yanuk : medusenfliegen

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echo

~ : yanuk le
to : louis
sub­ject : MEDUSEN
date : oct 4 08 8.55 a.m.

Gegen den Abend zu Höhe 286 erre­icht. Wollte noch weit­er steigen, heftiges Fieber zwang mich zur Ruhe. Zunächst lange Zeit geschlafen, nach­dem ich mein Zelt errichtet hat­te und vertäut mit dem Stamm des Baumes, der noch immer so kräftig ist, dass zwei oder drei Men­schen ihn gemein­sam nicht umar­men kön­nten. Heute ist mir wohler, obwohl ich noch erhitzt bin. Auf Knien bewege ich mich über die Plat­tform, weil meine Schritte unsich­er sind, habe das Gefühl zu schlingern. Ja, Mr. Louis, so schlafe ich und beobachte dann wieder das Steigen und Sinken der Medusen­fliegen, es sind hun­derte, vielle­icht tausende Handteller große Wesen, deren Schirme langsam um sich kreisen. Und weil sie leucht­en, ein zartes, blaues Licht, das pulsiert, das auf die Bewe­gung mein­er Fin­ger reagiert, als wür­den sie zu mir und mit mir sprechen, wird es nachts an dieser Stelle mein­er Reise niemals dunkel. Habe nach langer Beobach­tung fest­gestellt, dass sie miteinan­der ver­bun­den sind, Fäden, sehr feines Werk, vielle­icht freiliegende Neu­ro­nen, so dass ich den Schwarm der Medusen­fliegen, als ein schweben­des Gehirn beschreiben kön­nte. Muss das weit­er unter­suchen. Hast Du schon ein­mal ver­sucht, einen Fis­chschwarm zu zählen? Oder eine Vogel­wolke? stop. Yanuk

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15.58 UTC
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kirschbaumgarten

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echo : 2.08 — Am Ende eines gelun­genen Tages schon inmit­ten der Nacht. Mit Fre­un­den lange durch angenehmen Wind spaziert. Leichter Regen, der noch warm ist vom Som­mer. Geräusche der Nacht­blüten, die mir von der Arbeit mein­er Seele erzählen, vom genauer und immer genauer wer­den­den Blick auf eine unglück­liche Geschichte. Das Rascheln des Regens in den Blät­tern vor den geöffneten Fen­stern. Höre Charles Min­gus, während ich einen Traum der ver­gan­genen Nacht notiere. In diesem Traum besuchte ich einen blühen­den Kirschbaum­garten. Ein wilder Duft, von dem ich mir träu­mend erzählte, dass ich ihn eigentlich nicht wahrnehmen könne, also nur erfun­den habe, weil ich im Schlaf befind­lich, über keinen Geruchsinn ver­füge. Da war im Garten ein papierenes Band von Stamm zu Stamm ges­pan­nt, darauf eine hand­schriftliche Zeile, unendlich schein­bar, weil der Anfang und das Ende des Ban­des unsicht­bar. Ich kann mich nun an den Text, den die Zeile auf dem Papi­er enthielt, nicht erin­nern, wohl aber an einen Mann, auf den ich traf, nach­dem ich der Zeichen­strecke eine Weile lesend fol­gte. Er hielt einen Bleis­tift in der Hand, arbeit­ete, schrieb eine zweite Zeile über die bere­its vorhan­dene Zeile, gle­ich­wohl einen Text, den ich nicht erin­nere. Für eine län­gere Zeit sah ich ihm schweigend zu, stand direkt hin­ter ihm und hörte dann wie er sagte, ohne den Blick von sein­er schreiben­den Hand zu nehmen, dass man manch­mal eine Vari­a­tion der eige­nen Leben­szeile schreiben müsse, um ver­ste­hen zu kön­nen. Nichts löschen, sagte der Mann, inter­pretieren, denken, nach­fühlen.

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papiertierchen

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nord­pol : 9.15 — Man stelle sich ein­mal vor, Papiertierchen existierten in unser­er Welt. Nicht etwa Tierchen, die aus Papi­er gemacht sind oder ver­gle­ich­bar­er Ware, son­dern tat­säch­liche Lebe­we­sen, die so aus­gedacht sind, dass sie sich zu For­men ver­sam­meln, die ein­er Papier­seite ähn­lich sind. Weil diese Lebe­we­sen, wie ich sie mir ger­ade male, sehr klein sein soll­ten, sagen wir in der Fläche so groß wie die Spitze ein­er Nadel, würde ein Maschi­nen­bo­gen von nicht weniger als zwei Mil­lio­nen Indi­viduen nachge­bildet sein. Jedes Papiertierchen, sicht­bar ganz für sich nur im Licht eines sehr guten Mikroskops, ist nun von dem Wun­sch beseelt, sich mit jew­eils vier weit­eren Tierchen, die es schon immer ken­nt, mit­tels fein­ster Ten­takeln zu verbinden oder zu befre­un­den, und zwar nur mit diesen, so dass man von ein­deutiger Ord­nung sprechen kön­nte, nicht von ein­er beliebi­gen Anord­nung. Ja, jedes der kleinen Wesen für sich spricht von einem ure­ige­nen Ort, den es niemals ver­gisst. Sobald alles schön zu ein­er Seite geord­net ist, wer­den mit Licht, mit einem Licht­s­tift genauer, Zeichen geset­zt auf das lebende Papi­er, indem man leichter Hand wie mit einem Füller schreibt. Wird ein schneeweißes Tierchen berührt vom notieren­den Licht, nimmt es sogle­ich die schwarze Farbe an und verbleibt von diesem Schwarz, bis es von weit­erem Licht berührt wer­den kön­nte, einem Licht natür­lich, das sehr stark sein muss, weil doch der Tag oder jede Lampe das Zeichen der Nacht sofort über die Land­schaft der fil­igra­nen Kör­p­er schreiben würde. Ich hat­te, während ich diesem Gedanken noch auf ein­er gewöhn­lichen Com­put­er­schreib­mas­chine fol­gte, die Idee, dass sie vielle­icht alle sehr schreck­haft sind, also zunächst unvol­lkom­men oder wild, dass sie, zum Beispiel, wenn ein Feuer­wehrauto in ihrer Nähe vorüberkom­men sollte, sofort auseinan­der fliegen in Panik, sich ver­steck­en, um jedes für sich oder in größeren Grup­pen an den Wän­den mein­er Zim­mer zu sitzen. Vielle­icht lungern sie auch auf Kaf­fee­tassen herum oder in den Haar­blät­tern eines Ele­fan­ten­fußbaumes, ja, das ist sehr gut denkbar. Ich werde dann warten, ruhig und gelassen warten, bis sie sich wieder beruhigt haben wer­den und zurück­kom­men, sagen wir nach ein­er Stunde oder zwei. Dann weit­er schreiben oder lesen oder denken. Und jet­zt hab ich einen Knoten im Kopf.

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que sera, sera, whatever will be, will be …

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tan­go : 8.52 — Immer schon hab ich geträumt. Als Junge saß ich auf Bäu­men, meinte, hoch auf einem Schiff zu schaukeln, bis ich bemerk­te, dass die Zeit der Physik­stunde bere­its hin­ter mir lag. Dann war ich Astro­naut oder Tauch­er, ich träumte Glüh­bir­nen, wie man sie macht, war ein Ent­deck­er in lufti­gen Räu­men. Eines Tages begann ich, meine Träume aufzuze­ich­nen, um sie fort­set­zen zu kön­nen. Nun hat­te das Träu­men etwas mit Erfind­ung zu tun, weil die geträumte Zeit und ihre Geschicht­en der wirk­lichen Welt eingeschrieben, ja ein­ver­leibt wer­den kon­nten, ein­er Welt auf dem Papi­er, wo sie sich behaupten soll­ten. Von diesem Moment an sam­melte ich Träume, Ent­deck­un­gen, Nachtzep­pe­line, kon­nte zeigen, was ich erfand, kon­nte teilen mit anderen Men­schen, eine span­nende Auf­gabe, nie ist mir sei­ther lang­weilig gewor­den. Oft steh ich mor­gens in meinem Zim­mer und schon wird geträumt, noch während ich mich wasche beginne ich meine Arbeit, suche, bin aufmerk­sam, lausche. Ja, ich arbeite, wenn ich lausche, wenn ich träume, ohne zu schlafen. Manch­mal träume ich auf der Straße während ich spaziere, das ist natür­lich sehr gefährlich, weil ich Ampeln vergesse, weil ich mich ver­laufe oder in verkehrte Straßen­bah­nen steige. Gestern Nach­mit­tag beleuchtete ich einen Frosch, der die men­schliche Sprache zu imi­tieren ver­mag. Zwei Stun­den lang arbeit­ete ich, ging Einkaufen, fortwährend träu­mend, erfind­end, küm­merte mich in der Küche um eine Enten­brust, ein­mal tele­fonierte ich, ohne je meine Gedanken an den kleinen, sprechen­den Frosch aufzugeben. Ein Geschenk dieses Erzählen, diese Art und Weise zu leben, ger­ade in schwieri­gen Zeit­en.

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mumbai — darjeeling

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echo : 8.55 — Das 8 jährige Mäd­chen Puja in dem Doku­men­tarfilm Geboren im Bor­dell, von dem man berichtet, dass es in seinem Leben noch nie Nein gesagt haben soll. Ein düster­er Ort an dem Puja lebt, orangen­far­bene, von Fliegen umschwirrte, rußige Glüh­bir­nen, eine völ­lig über­füllte Woh­nung, Schmutz, der Lärm der Freier Tag und Nacht. Und doch gibt es etwas in Pujas Leben, das ihr Freude bere­it­et. Sie besitzt einen Fotoap­pa­rat. Sie geht mit ihm auf die Straße und fotografiert Pas­san­ten. Das sind feine Auf­nah­men, die Puja macht, kein fotografiert­er Men­sch wird böse, sobald sich der merk­würdi­ge Fotoap­pa­rat Pujas auf sie richtet. Da ste­ht ein klein­er Men­sch in einem roten Kleid, dessen Kopf sich in eine Mas­chine mit zwei Augen ver­wan­delt. — Mit­ter­nacht. stop. Während ich arbeit­ete an ein­er kleinen Geschichte über Bil­ly, den Ken­taur, selt­same Stille. Kein Laut von draußen, drin­nen nur das sehr langsame Klap­pern der Tas­tatur. Jet­zt san­fte Gedanken pfle­gen, Musik hören, ins Cafe gehn, dann die Vor­bere­itung ein­er Reise nach Indi­en irgend­wann wieder ein­mal aufnehmen : Mum­bai – Dar­jeel­ing in Zügen.

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oktoberlicht

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echo : 17.05 — N. holte mich ab, wollte mich ent­führen in das schön­ste Licht des Jahres, und so wateten wir durchs Laub, sie immer rück­wärts vor mir her, während sie in druck­reifen Sätzen die Eisen­bah­nen Indi­ens beschrieb, dass ein Moski­tonetz gut tun würde, dass es in Dar­jeel­ing sehr kalt wer­den könne. Ich hörte ihr zu, entspan­nt, beobachtete, wie sie Schritt um Schritt hin­ter sich brachte, ohne sich ein­mal umzuse­hen, weil sie wusste, dass ich Augen für ihren Weg angenom­men hat­te.

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bryant park

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sier­ra : 8.57 — Es hat­te Stun­den lang gereg­net, jet­zt dampfte der Boden im süd­wärts vor­rück­enden Nordlicht, und das Laub, das alles bedeck­te, die stein­er­nen Bänke, Brun­nen und Skulp­turen, die Büsche und Som­mer­stüh­le der Cafes, bewegte sich trock­nend wie eine abge­wor­fene Haut, die nicht zur Ruhe kom­men kon­nte. Boule­spiel­er waren vom Him­mel gefall­en, fegten ihr Spielfeld, schon war das Klick­en der Kugeln zu hören, Schritte, Rufe. Wie ich so zu den Spiel­ern schlen­derte, kreuzte eine junge Frau meinen Weg. Sie tastete sich langsam vor­wärts an einem weißen, sehr lan­gen Stock, den ich einge­hend beobachtete, rasche, den Boden abklopfende Bewe­gun­gen. Als sie in meine Nähe gekom­men war, vielle­icht hat­te sie das Geräusch mein­er Schritte gehört, sprach sie mich an, fragte, ob es bald wieder reg­nen würde. Ich erin­nere mich noch gut, zunächst sehr unsich­er gewe­sen zu sein, aber dann ging ich ein Stück an ihrer Seite und berichtete vom Okto­ber­licht, das ich so liebte, von den Far­ben der Blät­ter, die unter unseren Füßen raschel­ten. Bald saßen wir auf ein­er nassen Bank, und die junge Frau erzählte, dass sie ein kleines Prob­lem haben würde, dass sie einen Brief erhal­ten habe, einen lang erwarteten, einen ersehn­ten Brief, und dass sie diesen Brief nicht lesen könne, ein Mann mit Augen­licht hätte ihn geschrieben, ob ich ihr den Brief vor­lesen könne, sie sei so sehr glück­lich, diesen Brief endlich in Hän­den zu hal­ten. Ich öffnete also den Brief, einen Luft­post­brief, aber da standen nur wenige, sehr harte Worte, ein Ende in sechs Zeilen, Druck­buch­staben, eine schlampige Arbeit, rasch hinge­wor­fen, und obwohl ich wusste, dass ich etwas tat, das ich nicht tun durfte, erzählte meine Stimme, die vor­gab zu lesen, eine ganz andere Geschichte. Lieb­ste Marlen, hörte ich mich sagen, lieb­ste Marlen, wie sehr ich Dich doch ver­misse. Kon­nte solange Zeit nicht schreiben, weil ich Deine Adresse ver­loren hat­te, aber nun schreibe ich Dir, schreibe Dir aus unserem Cafe am Bryant Park. Es ist ger­ade Abend gewor­den in New York und sich­er wirst Du schon schlafen. Erin­nerst Du Dich an die Nacht, als wir hier in unserem Cafe Deinen Geburt­stag feierten? Ich erzählte Dir von ein­er kleinen, dun­klen Stelle hin­ter der Tapete, die so rot ist, dass ich Dir nicht erk­lären kon­nte, was das bedeutet, dieses Rot für sehende Men­schen? Erin­nerst Du Dich, wie Du mit Deinen Hän­den nach jen­er Stelle sucht­est, wie ich Deine Fin­ger führte, wie ich Dir erzählte, dass dort hin­ter der Tapete, ein Tun­nel endet, der Europa mit Ameri­ka verbindet? Und wie Du ein Ohr an die Wand legtest, wie Du lauscht­est, erin­nerst Du Dich? Lange Zeit hast Du gelauscht. Ich höre etwas, sagtest Du, und woll­test wis­sen, wie lange Zeit die Stim­men wohl unter dem atlantis­chen Boden reis­ten, bis sie Dich erre­ichen kon­nten. – An dieser Stelle mein­er kleinen Erzäh­lung unter­brach mich die junge Frau. Sie hat­te ihren Kopf zur Seite geneigt, lächelte mich an und flüsterte, dass das eine sehr schöne Geschichte gewe­sen sei, eine tröstliche Geschichte, ich sollte den Brief ruhig behal­ten und mit ihm machen, was immer ich wollte. Und da war nun das aus dem Boden kom­mende Nordlicht, das Knis­tern der Blät­ter, die Stim­men der spie­len­den Men­schen. Wir gin­gen noch eine kleine Strecke nebeneinan­der her, ohne zu sprechen. Ich seh ger­ade ihren über das Laub tas­ten­den Stock und ein Eich­hörnchen mit ein­er Nuss im Maul, das an einem Baum­stamm kauerte. Beina­he kommt es mir in dieser Sekunde so vor, als hätte ich dieses Eich­hörnchen und seine Nuss nur erfun­den. — stop

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callas box

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alpha : 8.02 — Gestern Abend die Arbeit­en an Callas Box 2.0 aufgenom­men. Suchte zwei Stun­den einen Zugang zur Struk­tur selt­samer Codes, die ich vor Jahren notierte.  — Früher Mor­gen jet­zt. Erste Straßen­bah­nen kreuzen vor dem Fen­ster. Vom Dach her, durch den Kamin getra­gen, das Gespräch der Tauben. Für einige Stun­den habe ich die schwere Mechanik der Zeit vergessen.

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minutenzeit

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delta : 8.12 — Bin sehr gut darin gewor­den, die Dauer ein­er Minute auszu­denken. Ich kön­nte vielle­icht, zum reinen Vergnü­gen, als lebende Stan­duhr existieren.

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diodenlicht

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echo : 0.12 — Ein Nacht­fal­ter segelte durch mein Arbeit­sz­im­mer. Das Tier war so müde und so schwach, dass es nach­gab und sich der Luft anver­traute. Kurz darauf saß der Fal­ter auf dem Boden und ich hob ihn auf und set­zte ihn behut­sam an eine Wand. — Es ist jet­zt kurz nach Mit­ter­nacht. Ein paar Dio­den­lichter glühen zu mir herüber. Ob ich den Fal­ter füt­tern sollte, über den Win­ter brin­gen? Er kön­nte vielle­icht 250 Jahre alt, er kön­nte ein Licht­en­bergfal­ter sein, der rasch bei mir zu Kräften kom­men möchte.

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yanuk : cucurrucu!

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tan­go

~ : yanuk le
to : louis
sub­ject : RAIN
date : oct 23 08 6.52 p.m.

Lieber Mr. Louis, froh bin ich, lesen zu dür­fen, dass Du wieder Schlaf find­en kannst. 38 Tage mit je nur ein oder zwei Stun­den der Ruhe, das ist eine lange Zeit. Du musst wohl bald Gespen­ster gese­hen haben, ja, das nehme ich an, Geis­ter oder solche Wesen, die eigentlich nicht für Dich anwe­send sind. Ich kann nach­fühlen, wie schw­er diese Tage für Dich gewe­sen sein müssen. Auch ich schlafe nicht gut zur Zeit. Seit acht Tagen Regen ohne Unter­brechung. Ver­lasse kaum das Zelt, ständig Geräusche des Wassers. Kühl ist es gewor­den auf Höhe 286. Ich habe alles so weit vor­bere­it­et, dass ich unverzüglich weit­er klet­tern kann, sobald der Regen nachge­lassen haben wird. Vor zwei Tagen hat­te ich einen Ver­such gewagt und mich auf den Weg gemacht. Aber der Stamm meines Baumes und alle Gewächse, die ich üblicher­weise nütze, um mich festzuhal­ten, sind so feucht, als seien sie Unter­wasserpflanzen. Wun­dere mich, dass ich Deine Nachricht über­haupt emp­fan­gen kon­nte. Vielle­icht kön­ntest Du mir etwas Lit­er­atur über­mit­teln. Wäre das möglich? Solange ich nichts zu lesen habe, vertreibe ich mir die Zeit mit der Ret­tung von Ameisen. Schwimmt eine an meinem Zelt vor­bei, biete ich ein Stöckchen an oder ein Blatt und fis­che sie aus den Sturzbächen her­aus. Sie sind alle sehr ähn­lich in der Art und Weise, wie sie sich trock­nen. Zunächst streifen sie sich das Wass­er von den Augen, dann bebt ihr Hin­ter­leib, eine unglaublich schnelle Bewe­gung. Kaum zufrieden, laufen sie im Zelt herum und kämpfen gegen weit­ere zufriedene Artgenossen. Ja, jed­er kämpft hier gegen jeden, als hät­ten sie alle unter der Erfahrung des Wassers ihr Gedächt­nis ver­loren. – Cucur­ru­cu! Yanuk

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20.58 UTC
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unterwasservögel

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mum­bai : 8.03 — Nie­mand kann sagen, wie das gekom­men ist. Vielle­icht, weil die Wälder, die sie bewohn­ten, ver­schwun­den sind, haben Kolib­ris sich ins nahe liegende Wass­er gestürzt, haben das Weite gesucht, das Meer, und kon­nten atmen, wie durch ein Wun­der, kon­nten sie das Wass­er atmen, das Salz, das Plank­ton. Von einem Tag zum anderen, stelle ich mir vor, war die Gat­tung der Unter­wasservögel geboren, nicht zeitweise tauchende Wesen der Luft, son­dern wirk­liche Vögel, die sich wie Fis­che der­art fröh­lich durchs Wass­er bewe­gen, als seien sie schon immer hier gewe­sen. Ja, sie fliegen, sie rasen, sie schwär­men durch Koral­len­bänke, ver­drehen Tauch­ern den Kopf, naschen von allem, was sie noch ent­fer­nt an süße Blüten erin­nert. Aber schmal sind sie gewor­den, nass­es Gefieder, und haben noch nicht gel­ernt, Fre­und von Feind zu unter­schei­den. Ich habe mir heute Mor­gen gedacht, dass jemand am Code gear­beit­et haben kön­nte, dass bald schon die Möwen den Luftraum ver­lassen wer­den, eine Möwe nach der anderen Möwe, dann wer­den Tauben, Bus­sarde, Amseln fol­gen, und auch die Zeisige, die Nachti­gallen, die Spatzen und Papageien­vögel, alle wer­den sie das Wass­er besuchen. Ich muss das im Auge behal­ten.

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schlafende vögel

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echo : 8.25 — Weil ein unter der Wasser­ober­fläche leben­der Vogel noch immer ein Vogel ist, wed­er Fisch, noch Amphi­bie, wird er sich von Zeit zu Zeit an die Gestalt der Bäume erin­nern, an den Luft­ge­sang sein­er Fre­unde, an den Wind, der durch sein Gefieder streifte, an das Vordäm­merungslicht der Sonne, das ihm Augen und Schn­abel öffnete, auch an die Far­ben der Wolken, an den Schnee, an den Duft der Blüten, an das Öl der Samen, der Nüsse. Er wird vielle­icht auf sandi­gem Boden unter weit­eren Vögeln sitzen und das Licht der Wellen wird ihm schme­icheln, komm zurück, komm zurück, und er wird in diesen Momenten fühlen, dass etwas anders gewor­den ist, dass man als schlafend­er Vogel auf und davon treiben, dass man niemals wis­sen kann, wo man erwachen wird. – Ein wun­der­bar ruhiger Abend, spazierte ins Cafe, besuchte L., notierte endlich wieder ein paar anatomis­che Sätze, studierte Zug­fahrpläne Mum­bai — Dar­jeel­ing. Wie nach und nach die Far­ben zurück­kehren, Grav­i­ta­tion, ein Oben, ein Unten. Und plöt­zlich dieses feine Bild eines Schwarms der Unter­wasservögel, wie sie schlafend als Vogel­wolke in der Strö­mung treiben. Manche schweben auf dem Rück­en, die Flügel weit geöffnet, andere haben ihren Kopf ins nasse Gefieder gesteckt, gleit­en in ein­er Hal­tung dahin, als wür­den sie wie immer auf dem Ast eines Baumes sitzen. Das Nacht­ge­spräch der Schlafend­en in meinem Kopf, ein leis­es Sin­gen, ein Sin­gen, das schon bald zu einem Gespräch gewor­den ist.

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