Aus der Wörtersammlung: gerät

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PRÄPARIERSAAL — ich sage immer: es geht mir gut.

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gink­go : 3.05 — Ich erin­ne­re mich an Olga, die sich kaum beweg­te, wäh­rend sie von ihren Ein­drü­cken des Prä­pa­rier­saa­les berich­te­te. Die jun­ge Frau schien wäh­rend unse­res Gesprä­ches jeder­zeit auf ihren Kör­per zu ach­ten, eine Tän­ze­rin, die in einer vor­ge­nom­me­nen Posi­ti­on gedul­dig und dis­zi­pli­niert eine Stun­de lang zur Übung ver­harrt, nur ihre Hän­de beweg­ten sich unent­wegt wie klei­ne Vögel über den Tisch, weil sie ihre Gedan­ken mit Zeich­nun­gen auf Ser­vi­et­ten unter­stüt­ze. Ihre war­me, wei­che Stim­me, die in die­ser Nacht­mi­nu­te vom Ton­band­ge­rät aus mit leich­tem Akzent zu mir spricht: > Ich mache das so. Ich stel­le mir Bezugs­punk­te vor. Wo also beginnt eine Struk­tur und wo endet sie, ein Mus­kel zum Bei­spiel. Und dann den­ke ich mir einen Nerv und fra­ge, wo setzt die­ser Nerv eigent­lich an? / Als ich am ers­ten Tag in die Ana­to­mie kam, habe ich mich zunächst gewun­dert, weil ich ein moder­nes Gebäu­de erwar­tet hat­te, einen Raum, der kalt ist. Außer­dem war ich über­rascht, eine so genaue Prä­pa­rier­an­lei­tung zu bekom­men. Nach zwei oder drei Wochen habe ich am Fuß prä­pa­riert. Plötz­lich der Gedan­ke, dass die­se Füße einen Men­schen ein Leben lang getra­gen haben. Da muss­te ich wei­nen. Wenn ich in die­sen Tagen nach Hau­se kom­me, sehe ich mei­ne Mut­ter, die in der Küche steht. Sie fragt, wie es mir geht. Ich sage immer: Es geht mir gut. Wenn ich mit Freun­den spre­che, mache ich oft ein­mal einen Spaß. Ich erzäh­le nicht alles, weil ich doch Respekt habe vor den Toten dort. Alles zu erzäh­len, wäre fast zu intim. Wenn mei­ne Freun­de bemer­ken, dass das dort eigent­lich eher ein wis­sen­schaft­li­cher Raum ist, ver­lie­ren sie sofort ihr Inter­es­se. / Da war also eine Hand. Die­se Hand war am Gelenk abknickt, sie wur­de nur noch von etwas Haut und Seh­nen und Gefä­ßen am Kör­per gehal­ten, weil ein Kno­chen ent­fernt wor­den war. Die­ser Anblick, ein Bild der Ver­hee­rung, hat mir schmerz­lich zuge­setzt. — stop
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union square : funkempfänger

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ulys­ses : 0.08 — Im Taxi, in eine Wand ein­ge­las­sen, die den Raum des Fah­rers von mei­nem Raum sorg­fäl­tig trennt, ein Fern­seh­ge­rät, das sich nicht aus­schal­ten lässt. Über­haupt schep­pert das Fahr­zeug in einer Wei­se, als wären sämt­li­che Schrau­ben, die am Mor­gen die­ses schö­nen Tages zu lösen gewe­sen waren, mit Absicht frei­ge­las­sen. Es ist ein altes Taxi, eines, das man foto­gra­fie­ren könn­te, es wäre nicht mög­lich, zu sagen, in wel­chem Jahr in New York man sich genau befin­det, nicht ein­mal das Jahr­zehnt wäre ein­deu­tig fest­zu­stel­len, in die­sem Taxi könn­te mein Vater noch gefah­ren sein, zu einer Zeit, da ich selbst noch kaum des Lau­fens mäch­tig gewe­sen war. Viel­leicht lässt sich das Fern­seh­ge­rät des­halb nicht aus­schal­ten, weil es eigent­lich nicht in die­ses Fahr­zeug gehört, es ist eine nach­träg­lich ein­ge­bau­te Per­sön­lich­keit, die Sequen­zen einer aktu­el­len Wirk­lich­keit emp­fängt und wie­der­gibt. Irgend­wo muss das Auto über einen Funk­emp­fän­ger ver­fü­ge für Fern­seh­wel­len. Gera­de sehen wir Mr. Rom­ney, aber wir hören ihn nicht, weil das Auto­mo­bil schep­pert und weil der Fah­rer ver­sucht sich mit mir zu unter­hal­ten, wäh­rend ich ver­su­che, ihm mit­zu­tei­len, dass ich das Fern­seh­ge­rät ger­ne lei­ser stel­len wür­de, oder aus­schal­ten noch viel lie­ber, um ihn, den Fah­rer ver­ste­hen zu kön­nen. Am Uni­on Squa­re hal­ten wir an, und der Mann, der mich fährt, ein sehr jun­ger, sehr kor­pu­len­ter schwar­zer Mann ver­lässt sein Auto­mo­bil, um sich die Sache mit dem Fern­seh­ge­rät näher anzu­se­hen. Eine beson­de­re Situa­ti­on ist nun ent­stan­den, weil der Fah­rer eigent­lich sein Fahr­zeug nie ver­lässt, so sieht er jeden­falls aus, es könn­te sein, dass er nicht wie­der hin­ein­fin­det in sei­nen Wagen und es ist noch dazu kei­ne Zeit für sol­che Din­ge, wir ste­hen inmit­ten des Ver­kehrs, es könn­te alles mög­li­che pas­sie­ren an die­ser Stel­le. – stop

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greenwich village : verschwinden

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echo : 0.12 — New York ist ein aus­ge­zeich­ne­ter Ort, um unter­zu­tau­chen, zu ver­schwin­den, sagen wir, ohne auf­zu­hö­ren. Ich stell­te mir vor, wie ich in die­ser Stadt Jah­re spa­zie­ren wür­de und schau­en, mit der Sub­way fah­ren, auf Schif­fen, im Cen­tral Park lie­gen, in Cafés sit­zen, durch Brook­lyn wan­dern, ins Thea­ter gehn, ins Kino, Jazz hören, sein, anwe­send sein, gegen­wär­tig, ohne auf­zu­fal­len. Ich könn­te exis­tie­ren, ohne je ein Wort zu spre­chen, oder viel­leicht nur den ein oder ande­ren höf­li­chen Satz. Ich könn­te Nacht,- oder Tag­mensch sein, nie wür­de mich ein wei­te­rer Mensch für eine län­ge­re Zeit als für eine Sekun­de bemer­ken. Sehen und ver­ges­sen. Wenn ich also ein­mal ver­schwin­den woll­te, dann wür­de ich in New York ver­schwin­den, vor­sich­tig über Trep­pen stei­gen, jeden Rumor mei­den, den sen­si­blen New Yor­ker Blick erler­nen, eine klei­ne Woh­nung suchen in einer Gegend, die nicht all­zu anstren­gend ist. In Green­wich Vil­la­ge viel­leicht in einer höhe­ren Eta­ge soll­te sie lie­gen, damit es schön hell wer­den kann über Schreib­tisch und Schreib­ma­schi­ne. Ich könn­te dann bis­wei­len ein Ton­band­ge­rät in mei­ne Hosen­ta­sche ste­cken und einen oder zwei mei­ner Tage ver­zeich­nen, nur so zur Vor­sicht, um nach­zu­hö­ren, ob ich nicht viel­leicht schon zu einer selbst spre­chen­den Maschi­ne gewor­den bin. — stop
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manhattan : atome

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tan­go : 1.56 — Ich hat­te in einem Café nahe Times Squa­re ein elek­tro­ni­sches Ton­band­ge­rät aus der Man­tel­ta­sche gezo­gen und rich­te­te es auf ein Fens­ter, um den Tumult mensch­li­cher Stim­men, Sire­nen, Luft­pum­pen und wei­te­rer unbe­stimm­ba­rer Geräu­sche auf­zu­neh­men. Ein jun­ger Mann, der neben mir vor sei­nem Note­book saß, beob­ach­te­te mich eine Wei­le auf­merk­sam. Plötz­lich lacht er: Das ist New York. Ver­rückt, nicht wahr? Ob ich in die­ser Stadt öffent­lich zugäng­li­che Orte von Stil­le fin­den könn­te, woll­te ich wis­sen. Gibt es nicht, ant­wor­te­te der Mann. Es wür­den jedoch Orte exis­tie­ren, die bei­na­he still sind. Dort aber hörst Du Geis­ter! — Sonn­tag. Minus 5° Cel­si­us. Lässt sich viel­leicht errech­nen, aus wie vie­len Ato­men die Stadt New York sich fügt? Wie vie­le Ato­me wer­den die Stadt täg­lich ver­las­sen, wie vie­le Ato­me ein­rei­sen in unse­re Rech­nung? Sub­way 28. Stra­ße war­te­te ein Mann kurz nach Mit­ter­nacht mit Angel­ru­te in hüft­ho­hen Fischer­stie­feln auf dem Bahn­steig. — stop

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queens : ein mädchen

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lima : 22.06 — Es ist spä­ter Nach­mit­tag. Queens. Eigent­lich woll­te ich durch die Gegend strei­fen, in der Lou­is Arm­strong gelebt hat­te, sein Haus besu­chen, das zu einem Muse­um gewor­den ist. Als ich ein­tref­fe, Sta­ti­on North Coro­na, bereits Däm­me­rung. Die Stra­ßen schwach beleuch­tet. In der Nähe eines Fens­ters, das von der Sub­way in einem Abstand von 1 Meter pas­siert wird, sitzt ein dun­kel­häu­ti­ges Mäd­chen vor einem Fern­seh­ge­rät. Ich wür­de das Mäd­chen gern fra­gen, ob es mich sehen kann, ob es die Züge noch hört, die in fünf Minu­ten Fre­quenz an ihrem Wohn­zim­mer vor­über kom­men. Das sind schep­pern­de Züge, krei­schen­de, quiet­schen­de, ble­cher­ne Röh­ren. stop. Schlan­gen. stop. Unge­tü­me. stop. Wie vie­le Jah­re, wie vie­le Züge, die das Mäd­chen viel­leicht nicht hör­te? — stop

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102 minuten

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nord­pol

~ : louis
to : dai­sy und vio­let hilton
sub­ject : 102 MINUTEN

Vor­mit­tag. Der Him­mel son­nig, die Spit­zen der Ber­ge weiß seit Tagen. Weni­ge Wochen vor mei­ner Rei­se nach New York, lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let, will ich Euch berich­ten von einer klei­nen Pro­be, die ich unter­nom­men habe, um vor­zu­prü­fen, ob ich in der Lage sein wer­de, in der gro­ßen Stadt mit mei­nen Unter­su­chun­gen der Wirk­lich­keit rasch vor­an­zu­kom­men. Ich habe näm­lich gera­de einen Kof­fer mit allen mög­li­chen Gegen­stän­den gefüllt, die ich vor­ha­be mit­zu­neh­men, ein Jackett, Pull­over, Wild­le­der­fäust­lin­ge, einen Schal, Wan­der­schu­he, zwei Nor­we­ger­müt­zen, sowie einen Schnee­schirm, der in der Lage sein soll­te über mei­nem Kopf durch die Luft zu schwe­ben. Des Wei­te­ren eine Schreib­ma­schi­ne, eine elek­tri­sche Maus, zwei Foto­ap­pa­ra­te, ein Ton­band­ge­rät, das gera­de so groß ist, dass ich es mit einer Hand umfas­sen kann. Außer­dem einen Rei­se­be­häl­ter, wie unlängst berich­tet, für Trom­pe­ten­kä­fer pola­ren Ursprungs, Spa­zier­plä­ne, Sub­way­kar­ten, Bücher für Ruhe­zei­ten abends und nachts. Da wären Robert Fal­con Scotts Auf­zeich­nun­gen einer letz­ten Rei­se, Wil­helm Gen­a­zi­nos Roman Wenn wir Tie­re wären, das Buch der 102 Minu­ten, das mich seit Tagen fes­selt, weil es auch von Hol­ly erzählt. Kurz­um, die­se Gegen­stän­de nun waren in einem gro­ßen und einem wei­te­ren, klei­ne­ren Kof­fer auf­ge­ho­ben. Ich habe bei­de Rei­se­ob­jek­te neben mich gestellt und ange­ho­ben für zwei Minu­ten. Ich sage Euch, es geht. Was machen die Sim­mons? Ist alles o. k.? Ahoi – Euer Louis

gesen­det am
10.12.2011
18.30 MEZ
1433 zeichen

lou­is to dai­sy and violet »

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muschelsegel

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tan­go : 8.25 — Eine Maschi­ne, die selt­sam brau­sen­de Strö­me zu erzeu­gen ver­mag, wird gleich zum Ein­satz kom­men. Nicht viel grö­ßer als ein Hand­te­le­fon sit­zen zwei Fort­sät­ze von Plas­tik an ihrem Gehäu­se wie leben­de Muscheln fest. In der Nähe die­ser Muschel­rä­der ent­kom­men dem Kör­per des Gerä­tes zwei Dräh­te, die sich an ihren Enden tei­len. Metal­le­ne Segel sind dort befes­tigt, die ich an mei­nem Arm der­art anle­gen kann, dass sie sich fest­zu­hal­ten schei­nen. In dem Moment nun, da ich an den Muschel­räd­chen dre­he, beginnt der Appa­rat zu brum­men. Ein leich­tes Bren­nen auf der Haut und in die Tie­fe, und schon beginnt sich mein Arm zu heben und zu sen­ken, ohne dass ich ihm Anwei­sung zu die­ser Bewe­gung erteilt haben wür­de. Wenn ich nun die Hand mei­nes elek­tri­sier­ten Armes auf die Leh­ne eines Stuh­les sin­ken las­se, scheint das Holz unter ihr zu wan­dern, obwohl ich mit mei­nen Augen wahr­neh­men kann, dass der Stuhl sich nicht im Gerings­ten bewegt. Bald wan­dert auch der Boden, die Wän­de des Zim­mers schlie­ßen sich an, das Fens­ter zu den Ber­gen hin, die Ber­ge selbst. Sechs Uhr und zehn Minu­ten. Ein Ober­arm­mus­kel flat­tert. — stop

ping

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PRÄPARIERSAAL : traumzeit

pic

kili­man­dscha­ro : 15.16 — Einen Raum der Zeit, den ich dafür ver­wen­de, Stim­men mit­tels eines Ton­band­ge­rä­tes ein­zu­fan­gen, benö­ti­ge ich etwas spä­ter zum zwei­ten Mal, um die ver­zeich­ne­ten Stim­men von dem­sel­ben Ton­band­ge­rät aus wie­der frei­zu­las­sen. stop. Mar­kus an einem Mitt­woch. Febru­ar. Abend: Ver­su­chen Sie bit­te sich vor­zu­stel­len, Sie wüss­ten für sechs lan­ge Wochen nicht, ob Sie sich in einem Traum befin­den oder ob Sie doch eher wach sind. Wenn ich von mei­ner Zeit im Prä­pa­rier­saal spre­che, dann spre­che ich ger­ne von mei­ner Traum­zeit. Ich hat­te den Ein­druck, einen gewal­ti­gen Satz zu tun. Ich mei­ne, ich mach­te eine Erfah­rung, die nicht ganz all­täg­lich ist. Ich stand mor­gens um 6 Uhr auf und wenn ich abends um 10 Uhr zurück­kam, dann hat­te ich drei oder vier Stun­den mit einem Skal­pell am Kör­per eines toten Men­schen gear­bei­tet. Ich hat­te eine gewis­se Vor­stel­lung davon, was in einem Prä­pa­rier­saal geschieht, nicht aber davon, dass der Kör­per ins­ge­samt unter mei­nen Hän­den ver­schwin­den wird. Das Ver­schwin­den die­ses Kör­pers vor mir auf dem Tisch habe ich als etwas Unwirk­li­ches, als traum­ar­ti­ges Gesche­hen emp­fun­den. Das war kein Alb­traum, ganz gewiss nicht. Viel­mehr hat­te ich den Ein­druck, mich in einem Film zu befin­den, der mal zu schnell und mal zu lang­sam abge­spielt wur­de, so dass ich nie wis­sen konn­te, wie schnell ich mich, oder ob ich mich über­haupt bewe­gen wür­de im nächs­ten Augen­blick. Ich konn­te mich selbst nicht berech­nen. Ich war zu lang­sam einer­seits und zu schnell ande­rer­seits. Ich habe mei­ne Hän­de betrach­tet, wie sie Haut vom Gesicht eines Men­schen ent­fern­ten. Ich hat­te den Ein­druck, mei­ne Hän­de wür­den nicht zu mir gehö­ren. — stop
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staten island ferry : prozession

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nord­pol : 5.55 – Eine Geschich­te ist zu erzäh­len an die­sem Mor­gen küh­ler Luft kurz vor Sep­tem­ber. Die­se Geschich­te ereig­ne­te sich bereits vor­ges­tern, nachts, bei mir zu Hau­se, weil ich mich nicht ent­schei­den konn­te, was ich unter vie­len Din­gen, die zu tun gewe­sen waren, zunächst erle­di­gen soll­te, also mach­te ich alles zur glei­chen Zeit. Ich hat­te eine Enten­brust zu Mor­cheln und Pflau­men gelegt. Außer­dem hat­te ich mir vor­ge­nom­men, ein wei­te­res ana­to­mi­sches Ton­band abzu­hö­ren, eine jugend­li­che Stim­me berich­te­te vom Dach des Kühl­schran­kes aus lei­se vor sich, wäh­rend ich kochend Fern­seh­bil­der eines Hur­ri­kans beob­ach­te­te, der sich auf die Stadt New York zube­weg­te. > Wenn ich von mei­nen Wochen im Prä­pa­rier­saal spre­che, dann spre­che ich ger­ne von mei­ner Traum­zeit. stop > Zu die­sem Zeit­punkt, das ist fest­zu­hal­ten, war ich nicht ganz bei der Sache gewe­sen, nicht wirk­lich in der Nähe der Gedan­ken, die ein jun­ger Mann für mich aus­ge­spro­chen hat­te, ande­rer­seits auch nicht aus­rei­chend kon­zen­triert auf das Gesche­hen jen­seits des Atlan­ti­schen Oze­ans. Ein­mal stell­te ich den Ton des Fern­seh­ge­rä­tes lau­ter, wen­de­te die Brust des Vogels in der Pfan­ne und hör­te genau in die­sem Moment, der Schiffs­ver­kehr um Man­hat­tan her­um sei ein­ge­stellt, das war kurz nach Mit­ter­nacht euro­päi­scher Zeit gewe­sen. Ich mein­te außer­dem gehört zu haben, man sei gera­de damit beschäf­tigt, die Fäh­ren der Sta­ten Island Ver­bin­dung den Hud­son River hin­auf, in eine siche­re Umge­bung zu trans­fe­rie­ren. Ein fei­nes Bild, das sich vor mei­nen Augen sofort ent­wi­ckel­te. Acht oran­ge­far­be­ne Schif­fe in einer Rei­he hin­ter­ein­an­der auf dem gro­ßen Fluss, Schif­fe, die sich gewöhn­li­cher­wei­se pen­delnd anein­an­der vor­bei­be­we­gen. Ich stürm­te aus der Küche, in der Hoff­nung auf dem Fern­seh­schirm ein Bild zu sehen, das dem gera­de eben noch in mei­nem Kopf ent­wor­fe­nen Bild ähn­lich gewe­sen sein könn­te. Anstatt einer Fähr­ge­schich­te, war nun jedoch vom Regen die Rede, von den Win­den des Hur­ri­kans, die über den feuch­ten Strand nahe der Stadt Oce­an Pines feg­ten. Ein Repor­ter, der tropf­te, ver­harr­te tap­fer, Füße im Was­ser, vor einer Fern­seh­ka­me­ra, die in grö­ße­rer Ent­fer­nung, dem­zu­fol­ge sicher, mon­tiert gewe­sen war. Er hielt ein Mikro­fon in der Hand, das merk­wür­dig fau­chen­de Geräu­sche erzeug­te. Möwen, spit­ze gel­be Schnä­bel in den Sturm gerich­tet, ver­harr­ten in sei­ner Nähe, sie mach­ten einen zufrie­de­nen Ein­druck, authen­ti­sche Tie­re, wäh­rend ich, wei­ter­hin die Pro­zes­si­on der Fähr­schif­fe im Kopf, zurück in die Küche spa­zier­te. Ein selt­sa­mes Gefühl von Nicht­wirk­lich­keit in der Nähe mei­ner Feu­er­stel­le, ein gro­ßes Durch­ein­an­der, das ich zu sor­tie­ren ver­such­te, in dem ich bis in den frü­hen Mor­gen des Sonn­tags hin­ein, auf allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Kanä­len ver­geb­lich Bewei­se dafür zu fin­den such­te, dass Fähr­schif­fe der Sta­ten Island Ver­bin­dung sich tat­säch­lich an die­sem spä­ten Sams­tag­abend, als ich mich nicht ent­schei­den konn­te, auf dem Hud­son River strom­auf­wärts beweg­ten. — stop. — Ende der Geschich­te. — stop

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PRÄPARIERSAAL : nachtarbeit

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tan­go : 23.15 — Im Regen mit Ton­band­ge­rät unter dem Schirm am See. Sams­tag. August­kas­ta­ni­en fal­len aus den Bäu­men. Auf den Häup­tern der Rot­wan­gen­schild­krö­ten, die sich zu mei­nen Füßen arg­los ver­sam­meln, als lausch­ten sie wie ich Magnet­kopf­stim­men, feuch­te Häub­chen von Ahorn­sa­men. Kaum ein Mensch unter­wegs. Ich dach­te für einen Moment, weiß nicht wie das gekom­men ist, dass ich an die­sem Ort ohne Zeu­gen sofort den Ver­such unter­neh­men könn­te, eine der Schild­krö­ten an ihrem Hals zu packen, sie aus dem Was­ser zu heben, um sie zu Hau­se in der Küche mit einem Mei­ßel zu öff­nen. Auf Por­zel­lan gebet­tet kurz dar­auf ein Rep­ti­li­en­häuf­chen, rosa­far­ben, feins­te Strei­fen Schild­krö­ten­bau­ches, des­sen eigent­li­che Gestalt ich mir hin­ter Pan­zer­häu­ten lie­gend zur­zeit nicht vor­stel­len kann. — 22 Uhr 58. Jani­ne erzählt: > Ich kann mich noch gut dar­an erin­nern, dass ich nachts auf­wach­te und den haar­lo­sen Kopf mei­nes Freun­des vor mir gese­hen habe. Ich erschrak fürch­ter­lich. Ich saß ein paar Minu­ten senk­recht im Bett, dann bin ich auf­ge­stan­den. Wir haben eine sehr schö­ne Küche. Ich habe von Zeit zu Zeit in der Küche kam­piert. Ich habe dort gelernt und manch­mal bin ich mit dem Kopf auf dem Ana­to­mie­at­las ein­ge­schla­fen. Merk­wür­dig, über wie viel Kraft ich doch ver­fü­ge. Ich war beim Tan­zen, zwei­mal wan­dern in den Ber­gen, ich habe gepaukt und ich habe mit dem Skal­pell gear­bei­tet. Ich habe vor­mit­tags und mit­tags und Abend für Abend in der Biblio­thek gele­sen. Und wenn ich nachts in der Küche ein­ge­schla­fen bin, dann waren da plötz­lich sehr schar­fe Bil­der in mei­nem Kopf. Auf­blit­zen­de Foto­gra­fien, die über­fall­ar­tig Angst erzeug­ten. Der geöff­ne­te Mund eines Toten. San­di­ge Zun­gen. Ein hoch auf­ra­gen­der, dun­kel­ro­ter Penis. Das zer­teil­te und gehäu­te­te Gesicht einer alten Frau. Das war nicht geträumt, ich habe die­se Bil­der bei vol­lem Bewusst­sein vor mir gese­hen. Jetzt kom­men sie mich sel­te­ner besu­chen. — stop



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