gecko

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alpha : 0.05 – Seit Jahren, mit Vergnügen, beob­achte ich einen Gedanken in meinem Kopf, der sich nicht bewegt, kein Zeichen der Buch­sta­ben­ver­samm­lung des Gedan­kens rührt sich von der Stelle. Manchmal denke ich, der Gedanke bewegt sich, ein Gecko, so langsam wie heim­lich, während ich andere Gedanken denke.

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geraldine beobachtet wolken

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charlie

~ : geral­dine
to : louis
subject : WOLKEN

Dieser wunder­volle Himmel über mir, Mr. Louis, ich schreibe Ihnen, dass ich glück­lich bin. Liege in meinem Stuhl und schaue den Wolken zu, wie sie einmal größer und dann wieder kleiner werden. Ich glaube, sie leben und wenn sie einmal verschwinden, sind sie nicht wirk­lich verschwunden, sondern nur in andere Wolken getaucht. Ja, so ist das mit all dem Leben, das ich am Himmel sehen kann. Ich liege da und träume und das Schiff brummt unter meinem Rücken und manchmal schaue ich zu meinen kleinen Füssen hin und wackle mit den Zehen. Stellen Sie sich vor, ich habe sie bemalt, nein, ganz sicher, ich habe sie bemalt, und ich glaube nicht, dass ich Ihnen noch erzählen muss, warum ich sie bemalt habe. Er wird schon noch vorbei kommen, jawohl, ich bin mir sicher, bald wird er nach mir sehen, wird zaghafte Blicke auf meine Füße werfen und sofort werden sie sich erwärmen, nein, glühen werden sie, und ich werde meine Strümpfe und Schuhe in die Hand nehmen und hoffen, dass niemand mich so sehen wird, wie ich neben ihm laufe, barfuss, obwohl doch vor wenigen Tagen noch Eisberge im Wasser trieben. Er kommt gerade, mein kleiner Steward, kommt gerade die Treppe herauf. Ich kenne die Geräu­sche seiner Schritte. Ich habe Fieber, Mr. Louis, ich habe Fieber, und manchmal denke ich, dass ich all das hier nur träume, das Schiff, die Wolken, meinen tapferen Vater, meine immerzu weinende und ebenso tapfere Mutter, die Eisberge und Delphine, und dass ich verliebt bin, all das nur träume. Aber wer könnte in einem Traum noch so kräftig mit den Zehen wackeln, dass selbst die Möwen von der Reling flüchten? – Ich grüße Sie herz­lich! Ahoi! Ihre Geral­dine auf hoher See.

notiert im Jahre 1962
an Bord der Queen Mary
aufge­fangen am 2.02.2009
22.15 MEZ

geral­dine to louis »

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wortschaukel

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hibiskus : 0.28 – Ich habe das Wort s o n n e n m o l l u s k e notiert. s t o p Habe das Wort s o n n e n m o l l u s k e lange Zeit in meinem Kopf hin und her bewegt geschau­kelt gefreut. s t o p Denkbar, dass ich das Wort s o n n e n m o l l u s k e nicht verstehen kann wie ich es früher einmal verstanden habe. s t o p Spreche ich, wenn ich summe?

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eine frage der winde

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echo : 2.26 – Eine jedem Propel­ler­käfer zutiefst verbun­dene Leiden­schaft ist, auf Bäumen zu sitzen und nach Winden Ausschau zu halten. Sie sind in diesem Warten und Schauen außer­ge­wöhn­lich gedul­dige Persön­lich­keiten. Wochen, gar Monate sitzen sie kaum wahr­nehmbar in Gestalt kleiner Zigarren auf knor­zigen Ästen, Stämmen und Blät­tern herum, indessen sie ihre Augen stets geöffnet halten, blaue, sehr blaue Augen, selbst wenn sie schlafen, was nicht ganz sinn­voll zu sein scheint, weil doch heran­we­hende Winde eher zu hören als zu sehen sind. Wenn man nun einen Propel­ler­käfer bei seiner leiden­schaft­li­chen Arbeit, insbe­son­dere den Prälu­dien seiner Arbeit beob­achten möchte, sollte man geduldig sein und immer­fort an seiner Seite, weil man nie vorher­sagen kann, ob ein Wind, der sich näherte, unserem Propel­ler­käfer gefallen wird. Manche Winde, so seltsam das erscheinen mag, noch feinste Stürme, die vom Meer her kommen, lassen unseren Propel­ler­käfer völlig kalt, während bereits die leiseste Ahnung ganz anderer Winde, heftigste Erre­gung erzeugen kann. Dann, von einer Sekunde zur anderen, ändert der Propel­ler­käfer seine Farbe, ob er nun will oder nicht, er sieht jetzt ein wenig so aus, als würde Feuer in ihm brennen. Seine Füße indessen haben kleine Zehen ausge­fahren, Phan­ta­sien der Natur, rein nur zur Veran­ke­rung ausge­dacht, weil der Propel­ler­käfer sich sofort wild entschlossen mit jedem seiner Propeller gegen den Wind stemmen wird. Stürme, gerade Stürme will er fangen. So sitzt er mit geschlos­senen Augen hinter pfei­fenden Rotoren bebend und knis­tert und wartet, wartet bis all das wilde Wetter vorüber­ge­zogen sein wird. Der Ordnung halber sei folgendes noch rasch gemeldet: Propel­ler­käfer sind fried­volle aber doch gefähr­liche Wesen, sobald sie aufge­laden sind. Mal haben sie sechs, mal acht, mal zehn Propeller, die sie je in ihrem Leib verbergen, um für Wochen, für Monate wieder zur Baum­zi­garre zu werden. Jetzt hören wir sie leise und zufrieden knallen.

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nachtzeppelin

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echo : 2.18 – Ein Zeppel­in­käfer, selt­sames Wesen, schwebte kurz nach 1 Uhr heute Nacht eine schnur­ge­rade, eine unsicht­bare Linie über den hölzernen Fußboden meines Arbeits­zim­mers entlang, wurde in der Mitte des Zimmers von einer Luft­strö­mung erfasst, etwas ange­hoben, dann wieder zurück­ge­worfen, ohne aller­dings mit dem Boden in Berüh­rung zu kommen. – Ein merk­wür­diger Auftritt. – Und dieser groß­ar­tige Ballon von opakem Weiß! Ein Licht, das kaum noch merk­lich flackerte, als ob eine offene Flamme in ihm brennen würde. Ich habe mich zunächst gefürchtet, dann aber vorsichtig auf Knien genä­hert, um den Käfer von allen Seiten her auf das Genau­este zu betrachten. – Folgendes ist nun zu sagen. Sobald man einen Zeppel­in­käfer von unten her besich­tigt, wird man sofort erkennen, dass es sich bei einem Wesen dieser Gattung eigent­lich um eine fili­grane, flügel­lose Käfer­ge­stalt handelt, um eine zerbrech­liche Persön­lich­keit gera­dezu, nicht größer als ein Streich­holz­kopf, aber schlanker, mit acht recht langen Ruder­beinen, gestreift, schwarz und weiß gestreift in der Art der Zebrapferde. Fünf Augen in grau­blauer Farbe, davon drei auf dem Bauch, also gegen den Erdboden gerichtet. Als ich bis auf eine Nasen­länge Entfer­nung an den Käfer heran­ge­kommen war, habe ich einen leichten Duft von Schwefel wahr­ge­nommen, auch, dass der Käfer flüchtet, sobald man ihn mit einem Finger berühren möchte. Ein Wesen ohne Laut. – Guten Morgen! Heute ist Samstag. Leichter Regen viel­leicht.

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regenzeit

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olimambo : 0.02 – Ange­nehme Müdig­keit, warm und leicht, eine Versu­chung, sagen wir, sofort die Augen zu schließen und nach­zu­sehen, was das Nacht­leuchten im Kopf mit mir viel­leicht bald unter­nehmen wird. – Seltsam, wie es ist. – Vor wenigen Stunden noch über das Geräusch des Regens nach­ge­dacht. Nicht einfach nur so über das gewöhn­liche Geräusch vom Himmel kommenden Wassers, sondern über ein Regen­ge­räusch, das bis in die Träume eines Schla­fenden reicht, so dass er wach wird vom Regen, den er träumte und doch nicht träumte. ping ping ping. Wie er sich aufsetzt, wie er durch ein dunkles Zimmer tastet, wie er auf einem Balkon steht und wie ihm der Regen aufs Gesicht fällt. stop. Ein Uhr zwei­und­zanzig auf hoher See vor Lampe­dusa. – stop

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jonglieren

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charlie : 3.05 – Das Wort weicht nicht vor dem Wort, sondern vor dem Text zurück. – Eine merk­wür­dige Erfah­rung. – Ich nehme das Wort REGENKÄFER aus einem Text heraus, lege es auf ein Blatt Papier und suche weitere Wörter. Solange Zeit suche ich, bis das WORT zufrieden geworden ist. Dann mache ich eine Pause, beob­achte einen Film, der vom Vikto­riasee erzählt, schlafe ein, wache auf, gehe zum Schreib­tisch zurück und nehme das Wort ERINNERUNG aus einem Text heraus, lege es auf ein Blatt Papier und suche solange Zeit weitere Wörter bis das WORT zufrieden geworden ist. – Ich notiere: Zwei Uhr und acht­zehn Minuten. Wieder habe ich bemerkt, dass sich die Zeit rück­wärts nur in kleinen oder großen Sprüngen einnehmen lässt. Die Zeit mag sich nicht in die Vergan­gen­heit spulen.

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regenkäfer henry

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hibiskus : 3.25 – Kurz nach drei Uhr. Es hat aufge­hört zu regnen, die Nacht ist still, alle Menschen um mich herum schlafen. Ich habe einige Stunden vergeb­lich versucht, eine Geschichte aufzu­schreiben, die mir seit zwei Tagen durch den Kopf geis­tert. Hart habe ich gear­beitet, jetzt bin ich müde und sende anstatt meiner Geschichte, eine Zeich­nung, eine Ahnung viel­leicht vom Gespenst, das in dieser Nacht nicht gelingen wollte. – Guten Morgen! Heute ist Donnerstag.

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luftpost

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alpha : 23.52 – Einmal lag ein buntes Stück Papier auf meinem Schreib­tisch, ein Luft­post­brief. Als ich das Couvert des Briefes genauer betrach­tete, das heißt, als ich den Brief so nahe an meine Augen heran­führte, dass ich die Stem­pel­ein­träge seiner Anschrif­ten­seite entzif­fern konnte, bemerkte ich, dass der Luft­post­brief bereits vor langer Zeit in Europa aufge­geben und über den Atlantik geflogen worden war. In Santiago de Chile dann ange­kommen, konnte der Brief nicht zuge­stellt werden, vermut­lich weil die Zeichen, die den Brief beschrif­teten, kaum zu entzif­fern gewesen waren. Nach einigen Wochen Warte­zeit, reiste der Brief, nun markiert mit einem Schild­chen in blauer, spani­scher Farbe: -Nicht zustellbar!-, über den Atlantik zurück, um sich nur wenige Tage später erneut auf den Weg über das Meer nach Chile zu begeben. Ein weiterer Schriftzug war hinzu­ge­kommen, ein feiner, aber groß­zü­giger Stem­pel­ab­druck: -Diese Sendung wurde von einem Blinden geschrieben!- Zwei frische Wert­marken, nichts sonst verän­dert. Und so machte sich der Brief bald darauf ein viertes Mal auf den Weg über das Meer wieder nach Europa zurück und landete, weiß der Himmel warum, in meiner Nähe, in der Nähe meiner Schreib­ma­schine.

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mauritius

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nordpol

~ : louis
to : Mr. lich­ten­berg
subject : MAURITIUS

Mein lieber Lich­ten­berg, wie uner­mess­lich meine Freude, seit ich weiß, dass Sie lesen, was ich notiere. Noch immer bin ich wie benommen, sitze herum und über­lege, ob sich nun meine Schreib­welt mögli­cher­weise wesent­lich verän­dern wird. Nicht leicht für einen kleinen Schrift­steller, wie ich einer bin, zu wissen, wer von oben her zusieht, ohne sofort alle Unbe­fan­gen­heit zu verlieren. Nehme an, Sie haben einen voll­stän­digen Blick auf mich, auf meine Person, nicht nur auf Zeichen und Bilder. Ganz sicher beob­ach­teten Sie deshalb meinen Luft­sprung gestern kurz nach dem ich das Post­fach geöffnet hatte. Ihr Brief, das wunderbar kräf­tige und raue Papier des Couverts, ein Stempel auf einer blauen Marke. Eine Mauri­tius, nicht wahr? Ich habe, nein, nein, ich habe sie nicht über­sehen und wenn ich mich nicht irre, ausge­sorgt mit Ihrer Hilfe bis an mein Lebens­ende. Jetzt frage ich mich natür­lich, schreiben Sie denn noch mit der Hand dort oben? Sitzen Sie auf Stühlen oder schweben sie herum und denken sich alles nur aus und sofort aufs Papier? Wird noch Nacht und Tag oder ist immerzu das rich­tige Licht, so wie Sie’s gerade brau­chen? Ob sie mir wohl manchmal zuhören, verzeichnen, was ich spreche, wenn ich träume? – Ihr Louis, mit herz­li­cher Freude!

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am viktoriasee

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lima : 5.18 – Am Vikto­riasee Menschen, junge Menschen und alte Menschen, wie sie sich durch modernde Abfälle einer Fisch­fa­brik wühlen. Gelbe Augen. Salz­wunde Hände. Verei­terte Füße. Bauch­bal­lone. stop. Beob­ach­tete zum fünften Male den Doku­men­tar­film Darwins Alptraum warum? Kurz darauf notierte ich: Licht fällt in kleinen Paketen vom Himmel. Und ich dachte noch, das geht heute nicht, so ein Satz doch nicht nach jenem Film in dieser Nacht. Lange Zeit schon ist von afri­ka­ni­schen Eisfi­schen zu erzählen, von Luft­rei­senden in russi­schen Waren­trans­port­flug­zeugen gegen den Norden zu, von all dem Elend erzählen, das sie bewirken, vom Hunger, von dem ich mit eigenen Ohren hörte, von Nilbar­sch­fi­lets, vom rosen­höl­zernen Fleisch auf kost­baren Tellern euro­päi­scher Sand­ma­nu­fak­turen. stop. Wie erzählen? stop. Wem erzählen? stop. Bald wieder Dämme­rung. stop. Licht fällt in kleinen Paketen vom Himmel. stop.

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augenzeit

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sierra : 2.28 – Ich könnte viel­leicht sagen, dass sich mein Gehirn mittels feiner Muskeln, die meine Augen umringen, selbst zu berühren vermag. Ich könnte weiterhin sagen, dass ich, sobald ich eine Foto­grafie betrachte, mit meinen Augen mein Gehirn bewege und in meinem Gehirn eine Welt: Das sind meine Augen vor langer Zeit, meine Augen als Kind. Noch immer kann ich sie sehen.

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geraldine verliert ihren sommerhut

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echo

~ : geral­dine
to : louis
subject : MEIN SOMMERHUT

Es ist windig heute, Mr. Louis, aber das Meer bewegt sich nicht. Sehr kleine Wellen nur, als würde das Wasser frieren. Weil dazu die Sonne scheint, hatte Papa am Vormittag den Schiffs­fo­to­grafen und meinen Sommerhut mitge­bracht. Jetzt schwimmt mein Hut auf dem Atlantik, weil ich einen Moment nicht aufge­passt und ihn nicht fest­ge­halten habe. Bald werde ich eine Foto­grafie besitzen mit einem Hut, den es nicht mehr gibt. Ein lustige Geschichte, nicht wahr? Aber was erzähle ich Ihnen da für unwich­tige Dinge. Ich muss immerzu an meinen kleinen, lieben Steward denken. Seit zwei Tagen liegt er in seiner Kajüte, weil er krank geworden ist. Nichts Ernstes, nur ein Schnupfen und etwas Husten. Und natür­lich darf ich nicht zu ihm, ich könnte mich infi­zieren mit der Himmels­weißwas und das würde mich umbringen, sagt der Doktor, obwohl ich das nicht glaube, weil ich doch sehr verliebt bin. In zwei Tagen darf ich viel­leicht zu ihm. Bis dahin schicke ich kleine Briefe, weshalb ich eigent­lich über­haupt keine Zeit habe, an Sie zu schreiben. – Ahoi, Mr. Louis, Ahoi! Ihre Geral­dine auf hoher See.

notiert im Jahre 1962
an Bord der Queen Mary
aufge­fangen am 22.02.2009
22.18 MEZ

geral­dine to louis »

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GERALDINE TO LOUIS / ENDE

kofferzimmer

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echo : 2.18 – Ich stellte mir eine Minute vor, dann eine Stunde, dann einen Tag. Ich stand auf und ging von Zimmer zu Zimmer, aß eine Banane, sah aus dem Fenster, setze mich an den Schreib­tisch, stellte mir eine Woche vor, dann einen Monat, dann ein Jahr. Ich erhob mich, sah nach der Uhrzeit, dann aus dem Fenster, verließ das Haus, spazierte und kam zurück, setzte mich aufs Sofa. Eine harm­lose Geschichte. Sogleich weiter gedacht. Selt­same Kerne leise in meinem Kopf hin und her bewegt, jene von den Schlaf­waben zum Beispiel, von Koff­er­zim­mern, in welchen arbeits­lose Menschen dämmernd lagern. Wie ihnen schmerzlos die Zeit vergeht, wie sie, von besseren Zeiten träu­mend, Blut­kon­serven aus ihren Knochen destil­lieren. Kaum hatte ich aufge­schrieben und mich gewun­dert über das, was ich dachte, stand ich wieder in der Küche, aß eine weitere Banane und einen Pfir­sich zum Nach­tisch. Dann, endlich, bemerkte ich Geral­dines Sommerhut, sein Schau­keln auf atlan­ti­schen Wellen. Unge­heuere Stille. Abso­lute Stille. In dieser namen­losen Stille, ein Hut allein auf dem Meer. Kein Schiff. Kein Land. Aber einhun­dert Seemei­len­kreise von Stille in einem Bild, das ich niemals mit Augen sehen, sondern immer wieder nur denken werde. stop. Guten Morgen!

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robert walser

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echo : 0.05 – Vor wenigen Minuten habe ich entschieden, mir von einem hoch­ver­ehrten Schrift­steller, den ersten Satz einer Geschichte zu leihen. Der Satz geht so: Es ist Mitter­nacht vorüber. Dieser erste Satz wurde von Robert Walser bereits im Jahre 1907 notiert, und ich dachte, ist es nicht wunder­voll, dass Robert Walser und ich einmal einen ersten Satz teilen werden! – Noch zu tun heute Nacht: Einen situs inversus umkreisen.

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bild schlafen

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whiskey : 2.15 – Vor dem Fenster knis­tern Kasta­ni­en­bäume, viel­leicht davon sind Violet und Daisy aufge­wacht. Ein leises Geräusch zunächst, das schnur­rende Geräusch einer Fußpe­dale, dann das Klap­pern einer Schreib­ma­schine im ange­nehm warmen Licht eines hölzernen Zimmers lange vor meiner Zeit. Was für eine selt­same Schreib­tisch­lampe! Und wie die Mädchen lächeln, in einer Weise lächeln, dass sie zu leuchten scheinen. Es sieht ganz so aus, als hätte das eine Mädchen dem anderen Mädchen gerade eben noch eine Geschichte erzählt. Zufrieden lauscht sie ihren Worten nach, während das andere Mädchen die Geschichte in die Maschine notiert. Zwei Mädchen exakt glei­chen Alters, viel­leicht schon junge Frauen. In diesem Moment, in dieser Minute, da ich wieder einmal notiere oder bemerke oder erin­nere, dass Daisy und Violet Hilton an einer Stelle ihres Körpers derart inein­ander verwachsen sind, dass kein Luft­raum sie je vonein­ander trennen wird, wieder der vertraute Eindruck, dass ich ihnen zu nahe kommen könnte, indem ich ihnen schreibe. Und tatsäch­lich sind sie nun wach geworden. Wie Daisy ihren Kopf zur Seite neigt, eine kaum wahr­nehm­bare Bewe­gung. Wie ich müde werde von einer Sekunde zur anderen. Wie Daisy noch sagt: Violet, schau, ist das nicht ein merk­wür­diger Mann? Wartet so lange, wartet und wartet, dass wir uns bewegen. Und jetzt ist er einge­schlafen.

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