Aus der Wörtersammlung: finger

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karawane

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del­ta : 0.02 — Auf dem Broad­way wan­der­te eine Kara­wa­ne mensch­li­cher Trä­ger süd­wärts. Ich folg­te die­ser merk­wür­di­gen Erschei­nung von der 30. bis zur 8. Stra­ße an einem win­di­gen Tag. Die Son­ne leuch­te­te tief vom Hud­son her, Staub war in der Luft, die Män­ner, die sich sehr lang­sam beweg­ten, hus­te­ten und nies­ten. Sie waren alle sehr ordent­lich geklei­det, Anzü­ge von dun­kel­grau­er Far­be und Kra­wat­ten in unter­schied­li­cher Mus­te­rung. Außer­dem tru­gen sie fin­ger­brei­te Schil­der über ihren Her­zen von japa­ni­schen Schrift­zei­chen besetzt. Ich erin­ne­re mich, dass ich mich wun­der­te, weil die Män­ner nicht mit­ein­an­der spra­chen. Sie bil­de­ten eine lini­en­för­mi­ge Ein­heit, einer der Trä­ger führ­te die­se Linie an, er war sozu­sa­gen ihr Kopf. Sobald die­ser Mann nun eine Kreu­zung erreich­te, blieb er ste­hen und war­te­te, bis die Ampel der Kreu­zung zunächst rot wur­de und dann wie­der grün. Ein Mann stand jetzt exakt hin­ter dem ande­ren, in dem sie sehr geschickt ihren Bal­last auf ihren Köp­fen balan­cier­ten, jeder Trä­ger einen Kar­ton. Indes­sen schien die Kara­wa­ne der grau­en Män­ner jenen Men­schen, die mit oder gegen ihre Lauf­rich­tung über die Stra­ßen eil­ten, nicht beson­ders auf­zu­fal­len. Für einen Moment hat­te ich die Idee, sie wären viel­leicht unsicht­bar, genau­er, sie wären nur für mich sicht­bar gewe­sen, rei­ner Unsinn natür­lich, weil der Raum, den die Kara­wa­ne auf Geh­we­gen und Stra­ße ein­ge­nom­men hat­te, respek­tiert wur­de. Etwa drei Kilo­me­ter lie­fen sie so ruck­wei­se süd­wärts dahin, um dann in der 8. Stra­ße in einem Back­stein­haus zu ver­schwin­den. Ende der Geschich­te einer Beob­ach­tung. Es ist Mon­tag. In den Kas­ta­ni­en vor dem Fens­ter das Sum­men der Nacht­bie­nen. – stop
ping

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rosen

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echo : 5.26 — Ich erin­ne­re mich an einen Mann, den ich im Febru­ar in Man­hat­tan beob­ach­tet hat­te, wie er durch Sub­way Sta­tio­nen wan­der­te. Er sah ein wenig aus wie Art Gar­fun­kel in jün­ge­ren Jah­ren, trug einen hel­len Anzug, um den Hals war ein roter Schal gewi­ckelt, außer­dem hielt er einen Strauß unsicht­ba­rer Rosen im Arm. Die­se nicht sicht­ba­ren, aber sehr wohl exis­tie­ren­den Rosen nun, ver­schenk­te er an Frau­en, die auf Züge war­te­ten. Wenn er sich einer Frau genä­hert hat­te, mach­te er eine leich­te Ver­beu­gung und ent­nahm kurz dar­auf mit der rech­ten Hand aus der Rosen­wie­ge sei­nes lin­ken Armes eine Blu­me. Er hielt sie mit drei Fin­gern vor­sich­tig fest, um sie in einer wei­te­ren, tie­fe­ren Ver­beu­gung zu über­rei­chen. Dann setz­te er sei­nen Weg fort, ohne ein Wort gespro­chen zu haben. Manch­mal ver­zog er sein Gesicht, ver­mut­lich weil er sich an einer der Rosen­dor­nen gesto­chen hat­te, aber bald lach­te er wie­der und mach­te eine fröh­li­che Mie­ne. Für einen Beob­ach­ter wie mich war das eine auf­re­gen­de Geschich­te. Des­halb folg­te ich dem Mann an einem sehr kal­ten Vor­mit­tag in einen Zug, der in süd­li­cher Rich­tung fuhr. Als der Rosen­ka­va­lier näm­lich das Ende des Bahn­stei­ges erreicht hat­te, stieg er in den nächst­bes­ten Wag­gon, setz­te sich dort auf eine Bank und war­te­te dar­auf, an der nächs­ten Sta­ti­on wie­der aus­stei­gen zu kön­nen. Fried­lich saß er unter den Fahr­gäs­ten, zupf­te immer wie­der ein­mal an sei­nen Rosen her­um, ord­ne­te die Wick­lung sei­nes Scha­les, dann stieg er aus und mach­te sich wie­der­um auf den Weg über den Bahn­steig, um dort ver­sam­mel­te Frau­en zu begrü­ßen, und zwar jede Frau ohne Aus­nah­me, sofern sie nicht vor ihm flüch­te­ten oder vor­ga­ben, blind zu sein. Man­che der Frau­en lach­ten und bedank­ten sich, vie­le schie­nen den Mann zu ken­nen. Eine fei­ne, berüh­ren­de Erfah­rung, ins­be­son­de­re des­halb, weil ich dem Mann nahe kom­men konn­te, ohne dass er je auf mich reagiert hät­te. — Exis­tie­ren even­tu­ell unsicht­ba­re Vasen in Queens, Brook­lyn, Har­lem, der Bronx? — stop

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five dollars

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romeo : 0.05 — In einer Sub­way Sta­ti­on unter dem Times Squa­re kau­er­te im Febru­ar ein dun­kel­häu­ti­ger Mann, der sei­ne Hän­de so schnell über eine Bat­te­rie von Eimern beweg­te, dass sie kaum noch wahr­nehm­bar waren, Schat­ten in der Luft, Unschär­fen. Der Mann war etwa 50 Jah­re alt, Drum­mer, ein Per­kus­sio­nist von Bedeu­tung. Hun­der­te Men­schen umring­ten ihn, klatsch­ten, tanz­ten, san­gen zu sei­nen wil­den Rhyth­men. Auf dem Boden vor dem Mann aus­ge­brei­tet lag ein Tuch der New Yor­ker Metro­po­li­tan Trans­por­ta­ti­on Aut­ho­ri­ty, Arts for Tran­sit, Muny, ein Zei­chen, das ihn als einen von der Stadt geschütz­ten Künst­ler aus­wies. Die­ser zier­li­che Schlag­zeu­ger nun ist mir nicht allein sei­ner Kunst wegen in Erin­ne­rung geblie­ben, son­dern auch des­halb, weil er eine sehr wir­kungs­vol­le Metho­de ent­deckt hat­te, Geld ein­zu­neh­men. Sobald näm­lich einer der Zuhö­rer sei­ne Foto­ka­me­ra auf ihn rich­te­te, unter­brach er sein Spiel, deu­te­te mit einem Fin­ger auf den Appa­rat und rief: 5 Dol­lars. Man kann sich das viel­leicht vor­stel­len, die­se Stil­le, die von einer Sekun­de zur ande­ren Sekun­de herrsch­te, wie der Foto­gra­fie­ren­de vom Publi­kum mah­nend ins Auge genom­men wur­de, wenn die Zah­lung nicht unver­züg­lich erfolg­te. Indes­sen war auch eine Flucht mit Kame­ra für die ver­sam­mel­te Gemein­schaft der Genie­ßen­den nicht wirk­lich nütz­lich, weil selbst dann, wenn einer der ange­spro­che­nen Räu­ber mit sei­nem digi­ta­len Bild in der Auf­nah­me­ma­schi­ne flüch­te­te, spiel­te der Schlag­zeu­ger nicht wei­ter. Er hielt so lan­ge inne, bis ein wei­te­rer, ein Zuhö­rer ohne Kame­ra viel­leicht, die offe­ne Rech­nung des Ver­schwun­de­nen bezahl­te. Ein klei­nes Wun­der, eine Art Geld ansau­gen­der Pum­pe, die einen Unter­druck mit­tels aus­blei­ben­dem Geräu­sches erzeug­te. It works. — stop

ping

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koffer unsichtbar

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echo : 0.03 — Mein Vater war ein Lieb­ha­ber tech­ni­scher Mess­ge­rä­te. Er notier­te mit ihrer Hil­fe Dau­er und Kraft des Son­nen­lichts bei­spiels­wei­se, das auf den Bal­kon über sei­nem Gar­ten strahl­te. Die Tem­pe­ra­tu­ren der Luft wur­den eben­so regis­triert, wie die Men­ge des Regens, der in den war­men Mona­ten des Jah­res vom Him­mel fiel. Selbst die Bewe­gun­gen der Gold­fi­sche im nahen Teich wur­den ver­zeich­net, Erschüt­te­run­gen des Erd­bo­dens, Tem­pe­ra­tu­ren der Pro­zes­so­ren sei­ner Com­pu­ter­ma­schi­ne. Es ist merk­wür­dig, bei­na­he täg­lich gehe ich zur­zeit auf die Suche, weil wie­der irgend­ei­ne die­ser Mess­ap­pa­ra­tu­ren einen piep­sen­den Ton von sich gibt, als ob mein Vater mit­tels sei­ner Maschi­nen noch zu mir spre­chen wür­de. Indes­sen habe ich seit zwei Tagen Kennt­nis von einer Foto­gra­fie, die mich neben mei­nem ster­ben­den Vater zeigt. Ich sit­ze auf einem Stuhl, mein Vater liegt in einem Bett. Es ist ein Bild, das ich zunächst kaum anzu­se­hen wag­te. Ich habe tat­säch­lich eine Hand vor Augen gehal­ten und zwi­schen mei­nen Fin­gern her­vor gespäht. Jetzt ist mir warm, wenn ich das Bild betrach­te. Die Foto­gra­fie zeigt einen fried­li­chen Moment mei­nes Lebens. Etwas geschieht, wovor ich mich lan­ge Zeit gefürch­tet habe. Wei­nen und Lachen fal­ten sich, wie Hän­de sich fal­ten. Mut­ter irrt zwi­schen Haus und Fried­hof hin und her, als wür­de sie irgend­ei­ne unsicht­ba­re Ware in gleich­falls unsicht­ba­ren Kof­fern tra­gen. — stop

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erfundene fotografie mit kamelen

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del­ta : 0.22 – Kame­le sind Tie­re, die ich schon immer moch­te. Sie erschei­nen mir ver­traut, als hät­te ich einen Teil mei­nes Lebens unter Kame­len zuge­bracht. Ihre gro­ßen Augen, die leicht aus dem Kopf her­vor­ste­hen, ihr sam­tig led­ri­ger Mund, ihr Geruch, ihr war­mer Bauch, das wei­che dich­te Fell. Ich erin­ne­re mich, dass man mir vor lan­ger Zeit ein­mal erzähl­te, ich sei wäh­rend mei­ner Besu­che mit mei­nem Vater im zoo­lo­gi­schen Gar­ten immer wie­der gern bei den Kame­len gewe­sen. Auch soll mein Vater mich auf den Schul­tern getra­gen haben, wäh­rend ich sei­nen gro­ßen Kopf mit mei­nen klei­nen Armen umfass­te. Merk­wür­dig ist, dass ich mich an kei­ne Foto­gra­fie erin­ne­re, die mich dort oben als einen stol­zen Rei­ter zeigt, ver­mut­lich des­halb, weil mein Vater vor Jah­ren der ein­zi­ge Foto­graf der Fami­lie gewe­sen war. Es exis­tie­ren über­haupt nur weni­ge frü­he Bil­der, die ihn und mich gemein­sam zei­gen. Und so habe ich nun fol­gen­des pro­biert. Ich habe eine Foto­gra­fie in mei­nem Kopf illu­mi­niert, ein Doku­ment, das nie exis­tier­te und doch sehr wirk­lich wer­den könn­te, wenn ich nur lan­ge genug dar­an arbei­te. Das Doku­ment ist eine Schwarz-Weiß-Auf­nah­me. Sie zeigt einen Mann in wei­ten dunk­len Hosen, mit hel­lem Hemd, das ist mein Vater. Auf sei­nen Schul­tern sitzt ein klei­ner Jun­ge, auch er trägt ein hel­les Hemd, San­da­len und kur­ze Leder­ho­sen, das bin ich. Über uns ver­zweigt sich ein Ulmen­baum. Es ist ein mäch­ti­ger Baum. In sei­nem Schat­ten hin­ter einem Zaun ste­hen zwei Kame­le, sie schau­en uns an. Da ist noch ein Fla­min­go­vo­gel, hung­ri­ge Gestalt, der auf einem Bein mit­ten auf dem Spa­zier­weg steht. Das sieht alles schon sehr gut aus, fin­de ich. Ich habe mir die­ses Bild vor­ge­stellt, bis ich es so genau vor mir sehen konn­te, dass ich es auf einem vor­ge­stell­ten Tisch dre­hen und wen­den könn­te. Mein Vater, den ich jetzt in die­ser Wei­se sehen kann, war ein jun­ger Mann, der lach­te. Er zeig­te in die Rich­tung der Kame­le. Und auch ich zeig­te mit einem Fin­ger in die Rich­tung der Kame­le und auch ich lach­te. Es war Som­mer. — stop
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ein engel im koffer

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zou­lou : 2.18 — Jeder Mensch soll­te für Zei­ten der Sor­ge, der Furcht, der inne­ren Not über einen Kof­fer klei­ner Geschich­ten gebie­ten, Geschich­ten, die man sich selbst erzäh­len kann, ohne die Lip­pen öff­nen zu müs­sen, hei­te­re, tröst­li­che Kopf­ge­schich­ten, Geschich­ten, die sich bei Tag und bei Nacht, auch eben im Dun­keln ereig­nen. Ich selbst tra­ge seit bald 15 Jah­ren einen Kof­fer die­ser Art mit mir her­um. Manch­mal, wenn ich an mei­nen Kof­fer den­ke, fan­ge ich an zu lachen, ohne ihn noch geöff­net zu haben. Es ist ein Kof­fer, – jeder, der selbst einen Behäl­ter die­ser Art besitzt, wird das wis­sen -, der durch sei­ne rei­ne, gehei­me Anwe­sen­heit bereits wirk­sam wer­den kann. Man­che mei­ner Geschich­ten sind kur­zen Fil­men ähn­lich, sie ver­fü­gen über kaum eine Hand­lung, und weil ich sie mir immer wie­der vor­stel­le oder erzäh­le, sind sie zu wah­ren Geschich­ten gewor­den. Ein­mal, zum Bei­spiel, in einem weit in der Zeit zurück­lie­gen­den Som­mer saß ich auf mei­nem Sofa und las in irgend­ei­nem Buch her­um. Als ich kurz zum Fens­ter sah, flat­ter­te ein Zitro­nen­fal­ter vor­über, er flog von links nach rechts, und zwar sehr gera­de, das heißt in ein und der­sel­ben Höhe. Kaum war er ver­schwun­den kehr­te er wie­der, die­ses Mal flog er von rechts nach links, war nun aller­dings nicht mehr allein, ein Engel, groß wie ein Men­schen­fin­ger, folg­te ihm. Die­ser hell­häu­ti­ge Engel ver­such­te in der Art und Wei­se der Zitro­nen­fal­ter zu flie­gen. Er hat­te eine Flie­ger­bril­le auf den Kopf gesetzt und sei­ne äußerst fili­gra­nen Arme über einem run­den Bauch gefal­tet, er flog näm­lich auf dem Rücken und stürz­te aus die­ser unge­wöhn­li­chen Hal­tung ab. Bald war der Zitro­nen­fal­ter vor mei­nem Fens­ter ver­schwun­den gewe­sen, aber der Engel kam wie­der und wie­der vor­bei in dem Ver­such, ein Fal­ter zu sein. Sei­ne Stür­ze waren so senk­recht wie plötz­lich, ein tap­fe­res Wesen, das nicht auf­ge­ben woll­te. Ich las dann bald wei­ter in irgend­ei­nem Buch, und war glück­lich, wür­de ich sagen. – 2 Uhr Nacht. Lou Donald­son Cal­lin’ all cats. — stop
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manhattan midtown — käfer der stille

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echo : 0.18 — Wie vie­le Cent wür­den Käfer kos­ten, die sich in mei­ne Ohren schmie­gen und von der Stil­le sum­mend erzäh­len? In wel­cher Art Woh­nung hau­sen Käfer, die von der Stil­le erzäh­len? Was und wie viel wür­den sie fres­sen? Sind Orte bekannt, da ihre Lieb­lings­spei­sen zur Abho­lung lagern? Leben Käfer der Stil­le für sich oder leben sie in Grup­pen? All die­se Fra­gen! All die­se Fra­gen! — Ich habe ein klei­nes Loch in den Zei­ge­fin­ger­strumpf mei­nes rech­ten Hand­schuhs fabri­ziert, um in der Käl­te mei­ne iPad-Schreib­ma­schi­ne bedie­nen zu kön­nen. Aber es ist warm gewor­den in New York. 15 °C. Regen. Alles dampft. Auf den Dächern der Häu­ser schnur­ren die Tur­bi­nen. — stop

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tastende fingerohren

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alpha : 15.01 — Seit Wochen mobi­li­siert eine jun­ge Frau mei­nen rech­ten Arm in Por­tio­nen der Zeit, die wohl­tu­end sind. Eine eigen­ar­ti­ge Erfah­rung. Als wür­de sich die jun­ge Frau mit mei­nem Arm unter­hal­ten in einer Spra­che kom­pli­zier­ter Bewe­gung. Deh­nen. Stre­cken. Dre­hen. Zie­hen. Drü­cken. Krei­sen. Strei­chen. Dann Pha­sen der Ruhe. Bald scheint sie in mei­nen Arm hin­ein­zu­hö­ren, als ob ihre Fin­ger über sen­si­ble Ohren ver­füg­ten, tas­ten­de Ohren, die nach Bewe­gun­gen mei­ner Seh­nen, mei­ner Mus­keln fra­gen. Ein fei­nes Gehör. Eine Spra­che nach­hal­ti­ger Argu­men­te, die mei­ne Mus­keln aus ihrer Schutz­span­nung lösen. Das Gespräch der Hän­de, Beschwö­rung, nach­drück­lich, auch Ermun­te­rung, Ermu­ti­gung: Erin­nert Euch! – Schnee über Nacht. Sturm­wind auf den Ber­gen. Doh­len sind ins Tal gekom­men. — stop.

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alpenregen

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echo

~ : oe som
to : louis
sub­ject : ALPENREGEN
date : okt 31 11 10.52 p.m.

Bes­ten Dank, lie­ber Lou­is, für das fei­ne Ton­ma­te­ri­al, das Du uns gesen­det hast. Wir haben Dei­ne Alpen­re­gen­ge­räu­sche am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag zu Noe in die Tie­fe über­mit­telt. Gro­ße Freu­de! Gleich­wohl sehnt Noe sich nach wie vor eine Uhr her­bei, die wir ihm lei­der nicht gewäh­ren kön­nen. Es ist nun fol­gen­des gesche­hen. Noe press­te, viel­leicht zunächst ohne einen Vor­satz, sei­ne rech­te Hand gegen die Innen­sei­te sei­nes Tau­cher­an­zu­ges und konn­te in die­ser Wei­se Pul­se erspü­ren. Von die­sem Moment an zähl­te Noe die Schlä­ge sei­nes Her­zens, er zähl­te bis er die Zahl 70 erreich­te, eine Minu­te Zeit, seit zwei Tagen immer­zu der­sel­be Pro­zess der Zäh­lung mit lau­ter Stim­me, eine Demons­tra­ti­on sei­ner Wil­lens­stär­ke, die uns nach und nach unheim­lich wird, Noe, eine Uhr, auch schla­fend, däm­mernd, träu­mend, eine Uhr, ver­dammt, ich war mehr­fach ver­sucht gewe­sen, Noes Mikro­phon aus­zu­schal­ten, Ruhe an Bord, eine Gewalt­tat, die Bewe­gung eines klei­nen Fin­gers nur, Stil­le, und doch nicht Stil­le, weil ich die Fort­set­zung des Zäh­lens in der Tie­fe anneh­men müss­te, ein­und­fünf­zig, zwei­und­fünf­zig, drei­und­fünf­zig. Kurz nach 10 Uhr, eis­kal­te Nacht, auf­kom­men­der Wind von Nord­west, wir haben schwe­ren See­gang zu erwar­ten. Dein OE SOM – Ahoi!

gesen­det am
31.10.2011
1166 zeichen

oe som to louis »

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coleoptera rasura

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tan­go : 10.12 — Eine zier­li­che Frau von hohem Alter. Sie schob einen Roll­wa­gen vor sich her, auf dem zwei Kof­fer ruh­ten. Ele­gan­te Klei­dung, sand­far­ben, leich­te Som­mer­schu­he, links in der Hand eine Tasche von gel­bem Leder, der ein Kabel ent­kam, das ein paar Kopf­hö­rer und ein Mikro­fon mit einem Tele­fon ver­band. Das Tele­fon war nicht sicht­bar gewe­sen, aber die Frau sprach in das Mikro­fon, das sich in der Nähe ihres Mun­des befand, als wür­de sie tele­fo­nie­ren. Hin und wie­der blieb sie ste­hen, ihre wei­ßen Hän­de flat­tern dann in der Luft her­um, als woll­te sie zur Unter­stüt­zung ihrer Zun­ge mit Fin­gern arti­ku­lie­ren. Ich ver­such­te, sie anzu­spre­chen, zu grü­ßen, ihr nahe­zu­kom­men, um hören zu kön­nen, in wel­cher Spra­che sie kor­re­spon­dier­te. Ich sage Euch, sie flüs­ter­te unbe­kann­te Wör­ter. Ein­mal öff­ne­te sie einen ihrer Kof­fer. Sie gab mir ein Zei­chen, ich knie­te nie­der. In dem Kof­fer hock­ten Käfer in Fächern, zwei Käfer je in einem Fach. Ihre Kör­per waren von der Far­be und Zeich­nung der Bruyè­re­höl­zer gewe­sen, und sie brumm­ten, viel­leicht des­halb, weil an der Stel­le, da sich übli­cher­wei­se Käfer­zan­gen befin­den, knö­cher­ne Trom­meln in rasen­der Geschwin­dig­keit rotier­ten. Gegen Vier­tel nach zwei Uhr erwacht. Wol­ken­lo­ser Him­mel, Ster­ne, eis­kal­te Luft nahe der Ber­ge über dem Dach. — stop



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