Aus der Wörtersammlung: sehen

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babuschka

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echo : 4.12 — Vor eini­ger Zeit hat­te ich einen Text geschrie­ben, den ich nur des­halb notier­te, um ihn mit­tels eines Ver­schlüs­se­lungs­pro­gramms in einen Zustand der Unles­bar­keit zu ver­set­zen. Genau­ge­nom­men hat­te ich den Text mit einer beson­de­ren Haut, mit einer Zeit­haut umge­ben. Um ihn näm­lich lesen zu kön­nen, müss­te man den Text zunächst deco­die­ren, das heißt, solan­ge mit­tels einer Com­pu­ter­ma­schi­ne sei­ne Öff­nung pro­bie­ren, bis der rich­ti­ge Schlüs­sel gefun­den ist. Ges­tern, bei gro­ßer Hit­ze, stell­te ich mir vor, was gesche­hen wür­de, wenn nun nach Tagen, Wochen oder Jah­ren des Rech­nens das suchen­de Pro­gramm mel­den wür­de: Ich bin fün­dig gewor­den! Wie ein mensch­li­cher Ana­lyst sich in die­sem Moment zufrie­den sei­nem Bild­schirm nähert, um fest­zu­stel­len, dass sich hin­ter den Zei­chen eines ver­schlüs­sel­ten Tex­tes wei­te­re ver­schlüs­sel­te Zei­chen befin­den. stop – Auf den ers­ten Blick ist fol­gen­dem kodier­ten Text nicht anzu­se­hen, hin­ter wie vie­len Zeit­häu­ten sein les­ba­rer Ursprung ver­bor­gen lie­gen könn­te: ANFANG === B U C W 0 G c o a G j I B W W f k p h Z L v 0 h 4 Y J j 9 4 4 t m c e K C l x B M b L 4 q T d x Y I w B U v V 3 E b p b X y A z Y B e R 5 C a 9 n b s E B p U I 6 z q 3 Z C 6 a Q A R Q 1 a 8 P I N 1 j T L B b V 9 e O F 0 j 5 G s F f y 5 E M D 3 5 a r / C G 0 j V z 4 v n e u M z p T K W Y t 4 D m s J t e / F E C Y C a j 3 Z L Z / h l x G M W I 4 7 v 8 / B I g H c E / Q 2 F 9 G s W Z i z Q K 0 7 k t O W 7 8 k S k A t q u J Z 5 2 F A u n a J 6 C G B u A 7 R o C u P p D n C m 8 F 7 9 F E e m H / T T 3 K x z S 7 r 3 i 0 y 4 g M Z u m G m x i A q 4 l z d A x i o P m 0 O I b x M i T I x P w X j 5 A I i 1 z c e + T W i i x A + 6 A h k p q h o n a D e M / y s A l y W r i p 4 s Z m m / q X y n 2 o P H R q z g U i + T s H B c z + J v K 3 A a d v j Z F L 9 i R M s C f m W y U d 6S 4 4 O f z l 8 x P z H B W z 1 H 2 6 z Z o z F s C U U D Y v k +Y N F 0 f U t A y k a Y 7 E L j / u N X s s q 1 K 1 V z A C i z K Z Y 7 F N J C q y t x s Q c b W r C 3 k 4 i f V 1 l K u g f b N i P t y O 8 1 7 e l u y x d r o i d 5 d X 3 E D g O V s X i T e e 5 Q q i 0 U 6 E o 3 G 5 y r 2 9 a f a w X M a U U r Q V d b i U A V 8 F e y 4 m k e W b 9 e u b 1 i S W F g m K y 4 P 1 0 m 0 e 3 x 5 V q b N W c v i 3 6 j L h / u O I j K 8 L s t Y B s 9 F 4 l l c Q A h B J s Q h U 6 i b R U 5 B 4 f g 3 f j r 2 C I i k c M q R U C 4 4 F E u o Y i R w A r D x H W u 2 2 P w 9 d 8 f A 1 f A r 3 5 D l V 3 B G p / J m h b h 8 w F n 7 p v x g x z 9 i b / S h F t K M v 6 l 6 W L A 5 r 7 U F R S O k l C f 0 L H B a J h n V y w Q 0 e Y k 9 w 9 y / Z M 4 Y m F W O T m x 4 s s A W 5 w X 2 N z L g 3 + 9 + d x L 7 T 8 U + A Y C U L b T M J y l M + H Q y S F 7 S T D I / 8 O 6 4 K F 0 4 d 7 g v I === ENDE / code­wort : babusch­ka — stop

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ai : MEXICO

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MENSCHEN IN GEFAHR : “Der Men­schen­recht­ler Herón Six­to López ist im mexi­ka­ni­schen Bun­des­staat Oaxa­ca ver­schleppt und getö­tet wor­den. Amnes­ty Inter­na­tio­nal befürch­tet, dass auch sei­ne Fami­lie und Kol­le­gIn­nen in Gefahr sind. Am 20. Juli wur­de die Lei­che des Men­schen­rechts­ver­tei­di­gers Herón Six­to López nahe der Gemein­de San Sebas­tián Teco­maxt­la­huaca im Bun­des­staat Oaxa­ca im Süden Mexi­kos gefun­den. Sie wies min­des­tens sechs Schuss­wun­den auf. Herón Six­to López war am 15. Juli als ver­misst gemel­det wor­den; an die­sem Tag war er zuletzt in sei­nem Büro des Ori­en­tie­rungs- und Bera­tungs­zen­trums für indi­ge­ne Völ­ker (Cen­tro de Ori­ent­a­ción y Ase­so­ría a Pue­blos Indí­ge­nas — COAPI) gese­hen wor­den. Sein Ver­schwin­den wur­de bei der Staats­an­walt­schaft von Oaxa­ca in Jux­tla­huaca offi­zi­ell ange­zeigt. / Herón Six­to López setz­te sich in loka­len Gemein­den für die Rech­te indi­ge­ner Grup­pen ein. So ver­trat er bei­spiels­wei­se das indi­ge­ne Volk der Mix­te­ken in Land­strei­tig­kei­ten. In den letz­ten Mona­ten sei­nes Lebens hat­te er zahl­rei­che anony­me Anru­fe erhal­ten. Einer der Anru­fer sag­te ihm offen­bar, dass man ihn “ver­schwin­den” las­sen wür­de. Seit sei­nem Tod haben sei­ne Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen Vor­fäl­le ange­zeigt, die den Schluss nahe­le­gen, dass sie sich eben­falls in Gefahr befin­den. Am 21. Juli wur­de die Fami­lie nach der Beer­di­gung von Herón Six­to López von einem Auto ver­folgt. / Die Umstän­de, die zum Tod von Herón Six­to López führ­ten, müs­sen noch in vol­lem Umfang geklärt wer­den. Dabei ist es aller­dings wich­tig, dass ein etwa­iger Zusam­men­hang mit sei­ner Men­schen­rechts­ar­beit umfas­send unter­sucht wird.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 5. Sep­tem­ber 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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tabak

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nord­pol : 5.52 — Saß am Strand, schleu­der­te Stei­ne ins Was­ser. Für jeden der geschleu­der­ten Stei­ne klet­ter­te ein Mensch aus dem Was­ser, es waren unge­fähr zwan­zig Stei­ne, die ich warf, also zwan­zig Men­schen. Die­se Men­schen waren von leich­ter Gestalt, Men­schen, deren Haut aus Per­ga­ment zu bestehen schien, sie raschel­ten, indem sie sich beweg­ten. In der Nähe eines Wal­des, der den Strand zum Lan­des­in­ne­ren begrenz­te, knie­ten sie nie­der und began­nen ein­an­der aus der Haut zu hel­fen. Sie gin­gen sehr behut­sam vor und sie summ­ten und wur­den immer lei­ser, denn unter ihrer tro­cke­nen Haut, einer ers­ten Schicht, lag eine wei­te­re, auch die­se Schicht leg­ten sie ab, und immer so fort, bis sie kaum noch zu sehen waren. Zuletzt konn­te ich nur noch eine ein­zel­ne tabak­far­be­ne Gestalt erken­nen, die die Häu­te der ver­schwun­de­nen Men­schen sorg­fäl­tig auf­ein­an­der­schich­te­te und mit Stei­nen beschwer­te. Dann setz­te sie sich neben mich. Sie schien zu war­ten. Ich wach­te auf. — stop
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ein mantel

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papa : 2.45 — Kurz nach Mit­ter­nacht war ich zum Kühl­schrank gelau­fen, um für eini­ge Minu­ten mei­ne rech­te Hand ins Eis­fach zu legen. Als ich wie­der zurück­kehr­te in mein Arbeits­zim­mer, konn­te ich sie ange­nehm deut­lich zu spü­ren, kühl, und auch die war­me, feuch­te Luft auf der Haut mei­nes Kör­pers, ein schwe­rer Man­tel, den ich in die­ser Nacht ein- und aus­at­me, jeder Zug eine flüch­ti­ge Bewe­gung im Hals. Da war noch etwas Selt­sa­mes. An mei­nem Unter­arm ent­deck­te ich ein Gebiet, das ich sehen, jedoch nicht erfüh­len konn­te, als wäre mei­ne Eis­fach­hand nicht län­ger mit mir ver­bun­den. – stop

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seepocken

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oli­mam­bo : 2.18 — Sonn­tag. Gro­ße Hit­ze. — Zum ers­ten Mal habe ich eine Serie Foto­gra­fien betrach­tet, die ich mit einer Kame­ra auf­ge­nom­men hat­te, wäh­rend ich die Fifth Ave­nue in Man­hat­tan süd­wärts spa­zier­te. Ich hat­te nur eine vage Idee, was auf die­sen Foto­gra­fien ein­mal zu sehen sein könn­te, weil ich den Foto­ap­pa­rat mit der rech­ten Hand fest­hielt, die an mei­ner Sei­te bau­mel­te. Ich stell­te mir vor, mei­ne Hand wür­de sich in eine Kame­ra ver­wan­delt haben, die in einem regel­mä­ßi­gen Abstand von etwa 5 Sekun­den je eine Auf­nah­me mach­te. Wie erwar­tet, waren Taschen und Bei­ne, Schu­he, Hosen, Röcke, Papier­kör­be, Ampeln, der Asphalt, Rand­stei­ne, Him­mel, Wol­ken und Tau­ben zu sehen, Dächer sehr hoher Häu­ser, gleich­wohl Kli­ma­an­la­gen, die wie See­po­cken an den Fas­sa­den der Häu­ser sit­zen, Feu­er­lei­tern, Dampf­wol­ken, Gesich­ter von Men­schen, die mir ent­ge­gen­ge­kom­men waren, sie sahen mich an, nicht die Kame­ra, son­dern mich selbst viel­leicht, oder sie sahen vor sich hin, lach­ten, träum­ten. Man­che der Men­schen aßen, eini­ge tru­gen dunk­le Bril­len, weil die Son­ne sehr tief in die Stra­ße leuch­te­te, ande­re hat­ten Hüte auf dem Kopf, es waren ein paar aus­ge­spro­chen müde Gesich­ter dar­un­ter, kaum jemand rauch­te. Ich habe in die­ser Art und Wei­se des Gehens 1524 Auf­nah­men gemacht. Kei­ner der foto­gra­fier­ten Men­schen schien indes­sen bemerkt zu haben, dass ich ihn abge­bil­det hat­te. Aber es ist denk­bar, dass der ein oder ande­re der foto­gra­fier­ten Men­schen mein Tun bemerk­te, nach­dem ich längst vor­über­ge­gan­gen war, ein Gedan­ke, ein Gefühl, ein Ver­dacht, lang­sam, sehr viel lang­sa­mer als das Licht, das ich gera­de noch ein­ge­fan­gen hat­te. — stop

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ein seltsames buch

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echo : 1.18 — Seit zwei Stun­den beob­ach­te ich ein Buch, das kein gewöhn­li­ches Buch ist, son­dern ein selt­sa­mes Buch. Dass es sich um ein selt­sa­mes Buch han­delt, ist dem Buch zunächst nicht anzu­se­hen, weil es sei­ner äuße­ren Gestalt nach, ein übli­ches Buch zu sein scheint. Die­ses hier auf mei­nem Tisch ist von einer blau­en Far­be. Sobald man das blaue Buch in die Hän­de nimmt, wird man aber spü­ren, dass das Buch atmet, weil an sei­ner Rück­sei­te durch fei­ne Lamel­len war­me Luft aus­zu­tre­ten scheint. Das ist des­halb so, weil sich in dem Buch eine Rechen­ein­heit befin­det, ein win­zi­ger Com­pu­ter, der sich mit dem Text oder mit der Geschich­te, die sich in dem Buch befin­det, beschäf­tigt. Es han­delt sich bei dem Buch­kör­per bei genau­er Betrach­tung näm­lich um eine Ver­samm­lung hauch­dün­ner Bild­schir­me, auf wel­chen sich Zei­chen befin­den, Bild­schir­me, die man umblät­tern kann. Was zunächst zu sehen ist, gleich auf wel­cher Sei­te das Buch auf­ge­schla­gen wird, sind eben erwähn­te Buch­sta­ben oder Zif­fern, die sich rasend schnell bewe­gen, sodass man nicht lesen, viel­mehr nur ahnen wird, was sich dort befin­den könn­te. Es ist dies der Moment, da der Com­pu­ter des Buches jenen Text, den man mit eige­nen Augen ger­ne sofort lesen wür­de, zu ent­schlüs­seln beginnt. Ein mög­li­cher­wei­se auf­wen­di­ges, zeit­rau­ben­des Ver­fah­ren. Als ich das Buch kauf­te, konn­te mir der Händ­ler der ver­schlüs­sel­ten Bücher nicht sagen, wie lan­ge Zeit ich war­ten müs­se, bis der Text des Buches für mich sicht­bar wer­den wür­de. Es berei­te­te ihm Freu­de, ich bin mir sicher, aus­zu­spre­chen, was ich längst dach­te, dass die Ent­schlüs­se­lung des Tex­tes eine Stun­de, einen Tag oder zwei­hun­dert Jah­re dau­ern könn­te, das sei immer­hin das Prin­zip, wes­halb man ein Buch die­ser Art erwer­ben woll­te, dass man ein Buch besitzt, von dem man nicht sagen kön­ne, ob es jemals les­bar wer­den wird. — Kurz nach Mit­ter­nacht. — stop

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ludmilla

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echo : 6.12 — Ich habe eine E‑Mail bekom­men. Lesen Sie selbst: Ver­ehr­ter Lou­is, wie geht es Ihnen? Ich hof­fe, Sie sind wohl­be­hal­ten zurück­ge­kehrt von Ihrer Rei­se. Lei­der konn­ten wir uns nicht tref­fen, so wie noch im Janu­ar geplant. Es ist schwie­ri­ger gewor­den, das Haus zu ver­las­sen. Ich füh­le mich nicht län­ger sicher auf der Stra­ße. Aber auch unter mei­nem eige­nen Dach habe ich immer wie­der das Gefühl, beob­ach­tet zu wer­den. Ich neh­me an, es exis­tie­ren längst Ideen über mich, viel­leicht wird man sagen: Er könn­te nun doch ver­rückt gewor­den sein. Aber natür­lich weiß ich, was ich tue und wovor ich mich fürch­te. Im April war ich noch lan­ge Stun­den am Strand unter­wegs gewe­sen, besuch­te mei­ne Freun­din Lud­mil­la, die abends vor dem Board­walk mit ihren Freu­den im kal­ten See­wind sitzt. Ihr gehört jetzt ein Roll­stuhl, den sie von eige­ner Hand bewe­gen kann, weil sie zäh und leicht ist, Sie wür­den stau­nen. Irgend­wann muss ich das Haus wie­der ver­las­sen, das ist mir Her­zens­wunsch, ich kann Lud­mil­la doch nicht ver­lie­ren, ohne sie noch ein­mal gese­hen zu haben. Im Dezem­ber wird sie 92 Jah­re alt, da kann man an das Ende schon ein­mal den­ken, nicht wahr! Nun, ich will nicht kla­gen, bin sehr vor­sich­tig gewor­den. Wenn ich zum Ein­kau­fen gehe ein­mal in der Woche, dann nie­mals allein, son­dern immer in der Beglei­tung eines alten Freun­des. Sie wer­den ver­ste­hen, dass ich sei­nen Namen nicht erwäh­ne. Er ist zuver­läs­sig, hilft mir beim Tra­gen der Fla­schen. Was ich sonst noch benö­ti­ge, las­se ich mir kom­men. Ich erin­ne­re mich, jetzt, da ich hier sit­ze und schrei­be, dass ich als Kind ein­mal über­leg­te, eine Spra­che zu erfin­den, die nur ich ver­ste­hen kann. Ich hat­te mir vor­ge­nom­men, alle Wör­ter, die ich kann­te, in mei­ne neue Spra­che zu über­set­zen. Ich woll­te ler­nen, mit­tels die­ser Wör­ter zu den­ken. Seit weni­gen Tagen arbei­te ich nun dar­an, mir genau die­sen uralten Wunsch zu erfül­len. Ist das nicht wun­der­bar! Viel­leicht wer­de ich mich bald wie­der sicher füh­len. See­mö­wen sit­zen auf dem Bal­kon, ihre Augen wir­ken bei­zei­ten so, als wären sie Objek­ti­ve, die man füt­tern kann. Genug! Es ist Sonn­tag. Mor­gen wer­de ich Ihnen einen Brief von Papier über­mit­teln, in wel­chem ich eine Lis­te von Wör­tern ver­merk­te, die Sie in Zukunft bit­te nicht wei­ter ver­wen­den, wenn Sie mir eine E‑Mail schrei­ben. Sie wis­sen, wo der Brief zu fin­den ist. Bis bald, mein lie­ber Lou­is. Ihr Micha­el – stop

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ai : SYRIEN

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MENSCH IN GEFAHR : “Der Akti­vist Ali Mah­moud Oth­man wur­de im März 2012 in der Pro­vinz Alep­po fest­ge­nom­men und befin­det sich seit­dem an einem unbe­kann­ten Ort in Haft. Er gehör­te einem Netz­werk von Akti­vis­ten an, das in der Stadt Homs ein pro­vi­so­ri­sches Medi­en­zen­trum unter­hielt. Es gab Film­ma­te­ri­al an Nach­rich­ten­agen­tu­ren wei­ter und half aus­län­di­schen Jour­na­lis­ten, wäh­rend des mili­tä­ri­schen Angriffs auf das Vier­tel Baba Amr im Febru­ar 2012 nach Homs hin­ein­zu­kom­men bezie­hungs­wei­se die Stadt zu ver­las­sen. / Von einem ande­ren syri­schen Akti­vis­ten hat Amnes­ty Inter­na­tio­nal erfah­ren, dass Regie­rungs­kräf­te Ali Mah­moud Oth­man eine Kurz­mit­tei­lung geschickt hat­ten, um ihn an einen bestimm­ten Ort zu locken, wo er dann fest­ge­nom­men wur­de. Im April 2012 strahl­te das syri­sche Staats­fern­se­hen ein Inter­view mit Ali Mah­moud Oth­man aus, in dem man ihm Fra­gen zu sei­ner Betei­li­gung an der Pro­test­be­we­gung in Homs und zu sei­nen Medi­en­ak­ti­vi­tä­ten stell­te. Er wur­de zudem gefragt, wes­halb die Pro­tes­te sei­ner Ansicht nach trotz der von Prä­si­dent Bas­har al-Assad ein­ge­lei­te­ten Refor­men unver­min­dert wei­ter­gin­gen. Akti­vis­ten in Syri­en sind der Ansicht, dass das Inter­view nicht glaub­haft ist und Ali Mah­moud Oth­man dazu gezwun­gen wur­de. / Seit die­sem Fern­seh­in­ter­view fehlt von Ali Mah­moud Oth­man jede Spur. Im Novem­ber 2012 sag­te ein außer­halb Syri­ens leben­der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ger Amnes­ty Inter­na­tio­nal, die Fami­lie habe aus inof­fi­zi­el­ler Quel­le erfah­ren, dass Ali Mah­moud Oth­man in das berüch­tig­te Mili­tär­ge­fäng­nis Sayd­na­ya nahe Damas­kus gebracht wor­den sei.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 25. Juni 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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paris — mumbai

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tan­go : 3.55 — Eine ange­neh­me Nacht. Lei­ses Regen­ge­räusch. Ich habe über die Erfin­dung flie­gen­der Pflan­zen nach­ge­dacht, über Pflan­zen, die zeit­le­bens den Erd­bo­den nie­mals berüh­ren. Gegen drei Uhr dann einen Brief an Hen­ry geschrie­ben. Lie­ber Hen­ry, anbei die Stre­cke Paris — Mum­bai in Wor­ten, so wie sie der Com­pu­ter aus­ge­rech­net hat. Ich habe für das tür­ki­sche Staats­ge­biet eini­ge Lücken gelas­sen, da ich ent­spre­chen­de Zei­chen­sät­ze nicht fin­den konn­te, um Städ­te und Dör­fer kor­rekt dar­zu­stel­len. Von die­sen Gebie­ten ein­mal abge­se­hen, soll­te Dei­ne Rou­te voll­stän­dig vor­ge­schrie­ben sein. Du wirst, sofern alles gut gehen wird, nach 105 Stun­den Bom­bay errei­chen. Natür­lich darfst Du nicht anhal­ten, am bes­ten reist Du in Beglei­tung. Das Pro­gramm gab fol­gen­den war­nen­den Hin­weis: Unse­re Anga­ben die­nen nur zu Pla­nungs­zwe­cken. Es ist mög­lich, dass die Ver­kehrs­ver­hält­nisse auf­grund von Bau­stel­len, Ver­kehr, Wet­ter oder ande­ren Fak­to­ren von den hier dar­ge­stell­ten Vor­schlä­gen abwei­chen. Sie soll­ten daher Ihre Rei­se ent­spre­chend pla­nen und alle Ver­kehrs­schil­der oder Hin­weise bezüg­lich Ihrer Rou­te beach­ten. Ich wün­sche Dir, lie­ber Hen­ry, eine gute Rei­se. Dein Lou­is > Rou­te nach Mum­bai Cen­tral, Mum­bai, Maha­rash­tra, Indi­en 9.302 km – ca. 105 Stun­den Paris, Frank­reich‎ 1. Auf Rue de Rivo­li nach Wes­ten Rich­tung Rue du Renard star­ten 69 m wei­ter gesamt 69 m 2. Leicht links abbie­gen auf Rue de la Cou­tel­le­rie Ca. 56 Sekun­den 140 m wei­ter gesamt 210 m 3. Rechts abbie­gen auf Av. Vic­to­ria 32 m wei­ter gesamt 240 m 4. 1. Abzwei­gung links neh­men, um auf Rue Saint-Mar­tin zu wech­seln 71 m wei­ter gesamt 300 m 5. 1. Abzwei­gung links neh­men, um auf Quai de Ges­v­res zu wech­seln Ca. 1 Minu­te 160 m wei­ter gesamt 450 m 6. Wei­ter auf Quai de l’Hôtel de ville Ca. 1 Minu­te 600 m wei­ter gesamt 1,1 km 7. Wei­ter auf Quai des Céles­tins Blitz­ge­rät inner­halb von 200 m 260 m wei­ter gesamt 1,3 km 8. Wei­ter auf Quai Hen­ri IV Ca. 1 Minu­te 750 m wei­ter gesamt 2,1 km 9. Wei­ter auf Voie Mazas Ca. 1 Minu­te 950 m wei­ter gesamt 3,0 km 10. Wei­ter auf Quai de Ber­cy Ca. 2 Minu­ten 1,5 km wei­ter gesamt 4,5 km 11. A3 A6 Péri­phé­ri­que Por­te de Ber­cy Cha­ren­ton Die Auf­fahrt Rich­tung A3/A6/Périphérique/Porte de Bercy/Charenton neh­men 270 m wei­ter gesamt 4,8 km 12. An der Gabe­lung rechts hal­ten und wei­ter Rich­tung A4 70 m wei­ter gesamt 4,8 km 13. An der Gabe­lung rechts hal­ten und wei­ter Rich­tung A4 120 m wei­ter gesamt 5,0 km 14. An der Gabe­lung rechts hal­ten und wei­ter Rich­tung A4 27 m wei­ter gesamt 5,0 km 15. A4 Metz Nan­cy Mar­ne la Val­lée Cré­teil An der Gabe­lung rechts hal­ten, Beschil­de­rung in Rich­tung A4/Metz/Nancy/Marne la Vallée/Créteil fol­gen und wei­ter auf A4 Teil­weise gebüh­ren­pflich­tige Stra­ße Blitz­ge­räte ab 7,4 km > …

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vor den mangroven

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del­ta : 2.25 — Es darf nicht sein, dass Leu­te einem den Film kaputt machen. Man­chen habe ich schon das Essen aus der Hand geris­sen und weg­ge­wor­fen. Man muss sie ver­prü­geln oder bedro­hen, sonst ist der Film ver­dor­ben, man hat das Recht sie umzu­brin­gen, damit sie auf­hö­ren. Aber Mord ist kei­ne sehr gute Lösung, nach­her wird man noch ver­haf­tet, bevor der Film zu Ende ist. Als ich die „Lady von Shang­hai“ das letz­te Mal gese­hen habe, woll­te ich nicht ein­fach nur mit Rita Hay­worth schla­fen: Ich woll­te Sex mit ihr in Schwarz­weiß! Viel­leicht könn­te man das mit Kon­takt­lin­sen oder einer Bril­le hin­krie­gen, die alles in Mono­chrom ver­wan­delt. Das ist eine selt­sa­me Sache, dass ihre Lip­pen nicht rot sind. Und das liegt nicht am Lip­pen­stift. Ihr Mund hat die­se beson­de­re Far­be, weil er in die­sem silb­ri­gen Schwarz­weiß gefilmt wor­den ist. Sie ist ein Fetisch­ob­jekt, nicht nur, weil sie so schön ist, son­dern weil Wel­les’ Kame­ra sie foto­gra­fiert hat. Des­halb möch­te man nicht nur ein­fach Sex mit Rita Hay­worth, man möch­te genau mit die­ser Figur aus dem Film schla­fen. Der Grund, war­um ich sexu­ell total ver­küm­mert bin, liegt in mei­nem Schei­tern, den fil­mi­schen Vor­bil­dern gerecht zu wer­den. Im ech­ten Leben spielt sich Sex nie­mals in Schwarz­weiß ab. — Die­se klei­ne Geschich­te, die eigent­lich aus zwei Geschich­ten besteht, erzähl­te Jack Angst­reich gera­de noch in dem wun­der­vol­len Film Cine­ma­nia von Ange­la Christ­lieb und Ste­phen Kijak, einer Doku­men­ta­ti­on, die von dem Leben lei­den­schaft­li­cher Kino­gän­ger in New York berich­tet. — 2:15 Uhr. Regen nach wie vor, küh­ler, hell­grau­er Herbst­re­gen. Es könn­te sein, dass die­ser Regen nie wie­der auf­hö­ren wird. In eini­gen tau­send Jah­ren bald beweg­ten sich amphi­bi­sche Eich­hörn­chen vor mei­nem Fens­ter durchs Man­gro­ven­ge­biet. Eben­so denk­bar ist, dass ich zu die­sem Zeit­punkt über zuge­spitz­te Fin­ger­bee­ren ver­fü­gen wer­de, geeig­net, jede der fili­gra­nen Tas­ta­tu­ren moder­ner Tele­fon­ap­pa­ra­te feh­ler­frei und gelas­sen bespie­len zu kön­nen. — stop
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