Aus der Wörtersammlung: finger

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flugpanther

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india : 6.02 — Auf das Grab mei­nes Vaters fal­len Früch­te eines Bau­mes, der schon im letz­ten Jahr an Ort und Stel­le gestan­den haben muss. Da war vom Grab mei­nes Vaters weit und breit noch nichts zu sehn, aber es war schon die Rede vom ihm, ganz heim­lich, in Gedan­ken, der Vater könn­te ster­ben. Eich­hörn­chen suchen zwi­schen Astern­bü­schen nach Eicheln, auf­ge­regt, der ers­te Schnee ist gefal­len, es ist ein Schnee, der wie­der an die Zeit den­ken lässt, die ver­gan­gen ist und noch ver­ge­hen wird, wes­halb wir trau­rig wer­den, weil mein Vater den Schnee des letz­ten Jah­res noch mit sei­nen Augen sehen konn­te und jetzt nicht mehr sieht, ein Schnee ohne ihn, was wie­der­um ein selt­sa­mer Gedan­ke ist, weil es ein­mal einen Schnee ohne uns alle geben wird, und das ein oder ande­re Grab, auf dem Eich­hörn­chen nach Eicheln suchen oder wei­te­ren Nüs­sen. Wie sie zit­tern und beben, die Käl­te, aber auch des­halb viel­leicht, weil sie so gespannt sind, so auf­merk­sam, weil Raben in den Bäu­men sit­zen, die hung­rig sind, flie­gen­de Pan­ther. Wie schnell man doch sein Leben ver­lie­ren kann, kaum hun­dert Jah­re ver­ge­hen und schon ist man sehr wahr­schein­lich tot, eine ver­damm­te Sache, das Älter­wer­den bis man zum Ster­ben alt gewor­den ist, wenn man Glück hat, wenn man nicht vor dem Alt­sein stirbt. Wie mein Vater neben mei­ner Mut­ter am Fens­ter steht. Ein frü­her Mor­gen, ein Janu­ar­sonn­tag. Ich zieh mei­nen Kof­fer über den ver­schnei­ten Weg, auf dem noch kei­ne Fuß­spu­ren zu sehen sind. 10 Stun­den spä­ter wer­de ich in Man­hat­tan sein. Mein Vater winkt. Ein Win­ken, ohne die Bewe­gung des Armes, nur sei­ne Fin­ger win­ken, sie klap­pen von oben nach unten, wie damals noch in den Schat­ten­spie­len, Kro­ko­di­le, Wöl­fe, Ele­fan­ten, stumm von den Wän­den. — stop
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eine hand

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india : 5.02 — Mei­ne Hand am frü­hen Mor­gen, wie sie sich bewegt. Immer wie­der erstaun­lich. Vor weni­gen Stun­den noch habe ich von der Vor­stel­lung erzählt, ein­mal in der Art und Wei­se der Eidech­sen einen Fin­ger von mir wer­fen zu kön­nen, schmerz­frei und ohne Furcht in dem Wis­sen, dass jedes zur Sei­te geleg­te Glied mir bald wie­der nach­wach­sen wird.  — stop

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rom : taschen

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marim­ba : 22.05 — Man wird viel­leicht nicht sofort bemer­ken, dass man sich in einem Jagd­ge­sche­hen befin­det. Nein, von Jägern ist auf der Piaz­za Navo­na zunächst nichts zu sehen und nichts zu hören. Ein zau­ber­haf­ter Platz, läng­lich in der Form, drei Brun­nen, eine Kir­che, und Cafés, eines nach dem ande­ren, klei­ne­re Läden, in wel­chen wir Pas­ta in allen mög­li­chen For­men und Far­ben ent­de­cken, Wei­ne, Schin­ken, Käse. Am Abend flie­gen beleuch­te­te Pro­pel­ler durch die Luft. Maler, wel­che ent­setz­li­che Bil­der pro­du­zie­ren, erwar­ten ame­ri­ka­ni­sche Kun­den, sie sit­zen auf Klapp­stüh­len im Licht ihrer Glüh­lam­pen, die sie mit­tels Bat­te­rien mit Strom ver­sor­gen. Stra­ßen­mu­si­kan­ten sind da noch, mit ihren Ban­do­ne­ons, Gei­gen, Kon­tra­bäs­sen, und Ange­stell­te der Müll­ent­sor­gung, Frau­en, jün­ge­re Frau­en in wein­ro­ten Over­alls, ihre Hän­de sind gepflegt, ihre Fin­ger­nä­gel rot lackiert. Aber jetzt, wenn man in Rich­tung jener schwarz­häu­ti­gen jun­gen Män­ner blickt, die vor einem der Brun­nen den Ver­such unter­neh­men, ihre Arbeit zu ver­rich­ten, wird es ernst. Sie haben Hand­ta­schen in allen mög­li­chen For­men auf den Boden vor sich abge­stellt, je zwei Rei­hen, Behäl­ter von Pra­da, Picard, Cha­nel, Grif­fe der­art aus­ge­rich­tet, dass man sie mit je einer Hand­be­we­gung alle­samt sofort ergrei­fen und flüch­ten kann. Eine typi­sche Ges­te, sind doch jene arm­se­lig wir­ken­den Händ­ler der Luxus­ta­schen mehr oder weni­ger flüch­ten­de Wesen. Kaum haben sie ihre Anord­nung im Fla­nier­be­zirk mög­li­cher Kun­den sorg­fäl­tigst auf­ge­baut, raf­fen sie ihre Ware wie­der zusam­men und rasen in eine der Sei­ten­stra­ßen davon, um nach weni­gen Minu­ten wie­der her­vor­zu­kom­men, wie in einem Spiel, wie auf­ge­zo­gen. Am ers­ten Abend mei­ner Beob­ach­tun­gen auf der Piaz­za Navo­na, waren nur Flüch­ten­de zu sehen, nicht aber die Jäger, eine eigen­ar­ti­ge Situa­ti­on, aber schon am zwei­ten Abend war eine jagen­de Gestalt vor mei­nen Augen in Erschei­nung getre­ten. Es han­del­te sich um einen Haupt­mann der Cara­bi­nie­ri, um einen Herrn prä­zi­se mit äußerst auf­rech­tem Gang. Er trug wei­ße Strei­fen an sei­nen Hosen, und eine Uni­form­ja­cke, tadel­los, und eine Müt­ze, sehr amt­lich, er war eine wirk­li­che Zier­de, ein Staats­mann, wie er so über den Platz schritt, hin­ter den flüch­ten­den afri­ka­ni­schen Män­ner her, aus­dau­ernd, lau­ernd, ein Ansitz­jä­ger, möch­te ich sagen, einer, der an Stra­ßen­ecken war­tet, um die Wie­der­kehr der schwar­zen Händ­ler zu unter­bin­den oder um einen von ihnen ein­zu­fan­gen und an Ort und Stel­le unver­züg­lich zu ver­spei­sen. Stop. Frei­tag­abend. stop. Eine Bie­ne über­quert zur Unzeit den Platz in süd­li­che Rich­tung, als wär sie ein Zug­vo­gel. — stop
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rom : winde

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sier­ra : 8.52 — Leich­ter Luft­zug von Süden, schwe­re, blei­schwe­re Hit­ze. Spa­zier­te im Kolos­se­um, präch­ti­ge Rui­ne, Thea­ter der Grau­sam­keit. Da muss über­all noch uralter Kno­chen­staub im Boden ver­bor­gen sein, Mate­ria­li­en vom Tiger, vom Fluss­pferd, von Giraf­fen, von Men­schen. Ges­tern hat­te der öffent­li­che Dienst der Stadt gestreikt, auch die Funk­tio­nä­re der Are­na, wes­we­gen an die­sem Tag tau­sen­de Besu­cher zusätz­lich Zutritt wün­schen. Eine lan­ge Rei­he War­ten­der, hun­der­te Meter weit in der Son­ne tief unten auf der Stra­ße. Robo­ter­ma­schi­nen der Stra­ßen­rei­ni­gung dösen im Schat­ten der Pini­en. Gla­dia­to­ren­imi­ta­to­ren ste­hen zur Foto­gra­fie bereit. Pfer­de­hu­fe klap­pern die Via di San Gre­go­rio auf und ab. Über das Forum Roma­n­um gleich gegen­über fegt ein Wind, der sich genau auf die­sen his­to­risch bedeu­ten­den Bezirk zu beschrän­ken scheint, es ist ein gra­ben­der, wir­beln­der Wind, Sand­tür­me krei­sen zwi­schen Mau­er­res­ten, Stäu­be, die über das Meer geflo­gen kom­men, von Afri­ka her, schmir­geln am alten Euro­pa, ver­fan­gen sich in den Sei­den­tü­chern der Händ­ler, die tat­säch­lich flie­gen­de Händ­ler sein könn­ten, weil sie vie­le und sich der­art ähn­lich sind, dass sie phy­si­ka­li­schen Geset­zen wider­ste­hend über­all zur glei­chen Zeit erschei­nen. Abends sitzt dann ein Mann wie aus hei­te­rem Him­mel mit einem Pro­test­tuch auf der Kup­pel des Peters­doms. Unter­halb der Later­ne, in über ein­hun­dert Meter Höhe, scheint er sich fest­ge­zurrt zu haben. Auf dem Platz bleibt er indes­sen von den Fla­neu­ren unbe­merkt. Er scheint viel zu klein zu sein, zu weit ent­fernt er selbst und auch das Tuch, auf das er etwas notier­te. Zit­tern­des Licht, immer wie­der zu sehen, eine Art Fin­ger. Kei­ne Mor­se­zei­chen. — stop

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von den ohrenvögeln

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marim­ba : 18.15 — Über Ohren­vö­gel notie­ren. Ich ent­deck­te sie ges­tern wäh­rend eines Spa­zier­gangs. Ohren­vö­gel kom­men ohne Aus­nah­me paar­wei­se vor. Haut von hel­lem Leder, Haut, die man als Beob­ach­ter oder als Besit­zer eines Ohren­vo­gel­pär­chens weit­hin über­bli­cken kann, weil sie voll­kom­men nackt sind, abge­se­hen von ihren Flü­geln, dort exis­tie­ren Federn, so fei­ne Federn, dass man sie, wüss­te man es nicht bes­ser, für Pelz hal­ten könn­te, Feder­pel­ze in Gelb und Rot und Blau, kräf­ti­ge Far­ben, die eigen­ar­tigs­te Mus­ter bil­den, so indi­vi­du­ell wie die Fin­ger­ab­drü­cke an den Hän­den mensch­li­cher Wesen. Ohren­vö­gel sind von eher klei­ner Gestalt, sind etwa so groß wie ein Fin­ger­hut, und ver­fü­gen über Schna­bel­at­trap­pen, die den Schnä­beln der Koli­bris ähn­lich sind. Über­haupt wird man sich als Betrach­ter der Ohren­vö­gel oft an genau die­se Gat­tung kleins­ter Luft­we­sen erin­nert füh­len. Das sehr Beson­de­re an ihrer Exis­tenz ist jedoch, dass sie den Kör­pern jener Men­schen, die sie bewoh­nen, eng ver­bun­den sind. Genau­er gesagt, wür­den sie ohne die­se Ver­bin­dung über­haupt nicht exis­tie­ren, eine blaue, zar­te Nabel­schnur, so fein wie ein Faden Zwirn schließt sie an die Ohren der Men­schen an, je ein Vogel links und ein Vogel rechts des Hal­ses. Blut fließt von da nach dort, wes­we­gen Ohren­vö­gel weder trin­ken noch essen, also auch nicht jagen oder sam­meln. Man könn­te viel­leicht sagen, dass sie nur zum Ver­gnü­gen leben, zur Zier­de und Freu­de auch jener Men­schen, die sie beglei­ten. Wenn sie nicht Stun­de um Stun­de unter den Ohren ihrer Besit­zer schau­keln und schla­fen, flie­gen sie sehr gern in der nähe­ren Umge­bung her­um. Weit kom­men sie selbst­ver­ständ­lich nicht, aber weit genug immer­hin, um ein­an­der begeg­nen zu kön­nen, der eine Vogel zu Besuch auf der Hals­sei­te des ande­ren, man sitzt dann gemein­sam auf einer Schul­ter und schaut auf die gro­ße Welt hin­aus. Oder man trifft sich heim­lich hoch oben auf dem Kopf des bewohn­ten Men­schen, eine ver­trau­te Welt, zur gegen­sei­ti­gen Pfle­ge und zum Gespräch. Ihre Stim­men sind so hell, dass mensch­li­che Ohren nicht in der Lage sind, sie zu ver­neh­men. Nichts wei­ter. – stop
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fingersträußchen

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del­ta : 6.22 — Über Nacht war alles wie­der nach­ge­wach­sen. Mei­ne Hän­de blüh­ten. Ich mach­te mich auf den Weg süd­wärts durch Man­hat­tan zu den Fäh­ren hin. Am Tre­sen einer Schiffs­kan­ti­ne war­te­te bereits Mr. Mel­ro­se, über­reich­te mir einen Becher Kakao. Als  er mei­ne blü­hen­den Hän­de ent­deck­te, füt­ter­te er mich höchst­per­sön­lich mit­tels eines Tee­löf­fels. Schenk­te ihm zum Dank einen mei­ner Fin­ger, mach­te mich dann auf mei­nen täg­li­chen Weg über das Hur­ri­ka­ne­deck, sprach all die war­ten­den Pend­ler­men­schen freund­lich an, zeig­te ihnen mei­ne Hän­de, die als sol­che nicht zu erken­nen waren, weil sie Fin­ger­sträuß­chen ähnel­ten. Man muss sich das vor­stel­len, an jeder Hand trug ich 20 bis 30 Fin­ger­ex­em­pla­re, die meis­ten waren Mit­tel­fin­ger, Dau­men waren kei­ne dar­un­ter. Sobald ich an einem der Fin­ger zog, lös­te er sich, so dass ich ihn wei­ter­rei­chen konn­te. Für jeden Fin­ger bekam ich 5 Dol­lar. Ich erin­ne­re mich nicht, je Schmerz emp­fun­den oder geblu­tet zu haben. Viel­mehr emp­fand ich Ver­gnü­gen, Freu­de, Lust. – Die­ser Traum wur­de so oder ähn­lich geträumt, kurz vor vier Uhr in der ver­gan­ge­nen Nacht. — stop

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langsame stunde

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ulys­ses : 2.12 — Schrit­te und Türen. Auf dem Kühl­schrank, zir­pen­de Glä­ser. Der Kühl­schrank selbst, Ven­ti­la­tor. Von der Stra­ße her, Lachen. Kurz vor 1 Uhr, Stra­ßen­bahn hält, Stra­ßen­bahn setzt sich in Bewe­gung. Schrit­te. Türen. Schrit­te. Das Klop­fen mei­ner Fin­ger an der Stirn. Und mein Wecker, tack, tack, tack, wie er Schwel­len in der Zeit ver­legt. Wenn ich das Wort Atem schrei­be, höre ich mei­ne eige­nen Luft­ge­räu­sche so lan­ge, bis ich das Wort Atem ver­ges­se. Und wie­der Schrit­te. Und wie­der Türen. Ich ver­such­te, mit mei­nen Augen­li­dern einen Laut zu erzeu­gen. Ver­geb­lich. Auch mei­ne Augen selbst, wenn ich mei­ne Augen bewe­ge, ohne jedes ver­nehm­ba­re Geräusch. Man stel­le sich ein­mal vor, die Bewe­gung der Augen wür­de knar­zen­de Geräu­sche erzeu­gen. Von der Stra­ße her, Lachen, Hupen. Dann Stim­men, spa­nisch. Rufen. Und Türen. Schrit­te. Auch das Licht mei­ner Lam­pen macht kein Geräusch. Fried­lich lie­gen mei­ne Äpfel geräusch­los im Korb her­um. Wer mich in die­sem Moment beob­ach­te­te, könn­te sehen, wie ich einen Apfel belau­sche. Ich habe noch nie einen Apfel belauscht. Oder eine Bir­ne. Oder einen Pfir­sich. Auch Bana­nen sind ohne Geräusch. Es ist denk­bar, dass ich mich irre, dass ich als Kind einen Apfel belausch­te. Kurz vor 2 Uhr, Stra­ßen­bahn hält, Stra­ßen­bahn setzt sich in Bewe­gung. Auf dem Kühl­schrank, zir­pen­de Glä­ser. — stop
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luftgespräch

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tan­go : 15.01 — Eine Notiz wie­der­ge­fun­den, die Mr. Sal­ter vor eini­gen Jah­ren unter dem Titel Ele­phan­tis­land notier­te. Er schrieb Fol­gen­des: Kurz nach acht Uhr. Kal­te, tro­cke­ne Luft, ich notie­re mit klam­men Hän­den. Um 7 Uhr heu­te Mor­gen haben wir bei stür­mi­scher See Ele­phan­tis­land erreicht. Suche nach Mil­ler unver­züg­lich auf­ge­nom­men. Süd­west­li­che Bewe­gung die Küs­te ent­lang. Gegen 9 Uhr ers­te grö­ße­re See­ele­fan­ten­grup­pen gesich­tet. Hef­ti­ger Schnee­fall. Mit­tags dann auf mensch­li­che Spu­ren gesto­ßen. Eine Mul­de von zwei Fuß Tie­fe im gro­ben Unter­grund, hüft­ho­her Stein­wall nord­wärts. Im Wind­schat­ten: drei gebleich­te Wal­kno­chen, ein hal­bes Dut­zend fin­ger­di­cker Haut­stü­cke, ein Kamm, zwei ros­ti­ge Kugel­schrei­ber, eine Blech­t­as­se, zwölf Pin­gu­in­schnä­bel, fünf Bat­te­rien, drei Klum­pen ran­zi­gen Fet­tes, Bruch­stü­cke eines Son­nen­eil­lek­tors und einer Schreib­ma­schi­ne. Das Werk­zeug war in einer Wei­se sorg­fäl­tig demo­liert, als sei eine Dampf­wal­ze dar­über hin und her gefah­ren. Dann wei­te­re zehn Minu­ten die Küs­te ent­lang, dann auf Mil­ler gesto­ßen. Der Dich­ter stand mit dem Rücken zu einem Fel­sen hin und rich­te­te ein Mes­ser gegen einen See­ele­fan­ten. Das Tier, das sehr gewal­tig vor unse­rem Mann in den Him­mel rag­te, war nur noch zwei Armes­län­gen ent­fernt und scheu­er­te mit dem Rücken über den Fel­sen. Eigen­ar­ti­ge Geräu­sche. Geräu­sche wohl der Lust. Geräu­sche, als habe das Tier eine ver­beul­te Trom­pe­te ver­schluckt. Geräu­sche auch von Mil­ler. Hel­le Geräu­sche, krei­schen­de, irre Töne. Wir haben zu die­sem Zeit­punkt das Fol­gen­de über Mil­ler zu sagen: Unser Mann ist ent­kräf­tet und stark ver­schmutzt. Zwei Fin­ger der lin­ken Hand sind erfro­ren. Kopf­wärts wan­dern­de Spu­ren von Dehy­dra­ti­on. Mil­ler spricht nur einen Satz: All for not­hing. Wir haben den Rück­weg ange­tre­ten, indes­sen, bei genaue­rer Betrach­tung unse­rer Umge­bung, auf Fels­for­ma­tio­nen ent­lang der Küs­te Frag­men­te von Zei­chen­ket­ten ent­deckt. Ein­deu­tig Mil­lers Hand­schrift. Brin­gen Dich­ter Mil­ler jetzt nach Hau­se. — Mitt­woch: Ein wis­pern­der, knat­tern­der, sin­gen­der, knir­schen­der, lirr­pen­der, pfei­fen­der, sir­ren­der Bauch. Tie­re von Luft sind zu Besuch gekom­men, hüp­fen, sprin­gen, sei­len unter dem Zwerg­fell­dach. Gesprä­che tat­säch­lich, die ich hören kann. — stop

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jackson avenue

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romeo : 1.28 — New York. Sub­way Linie 7 Rich­tung Queens. Ein Herr mit Akten­kof­fer steigt Sta­ti­on Jack­son Ave­nue in den Zug, setzt sich, legt sei­nen Kof­fer auf die Knie, öff­net den Kof­fer und ent­nimmt ein Gerät, das nicht sehr viel grö­ßer ist als eine Streich­holz­schach­tel. Bald wer­den Bat­te­rien sicht­bar, eine Ver­samm­lung von vier Bat­te­rien, 1.5 Volt, die mit­tels eines Gum­mi­ban­des anein­an­der befes­tigt sind. Dräh­te füh­ren in die Luft, sie beben in der Bewe­gung des Zuges, wer­den in die­sem Moment von gleich­falls beben­den Fin­gern des Man­nes ein­ge­fan­gen, mehr­fach verz­wir­belt und vor­sich­tig mit dem klei­nen Gerät, das der Mann sei­nem Kof­fer zunächst ent­nom­men hat­te, ver­bun­den. Ein Jun­ge mit Gitar­re schlen­dert indes­sen musi­zie­rend durch den Zug, breit­bei­nig, in der Art der Matro­sen auf hoher See. Fahr­gäs­te in der Nähe des Man­nes mit dem Akten­kof­fer beob­ach­ten inter­es­siert wie der Mann aus der lin­ken Tasche sei­nes Jacketts eine Kur­bel hebt, fili­gra­nes Werk­zeug, Wel­le von Metall, höl­zer­ner Griff. Er steckt die Kur­bel in den Streich­holz­kas­ten und beginnt vor­sich­tig an ihr zu dre­hen. Jetzt schließt er sei­ne Augen, kur­belt wei­ter. Eini­ge Meter ent­fernt sitzt ein Mäd­chen auf einer grell­bun­ten Rei­se­toi­let­te. Auch das Mäd­chen, wäh­rend es war­tet, beob­ach­tet den Mann und sei­ne Kur­bel­ma­schi­ne vol­ler Hin­ga­be. In die­ser Sekun­de schließt auch das Mäd­chen, wie der Mann, andäch­tig die Augen. – stop

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fingerknospen

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india : 6.32 — Mei­ne Schreib­ma­schi­ne ist ein merk­wür­di­ges Ding. Sie ist flach und sie ver­fügt über einen Bild­schirm und außer­dem über einen licht­emp­find­li­chen Sen­sor, der ins Inne­re mei­ner Schreib­ma­schi­ne zu mel­den scheint, ob Tag ist oder Nacht, ob Hel­le oder Dun­kel. Ich habe soeben eine Vier­tel­stun­de nach der Posi­ti­on die­ses Sen­sors gesucht, zunächst mit­tels mei­ner Augen selbst, etwas spä­ter mit einer Lupe, je ohne eine beweis­kräf­ti­ge Spur auf­neh­men zu kön­nen. Es ist Sams­tag. Ich mag das Wort Sams­tag gut lei­den. Gera­de fällt mir ein, dass ich bald ein wei­te­res Jahr gelebt haben wer­de, ohne einen Fin­ger ver­lo­ren oder um einen Fin­ger zuge­nom­men zu haben. Oft, so auch heu­te, habe ich mich gefragt, wie sich ein nach­wach­sen­der Fin­ger zunächst bemerk­bar machen wür­de? Wür­de sich neben einem bereits exis­tie­ren­den Fin­ger eine Fin­ger­knos­pe bil­den, die nach und nach sich zu einem voll­stän­di­gen Fin­ger­glied erhe­ben wür­de? Oder wür­de sich viel­leicht einer mei­ner älte­ren Fin­ger in sei­ner Mit­te tei­len? Das sind sehr inter­es­san­te Fra­gen, die viel­leicht ein wenig unheim­lich zu sein schei­nen. Vor weni­gen Stun­den, das geht mir nicht aus dem Kopf, habe ich am Flug­ha­fen mit einem jun­gen Mann gespro­chen, der in einem Wasch­raum stand und eine sehr trau­ri­ge Geschich­te erzähl­te. Manch­mal muss­te er wei­nen. Sei­ne Augen röte­ten sich und er beug­te sich rasch über das Wasch­be­cken und begann sein Gesicht mit Was­ser zu benet­zen. Dann rich­te­te er sich auf, erzähl­te wei­ter und wein­te erneut, um sich wie­der­um über das Wasch­be­cken zu beu­gen bis er so nass gewor­den war, dass er ste­hen­blieb und erzähl­te und wein­te zur glei­chen Zeit, ohne sich noch ver­ber­gen zu wol­len. — stop

polaroidunter



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