Aus der Wörtersammlung: richtung

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linie 8

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echo : 10.06 UTC – Nächs­te Hal­te­stel­le Max-Weber-Platz. Ich hab Weiß Ferdls Gesang noch im Ohr, wie er die Geschich­te erzählt von der Linie 8, die durch Mün­chen fährt zu einer Zeit, da ich noch nicht gebo­ren wor­den war. Wie oft habe ich die­se Auf­nah­me als Kind viel­leicht gehört? Die Stim­me des alten Münch­ner Kaba­ret­tis­ten ist mir heut Mor­gen ver­mut­lich des­halb ins Gehör gera­ten, weil ich Infor­ma­tio­nen einer moder­nen Stra­ßen­bahn zuhör­te, einer Stim­me prä­zi­se, die von einem Com­pu­ter erzeugt wird: Bit­te in Fahrt­rich­tung rechts aus­stei­gen. Die­se Stim­me, wie sie mir bewusst wur­de, scheint sich bereits in vie­le wei­te­re Städ­te fort­ge­setzt zu haben, es ist eine weib­li­che Stim­me, die auch kom­pli­zier­te Stra­ßen­na­men zu for­mu­lie­ren ver­mag. Manch­mal dehnt sie Wör­ter in einer selt­sam unbe­hol­fe­nen Art. Das hört sich an, als wür­de eine Schall­plat­te für einen Moment beschleu­nigt, dann wie­der abge­bremst. Auch Kin­der hören zu, oder Men­schen, die soeben die deut­sche Spra­che ler­nen. Viel­leicht, stel­le ich mir vor, wer­den sich in die­ser Wei­se bestän­di­ger Wie­der­ho­lung nach und nach jene unbe­hol­fen klin­gen­den Sen­ten­zen der Stra­ßen­bahn­an­sa­gen in unse­re all­täg­li­che Spra­che schlei­chen. Das ist denk­bar. Ich muss das beob­ach­ten. — stop

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tod in peking 7

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marim­ba : 0.48 UTC – Ein­mal, vor sechs Jah­ren im Win­ter, begeg­ne­te ich dem Foto­gra­fen und Pro­gram­mie­rer Ted­dy in einem Super­markt. Wir waren etwas ver­le­gen gewe­sen, wuss­ten in jenem Moment vor küh­len Milch­fla­schen ste­hend nicht, wor­über wir spre­chen soll­ten, weil wir weni­ge Tage zuvor noch ein beson­ders schwie­ri­ges Gespräch geführt hat­ten. Ich erin­ne­re mich, von Hin­rich­tungs­bus­sen erzählt zu haben, die durch Chi­na fah­ren sol­len, von Gefäng­nis zu Gefäng­nis. Ted­dy sag­te, er habe von die­sen Bus­sen nichts gehört und nichts gele­sen. Er war damals gera­de aus Peking zurück­ge­kom­men, von einer Rei­se nach Tibet, prä­zi­se. Er sag­te: Lou­is, war­um erzählst Du mir die­se Geschich­te? Ich sag­te: Nun, weil ich sie weiß! Was ich nicht ahn­te zum Zeit­punkt unse­res Gesprä­ches, nun aus der zeit­li­chen Ent­fer­nung wie ein Ereig­nis für sich zu sehen, ich ahn­te nicht, dass Ted­dy kurz dar­auf ster­ben wür­de. Viel­leicht, wenn ich von sei­nem Tod gewusst hät­te, hät­te ich nicht von Hin­rich­tungs­bus­sen erzählt, son­dern eine ganz ande­re Geschich­te, eine Geschich­te, die von sei­nen wun­der­ba­ren Foto­gra­fien berich­tet. — stop

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halsposaune

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alpha : 15.12 — Es ist Frei­tag. Seit einer hal­ben Stun­de ver­harrt der Hilfs­po­li­zist Tho­mas Lie­ber­mann an der Zen­tral­sta­di­on vor dem Gleis 8 voll­kom­men bewe­gungs­los, weil ihm ein klei­ner Mann begeg­net war, der über Fähig­kei­ten ver­füg­te, die Herr Lie­ber­mann nicht vor­her­se­hen konn­te. Es war näm­lich so gewe­sen, dass er die­sen klei­nen Herrn kon­trol­lie­ren, das heißt prä­zi­se, den klei­nen Mann aus der Hal­le des Bahn­ho­fes ent­fer­nen woll­te, weil der klei­ne Herr sehr ärm­lich geklei­det war und außer­dem schmut­zig und ver­letzt durch eine Wun­de an der lin­ken Wan­ge, die nicht gut, viel­mehr äußerst schreck­lich wirk­te. Sie beweg­te sich näm­lich, etwas in der Wun­de beweg­te sich. Nun ließ sich der klei­ne Herr, der einen schä­bi­gen, blau­en Kof­fer auf den Boden abge­stellt hat­te, nicht bewe­gen in Rich­tung des Aus­gan­ges zu gehen. Er sah Herrn Lie­ber­mann statt­des­sen mit einem fes­ten Blick ent­ge­gen, weil er der fes­ten Über­zeu­gung gewe­sen zu sein schien, dass er sich nicht oder nicht auf Befehl hin auf den Weg machen wür­de hin­aus in die Käl­te. Kurz dar­auf öff­ne­te der alte Mann sei­nen Mund. In die­sem Augen­blick erkann­te Hilfs­po­li­zist Tho­mas Lie­ber­mann, dass er etwas Außer­ge­wöhn­li­ches erleb­te. Denn in den Rachen des Man­nes tief im Schlund war, nun­mehr sicht­bar, der Klang­trich­ter einer klei­nen Posau­ne ein­ge­las­sen. Von dort her war unver­züg­lich ein sono­rer Ton zu hören, der die Hal­le erbe­ben ließ, sowie Herrn Lie­ber­mann in einen Zustand der Erstar­rung ver­setz­te. Das war vor einer hal­ben Stun­de gewe­sen, aber das erzähl­te ich bereits. Auch drei Tau­ben lie­ßen ihr Leben. — stop
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nahe warrenstreet

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alpha : 22.28 UTC — Lou­is erzähl­te mir eine hei­te­re Geschich­te, die er nicht erfun­den, viel­mehr von Mon­roe erzählt bekom­men haben will, Mon­roe, die in Brook­lyn in der Bal­tic Street seit fünf Jah­ren lebt. Sie habe, erzähl­te Mon­roe, ihre Freun­din Lil­ly besucht in der War­ren­street an einem fürch­ter­lich hei­ßen Tag im August. Sie habe Lil­lys Woh­nung betre­ten und sofort gespürt, dass etwas selt­sam ist. Das lin­ke Augen­lid Lil­lys flat­ter­te näm­lich wie ein wild gewor­de­ner Fal­ter über ihrem Aug­ap­fel her­um. Die­ses Flat­tern habe nicht auf­ge­hört, sag­te Lil­ly, seit in der Nacht vor drei Tagen über ihrem Bett ein Feu­er­alarm­mel­der ange­sprun­gen sei, ein äußerst stren­ger hel­ler Ton, der so kom­po­niert wor­den sei, dass man unbe­dingt wach wer­den müs­se, wes­we­gen sie sogleich senk­recht im Bett hock­te und nach Feu­er such­te, aber kei­ner­lei Feu­er gefun­den habe. Sie habe dann etwas abge­war­tet, aber das Wesen an der Decke woll­te sich nicht beru­hi­gen, da sei sie dann auf einen Stuhl gestie­gen und habe das pfei­fen­de, blin­ken­de Tier flugs abge­schraubt, habe ver­sucht, das Tier zu beru­hi­gen, habe Schal­ter und Knöp­fe gedrückt, dann das Tier in einen Pull­over gewi­ckelt, eine Decke dar­über gelegt, und noch eine Decke, schließ­lich habe sie ihre Hand­ta­sche geöff­net, sei auf die Stra­ße getre­ten, um zu Fuß in Rich­tung der Brook­lyn Bridge zu mar­schie­ren. Indes­sen flat­ter­te ihr Augen­lid noch immer her­um wie ein gefan­ge­ner Fal­ter, wes­we­gen sie sich sehr kon­zen­trie­ren muss­te im wil­den Stra­ßen­ver­kehr. Das Tier, das in einer Wei­se in der Hand­ta­sche pfiff, dass See­mö­wen Lil­lys Gegen­wart flüch­te­ten, habe sie dann in den East River gewor­fen, was ihrem Auge ganz offen­sicht­lich nicht sofort gehol­fen habe. — stop

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von wasserläufern

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nord­pol : 20.25 UTC — Heu­te Nach­mit­tag habe ich eine lus­ti­ge Geschich­te mit mir selbst erlebt. Ich sass vor einem See in einem Gar­ten und beob­ach­te­te sehr klei­ne Tie­re, wie sie sich nahe oder auf der Ober­flä­che des Was­sers beweg­ten. Da waren unter ande­rem Flie­gen, die im Was­ser des Sees bade­ten, und Schat­ten der Libel­len­lar­ven, die sich den baden­den Flie­gen nähr­ten, auch Was­ser­läu­fer, die ein­an­der jag­ten im Spiel. Plötz­lich frag­te ich mich, ob ich even­tu­ell in der Lage wäre, das Ver­hal­ten der Was­ser­läu­fer vor­her­zu­sa­gen, ob sich ein bestimm­ter Was­ser­läu­fer eher in öst­li­che oder eher in west­li­che Rich­tung fort­be­we­gen wür­de. Eine Wei­le folg­te ich dem von mir gewähl­ten Tier mit mei­nen Augen, dann zeich­ne­te ich sei­nen Weg auf ein Blatt Papier. Wol­ken spie­gel­ten sich im Was­ser, der Him­mel hier unten war grün, er schim­mer­te. Eine Unter­was­ser­schne­cke pas­sier­te mein Beob­ach­tungs­feld sehr lang­sam, und ich notie­re: Schne­cke. In die­sem Augen­blick bemerk­te ich fünf Gold­fi­sche, die sich in einem Halb­kreis im Was­ser vor mir ver­sam­melt hat­ten. Sie beweg­ten sich kaum merk­lich und ich hat­te plötz­lich den Ein­druck, sie wür­den mich betrach­ten. Tat­säch­lich fühl­te ich mich von einer Sekun­de zur ande­ren Sekun­de selbst beob­ach­tet. Das war ein merk­wür­di­ger Augen­blick gewe­sen, ein Moment auch von Ver­le­gen­heit, wes­halb ich mich wie­der einem Gespräch auf dem Bild­schirm mei­ner Schreib­ma­schi­ne zuwen­de­te, das ich mit einem Com­pu­ter­pro­gramm namens ELIZA in eng­li­scher Spra­che vor lan­ger Zeit ein­mal geführt und kurz dar­auf in die deut­sche Spra­che über­setzt hat­te. Ich, der ich Lou­is gewe­sen war, frag­te Eli­za: guten abend! wie geht es dir, eli­za? Eli­za : > gut! und dir? Lou­is : präch­tig. Eli­za : > schön zu hören. wo liegt dann das pro­blem? Lou­is : ich habe heu­te abend kein pro­blem, eli­za! Eli­za : > wenn du dein pro­blem nicht kennst, bist du hier genau rich­tig! Lou­is : darf ich dir eine fra­ge stel­len? Eli­za : > sicher! Lou­is : was bedeu­tet das wort lie­be? Eli­za : > hast du schmet­ter­linge im bauch? Lou­is : eli­za! bit­te! was bedeu­tet das wort lie­be! Eli­za : > lass uns das eine wei­le zurück­stellen. Lou­is : war­um, eli­za? Eli­za : > du musst mich nicht mit namen rufen, ich bin immer bei dir. Lou­is : das ist beru­hi­gend, eli­za! Eli­za : > erzähl wei­ter! Lou­is : eli­za! lie­be? Eli­za : > hast du schon ande­re gefragt? Lou­is: aber natür­lich! Eli­za : > schön zu hören. wo liegt dann dein pro­blem? Lou­is : ich habe heu­te abend kein pro­blem, eli­za! Eli­za : > wenn du dein pro­blem nicht kennst, bist du hier genau rich­tig! Lou­is : war­um? Eli­za : > ich sehe, du bist ein schwie­riger fall. Lou­is : war­um bin ich ein schwie­riger fall, eli­za? Eli­za : > scherz bei­sei­te, kom­men wir zur sache. — stop
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jonny

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ulys­ses : 6.25 UTC — Was für ein schö­ner Mor­gen unter Kas­ta­ni­en­bäu­men. Som­mer­fä­den trei­ben durch die war­me Luft. Atem­zü­ge der Spin­nen, der Fal­ter, der Käfer, sanft strei­fen sie durch Blü­ten­staub­wol­ken. In die­sem Moment, da ich mir ein Baum­mi­kro­skop erfin­de, höre ich aus dem Radio, der 45. Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka habe ver­sucht, Ermitt­lun­gen des FBI zu behin­dern. Das ist eine ziem­lich inter­es­san­te Geschich­te. Das Kurz­wort FBI war schon immer ein leuch­ten­des Wort. Wenn ich mich nicht irre, ist das so, dass ich in mei­nem wirk­li­chen Leben noch nie einem FBI – Beam­ten begeg­net bin. Viel­leicht habe ich ein­mal in einer U‑Bahn, die in Rich­tung Coney Island fuhr, neben einem FBI – Beam­ten Platz genom­men, das ist mög­lich, ich habe ihn nicht bemerkt. Mit dem Wort FBI ist in mei­ner Erin­ne­rung zunächst ein hef­ti­ges Gespräch ver­bun­den, wel­ches ich ein­mal in mei­ner Kind­heit mit einem Jun­gen namens Jon­ny führ­te, der war uni­for­miert und bewaff­net gewe­sen, zur Kar­ne­vals­zeit. Ich sag­te: Du, Jon­ny, Du bist Poli­zist! Er sag­te: Nein, ich bin vom FBI, und zück­te sei­ne Waf­fe. Seit etwa einer hal­ben Stun­de tra­ge ich die For­mu­lie­rung Sum­mer of Sam wie einen Stem­pel in mei­nem Kopf. War­um? — stop

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ein mädchen

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alpha : 17.15 UTC — Auf dem Heim­weg begeg­ne­te ich in der Nähe einer Kreu­zung einem Mäd­chen namens Lara, das ich sofort wie­der­erkann­te. Lara stand auf der Stra­ße und zeich­ne­te mit­tels eines Putz­ge­rä­tes Her­zen von Sei­fe auf die Front­schei­ben schnur­ren­der Auto­mo­bi­le. Ver­mut­lich ver­such­te sie in die­ser Wei­se einen Kon­takt zu Per­so­nen her­zu­stel­len, die in den Limou­si­nen war­te­ten, um einen Auf­trag zur Säu­be­rung der Fahr­zeug­schei­ben ins­ge­samt zu erhal­ten. Lara war nicht sehr erfolg­reich, aber eben­so ent­schlos­sen und char­mant, wie vor Jah­ren noch, als sie ver­sucht hat­te, im Bahn­hof mein Porte­mon­naie zu rau­ben. Eigent­lich soll­te Lara um die­se Uhr­zeit in der Schu­le sein. Plötz­lich bemerk­te sie, dass sie beob­ach­tet wur­de, sie lächel­te zunächst, blick­te dann aber äußerst grim­mig in mei­ne Rich­tung, nicht etwa, weil sie in mir unmit­tel­bar eines ihrer frü­he­ren Opfer erkann­te, son­dern ver­mut­lich des­halb, weil sie in mei­nem Blick etwas ent­deck­te, das sie an frü­he­re Tätig­keits­fel­der erin­ner­te. Also flüch­te­te sie mit­tels ele­gan­ter Sprün­ge über zwei Motor­hau­ben hin­weg zur gegen­über­lie­gen­den Stra­ßen­sei­te hin. Dort dreh­te sie sich um und lächel­te. — stop

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ai : HAITI

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MENSCHEN IN GEFAHR: „Die Men­schen­rechts­ver­tei­di­ger David Boni­face und Juders Yse­mé fürch­ten nach dem plötz­li­chen Tod ihres Kol­le­gen Nis­sa­ge Mar­tyr um ihr Leben. Nis­sa­ge Mar­tyr starb einen Tag, nach­dem die drei in den USA gegen Jean Moro­se Vili­ena, den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter ihrer Hei­mat­stadt in Hai­ti, Kla­ge wegen schwe­rer Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ein­ge­reicht hat­ten. Die Män­ner berich­ten seit 2007 von wie­der­hol­ten Mord­dro­hun­gen und Angrif­fen durch den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter. Sie müs­sen daher ange­mes­se­nen Schutz erhal­ten. / Am 22. März reich­ten David Boni­face, Juders Yse­mé und Nis­sa­ge Mar­tyr Kla­ge gegen Jean Moro­se Vili­ena, den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter ihrer Hei­mat­stadt Les Irois im Süd­wes­ten von Hai­ti, bei einem Bun­des­ge­richt in Bos­ton im Nord­os­ten der USA ein. Die Kla­ge wur­de in den USA ein­ge­reicht, weil Jean Moro­se Vili­ena Anfang 2009 in die USA geflo­hen war, nach­dem die hai­tia­ni­schen Behör­den wegen des Mor­des an David Boni­faces Bru­der im Jahr 2007 und eines Angriffs auf den Gemein­de­ra­dio­sen­der im Jahr 2008 ein Straf­ver­fah­ren gegen ihn ein­ge­lei­tet hat­ten. Bei die­sem Angriff ver­lor Nis­sa­ge Mar­tyr ein Bein und Juders Yse­mé ein Auge. Die drei Män­ner wer­fen Jean Moro­se Vili­ena vor, dass er für eine Rei­he von Angrif­fen gegen sei­ne Kritiker_innen ver­ant­wort­lich ist, dar­un­ter “Brand­stif­tung”, “außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tun­gen”, “ver­such­te außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tung”, “Fol­ter” und “Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit”. Die Ver­bre­chen wur­den auf sei­ne Anwei­sung hin von einer bewaff­ne­ten Grup­pe ver­übt, die mit sei­ner poli­ti­schen Par­tei in Ver­bin­dung steht. Am 24. März 2017, einen Tag nach­dem die Kla­ge gegen Jean Moro­se Vili­ena ein­ge­reicht wor­den war, erkrank­te Nis­sa­ge Mar­tyr plötz­lich schwer und starb auf dem Weg ins Kran­ken­haus von Les Irois. Sei­ne Fami­lie gibt an, dass er zuvor ganz gesund war. Mit Hil­fe ihrer Rechts­bei­stän­de for­dert die Fami­lie eine sofor­ti­ge unab­hän­gi­ge Aut­op­sie und umfas­sen­de Unter­su­chun­ge sei­nes Todes. Die ört­li­che Staats­an­walt­schaft hat zwar die Aut­op­sie geneh­migt, doch bis jetzt kei­ne Unter­su­chung auf­ge­nom­men. / David Boni­face und Juders Yse­mé sind Men­schen­rechts­ver­tei­di­ger und wer­den als Unter­stüt­zer der Par­tei Orga­ni­sa­ti­on du Peu­ple en Lut­te, einer Oppo­si­ti­ons­par­tei in Hai­ti, betrach­tet. Seit 2007 berich­ten die bei­den Män­ner und Nis­sa­ge Mar­tyr, dass Jean Moro­se Vili­ena und sei­ne Ver­bün­de­ten ihnen Mord­dro­hun­gen schi­cken und sie tät­lich angrei­fen und ver­sucht haben, sie zu töten, weil sie ihre legi­ti­me Arbeit als Men­schen­rechts­ver­tei­di­ger aus­füh­ren. Im Zuge des­sen haben sie das ers­te Gemein­de­ra­dio initi­iert sowie die straf­recht­li­che Ver­fol­gung von Jean Moro­se Vili­ena und sei­nen Ver­bün­de­ten ange­strebt, um der Gewalt in der Gemein­de ein Ende zu berei­ten. 2015 gewähr­te die Inter­ame­ri­ka­ni­sche Men­schen­rechts­kom­mis­si­on den drei Män­nern und ihren Fami­li­en Schutz­maß­nah­men, um ihre Sicher­heit zu gewähr­leis­ten. David Boni­face und Juders Yse­mé berich­te­ten Amnes­ty Inter­na­tio­nal, dass die hai­tia­ni­schen Behör­den auf­grund der gras­sie­ren­den Straf­lo­sig­keit im Land jedoch nichts unter­nom­men hät­ten, um die­sen Maß­nah­men Fol­ge zu leis­ten. Die bei­den Män­ner sind nach Nis­sa­ge Mar­tyrs Tod mit ihren Fami­li­en aus Les Irois geflo­hen, da sie um ihre Sicher­heit fürch­ten. Sie gaben an, dass der ein­zi­ge Weg zu Gerech­tig­keit ihre Aus­sa­ge gegen Jean Moro­se Vili­ena sei, doch dass sie ohne ange­mes­se­nen Schutz fürch­ten, getö­tet zu wer­den, noch ehe sie ihre Aus­sa­ge machen kön­nen.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 24. Mai 2017 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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nuevo mundo

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lima : 12.15 UTC — Ich stel­le mir einen Film vor, ein media­les Arche Noah Prin­zip, jedes Lebe­we­sen unse­res Pla­ne­ten wäre dar­auf ver­zeich­net, jede Pflan­ze, auch das mikro­sko­pisch Kleins­te, Mikro­ben, Bak­te­ri­en, Viren. In kür­zes­te Schnitt­fol­gen müss­te die­ser Film zer­legt sein, um in mensch­li­cher Lebens­zeit je betrach­tet wer­den zu kön­nen. Wel­ches Lebe­we­sen könn­te auf dem letz­ten ver­füg­ba­ren Bild des Fil­mes zu sehen sein? — stop

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im aufzug : zwei hände

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char­lie : 10.02 UTC — Die plötz­li­che Lang­sam­keit mei­nes Den­kens im Gespräch mit Men­schen, die die Spra­che mei­nes Den­kens nicht oder nicht wirk­lich gut ver­ste­hen. Unver­züg­li­che, inten­si­ve Suche nach Mög­lich­kei­ten ein­fa­cher Dar­stel­lung, oder gar die Erfin­dung einer indi­vi­du­el­len, einer in die­sem Moment des Ver­stän­di­gungs­ver­su­ches wirk­sa­men Zei­chen­spra­che, Rada­re, die anstren­gend sind wie Spring­seil­trai­ning an Ort und Stel­le. Ein­mal begeg­ne­te ich einem Mann in einem Auf­zug. Sein Gesicht war ent­stellt, er moch­te mich nicht anse­hen, er schimpf­te laut­stark mit sei­ner Hand. Plötz­lich hör­te ich Sät­ze, die an mich gerich­tet waren. Als ich dem scheu­en Mann ant­wor­te­te, sprach ich, eine vor­sich­ti­ge Ges­te, gleich­wohl in die Rich­tung mei­ner eige­nen rech­ten Hand, sodass unse­re Hän­de zu Tele­fo­nen wur­den. — stop
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