Aus der Wörtersammlung: einmal

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amsterdam

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hima­la­ya : 15.16 UTC — Vor weni­gen Wochen erwar­te­te ich in einem Café an der Zen­tral­sta­di­on die Ankunft eines Zuges aus Ams­ter­dam. Um die Zeit zu ver­trei­ben, such­te ich in den Archi­ven mei­ner Schreib­ma­schi­ne nach einem Bild, an das ich mich aus irgend­ei­nem Grund erin­nert hat­te. Ich wuss­te noch, dass die­ses erin­ner­te Bild im eigent­li­chen Sin­ne kein Bild ist, unbe­weg­lich, son­dern eine Grup­pe von Foto­gra­fien, die in vor­be­stimm­ter Rei­hen­fol­ge rhyth­misch zur Auf­füh­rung kom­men. Es han­delt sich in etwa um eine Serie gefan­ge­ner Bil­der, die einen oder vier Män­ner zei­gen, der oder die sich in akro­ba­ti­scher Wei­se durch vier Zim­mer eines Hau­ses bewe­gen. Kurz nach­dem ich das ani­mier­te Bild gefun­den hat­te, schau­te mir ein Mäd­chen von viel­leicht sechs Jah­ren neu­gie­rig über die Schul­ter. Sie sag­te: Das ist aber lus­tig! — Fin­dest Du, frag­te ich zurück. Das ist doch aber sehr anstren­gend, was die Män­ner da tun! — Das Mäd­chen schau­te mich an und ver­dreh­te die Augen: Die Män­ner sind nicht echt. — stop


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nuevo mundo

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lima : 12.15 UTC — Ich stel­le mir einen Film vor, ein media­les Arche Noah Prin­zip, jedes Lebe­we­sen unse­res Pla­ne­ten wäre dar­auf ver­zeich­net, jede Pflan­ze, auch das mikro­sko­pisch Kleins­te, Mikro­ben, Bak­te­ri­en, Viren. In kür­zes­te Schnitt­fol­gen müss­te die­ser Film zer­legt sein, um in mensch­li­cher Lebens­zeit je betrach­tet wer­den zu kön­nen. Wel­ches Lebe­we­sen könn­te auf dem letz­ten ver­füg­ba­ren Bild des Fil­mes zu sehen sein? — stop

ping

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monsun

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sier­ra : 12.01 UTC — Bald ein­mal ist drin­gend eine Samm­lung von Beob­ach­tun­gen anzu­le­gen, von Ereig­nis­sen, die ich mit mei­nem per­sön­li­chen Leben nicht unmit­tel­bar in Ver­bin­dung set­zen kann, die jedoch zen­tra­le Erfah­run­gen unge­zähl­ter Men­schen sind, die vor mei­nen Augen auf Fern­seh­bild­schir­men erschei­nen, auf Titel­sei­ten papie­re­ner oder elek­tri­scher Zei­tun­gen. Kann ich mir Hun­ger vor­stel­len? Ich mei­ne, nicht vor­sätz­li­chen Hun­ger der Fas­ten­zeit, viel­mehr tat­säch­li­chen Hun­ger, Hun­ger, der einen mensch­li­chen Kör­per beschä­digt oder zer­stört. Wie fühlt es sich an, in Brook­lyn ohne Aus­weis­pa­pie­re zu exis­tie­ren? Oder die Furcht einer Frau, in einem Außen­be­zirk der Stadt Delhi nach einer Spät­schicht einen Bus zu bestei­gen. L., der ich leib­haf­tig begeg­ne­te, erzähl­te Fol­gen­des: Ich bin in Mum­bai gebo­ren, ich lie­be mein Land. Ich lie­be mein Land zu jeder Jah­res­zeit. In Indi­en bedeu­tet das Wort Regen­zeit Mon­sun oder Bar­saat. In Kal­kut­ta wirst Du Mon­sun­re­gen erle­ben, der vom Him­mel kommt, auch außer­dem eine Art Mon­sun, der aus dem Boden steigt. — stop

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im aufzug : zwei hände

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char­lie : 10.02 UTC — Die plötz­li­che Lang­sam­keit mei­nes Den­kens im Gespräch mit Men­schen, die die Spra­che mei­nes Den­kens nicht oder nicht wirk­lich gut ver­ste­hen. Unver­züg­li­che, inten­si­ve Suche nach Mög­lich­kei­ten ein­fa­cher Dar­stel­lung, oder gar die Erfin­dung einer indi­vi­du­el­len, einer in die­sem Moment des Ver­stän­di­gungs­ver­su­ches wirk­sa­men Zei­chen­spra­che, Rada­re, die anstren­gend sind wie Spring­seil­trai­ning an Ort und Stel­le. Ein­mal begeg­ne­te ich einem Mann in einem Auf­zug. Sein Gesicht war ent­stellt, er moch­te mich nicht anse­hen, er schimpf­te laut­stark mit sei­ner Hand. Plötz­lich hör­te ich Sät­ze, die an mich gerich­tet waren. Als ich dem scheu­en Mann ant­wor­te­te, sprach ich, eine vor­sich­ti­ge Ges­te, gleich­wohl in die Rich­tung mei­ner eige­nen rech­ten Hand, sodass unse­re Hän­de zu Tele­fo­nen wur­den. — stop
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nach darjeeling

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papa : 12.15 UTC — Ich habe zur Stun­de eine Fra­ge, die zu beant­wor­ten ver­mut­lich nicht  leicht sein wird. In weni­gen Minu­ten wer­de ich näm­lich für einen alten Freund eine Schreib­ma­schi­ne erwer­ben, eine mecha­ni­sche Rei­se­schreib­ma­schi­ne des Typs Olym­pia Sple­ndid 66 in roter Far­be, ein wun­der­schö­nes Stück aus dem Jahr 1959, ich wür­de sie im Grun­de gern selbst besit­zen. Mein Freund wird bald ver­rei­sen, ich neh­me an, nicht ohne sei­ne neue Schreib­ma­schi­ne mit sich zu neh­men, eine Rei­se, die ihn durch Indi­en mit der Eisen­bahn von Mum­bai nach Dar­jee­ling füh­ren wird. Als ich mei­nen Freund Lud­wig zum letz­ten Mal sah, arbei­te­te er auf einem Note­book schrei­bend in einem Café an einer Geschich­te über Algo­rith­men lie­be­vol­ler Selbst­be­fra­gung. Sein Note­book war zu die­sem Zeit­punkt bereits eini­ge Jah­re alt, jene Orte des Gehäu­ses, da es Ton und Bild­auf­nah­men sei­ner nächs­ten Umge­bung anfer­ti­gen konn­te, waren mehr­fach mit selbst­kle­ben­dem Gewe­be abge­deckt, sodass weder Ton noch Licht in die Schreib­ma­schi­ne gelan­gen konn­ten, um von dort aus mög­li­cher­wei­se unbe­merkt an einen gehei­men Ort in der digi­ta­len Sphä­re gesen­det zu wer­den. Ich will nicht sagen, dass Lud­wig sich in irgend­ei­ner Wei­se ver­folgt füh­len wür­de, er erwähn­te aber bei Gele­gen­heit, er kön­ne schon seit lan­ger Zeit nicht mehr dafür garan­tie­ren, dass sei­ne elek­tro­ni­sche Schreib­ma­schi­ne, sein Note­book, sich tat­säch­lich loy­al ver­hal­ten wür­de. Er wünsch­te sich, sei­ne Zei­chen wie­der ein­mal unmit­tel­bar auf Papier zu set­zen, bedin­gungs­lo­ses Ver­trau­en haben zu kön­nen. Ich wer­de ihm sei­nen Wunsch erfül­len. Nun stellt sich, wie berich­tet, die Fra­ge, was hat mein Freund Lud­wig auf den Papie­ren noch vor, wie lan­ge Zeit bleibt ihm noch? Wie vie­le Farb­bän­der soll­te ich für Lud­wig in Sicher­heit brin­gen? Sie sind rar gewor­den, sie wer­den ver­schwin­den. — stop
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im garten

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sier­ra : 18.01 UTC — Vater an einem Mon­tag, wie er im Arbeits­zim­mer vor sei­nem Com­pu­ter­bild­schirm sitzt. Er wür­de sich, wenn er noch leb­te, ganz sicher mit dem Inter­net ver­bun­den haben, um sehr auf­merk­sam einer Anhö­rung des U.S. Kon­gres­ses zu fol­gen, die sich der Fra­ge wid­me­te, ob der 45. Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka die Wahr­heit oder wis­sent­lich die Unwahr­heit erzähl­te, als er den 44. Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter eines schwe­ren Ver­ge­hens bezich­tig­te. Ich sehe, wie mein Vater sei­nen Kopf zur Sei­te neigt, er lauscht, er war­tet, es ist ein span­nen­der Tag. — Ich habe mei­nen Vater immer wie­der ein­mal beob­ach­tet, wie er las oder schlief oder an sei­nem Com­pu­ter arbei­te­te. Manch­mal dach­te ich, dass er nun wirk­lich alt gewor­den sei, obwohl ich ihn immer schon als einen alten Mann wahr­ge­nom­men hat­te, eben sehr viel älter als ich selbst. Ich erin­ne­re mich an einen Som­mer­abend, vor fünf Jah­ren. Mein Vater saß auf einem Stuhl in sei­nem Gar­ten. Vor ihm stand ein klei­ner Tisch und auf die­sem Tisch eine Fla­sche Was­ser mit einem Dreh­ver­schluss. Ich glaub­te damals, dass mein Vater mich nicht bemerk­te. Er schien mit der Fla­sche zu spre­chen. Er beug­te sich vor, hielt die Fla­sche mit der einen Hand fest, wäh­rend er mit der ande­ren Hand an ihrem Ver­schluss dreh­te. Aber die Fla­sche war nicht leicht fest­zu­hal­ten gewe­sen, ver­mut­lich des­halb, weil sich die Feuch­te der Luft auf ihr nie­der­ge­schla­gen hat­te. Also lehn­te sich mein Vater wie­der auf sei­nem Stuhl zurück und schloss die Augen. Ich neh­me an, er wird ein­ge­schla­fen sein. Als er wie­der erwach­te, war ich noch immer da und auch die Fla­sche stand noch immer auf dem Tisch. Mein Vater beug­te sich vor, nahm die Fla­sche und dreh­te an ihrem Ver­schluss. Erneut schien er sich mit der Fla­sche zu unter­hal­ten, ohne aber die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den, weil die Fla­sche sich noch immer dage­gen wehr­te, geöff­net zu wer­den. Also lehn­te sich mein Vater erneut zurück, er schüt­tel­te den Kopf. In die­sem Moment schweb­te eine Libel­le über den Tisch. Sie betrach­te­te mei­nen Vater, setz­te sich auf den Ver­schluss der Fla­sche und fal­te­te ihre Flü­gel. Ein Moment der Stil­le, des Frie­dens. Ein paar Zika­den waren zu hören, sonst nichts. Mein Vater war bald wie­der ein­ge­schla­fen, es wur­de dun­kel und die Libel­le ver­schwand. Als er erwach­te, saß ich unmit­tel­bar vor ihm. Ich hat­te die Fla­sche für ihn geöff­net und ein Glas mit Was­ser gefüllt. Mein Vater erzähl­te, dass er sich gewun­dert habe, war­um er die Fla­sche nicht öff­nen konn­te, er habe sie doch selbst zuge­dreht. — stop
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lumen

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india : 20.18 UTC — In den Bir­ken­wäl­dern süd­lich der Stadt Polis­ke sol­len selt­sa­me Tie­re zu beob­ach­ten sein, Hir­sche, Hasen, Raben, auch Mäu­se, eine Her­de Zebras, Ele­fan­ten, Feu­er­sa­la­man­der, Pumas, Strau­ßen­vö­gel. All die­sen Tie­ren ist gemein, dass sie leuch­ten, ein kaum noch sicht­ba­res zar­tes Glim­men sei ins­be­son­de­re nachts zu beob­ach­ten, als wären die Tie­re elek­trisch gela­den. Es ist aber nicht so, dass die­se Tie­re leuch­ten, weil sie dort leben, wo es gefähr­lich ist. Man muss sich nur ein­mal eine Kar­te vor Augen füh­ren, um zu sehen, wo die klei­ne Stadt Polis­ke in der Land­schaft liegt, man wird dann mei­nen, man wüss­te genau, war­um die­se Tie­re leuch­ten, als wären sie Wesen aus Tief­see. Über­haupt ist das so, dass wil­de Ele­fan­ten eigent­lich in den Bir­ken­wäl­dern um Polis­ke natür­li­cher­wei­se nicht vor­kom­men, auch Zebras nicht oder Pumas. Wie ist das nun alles zu erklä­ren? Wenn doch wahr ist, dass sie alle leuch­ten. — stop
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von vögeln

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ulys­ses : 18.10 UTC — Wong Kar-wai’s Vögel ohne Füße, die nie­mals lan­den. Immer wie­der eine wun­der­ba­re Vor­stel­lung. Auch die Vor­stel­lung der Zep­pe­li­ne, die Jahr­hun­der­te lang wie Wol­ken lang­sam um den Erd­ball schwe­ben. Ges­tern zeich­ne­te ich ein Rot­kehl­chen mit einem Blei­stift auf ein Blatt Papier. Ich soll­te erwäh­nen, dass die Zeich­nung des klei­nen Vogels, der von rechts her kom­mend über das Blatt nach links hin segel­te, miss­glück­te, es war das ers­te Rot­kehl­chen, das ich in mei­nem Leben zeich­ne­te. Immer­hin waren zwei Flü­gel zu erken­nen gewe­sen und ein Kör­per­chen in der Mit­te, ein Schna­bel und ein klei­ner Kopf. Auch ein roter Fleck auf dem Kör­per­chen in der Gegen­den des Hal­ses war zu ent­de­cken, weil ich nach einem roten Bunt­stift such­te, das dau­er­te recht lan­ge, wäh­rend der klei­ne Vogel gedul­dig war­te­te, dass ich mit wesent­li­cher Far­be zu ihm zurück­keh­ren wür­de. — Wes­we­gen ich ein Rot­kehl­chen gezeich­net habe? — Nun, ich habe die­se Zeich­nung ange­fer­tigt, weil ich mich frag­te, ob irgend­wann ein­mal flie­gen­de Ser­ver­ma­schi­nen in der Gestalt der Sing­vö­gel denk­bar sein wer­den, die in Schwär­men her­um­flie­gen, indes­sen sie mit­tels unsicht­ba­rer Wel­len mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren? Wie lan­ge Zeit wür­den wir die­se flüch­ti­gen Schwarm­ob­jek­te noch als unse­re Geschöp­fe ver­ste­hen? Wären wir in der Lage, sie jemals wie­der ein­zu­fan­gen? — Deniz Yücel wei­ter­hin in Haft! — stop
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luftcode

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bamako : 23.55 UTC — Ein­mal, es war zu ihrem 88. Geburts­tag gewe­sen, habe ich N. gefragt, ob ich erzäh­len dür­fe, dass sie ein elek­tro­ni­sches Notiz­buch füh­re, in wel­chem sie jeden Tag eini­ge Sät­ze notiert, die nur für sie selbst bestimmt sei­en, Gedan­ken, die kein ande­rer Mensch als sie selbst jemals lesen wird, Wör­ter dem­zu­fol­ge, mit wel­chen sie kein Geld ver­die­ne, gehei­me Geschich­ten, auf­ge­schrie­ben in der Art und Wei­se einer im Gebir­ge spa­zie­ren­den Sän­ge­rin, die vor sich hin summt, die sich selbst zuhört oder auch nicht, bedin­gungs­los in die­sen Momen­ten sich nahe, Code ohne Absicht mit Sorg­falt ver­schlüs­selt. — Es ist Sams­tag. Beob­ach­te­te vor dem nächt­li­chen Him­mel die ers­te Fle­der­maus des Jah­res. — stop

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im central park

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nord­pol : 20.05 UTC — Ich war spa­zie­ren an einem win­di­gen Tag. Wie ich unter dem Regen­schirm west­wärts ging, beob­ach­te­te ich mei­ne Schu­he, die sich vor­wärts beweg­ten, als gehör­ten sie nicht zu mir. In die­sem Moment hat­te ich den Ein­druck, durch den Cen­tral Park zu gehen. Das war näm­lich so, dass ich an dem ers­ten Tag, den ich in der Stadt New York ver­brach­te, unter einem Regen­schirm durch den Cen­tral Park wan­der­te und mei­ne Schu­he beob­ach­te­te. Es war damals Mai und recht kalt gewe­sen. Von Zeit zu Zeit war ich ste­hen geblie­ben, um eines der Eich­hörn­chen zu betrach­ten, die groß sind in Nord­ame­ri­ka und unge­stüm. Ich erin­ner­te mich noch gut an die­sen Augen­blick, da ich im Cen­tral Park spa­zie­rend wie­der­um eine Pan­ther­ge­schich­te erin­ner­te, die ich ein­mal notiert hat­te über einen wei­te­ren Park, in des­sen Nach­bar­schaft ich lebe. In der Erin­ne­rung an mei­nen Spa­zier­gang in New York kehr­te die Pan­ther­ge­schich­te zurück, ich dreh­te um und ging nach Hau­se, um nach der Geschich­te zu suchen. Ich habe sie sofort gefun­den. Pan­ther­ge­schich­te: Da ist mir doch tat­säch­lich ein jun­ger Pan­ther zuge­laufen, ein zier­li­ches Wesen, das mühe­los vom Boden her auf mei­ne Schul­ter sprin­gen kann, ohne dabei auch nur den gerings­ten Anlauf neh­men zu müs­sen. Sei­ne Zun­ge ist rau, sei­ne Zäh­ne kühl, ich bin stark, auch im Gesicht, gezeich­net von sei­nen wil­den Gefüh­len. Der Pan­ther schläft, unter­dessen ich arbei­te. So glück­lich sieht er dort aus, auf der Decke unter der Lam­pe lie­gend, dass ich selbst ein wenig schläf­rig wer­de, auch wenn ich nur an ihn den­ke, an das Licht sei­ner Augen, das gelb ist, wie er zu mir her­über­schaut bis in den Kopf. Spät­abends, wenn es lan­ge schon dun­kel gewor­den ist, gehen wir spa­zie­ren. Ich lege mein Ohr an die Tür und lau­sche, das ist das Zei­chen. Gleich neben mir hat er sich aufge­richtet, schärft an der Wand sei­ne Kral­len, dann fegt er hin­aus über die Stra­ße, um einen vom Nacht­licht schon müden Vögel zu ver­spei­sen. Dar­an sind wir gewöhnt, an das lei­se Kra­chen der Gebei­ne, an schau­kelnde Federn in der Luft. Dann wei­ter die heim­liche Rou­te unter der Stern­warte hin­durch in den Palmen­garten. Es ist ein gro­ßes Glück, ihm beim Jagen zuhö­ren zu dür­fen. Ich sit­ze, die Bei­ne über­ein­ander geschla­gen, auf einer Bank am See, schaue gegen die Ster­ne, und ver­neh­me Geräu­sche der Wande­rung des klei­nen Jägers ent­lang der Ufer­strecke. Ein Rascheln. Ein Kräch­zen. Ein Schlag ins Was­ser. Wenn der Pan­ther genug hat, gehen wir nach Hau­se. — stop
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