Aus der Wörtersammlung: bett

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sekundenfliege

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nord­pol : 1.32 — In der ver­gan­ge­nen Nacht habe ich eine E‑Mail notiert. Es war kurz nach drei Uhr. Die Frau, an die ich schrieb, lag ver­mut­lich in einem Bett und schlief. Dass ich an Men­schen schrei­be, die in dem Moment, da ich notie­re, schla­fen, ist für mich nicht unge­wöhn­lich, weil ich immer­hin wache, wäh­rend alle ande­ren in mei­ner euro­päi­schen Umge­bung schla­fen. Ges­tern aber hat­te ich ein selt­sa­mes Gefühl. Ich mein­te, mit der schla­fen­den Frau unmit­tel­bar spre­chen zu kön­nen, in dem ich notier­te. Ich wuss­te, dass sie bald auf­ste­hen wür­de, weil sie gegen 4 Uhr einer wich­ti­gen Auf­ga­be nach­zu­ge­hen hat­te. Ich notier­te: Lie­be H., es ist kurz nach drei Uhr. Lei­der musst Du bald auf­ste­hen. Aber das weißt Du ver­mut­lich gera­de noch nicht. – In die­sem Moment hör­te ich auf zu schrei­ben, ich war mir nicht sicher, ob ich nicht viel­leicht gera­de Unsinn notier­te. Plötz­lich die Fra­ge, ob man davon spre­chen kann, dass man im Schlaf etwas weiß, obwohl man gera­de dar­an nicht den­ken kann, weil man von etwas Ande­rem träumt? Ich dach­te: Lie­ber Lou­is, aber natür­lich weißt Du, dass in Dei­ner Küche Schei­ben einer Enten­brust dar­auf war­ten, ver­zehrt zu wer­den. Du weißt das genau seit zwei Stun­den, obwohl Du Dich seit­her in Gil­les Leroys Roman Zola Jack­son ver­tief­test. Ja, so dach­te ich. Auch erin­ner­te ich mich an eine Win­ter­flie­ge, die seit ges­tern Mor­gen durch mei­ne Woh­nung brummt. Vor drei Minu­ten habe ich von ihrer Exis­tenz schein­bar nichts gewusst, weil ich mich nicht erin­ner­te, als wäre sie nie­mals anwe­send gewe­sen. Irgend­et­was ist selt­sam hier. — stop
ping

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bristolhotel

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alpha : 2.26 — Fol­gen­de Per­son, ein Mann, könn­te rei­ne Erfin­dung sein. Der Mann war mir wäh­rend eines Spa­zier­gan­ges auf­ge­fal­len, das heißt, ich hat­te einen Ein­fall oder eine Idee, oder ich mach­te viel­leicht eine Ent­de­ckung. Ich könn­te von die­ser Per­son, die sich nicht weh­ren kann, behaup­ten, dass sie nicht ganz bei Ver­stand sein wird, weil sie seit lan­ger Zeit in einem Hotel­zim­mer lebt, wel­ches sie nie­mals ver­lässt. Das Hotel, in dem sich die­ses Zim­mer befin­det, erreicht man vom Flug­ha­fen der nor­we­gi­schen Stadt Ber­gen aus in 25 Minu­ten, sofern man sich ein Taxi leis­ten kann. Es ist das Bris­tol, unweit des Natio­nal­thea­ters gele­gen, dort, im drit­ten Stock, ein klei­nes Zim­mer, der Boden hell, sodass man mei­nen möch­te, man spa­zier­te auf Wal­kno­chen her­um. Nun aber zu dem Mann, von dem ich eigent­lich erzäh­len will. Es han­delt sich um einen wohl­ha­ben­den Mann im Alter von fünf­zig Jah­ren. Er ist 176 cm groß, gepflegt, kaum Haa­re auf dem Kopf, wiegt 73 Kilo­gramm, und trägt eine Bril­le. Sie­ben wei­ße Hem­den gehö­ren zu ihm, Strümp­fe, Unter­wä­sche, dun­kel­brau­ne Schu­he mit wei­chen Soh­len, ein hell­grau­er Anzug und ein Kof­fer, der unter dem Bett ver­wahrt wird. Auf einem Tisch nahe einem Fens­ter, zwei Hand­com­pu­ter. In den Anschluss des einen Com­pu­ters wur­de ein USB-Spei­cher­me­di­um ein­ge­führt. Auf dem Bild­schirm sind Ver­zeich­nis­se und Datei­na­men zu erken­nen, die sich auf jenem Spei­cher­me­di­um befin­den. Auf dem Bild­schirm des zwei­ten Com­pu­ters ein ähn­li­ches Bild, Ver­zeich­nis­se, Datei­na­men, Zeit­an­ga­ben, Grö­ßen­ord­nun­gen. Was wir sehen, sind Com­pu­ter des Man­nes, der Mann arbei­tet in Ber­gen im Bris­tol im Zim­mer auf dem Kno­chen­bo­den. Er sitzt vor den Bild­schir­men und öff­net Datei­en, um sie zu ver­glei­chen, Tex­te im Block­satz. Zei­le um Zei­le wan­dert der Mann mit­hil­fe einer Blei­stift­spit­ze durch das Gebiet der Wor­te, die ich nicht lesen kann, weil sie in einer Spra­che notiert wur­den, die mir unbe­kannt. Es scheint eine ver­schlüs­sel­te Spra­che zu sein, wes­halb der Mann dazu gezwun­gen ist, jedes Zei­chen für sich zu über­prü­fen. Fünf Stun­den Arbeit am Vor­mit­tag, fünf Stun­den Arbeit am Nach­mit­tag, und wei­te­re fünf Stun­den am Abend bis in die Nacht. Der Mann trinkt Tafel­was­ser, raucht nicht, und isst gern Fisch, Dorsch, See­teu­fel, Stein­butt. 277275 Datei­en sind zu über­prü­fen, 12.532.365 Sei­ten. Er scheint noch nicht sehr weit gekom­men zu sein. Die Vor­hän­ge der Fens­ter sind zuge­zo­gen, es ist ohne­hin gera­de eine Zeit ohne Licht. Ein Mäd­chen, das ihm manch­mal sei­nen Fisch ser­viert, macht ihm schö­ne Augen. Mor­gens sind die Hör­ner der Schif­fe zu ver­neh­men, die den Hafen der Stadt ver­las­sen. Es ist der 1. Dezem­ber 2013. — stop
polaroidhumming

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bohumil hrabal

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tan­go : 6.56 — Ich beob­ach­te mei­nen Fern­seh­bild­schirm. Er ist so flach, dass ich mei­ne, das beweg­te Bild, wel­ches er emp­fängt, müss­te trans­pa­rent sein wie ein Schmet­ter­lings­flü­gel. Ich könn­te in die­ser Vor­stel­lung durch das Zim­mer lau­fen, um jene Sequen­zen, die von Kriegs­vor­be­rei­tun­gen, von chir­ur­gi­schen, begrenz­ten Luft­schlä­gen erzäh­len, von der ande­ren Sei­te her zu betrach­ten. Erin­ne­re mich an Boh­u­mil Hra­bal, von dem berich­tet wird, er wür­de bevor­zugt hin­ter sei­nem Fern­seh­ge­rät Platz genom­men haben. Das muss zu einer Zeit gewe­sen sein, als Bild­schir­me in den Rah­men mons­trö­ser Appa­ra­tu­ren hock­ten, Röh­ren­bild­schir­me genau­er, die noch explo­die­ren konn­ten. Indem Hra­bal sei­nen Bild­emp­fän­ger von hin­ten betrach­te­te, han­del­te er mit dem Aus­druck äußers­ter Ver­wei­ge­rung, er saß dort und konn­te sich dar­auf ver­las­sen, kei­nes der emp­fan­ge­nen Bil­der sehen zu kön­nen, er war genau dort hin­ter jener Maschi­ne, die die Bil­der erzeug­te, vor den Bil­dern sicher. Viel­leicht hat­te er über­dies das Fern­seh­ge­rät aus­ge­schal­tet, ich weiß es nicht, gern wür­de ich ihn fra­gen, ihm erzäh­len, wie ich das mache in die­sen Tagen, da ich nicht mehr sicher bin, Lüge von Halb­wahr­heit oder Wahr­heit unter­schei­den zu kön­nen. Wirk­lich, wahr­haf­tig ist die­ses selt­sa­me, schmer­zen­de Gefühl, das ich bei dem Gedan­ken emp­fin­de, man könn­te die Armee des Dik­ta­tors Baschar al-Assad bom­bar­die­ren, sei­ne Flug­hä­fen, sei­ne Flug­zeu­ge, Rake­ten. Es ist ein zufrie­de­nes, zustim­men­des Gefühl, ein Reflex, wie ich so in mei­ner fried­li­chen, siche­ren Woh­nung sit­ze, eine Tas­se Kaf­fee in der Hand. Bald wan­de­re ich in die Küche und bra­te mir einen Fisch, eine klei­ne Dora­de. Ich höre die Stim­men der Kom­men­ta­to­ren vom Arbeits­zim­mer her, die wei­ter spre­chen, obwohl ich abwe­send bin. Und ich höre den Regen, es reg­net tat­säch­lich, dann hört es wie­der auf. Vögel flie­gen vor­über. Auf der Schei­be eines Fens­ters sitzt ein Mari­en­kä­fer und nascht von den Res­ten einer Wes­pe, die ich einen Tag zuvor töte­te, weil sie sich in der Dun­kel­heit mei­nem Bett näher­te. — stop
ping

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versuch über nachtsprache

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romeo : 22.58 — Vor einem mei­ner Fens­ter in der Höhe ist heu­te Abend eine klei­ne Spin­ne auf­ge­taucht, ein Jäger auf dem Fens­ter­brett, schnell, geschmei­dig, gestreif­ter Pelz, Augen so klein, dass ich sie nicht sehen kann. Mit die­sen Augen, die ich nicht sehen kann, beob­ach­te­te mich die Spin­ne ver­mut­lich, wäh­rend ich in ihrer Nähe am Fens­ter stand und Sät­ze wie­der­hol­te, die der­art ver­kno­tet waren, dass ich sie kaum aus­spre­chen konn­te. Die Spin­ne beweg­te sich nicht, und ich dach­te, viel­leicht hör­te sie mir zu, hört, was N., die seit zwölf Jah­ren als Sach­be­ar­bei­te­rin in der Nähe eines Flug­ha­fens arbei­tet, erzähl­te, war­um näm­lich die Begrü­ßung in der Nacht unter Nacht­ar­bei­tern eine selt­sa­me Ange­le­gen­heit sein kann. N’s Aus­sa­ge zur Fol­ge soll es jeweils nach Mit­ter­nacht zu Schwie­rig­kei­ten des­halb kom­men, weil man bis zur Mit­ter­nachts­stun­de noch einen guten Abend wün­schen kön­ne, indes­sen eine Per­son, der man im Auf­zug begeg­ne, in den ers­ten Minu­ten eines neu­en Tages bereits mit einem fröh­li­chen guten Mor­gen zu begrü­ßen sei, obwohl doch der nächs­te Mor­gen mit Licht oder Aus­sicht auf Fei­er­abend zu die­sem Zeit­punkt noch vie­le Stun­den weit ent­fernt sein müss­te. Ein eigen­tüm­li­ches Gefühl, sag­te N., das die­ser vor­aus­ei­len­de Mor­gen inmit­ten der Nacht noch nach Jah­ren in ihr erzeu­ge. Tat­säch­lich scheint es so zu sein, dass inmit­ten der Nacht die Nacht selbst in einer Begrü­ßungs­for­mel nicht ange­spro­chen wer­den kann, weil die For­mu­lie­rung Gute Nacht im all­ge­mei­nen Abschied bedeu­tet unter Men­schen, die zur übli­chen Wach­zeit exis­tie­ren, obwohl man doch im Moment des Abschie­des viel­leicht gera­de Stirn an Stirn in einem Bett liegt, man macht die Augen zu und schläft, sofern man glück­lich und zufrie­den ist. Zwei Schla­fen­de. Es ist so, als wären sie bei­de ver­reist, als wären sie bei­de nicht anwe­send, nicht erreich­bar, auch nicht für sich selbst, weil ein Schla­fen­der nie­mals zuver­läs­sig in der Lage sein wird, sich per­sön­lich zu wecken, ohne vor­beu­gend exter­nes Glo­cken­werk pro­gram­miert zu haben. Aber das ist schon wie­der eine ganz ande­re Geschich­te. — stop

ping

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kairo

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nord­pol : 23.56 — Kai­ro. Mitt­woch. Schlaf­los im abge­dun­kel­ten Zim­mer. Süd­li­ches Mit­tag­stun­den­licht. Drei Moni­to­re auf dem Sofa, ein Fern­seh­bild­schirm, ein Tele­fon. Beob­ach­te den Tag über aus gro­ßer Ent­fer­nung Spu­ren eines mensch­li­chen Infer­nos. Kom­men­ta­to­ren in eng­li­scher und ara­bi­scher Spra­che. Das Geräusch der Schüs­se hell. Loops, die immer wie­der die sel­ben grau­en­vol­len Bil­der zei­gen. Gigi Ibra­him, ägyp­ti­sche Akti­vis­tin, twit­tert vom frü­hen Mor­gen an in eng­li­scher Spra­che, 2 Tweets in ara­bi­scher Spra­che sind an die­ser Stel­le nicht wie­der­ge­ge­ben: 

Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug — I guess we have rea­ched the zero hour #rabaa army and poli­ce moving in to disper­se both pro-Mor­sy sit in ..this won’t be pret­ty #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I can hear from home which is near #rabaa the gunshots being fired other than that the­re is no chan­nels cove­ring this #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Meh­war chan­nel is actual­ly airing some live foo­ta­ge by Nah­da and Rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Meh­war Tv show­ing full bodi­ed armored riot poli­ce with tear gas shot­guns get­ting rea­dy #Rabaa #Nah­da ONT­V­li­ve is airing some foo­ta­ge too / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Huge amounts of trucks army, poli­ce, and spe­cial forces floo­ding #Nah­da sitin with tear gas live on ONTVLIVE / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug A war­ning speech is being announ­ced via loud spea­k­ers with army trucks direc­ting pro­tes­ters to not resist pro­vi­ding them a safe exit #nah­da / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Big black smo­ke coming out of the sit in pro­tes­ters might have lit some tires to deter the tear gas smo­ke #nah­da / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug / If I am not mista­ken, the­se loud sharp round shots are sound shots now live in #nah­da via OnT­v­li­ve / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug This is the first time I see tho­se loud spea­k­ers for war­ning befo­re disper­sing a sit in #Rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 /14 Aug Heli­c­op­ter fly­ing over near #rabaa now I can  hear it from home ..I also can hear gun shots #NasrCi­ty / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Trucks are going into #rabaa to level all the bar­riers MB have put up huge amounts of tear gas bring fired, smo­ke ever­y­whe­re via Meh­war / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug This is Abaas el Akad st #NasrCi­ty / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Al Nahar is brin­ging clo­se up foo­ta­ge #Nah­da sitin being leve­led by trucks while gunshots are being fired in the back­ground / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug MB in #Rabaa are report­ing over 8 kil­led with live bul­lets this is uncon­firm­ed but belie­va­ble / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Non stop heli­c­op­ters fly­ing over #rabaa area / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I have never seen the army or poli­ce disper­sing a sit-in this way, usual­ly it is shoot, kill, or/& detain still I am against the disper­se / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Meh­war TV is say­ing that Mobil gas sta­ti­on (loca­ted at Yous­sef Abbas and Nasr st) at #Rabaa sit in has explo­ded! / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug  MB pro-Mor­sy sup­port­ers are pro­test­ing at Aswan  gover­ne­ra­te buil­ding in respon­se to the attacks in #nah­da and #rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Accor­ding to aljz foo­ta­ge, army and riot poli­ce have yet to reach the cen­ter of the sitin in #Rabaa still full of peo­p­le rus­hing inju­red / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug #Rabaa stage has shiekhs in gas masks pary­ing sur­re­al loo­king / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug #rabaa field hos­pi­tal show­ing most­ly the flo­or and came­ra moving around then a few injured/dead via alja­ze­era / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Health minis­try reports no deaths yet, sta­te TV reports 2 poli­ce offi­cers kil­led, alj­ze­era now says 77 MB kil­led #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Foo­ta­ge on alj­ze­era show­ing sni­pers but honest­ly I cant con­firm whe­re exact­ly in #Rabaa or how genu­in it is..looks off but could be real too / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Alja­ze­era is strea­ming live #rabaa audio and recy­cling the same foo­ta­ge ..pret­ty much #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Now alj­ze­era jumps the kil­led from 77 to 120 via the field hos­pi­tal #rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@Beltrew: Live ammo being shot from poli­ce, crou­ch­ing behind car” #Rabaa #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: Get­ting arres­ted” #Rabaa AFP repor­ter is get­ting atres­ted 8:48 am #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: With two pho­to­graph­ers, sol­diers have taken their came­ras and dele­ting all their pho­tos.” AFP repor­ter at #Rabaa arres­ted / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug @sarahussein @tomfinn2 @FarahSaafan cor­rec­ted my bad Tom is reu­ters’ not AFP repor­ter / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Foo­ta­ge from Nah­da in Giza show­ing seve­ral arrests by poli­ce of pro­tes­ters / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug MB pro-Mor­sy sup­port­ers in #alex­an­dria are also pro­teating in respon­se to the disper­sal of Nah­da and Rabaa sit ins #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: They let us go.” Reu­ters repor­ter let go after been arres­ted in #Rabaa but all foo­ta­ge dele­ted / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug  @MariamKirollos @cairowire ? Explain the seems part plz / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Sound of gun­fi­re con­ti­nues whe­re i live near #rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Alja­ze­era jumps from 77 to 120 to now 450 kil­led in #Rabaa via the field hos­pi­tal / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Here goes the heli­c­op­ters again abo­ve #Rabaa area whe­re I live / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Disper­sing the sitin will only get the Isla­mists more united, more orga­ni­zed and more mobi­li­zed ..now who knows what will hap­pen #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug More vio­lence and more repres­si­on is what’s expec­ted by today’s dispersal..if you think MB force will go down this easy, u r mista­ken / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14  Aug  What is hap­pe­ning in Mohand­ssi­en? / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Appar­ent­ly MB attemp­ting to start a sit in in Mohand­ssi­en in Mos­ta­fa Mah­moud sq and blo­cked some roads / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Teat gas rea­chee in front of stage in #Rabaa ..peo­p­le run­jing but most resis­ting and thro­winf back the tear gas via alja­ze­era / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug In respon­se to army & poli­ce attack of pro-Mor­sy sit-ins few churches and copts-owned shops have been bur­ned or atta­cked in upper #Egypt Many jour­na­lists are cordo­ned off, not allo­wed ent­ry to Rabaa even though they made if clear to secu­ri­ty forces they are repor­ters. / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug While all media is focu­sed on #Rabaa and #Nah­da sitins , chru­ches are being bur­nee and atta­cked in upper #Egypt ..No covera­ge!!! @Ontveg / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I can here gun fire non­stop near #Rabaa whe­re I live ..I also smell smo­ke even though I am abt 15 min walk from the­re #NasrCi­ty / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Mean­while in Mohandssien,“civilians” some w/ beards are tearing down a poli­ce car& van­da­li­zing it bea­ting ano­ther civi­li­an drip­ping in blood  / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I am home & I feel trap­ped insi­de it & I’m not even loo­king over #Rabaa only near it..helicopters, gunshots, smo­ke by sit­ting on the couch / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug 6 octo­ber bridge clo­sed! / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug They are too busy being MB mouth­pie­ce RT “@MalakBoghdady: 6 churches burnt down in 3 hours!! Broad­cast this if you dare @CNN #Egypt” / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Why the hell is NO one tal­king about churches being bur­ned in ANY media???!! A7a / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 23h News about enfor­cing a cur­few short­ly ..this is shit #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h Cur­few starts from 7 pm to 6am ..let’s see how many civi­li­ans will be tried in mili­ta­ry courts this time..down with mili­ta­ry rule !!! #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h I lite­ral­ly feel impri­so­ned and not the same fee­ling of fuck cur­few like all the first months under SCAF #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h Dic­ta­tor­ships get cemen­ted woith emer­gen­cy law and cur­fews ..it starts for just a “month” then it lasts a life time #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h @sarahlphillips email me (twit­ter name at gmail) / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h If the sitins were not atta­cked, ima­gi­ne what would have hap­pen­ed then compa­re it with what is hap­pe­ning now .. #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h Bey­ond depres­sed with what is hap­pe­ning ..ever­y­thing is shit #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h The­re is a small pro­test in the street behind my house chan­ting “ya rab, we are mar­tyrs by the mil­li­ons” #NasrCi­ty side streets from  #Rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h  State­ment from #Egypt Revo­lu­tio­na­ry Socia­lists on the mas­sacre in Cai­ro, Down with mili­ta­ry rule! / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 15h — Heli­c­op­ters are still hove­ring around #Rabaa area even after it is cle­ared ..annoy­ing to keep hea­ring it #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h El Bara­die resigns #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h Mor­sy remo­ved by army #Egypt pic.twitter.com/4oie8UzzyF / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h haha El Bara­die base who hate Ikhwan view him now as a coward,& the peo­p­le who saw him as a tool now respect him for resig­ning #Truesto­ry / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h My FB time­line is bet­ween cus­sing Bara­die and tho­se who are salu­ting him..i am indif­fe­rent, he should have known bet­ter going into SCAF gov / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Pho­tos: #Rabaa sitin second mas­sacre http://www.flickr.com/photos / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h You know that fee­ling in your sto­mach that makes you feel like you can’t brea­the that’s all i am fee­ling right now / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h  any­thing strea­ming what is hap­pe­ning in #Rabaa now? ..have they cle­ared it all? / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h  And the cur­few starts.. #NoMil­Tri­als #NoS­CAF #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h The divi­si­ons are get­ting clea­rer and the grey area is dimi­nis­hing #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Tho­se who are Ikwa­no­pho­bic, pro-army, secu­la­rists, “pro-revo­lu­ti­on” are the ones denoun­cing Baradie’s decis­i­on the har­dest #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h  Tho­se who are pro-revo­lu­ti­on, secu­la­rists, against SCAF’s mas­sacre, yet against MB are more wel­co­ming of Baradie’s choice #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h I hate to gene­ra­li­ze, but some­ti­mes it is nee­ded to explain com­plex situa­tions kno­wing that the­re are always excep­ti­ons #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Cur­few has been post­po­ned to start at 9 pm ins­tead of 7 pm, ends at 6 am #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Tam­rood go to fuck­in hell! coun­ter-revo­lu­ti­on at best / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 17h / Being a news repor­ter in Egypt means you are not a repor­ter rather giving us your pathe­tic opi­ni­on (on whi­che­ver side you are) #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 17h CBC reports that MB lea­ders Bel­ta­gy, Eri­an, and Hega­zy have been arres­ted by #Rabaa , anyo­ne con­firm­ed that? #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 17h  @RamyYaacoub natio­na­lism aka fascism / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h  — #Moi pres­ser is start­ing #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — Until now MOI men­tio­ned NOTHING of burnt churches #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — He just men­tio­ned 7 churches burnt but not that they fai­led to pro­tect them #Moi #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — #Moi denies the alle­ga­ti­on of the escape and arrest of Bel­ta­gy, Hega­zy and Eri­an being very vague #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — #MOI pres­ser was just cut on @ONtveg why? / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — Why was the #MOI pres­ser cut on all chan­nels when it is not over yet ? #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — #MOI no sit in will be tole­ra­ted in any sq in the enti­re coun­try and will be dealt with firm­ly in coor­di­na­ti­on with mili­ta­ry forces #Egypt /// — stop  :::  gigi ibra­him on twitter

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regen

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ulys­ses : 6.06 — Ges­tern Abend tele­fo­nier­te ich mit einer Freun­din. Sie hat­te kurz zuvor geschrie­ben, Hoch­was­ser habe den Kel­ler ihres Hau­ses erreicht. Sie erzähl­te, das Was­ser kom­me nun durch zwei klei­ne Löcher in Boden und Wand her­ein, 5 Liter in einer hal­ben Stun­de. Ich hör­te ihre Stim­me, erschöpft, müde, sie wol­le sich einen Wecker stel­len und jede hal­be Stun­de Was­ser schöp­fen. Eine har­te Sache, die noch einen Tag und eine gan­ze Nacht so wei­ter­ge­hen kön­ne. Wäh­rend wir spra­chen, war das Geräusch trop­fen­den Was­sers im Hin­ter­grund zu ver­neh­men, als wür­de mei­ne Gesprächs­part­ne­rin in einer Höh­le sit­zen, in einer ent­fern­ten Zeit, auf dem Mond oder auf dem Mars. Als ich klein und sehr uner­fah­ren gewe­sen war, hat­te ich die Vor­stel­lung, nach star­kem Regen könn­te das Was­ser in Tele­fon­lei­tun­gen drin­gen. Ich wun­der­te mich des­halb, dass das Tele­fo­nie­ren nach Gewit­ter­re­gen noch funk­tio­nier­te. Wenn ich dann etwas spä­ter durch den Gar­ten spa­zier­te, mein­te ich zu beob­ach­ten, wie unse­re Tele­fon­lei­tun­gen aus dem Boden flüch­te­ten. Sie hat­ten sich zu Tei­len auf­ge­löst und schlän­gel­ten, hell­ro­te, glän­zen­de Wür­mer, durch das feuch­te Gras. Ich konn­te sie berüh­ren, und wenn ich sie ihn mei­ne Hän­de nahm, kit­zel­te es sehr ange­nehm auf den Hand­flä­chen. Ein­mal setz­te ich eine flüch­ten­de Tele­fon­lei­tung in ein Mar­me­la­den­glas. Es waren ein gutes Dut­zend Wür­mer gewe­sen, die sich um Aus­gang bemüh­ten. Ich beäug­te sie lan­ge Zeit, die Wän­de des Gla­ses beschlu­gen rasch, sodass ich das Glas immer wie­der öff­nen muss­te. Wenn ich mein Ohr an den Behäl­ter drück­te, konn­te ich sie hören, einen eigen­tüm­li­chen Laut der Not, für des­sen Beschrei­bung ich bis­her kein Wort ent­deck­te. Damals nahm ich das Glas mit in mein Zim­mer. Ich stell­te es unter mein Bett. Am nächs­ten Mor­gen hat­te ich sei­ne Exis­tenz ver­ges­sen. — stop

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aleppo

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char­lie : 20.05 — Als Kind konn­te ich an Geräu­schen der Luft unter­schei­den, ob ich einer sin­gen­den Amsel lausch­te oder einer Mei­se, einer Ler­che, einem Rot­kehl­chen. Ich hör­te nun, die Kin­der von Alep­po sol­len in der Lage sein, sehr genau zu unter­schei­den, um wel­che Art Muni­ti­on es sich han­delt, die nachts ihre Bet­ten erschüt­tert, wel­che Flug­zeug­gat­tun­gen sich am Him­mel befin­den, das Kali­ber deto­nie­ren­der Gra­na­ten zu erra­ten. — stop

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drohne 12

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kili­man­dscha­ro : 2.28 — Zwölf­hun­derts­tes Hotel­zim­mer – sei mir gegrüßt! Sei mir gegrüßt, mit mäßig gutem Bett, Spie­gel­schrank, Kom­mo­de, wacke­li­gem Schreib­tisch; mit rosa Nacht­tisch­lam­pe, abge­schab­tem Tep­pich, Was­ser­ka­raf­fe, Brief­pa­pier, Kof­fer­stän­der. Sei gegrüßt, Hei­mat seit einer hal­ben Stun­de, Hei­mat für zwei, drei oder vier­zehn Tage -: Wirst Du mir freund­lich gesinnt sein? Wer­de ich bei Dir aus­ru­hen dür­fen? — Ich lese Klaus Mann. Seit bald sechs Stun­den lese ich in einem Buch, das sei­ne Tex­te ver­sam­melt, eine Aus­wahl. Ich habe das Buch bereits vom ers­ten bis zum letz­ten Satz gele­sen. Nun, indem ich wie­der von vorn begin­nen wer­de, zu einem Zeit­punkt, da ich nicht weiß, wie lan­ge es dau­ern wird, bis ich mich wie­der bewe­gen wer­den kann, habe ich beschlos­sen, das Buch abzu­schrei­ben, weil das Buch abzu­schrei­ben län­ge­re Zeit in Anspruch neh­men wird, als das Buch zu lesen. Ich muss mich näm­lich beschäf­ti­gen, um mei­ne inne­re Ruhe nicht zu ver­lie­ren, weil ich Grund habe, äußerst beun­ru­higt zu sein. Es war gegen 8 Uhr abends, gera­de Däm­me­rung, als ich vor dem Fens­ter im 22. Stock eine Bewe­gung bemerk­te. Ich hat­te gera­de fünf Sei­ten des Buches gele­sen, als ich den Blick auf das Fens­ter rich­te­te. Ich bemerk­te eine Droh­ne, ein klei­nes Flug­ob­jekt, das zu mir her­ein­späh­te. Sie ist immer noch da. Sie filmt mich, wie ich hier auf mei­nem Sofa sit­ze. Ich habe den Ver­dacht, dass sie mög­li­cher­wei­se eine oder zwei Waf­fen auf mich rich­tet, wes­we­gen ich so tue, als wür­de ich sie nicht sehen. Und doch traue ich mich nicht, mich zu erhe­ben, obwohl ich sehr durs­tig bin und hung­rig. Kaum will ich einen Fuß auf den Boden stel­len, kommt die Droh­ne so nah an das Fens­ter mei­nes Zim­mers her­an, dass ich mei­ne, sie wür­de die Schei­be berüh­ren. Ich weiß, dass man mich betrach­tet, ver­dammt, wer auch immer Ihr seid, ich weiß, dass Ihr mich betrach­tet. Ich sage Euch, ich erklä­re hier­mit, ich wer­de Euch kei­nen Gefal­len tun, ich wer­de Euch nicht rei­zen, ich wer­de Euch kei­nen Anlass geben, auf mich zu feu­ern. Ich bin ganz ruhig, ich bin gelas­sen, Klaus Mann ist bei mir, ich lese, ich schrei­be. Es ist kurz nach zwei Uhr. Fan­gen wir noch ein­mal von vorn an: Ich weiß nicht, wohin ich fah­re. Ich fah­re irgend­wo­hin. Ich tra­ge mei­nen Hand­kof­fer, ein paar Bücher, den Regen­man­tel. — stop

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flamingo

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alpha : 2.25 — Seit eini­gen Wochen der Ver­dacht, dass sich Wör­ter mei­ner Par­tic­les-Sphä­re genau so ver­hal­ten, als wären sie unge­bän­dig­te Lebe­we­sen, sie tun näm­lich in heim­li­cher Wei­se was sie wol­len, fügen sich zum Bei­spiel selbst Buch­sta­ben hin­zu oder las­sen Buch­sta­ben, die für ihre spe­zi­el­le Exis­tenz unver­zicht­bar sind, ver­schwin­den. Ande­re Wör­ter las­sen Buch­sta­ben krei­sen, einen Buch­sta­ben um einen ande­ren Buch­sta­ben. Kaum habe ich nach lan­ger Arbeit in der Nacht die Augen zuge­macht, geht das alles los. Und wenn ich dann wach gewor­den bin und betrach­te, was ich nachts notier­te, mein Gott, den­ke ich, aus Wet­ter ist Wat­te gewor­den, aus Mie­te Mut, aus Regen­schir­men Schir­me von Schnee. Gera­de eben habe ich das Wort Möwe in einem Text beob­ach­tet, den ich vor Mona­ten notier­te. Ich hat­te die­ses Wort schon lan­ge im Auge. Eine Stun­de betrach­te­te ich das Wort, ohne dass es sich ver­än­der­te. Kaum aber war ich für eine Minu­te aus dem Raum getre­ten, um in die Küche zu gehen, wur­de aus der Möwe eine Mive, das kann ich so genau sagen, weil ich, als ich an den Schreib­tisch zurück­kehr­te, gera­de noch sehen konn­te, wie aus dem Wort Mive wie­der das Wort Möwe wur­de. Eine selt­sa­me Sache. Auch gan­ze Wör­ter schei­nen durch den Text­raum wie durch Zeit zu rei­sen. Im Juli 2008 fabri­zier­te ich eine klei­ne Geschich­te, die davon erzählt, war­um ich nachts manch­mal im Dunk­len sit­ze. Genau die­sen Text scheint das Wort Fla­min­go beson­ders ange­nehm zu fin­den, wes­we­gen es immer wie­der erschei­nen will im Text anstel­le der Flie­gen, die Tee­flie­gen sind. Schau­en Sie selbst, Sie müs­sen nur lan­ge genug Beob­ach­ter oder Beob­ach­te­rin sein, dann wer­den Sie schon sehen: Heut Nacht sit­ze ich im Dun­keln, weil ich her­aus­zu­fin­den wün­sche, ob Libel­len auch in licht­lee­ren Räu­men flie­gen, schwe­ben, jagen. Als ich ges­tern, das soll­ten Sie wis­sen, gegen den Mit­tag zu erwach­te, balan­cier­te eine Libel­le, mari­ne­blau, auf dem Rand einer Karaf­fe Tee, die ich neben mei­nem Bett abge­stellt hat­te, schau­te mir beim Auf­wa­chen zu und nasch­te, solan­ge ich nur ein Auge beweg­te, indem sie rhyth­misch mit einer sehr lan­gen Zun­ge bis auf den Grund des zimt­far­be­nen Gewäs­sers tauch­te. Viel­leicht jag­te sie nach Fischen oder Lar­ven oder klei­nen Flie­gen, nach Tee­flie­gen, kochend heiß, die küh­ler gewor­den sein moch­ten, wäh­rend ich schlief. Oder aber sie hat­te end­lich Geschmack gefun­den auch an süßen Din­gen des Lebens, wes­halb ich kurz vor Mit­ter­nacht einen Löf­fel Honig erhitz­te und auf die Fens­ter­bank trop­fen ließ, um dann sofort das Licht zu löschen. Und so war­te ich nun bereits seit drei Stun­den und höre selt­sa­me Geräu­sche, von Men­schen viel­leicht oder ande­ren wil­den Tie­ren. — stop – Zwei Uhr und fünf­und­zwan­zig Minu­ten. Wahr­schein­lich ist auch heu­te, wäh­rend ich schlief, wie­der alles in Bewe­gung gewe­sen. — stop

polaroidvoegel

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josephine auf der mary murray

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tan­go : 6.34 — Ist das nicht eine wun­der­ba­re Vor­stel­lung, wie sich Jose­phi­ne an einem war­men Sams­tag­vor­mit­tag auf den Weg macht nach New Jer­sey, um das Wrack der MS Mary Mur­ray zu besich­ti­gen? Wie sie ein Taxi ordert. Wie der Fah­rer erzählt, dass er noch nie eine so wei­te Fahrt unter­nom­men habe im Auf­trag. Eigent­lich dür­fe er mit sei­nem Wagen die Stadt nicht ver­las­sen. Also stei­gen sie in Jose­phi­nes Auto um, einen uralten Buick, der seit über einem Jahr­zehnt nicht aus der Gara­ge bewegt wor­den war. Sie neh­men die Ver­raza­no-Nar­rows Bridge süd­wärts. Jose­phi­ne raucht schon lan­ge nicht mehr, aber heu­te macht sie eine Aus­nah­me, eine. Ihr dün­nes wei­ßes Haar, das im Wind flat­tert, fängt sie mit wen­di­gen Fin­gern wie­der ein. Sie trägt Turn­schu­he und ein oran­ge­far­be­nes, som­mer­li­ches Kleid. Die Haut ihrer Bei­ne, Arme, Schul­tern sind hell wie ihr Haar. Eine Stun­de rau­schen sie wort­los auf dem New Jer­sey Turn­pi­ke dahin. Nahe Free­holf hal­ten sie an. Gleich neben dem High­way bewegt sich ein Fluss, dunk­les, müdes Was­ser, lang­sam. Am Ufer war­tet ein jun­ger, bär­ti­ger Mann in einem Pad­del­boot von leuch­tend roter Far­be. Wie Jose­phi­ne sich in die­sem Augen­blick wünscht, foto­gra­fiert zu wer­den, wie sie sich in das Boot setzt, wie sie ihren Stroh­hut mit bei­den Hän­den zurecht­rückt, dann fah­ren sie los, unter mäch­ti­gen Brü­cken hin­durch in Rich­tung des Rarit­an­flus­ses. Möwen ste­hen im bra­cki­gen Was­ser. Es ist fast still, nur das Geräusch des Pad­dels, ein paar Flie­gen brum­men durch die Luft. Ein­mal nähert sich ein Hub­schrau­ber der Küs­ten­wa­che, dreht wie­der ab. Und plötz­lich ist sie zu sehen, eine Fata Mor­ga­na in der Land­schaft, das aus­ran­gier­te gewal­ti­ge Fähr­schiff der Sta­ten Island Flot­te, die MS Mary Mur­ray. Schlag­sei­te steu­er­bords ruht sie in einem Bett von Schilf, Libel­len schie­ßen hin und her, blaue und grü­ne rie­si­ge Tie­re. Wie sich Jose­phi­ne und der jun­ge Mann dem Schiffs­wrack vor­sich­tig nähern. Wie der jun­ge Mann eine Lei­ter am Rumpf des Schif­fes befes­tigt. Wir sehen der alten Dame zu, wie sie vor­sich­tig Spros­se um Spros­se erklimmt. Ihr behut­sa­mer Gang über das Deck, das sich neigt. Jetzt, da die Far­ben vom Schiffs­kör­per fal­len, von Stür­men und Regen gepeitscht, von der Son­ne gebrannt, kann man das höl­zer­ne Herz der alten Flot­ten­da­me erken­nen, Käfer und Amei­sen spa­zie­ren über die Sitz­bän­ke der Pro­me­na­de. Jose­phi­ne muss nicht lan­ge suchen, im Schat­ten einer Ulme, die sich über das Schiff zu beu­gen scheint, eine Sitz­bank, hier genau, ja, hier genau muss die Schrift ihrer Schwes­ter Geral­di­ne zu ent­de­cken sein, ein Satz nur, den das klei­ne Mäd­chen im Jahr 1952 an einem Som­mer­nach­mit­tag auf dem Weg von Man­hat­tan nach Sta­ten Island in das Holz der Bank geritzt hat­te, wäh­rend ihre Zwil­lings­schwes­ter Char­lot­te sie vor Ent­de­ckung schütz­te. Wie Jose­phi­nes zit­tern­de Fin­ger in die­sem Augen­blick über die Ver­tie­fung der Zei­chen fah­ren. — stop

jose­phi­ne

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