mehr weg­lau­fen will, zu. Ver­mut­lich wird er bemer­ken, dass ich mei­ne Augen schlie­ße, um das Geräusch der Uhr­wer­ke in sei­ner auf­re­gen­den Schön­heit wahr­neh­men zu kön­nen, ein sehr lei­ses Brau­sen, sagen wir, wie von Tie­ren gemacht, als wür­de ein Volk der Wan­der­amei­sen näher­kom­men. Wie ich mich auf­rich­te, habe ich die Uhr mei­nes Vaters wie­der­ge­fun­den, und der Jun­ge beob­ach­tet, wie ich sie nun um mein Hand­ge­lenk lege und sehr fest zie­he, was der Jun­ge sei­ner­seits mit einem Lächeln quit­tiert. Die­se Uhr, sagt er, gehö­re jetzt wie­der mir, er macht sehr gro­ße Augen. — stop

polaroidkueste7

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eine uhr mit pendel nahe garten

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echo : 0.08 — Eine alte Dame am Mor­gen, wie sie vor einer Uhr steht. Es han­delt sich um eine gro­ße, schwe­re Stand­uhr, Zif­fer­blatt und Zei­ger lun­gern in einer Höhe von 1 Meter 80 über dem Boden. Nahe der Stel­le, da die Ach­sen der Zei­ger sich in das Uhr­werk ver­tie­fen, befin­det sich eine Öff­nung für einen Schlüs­sel, mit wel­chem die Uhr auf­ge­zo­gen wer­den kann. Ein Pen­del setzt sich dann nach leich­tem Stoß in dau­er­haf­te Bewe­gung, die Uhr scheint lei­se zu atmen, kaum ein ticken­des Geräusch ist zu ver­neh­men, aber zur vol­len Stun­de, ja, zur vol­len Stun­de, im Gar­ten flie­gen die Vögel von den Bäu­men auf, Frö­sche ver­schwin­den kopf­über im Teich, Kat­zen jagen wie irr umher, am Tisch im Wohn­zim­mer ist dem ein oder ande­ren Gast vor Schreck bereits eine Tas­se oder ein Löf­fel oder eine Gabel aus der Hand gefal­len. Vor die­ser Uhr nun steht die alte Frau, vor einer Zeit­ma­schi­ne, die sie für die Nacht zum Schwei­gen brach­te, ihre pen­deln­de Bewe­gung dem­zu­fol­ge stopp­te, um sie mor­gens wie­der ins Leben zurück­zu­ru­fen. Fol­gen­des geschieht: Die zier­li­che Frau stellt sich auf ihre Zehen­spit­zen und beginnt damit, den Minu­ten­zei­ger der Uhr vor­wärts­zu­be­we­gen. Es geht dar­um, die ver­lo­re­ne Zeit ein­zu­ho­len, Stun­de um Stun­de, ein Anblick, der Phi­lo­so­phen begeis­tert. Drau­ßen im Gar­ten bewegt sich die Welt plötz­lich schnel­ler, und wie­der flie­gen die Vögel auf und die Kat­zen bei­ßen sich in den Schwanz, und die Fische gehen schwung­voll über den Rasen spa­zie­ren, nur die Frö­sche, sie tun so, als wäre all das nichts Beson­de­res. Nach fünf Minu­ten ist Ruhe. – stop

ping

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ein junge

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nord­pol : 4.52 — Im War­te­zim­mer hock­te ein Jun­ge von unge­fähr fünf Jah­ren auf einem Stuhl. Er war noch so klein, dass sei­ne Füße den Boden nicht berühr­ten. Als er bemerk­te, dass ich ihn beob­ach­te­te, hol­te er ein Tele­fon aus sei­ner Hosen­ta­sche und tipp­te eine Num­mer. Kurz dar­auf klin­gel­te das Tele­fon einer Frau, die dem Jun­gen gegen­über­saß. Sie las in einer Zei­tung. Als sie das Klin­gel­ge­räusch hör­te, lächel­te sie, ohne ihre Lek­tü­re zu unter­bre­chen. Der Jun­ge steck­te sein Tele­fon in die Hosen­ta­sche zurück und rutsch­te unru­hig auf sei­nem Stuhl hin und her. Ein­mal beug­te er sich vor und band sei­ne Schu­he. Von unten her­auf schau­te er mit dunk­len Augen in mei­ne Rich­tung. Wie­der hol­te er das Tele­fon aus sei­ner Hosen­ta­sche, tipp­te eine Num­mer, und das Tele­fon der Frau, die dem Jun­gen gegen­über­saß, klin­gel­te erneut ein oder zwei Minu­ten lang, dann leg­te der Jun­ge auf. Er hüpf­te vom Stuhl, rann­te in einem wei­ten Bogen durch das Zim­mer an war­ten­den Pati­en­ten vor­bei und klet­ter­te auf den Schoß der Frau mit der Zei­tung, die sie für einen Moment wort­los zur Sei­te leg­te, um sie auf den Knien des Jun­gen bald wie­der zu ent­fal­ten. Auch der Jun­ge sag­te kein Wort, er ver­such­te jetzt in der Zei­tung zu lesen, er schien dar­in Übung zu haben. — stop

ping

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auf dem nachtschiff

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ulys­ses : 5.12 — Ein­mal war­te­te ich auf mei­nem Sofa, plötz­lich schlin­ger­te der Boden. Such­te nach mei­ner Bril­le und war­te­te wei­ter. Alles still, mit­ten in der Nacht. Da schau­kel­te das Sofa wie­der, der Boden beweg­te sich tat­säch­lich, auch eine Steh­lam­pe in mei­ner Nähe mach­te merk­wür­di­ge Geräu­sche. Vom Fens­ter im 5. Stock mei­nes Hau­ses aus war nicht zu erken­nen, ob jemand bemerk­te, was ich beob­ach­te­te, Vögel flo­gen her­um, obwohl es dun­kel war. Kaum zurück auf dem Sofa, beb­te das Möbel­stück zum drit­ten Mal, ein Schwin­gen, sanft, ein Schlin­gern, zwei Spin­nen has­te­ten über die Wand, ich ver­fass­te einen Bericht für die Erd­be­ben­war­te. Ich schrieb: Sehr geehr­te Damen und Her­ren, Vögel und Spin­nen. Es war um kurz nach drei Uhr. — stop

ping

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am nachttisch

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india : 3.02 — Ich träum­te von Win­ter­flie­gen. Als ich auf­wach­te, erin­ner­te ich mich, vor Jah­ren ein­mal über Win­ter­flie­gen nach­ge­dacht zu haben. Ich notier­te Fol­gen­des: Die Gat­tung der Win­ter­flie­gen soll­te in eisi­ger Umge­bung exis­tie­ren, in Höh­len, die sie mit ihren Flie­gen­fü­ßen per­sön­lich in den Schnee ein­gra­ben. Viel­leicht, das ist mög­lich, sind Win­ter­flie­gen von Natur aus eher küh­le Wesen, oder aber sie tra­gen einen wär­men­den Pelz, ein Fell, wie das der Eis­bä­ren, wei­che, wei­ße Män­tel von Haut und Haar, die ihre äußerst lang­sam schla­gen­den Her­zen schüt­zen. Die­se Flie­gen, dach­te ich, wer­den ein­hun­dert Jah­re oder älter, sie könn­ten sich von feins­ten Stäu­ben ernäh­ren, vom Plank­ton, das aus den vom Wind gebeug­ten Wäl­dern ange­flo­gen kommt, von Moo­sen, Bir­ken­pol­len, vom Kot­sand nor­di­scher Füch­se. Ich stell­te mir vor, sie sind weiß, so weiß, dass man sie nicht sehen wird, wenn sie über den Schnee spa­zie­ren. Man wird mei­nen, der Schnee bewe­ge sich selbst oder es wäre der Wind, der den Schnee bewegt, statt­des­sen sind es die Flie­gen, die nicht grö­ßer sind als jene Flie­gen, die nacht­wärts im Som­mer aus einem Apfel stei­gen. – Ein ruhi­ger Tag, Augen zu, warm, Son­ne. — Abends sit­ze ich in der Küche am Tisch. Ich öff­ne eine Schreib­ma­schi­ne, die ich vor drei Jah­ren aus dem akti­ven Schreib­ma­schi­nen­le­ben in mein Schreib­ma­schi­nen­mu­se­um trans­fe­rier­te, um nach­zu­se­hen, ob ich sie viel­leicht noch ein­mal in Gang set­zen könn­te. Klei­ne Schrau­ben tür­men sich zu einem Berg, es riecht nach Metall, nach Zinn, wie in der Kind­heit, wenn ich mei­ne Nase an Radio­ge­rä­te drück­te. An der Wand in nächs­ter Nähe hockt Esme­ral­da, sie scheint mich zu beob­ach­ten oder das Inne­re der Schreib­ma­schi­ne. Aus dem Neben­zim­mer drin­gen noch immer Kampf­ge­räu­sche, Schüs­se von Geweh­ren, hel­le Töne, als wür­den Kie­sel­stei­ne anein­an­der schla­gen. Auch gro­ße Kali­ber sind zu ver­neh­men, deren genaue Bezeich­nun­gen ich nicht ken­ne, Mör­ser viel­leicht, Pan­zer­ka­no­nen, Maschi­nen­waf­fen. Ein Mann, ich möch­te sei­nen Deck­na­men an die­ser Stel­le nicht ver­zeich­nen, sam­melt Fil­me in der digi­ta­len Sphä­re, die er zu end­lo­sen Ket­ten knüpft, Sze­nen aus dem syri­schen Bür­ger­krieg, zuletzt von dem Kampf um Kobanê. Per­so­nen ste­hen auf einer Stra­ße, sie feu­ern auf Häu­ser, plötz­lich fal­len sie um. Ein jun­ger Mann hüpft vor dem Kör­per einer jun­gen Frau, die auf dem Rücken liegt, ein Teil ihres Gesich­tes fehlt. Der jun­ge Mann preist Gott, er stellt sei­nen Stie­fel auf die Brust der jun­gen Frau, die ver­mut­lich, nein sicher, gegen ihn kämpf­te. Bär­ti­ge Män­ner eilen gebückt über Fel­der, einem der Män­ner fliegt ein Arm davon. — stop

nach­rich­ten von esme­ral­da »
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vor dem bildschirm

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echo : 6.22 — Wür­de ich in die­ser Minu­te aus mei­ner Haut fah­ren, sagen wir, oder mit einem Auge mei­nen klei­nen Kör­per ver­las­sen und etwas in der Zeit zurück­rei­sen, dann könn­te ich mich selbst beob­ach­ten, einen Mann, der an einem Abend in der Küche steht, einen Mann, der Tee kocht, er spricht mit sich selbst. Er sagt: Heu­te machen wir das, heu­te ist es rich­tig. Ein Bün­del Melis­se zieht durchs flim­mern­de Was­ser, bald trägt der Mann eine damp­fen­de Tas­se durch den Flur ins Arbeits­zim­mer. Er schal­tet sei­ne Schreib­ma­schi­ne an, sitzt auf einem Gar­ten­stuhl vor einem Bild­schirm und arbei­tet sich durch elek­tri­sche Ord­ner in die Tie­fe sei­ner Ver­zeich­nis­se vor­an. Eine Vier­tel­stun­de ste­he ich hin­ter ihm und seh ihm zu. Dann erhebt sich der Mann, er steht jetzt zwei Meter vom Bild­schirm ent­fernt und war­tet. Der Bild­schirm ist aus der Ent­fer­nung gese­hen hand­li­cher gewor­den, ein klei­nes Fens­ter von Licht. Dort kniet ein Mensch auf dem Boden, ein Mensch, der sich fürch­tet. Eine Stim­me ist zu hören, eine schril­le Stim­me. Sie spricht schep­pernd Sät­ze in ara­bi­scher Spra­che, uner­träg­lich die­se Geräu­sche. Der Mann vor dem Schreib­tisch tritt einen wei­te­ren Schritt zurück. Er scheint flüch­ten zu wol­len. Zwei Fin­ger sei­ner rech­ten Hand for­men einen Ring, er hält ihn vor sein lin­kes Auge, wäh­rend das rech­te Auge geschlos­sen bleibt. So ver­harrt er, leicht gebeugt, bewe­gungs­los, zwei Minu­ten, drei Minu­ten. Ein­mal ist sein Atem zu hören, hef­tig. Kurz dar­auf steht der Mann wie­der in der Küche, er lehnt mit dem Rücken am Kühl­schrank, denkt, dass es schneit und spürt Unru­he, die lan­ge Zeit in die­ser Hef­tig­keit nicht wahr­zu­neh­men gewe­sen war. Ein Mensch, Dani­el Pearl, wur­de zur Ansicht getö­tet. Was machen wir jetzt? — stop / Kof­fer­text 12 Feb. 2010 : In die­sen Tagen spre­chen die Mör­der der IS eng­li­sche Sprache.

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