Aus der Wörtersammlung: hand

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ai : VIETNAM

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MENSCH IN GEFAHR: „Die Men­schen­rechts­ver­tei­di­ge­rin Nguyễn Ngọc Như Quỳnh, die als Blog­ge­rin unter dem Namen Mẹ Nấm (Mut­ter Pilz) bekannt ist, wur­de am 10. Okto­ber fest­ge­nom­men und wegen “Pro­pa­gan­da” gegen den Staat nach Para­graf 88 des viet­na­me­si­schen Straf­ge­setz­buchs ange­klagt. Ihr dro­hen Fol­ter und ander­wei­ti­ge Miss­hand­lung. Es ist nicht bekannt, wo sie zur­zeit fest­ge­hal­ten wird. / Nguyễn Ngọc Như Quỳnh wur­de am 10. Okto­ber um 10 Uhr in ihrer Hei­mat­stadt Nha Trang in der Pro­vinz Khánh Hòa in der Regi­on Nam Trung Bộ fest­ge­nom­men. Zum Zeit­punkt ihrer Fest­nah­me beglei­te­te Nguyễn Ngọc Như Quỳnh die Mut­ter eines Akti­vis­ten, die ihren Sohn in einem ört­li­chen Gefäng­nis besu­chen woll­te. Sicher­heits­kräf­te brach­ten Nguyễn Ngọc Như Quỳnh gegen 11:30 Uhr zu ihrem Zuhau­se und führ­ten dort eine Durch­su­chung durch. Dabei beschlag­nahm­ten sie ihren Com­pu­ter, elek­tro­ni­sche Gerä­te und Demonstrationsplakate./ Nguyễn Ngọc Như Quỳnh wur­de wegen “Pro­pa­gan­da” gegen den Staat nach Para­graf 88 des viet­na­me­si­schen Straf­ge­setz­buchs ange­klagt. Bei einer Ver­ur­tei­lung dro­hen ihr zwi­schen drei und 20 Jah­re Haft. Es ist nicht bekannt, wo sie zur­zeit fest­ge­hal­ten wird. In Viet­nam kön­nen Per­so­nen, die mut­maß­li­cher Straf­ta­ten im Zusam­men­hang mit der natio­na­len Sicher­heit beschul­digt wer­den, bis zu zwei Jah­re in Haft ohne Kon­takt zur Außen­welt fest­ge­hal­ten wer­den, bevor es zu einem Pro­zess kommt. / Staat­li­che Medi­en berich­te­ten, dass Nguyễn Ngọc Như Quỳnh straf­recht­lich ver­folgt wer­de, da sie auf Face­book Arti­kel geschrie­ben und gepos­tet sowie Vide­os und Tex­te geteilt hat­te, in wel­chen die seit 2012 regie­ren­de Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei Viet­nams (KPV) und der Staat kri­ti­siert wur­den. In dem Bericht wur­de ein Doku­ment zitiert, wel­ches Nguyễn Ngọc Như Quỳnh auf Face­book geteilt hat­te, und in dem 31 Per­so­nen genannt wur­den, die nach Ver­hö­ren durch die Poli­zei gestor­ben waren. Ihnen war »Beein­träch­ti­gung der natio­na­len und sozia­len Sicher­heit und Ord­nung« vor­ge­wor­fen wor­den. / Nguyễn Ngọc Như Quỳnh ist Mit­grün­de­rin des Unab­hän­gi­gen Viet­na­me­si­schen Blog­ger­netz­werks, wel­ches im Dezem­ber 2013 gegrün­det wur­de. Sie ist allein­er­zie­hen­de Mut­ter zwei­er Kin­der und wur­de wegen ihrer fried­li­chen Akti­vi­tä­ten mehr­mals schi­ka­niert, fest­ge­nom­men und ver­hört. Es ist ihr außer­dem nicht gestat­tet, ins Aus­land zu rei­sen. Sie setzt sich seit mehr als zehn Jah­ren für Men­schen­rech­te und gegen Unge­rech­tig­keit ein und ist eine belieb­te und bekann­te Blog­ge­rin.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 24. Novem­ber 2016 hin­aus, unter > ai : urgent action

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kalkutta

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del­ta : 5.02 — Ein Brief, 12.5 Gramm schwer, den ich vor zwei Jah­ren als Son­de per Luft­post nach Kal­kut­ta schick­te, ist ges­tern zu mir zurück­ge­kom­men. Irgend­wann wäh­rend der ver­gan­ge­nen Mona­te muss ich ihn doch tat­säch­lich ver­ges­sen haben. Jetzt, da der Brief vor mir auf dem Schreib­tisch liegt, erin­ne­re ich mich prä­zi­se, dass ich ihn an ein zwei­stö­cki­ges Haus in einer Stra­ße adres­sier­te, die sich nicht in unse­rer Wirk­lich­keit befin­det. Da in Kal­kut­ta zahl­rei­che stra­ßen­lo­se Häu­ser exis­tie­ren sol­len, stell­te ich mir vor, ein Brief­trä­ger habe sich in dem Wunsch, mei­nen Brief erfolg­reich zustel­len zu kön­nen, ein Haus aus­ge­dacht, das an einer Stra­ße liegt, die tat­säch­lich exis­tiert, oder eine Stra­ße, die nicht exis­tiert für ein Haus, in dem ein Mann namens Sini Sha­pi­ro lebt. Spu­ren, die ich auf dem Kuvert des Brie­fes ent­deck­te, erzäh­len von drei oder vier Ver­su­chen, das Schrift­stück an Mr. Sha­pi­ro aus­zu­hän­di­gen, so fin­den sich auf der Ansichts­sei­te des Brie­fes die Stem­pel­mo­ti­ve Adres­se insuf­fi­san­te (Anschrift unvoll­stän­dig) sowie Pas de boî­te à ce nom (Kein Namens­schild), auf der Rück­sei­te indes­sen unles­ba­re hand­schrift­li­che Zei­chen, die mit Füll­fe­der oder Blei­stift auf­ge­tra­gen wor­den waren. Mög­li­cher­wei­se lager­te mein Brief zwei Jah­re lang auf einem Schreib­tisch in Kal­kut­ta unter wei­te­ren Brie­fen, die nicht zustell­bar waren. Mög­li­cher­wei­se, auch das ist denk­bar, wur­de von Zeit zu Zeit ein pos­ta­li­scher Spä­her in die Stadt ent­sandt, um nach­zu­se­hen, ob das Haus oder die Stra­ße, die kurz zuvor noch nicht exis­tier­ten, nun doch zu fin­den waren. Kürz­lich wur­de dann jeder wei­te­re Zustel­lungs­ver­such auf­ge­ge­ben. Ja, das ist denk­bar. Ich wer­de mei­nen weit gereis­ten Brief sorg­fäl­tig ver­wah­ren. Sicher ist: Mr. Sini Sha­pi­ro exis­tiert tat­säch­lich. Er lebt in Man­hat­tan in einem Haus an der Park Ave­nue Höhe 70. St., er liebt Brook­lyn. — stop

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kein einziges wort

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nord­pol : 3.18 — Ipek (Name geän­dert), die in einem Dorf der ana­to­li­schen Regi­on Der­sim (Tun­ce­li) gebo­ren wur­de, erzähl­te in weni­gen Wor­ten, wes­halb sie vor drei Wochen um Haa­res­brei­te von einer Rei­se nicht nach Hau­se nach Ber­lin zurück­ge­kom­men wäre. Ihr Vater, sag­te sie, sei gestor­ben. Ihre Fami­lie und sie selbst sei­en des­halb nach Ana­to­li­en gereist, um den Leich­nam ihres Vaters in der Hei­mat zu bestat­ten. Auf der Hin­rei­se habe sie kei­ner­lei Pro­ble­me gehabt, viel Mili­tär auf den Stra­ßen, aber das ken­ne sie schon von Kind­heit an. Sie habe einen Tag vor der Beer­di­gungs­ze­re­mo­nie vom Dorf aus die Stadt besucht, um eini­ge Stan­gen Ziga­ret­ten ein­zu­kau­fen, die ihre Fami­lie den Trau­er­gäs­ten anbie­ten woll­te. Das sei so üblich in ihrer Gegend, das wüss­te jeder Mensch, auch die Kin­der. Bei der Rück­fahrt sei der Bus in eine Poli­zei­kon­trol­le gera­ten. Man habe sie aus dem Bus geholt, man woll­te wis­sen, für wen genau die Ziga­ret­ten bestimmt sei­en. Da habe sie erzählt, war­um sie die Ziga­ret­ten gekauft habe, aber man woll­te ihr nicht glau­ben, man sag­te, sie habe Nach­schub für Ter­ro­ris­ten gekauft. Da habe sie gesagt, dass das nicht so sei, aber die Män­ner in Uni­form sag­ten, dass das eben doch so sei, und dass sie jetzt still sein sol­le, andern­falls wür­de man ihren deut­schen Rei­se­pass zer­rei­ßen, den hat­te einer der Män­ner bereits in der Hand. Der Mann sag­te, dass das mit den Ziga­ret­ten nur genau­so sein kön­ne, wie er es sage, dass sie für die Ber­ge bestimmt sei­en, kön­ne man dar­an erken­nen, wo sie, Ipek, gebo­ren wor­den sei, in Der­sim näm­lich, das bedeu­tet in Tun­ce­li, so hei­ße die Regi­on Der­sim in der tür­ki­schen Spra­che. Er fuhr fort, wenn sie, Ipek, jetzt noch ein wei­te­res Wort sagen wür­de, dann wür­de sie nie wie­der nach Hau­se kom­men. Also war sie still gewe­sen. Sie habe kein ein­zi­ges Wort gesagt, auch nicht im Bus, noch min­des­tens eine Stun­de lang kein ein­zi­ges Wort. — stop
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radionuklidbatterie

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~ : louis
to : mr. eliot
sub­ject : RADIONUKLIDBATTERIE

Lie­ber Eli­ot! Guten Mor­gen! Wie geht’s, wie steht’s? Ich frag­te mich, ob Du die Hit­ze, — auch bei Dir drü­ben soll es sehr heiß sein -, gut ver­tra­gen kannst? Ich sor­ge mich ein wenig, ver­mut­lich ohne Grund! Mir jeden­falls bekommt die Hit­ze nicht sehr gut. Auch Vaters alter Uhr nicht. Ich tra­ge sie, seit er gestor­ben ist vor vier Jah­ren. Jetzt ist sie ste­hen­ge­blie­ben, ver­mut­lich weil ihre Bat­te­rien in der war­men Luft müde gewor­den sind. Für ein paar Stun­den habe ich mir aus­ge­malt, dass die Zeit mei­nes Vaters nun end­gül­tig ende­te. Das ist schmerz­voll, ich wür­de ihm gern noch ein­mal erzäh­len von mei­nen Wün­schen, von einem Vogel bei­spiels­wei­se, der mein Leben verzeich­net, der mich beglei­tet, Gesprä­che, die ich täg­lich mit Men­schen füh­re oder heim­li­che Gesprä­che mit mir selbst. Auch wür­de vom Vogel auf­ge­nom­men, was ich gese­hen habe wäh­rend ich reis­te, einen Ken­tau­ren im Gebir­ge, Regen­trop­fen am Strand von Coney Island, eine schla­fen­de Hand, die zeich­ne­te. Manch­mal ist es ange­nehm, sich wün­schen zu kön­nen, was nicht mög­lich zu sein scheint, eine gro­ße Frei­heit der Spe­ku­la­tion. Aber in den ver­gan­ge­nen Tagen wur­de mir bewusst, dass die Ver­wirk­li­chung eines mich beglei­ten­den Vogel­we­sens nicht län­ger uto­pi­sch sein muss. Ich kann mir eine flie­gende Maschi­ne ohne wei­tere Anstren­gung vor­stel­len, ein künst­li­ches Luft­we­sen, vier Pro­pel­ler, ange­trie­ben von einer leich­ten Radio­nu­klidbat­te­rie, die sich tat­säch­lich für Jahr­zehnte an mei­ner Sei­te in der Luft auf­hal­ten könn­te, ein bei­nahe laut­lo­ses Wesen in der Gestalt eines Koli­bris, eines Tau­ben­schwänz­chens oder einer Bie­ne, davon erzähl­te ich schon. Ich weiß nicht war­um das so ist, ich habe den Ein­druck, wenn ich Vaters Uhr bald wie­der in Gang set­zen wer­de, wird sie mei­ne Uhr gewor­den sein, das ist viel­leicht ein wenig ver­rückt, oder auch nicht. Ges­tern habe ich eine Geschich­te von 18 Sei­ten Län­ge auf ein Ton­band gespro­chen und der­art beschleu­nigt, dass mei­ne Stim­me zu einem Geräusch von 10 Sekun­den Dau­er wur­de, eine Art Hoch­ge­schwin­dig­keits­hör­spiel, das ich selbst nicht hören konn­te, weil ich sehr hohe Geräu­sche seit lan­ger Zeit nicht mehr wahr­neh­me. Ich sen­de Dir die Datei anbei. Wür­dest Du bit­te prü­fen, ob Du selbst sie viel­leicht noch hören kannst, oder irgend­je­mand sonst? Mel­de Dich bald! Dein Lou­is

gesen­det am
10.09.2016
22.56 UTC
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segelpferdchen

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nachtbild

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char­lie : 2.02 — Noch dun­kel, aber doch soviel Licht, dass ich eine Hand ent­de­cke, die sich genau­so bewegt, als wür­de sie malen. Der Mensch, zu dem die­se malen­de Hand gehört, schläft, ver­mut­lich ereig­nen sich im Augen­blick mei­ner Beob­ach­tung Träu­me, die die Hand bewe­gen. Ich ver­su­che in der Beob­ach­tung her­aus­zu­fin­den, das heißt, vor­zu­stel­len, was die­se Hand gera­de malen oder zeich­nen könn­te. Dar­über schla­fe ich ein. Als Mor­gen gewor­den ist, sage ich fröh­lich: Du hast heu­te Nacht viel­leicht im Schlaf gemalt! Kannst Du Dich erin­nern, an wel­chem Bild Du gear­bei­tet haben könn­test? — Es ist die Zeit der Hum­mer­ern­te. Ers­te kal­te Win­de flie­ßen über die gro­ßen Seen süd­ost­wärts. Ecke Wil­low St. pas­siert ein Legu­an die Cran­ber­ry St., ein Poli­zist, der sich freut, regelt den Ver­kehr. Plötz­lich eine Fra­ge wie eine bren­nen­de Lun­te, eine Fra­ge, die ich in einer frem­den Spra­che vor­sich­tig notie­re, ob sich Hum­mer­tie­re an mensch­li­chen Kör­pern ver­grei­fen? Beun­ru­hi­gend, wie damals, Ende des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts, die Fra­ge nach den Vor­lie­ben der Vik­to­ria­see­bar­sche? — stop
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an einem frühen morgen

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oli­mam­bo : 8.05 — An einem frü­hen Mor­gen spricht ein Mann im Schwein­wer­fer­licht einer Fern­seh­ka­me­ra. Er ist Abge­ord­ne­ter des Deut­schen Bun­des­ta­ges, ein tap­fe­rer Mann, er ver­tei­digt die Poli­tik sei­ner Par­tei, sei­ner Bun­des­kanz­le­rin. Er spricht unge­fähr so: Wir haben viel geschafft. Wir haben uns bemüht. Wir haben den Men­schen­schleu­sern das Hand­werk gelegt. Es kom­men weni­ger Men­schen zu uns, die flüch­ten wol­len. Nicht län­ger müs­sen Men­schen im Mit­tel­meer ertrin­ken. – Es ist frü­her Mor­gen, ein Mor­gen eines Tages im Sep­tem­ber. Es ist das Jahr 2016. Wenn ich über die Fern­be­die­nung mei­nes Fern­seh­ge­rä­tes einen wei­te­ren Fern­seh­ka­nal anwäh­le, erfah­re ich, dass der Som­mer zurück­keh­ren wird, obwohl doch schon Herbst gewor­den ist. – stopschaltung6

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afrika

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nord­pol : 2.28 — Zen­tral­afri­ka­ni­sche Land­schaft. Savan­ne. Affen­brot­bäu­me. Das Ufer eines Flus­ses oder Sees. Wol­ken, schnee­weiß, getürmt. Ent­lang der Ufer­li­nie flie­gen Fla­min­gos, ein Schwarm, 200 oder 300 Tie­re. Sie sind ver­mut­lich gera­de erst gestar­tet. Wenn ich mich mit einer Lupe der Land­schaft, die auf eine Brief­mar­ke gepresst wur­de, nähe­re, ver­mag ich die Füße ein­zel­ner Vögel gut zu erken­nen, eine hoch­auf­lö­sen­de Druck­ar­beit, mög­li­cher­wei­se könn­te man unter einem Mikro­skop Federn ent­de­cken, das Licht, das sich in den Augen der Flie­gen­den bricht, Mos­ki­tos, die über dem Was­ser schwe­ben, Libel­len und wie­der­um die Füße der Libel­len. Ein sel­te­nes Exem­plar einer Pan­ora­ma­mar­ke von 2,8 cm Höhe und 1 Meter und 50 cm Brei­te. Man könn­te die­se Brief­mar­ke für Brie­fe ver­wen­den, die über ent­spre­chen­de Brei­te ver­fü­gen, sagen wir, für sehr lan­ge Lang­brie­fe, oder aber man ver­wen­det die­ses wun­der­vol­le Post­wert­zei­chen auf Kurz­brie­fen übli­cher Brei­te, dann muss man die Brief­mar­ke fal­ten. Genau­so ist das vor­ge­se­hen, natür­li­che Fal­ten sind der Brief­mar­ke bei­gebracht, eigent­lich liegt die Brief­mar­ke, sofern man sie erwer­ben möch­te, in gefal­te­tem Zustand vor, ein Bänd­chen von Haa­res­brei­te hält sie in der Gestalt einer Zieh­har­mo­ni­ka zusam­men. Auch jetzt sind Fla­min­gos gut zu erken­nen. Es han­delt sich um eine wirk­lich sehr schö­ne Mar­ke. — stop

drohne27

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nahe lemmon creek park

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char­lie : 2.58 — Seit einer hal­ben Stun­de suche ich nach einem Namen für einen Mann, den ich ein­mal vor län­ge­rer Zeit beob­ach­tet habe auf Sta­ten Island an einem Strand im Win­ter. Ich dach­te, ver­dammt, hät­te ich ihn doch nur nach sei­nem Namen gefragt, ich fürch­te­te damals, ihn zu stö­ren, fürch­te­te, dass er sofort in den wil­den Wäl­dern nahe dem Lem­mon Creek Park ver­schwin­den wür­de. So still wie damals am Strand, sit­ze ich nach­denk­lich und rufe mir die Gestalt des Man­nes in Erin­ne­rung, eine schat­ten­lo­se Figur, die auf einem ver­wit­ter­ten Baum­stamm hockt. Du heißt viel­leicht Lau­ren­ti­us, den­ke ich, oder Hen­ry, nein, nicht Hen­ry, Lau­ren­ti­us wird ein guter Name sein. Der Strand ist nass vom Regen und vom Nebel, der tief über dem Meer hängt. Wenn man her­aus­schaut, weg vom Land, sieht man Schif­fe, aber nur ihre Bäu­che, nicht Brü­cken, Con­tai­ner, win­ken­de Pas­sa­gie­re. Ich glau­be, auch Lau­ren­ti­us beob­ach­tet in die­sem Moment sei­nes Lebens Schif­fe und Nebel, manch­mal schreibt er ein paar Sät­ze auf ein Notiz­blatt, reißt das Papier aus sei­nem Block, fasst in sei­ne rech­te oder lin­ke Hosen­ta­sche, holt ein Fläsch­chen her­vor, wickelt das Notiz­blatt um einen Blei­stift, führt das in die­ser Wei­se geform­te Notiz­pa­pier­stäb­chen in den Hals des Fläsch­chens ein, ver­schließt den Behäl­ter mit einem Kor­ken, steht auf und schleu­dert ihn aufs Meer hin­aus. Dann setzt er sich wie­der auf den ver­wit­ter­ten Baum­stamm, beob­ach­tet die Schif­fe, die west- und ost­wärts der Küs­te fol­gen, um nach eini­gen Minu­ten eine wei­te­re Notiz zu fer­ti­gen. Ein­mal kehrt eines der Fläsch­chen zurück, es ist mög­li­cher­wei­se von der Bug­wel­le eines grö­ße­ren Schif­fes aus der Strö­mung getra­gen wor­den. Als Lau­ren­ti­us das Fläsch­chen bemerkt, steht er auf, holt das Fläsch­chen aus der Bran­dung, dreht den Kor­ken vom Fla­schen­hals und schüt­telt das Fläsch­chen so lan­ge, bis das Notiz­zet­tel­röll­chen auf sei­ne Hand­flä­che rutscht. Dann wirft er die lee­re Fla­sche wie­der weit hin­aus aufs Was­ser, wo es für einen kur­zen Moment ver­schwin­det. — stop

propeller

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die luft über aleppo

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nord­pol : 22.01 — Seit Tagen lässt sich in aller Ruhe die Erfin­dung eines fra­gen­den Gedan­kens beob­ach­ten. Es han­delt sich bei die­sem Gedan­ken um eine Zei­chen­ket­te fol­gen­den Inhalts: Ist es viel­leicht denk­bar, die ein­ge­schlos­se­nen Bür­ger­men­schen der Stadt Alep­po mit Trink­was­ser, Medi­ka­men­ten und Brot aus der Luft zu ver­sor­gen? Noch lässt sich nicht sagen, ob der Gedan­ke so weit in einer logi­schen Form ver­wirk­licht wer­den wird, dass aus einem Gedan­ken im Sta­di­um der Ent­wick­lung, ein Gedan­ke wer­den könn­te, der sich tat­säch­lich den­ken, also ver­ste­hen lässt, dem­zu­fol­ge mit einem wei­te­ren Gedan­ken in Ver­bin­dung gebracht wer­den könn­te: Wann wer­den wir die ein­ge­schlos­se­nen Bür­ger­men­schen der Stadt Alep­po mit Trink­was­ser, Medi­ka­men­ten und Brot aus der Luft ver­sor­gen? — stop

manuskript3

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wegen unsichtbarkeit

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lima : 0.08 — Die klei­ne M. erzähl­te, sie habe mit ihrer Mut­ter fünf Jah­re im fünf­zehn­ten Stock eines Miets­hau­ses auf Roo­se­velt Island gelebt. Dort hat­ten sie zwei Nach­barn, eine Fami­lie links, puer­to-rica­ni­scher Her­kunft, Mut­ter, Vater, drei Kin­der, – sowie eine ver­mut­lich allein­ste­hen­de Frau in der Woh­nung rechts. Wäh­rend M. und ihre Mut­ter sehr herz­li­chen Kon­takt zu den Men­schen auf der lin­ken Sei­te ihrer Woh­nung pfleg­ten, man fei­er­te sogar gemein­sa­me Fes­te, grüß­te von Bal­kon zu Bal­kon, waren sie jener Frau, deren Stim­me häu­fig schrill durch die Wand zu ihnen in die Woh­nung drang, in all den Jah­ren räum­li­cher Nähe nie per­sön­lich begeg­net. Auch auf dem Bal­kon, berich­te­te M., hät­ten sie die Per­son, die zu der schril­len Stim­me gehör­te, nie gese­hen, nur das Licht, das von der Woh­nung her kam, Licht auch, das unter der Tür hin­durch auf den Flur leuch­te­te, ein schma­ler Strei­fen, fade. Das Schild­chen, das neben der Tür zur Woh­nung ange­bracht wor­den war, behaup­te­te hin­ter der Tür lebe Lucil­la Mil­ler, ein Brief­kas­ten, der zur Woh­nung gehör­te, exis­tier­te vor dem Haus, der Brief­kas­ten wur­de von irgend­je­man­dem regel­mä­ßig geleert. Manch­mal nachts war aus der Woh­nung Streit zu hören, Mrs. Mil­lers kei­fen­de Stim­me, dann wie­der Flüs­tern, von Zeit zu Zeit auch Geräu­sche, die mög­li­cher­wei­se aus einem Fern­seh­ge­rät kamen, Schrit­te wei­ter­hin, fer­ne Schrit­te. Mrs. Mil­ler tele­fo­nier­te häu­fig und jeweils lan­ge Zeit, wäh­rend die­ser Gesprä­che schien Mrs. Mil­ler her­um­zu­lau­fen, zwei oder drei­mal hat­ten ihre Nach­barn den Ver­dacht, sie sei viel­leicht ver­reist, ein­mal woll­te man das Jau­len einer Kat­ze ver­nom­men haben. Eigent­lich war alles in Ord­nung, eigent­lich gab es kei­nen Grund zur Beun­ru­hi­gung, wenn man doch Mrs. Lucil­la Mil­ler wenigs­tes ein­mal gese­hen hät­te, einen Schat­ten, oder eine Hand, die hin­ter den ver­git­ter­ten Fens­tern einer Auf­zugs­tü­re wink­te. Dar­um, wohl haupt­säch­lich, wegen Unsicht­bar­keit, wur­de an einem eisi­gen Win­ter­tag jene geheim­nis­vol­le Woh­nung von zwei Feu­er­wehr­män­nern geöff­net. Die Woh­nung war, von zwei Laut­spre­chern abge­se­hen, auf wel­chen eine schä­bi­ge Lam­pe thron­te, voll­stän­dig leer. Die klei­ne M. sag­te, wäh­rend sie an ihrem gro­ßen Zeh dreh­te wie an einem Radio­knopf, dass sie sich sehr gewun­dert habe. Auch alle ande­ren haben sich gewun­dert, wie natür­lich auch ich, der die­se Geschich­te auf­ge­schrie­ben hat. — stop

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