india : 17.02 - Gigi Ibrahim, ägyptische Aktivistin, twittert von Mitternacht bis 10 Uhr morgens folgende Sequenzen in englischer Sprache, 42 Tweets in arabischer Sprache sind an dieser Stelle nicht wiedergegeben:
Gigi Ibrahim @Gsquare86 17h
My friend’s uncle was shot and killed in #Alexandria along 5 others +100s injured while millions of people cheering Sisi to end bloodshed
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 17h
Follow @Fo2ElSoto7 reporting on his uncle’s death and the injured from inside the hopital in #alexandria ..may he RIP :(
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 17h
Follow @Moud_Aly for updates in #Alexandria
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 17h
Comrade Medhat El Shinnawy got detained by police in #Damitta for raising anti-SCAF banner along with Susan Ghoniem and others
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 17h
The situation in #alexandria is intense, 150 arrested including women and injured (translation of #PT ) armed thugs around the mosque
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 16h
@Beltrew by 6 oct brigde on nasr st …it’s far from center that why u cant see it
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 16h
@alaa @Fo2ElSoto7 while army and police there but not intervening
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 14h
Reprots on clashes by #Rabaa pro Morsy sit-in resulting in 3 dead and many injured (so far), seems like Sisi’s mandate is in effect.
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 14h
I live in #NasrCity close to #Rabaa and I can hear the sound of the ambulances there
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 13h
@MowSamy the question is how did these weapons get there in the first place?
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 13h
@QALAWA @MowSamy exactly then who is responsible and should be prosecuted? The leaders of ikhwan not killing protesters
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 13h
@MowSamy to arrest the leaders of ikhwan even go into the sitin to capture them, why r these ppl still free?
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 12h
I am hearing gun shots from home ..near rabaa #NasrCity
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 11h
I literally am hearing machine guns being fired #NasrCity near #Rabaa
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 11h
Still hearing gun fire being shot while sitting home near / Gigi Ibrahim @Gsquare86 11h
It’s a bit ironic that the tear gas being fired at Pro-Morsy protesters was probably shipped/delivered under Morsy to be used against us
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 11h
It is also ironic to read tweets coming from #Rabaa abt how horrible the tear gas is,simply cuz it has been a while since MB have smelled it
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 11h
Let me be clear,I didnt join protests calling for Sisi’s mandate &i’m against Morsy & #Rabaa sitin but I only believe in one slogan #ACAB
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 11h
Repetitive gun shots #NasrCity ..near #Rabaa
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 11h
@0301kalam check my timeline u idiot #block! / Gigi Ibrahim @Gsquare86 10h
I love hearing chruch bells in the morning ..for a change #NasrCity
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 10h
Still hearing gun shots being fired repetitively #NasrCity …near #Rabaa
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 9h
#Rabaa field hospital via @soltanlife / Gigi Ibrahim @Gsquare86 9h
GRAPHIC people killed at #Rabaa via @3askarKateloon / Gigi Ibrahim @Gsquare86 9h
GRAPHIC I’m against Morsy, against Sisi/SCAF mandate and against police killing protesters (pic) / Gigi Ibrahim @Gsquare86 9h
The sound of gun fire on and off since 3am until now ..near #Rabaa #NasrCity
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 9h
GRAPHIC makeshift hospital 4hrs ago via @moh_sawaf / Gigi Ibrahim @Gsquare86 9h
:( RT @kfahim: Nineteen bodies in the #Rabaa field hospital just now. / Gigi Ibrahim @Gsquare86 8h
I haven’t slept all night and I cant sleep ..this is really too much happening to take in at once #mentalbreakdown
Gigi Ibrahim @Gsquare86 8h
I am hearing someone yelling “ya allah” on the street by my house near #Rabaa #NasrCity
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 8h
I have a problem w/ people who are ok & actually happy w/mascares even if I oppose those being killed & would like to see them prosecuted
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 8h
MB will not leave any easier now and anyone who was ever in clashes b4 never forgets the moment ur friend was killed regardless of the cause
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 8h
I will never forgive all the 60 years of past regimes, political corruption & dictatorship is the root of all nightmares we are living today
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 7h
@Agenda_kid @SoniaElSakka @TheKaouther @hfakhry dont open ur mouth before actually knowing what u r talking about #idiot
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 7h
:(( I still cant sleep ..I will try
/ Gigi Ibrahim @Gsquare86 8h
Seems like in all Arab Spring states, question of political Islam is dominating the streets and the political scene #Tunisia #Egypt #Libya / Gigi Ibrahim @Gsquare86 11m
I woke up hoping that the massacre at Rabaa was just a nightmare to find out that I am daydreaming ..last night was a tragedy RIP
— stop ::: gigi ibrahim on twitter

Aus der Wörtersammlung: morgen
ludmilla
echo : 6.12 — Ich habe eine E‑Mail bekommen. Lesen Sie selbst: Verehrter Louis, wie geht es Ihnen? Ich hoffe, Sie sind wohlbehalten zurückgekehrt von Ihrer Reise. Leider konnten wir uns nicht treffen, so wie noch im Januar geplant. Es ist schwieriger geworden, das Haus zu verlassen. Ich fühle mich nicht länger sicher auf der Straße. Aber auch unter meinem eigenen Dach habe ich immer wieder das Gefühl, beobachtet zu werden. Ich nehme an, es existieren längst Ideen über mich, vielleicht wird man sagen: Er könnte nun doch verrückt geworden sein. Aber natürlich weiß ich, was ich tue und wovor ich mich fürchte. Im April war ich noch lange Stunden am Strand unterwegs gewesen, besuchte meine Freundin Ludmilla, die abends vor dem Boardwalk mit ihren Freuden im kalten Seewind sitzt. Ihr gehört jetzt ein Rollstuhl, den sie von eigener Hand bewegen kann, weil sie zäh und leicht ist, Sie würden staunen. Irgendwann muss ich das Haus wieder verlassen, das ist mir Herzenswunsch, ich kann Ludmilla doch nicht verlieren, ohne sie noch einmal gesehen zu haben. Im Dezember wird sie 92 Jahre alt, da kann man an das Ende schon einmal denken, nicht wahr! Nun, ich will nicht klagen, bin sehr vorsichtig geworden. Wenn ich zum Einkaufen gehe einmal in der Woche, dann niemals allein, sondern immer in der Begleitung eines alten Freundes. Sie werden verstehen, dass ich seinen Namen nicht erwähne. Er ist zuverlässig, hilft mir beim Tragen der Flaschen. Was ich sonst noch benötige, lasse ich mir kommen. Ich erinnere mich, jetzt, da ich hier sitze und schreibe, dass ich als Kind einmal überlegte, eine Sprache zu erfinden, die nur ich verstehen kann. Ich hatte mir vorgenommen, alle Wörter, die ich kannte, in meine neue Sprache zu übersetzen. Ich wollte lernen, mittels dieser Wörter zu denken. Seit wenigen Tagen arbeite ich nun daran, mir genau diesen uralten Wunsch zu erfüllen. Ist das nicht wunderbar! Vielleicht werde ich mich bald wieder sicher fühlen. Seemöwen sitzen auf dem Balkon, ihre Augen wirken beizeiten so, als wären sie Objektive, die man füttern kann. Genug! Es ist Sonntag. Morgen werde ich Ihnen einen Brief von Papier übermitteln, in welchem ich eine Liste von Wörtern vermerkte, die Sie in Zukunft bitte nicht weiter verwenden, wenn Sie mir eine E‑Mail schreiben. Sie wissen, wo der Brief zu finden ist. Bis bald, mein lieber Louis. Ihr Michael – stop

3 uhr
echo : 3.57 — Während der Nacht lange sitzen. Nichts tun. Nur atmen. Gegen drei Uhr Abstieg zur Straße. Die Treppe knarrt bei jedem Schritt vor Türen, hinter welchen Menschen schlafen. Auf der Straße ein leichter Wind. Es ist kühl geworden. In den Bäumen Geräusche, leise, leise, als würden die Vögel murmeln im Schlaf. Es ist aber deshalb, weil es nie wirklich dunkel wird in der Stadt. Stundenlang kann man sich über das Nahen des Morgens streiten. Wie ich zurückkomme, Licht weit oben, vier Fenster, beleuchtet, alle weiteren Fenster sind dunkel. Der Blick auf ein Haus, in dem ein Nachtmensch wohnt. Plötzlich bin ich wieder bei mir, trete in Zimmer, die vor Kurzem noch ohne mich gewesen sind. Mein Heft auf dem Tisch. Ich notiere: Es ist sinnvoll, Süsswasserkiemenmenschen von Salzwasserkiemenmenschen zu unterscheiden. Ich muss den Satz nicht begründen. Noch Dunkel. — stop

mikrogramme
delta : 5.25 — Seit Tagen denke ich an Robert Walser, an seine Schrift, an seine herausragende Begabung, kleinste Zeichen zu notieren auf jede denkbare Art von Papier. Der private Raum eines zierlichen Notizbuches, das als Institution wieder bedeutend zu werden scheint, könnte für Menschen wie ihn erfunden worden sein. Nehmen wir einmal an, Robert Walser und ich würden je ein Notizbuch von 4 cm Höhe und 4 cm Breite erhalten, 100 Blättchen Papier, das heißt, 200 Flächen zur freien Beschriftung, ein Notizbuch, das im Notfall verschluckt werden könnte, dieses eine Notizbuch also, nur dieses eine, um darin zehn Jahre zu arbeiten, ich wäre bereits nach ein oder zwei Tagen zu Ende gekommen, so voluminös meine Schrift im Vergleich zu Robert Walsers Schrift. Ich müsste von vorn beginnen, radieren, dann wieder schreiben. Mit der vergehenden Zeit würden die Seiten meines Buches dünner und dünner werden, transparent vielleicht, feinste Löcher entstehen, erste Zeichen, dass mein Notizbuch bald verschwunden sein wird. – Samstag. Früher Morgen. Leichter Regen. — stop

koffer
tango : 23.59 — Mit dieser Minute endet Louis’ 18868. Lebenstag. Ich habe an diesem Tag eine seltsame Erfahrung gemacht. Vor einer Stunde ungefähr bemerkte ich, dass ich mein Notizbuch, in welches ich handschriftlich Wörter notiere, mit scheinbar anderen Augen als noch am frühen Morgen betrachtete. Ich dachte, bei diesem kleinen Heft hier handelt es sich um meinen einzig verbliebenen Raum, in dem ich Gedanken aufzeichnen kann, die nur für mich bestimmt sind. Ja, so könnte es gekommen sein. Alle Wörter, die ich mittels meiner elektrischen Schreibmaschine, die mit dem Internet verbunden ist, notiere, sind oder sind möglicherweise öffentliche Wörter, weil sie einem kommunikativen System verbunden sind, welches jederzeit ausgelesen und gespeichert werden kann auf unbestimmte Zeit. Es existieren demzufolge aufgezeichnete Wörter einerseits, die tatsächlich so lange privat sind, wie ich den Koffer, in dem ich sie aufbewahre, nicht verliere, andererseits aufgezeichnete Wörter, die sich außerhalb dieses Koffers befinden. — stop

regen
ulysses : 6.06 — Gestern Abend telefonierte ich mit einer Freundin. Sie hatte kurz zuvor geschrieben, Hochwasser habe den Keller ihres Hauses erreicht. Sie erzählte, das Wasser komme nun durch zwei kleine Löcher in Boden und Wand herein, 5 Liter in einer halben Stunde. Ich hörte ihre Stimme, erschöpft, müde, sie wolle sich einen Wecker stellen und jede halbe Stunde Wasser schöpfen. Eine harte Sache, die noch einen Tag und eine ganze Nacht so weitergehen könne. Während wir sprachen, war das Geräusch tropfenden Wassers im Hintergrund zu vernehmen, als würde meine Gesprächspartnerin in einer Höhle sitzen, in einer entfernten Zeit, auf dem Mond oder auf dem Mars. Als ich klein und sehr unerfahren gewesen war, hatte ich die Vorstellung, nach starkem Regen könnte das Wasser in Telefonleitungen dringen. Ich wunderte mich deshalb, dass das Telefonieren nach Gewitterregen noch funktionierte. Wenn ich dann etwas später durch den Garten spazierte, meinte ich zu beobachten, wie unsere Telefonleitungen aus dem Boden flüchteten. Sie hatten sich zu Teilen aufgelöst und schlängelten, hellrote, glänzende Würmer, durch das feuchte Gras. Ich konnte sie berühren, und wenn ich sie ihn meine Hände nahm, kitzelte es sehr angenehm auf den Handflächen. Einmal setzte ich eine flüchtende Telefonleitung in ein Marmeladenglas. Es waren ein gutes Dutzend Würmer gewesen, die sich um Ausgang bemühten. Ich beäugte sie lange Zeit, die Wände des Glases beschlugen rasch, sodass ich das Glas immer wieder öffnen musste. Wenn ich mein Ohr an den Behälter drückte, konnte ich sie hören, einen eigentümlichen Laut der Not, für dessen Beschreibung ich bisher kein Wort entdeckte. Damals nahm ich das Glas mit in mein Zimmer. Ich stellte es unter mein Bett. Am nächsten Morgen hatte ich seine Existenz vergessen. — stop

federlibelle
~ : malcolm
to : louis
subject : FEDERLIBELLE
date : may 22 13 5.35 p.m.
Wieder wandern wir südwärts. Es ist ein großes Glück. Vor vier Wochen noch war Frankie ernsthaft krank gewesen. Er lag auf einer Bank am Hudson River, Höhe 26. Straße. Als wir ihn in dieser ungewohnten Haltung bemerkten, fürchteten wir, er könnte gestorben sein, keine Bewegung. Vorsichtig näherten wir uns, hoben ihn an, hüllten ihn in eine Decke. Er hatte hohes Fieber, sein Herz raste, manchmal schien es auszusetzen. Zwei Tage und zwei Nächte waren wir ihm sehr nah gekommen. Nun bin ich mir sicher, dass Frankie uns kennt, dass das kleine Tier uns Vertrauen schenkt. Er scheint die Tage seiner Gefangenschaft vergessen zu haben, zu keiner Zeit wehrte er sich. Wir fütterten ihn mit Nussbrei und Pflaumen. Während er schlief, waren leise, knatternde Laute zu vernehmen. Am Morgen des dritten Tages, wir hatten in seiner Nähe übernachtet, war Frankie weitergezogen. Wir folgten ihm in einem Abstand von zwanzig oder dreißig Metern. Er wanderte zunächst nordwärts bis Höhe 35. Straße, kehrte dann plötzlich um, als hätte er sich erinnert, dass er zuvor noch südwärts gelaufen war. Seit drei Wochen kampieren wir jetzt vor einem alten Backsteinhaus, 371 West 11. Straße, dessen Feuerleitern Frankie gefallen. Die Bewohner des Hauses haben sich an uns gewöhnt, wie wir gegenüber auf unseren Gartenstühlen sitzen und Frankie nicht aus den Augen lassen. — Allerbeste Grüße sendet Malcolm / codewort : federlibelle
empfangen am
22.05.2013
1412 zeichen

ein zeppelinkäfer
echo : 2.54 — Wann war es, dass ich zum ersten Mal bemerkte, wie meine Briefe kleiner und kleiner wurden? Wesen von wirklichem Papier, Bögen in Umschlägen, mit einem Postwertzeichen, das zuletzt die Anschriftenseite meines Schreibens vollständig bedeckte. Im Postamt werde ich seither ernst genommen. Vor einigen Wochen kaufte ich sinnvollerweise ein handliches Mikroskop und einen Satz Bleistifte von äußerster Härte. Ich spitzte das Schreibwerkzeug eine Viertelstunde lang, dann legte ich einen Bogen Papier in das Licht einer Linse mittlerer Stärke. Ich näherte mich mit bebenden Fingern. Man sollte mich in diesem Moment gesehen haben. Bei jedem Wort, das ich auf das kleine Blatt notierte, hielt ich die Luft an. Tatsächlich habe ich in meinen Leben noch nie zuvor in einer derart sorgfältigen Weise geschrieben. Ich brauchte drei Stunden Zeit, um das Papier, das nicht größer gewesen war als eine Briefmarke von 1,5 cm Kantenlänge, vollständig zu beschriften. Ich schrieb folgende Zeilen an einen Freund: Lieber Stanislaw, Du wirst es nicht glauben, nach 1 Uhr heute Nacht schwebte ein Zeppelinkäfer einer nicht sichtbaren, schnurgeraden Linie über den hölzernen Fußboden meines Arbeitszimmers entlang, wurde in der Mitte des Zimmers von einer Luftströmung erfasst, etwas angehoben, dann wieder zurückgeworfen, ohne allerdings mit dem Boden in Berührung zu kommen. – Ein merkwürdiger Auftritt. – Und dieser großartige Ballon von opakem Weiß! Ein Licht, das kaum noch merklich flackerte, als ob eine offene Flamme in ihm brennen würde. Ich habe mich zunächst gefürchtet, dann aber vorsichtig auf Knien genähert, um den Käfer von allen Seiten her auf das Genaueste zu betrachten. – Folgendes ist nun zu sagen. Sobald man einen Zeppelinkäfer von unten her besichtigt, wird man sofort erkennen, dass es sich bei einem Wesen dieser Gattung eigentlich um eine filigrane, flügellose Käfergestalt handelt, um eine zerbrechliche Persönlichkeit geradezu, nicht größer als ein Streichholzkopf, aber schlanker, mit sechs recht langen Ruderbeinen, gestreift, schwarz und weiß gestreift in der Art der Zebrapferde. Fünf Augen in graublauer Farbe, davon drei auf dem Bauch, also gegen den Erdboden gerichtet. Als ich bis auf eine Nasenlänge Entfernung an den Käfer herangekommen war, habe ich einen leichten Duft von Schwefel wahrgenommen, auch, dass der Käfer flüchtet, sobald man ihn mit einem Finger berühren möchte. Ein Wesen ohne Laut. Dein Louis, herzlichst. — Es war eine wirklich harte Arbeit, all diese Zeichen zu notieren. Dann faltete ich das Blatt Papier einmal kreuz und quer. Ich arbeite mit zwei Pinzetten wiederum unter starkem Licht, steckte den Brief in ein Couvert, dessen Herstellung noch mühevoller gewesen war als das Schreiben des Briefes selbst, und machte mich auf den Weg in das nächste Postamt. Dort wurde ich unverzüglich an den Schalter für besondere Briefformate weitergeleitet, wo mein Brief, den ich mit einer Pinzette auf den Tresen befördert hatte, von einer weiteren Pinzette entgegengenommen wurde. Ich war sehr glücklich. Ich beobachtete, wie der Beamte eine Briefmarke von der Größe eines Reiskorns behutsam auf meinen Brief legte und mittels eines Stempels, der vor meinen bloßen Augen kaum noch sichtbar gewesen war, entwertete. Dann ging mein Brief auf Reisen. Er flog sehr weit durch die Luft, und ich habe ihn für kurze Zeit vergessen. Nun aber, vor wenigen Stunden, wurde mir von einem Sonderboten der Post ein Brief von derart leichter Gestalt übergeben, dass ich zunächst die Anweisung erhielt, alle Fenster meiner Wohnung zu schließen. Dieser Brief, eine Depesche meines Freundes, ruht vor mir auf dem Tisch. Es ist ein kleines Kunstwerk. Auf seiner Briefmarke sollen sich zwei Paradiesvögel befinden, die ihre Schnäbel kreuzen. Ich werde das gleich überprüfen. — Es ist Freitag! Guten Morgen! — stop / fürs mariechen
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zwei zimmer
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sierra : 5.16 — Nachts, sobald ich die Vögel pfeifen höre, meistens ist es einer für sich allein, der in Ahnung ersten Lichts zu singen beginnt, weiß ich, dass ich aufstehen sollte und zu den Fenstern gehen, um meine Rollos für Schlaf herunterzulassen. In genau diesem Moment drehen sich Tag und Nacht scheinbar um eine Achse, Tagzimmer bei Nacht werden zu Nachtzimmern bei Tag. Gleich, in einer Minute, ist es wieder so weit. Guten Morgen. — stop

monroe
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alpha : 6.26 — Ich wünsch mir zum Geburtstag ein kleines Tier, eine Libelle nämlich von der Größe einer Hand, sie wird mich fortan im Leben begleiten. Wenn ich morgens die Augen öffne, soll sie bereits vor mir auf einem Kissen ruhen, das ihr eigenes, ihr Nachtkissen ist. Das Summen übender Flügel, ein Blick von tausend Augen, und schon sind wir hellwach, schon auf dem Weg in die Küche. Zum Frühstück zwei frische Zwergfrösche, sie leben noch für Sekunden. Und etwas Kaffee für mich, und Löffel feinsten Sumpfwassers für Monroe, das sollte jeden Morgen möglich sein, im Winter wie im Sommer. Was für ein selten prächtiger Vogel, marineblau, zitronengelb, schwarz schillernde Augen, feuerrote Beine. — Guten Morgen! — stop



