Aus der Wörtersammlung: gestalt

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schirmsamenwölkchen

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echo : 0.03 — Ich träu­me zur Zeit von Blu­men. Sie lie­gen in Ber­gen her­um, Blü­ten­ber­ge, sol­che Blu­men. Ges­tern, das habe ich nicht geträumt, war ich auf dem Fried­hof und habe das Grab mei­nes Vaters besucht. Ich hat­te einen Zoll­stock bei mir, um eine Vor­stel­lung aus der Luft zu holen, die Vor­stel­lung eines Wind­ra­des, das ich ein­mal für mei­nen Vater bau­en wer­de. Vie­le Men­schen waren auf dem Fried­hof unter­wegs, man­che tru­gen Gieß­kan­nen, ande­re Wind­lich­ter oder Blu­men in klei­nen Töp­fen, Horn­veil­chen, Rin­gel­blu­men, Ver­giss­mein­nicht. Es war ein ganz nor­ma­ler Tag gewe­sen. Ich glaub­te, beob­ach­ten zu kön­nen, dass man­che der Men­schen sich noch nicht ganz sicher fühl­ten in der neu­en Umge­bung ihres Lebens, ande­re begrüß­ten ein­an­der, wink­ten sich über die Rei­hen der Grä­ber hin zu. Eini­ge knie­ten, wühl­ten mit blo­ßen Hän­den in der dunk­len Erde. Eine Frau, sie war von zwer­gen­haf­tem Wuchs, über­quer­te eine Wie­se vol­ler Löwen­zahn. Unter ihren Füßen stie­gen Schirm­sa­men­wölk­chen auf. Sie ging so lang­sam, das heißt, mit der­art klei­nen Schrit­ten, dass sie sich zunächst kaum zu bewe­gen schien. Ihr Gesicht war dem Boden zuge­wandt, weil sich ihr Rücken, wohl unter der Wir­kung der Zeit, gekrümmt hat­te. Als sie das Grab erreich­te, das zu ihr gehör­te, war dort ein eben­so klei­ner, gebück­ter Baum zu erken­nen, ein Baum, der die Gestalt der alten Frau nach­zu­ah­men schien. — Ob viel­leicht Kak­teen exis­tie­ren, die im Nor­den, die auch im Win­ter blü­hen und gedei­hen? — stop

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erfundene fotografie mit kamelen

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del­ta : 0.22 – Kame­le sind Tie­re, die ich schon immer moch­te. Sie erschei­nen mir ver­traut, als hät­te ich einen Teil mei­nes Lebens unter Kame­len zuge­bracht. Ihre gro­ßen Augen, die leicht aus dem Kopf her­vor­ste­hen, ihr sam­tig led­ri­ger Mund, ihr Geruch, ihr war­mer Bauch, das wei­che dich­te Fell. Ich erin­ne­re mich, dass man mir vor lan­ger Zeit ein­mal erzähl­te, ich sei wäh­rend mei­ner Besu­che mit mei­nem Vater im zoo­lo­gi­schen Gar­ten immer wie­der gern bei den Kame­len gewe­sen. Auch soll mein Vater mich auf den Schul­tern getra­gen haben, wäh­rend ich sei­nen gro­ßen Kopf mit mei­nen klei­nen Armen umfass­te. Merk­wür­dig ist, dass ich mich an kei­ne Foto­gra­fie erin­ne­re, die mich dort oben als einen stol­zen Rei­ter zeigt, ver­mut­lich des­halb, weil mein Vater vor Jah­ren der ein­zi­ge Foto­graf der Fami­lie gewe­sen war. Es exis­tie­ren über­haupt nur weni­ge frü­he Bil­der, die ihn und mich gemein­sam zei­gen. Und so habe ich nun fol­gen­des pro­biert. Ich habe eine Foto­gra­fie in mei­nem Kopf illu­mi­niert, ein Doku­ment, das nie exis­tier­te und doch sehr wirk­lich wer­den könn­te, wenn ich nur lan­ge genug dar­an arbei­te. Das Doku­ment ist eine Schwarz-Weiß-Auf­nah­me. Sie zeigt einen Mann in wei­ten dunk­len Hosen, mit hel­lem Hemd, das ist mein Vater. Auf sei­nen Schul­tern sitzt ein klei­ner Jun­ge, auch er trägt ein hel­les Hemd, San­da­len und kur­ze Leder­ho­sen, das bin ich. Über uns ver­zweigt sich ein Ulmen­baum. Es ist ein mäch­ti­ger Baum. In sei­nem Schat­ten hin­ter einem Zaun ste­hen zwei Kame­le, sie schau­en uns an. Da ist noch ein Fla­min­go­vo­gel, hung­ri­ge Gestalt, der auf einem Bein mit­ten auf dem Spa­zier­weg steht. Das sieht alles schon sehr gut aus, fin­de ich. Ich habe mir die­ses Bild vor­ge­stellt, bis ich es so genau vor mir sehen konn­te, dass ich es auf einem vor­ge­stell­ten Tisch dre­hen und wen­den könn­te. Mein Vater, den ich jetzt in die­ser Wei­se sehen kann, war ein jun­ger Mann, der lach­te. Er zeig­te in die Rich­tung der Kame­le. Und auch ich zeig­te mit einem Fin­ger in die Rich­tung der Kame­le und auch ich lach­te. Es war Som­mer. — stop
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polartrompete

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gink­go : 6.55 — Eine Käfer­ge­stalt, die glei­cher­ma­ßen die Eigen­schaf­ten eines Trom­pe­ten­kä­fers wie die Eigen­schaf­ten eines Polar­kä­fers in sich ver­ei­ni­gen wür­de, ein Käfer dem­zu­fol­ge, der Trom­pe­ten­ge­räu­sche von sich zu geben in der Lage wäre einer­seits, ander­seits sich vom Licht der Son­ne ernähr­te, von feins­ten Stäu­ben der Luft und vom gefro­re­nen Was­ser zu sei­nen Füßen. Die­se Per­sön­lich­keit wäre das ers­te Wesen sei­ner Gat­tung, die ant­ark­ti­sche Land­schaft bewohn­te, ein Käfer feins­ter Musik. Er wür­de ver­mut­lich Geräu­sche der Eis­stür­me nach­emp­fin­den, wür­de sich mit Horn­fü­ßen in den Boden stem­men, wür­de das erin­ner­te Sau­sen pola­rer Nord­win­de mit dem erin­ner­ten Sau­sen pola­rer Süd­win­de ver­quir­len, West und Ostor­ka­ne dar­über pfei­fen, ohne je zu wis­sen, war­um er in die­ser Wei­se han­del­te. Und wenn man nun reis­te? Nun, der Kof­fer eines Trom­pe­ten­kä­fers pola­ren Ursprungs soll­te einer Zigar­ren­kis­te ähn­lich sein. Ich mei­ne die Grö­ße des Kof­fers, in deren gefüt­ter­ter Mit­te eine Ver­tie­fung zu fin­den wäre, den prä­zi­sen Kör­per­li­ni­en des Käfers fol­gend, sodass sich der Käfer dort ein­schmie­gen wür­de, schla­fen, ohne im Kof­fer selbst hin und her zu fal­len. Nicht rot der Samt des Fut­te­rals, son­dern weiß, näm­lich von Schnee gemacht, weil es sich bei dem Rei­se­kof­fer eines Trom­pe­ten­kä­fers pola­ren Ursprungs nicht eigent­lich um eine Zigar­ren­schach­tel han­del­te, viel mehr um einen Rei­se­kühl­schrank in der Gestalt eines höl­zer­nen Behäl­ters für Rauch­wa­ren in läng­li­cher Form. — Ort: Dome A. Posi­ti­on: 80°22’ S 77° 21’E. Tem­pe­ra­tur: — 82,5 °C. – stop

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schnürlkäfer

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char­lie : 8.58 — Wenn man mich fra­gen wür­de an die­sem schö­nen Mor­gen im Novem­ber, was ich mir wün­sche, ich wür­de ant­wor­ten, einen Ban­derl­kä­fer oder Schnürl­kä­fer in die­sem Moment, einen Käfer, der an sei­ner Spit­ze aus einem Kopf und einem gepan­zer­ten Brust­seg­ment bestehen könn­te, Füh­lern, Augen, Bei­nen, Flü­geln, einem Käfer­ge­fü­ge dem­zu­fol­ge wie wir es ken­nen, wenn da nicht eine bemer­kens­wer­te Fort­set­zung in der Gestalt des Käfers zu ver­zeich­nen wäre, ein Hin­ter­leib von enor­mer Grö­ße, schmal und lang und feucht, als habe sich dem Käfer ein Regen­wurm ange­schlos­sen, der nun selbst an sei­nem Ende der Käfer­ge­stalt ein Paar wei­te­rer Augen hin­zu­füg­te, und einen trieb­haf­ten Wil­len sich auf jeden Schuh zu stür­zen, um ihn auf der Stel­le, ob nun mit oder ohne Fuß, zu ver­schlie­ßen. – stop
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anweisung im umgang mit dienstweihnachtsbäumen

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~ : lou­is
to : dai­sy und vio­let hil­ton
sub­ject : WEIHNACHTSBÄUME

Soll­te ich fol­gen­de amt­li­che Anwei­sun­gen im Umgang mit Dienst­weih­nachts­bäu­men bereits ein­mal über­mit­telt haben, ver­zeiht mir bit­te. Ich bin in die­sen Tagen ein wenig ver­gess­lich, viel­leicht des­halb, weil ich lan­ge schla­fe, weil Okto­ber gewor­den ist, eine Art vor­win­ter­li­che Traum­zeit, die weit in die Tage her­über leuch­tet. Hier nun eini­ge Sät­ze, die der Wirk­lich­keit ent­nom­men sind, zur rei­nen Freu­de. Es han­delt sich, das ist denk­bar, um eine neu­ar­ti­ge Gat­tung feins­ter Lite­ra­tur. Ahoi. Euer Lou­is ~ > Arbeits­or­ga­nia­ti­ons­richt­li­ni­en über die Hand­ha­bung und Ver­wen­dung von Nadel­bäu­men klei­ne­ren und mitt­le­ren Wuch­ses, die in Dienst­räu­men Ver­wen­dung als Dienst­weih­nachts­bäu­me fin­den. ~ Begriff: Ein Dienst­weih­nachts­baum (DWB) ist ein Weih­nachts­baum natür­li­chen Ursprungs oder einem natür­li­chen Weih­nachts­baum nach­ge­bil­de­ter Weih­nachts­baum, der zur Weih­nachts­zeit in Dienst­räu­men auf­ge­stellt wird. ~ Auf­stel­len der Weih­nachts­bäu­me: Ein Dienst­weih­nachts­baum (DWB) darf nur von sach­kun­di­gen Per­so­nen nach Anwei­sung des unmit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten auf­ge­stellt wer­den. Die­ser hat dar­auf zu ach­ten, dass 1. der DWB (Dienst­weih­nachts­baum) mit sei­nem unte­ren der Spit­ze ent­ge­gen gesetz­ten Ende in einen zur Auf­nah­me von Bau­men­den geeig­ne­ten Hal­ter ein­ge­bracht und befes­tigt wird, 2. der DWB in der Hal­te­vor­rich­tung der­art ver­keilt wird, dass er senk­recht steht (in schwie­ri­gen Fäl­len ist ein Offi­zier hin­zu­zu­zie­hen, der die Senk­recht­stel­lung über­wacht. bzw. durch Zuru­fe wie “mehr links”, “mehr rechts” usw. kor­ri­giert), 3. im Umfall­be­reich des DWB kei­ne zer­brech­li­chen oder durch umfal­len­de DWB in ihrer Funk­ti­on zu beein­träch­ti­gen­de Anla­gen vor­han­den sind. ~ Behan­deln der Beleuch­tung: Der DWB ist mit weih­nacht­li­chem Behang nach Maß­ga­be des Dienst­stel­len­lei­ters zu ver­se­hen. Weih­nachts­baum­be­leuch­tung, deren Flam­men­wir­kung auf dem Ver­bren­nen eines Brenn­stof­fes mit Flam­men­wir­kung beruht (soge­nann­te Ker­zen), dür­fen nur Ver­wen­dung fin­den, wenn 1. die Bediens­te­ten über die Gefah­ren von Feu­ers­brüns­ten hin­rei­chend unter­rich­tet sind, 2. wäh­rend der Brenn­zeit der Beleuch­tungs­kör­per ein in der Feu­er­be­kämp­fung unter­wie­se­ner Sol­dat mit Feu­er­lö­scher und Feu­er­pat­sche bereit­steht. ~ Auf­füh­ren von Krip­pen­spie­len und Absin­gen von Weih­nachts­lie­dern: In Dienst­stel­len mit aus­rei­chen­dem Per­so­nal kön­nen Krip­pen­spie­le unter Lei­tung eines erfah­re­nen Vor­ge­setz­ten zur Auf­füh­rung gelan­gen. In der Beset­zung sind fol­gen­de in der Per­so­nal­pla­nung vor­zu­se­hen­de Per­so­nen not­wen­dig: 1. Maria: mög­lichst weib­li­che Bediens­te­te, 2. Josef: län­ger die­nen­der Sol­dat mit Bart, 3. Kind: klein­wüch­si­ger Sol­dat, 4. Esel: geeig­ne­ter Sol­dat, 5. Och­se: wie vor. Die Dar­stel­lung der Hei­li­gen Drei Köni­ge soll­te mög­lichst durch Gene­ral­stabs­of­fi­zie­re, min­des­tens jedoch durch Stabs­of­fi­zie­re erfol­gen. Zum Absin­gen von Weih­nachts­lie­dern stel­len sich die Sol­da­ten unter Anlei­tung eines Vor­ge­setz­ten ganz zwang­los nach Dienst­gra­den geord­net um den DWB auf. Even­tu­ell bei der Dienst­stel­le vor­han­de­ne Weih­nachts­ge­schen­ke kön­nen bei die­ser Gele­gen­heit durch einen Vor­ge­setz­ten in Gestalt eines Weih­nachts­man­nes an die Unter­ge­be­nen ver­teilt wer­den. — stop

gesen­det am
17.10.2011
12.05 MESZ
3082 zeichen

lou­is to dai­sy and violet »

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apfelbaumgalaxie

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char­lie : 8.55 — Berg­schat­ten­licht am frü­hen Mor­gen. Im Gar­ten, im Geäst schrul­li­ger Apfel­bäu­me, schim­mern­de Spinn­web­net­ze wie Gala­xien. Wie­der an Julio Cor­ta­zar gedacht, an Sät­ze, die der Schrift­stel­ler über das Vor­kom­men der Trep­pen­sub­stan­zen notier­te. Die­sen zum Bei­spiel: Jeder­mann wird schon ein­mal beob­ach­tet haben, dass sich der Boden häu­fig fal­tet, der­ge­stalt, dass ein Teil im rech­ten Win­kel zur Boden­ebe­ne ansteigt und der dar­auf fol­gen­de Teil sich par­al­lel zu die­ser Ebe­ne befin­det, um einer neu­en Senk­rech­te Platz zu machen. Oder jenen: Trep­pen steigt man von vorn, da sie sich von hin­ten oder von der Sei­te her als außer­or­dent­lich unbe­quem erwei­sen. — stop

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staten island ferry : blizzard

pic

papil­le : 16.28 — Eigen­ar­tig, das Ver­hal­ten der Papie­re, das Ver­hal­ten mei­ner Hän­de, mei­ner Blei­stif­te. Seit ich wie­der stun­den­wei­se mit ein­fachs­ten Werk­zeu­gen notie­re, mit Werk­zeu­gen, die ohne Elek­tri­zi­tät funk­tio­nie­ren, der Ver­dacht, dass von eigen­sin­ni­ger Natur ist, was ich auf klei­ne­re oder grö­ße­re Zet­tel schrei­be. Mei­ne Wör­ter wol­len sich nicht auf Lini­en legen, sie wol­len flie­gen, wes­halb sie über den Zei­len auf­wärts stei­gen. An einem ande­ren Tag, wie­der einem Tag ohn­mäch­ti­ger Hori­zon­te, sin­ken sie, ohne dass ich prä­zi­se sagen könn­te, war­um es an dem einen Tag auf­wärts und an dem ande­ren Tag abwärts­ge­hen will, immer­hin war jeweils nur ein wenig Schlaf zwi­schen da und dort zu ver­zeich­nen gewe­sen. Auch mit den Buch­sta­ben habe ich Mühe, mal bricht die Blei­stift­spit­ze, dann wie­der ist ein Zei­chen gemalt, das man doch eher für ein ganz ande­res hal­ten möch­te. Die Buch­sta­ben Z und G sind beson­ders wider­spens­ti­ge Gestal­ten, und das S und das A machen schon immer, was sie wol­len. Dage­gen sind das I und das M an jedem mei­ner Arbeits­ta­ge zuver­läs­si­ge Erschei­nun­gen, Wel­le und Giraf­fen­hals, schlicht und weich. Ich neh­me das jetzt, gera­de wie es kommt, in aller Ruhe. — stop

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schlafkapsel : standby

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oli­mam­bo : 14.28 — In der Stadt New York soll ein Schlaf­kap­sel­haus exis­tie­ren, man bezahlt 50 Dol­lar und darf sich in eine der 2700 Waben legen, die ange­nehm warm gestal­tet sind und gut iso­liert gegen Geräu­sche jeder Art. Oder in Schlaf­zü­gen rei­sen unter der Stadt, abge­dun­kel­te Fens­ter­bo­jen, die Lini­en 12 und 15, ohne je anzu­hal­ten Tag und Nacht. Man könn­te viel­leicht sehr bald ein­mal einen spe­zi­el­len Stoff­wech­sel­kreis­lauf für Men­schen erfin­den, einen spar­sa­men Modus der Ver­bren­nung, eine Vari­an­te, die akti­viert sein könn­te, sobald ein mensch­li­ches Wesen dau­er­haft erwerbs­los zu wer­den droht. Men­schen, frei von Auf­ga­be, wären nun in der Lage, zu exis­tie­ren, ohne nen­nens­wer­te Spu­ren zu hin­ter­las­sen, wür­den kaum noch Nah­rung zu sich neh­men, statt­des­sen schla­fen, län­ger schla­fen, als ande­re Men­schen, die sich in Brot und Arbeit befin­den. Man wünscht, sagen wir, in dem man schläf­rig wird, Zeit zu gewin­nen, Zeit zu über­brü­cken. Gan­ze Land­stri­che, Stadt­tei­le, Kon­ti­nen­te wären in die­ser Wei­se leich­ter Hand in einen Zustand des War­tens, der spar­sa­men, der schmerz­frei­en Dul­dung zu ver­set­zen. — stop
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PRÄPARIERSAAL : nachtarbeit

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tan­go : 23.15 — Im Regen mit Ton­band­ge­rät unter dem Schirm am See. Sams­tag. August­kas­ta­ni­en fal­len aus den Bäu­men. Auf den Häup­tern der Rot­wan­gen­schild­krö­ten, die sich zu mei­nen Füßen arg­los ver­sam­meln, als lausch­ten sie wie ich Magnet­kopf­stim­men, feuch­te Häub­chen von Ahorn­sa­men. Kaum ein Mensch unter­wegs. Ich dach­te für einen Moment, weiß nicht wie das gekom­men ist, dass ich an die­sem Ort ohne Zeu­gen sofort den Ver­such unter­neh­men könn­te, eine der Schild­krö­ten an ihrem Hals zu packen, sie aus dem Was­ser zu heben, um sie zu Hau­se in der Küche mit einem Mei­ßel zu öff­nen. Auf Por­zel­lan gebet­tet kurz dar­auf ein Rep­ti­li­en­häuf­chen, rosa­far­ben, feins­te Strei­fen Schild­krö­ten­bau­ches, des­sen eigent­li­che Gestalt ich mir hin­ter Pan­zer­häu­ten lie­gend zur­zeit nicht vor­stel­len kann. — 22 Uhr 58. Jani­ne erzählt: > Ich kann mich noch gut dar­an erin­nern, dass ich nachts auf­wach­te und den haar­lo­sen Kopf mei­nes Freun­des vor mir gese­hen habe. Ich erschrak fürch­ter­lich. Ich saß ein paar Minu­ten senk­recht im Bett, dann bin ich auf­ge­stan­den. Wir haben eine sehr schö­ne Küche. Ich habe von Zeit zu Zeit in der Küche kam­piert. Ich habe dort gelernt und manch­mal bin ich mit dem Kopf auf dem Ana­to­mie­at­las ein­ge­schla­fen. Merk­wür­dig, über wie viel Kraft ich doch ver­fü­ge. Ich war beim Tan­zen, zwei­mal wan­dern in den Ber­gen, ich habe gepaukt und ich habe mit dem Skal­pell gear­bei­tet. Ich habe vor­mit­tags und mit­tags und Abend für Abend in der Biblio­thek gele­sen. Und wenn ich nachts in der Küche ein­ge­schla­fen bin, dann waren da plötz­lich sehr schar­fe Bil­der in mei­nem Kopf. Auf­blit­zen­de Foto­gra­fien, die über­fall­ar­tig Angst erzeug­ten. Der geöff­ne­te Mund eines Toten. San­di­ge Zun­gen. Ein hoch auf­ra­gen­der, dun­kel­ro­ter Penis. Das zer­teil­te und gehäu­te­te Gesicht einer alten Frau. Das war nicht geträumt, ich habe die­se Bil­der bei vol­lem Bewusst­sein vor mir gese­hen. Jetzt kom­men sie mich sel­te­ner besu­chen. — stop

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von elefanten und ohren

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tan­go : 20.18 — Ich besuch­te im Traum ein Ele­fan­ten­haus. Kein gewöhn­li­ches Ele­fan­ten­haus, viel­mehr einen Ort, den eigen­ar­ti­ge Ele­fan­ten bewohn­ten. Das waren näm­lich Ele­fan­ten ohne jede Fal­te, sie waren so vor­nehm gestal­tet, als wären sie von Glas gebla­sen, hel­le Augen, die sich flink beweg­ten, peit­schen­de klei­ne, fal­ten­lo­se Schwän­ze, laut­los schwin­gen­de, fal­ten­lo­se Rüs­sel, rie­si­ge haar­lo­se Kör­per, grau, braun, rosa. Ich saß auf einer Bank in ihrer Nähe. Vögel stürm­ten unter dem Kup­pel­dach hin und her. Sobald sie ver­such­ten sich auf dem Rücken eines der Ele­fan­ten­tie­re nie­der­zu­las­sen, rutsch­ten sie ab und lan­de­ten auf dem Boden. Ein wei­te­rer Vogel saß auf mei­ner Schul­ter. Der Vogel war mit einem mei­ner Ohren beschäf­tigt, hack­te klei­ne­re Por­tio­nen aus der Muschel, knurr­te zufrie­den vor sich hin. Sobald das Ohr, um das sich der klei­ne Vogel bemüh­te, ver­schwun­den war, hol­te ich aus mei­ner Hosen­ta­sche ein neu­es Ohr, befes­tig­te das Ohr an mei­nem Kopf, und schon fraß der klei­ne Vogel wei­ter vor sich hin. Ein­mal kos­te­te ich heim­lich von einem der Ohren, die sich in mei­ner Hosen­ta­sche befan­den. Schmer­zen hat­te ich kei­ne. — stop



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