Aus der Wörtersammlung: einmal

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yanuk : medusenfliegen

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echo

~ : yanuk le
to : louis
sub­ject : MEDUSEN
date : oct 4 08 8.55 a.m.

Gegen den Abend zu Höhe 286 erreicht. Woll­te noch wei­ter stei­gen, hef­ti­ges Fie­ber zwang mich zur Ruhe. Zunächst lan­ge Zeit geschla­fen, nach­dem ich mein Zelt errich­tet hat­te und ver­täut mit dem Stamm des Bau­mes, der noch immer so kräf­tig ist, dass zwei oder drei Men­schen ihn gemein­sam nicht umar­men könn­ten. Heu­te ist mir woh­ler, obwohl ich noch erhitzt bin. Auf Knien bewe­ge ich mich über die Platt­form, weil mei­ne Schrit­te unsi­cher sind, habe das Gefühl zu schlin­gern. Ja, Mr. Lou­is, so schla­fe ich und beob­ach­te dann wie­der das Stei­gen und Sin­ken der Medu­sen­flie­gen, es sind hun­der­te, viel­leicht tau­sen­de Hand­tel­ler gro­ße Wesen, deren Schir­me lang­sam um sich krei­sen. Und weil sie leuch­ten, ein zar­tes, blau­es Licht, das pul­siert, das auf die Bewe­gung mei­ner Fin­ger reagiert, als wür­den sie zu mir und mit mir spre­chen, wird es nachts an die­ser Stel­le mei­ner Rei­se nie­mals dun­kel. Habe nach lan­ger Beob­ach­tung fest­ge­stellt, dass sie mit­ein­an­der ver­bun­den sind, Fäden, sehr fei­nes Werk, viel­leicht frei­lie­gen­de Neu­ro­nen, sodass ich den Schwarm der Medu­sen­flie­gen, als ein schwe­ben­des Gehirn beschrei­ben könn­te. Muss das wei­ter unter­su­chen. Hast Du schon ein­mal ver­sucht, einen Fisch­schwarm zu zäh­len? Oder eine Vogel­wol­ke? stop. Yanuk

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15.58 UTC
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anleitung zum glücklichsein

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gink­go : 18.25 — Am letz­ten Tag des Sep­tem­bers unterm Regen­schirm spa­ziert. Zunächst reg­ne­te es Regen­sand, dann Regen­reis, dann reg­ne­te es klei­ne Frö­sche. Für einen kur­zen Moment dach­te ich dar­an, in einem Film ange­kom­men zu sein, der von Loui­sia­na han­delt. Das war ein fei­nes Gefühl unterm klin­gen­den Schirm am Ufer des Mis­sis­sip­pi zu ste­hen und den Frö­schen zu lau­schen, die auf ihrer letz­ten Rei­se vom Him­mel erstaun­li­che, pfei­fen­de Geräu­sche von sich gaben. Als ich so im Frosch­re­gen am gro­ßen Fluss stand, erin­ner­te ich mich an einen klei­nen Text, den ich im ver­gan­ge­nen Jahr bereits geschrie­ben habe. Und sofort wuss­te ich, dass ich die­sen Text, sobald ich wie­der zu Hau­se ange­kom­men sein wür­de, noch ein­mal lesen soll­te. Es ist noch immer ein beru­hi­gen­der Text, ein Text, der mich berührt. Des­halb will ich die­sen klei­nen Text, eine Anlei­tung zum Glück­lich­sein, noch ein­mal für Sie wie­der­ho­len: „Man ver­las­se das Haus. Sorg­fäl­tig alle Bewe­gun­gen des Ver­kehrs beach­tend, gehe man so lan­ge durch die Stadt, bis man auf eine Buch­hand­lung trifft. Dort kau­fe man: Cor­ta­zar, Julio – Geschich­ten der Cro­nopi­en und Famen. Dann gehe man spa­zie­ren, tra­ge den schma­len Band durch die Stra­ßen, bis man einen Park erreicht, wenn Som­mer, oder ein Café, wenn Win­ter ist. Man neh­me Platz und lese. Über den Umgang mit Amei­sen bei­spiels­wei­se, oder wie wun­der­bar ange­nehm es ist, ein Spin­nen­bein pos­ta­lisch an einen Außen­mi­nis­ter auf­zu­ge­ben. Oder man las­se sich im Uhren­auf­zie­hen oder im Trep­pen­stei­gen unter­wei­sen. Jetzt bereits wird man eine leich­te Wär­me spü­ren, die aus der Gegend des Bau­ches nach oben und unten in Arme und Bei­ne aus­wan­dert. Also lese man wei­ter, lau­sche jenen ange­neh­men Geräu­schen im Kopf, – die­sem sagen wir: Jeder­mann wird schon ein­mal beob­ach­tet haben, dass sich der Boden häu­fig fal­tet, der­ge­stalt, dass ein Teil im rech­ten Win­kel zur Boden­ebe­ne ansteigt und der dar­auf­fol­gen­de Teil sich par­al­lel zu die­ser Ebe­ne befin­det, um einer neu­en Senk­rech­te Platz zu machen. Oder jenem: Trep­pen steigt man von vorn, da sie sich von hin­ten oder von der Sei­te her als außer­or­dent­lich unbe­quem erwei­sen. It works.”
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kokons

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bamako : 0.08 — Ein­mal saß ich in einem Hos­pi­tal am Bett eines kran­ken Kin­des. Ich las die­sem klei­nen, blas­sen Wesen aus einem Buch vor, und wäh­rend ich mit ruhi­ger Stim­me las, oder vor­gab zu lesen, spür­te ich, wie ich von unge­wöhn­lich hel­len Augen betrach­tet wur­de. Viel­leicht weil das Kind um die Gefahr wuss­te, die ihm droh­te, hat­te das Kind der­art hel­le Augen. Und so flo­gen wir gemein­sam durch eine Geschich­te hel­ler Augen, durch eine Geschich­te, die von einem Mann erzähl­te, der auf dem Atlan­tik von wei­ßen Walen in einer See­not­ret­tungs­in­sel durch das Was­ser gezo­gen wur­de. Man könn­te sagen, die Wale sorg­ten sich um das Leben die­ses Man­nes, sie fin­gen ihm Fische und sie zogen ihn aus einer ein­sa­men Gegend des Mee­res an einen Ort, den Schiff­fahrts­li­ni­en kreuz­ten. Was das Kind viel­leicht nicht ein­mal ahn­te, das Buch, das auf mei­nen Knien ruh­te, erzähl­te tat­säch­lich davon, wie man Java­code pro­gram­miert. Und doch war dort im Buch eine Geschich­te, weil ich immer wie­der ein­mal umblät­ter­te, wäh­rend ich für das Kind Satz für Satz aus der Luft erfand. Von Zeit zu Zeit, ich erin­ne­re mich noch genau, lach­te das Kind, sodass ich heu­te sagen kann, dass es sich bei die­sem Buch um ein gelun­ge­nes Nacht­buch mit Licht gehan­delt haben muss­te. – Kurz nach Mit­ter­nacht. Habe einen Buch­sta­ben­kno­ten in mei­nem Kopf. — stop

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sirius

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kili­man­dscha­ro : 0.28 — Gegen Mit­ter­nacht ste­he ich im Arbeits­zim­mer, hebe bei­de Arme, mache Flü­gel, weil ich dar­über nach­den­ke, wie es wäre, gewichts­los zu sein. Ich habe mir vor­ge­stellt, dass man viel­leicht ein­mal auf die Idee kom­men wird, Men­schen zu erfin­den, die ohne Kno­chen sind, weil sie Kno­chen nicht benö­ti­gen, weil sie ohne jede Schwe­re im Welt­raum exis­tie­ren auf gro­ßer Fahrt. Die­se Men­schen wür­den von einer kräf­ti­gen Haut begrenzt, leg­ten sich viel­leicht in waben­för­mi­gen Struk­tu­ren zur Ruhe, wären falt­bar und weich wie Medu­sen. Wenn sich zwei die­ser Medu­sen­men­schen in einem schwe­re­lo­sen Raum begeg­ne­ten, wür­den sie sich in einer Zart­heit umschmei­cheln, die uns Kno­chen­menschen grund­sätz­lich fremd ist, weil wir in der Begeg­nung, auch in der Lie­be, gewohnt sind auf Wider­stän­de sto­ßen zu wol­len, auf Gegen­wehr, auf eine Fes­tig­keit, die wir benö­ti­gen, um sagen zu kön­nen, das bin ich und das bist Du. Ist das nicht ein bezau­bern­der Film, wie sich nahe des Siri­us­ster­nes zwei uralte Medu­sen­we­sen durch einen Tan­go atmen, wie sie ver­liebt ihre pul­sie­ren­den, ihre licht­durch­läs­si­gen Lun­gen betrach­ten? Wie könn­ten die­se Wesen beklei­de­ten sein, wel­che Bücher wür­den sie lesen, wel­che Musik wür­de sie in glück­li­che Schwin­gung ver­set­zen, was wer­den sie essen, was wer­den sie trin­ken, was wer­den sie ein­mal von mir den­ken, wenn sie lesen, was ich heu­te Nacht bereits für sie auf­ge­schrie­ben habe? — stop

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kongo

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india : 5.55 — Sobald ich einen Satz selt­sa­mer Din­ge gedacht habe, freu’ ich mich, kann dann nicht blei­ben, sprin­ge auf, wenn ich sit­ze, oder sprin­ge in die Luft, wenn ich bereits auf mei­nen Bei­nen gestan­den habe. Viel­leicht wür­de ich lächeln, wenn ich mich selbst bei der Arbeit beob­ach­ten könn­te. Ich soll­te ein­mal einen Nacht­film dre­hen, wie ich nachts durch die Woh­nung hüp­fe. Oder in einer U‑Bahn in die Luft sprin­ge. Oder im Schlaf ein Rad schla­ge, weil ich sehr ger­ne im Schlaf selt­sa­me Din­ge vor­be­rei­te für Sät­ze im Wachen. – Ein ganz ande­res, selt­sa­mes Ding, das ich nicht erfun­den habe, ist das Fol­gen­de. Ich hör­te, im Kon­go sol­len seit dem Jah­re 1998 vier Mil­lio­nen Men­schen in einem Bür­ger­krieg getö­tet wor­den sein. Sie wur­den von der Cho­le­ra aus­ge­trock­net, star­ben an see­li­schen Qua­len, weil sie Frau­en waren, die man ver­ge­wal­tig­te, Mache­ten trenn­ten sie von ihren Hän­den, Armen, Bei­nen, oder sie wur­den ganz ein­fach nur erschos­sen, ohne dass dar­über in unse­ren Fern­seh­ge­rä­ten gespro­chen wur­de. Ange­sichts die­ser merk­wür­di­gen Vor­stel­lung habe ich über­legt, dass ich viel­leicht ler­nen soll­te, den Schat­ten nicht gesen­de­ter Bil­der wahr­zu­neh­men. Ich könn­te mich also hin­ter einen Bild­schirm set­zen und wür­de, das ist denk­bar, einen genaue­ren Blick auf die Welt da drau­ßen haben, als wür­de ich von vorn betrach­ten, was dar­ge­bo­ten wird. — stop
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yanuk : stille

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marim­ba

~ : yanuk le
to : louis
sub­ject : STILLE
date : sept 7 08 10.15 p.m.

Lie­ber Mr. Lou­is, in der ver­gan­ge­nen Nacht sind selt­sa­me Din­ge gesche­hen. Ich hat­te auf Höhe 258 mein Zelt auf­ge­schla­gen, weil es gereg­net, nein, weil es sehr stark gereg­net hat­te ges­tern Nach­mit­tag. Die Bäu­me tropf­ten und ich ahn­te, dass nachts noch ein­mal Regen fal­len wür­de, so feucht war die Luft gewor­den. Ich leg­te mich also in mein Zelt, hör­te dem Sin­gen der Nacht­af­fen zu und irgend­wann schlief ich ein. Als ich erwach­te, war es noch immer dun­kel. Ich konn­te nichts hören, kei­nen Laut, es war so still, als hät­te ich mei­ne Ohren ver­lo­ren. Ja, für einen Moment dach­te ich, dass das Hör­ver­mö­gen der Lebe­we­sen viel­leicht nur eine Idee gewe­sen war, eine poe­ti­sche Eigen­schaft ohne die Mög­lich­keit einer Ver­wirk­li­chung, und doch hör­te ich Stil­le, ich hör­te, dass ich nichts hör­te, nichts von Außen her, also Stil­le von Außen, aber ein rhyth­mi­sches Geräusch von Innen, ver­mut­lich die Bewe­gung mei­nes Blu­tes. Ich ver­ließ das Zelt und hör­te noch immer nichts als mein Herz, das etwas schnel­ler schlug. Eine Wol­ke kleins­ter Flie­gen tanz­te um mei­ne Klet­ter­la­ter­ne, zwei Geckos saßen an einem Stamm in ihrer Nähe und angel­ten sich die schöns­ten Exem­pla­re her­aus. Ich hat­te ihnen ges­tern bereits bei ihrer beque­men Arbeit zuge­se­hen, und ich erin­ner­te mich, dass der Dschun­gel um mich her­um geknis­tert hat­te und die Affen ein unent­weg­tes Gespräch führ­ten über gro­ße Distanz. Jetzt, wie zur Prü­fung, berühr­te ich mei­ne Ohren, sie waren noch da, bei­de Muscheln. Indem ich an der lin­ken Muschel zog, dreh­te sich etwas her­um in mei­nem Ohr, es krach­te und ich hat­te den fes­ten Ein­druck, besucht wor­den zu sein. Und auch rechts dreh­te man sich in mei­nem Ohr, sobald ich dar­an zog, zur Sei­te, aber dann wie­der Stil­le bei­der­seits. Ich leg­te mich ins Zelt zurück und über­leg­te, ob ich viel­leicht in Gefahr sein könn­te, ob man viel­leicht mein Gehirn betre­ten woll­te, und weil es so schön still war, bin ich ein­ge­schla­fen. Ich schlief sehr lan­ge, war schon hell, als ich erwach­te, und der Dschun­gel knis­ter­te und wis­per­te um mich her, und ich hör­te die Affen des Tages und das Rufen der Nas­horn­vö­gel und lag eine Wei­le so da, froh wie­der hören zu kön­nen. Wie jeden Mor­gen saßen pracht­vol­le Käfer und Fal­ter und Flie­gen an den Wän­den mei­nes Zel­tes. Und alle taten sie so, als hät­ten sie mit mei­nen Ohren nicht das Min­des­te zu tun. stop. Yanuk

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0.52 UTC
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geraldine : island

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echo

~ : geraldine
to : louis
sub­ject : ISLAND

Lie­ber Mr. Lou­is, wie geht es Ihnen? Ich hof­fe, gut. Schrei­ben Sie mir ein­mal auf, wie es Ihnen geht, weil ich oft an sie den­ke. Ges­tern sind wir an Island vor­bei­ge­fah­ren. Ich war sehr schwach und konn­te nicht an Deck. Ich habe durch das Bull­au­ge mei­ner Kajü­te geschaut. Eine dunk­le Küs­te, die immer wie­der ein­mal kurz aus dem Nebel tauch­te. Aber jetzt sit­ze ich wie­der an Deck. Erst kam der Dok­tor, dann kam Vater und hat mich hin­auf­ge­tra­gen. Heu­te ist die Luft klar und kalt. Man kann das Ende des Mee­res nicht erken­nen, ich mei­ne, man kann nicht sehen, wo es auf­hört kurz vor dem Him­mel. Sehr selt­sam. Ich suche den Hori­zont und manch­mal, wenn ich glau­be, dass ich ihn erkannt habe, ist alles unscharf gewor­den. Viel­leicht liegt das auch an den Schmer­zen, die ich habe und dass mir oft die Kraft fehlt, mei­ne Augen noch offen­zu­hal­ten. Ich habe für Vater ein wenig die Möwen gefüt­tert und wir haben gelacht und ich habe wie­der ein­mal gese­hen, wie groß sei­ne Füße doch sind. Als er mich allein gelas­sen hat­te, habe ich das Brot für die Möwen auf den Boden vor mich hin­ge­wor­fen, weil ich nicht die Kraft habe, das Brot in die Luft zu wer­fen. Kann kaum noch den Blei­stift hal­ten. Eis schwimmt im Was­ser. — Ihre Geraldine

notiert im Jah­re 1962
an Bord der Queen Mary
auf­ge­fan­gen am 6.9.2008
20.16 MESZ

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speed

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lima : 0.01 — Ich hör­te im Radio, ein Mann aus Jamai­ka sei eine Stre­cke von 100 Metern in 9.69 Sekun­den gelau­fen. Sofort setz­te ich mich vor das Fern­seh­ge­rät und beob­ach­te­te die­sen Mann, von dem ich gehört hat­te, und ich dach­te, dass ich ihn ger­ne ein­mal berüh­ren wür­de, abklop­fen oder mein Ohr auf einen sei­ner Ober­schen­kel legen und lau­schen. — stop

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memory

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oli­mam­bo : 3.02 — Vor einer Stun­de unge­fähr, aus hei­te­rem Him­mel, erin­ner­te ich mich an eine Brief­mar­ke, die sich zu einer Zeit in mei­nem Besitz befun­den hat­te, als ich noch ein Kind gewe­sen war. Die­se Mar­ke, obwohl sehr vie­le Jah­re weit von mir ent­fernt, war so gegen­wär­tig von einer Sekun­de zur ande­ren, als hät­te ich sie weni­ge Minu­ten zuvor einem Sam­mel­al­bum ent­nom­men und auf einen Luft­post­brief geklebt. Zu Ehren des Schim­pan­sen Ham, der in den Welt­raum gereist war, um dort eini­ge Übun­gen in der Schwe­re­lo­sig­keit zu absol­vie­ren, war sie in einer begrenz­ten Auf­la­ge gedruckt gewor­den. Das Beson­de­re an Ham war ohne Fra­ge sei­ne Men­schen­ähn­lich­keit gewe­sen, auch dass Ham, im Gegen­satz zu Lei­ca, einer rus­si­schen Hun­de­da­me, sei­nen Aus­flug in den Kos­mos über­leb­te. Der klei­ne Brief­mar­ken­af­fe trug einen Helm, genau genom­men einen wei­ßen Astro­nau­ten­helm, der unglück­li­cher­wei­se von einem Stem­pel getrof­fen wor­den war. In die­sem Moment, da ich notie­re, erin­ne­re mich an einen Riss, der mein Brief­mar­ken­al­bum bedroh­te, weil er mit jeder Besich­ti­gung der Samm­lung, knis­ternd wuchs. Ein­mal habe ich einem Mäd­chen, in das ich ver­liebt gewe­sen war, mein Album mit Riss gezeigt, eine selt­sa­me Erfah­rung, wes­halb ich das Sam­meln der Brief­mar­ken auf­ge­ben habe und mich den Schall­plat­ten zu wid­men begann. Die­ses Mäd­chen, das mich von den Brief­mar­ken ent­fern­te, hieß Patri­zia und trug sehr klei­ne blaue Knöp­fe in bei­den Ohren, die herr­lich fun­kel­ten, sobald sie sich beweg­te. Ja, sie fun­kel­ten damals bis in mei­ne Träu­me hin­ein und sie fun­keln noch heu­te oder wie­der, wäh­rend ich hier still in einer küh­len Nacht her­um­sit­ze und mich wun­de­re, dass ich an Din­ge den­ke, die ich vor einer Stun­de noch nicht wuss­te. — stop

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schuhwerk

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echo : 5.22 — Ein­mal war­te­te ich im Regen ste­hend auf eine Stra­ßen­bahn. Das war ein sehr ange­neh­mer, war­mer, nach Stei­nen duf­ten­der Regen, eine Art Regen, bei der ich an das Wort Mon­sun den­ke, wenn ich sei­ne Geräu­sche höre. Ich stand also im Regen und dach­te an das Wort Mon­sun, als genau um 22 Uhr und 18 Minu­ten die Stra­ßen­bahn, die ich erwar­te­te, vor mir hielt. Die Türen öff­ne­ten sich und ein Herr stieg aus der Stra­ßen­bahn, der eine Zigar­re rauch­te. Er trug einen grau­en Anzug, ein wei­ßes Hemd, eine hell­grü­ne Kra­wat­te, kei­ne Schu­he, aber Strümp­fe. Für einen kur­zen Moment, ich hat­te einen Fuß bereits in den Wag­gon der Stra­ßen­bahn gestellt, stand der Mann direkt neben mir. Ich sag­te: Sie haben kei­ne Schu­he an, mein Herr. So, erwi­der­te der Mann, blick­te dann erstaunt an sich her­ab, sah mir in die Augen und frag­te mit einer sehr hel­len Stim­me: War­um? — stop

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