tango : 6.36 — Am Flughafen morgens um 5 Uhr lehnt ein Mann an einer Wand nahe der Abflugterminals Richtung Übersee. Sein Koffer, als würde er warten, steht neben dem Mann ganz still. Der Mann, Augen geschlossen, scheint zu schlafen. Beide Arme hängen lose am Körper. Als ich näherkomme, sehe ich, dass der Mann ein Ohr an die Wand presst. Er scheint die Wand zu belauschen. Vielleicht, denke ich, sind in der Wand alle Wörter gespeichert, die in ihrer Nähe je gesprochen wurden. Der Mann könnte über ein außerordentliches Gehör verfügen, über fragende Ohren, die Antworten provozieren. Ein Passagengedanke, ein Gedanke im Vorübergehen, ein Sekundengeschöpf, wenn ich diesen Mann nicht mehrfach an genau dieser Stelle in genau dieser beschriebenen Haltung angetroffen hätte. Der Mann trägt einen dunklen Anzug, Krawatte, hellbraune, elegante Lederschuhe. Ich habe keine Vorstellung, welche Farbe die Farbe seiner Augen sein könnte. Auch wenn ich den Mann sofort noch einmal erfinde, fällt mir die Farbe seiner Augen nicht ein. — stop
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Aus der Wörtersammlung: elle
schlafen in turku
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himalaya : 2.32 — Vielleicht werden Sie sich erinnern. Vom Schlafen habe ich bereits im Jahr 2008 notiert, und zwar im Monat November. Vor wenigen Minuten, als ich nach schwebenden Ballonen über der Stadt Turku suchte, habe ich einen entsprechenden Text unter dem Titel „Schlafen in Turku“ in den Verzeichnissen der Google-Suchmaschine wiederentdeckt. Der Text ist mir noch immer nah, weshalb ich ihn mitgenommen und an diesem Zeitort eingefügt habe. Ich stelle nun zum zweiten Mal die Frage: Ist Ihnen vielleicht bekannt, dass Wale, Pottwale genauer, wenn sie schlafen, Kopf nach oben im Wasser schweben? Langsam sinkende Türme, leise singend, leise knatternd, friedvolle Versammlungen, die mit dem Golfstrom treiben. Wenn Sie einmal wach liegen sollten, wenn Sie nicht schlafen können, weil Sorgen Sie bedrängen oder andere schmerzvolle Gedanken, wird es hilfreich sein, eine Tauchfahrt zu unternehmen im Kopf durchs Bild der träumenden Wale. Oder Sie reisen an die Ostsee, nehmen die nächste Fähre nach Turku. Sie werden dann schon sehen. Ballone, zum Beispiel, Ballone werden Sie sehen am Horizont, Ballone am dämmrigen Himmel, dort müssen Sie hin. Alles ist gut zu Fuß zu erreichen, eine Stunde oder zwei, nicht länger, je nach Gepäck. Man wird Sie schon erwarten, man wird Sie freundlich begrüßen, man wird Sie fragen, wie lange Zeit Sie zu schlafen wünschen, welcher Art die Dinge sind, die Sie zu vergessen haben, die Sie beschweren. Man wird Ihren Blick zum Himmel lenken und Sie werden erkennen, dass unter den Ballonen Menschen schweben, aufrecht und reglos, in Daunenmäntel gehüllt, von einem leichten Wind hin und her geschaukelt, hunderte, ja tausende Menschen. — Stille herrscht. — Nur das Fauchen der Feuermaschinen von Zeit zu Zeit. - Drei Uhr dreiunddreißig auf dem Maidan zu Kyjiw. — stop

radioisotop
marimba : 6.58 — In der Vergangenheit habe ich mir oft gewünscht, ich könnte mein Leben aus der Sicht eines Vogels aufzeichnen, der mich begleitet, Gespräche, die ich täglich mit Menschen führe oder heimliche Gespräche mit mir selbst. Auch würde aufgenommen, was ich gesehen habe, während ich reiste, einen Kentauren nahe des Müllnerhorn, Regentropfen am Strand von Coney Island, eine Ameise auf Georges Perec’s Schulter während einer Fahrt in der Pariser Metro, meinen Körper, während ich schlief. Manchmal ist es angenehm, sich zu wünschen, was nicht möglich zu sein scheint, eine große Freiheit der Spekulation. Aber in den vergangenen Tagen wurde mir bewusst, dass die Verwirklichung eines mich begleitenden Vogelwesens nicht länger utopisch ist. Ich kann mir eine fliegende Maschine ohne weitere Anstrengung vorstellen, ein künstliches Luftwesen, vier Propeller, angetrieben von einer leichten Radionuklidbatterie, die sich tatsächlich für Jahrzehnte an meiner Seite in der Luft aufhalten könnte, ein beinahe lautloses Wesen in der Gestalt eines Kolibris, eines Taubenschwänzchen oder einer Biene. Kaum hatte ich das Flugobjekt aus seiner Transportbox gehoben und aktiviert, wusste ich, dass es für immer meiner Person verbunden sein wird, meinem persönlichen Luftraum, den ich mit mir führe, wohin ich auch gehe. Seltsam ist vielleicht, dass es gleichwohl unmöglich sein wird, dieses Wesen je wieder einzufangen, weil es schnell ist in seinen Reaktionen, schneller als meine Hand, schneller als eine Gewehrkugel, ein Wesen, das über die Flugflugfähigkeiten einer Stubenfliege verfügt. – Heute Nacht pfeift ein Sturmwind übers Dach. Ich frage mich, was die Vögel gerade machen. Höre das Moped eines Zeitungsboten. Ich habe den Mann, der eine Frau sein könnte, noch nie gesehen. Er ist pünktlich wie immer. Ich werde gleich das Fenster öffnen. — stop

sekundenfliege
nordpol : 1.32 — In der vergangenen Nacht habe ich eine E‑Mail notiert. Es war kurz nach drei Uhr. Die Frau, an die ich schrieb, lag vermutlich in einem Bett und schlief. Dass ich an Menschen schreibe, die in dem Moment, da ich notiere, schlafen, ist für mich nicht ungewöhnlich, weil ich immerhin wache, während alle anderen in meiner europäischen Umgebung schlafen. Gestern aber hatte ich ein seltsames Gefühl. Ich meinte, mit der schlafenden Frau unmittelbar sprechen zu können, in dem ich notierte. Ich wusste, dass sie bald aufstehen würde, weil sie gegen 4 Uhr einer wichtigen Aufgabe nachzugehen hatte. Ich notierte: Liebe H., es ist kurz nach drei Uhr. Leider musst Du bald aufstehen. Aber das weißt Du vermutlich gerade noch nicht. – In diesem Moment hörte ich auf zu schreiben, ich war mir nicht sicher, ob ich nicht vielleicht gerade Unsinn notierte. Plötzlich die Frage, ob man davon sprechen kann, dass man im Schlaf etwas weiß, obwohl man gerade daran nicht denken kann, weil man von etwas Anderem träumt? Ich dachte: Lieber Louis, aber natürlich weißt Du, dass in Deiner Küche Scheiben einer Entenbrust darauf warten, verzehrt zu werden. Du weißt das genau seit zwei Stunden, obwohl Du Dich seither in Gilles Leroys Roman Zola Jackson vertieftest. Ja, so dachte ich. Auch erinnerte ich mich an eine Winterfliege, die seit gestern Morgen durch meine Wohnung brummt. Vor drei Minuten habe ich von ihrer Existenz scheinbar nichts gewusst, weil ich mich nicht erinnerte, als wäre sie niemals anwesend gewesen. Irgendetwas ist seltsam hier. — stop
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bristolhotel
alpha : 2.26 — Folgende Person, ein Mann, könnte reine Erfindung sein. Der Mann war mir während eines Spazierganges aufgefallen, das heißt, ich hatte einen Einfall oder eine Idee, oder ich machte vielleicht eine Entdeckung. Ich könnte von dieser Person, die sich nicht wehren kann, behaupten, dass sie nicht ganz bei Verstand sein wird, weil sie seit langer Zeit in einem Hotelzimmer lebt, welches sie niemals verlässt. Das Hotel, in dem sich dieses Zimmer befindet, erreicht man vom Flughafen der norwegischen Stadt Bergen aus in 25 Minuten, sofern man sich ein Taxi leisten kann. Es ist das Bristol, unweit des Nationaltheaters gelegen, dort, im dritten Stock, ein kleines Zimmer, der Boden hell, sodass man meinen möchte, man spazierte auf Walknochen herum. Nun aber zu dem Mann, von dem ich eigentlich erzählen will. Es handelt sich um einen wohlhabenden Mann im Alter von fünfzig Jahren. Er ist 176 cm groß, gepflegt, kaum Haare auf dem Kopf, wiegt 73 Kilogramm, und trägt eine Brille. Sieben weiße Hemden gehören zu ihm, Strümpfe, Unterwäsche, dunkelbraune Schuhe mit weichen Sohlen, ein hellgrauer Anzug und ein Koffer, der unter dem Bett verwahrt wird. Auf einem Tisch nahe einem Fenster, zwei Handcomputer. In den Anschluss des einen Computers wurde ein USB-Speichermedium eingeführt. Auf dem Bildschirm sind Verzeichnisse und Dateinamen zu erkennen, die sich auf jenem Speichermedium befinden. Auf dem Bildschirm des zweiten Computers ein ähnliches Bild, Verzeichnisse, Dateinamen, Zeitangaben, Größenordnungen. Was wir sehen, sind Computer des Mannes, der Mann arbeitet in Bergen im Bristol im Zimmer auf dem Knochenboden. Er sitzt vor den Bildschirmen und öffnet Dateien, um sie zu vergleichen, Texte im Blocksatz. Zeile um Zeile wandert der Mann mithilfe einer Bleistiftspitze durch das Gebiet der Worte, die ich nicht lesen kann, weil sie in einer Sprache notiert wurden, die mir unbekannt. Es scheint eine verschlüsselte Sprache zu sein, weshalb der Mann dazu gezwungen ist, jedes Zeichen für sich zu überprüfen. Fünf Stunden Arbeit am Vormittag, fünf Stunden Arbeit am Nachmittag, und weitere fünf Stunden am Abend bis in die Nacht. Der Mann trinkt Tafelwasser, raucht nicht, und isst gern Fisch, Dorsch, Seeteufel, Steinbutt. 277275 Dateien sind zu überprüfen, 12.532.365 Seiten. Er scheint noch nicht sehr weit gekommen zu sein. Die Vorhänge der Fenster sind zugezogen, es ist ohnehin gerade eine Zeit ohne Licht. Ein Mädchen, das ihm manchmal seinen Fisch serviert, macht ihm schöne Augen. Morgens sind die Hörner der Schiffe zu vernehmen, die den Hafen der Stadt verlassen. Es ist der 1. Dezember 2013. — stop

auf ellis island
echo : 6.27 — An einem schwülwarmen Tag besuchte ich Ellis Island. Gewitter waren aufgezogen, der Himmel über Manhattan bleigrau. Trotzdem fuhren kleine weiße Schiffe von Battery Park aus los, um Besucher auf die frühere Quarantäneinsel zu transportieren. Ehe man an Bord gehen konnte, wurde jeder Passagier sorgfältig durchsucht, Taschen, Schuhe, Computer, Fotoapparate. Ein griechischer Herr von hohem Alter musste mehrfach durch die Strahlenschleuse treten, weil das Gerät Metall alarmierte. Er schwitzte, er machte den Eindruck, dass er sich vor sich selbst zu fürchten begann, auch seine Familie schien von der ernsten Prozedur derart beeindruckt gewesen zu sein, dass ihnen ihr geliebter Großvater unheimlich wurde. Die Überfahrt dauerte nur wenige Minuten. Es begann heftig zu regnen, das Wasser wurde grau wie der Himmel, Pusteln, Tausende, blinkten auf der Oberfläche des Meeres. Im Café des Einwandermuseums kämpften hunderte Menschen um frittierte Kartoffeln, gebratene Hühnervögel, Himbeereis, Sahne, Bonbons. Ihre Beute wurde in den Garten getragen. Dort Sonnenschirme, die der Wind, der vom Atlantik her wehte, davonzutragen drohte. Am Ufer eine herrenlose Drehorgel, die vor sich hin dudelte, Fahnen knallten in der Luft. Über den sandigen Boden vor dem Zentralhaus tanzten handtellergroße Wirbel von Luft, hier, genau an dieser Stelle, könnte Mary Mallon im Alter von 15 Jahren am 12. Juni 1895 sich ihre Füße vertreten haben, ehe sie mit Typhus im Blut nach Manhattan einreisen durfte. Ihr Schatten an diesem Tag in meinen Gedanken. Ein weiteres Gewitter ging über Insel und Schiffe nieder, in Sekunden leerte sich der Park. Dann kamen die Möwen, große Möwen, gelbe Augen, sie raubten von den Tischen, was sie mit sich nehmen konnten. Wie ein Sturm gefiederter Körper stürzten sie vom Himmel, es regnete Knochen, Servietten, Bestecke. Unter einem Tisch kauerte ein Mädchen, die Augen fest geschlossen. – stop
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an martha
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tango : 12.15 — Im Gespräch mit einer alten Dame über das Vergessen. Sie sagte, dass man, wenn man wirklich vergesslich wird, diese Vergesslichkeit nur dann bemerkt, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird. An Tagen, da sie sich allein in ihrer Wohnung aufhalte, könne sie vergessen, soviel sie wolle, es würde ihr selbst nicht und niemand anderem auffallen, dass sie eigentlich einen Film betrachten wollte, aber auf dem Weg zum Fernsehgerät plötzlich ein Buch auf dem Tisch entdeckte, weshalb ihr Filmwunsch verloren ging. — Liebe Martha, Du hast versäumt, nach einem Text zu suchen, von dem ich Dir erzählte. Ich sende diesen Text noch einmal und rufe Dich gleich an, damit Du ihn für mich vorlesen wirst. Hier ist er: Eines der letzten bewegten Bilder, die ich von meinem Vater in Erinnerung habe, zeigt ihn, wie er in seinem Arbeitszimmer am Computer arbeitet. Auf dem Bildschirm sind dutzende Programmfenster geöffnet. Der alte Mann sitzt fast bewegungslos in seinem Sessel. Manchmal tastet eine Hand durch die Luft, greift unsicher nach einem Glas Milch, bald stellt sie das Glas wieder auf den Tisch zurück. Ich sehe einen Zeiger über den Bildschirm fahren. Ein weiteres Programmfenster öffnet sich. Ein kleines Mädchen fährt in diesem Fenster auf einem Fahrrad über einen sandigen Weg. Sie bewegt sich in Schlangenlinien dahin, lacht hoch zur Kamera, die rückwärts durch die Luft zu fliegen scheint. Es ist ein heiterer Film. Sobald der Film zu Ende ist, spielt ihn mein Vater von vorn ab. Aber dann öffnet sich wie von Geisterhand noch ein Fenster, das den heiteren Film verdeckt. Eine Fotografie, Mutter nahe Lissabon an einem Strand. Neben ihr liegt der Mann, der vor dem Computer sitzt, im Sand. Er trägt Turnschuhe. Auch meine Mutter trägt Turnschuhe. Ich fragte mich, wer diese Aufnahme machte, und komme nicht darauf. Ein Schatten ist zu erkennen, der Schatten eines Fotografen vielleicht. In diesem Moment ruft die Frau, die auf der Fotografie zu sehen ist, von unten, vom Wohnzimmer her, dass das Mittagessen bald fertig sei. Wie nun mein Vater sich an die Arbeit macht, alle Fenster, die er im Laufe des Vormittages geöffnet hatte, wieder zu schließen. Nein, alles muss aufgeräumt werden. Mein Vater steht nicht einfach auf, um sich sofort unsicheren Schrittes auf die Treppe zu wagen. Ich sehe, wie sich der Zeiger auf dem Bildschirm den Rahmen der Programmfenster nähert. Er scheint das Symbol für das Schließen der Fenster zu suchen, aber das Symbol ist nicht zu entdecken, nicht zu erkennen. Der Zeiger irrt auf dem Bildschirm herum, Fenster drängen sich in den Vordergrund und verschwinden wieder. Dann kommt Mutter herbei, sie ruft zärtlich: Komm, komm, das Essen ist fertig. Schritte auf der Treppe. Das Geräusch der Bestecke. Das Zwitschern der Vögel vom Garten her. Im Zimmer auf dem Schreibtisch ist der Computer längst eingeschlafen. — stop

hummergeschichte
alpha : 20.16 — Ich habe gestern mit K. gesprochen. Er erzählte, er habe unlängst versuchsweise online von Hamburg aus einen gekochten Hummer in Manhattan bestellt. Das Tier kostete 28 Dollar, alle notwendigen Angaben waren bald ausgefüllt, Name, Adresse, Kreditkartennummer. Es war ein später Abend gewesen. K. erhielt einen Anruf. Er plauderte einige Zeit mit einem Freund. Als er an den Computer zurückkehrte, war seine Maschine eingeschlafen, sie erwachte sofort, als er eine Taste bewegte. In diesem Moment muss es geschehen sein. K. berührte die weiterhin geöffnete Bestellform an entscheidender Stelle mit seiner Mouse, kurz darauf erreichte ihn per E‑Mail eine Bestätigung, der Hummer sei (Shipping) auf dem Weg. Versuche K.’s, die Bestellung telefonisch rückgängig zu machen, schlugen fehl, der Betrag von 28 Dollar für das Tier plus 25 Dollar Transportgebühr wurden von seinem Kreditkartenkonto abgebucht. Zwei Wochen später erhielt K. Nachricht von hiesiger Zollbehörde, eine Sendung liege für ihn am Hafen zur Abholung bereit. Ein flaches Gebäude, Import, mehrere Schalter, Transportbänder, Beamte in grünen Uniformen. Als K. vor Ort erschien, wurde gerade eine Person, die heftig diskutierte, in Handschellen abgeführt. K. wartete. Nach einer Stunde wurde er zu einem Schalter gerufen. Man überreichte ihm ein Formular, dem eine Fotografie beigefügt worden war. Das Dokument zeigte ein geöffnetes Paket von Styropor, darin einen Sud, in welchem wesentliche Teile eines Hummers schwammen, Fühler, Schwanz, Augenstiele, Zangen, alles war noch gut zu erkennen gewesen. Hände, die in Handschuhen steckten, hielten das Paket ins Licht. Auf begleitendem Schreiben wurden Verbrennungskosten von 118 EUR für importierte Sondermüllware angemahnt. Ein Beamter berichtete, einer seiner Kollegen sei während der Öffnung des Paketes umgefallen, dieser habe sich am Kopf verletzt, weitere Kosten wären denkbar. – Sonntag. stop. Vielleicht. stop. Guten Abend! — stop
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rooseveltblüte
~ : malcolm
to : louis
subject : ROOSEVELTBLÜTE
date : nov 22 13 8.15 p.m.
Am 22. November berichtet die New York Times über Eichhörnchen Frankie, das seit Wochen auf dem Hurrikane Deck der Staten Island Fähre John F. Kennedy lebt. Wir konnten das nicht aufhalten. Weder den Bericht selbst, noch eine Fotografie, die das Eichhörnchen zeigt, wie es auf einer Sitzbank nach einem Finger greift. Frankie scheint sich auf dem Schiff wohlzufühlen. Vielleicht ist es die Wärme, vielleicht sind es die Bewegungen der Fähre auf dem Meer, die ihm gefallen. Natürlich ist er längst zur Attraktion geworden, zum Stadtgespräch, wird fotografiert und mit frischen Erdnüssen versorgt. Seit einigen Tagen nimmt Frankie gleichwohl Bananen zu sich, zutraulich wagt er sich nah an die Passagiere der Fähre heran, greift mit seinen Händen nach den Früchten, vermag sie zu öffnen, duckt sich, hastet mit seiner Beute je unter eine der Sitzbänke, weshalb zahlreiche Passagiere niederknien, um Frankie nicht aus den Augen zu verlieren. Gestern beobachteten wir, wie ein Mädchen Frankie berühren durfte. Er zitterte leicht, als das Kind mit einer Hand über seinen Rücken fuhr. Das Mädchen bemerkte Frankies Sender, der dicht unter seiner Haut verborgen liegt, rasch zog es seine Hand zurück. Es ist beunruhigend, welch große Aufmerksamkeit Frankie genießt. Wir haben den Eindruck, manche der Passagiere fahren nur deshalb mit der Fähre, um Frankie besichtigen zu können. Kaum noch kommen wir an ihn heran, ohne selbst fotografiert zu werden. Heute ist es sehr windig. Brooklyn und New Jersey liegen im Nebel. Man könnte glauben, dass wir uns auf hoher See befinden. Die Scheiben des Schiffes scheppern. Wasser peitscht über die Vordecks der Fähre. Menschen mit Fotoapparaten stehen im Wind und suchen nach Manhattan. Etwas seekrank sende ich allerbeste Grüße aus New York – Malcolm / codewort : rooseveltblüte
empfangen am
23.11.2013
1855 zeichen

paris — kigali
tango : 2.22 — Stille Nacht. Leichter Regen. Die Luft riecht nach Schnee. Ich schreibe wieder einen Brief an Henry. Ich weiß, dass er meine Briefe schätzt, Orte, Städte, Straßen, Landschaften, Häfen. Lieber Henry, anbei die Strecke Paris — Kigali in Worten, so wie sie der Computer ausgerechnet hat. Ich habe für das mittelmeerische Gebiet eine Lücke gelassen, da ich authentische nautische Begriffe nicht entdecken konnte. Von diesem Gebieten einmal abgesehen, sollte Deine Route vollständig vorgeschrieben sein. Du wirst, sofern alles gut gehen wird, nach 133 Stunden Kigali erreichen. Natürlich darfst Du, wie immer, nicht anhalten, um die Zeitvorgabe einhalten zu können, am besten reist Du wieder in Begleitung. Das Programm gab folgenden warnenden Hinweis: Unsere Angaben dienen nur zu Planungszwecken. Es ist möglich, dass die Verkehrsverhältnisse aufgrund von Baustellen, Verkehr, Wetter oder anderen Faktoren von den hier dargestellten Vorschlägen abweichen. Sie sollten daher Ihre Reise entsprechend planen und alle Verkehrsschilder oder Hinweise bezüglich Ihrer Route beachten. Ich setzte hinzu, lieber Henri, das Wüstengebiet der Sahara gilt als äußerst gefährlich. Blitzfallen südlich der Stadt Paris. Ich wünsche Dir eine gute Reise. Dein Louis > 1. Auf Rue de Rivoli nach Westen Richtung Rue du Renard starten 69 m weiter gesamt 69 m 2. Leicht links abbiegen auf Rue de la Coutellerie Ca. 56 Sekunden140 m weiter gesamt 210 m 3. Rechts abbiegen auf Av. Victoria 32 m weiter gesamt 240 m 4. 1. Abzweigung links nehmen, um auf Rue Saint-Martin zu wechseln 71 m weiter gesamt 300 m 5. 1. Abzweigung links nehmen, um auf Quai de Gesvres zu wechseln Ca. 1 Minute 160 m weiter gesamt 450 6. Weiter auf Quai de l’Hôtel de ville Ca. 53 Sekunden 350 m weiter gesamt 800 m 7. Rechts abbiegen auf Pont Louis Philippe 15 m weiter gesamt 850 m 8. 1. Abzweigung links nehmen, um auf Voie Georges Pompidou zu wechseln Ca. 3 Minuten 1,2 km weiter gesamt 2,0 km 9. Weiter auf Voie Mazas Ca. 1 Minute 1,0 km weiter gesamt 3,0 km 10. Geradeaus auf Quai de Bercy Ca. 2 Minuten 1,5 km weiter gesamt 4,5 km 11. A3 A6 Périphérique Porte de Bercy Charenton Die Auffahrt Richtung A3/A6/Périphérique/Porte de Bercy/Charenton nehmen 270 m weiter gesamt 4,8 km 12. Aéroport Orly Lyon Périphérique Interieur Quai d’Ivry Porte d’Italie An der Gabelung links halten, Beschilderung in Richtung Aéroport Orly/Lyon/Périphérique Interieur/Quai d’Ivry/Porte d’Italie folgen und weiter auf Bd Périphérique Blitzgerät nach 1,2 km Ca. 2 Minuten 2,4 km weiter gesamt 7,2 km 13. A6B A10 Bordeaux Nantes Lyon Évry Aéroport Orly-Rungis Bei Ausfahrt A6B Richtung A10/Bordeaux/Nantes/Lyon/Évry/Aéroport Orly-Rungis fahren Ca. 7 Minuten 9,6 km weiter gesamt 16,8 km 14. A10 E5 Palaiseau Étampes Bordeaux-Nantes Massy Longjumeau Rechts halten, Beschilderung in Richtung A10/E5/Palaiseau/Étampes/Bordeaux-Nantes/Massy/Longjumeau folgen 800 m weiter gesamt 17,6 km 15. Auf A10/E50 fahren Teilweise gebührenpflichtige Straße Blitzgeräte ab 2,6 km Ca. 23 Minuten 39,1 km weiter gesamt 56,7 km 16. A71 Toulouse Clermont-Ferrand Bordeaux Orléans A20 Links halten, Beschilderung in Richtung A71/Toulouse/Clermont-Ferrand/Bordeaux/Orléans/A20 folgen Gebührenpflichtige Straße Blitzgeräte ab 61,9 km Ca. 34 Minuten 71,7 km weiter gesamt 128 km >
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