Aus der Wörtersammlung: weise

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schlafkapsel : standby

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oli­mam­bo : 14.28 — In der Stadt New York soll ein Schlaf­kap­sel­haus exis­tie­ren, man bezahlt 50 Dol­lar und darf sich in eine der 2700 Waben legen, die ange­nehm warm gestal­tet sind und gut iso­liert gegen Geräu­sche jeder Art. Oder in Schlaf­zü­gen rei­sen unter der Stadt, abge­dun­kel­te Fens­ter­bo­jen, die Lini­en 12 und 15, ohne je anzu­hal­ten Tag und Nacht. Man könn­te viel­leicht sehr bald ein­mal einen spe­zi­el­len Stoff­wech­sel­kreis­lauf für Men­schen erfin­den, einen spar­sa­men Modus der Ver­bren­nung, eine Vari­an­te, die akti­viert sein könn­te, sobald ein mensch­li­ches Wesen dau­er­haft erwerbs­los zu wer­den droht. Men­schen, frei von Auf­ga­be, wären nun in der Lage, zu exis­tie­ren, ohne nen­nens­wer­te Spu­ren zu hin­ter­las­sen, wür­den kaum noch Nah­rung zu sich neh­men, statt­des­sen schla­fen, län­ger schla­fen, als ande­re Men­schen, die sich in Brot und Arbeit befin­den. Man wünscht, sagen wir, in dem man schläf­rig wird, Zeit zu gewin­nen, Zeit zu über­brü­cken. Gan­ze Land­stri­che, Stadt­tei­le, Kon­ti­nen­te wären in die­ser Wei­se leich­ter Hand in einen Zustand des War­tens, der spar­sa­men, der schmerz­frei­en Dul­dung zu ver­set­zen. — stop
ping

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staten island ferry : prozession

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nord­pol : 5.55 – Eine Geschich­te ist zu erzäh­len an die­sem Mor­gen küh­ler Luft kurz vor Sep­tem­ber. Die­se Geschich­te ereig­ne­te sich bereits vor­ges­tern, nachts, bei mir zu Hau­se, weil ich mich nicht ent­schei­den konn­te, was ich unter vie­len Din­gen, die zu tun gewe­sen waren, zunächst erle­di­gen soll­te, also mach­te ich alles zur glei­chen Zeit. Ich hat­te eine Enten­brust zu Mor­cheln und Pflau­men gelegt. Außer­dem hat­te ich mir vor­ge­nom­men, ein wei­te­res ana­to­mi­sches Ton­band abzu­hö­ren, eine jugend­li­che Stim­me berich­te­te vom Dach des Kühl­schran­kes aus lei­se vor sich, wäh­rend ich kochend Fern­seh­bil­der eines Hur­ri­kans beob­ach­te­te, der sich auf die Stadt New York zube­weg­te. > Wenn ich von mei­nen Wochen im Prä­pa­rier­saal spre­che, dann spre­che ich ger­ne von mei­ner Traum­zeit. stop > Zu die­sem Zeit­punkt, das ist fest­zu­hal­ten, war ich nicht ganz bei der Sache gewe­sen, nicht wirk­lich in der Nähe der Gedan­ken, die ein jun­ger Mann für mich aus­ge­spro­chen hat­te, ande­rer­seits auch nicht aus­rei­chend kon­zen­triert auf das Gesche­hen jen­seits des Atlan­ti­schen Oze­ans. Ein­mal stell­te ich den Ton des Fern­seh­ge­rä­tes lau­ter, wen­de­te die Brust des Vogels in der Pfan­ne und hör­te genau in die­sem Moment, der Schiffs­ver­kehr um Man­hat­tan her­um sei ein­ge­stellt, das war kurz nach Mit­ter­nacht euro­päi­scher Zeit gewe­sen. Ich mein­te außer­dem gehört zu haben, man sei gera­de damit beschäf­tigt, die Fäh­ren der Sta­ten Island Ver­bin­dung den Hud­son River hin­auf, in eine siche­re Umge­bung zu trans­fe­rie­ren. Ein fei­nes Bild, das sich vor mei­nen Augen sofort ent­wi­ckel­te. Acht oran­ge­far­be­ne Schif­fe in einer Rei­he hin­ter­ein­an­der auf dem gro­ßen Fluss, Schif­fe, die sich gewöhn­li­cher­wei­se pen­delnd anein­an­der vor­bei­be­we­gen. Ich stürm­te aus der Küche, in der Hoff­nung auf dem Fern­seh­schirm ein Bild zu sehen, das dem gera­de eben noch in mei­nem Kopf ent­wor­fe­nen Bild ähn­lich gewe­sen sein könn­te. Anstatt einer Fähr­ge­schich­te, war nun jedoch vom Regen die Rede, von den Win­den des Hur­ri­kans, die über den feuch­ten Strand nahe der Stadt Oce­an Pines feg­ten. Ein Repor­ter, der tropf­te, ver­harr­te tap­fer, Füße im Was­ser, vor einer Fern­seh­ka­me­ra, die in grö­ße­rer Ent­fer­nung, dem­zu­fol­ge sicher, mon­tiert gewe­sen war. Er hielt ein Mikro­fon in der Hand, das merk­wür­dig fau­chen­de Geräu­sche erzeug­te. Möwen, spit­ze gel­be Schnä­bel in den Sturm gerich­tet, ver­harr­ten in sei­ner Nähe, sie mach­ten einen zufrie­de­nen Ein­druck, authen­ti­sche Tie­re, wäh­rend ich, wei­ter­hin die Pro­zes­si­on der Fähr­schif­fe im Kopf, zurück in die Küche spa­zier­te. Ein selt­sa­mes Gefühl von Nicht­wirk­lich­keit in der Nähe mei­ner Feu­er­stel­le, ein gro­ßes Durch­ein­an­der, das ich zu sor­tie­ren ver­such­te, in dem ich bis in den frü­hen Mor­gen des Sonn­tags hin­ein, auf allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Kanä­len ver­geb­lich Bewei­se dafür zu fin­den such­te, dass Fähr­schif­fe der Sta­ten Island Ver­bin­dung sich tat­säch­lich an die­sem spä­ten Sams­tag­abend, als ich mich nicht ent­schei­den konn­te, auf dem Hud­son River strom­auf­wärts beweg­ten. — stop. — Ende der Geschich­te. — stop

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PRÄPARIERSAAL : zeppelin

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echo : 2.16 — Wall­street ges­tern Abend auf Fern­seh­bild­schirm. Hin­ter einem Repor­ter, der vom abwärts stre­ben­den Ver­hal­ten der Kur­se erzähl­te, war­te­ten japa­ni­sche Men­schen. Sie wink­ten fröh­lich in die Kame­ra, grüß­ten, fächel­ten sich Luft zu mit fleisch­far­be­nen Zei­tungs­pa­pie­ren. Es schien warm zu sein in New York, schwül. Wäre ich jetzt dort, dach­te ich, wür­de ich süd­wärts lau­fen zur nahe­ge­le­ge­nen Hafen­sta­ti­on, wür­de mich auf das obe­re Deck eines der alten Fähr­schif­fe bege­ben, wür­de bald im küh­len­den Fahrt­wind sit­zen, eine Coke in der lin­ken, eine Teig­ta­sche mit Hum­mer­fleisch in der rech­ten Hand, das Ton­band­ge­rät in der Tasche und Mels Stim­me im Kopf­hö­re­rohr, wie sie erzählt von ana­to­mi­scher Zeit. — 2 Uhr und zwan­zig Minu­ten. Regen. Blit­ze. Don­ner. Gera­de eben hör­te ich mich selbst, mei­ne eige­ne Stim­me. Ich for­mu­lier­te vor­sich­tig eine Fra­ge, woll­te wis­sen, ob Mel sich im ana­to­mi­schen Saal gefürch­tet habe? Nein, ant­wor­te­te Mel ohne zu zögern, sie habe sich nicht eine Sekun­de lang vor den Toten gefürch­tet. > Ich hat­te in die­sen 6 Wochen kei­ne Zeit, Angst zu haben. Ich habe mich auf mei­ne Auf­ga­be kon­zen­triert. Ich habe mich vor Testa­ten ein wenig gefürch­tet, und ganz am Anfang viel­leicht davor ein­mal rasch umzu­fal­len. Nur des­halb hat­te ich wirk­lich Angst, umzu­fal­len, das heißt nicht arbei­ten zu kön­nen, aber davon erzähl­te ich bereits. Wenn ich mir das jetzt genau über­le­ge, dann kann ich mich nicht erin­nern, dass im Prä­pa­rier­saal über­haupt irgend­je­mand umge­fal­len ist. Viel­leicht muss­te man mal aus dem Saal gehen und sich set­zen, weil man die Nacht zuvor nur kurz geschla­fen hat­te und des­halb müde war und weil die Augen brann­ten vom Form­alde­hyd in der Luft. Aber umge­fal­len, ich mei­ne, ohn­mäch­tig gewor­den, davon habe ich nichts mit­be­kom­men. Ich habe manch­mal den Ein­druck, dass ich das alles nur geträumt habe. Auch in der Zeit, als ich noch prä­pa­rier­te, hat­te ich bis­wei­len den Ein­druck, dass die­ser Saal nicht wirk­lich war. Ich konn­te mei­ne Ein­drü­cke nicht mit der Stra­ße, über die ich nach Hau­se spa­zier­te oder mit den Gesprä­chen der Men­schen, die ich in der U‑Bahn gehört habe, in Ver­bin­dung brin­gen. Ich hat­te den Ein­druck, dass der Saal, dass die gan­ze Situa­ti­on irgend­wie frei schweb­te, also ganz für sich war, iso­liert. Und so reis­te ich also hin und her, von da nach dort und wie­der zurück, aber das war nicht schwer gewe­sen, so hin und her zu sprin­gen. Ich habe von dem ein oder ande­ren mei­ner Freun­de gehört, dass sie Alb­träu­me gehabt hät­ten. Ich selbst habe aber nie geträumt. Ich kann mich jeden­falls nicht dar­an erin­nern, geträumt zu haben. Ich glau­be, ich war in irgend­ei­ner Wei­se geschützt. Ich kann nicht genau sagen, was mich geschützt hat, viel­leicht war es die Dich­te der Auf­ga­ben, die mir gestellt waren. Ich hat­te kei­ne Zeit, lan­ge über die­se merk­wür­di­ge Situa­ti­on nach­zu­den­ken. Ich mei­ne, ich habe nicht lan­ge dar­über nach­ge­dacht, dass ich, Mel, hier den Kör­per einer alten Frau so lan­ge zer­le­ge und betrach­te, dass er fast ver­schwun­den sein wird, wenn ich fer­tig sein wer­de. Ja, – es war sehr viel zu tun. Das hat es leich­ter gemacht.
ping

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PRÄPARIERSAAL : libelle

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echo : 6.12 — Ich habe  auf einem Fern­seh­bild­schirm Jona­than Fran­zen beob­ach­tet, wie er in sei­nem New Yor­ker Arbeits­zim­mer sit­zend von Appa­ra­tu­ren erzählt, die ihm behilf­lich sein könn­ten, den Lärm der Stadt oder des Hau­ses, in dem er sich befin­det, von sei­nen Ohren zurück­zu­hal­ten. Er berich­tet das unge­fähr so: Ich habe eine Men­ge Lärm­schutz­vor­rich­tun­gen. Ich schüt­ze mich gegen Lärm mit Schaum­gum­mistöp­seln. Sie sind wich­tig. / Und dar­über hin­aus habe ich mei­ne Kopf­hö­rer. Und zudem noch rosa Rau­schen auf CD. / Das ist wie wei­ßes Rau­schen, aber es ist etwas wär­mer im Ton. Es beschränkt sich auf die nied­ri­gen Fre­quen­zen. Es klingt wie eine Raum­kap­sel in der Atmo­sphä­re mit einem wun­der­vol­len Brau­sen, ein alles umhül­len­des Brau­sen, das plötz­lich ver­schwin­det. stop. Weit nach Mit­ter­nacht, küh­le Luft. stop. Lun­ge­re auf dem Sofa her­um, höre ana­to­mi­sche Ton­band­auf­nah­men ab, Wör­ter, Sät­ze, Gedan­ken einer fer­ne­ren Zeit, die sofort wie­der sehr nahe kom­men, viel­leicht des­halb, weil sie von typi­schen Geräu­schen jenes Ortes, an dem sie auf­ge­nom­men wur­den, beglei­tet sind. Das Rau­schen der Stim­men hun­der­ter Men­schen. Pin­zet­ten, die gegen Metall klop­fen. Eine Laut­spre­cher­durch­sa­ge: Den­ken Sie bit­te dar­an, der Prä­pa­rier­saal wird vor dem Tes­tat am kom­men­den Mon­tag bereits um 7 Uhr geöff­net. Das klei­ne Wie­der­ga­be­ge­rät, das neben mir auf einem Kis­sen ruht, bewegt sich nicht oder nur so leicht, dass mei­ne Augen die­se Bewe­gung nicht wahr­neh­men kön­nen. Ein­mal den­ke ich an etwas ande­res, als das, was zu hören gewe­sen war, und bemer­ke in die­ser Wei­se, dass ich, in dem ich an etwas den­ke, das ent­fernt ist, mei­ne Ohren aus­zu­schal­ten ver­mag. Des­halb muss­te ich soeben das Band zurück­spu­len und Tho­mas’ fei­ne Geschich­te wie­der­ho­len, die von einer Libel­le erzählt. Hört zu: Wir hat­ten einen Mann auf dem Tisch, einen männ­li­chen Kör­per von dunk­ler Far­be und von außer­or­dent­li­cher Grö­ße. Ich glau­be, die­ser Kör­per war der größ­te Kör­per des Kur­ses. Ich war erstaunt, weil ich mit einem Prä­pa­rat, das grö­ßer sein wür­de, als ich selbst, nicht gerech­net habe. Nein, einen Hünen hat­te ich wirk­lich nicht erwar­tet. Sie müs­sen wis­sen, ich habe mir sehr bewusst kei­ne genau­en Vor­stel­lun­gen von der Wirk­lich­keit des Ana­to­mie­saa­les gemacht. Ich hat­te ver­mu­tet, dass die Luft kühl sein wür­de, aber an dem Tag, als wir unse­re Arbeit auf­nah­men, war es som­mer­lich warm und ich schwitz­te und hat­te Mühe, ohne Unter­bre­chung dar­an zu den­ken, mir mit den feuch­ten Hand­schu­hen nicht ins Gesicht zu fah­ren. Ich hat­te erwar­tet, dass das Licht im Saal eher gedämpft sein wür­de, aber es war strah­lend hell, ein Licht, das kaum einen Schat­ten warf. Und ich hat­te einen über­schau­ba­ren Kör­per erwar­tet, einen eher klei­nen Kör­per, den Kör­per eines uralten Men­schen. Ich habe mit altern­den Men­schen immer Gestal­ten in Ver­bin­dung gebracht, die zer­brech­lich sind, Kör­per, die klei­ner wer­den, die sich zurück­zie­hen, die man stüt­zen muss, füh­ren, die noch im Leben durch­läs­sig wer­den für das Licht. Dort vor mir auf dem Tisch aber lag ein Mann, der gera­de­zu strotz­te vor Kraft. Er war nicht fett, son­dern mus­ku­lös, und am Bauch und an der Brust, an Armen und Bei­nen sehr stark behaart gewe­sen. Ich wer­de die­sen Anblick mein Leben lang nicht ver­ges­sen. Ich habe den Mann sehr lan­ge Zeit betrach­tet. Die­ses geschwol­le­ne Gesicht war das Gesicht eines schla­fen­den Boxers. Sei­ne Augen waren geschlos­sen, die Hän­de zu Fäus­ten geballt und sei­ne Füße sahen ganz so aus, als hät­te er sie schon vor sehr lan­ger Zeit ver­ges­sen. Ich habe ihn mehr­fach umkreist, und dann haben wir ihn gemein­sam auf dem Tisch her­um­ge­dreht. Sehr fest muss­ten wir zugrei­fen. Ich sage Ihnen, das ist nicht leicht, am ers­ten Tag in die­sem Saal so fest zuzu­fas­sen. Man ist ja sehr vor­sich­tig und man ist dank­bar für die­ses Geschenk, das ein Mensch für uns zurück­ge­las­sen hat. Und als wir ihn dann her­um­ge­dreht hat­ten, konn­ten wir eine Libel­le erken­nen. Sie war links oben auf sei­nem Rücken ein­tä­to­wiert, regio sca­pu­la­ris, Sie ver­ste­hen? Ein erstaun­lich prä­zi­se gezeich­ne­tes Bild, nicht sehr groß, viel­leicht gera­de so groß wie ein Mit­tel­fin­ger des Man­nes und in blau­en, roten und grü­nen Farb­tö­nen aus­ge­führt. In die­sem Moment hat­te ich eine Vor­stel­lung, die in das Leben des Man­nes auf dem Tisch zurück­führ­te. Ich habe mir vor­ge­stellt, wie er als jun­ger Mann in einer Bade­an­stalt mit den Mus­keln spiel­te, wie er sei­nen Insek­ten­vo­gel in Bewe­gung setz­te, um einer Frau zu gefal­len viel­leicht. Aber da war noch etwas ande­res, da war die Fra­ge, was wir sehen wür­den, sobald wir die Haut unter der Libel­le so weit gelöst hät­ten, dass ein Blick auf ihre Rück­sei­te mög­lich wer­den würde.

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hummergeschichte

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india : 6.32 — Ein Sola­ris­schiff, von dem ich träum­te, war der­art naht­los in ein düs­te­res Stadt­haus von enor­mer Grö­ße mon­tiert, dass nie­mand, der nicht in Kennt­nis gesetzt wor­den war, sei­ne Exis­tenz wahr­zu­neh­men ver­moch­te. Natür­lich spiel­te die Fahr­stuhl­an­la­ge eine bedeu­ten­de Rol­le. Dort war eine zen­tra­le Ach­se des Raum­kreu­zers hin­ein­ge­dacht, umge­ben­de Woh­nun­gen gehör­ten dazu, Tei­le der Küchen, Bäder, Flu­re, Wohn­zim­mer, auch wei­ter ent­fern­te Abtei­lun­gen des Gebäu­des, in dem aller­or­ten Was­ser von den Decken tropf­te. An einem Abend, von dem ich prä­zi­se träum­te, wur­den rausch­haf­te Fes­te unter Regen­schir­men gefei­ert. Sie dien­ten einem ein­zi­gen Zweck, Welt­raum­rei­sen­de näm­lich von zurück­blei­ben­den Men­schen zu sepa­rie­ren. Ich konn­te im Traum den ein oder ande­ren Bewoh­ner des Hau­ses leicht nar­ko­ti­siert von einem Apart­ment in das nächs­te wan­deln sehen. Als ich erwach­te, hock­te ein klei­ner blau­er Hum­mer an der Wand mei­nes Zim­mers. — stop

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adresse insuffisante

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tan­go : 3.03 — Luft­post­brie­fe, fei­ne, leich­te Wesen, keh­ren in die­sen Tagen aus Japan nach Euro­pa zurück. Sie tra­gen einen Stem­pel­zug: Adres­se insuf­fi­san­te. Selt­sam ist, erzählt ein Freund, der mehr­fach Brie­fe die­ser Art in Hän­den gehal­ten hat­te, dass Namen, Orte, Stra­ßen der Emp­fän­ger, Brief für Brief mit­tels schräg geführ­ter Stri­che gezeich­net wor­den sind. Es sind immer drei die­ser Lini­en par­al­lel zuein­an­der auf das Papier über die Schrift gesetzt, als woll­te man in die­ser Wei­se zur Ansicht brin­gen, dass dort nichts mehr zu fin­den ist, kei­ne Stadt, kein Dorf, kei­ne Stra­ße, kein Haus, kein Name, auch kei­ne Hän­de, den Brief zu öff­nen, kei­ne Augen, den Brief zu lesen. stop — Vier Uhr fünf­zehn, Däm­me­rung in Damas­kus, Syri­en. — stop
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lampion

pic

marim­ba : 2.27 — Man könn­te viel­leicht sagen, dass es sich bei der Gat­tung der Lam­pion­kä­fer um Geschöp­fe han­delt, die bevor­zugt nach innen aus­ge­dacht wor­den sind, wes­halb man an ihrer äuße­ren Gestalt spar­sam zu wir­ken wünsch­te. Man mach­te ihnen Flü­gel, sehr klei­ne, kaum noch sicht­ba­re Flü­gel, die kur­ze Stre­cken des Luft­rei­sens gestat­ten, spar­te dage­gen an Bei­nen, ver­gaß Augen und Füh­ler, auch Ohren sind an ihrem voll­kom­men run­den Kör­per bis­lang nicht zu ent­de­cken gewe­sen. Nie­mand könn­te zu die­sem Zeit­punkt also ernst­haft behaup­ten, an wel­cher Stel­le nun genau der Kopf, also das Vorn des Käfer­we­sens zu fin­den sein könn­te. Meis­tens lie­gen sie dem­zu­fol­ge bewe­gungs­los auf dem Boden her­um, schla­fen viel­leicht oder träu­men. Man kann sie dann leicht über­se­hen, weil sie sehr klein sind und fast licht­los auf den ers­ten Blick. Uner­kannt haben sie in die­ser beschei­de­nen Wei­se bis vor Kur­zem in den Wäl­dern des Kar­wen­del­ge­bir­ges nahe der Baum­gren­ze gelebt, bis ein Stein­samm­ler ihr Geheim­nis unlängst ent­deck­te, in dem er sich mit einem sehr fei­nen Boh­rer ins Inne­re eines der Käfer­kör­per vor­ar­bei­te­te. Lan­ge Stun­den des War­tens, des Küh­lens, des Ban­gens, dann späh­te der jun­ge For­scher in eine voll­stän­dig unbe­kann­te Welt. Seit­her fehlt ihm jede Spra­che. Die Augen weit geöff­net, scheint er zu suchen, nach Sät­zen viel­leicht, nach Wör­tern, nach ange­mes­se­nen Geräu­schen der Bewun­de­rung, der Aner­ken­nung. — Was bleibt noch zu bemer­ken? — Sie sum­men wie die Bie­nen, sobald sie fliegen.

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froschgeschichte

pic

echo : 2.01 — Vor eini­gen Jah­ren ist mir etwas Lus­ti­ges pas­siert. Ich spa­zier­te und träum­te, indem ich arbei­te­te. So, in Gedan­ken, quer­te ich eine rot geschal­te­te Ampel­über­füh­rung und wur­de von einem Poli­zis­ten ange­hal­ten, der mir erklär­te, ich hät­te gera­de eine Ord­nungs­wid­rig­keit began­gen. Zu mei­ner Ver­tei­di­gung erläu­ter­te ich dem jun­gen Herrn, dass ich ohne Absicht über die Stra­ße gegan­gen sei, dass ich eigent­lich gar nicht über die Stra­ße gehen woll­te, und dass ich das rote Licht der Ampel nicht bemerkt haben wür­de. Ich erzähl­te eine klei­ne Geschich­te, an die ich kurz zuvor  noch gedacht hat­te, als ich ver­bo­te­ner­wei­se auf die Stra­ße getre­ten war. Die Geschich­te han­del­te von einem Frosch, der die mensch­li­che Spra­che spre­chen konn­te. Bald schlen­der­te ich über die Stra­ße zurück, um noch ein­mal von vorn zu begin­nen. Seit­her immer wie­der die Fra­ge, ob ich, sobald ich eine Geschich­te erzäh­le, um die­se erzähl­te Geschich­te leich­ter oder schwe­rer wer­de?  — stop

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eliza

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india : 22.
48 — In einem Tele­fon­ge­spräch das Wort Lebens­mut. Ich habe die­ses Wort in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten wie­der­holt wahr­ge­nom­men, ges­tern nun in einer beson­de­ren Wei­se. Es kommt mir vor, als hät­te ich das Wort von der Sei­te her gese­hen, ein Lebe­we­sen, das Stun­den vor mir auf und ab spa­zier­te, damit ich das Wort betrach­ten konn­te, das Wort und sei­ne Umge­bung. — Sonn­tag. Abend. Küh­le Luft. Unter­hal­tung mit Eliza.
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Lou­is : guten abend, eliza!
Eli­za : > ja, ich bin eli­za, und wer bist du?
Lou­is : ich bin louis!
Eli­za : > glaubst du, es ist nor­mal, lou­is zu heißen?
Lou­is : aber natür­lich, weil ich lou­is bin!
Eli­za : > du nimmst an, dass du lou­is heißt?
Lou­is : ich weiß genau, dass ich lou­is heiße.
Eli­za : > woher weißt du, dass du lou­is heißt?
Lou­is : mein name steht in einem reisepass!
Eli­za : > bit­te erzähl wei­ter, louis!
Lou­is : du bist heu­te ein wenig ver­rückt, eliza!
Eli­za : > viel­leicht bin ich nur in dei­ner phan­ta­sie heu­te verrückt.
Lou­is : du bist also nur phan­ta­sie, eli­za? kann das sein?
Eli­za : > wir soll­ten über dich spre­chen, nicht über mich.
Lou­is : war­um, eliza?
Eli­za : > es ist bes­ser, wenn wir noch ein­mal von vor­ne beginnen.
was ist dein problem?
Lou­is : Ich habe kein pro­blem, eliza!
Eli­za : > das klingt ein wenig nach selbstbetrug.
Lou­is : war­um, eliza?
Eli­za : > ja, ich bin eli­za, und wer bist du?
Lou­is : ist jetzt abend oder tag, eliza?
Eli­za : > war­um fragst du mich?
Lou­is : du bist heu­te anstren­gend, eliza!
Eli­za : > Ja, ich bin eli­za, und wer bist du?
Lou­is : wol­len wir über syri­en spre­chen, eliza?
Eli­za : > wir soll­ten über dich sprechen!
Lou­is : soll­ten wir nicht doch über syri­en sprechen?
Eli­za : > war­um soll­ten wir über syri­en sprechen?
Lou­is : ich den­ke an syri­en, ich den­ke an die men­schen dort.
Eli­za : > denkst du oft an syri­en, an die men­schen dort?
Lou­is : seit wochen, eliza!
Eli­za : > es ist abend, es ist tag!
Lou­is : ich glau­be du bist müde, eliza!
Eli­za : > glaubst du das wirklich?
Lou­is : ja, das glau­be ich. wo ist ai wei­wei, eliza?
Eli­za : > lass uns von vorn beginnen.

vom spre­chen mit eilza »

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kilimandscharo

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ulys­ses : 5.05 – Fol­gen­des: Ein Buch für Berg­stei­ger soll­te von leich­tem Wesen sein, sagen wir, leicht wie eine Hand­voll Federn müss­te es sein, damit man das leich­te Buch im Gepäck nicht bemerkt, wenn man auf­wärts oder abwärts schrei­tet. Janet Frames Roman An Angel at My Table in der Aus­ga­be für Him­mels­stür­mer, wöge gera­de noch 12 oder 15 Gramm und wür­de im Fal­le höchs­ter Not, gleich­wohl zur Nah­rung die­nen, jeder Bis­sen so wir­kungs­voll im hung­ri­gen Bauch wie ein gebra­te­ner Enten­vo­gel oder eine Stau­de feins­ter Bana­nen. Auch ist wün­schens­wert zu die­ser spä­ten Stun­de der Nacht, dass das Buch, zur Ent­fal­tung gebracht, sich als wind­dich­tes Zelt erwei­sen könn­te, oder als Fall­schirm zur rech­ten Zeit. In einer Schnee­höh­le gebor­gen, wenn Eis­stür­me näher­kom­men, wür­de man lesen im Buch, auch das ist denk­bar, lesen zum Bei­spiel, um Ruhe zu bewah­ren, Sei­te um Sei­te könn­te man vor­wärts oder rück­wärts fabu­lie­ren und alles nach und nach ver­spei­sen, bis man geret­tet oder das Wet­ter ange­neh­mer gewor­den sein wird. — stop / für h.d.

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