zeichentiere

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ulysses : 5.15 – Das suchende Lernen chine­si­scher Schrift. Wie ich gestern in Gewit­ter­stunden lächelnd beob­achtet wurde, weil ich sagte: Die Zeichen Deiner Sprache erin­nern mich an Darstel­lungen der anato­mi­schen Welt, an Skelette, an Wesen, die ich leichter Hand erfinde, um das eine Zeichen von dem anderen Zeichen unter­scheiden zu können. Habe in dieser Weise eine Säbel­zahn­ti­ger­schnecke in meinen Kopf aufge­nommen, einen acht­ar­migen Klam­mer­affen, eine Doppel­kopf­ameise. Das Formu­lieren bald ganzer Sätze, jubelnde Zoologie. Guten Morgen!

ping

bingbing

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echo : 2.28 – Ich hörte, meine Augen, sobald ich sie öffne, seien rund. Und ich dachte mir, so lange Zeit schon hast Du aus runden Augen in die Welt hinaus­ge­schaut, ohne das Runde Deiner Augen zu bemerken. Ich lag auf einer Wiese im Park und weil ich so schön glück­lich war, schlief ich ein. Da drüben war die Luft voll kleiner Fliegen, die golden leuch­teten und selt­same Geräu­sche machten, bing bing. Das hörte sich an, als würden sie mit Zungen schnalzen, aber dann wurden sie zu singenden Fischen und ich holte meine Augen aus dem Kopf und die Fische spielten mit ihnen herum, und ich sah, meine Augen waren tatsäch­lich runde Geschöpfe. – Noch zu tun: Herz­kam­mern studieren. – stop

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mr. john demjanjuk

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tango : 0.05 – Las von einem alten Mann, der seit Wochen in einem euro­päi­schen Gefängnis sitzt und noch immer so gesund sein soll, dass er bald wegen schwerer Verbre­chen gegen die Mensch­lich­keit vor ein Gericht gestellt werden wird. Wie ich mich im Herbst in einen Reisezug setzen werde, um ihn einmal aus nächster Nähe ansehen zu können, daran dachte ich vor meinem Schreib­tisch sitzend, und ich dachte an ein Museum, an ein beson­deres Museum, das mir vertraut geworden ist, ein Museum, dessen Säle für Besu­cher zur Nacht­zeit nur geöffnet sind. Eine Spiel­zeug­ma­schine erhebt sich dort, Saal 107, von einem Tisch, eine Stadt ohne Staub. Da sind Häuser, Bara­cken, geschot­terte Wege, Mauern, ein Platz. Und Bäume sind da noch. Und Schienen. Und Türme. Hölzerne Türme. Guss­ei­serne Lampen. Scharfes Licht, weißes Licht, Gewit­ter­licht. Kein Laut, kein Schatten, keine Bewe­gung. Aber in den Kronen der Bäume, Unruhe, bebendes Warten. Es ist wieder die sechste Sekunde, dann die siebte, dann die achte. Jetzt geht alles sehr schnell vonstatten. Ein heller Ton, ein Pfiff, kaum hörbar. Eine Loko­mo­tive, weißer Dampf, rast auf Schienen aus dem Halb­dunkel jenseits der Umzäu­nung heran, ein Zug, ein langer Zug. Auch in die Stadt ist nun Bewe­gung gekommen. Personen. Vögel. Hunde. All das so voran, als wäre es aufge­zogen, würde sich entladen, ruck­artig, als habe man einem Film Sekunde für Sekunde Bilder entnommen. Der Zug stoppt. Figuren, Menschen­fi­guren, Hunderte, auch Kinder­fi­guren, fließen aus Waggons, formieren sich zu einer Linie, die sich bald teilt. Wispern und Zwit­schern. Dann Rauch. Nadeln von schwarzem Rauch. Rauch bis zur Himmels­decke. Und Geruch. Ein selt­samer Geruch, sehr senk­recht seltsam, Geruch von geschmol­zenem Metall, von Zinn, süß, von Gebäck. Alles ist wie von Sand beworfen, so einge­färbt, auch jene Menschen, die klein sind und schnell und bald schon verschwunden, waren von der Farbe hellen Sandes. Dann wieder Stille. Keine Bewe­gung. Nur die Bäume, das Blatt­werk, unruhig.

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sleeping

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sierra : 0.02 – Kurz nach Mitter­nacht, das Ende eines feder­leichten Tages, an dem ich, gegen den Morgen zu, eine feine Geschichte erlebte. Das war nämlich so gewesen, dass meine Hand, meine rechte Hand, während ich schlief, das Bett verlassen hatte. Sie schwebte, indem ich träumte, von einem Gewitter ange­rufen worden zu sein, fast bewe­gungslos über dem Boden und wurde in dieser Haltung nach einer  Erin­ne­rung zärt­lich foto­gra­fiert, weil ich vor einigen Monaten notiert hatte, dass ich, wenn ich sage: meine schla­fenden Hände, von Händen spreche, die ich nie gesehen habe. Dieser Satz ist nun natür­lich nicht ganz unwahr geworden, weil ich immerhin noch keine Ahnung habe, wie meine linke Hand aussehen könnte, während sie schläft. Außerdem habe ich meine schlum­mernde Hand nicht selbst gesehen, mit eigenen Augen, wahr­haftig, in echter Zeit, sondern zeit­ver­zö­gert und durch das Auge einer Kamera gebän­digt. – stop

<img class=“alignright” size-full wp-image-5526” title=“schlafhand” src=“https://andreas-louis-seyerlein.de/air/wp-content/uploads/2009/07/schlafhand.gif” alt=“schlafhand” width=“425” height=“600” />

echo

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ginkgo : 0.02 – Im Halb­schlaf, immer im Halb­schlaf, in der Vortraum­zeit, das Geräusch einer Spiel­dose. Blechern singendes Haar.

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begegnung

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echo : 6.10 – Entzü­ckend unlängst, Menschen, Chinesen, wie sie sich im Münchener Bota­ni­schen Garten um eine Bambus­staude grup­pierten, wie sie die Pflanze wieder­erkannten, wie sie sich freuten, helle Geräu­sche machten, wie sie die Blätter betas­teten, wie sie sich verbeugten, wie sie eine alte, weit­ge­reiste Bekannte begrüßten. Für einen Augen­blick der Eindruck, auch die Pflanze habe sich verneigt.

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tiefseeelefanten

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echo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : MONTAUK

Lieber Mr. Kekkola, haben Sie vielen Dank für die feine Foto­grafie, die Sie mir gestern Abend über­mit­telten. Wie ich mich herz­lich freue, dass Sie sich an mich erin­nerten, an die Geschichte uralter Elefan­ten­wan­der­wege, die den Grund des Kari­ba­sees durch­kreuzen. Und doch glaube ich, ist der See, an den ich vor langer Zeit einmal dachte, viel zu tief und viel zu breit, als dass Elefanten ihn passieren könnten, ohne Schaden zu nehmen. Nun, wir werden sehen. Ich bin beru­higt, weil Sie mir schreiben, dass ich Ihren Namen als Pseud­onym weiterhin verwenden darf, auch für unheim­liche Geschichten, wie die Geschichte meiner spezi­ellen Käfer­wesen von Menschen­haut. Schön muss es bei ihnen sein in Montauk. Ich besuchte Ihre Gegend mit der Google – Earth­ma­schine, habe ihr Haus beob­achtet und am Strand den Schatten einer mensch­li­chen Gestalt. Denkbar, dass Sie das gewesen sind, so klein, so winzig. Habe ich Ihnen berichtet, dass ich ein Wunsch­buch für Träume führe seit einigen Tagen? Ich könnte, nein, ich sollte für die kommende Nacht notieren: Schlafen gegen zwei! Erzähl dir Elefan­ten­herden, die den Atlantik durch­queren. Schwe­bend unter Rüsseln von phan­tas­ti­scher Länge, leicht, wie Menschen auf dem Mond, spazieren sie schnor­chelnd über schnee­weißen Tief­see­sand. Herz­lich grüßt Sie Ihr Louis. Ahoi!


gesendet am
12.07.2009
22.58 MEZ
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louis to jona­than
noe kekkola »

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zahlenflüstern

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sierra : 5.05 – Unterm Schirm im Palmen­garten einem Gewitter zuge­hört. Nichts getan, als zu lauschen und zu beob­achten, dass mein Gehirn nicht schnell genug ist, um die Tropfen eines kräf­tigen Regens, ihr Geräusch, nach­zu­zählen. Wie ich so ergeben vor Schild­kröten und Karpfen auf einer Bank lungerte, ist mir aufge­fallen, dass ich nicht ganz sicher sagen kann, ob es nicht viel­leicht doch die Wörter sind, die mich zur Zähl­schnecke machen, jene Zahlen nämlich, die ich insge­heim verwende, um in der Summe voran zu kommen. Ich bin dann, während ich das Flammen meiner Zahl­wörter beob­ach­tete, einge­schlafen. Ein weiterer Regen weckte mich bald auf und wieder versuchte ich zu zählen. Dieses Mal zählte ich flüs­ternd und ich zählte lange. Jetzt weiß ich, dass ich flüs­ternd schneller zählen kann, als schwei­gend nur in Gedanken Zahlen notie­rend. Was ist das über­haupt für eine Stimme in meinem Kopf? Fangen wir noch einmal von vorne: Auch am vergan­genen Abend, wie man mir erzählte, wurde kurz nach zehn Uhr in Teheran unter glanz­vollen Sternen von den Dächern nach Frei­heit gesungen.

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anatomische stille

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hima­laya : 6.05 – Viel­leicht kann ich sagen, dass ich dann leiden­schaft­lich an einem Gegen­stand, an seiner Verwand­lung in Zeichen, in Sprache arbeite, wenn ich immer und immer wieder zu einzelnen Wörtern zurück­kehre, weil sie noch nicht die rich­tigen Wörter sind für dies oder das, oder weil über­haupt noch kein geeig­netes Wort bekannt geworden ist, um einen bestimmten Ort, eine seltene Stim­mung, eine beson­dere Farbe, ein atem­loses Geräusch wieder­geben zu können. Mein Präpa­rier­saal beispiels­weise, fast voll­ständig schon in Zeilen über­setzt, da und dort aber noch die weiße Stille des Papiers, eine Morgen­stille, sagen wir, wie ich allein dort im Saal unter Toten sitze. Sie sind noch bedeckt von feuchtem Tuch, und so schließe ich die Augen und notierte, was ich hören kann. Das knis­ternde, sausende Geräusch einer Venti­la­tor­ma­schine. Eine Ambu­lanz von der Straße her. Das Ticken der Saaluhr minu­ten­weise. Die Körper aber, einhun­dert Körper, sind still. Und doch sind sie nicht ohne Laut, weil ich ihre Stille zu hören meine. Auch in dieser Nacht wieder vergeb­lich nach dem einen mögli­chen Geräuschwort ihrer Abwe­sen­heit gesucht.

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raumschiff

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india : 20.56 – Eine Libelle gegen den Abend zu, mari­neblau, die sich nahe meiner Nase in die Luft setze. Bald eine Vier­tel­stunde betrach­tete sie mich oder schlief, während ich einen Roman beob­ach­tete und doch zugleich an entfernte Dinge dachte, an eine Mond­lan­dung vor vierzig Jahren zum Beispiel, und an die Nach­richt, das durch­schnitt­liche Alter der Besat­zung des Flug­zeug­trä­gers USS Harry S. Truman, dessen Cruise Missiles Bagdad bombar­dierten, habe 19 Jahre betragen. Und da war noch ein anderes, ein wärmendes Bild in meinem lesenden Kopf, von dem ich gestern noch während eines Spazier­ganges in einer Weise erzählte, als wäre ich leib­haftig in nächster Nähe gewesen, als auf hoher See der Rüssel eines Tief­see­ele­fanten den Schrei einer Möwe derart lust­voll imitierte, dass tatsäch­liche Möwen, ein Scharm, aus dem heiterem Himmel stürzten. – Ein lachender Mund, der sich langsam näherte. –  Ein Raum­schiff. – Wie alle Geschichten plötz­lich endeten und auch die Zeit.

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sandaugen blau

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sierra : 10.15 – Ein Spazier­gang durch den Präpa­rier­saal bei sommer­li­chen Tempe­ra­turen. Wollte Augen betrachten, fixierte Augen, und so ging ich von Tisch zu Tisch und suchte nach sandigen, bläu­lich schim­mernden Bällen. Mein scheuer, mein ruhiger, mein fast kühler Blick. In der vergan­genen Nacht aber, weiß der Himmel warum, ein starker Eindruck von Unheim­lich­keit, indem ich Ansichten weckte und buch­sta­bierte gegen 2. Ich stand vor dem Schreib­tisch auf, öffnete die Fenster, ließ wartende Fliegen und Falter herein, hörte Charlie Parker bis in die Morgen­däm­me­rung und dachte weiter nach über das Rüssel­prinzip der Tief­see­ele­fanten. Die Frage stellt sich seit Tagen drin­gend, wie sie Luft von der Meeres­ober­fläche zu sich in die Tiefe holen. – Können Tief­see­ele­fanten sehen?

südpol

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nordpol : 22.50 – Gestern, abends kurz nach Acht, wurde mir das erste Eisbuch meines Lebens zuge­stellt. Folgendes, beglei­tend, war notiert: Das Walfisch­or­chester. Eine Novelle von Louis Kekkola. 102 Seiten. 22.85 £. Haltbar bei minus 5° C bis Dezember 2012. Hoch­ach­tungs­voll ∼ Marks & Company, 84. Charing Cross Road. London. / Zwei Stunden lang, ein Tiger, vor dem Kühl­schrank auf und ab.

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appalachian trial

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echo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
subject : NACHTBÄREN

Lieber Mr. Kekkola, haben Sie sich also auf den Weg gemacht! Wie sehr ich mich für Sie freue! Den Appa­la­chi­an­trail einmal anstatt von Süden kommend, von Norden her zu bewan­dern: feine Idee. Ich bin begeis­tert! Aber Sie sind spät, sehr spät sind Sie, viele Tage werden Sie unter Regen­wolken wandern. Ich hoffe, man hat Sie gut vorbe­reitet, hoffe, dass Sie über ein wasser­festes Telefon und eine gleich­wohl wasser­feste Schreib­ma­schine verfügen. Ihre erste Nach­richt ist heute Morgen jeden­falls bei mir einge­troffen. Eine E-Mail, der nicht anzu­sehen ist, dass sie in der Wildnis geschrieben wurde. Wir leben doch in selt­samen Zeiten. Ich habe mir sofort eine kleine Karte ihrer Route besorgt. Was machen die Bären? Und die Bienen? Und die Ameisen? Natür­lich werde ich unver­züg­lich an Sie schreiben, sobald ich einen ersten tieferen Eindruck vom Rüssel­prinzip der Tief­see­ele­fanten gewonnen habe. Ich denke Tag und Nacht über das Atmen in großer Tiefe nach. Ganz vorsichtig teile ich Ihnen mit, dass ich viel­leicht bereits eine Ahnung habe. Bis bald, mein lieber Kekkola. Passen Sie gut auf sich auf! – Ihr Louis

gesendet am
27.07.2009
18.58 MESZ
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louis to jona­than
noe kekkola »


trail

database

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nordpol : 14.50 – Sobald ich mit einer kleinen Programm­ma­schine die Daten­bank meiner Parti­cles­denk­be­we­gung halb­au­to­ma­tisch von Ballast befreie, die Empfin­dung, tatsäch­lich, ich selbst, körper­lich leichter geworden zu sein. Congra­tu­la­tions, your data­base is comple­tely opti­mized!

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aquarium

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whiskey : 0.01 – Ein selt­sames Geräusch, das mich weckte, als würden singende Grillen in meinem Zimmer sitzen. Ich stand dann auf und träumte in der Küche, während ich das Früh­stück machte, noch etwas weiter, aber bald hörte ichs wieder, das Geräusch durch den Flur um die Ecke. Nein, Grillen waren das nicht, auch keine heiseren Vögel. Was ich hörte, war das glück­liche Trom­peten einer Herde Tief­see­ele­fanten, die im Aqua­rium zwischen Johnson und Melville im Kreis herum­spa­zierte. Nicht größer als Murmeln und von tief­blauer Farbe, tasteten sie mit haar­feinen Rüsseln im Sand und an den Scheiben. Die ein oder andere Dschun­gel­pflanze hatten sie, während ich schlief, aus dem Boden gerissen, über­haupt war die Land­schaft, die ich seit Jahren kenne, in Aufruhr geraten, Muschel­häuser segelten durchs warme Wasser, auch Panzer­welse und ein paar Suma­trabarben, ohne Fassung, wie irr, mit dem Bauch nach oben. Ein faszi­nie­render Anblick, ein Toll­haus. Wie ich mich liebe­voll über das Aqua­rium beugte, hoben sie ihre Rüssel aus dem Wasser und ich spürte den Luftzug ihrer Instru­mente auf der Stirn. Und jetzt ist Mitter­nacht geworden, das Ende eines wunder­schönen Tages der Beob­ach­tung, den ich auf meinem Garten­stuhl verbrachte. Ich habe weder gelesen, noch sonst gear­beitet, nur geschaut habe ich und gestaunt.
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loop

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sierra : 0.08 – Geschichten, die sich gut begründet wieder­holen, vertraut gewor­dene Geschichten. Diese hier, zum Beispiel, im Februar 2008 aus der Luft gefischt: Da war mir doch in den Zeiten der Vogel­grippe, bei klei­neren Turbu­lenzen, im Gang eines Flug­zeuges eine uralte Lady entgegen gekommen, deren Gesichts­züge mich sofort an Coco Chanel erin­nerten. Von zier­li­cher Gestalt, trug sie einen dunklen Mantel, leichte, flache Schuhe und machte Schritte wie ein Matrose auf hoher See. Vor allem ihr schloh­weißes Haar und ihr äußerst willens­starker Blick sind nah geblieben, auch ihr hellrot geschminkter Mund, der mindes­tens achtzig Jahre alt gewesen sein musste, und doch beinahe wirkte wie der Mund einer jungen Frau. Eines Abends, während ich einer Nach­rich­ten­sen­dung folgte, erin­nerte ich mich an diese selt­same Frau, und ich stellte mir vor, wie sie aus der dritten Etage eines Miets­hauses in den Keller steigt, um ein Roll­wä­gel­chen zu suchen, das sie dort für immer abge­stellt hatte, nachdem sie beim Einkaufen um ein Haar gestürzt war. Es ist also früher Morgen, es ist Winter und noch dunkel, als die alte Dame das Haus verlässt. Ich sehe sie mit vorsich­tigen Schritten in ihrem Mantel und Pelz­stie­fel­chen über die Straße gehen. An der ersten Ampel biegt sie nach links ab, über­quert einen Platz, folgt einer weiteren schmalen Straße, jetzt ist sie vor einem Super­markt ange­kommen. Sie stellt ihr Roll­wä­gel­chen in der Nähe der Kasse ab, geht in die Geträn­ke­ab­tei­lung und nimmt eine Flasche Wasser aus dem Regal. Sie trägt die Flasche zu ihrem Wägel­chen, kehrt zurück, nimmt sich die nächste Wasser­fla­sche aus dem Regal und so geht das fort, bis das Wägel­chen gut gefüllt ist und ein wenig pfeift, wie es auf dem Heimweg über die Straße gezogen wird. – Jetzt ist die alte Frau vor der Tür ihres Hauses ange­kommen. – Jetzt stellt sie das Wägel­chen neben die Treppe, die zur Haus­türe führt. – Jetzt ist sie mit einer der Flaschen im Haus verschwunden. – Zehn Minuten vergehen. Dann erscheint sie wieder auf der Straße. Sie hat ihren Mantel ausge­zogen, trägt eine graue Jacke und Sport­schuhe. Kurz, für zwei oder drei Sekunden, hält sie sich am Geländer der Treppe fest.
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