india : 5.56 — Ich entdeckte eine Nachricht in meinem Briefkasten, eine nicht zustellbare Sendung würde im Postamt auf mich warten. Einen Tag später, so gut wie sofort, war ich dort gewesen. Ich stand in einer Schlange von Menschen und überlegte, um welche Sendung, die auf mich in nächster Nähe wartete, es sich handeln könnte. Es war ein nebliger Tag. Möwen waren vom Fluss her tief in die Stadt vorgedrungen. Obwohl eigentlich eher scheue Persönlichkeiten, hockten sie auf dem Fenstersims des Postamtes, als würden sie uns beobachten, Menschen, wie sie warteten, in dem sie langsam in eine Richtung zu einer Schalterreihe vorrückten. Es war eine längere Schlange. Ich holte mein Mobiltelefon heraus und las in einer Zeitung, dass in einer nördlich der Stadt Bagdad gelegenen Gegend Senfgas entdeckt worden sein soll zu einem Zeitpunkt, da es nicht existierte. Es ist sehr merkwürdig, man kann sich in einem Bericht dieser Art verlieren und kommt doch gut voran in einer Schlange von Menschen, ohne berührt zu werden. Nach einer Viertelstunde war ich am Ziel angekommen, ein Schalterbeamter, der sich ganz offensichtlich freute, überreichte mir einen winzigen Brief. Der Brief war derart klein, dass er zunächst zwischen der Beere des Zeigefingers und der Daumenspitze des Mannes, die den Brief fixierten, vollständig verschwand. Kurz darauf hob er den Brief mittels einer Pinzette in die Luft, um ihn auf dem Tresen vor mir abzulegen. Der Mann reichte mir eine Lupe, ich solle mich vergewissern, die Briefmarke fehle. Tatsächlich war auf der Anschriftenseite des Kuverts mein vollständiger Name und meine Adresse vermerkt, eine Briefmarke aber war nicht zu entdecken, vermutlich deshalb, weil Briefmarken für Briefe dieser Größe noch nicht ausgeliefert worden sind. Der Beamte sagte, dass es sich bei diesem Brief, um den kleinsten Brief handele, den er je bearbeitet haben würde, ich sollte ihn gut verwahren: 65 Cent. Der Brief liegt jetzt auf meinem Küchentisch. Ich habe ihn noch immer nicht geöffnet. Es ist kurz vor fünf Uhr. Wieder Nebel. — stop

Aus der Wörtersammlung: wesen
am nachttisch
india : 3.02 — Ich träumte von Winterfliegen. Als ich aufwachte, erinnerte ich mich, vor Jahren einmal über Winterfliegen nachgedacht zu haben. Ich notierte Folgendes: Die Gattung der Winterfliegen sollte in eisiger Umgebung existieren, in Höhlen, die sie mit ihren Fliegenfüßen persönlich in den Schnee eingraben. Vielleicht, das ist möglich, sind Winterfliegen von Natur aus eher kühle Wesen, oder aber sie tragen einen wärmenden Pelz, ein Fell, wie das der Eisbären, weiche, weiße Mäntel von Haut und Haar, die ihre äußerst langsam schlagenden Herzen schützen. Diese Fliegen, dachte ich, werden einhundert Jahre oder älter, sie könnten sich von feinsten Stäuben ernähren, vom Plankton, das aus den vom Wind gebeugten Wäldern angeflogen kommt, von Moosen, Birkenpollen, vom Kotsand nordischer Füchse. Ich stellte mir vor, sie sind weiß, so weiß, dass man sie nicht sehen wird, wenn sie über den Schnee spazieren. Man wird meinen, der Schnee bewege sich selbst oder es wäre der Wind, der den Schnee bewegt, stattdessen sind es die Fliegen, die nicht größer sind als jene Fliegen, die nachtwärts im Sommer aus einem Apfel steigen. – Ein ruhiger Tag, Augen zu, warm, Sonne. — Abends sitze ich in der Küche am Tisch. Ich öffne eine Schreibmaschine, die ich vor drei Jahren aus dem aktiven Schreibmaschinenleben in mein Schreibmaschinenmuseum transferierte, um nachzusehen, ob ich sie vielleicht noch einmal in Gang setzen könnte. Kleine Schrauben türmen sich zu einem Berg, es riecht nach Metall, nach Zinn, wie in der Kindheit, wenn ich meine Nase an Radiogeräte drückte. An der Wand in nächster Nähe hockt Esmeralda, sie scheint mich zu beobachten oder das Innere der Schreibmaschine. Aus dem Nebenzimmer dringen noch immer Kampfgeräusche, Schüsse von Gewehren, helle Töne, als würden Kieselsteine aneinander schlagen. Auch große Kaliber sind zu vernehmen, deren genaue Bezeichnungen ich nicht kenne, Mörser vielleicht, Panzerkanonen, Maschinenwaffen. Ein Mann, ich möchte seinen Decknamen an dieser Stelle nicht verzeichnen, sammelt Filme in der digitalen Sphäre, die er zu endlosen Ketten knüpft, Szenen aus dem syrischen Bürgerkrieg, zuletzt von dem Kampf um Kobanê. Personen stehen auf einer Straße, sie feuern auf Häuser, plötzlich fallen sie um. Ein junger Mann hüpft vor dem Körper einer jungen Frau, die auf dem Rücken liegt, ein Teil ihres Gesichtes fehlt. Der junge Mann preist Gott, er stellt seinen Stiefel auf die Brust der jungen Frau, die vermutlich, nein sicher, gegen ihn kämpfte. Bärtige Männer eilen gebückt über Felder, einem der Männer fliegt ein Arm davon. — stop
vor dem bildschirm
echo : 6.22 — Würde ich in dieser Minute aus meiner Haut fahren, sagen wir, oder mit einem Auge meinen kleinen Körper verlassen und etwas in der Zeit zurückreisen, dann könnte ich mich selbst beobachten, einen Mann, der an einem Abend in der Küche steht, einen Mann, der Tee kocht, er spricht mit sich selbst. Er sagt: Heute machen wir das, heute ist es richtig. Ein Bündel Melisse zieht durchs flimmernde Wasser, bald trägt der Mann eine dampfende Tasse durch den Flur ins Arbeitszimmer. Er schaltet seine Schreibmaschine an, sitzt auf einem Gartenstuhl vor einem Bildschirm und arbeitet sich durch elektrische Ordner in die Tiefe seiner Verzeichnisse voran. Eine Viertelstunde stehe ich hinter ihm und seh ihm zu. Dann erhebt sich der Mann, er steht jetzt zwei Meter vom Bildschirm entfernt und wartet. Der Bildschirm ist aus der Entfernung gesehen handlicher geworden, ein kleines Fenster von Licht. Dort kniet ein Mensch auf dem Boden, ein Mensch, der sich fürchtet. Eine Stimme ist zu hören, eine schrille Stimme. Sie spricht scheppernd Sätze in arabischer Sprache, unerträglich diese Geräusche. Der Mann vor dem Schreibtisch tritt einen weiteren Schritt zurück. Er scheint flüchten zu wollen. Zwei Finger seiner rechten Hand formen einen Ring, er hält ihn vor sein linkes Auge, während das rechte Auge geschlossen bleibt. So verharrt er, leicht gebeugt, bewegungslos, zwei Minuten, drei Minuten. Einmal ist sein Atem zu hören, heftig. Kurz darauf steht der Mann wieder in der Küche, er lehnt mit dem Rücken am Kühlschrank, denkt, dass es schneit und spürt Unruhe, die lange Zeit in dieser Heftigkeit nicht wahrzunehmen gewesen war. Ein Mensch, Daniel Pearl, wurde zur Ansicht getötet. Was machen wir jetzt? — stop / Koffertext 12 Feb. 2010 : In diesen Tagen sprechen die Mörder der IS englische Sprache.

katta
papa : 02.08 — Ich beobachtete, dass ein kleiner Affe, sobald ich mich mit der linken Hand stoßartig von oben kommend näherte, diese linke Hand als einen Raubvogel betrachtete, vor dem er hupend und fauchend mit geblecktem Gebiss rückwärts über den Tisch gehend die Flucht ergriff, ohne sich an meiner rechten Hand zu stören, die in nächster Nähe mit seinen Sultaninen spielte. Derart gründlich habe ich mit meinen Händen auf dem Tisch das Jagen und Sammeln geübt, dass ich sie bisweilen als zwei separate Lebewesen betrachten kann. Wenn ich meine linke Hand mit meiner rechten Hand berühre, durchbreche ich einen Spiegel. Wenn ich sage, meine Hand ohne Haut, habe ich in meinem Kopf ein Bild zur Verfügung, das sich bewegen lässt. Wenn ich sage, meine schlafenden Hände, spreche ich von Händen, die ich nie gesehen habe. Gerade eben noch habe ich eine Apfelsine geschält. Während ich meine Hände beobachtete, wie sie geschickt die Kerne der Frucht voneinander trennten, ohne dass ich ihnen genauere Anweisungen geben musste, dachte ich darüber nach, wie viele Apfelsinen diese Hände in ihrem Leben bereits geschält haben könnten. — Drei Uhr zwölf in Kobani, Syria. — stop

von zungenkäfern
sierra : 0.55 — Wenn man einen Zungenkäfer aus der Nähe betrachtet, wird man vielleicht staunend innehalten, wird sagen: Dieser Käfer, dieses vierflügelige Wesen, könnte kürzlich noch eine menschliche Zunge gewesen sein, sie scheint aus einem Mund herausgefallen zu sein. Sofort machen sich weitere Gedanken bemerkbar. Was wäre, wenn die Zunge heimlich im Mund eines Menschen zu einem Käfer wurde, der in einem günstigen Moment, eine sprachlose Person hinterlassend, das Weite suchte. Oder ist es vielleicht möglich, dass es sich bei der Gattung der Zungenkäfer um Erfindungen handelt, die nur deshalb existieren, weil man wünscht Zungen zu ernten. So genau wird es sein, denn Zungenkäfer, ich habe sie während der vergangenen Nacht eine Stunde lang eingehend beobachtet, sind nicht wirklich in der Lage, sich in die Luft zu erheben, zu flüchten, also in den Himmel aufzusteigen und auf und davonzufliegen. Sie liegen vielmehr auf dem Boden herum, oder auf einem Tisch, und brummen mit den Flügeln, die nicht größer als Flügel der Marienkäfer ausgestaltet sind. — stop

überall liegen Bücher herum


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echo : 2.26 — Früher einmal existierten Bücher, deren Seiten miteinander verbunden waren. Bevor man die Seiten dieser Bücher lesen konnte, musste man sie voneinander trennen. Seltsamerweise hatte ich ihre Existenz vergessen, bis ich soeben solche Bücher in einem Text von Nathalie Sarraute bemerkte. Aber vielleicht ist das Wort vergessen, in diesem Zusammenhang nicht richtig gewählt, ich hatte jahrelang nicht an sie gedacht, im Geheimen waren sie vermutlich immer anwesend gewesen. Sofort begann ich damit, die Umgebung meiner Erinnerung zu erkunden. Ich entdeckte eine Tante. Wenn die Tante zu Besuch kam, küsste sie mich auf die Stirn. Es gab dann immer Lauchsuppe, weil sie einen Gemüsehändler kannte, der ihr Lauchstangen schenkte. Diese Tante also, deren Gesicht zerfurcht war von unzähligen Falten, schenkte mir einmal ein Buch genau dieser erwähnten Art, ein Buch, dessen Seiten miteinander verbunden waren, sodass ich jede Seite mit einer Schere zunächst von der nächsten trennen musste. Das Buch war kein Kinderbuch gewesen, ich hatte noch nicht sehr viel mit Büchern zu tun zu diesem Zeitpunkt, aber Nathalie Sarraute, die damals ungefähr in meinem Alter gewesen sein könnte, in einem Alter, als mich die Tante mit den Lauchstangen noch besuchte. Sie notierte: Es liegen überall Bücher herum, in allen Zimmern, auf den Möbeln und sogar auf dem Boden, Bücher, die Mama und Kola gebracht haben oder die mit der Post gekommen sind … kleinere, mittlere und große … Ich nehme die Neuankömmlinge in Augenschein, ich schätze die Mühe, die jedes erfordern wird, die Zeit, die es mich kosten wird … Ich wähle eins aus und setze mich mit dem aufgeschlagenen Buch auf den Knien hin, ich umklammere das breite Papiermesser aus grau aussehendem Horn, und ich fange an … zuerst zertrennt das waagerecht gehaltene Papiermesser den oberen Falz der vier zusammenhängenden Doppelseiten, dann senkt es sich, richtet sich wieder auf und gleitet zwischen die beiden Seiten, die nur noch längsseits miteinander verbunden sind … dann kommen die „leichten“ Seiten, sie sind an ihrem langen Rand offen und brachen nur noch oben getrennt werden. Und wieder die vier „schwierigen“ Seiten … und dann vier „leichte“, und dann vier „schwierige“, und so weiter, immer schneller, meine Hand wird müde, mein Kopf wird schwer, er brummt, mir wird ein wenig schwindlig … „Hör jetzt auf, mein Liebling, das reicht, hast du wirklich nichts Interessanteres zu tun? Ich werde beim Lesen selbst aufschneiden, das stört mich nicht, ich mache das ganz automatisch …“ Es kommt jedoch nicht infrage, dass ich aufgebe. — stop / Nathalie Sarraute Kindheit — aus der französischen Sprache übersetzt von Erika und Elmar Tophoven

katta
delta : 1.28 — In den Abteilungen des Regenwaldes : 28° Celsius. Schwere, feuchte Luft wie ein warmes Tuch, das ich mit jedem Atemzug durch meine Lunge ziehe. Noch tropft kühles Wasser einer Regenmaschine von den Bäumen. Ein Katta badet auf einem steinernen Tisch, an dem ich Platz nehme, ohne sich von meiner Gegenwart stören zu lassen. Vielleicht habe ich nach Wochen, die ich unter seinen Bäumen sitzend zugebracht habe, einen Abdruck in seinem Gehirn hinterlassen, der in dem Moment, da ich im Palmenhaus erscheine, anstatt Gefahr, die Gestalt einer Sultanine zeigt. Scheue, hastige Blicke tiefschwarzer Augenperlen, dann wieder heftige Bewegungen des Kopfes gegen den Stein, die präzise in der Art und Weise der Lemure vorgetragen werden. — Immer wieder die Frage: Was sieht dieser kleine Affe, wenn er mich betrachtet? Was hört er, was nimmt er von mir wahr? Ein Wesen vielleicht, das weder Bäume noch Wände des gläsernen Hauses zu besteigen vermag, einen Mann, der schreibt. Bewegungen zweier Hände gegen ein Stück leuchtendes Holz, das kaum hörbar klappert. Ein Schnurren, sobald gesetzte Zeichenfolgen aus dem vorläufigen Speicher in das tiefere Gedächtnis der Maschine übertragen werden. Ein noch deutlicher hörbares Geräusch, sobald eine Information aus dem Gedächtnis der Maschine wieder verschwindet, ein Geräusch, das dem Geräusch einer Handvoll Muschelsandes ähnelt, der durch hohle Äste eines Baumes rinnt. Eine Hand, die unsichtbar wird zunächst, um kurz darauf Früchte auf den Tisch abzulegen. — Ist diese Hand, die sich über den Tisch fortbewegt, um eine Ameise zu vertreiben, die Hand des Mannes, der nicht fliegen, der nicht klettern kann, oder ist diese Hand ein Tier für sich, das Sultaninen auf dem Tisch erzeugt, sobald der Mann, der niemals fliegt, der niemals klettert, zugegen ist? – stop

london tube
echo : 6.50 — In einem Tunnel des Londoner U‑Bahnsystems kauerten Menschen auf dem Boden. Kaum Licht, eine düstere Szene, die ein unbekannter Fotograf aufgenommen hatte, Anfang der 40er-Jahre. Bretter waren über U‑Bahngeleise gelegt. In dieser Weise entstanden unter der Stadt Flächen, die Menschen begehen, auf welchen sie sitzen oder liegen konnten. Auch Kinder waren zu sehen, sie trugen Röcke, Schuluniformjacken und sehr kleine Schuhe. Auf einem Schaukelpferd saß ein Junge, der schon älter gewesen war. Er bewegte sich vielleicht in dem Moment der Aufnahme, weshalb er etwas unscharf wiedergegeben wurde. In seiner unmittelbaren Nähe lehnte eine junge Frau mit dem Rücken zur Wand, sie las in einem Buch oder war eingeschlafen. Ich erinnere mich, dass ich die Fotografie, die ich aus einer Zeitung geschnitten hatte, einmal mit einer Lupe betrachtete. Irgendwann hatte ich sie vergessen. Gestern Abend nun kehrte sie aus meinem Gedächtnis zurück. – Neun Uhr in Luhansk, Ukraine. Zehn Uhr in Mossul, Irak. stop

san lorenzo de esmeraldas
kilimandscharo : 6.55 — Am Samstag der vergangenen Woche erreichte mich eine Warensendung, die in einem Dorf namens San Lorenzo de Esmeraldas bereits im Juli aufgegeben worden war. Die kleine Ortschaft liegt nahe der Grenze zu Kolumbien im Dschungel unweit der Pazifikküste, lange Nächte, feuchte Luft, kreischende Tamarine. Das Päckchen, ich hatte lange darauf gewartet, enthielt ein Kästchen von Holz in der Größe einer Zigarrenschachtel, das mittels eines blauen Gummiriemens verschlossen wurde. Ich stellte das Kästchen auf meinen Schreibtisch ab, um es vorsichtig zu öffnen. Feiner, heller Sand wurde sichtbar, Sand, so fein wie gemahlener Kampot-Pfeffer. Bald arbeitete ich mich mit einem Pinsel vorsichtig in die Tiefe voran, bis ich auf zwei Körper stieß. Es handelte sich um Käferwesen, die deshalb etwas Besonderes darstellten, weil sie je über zwei Köpfe verfügten und über sechs Fühler, die im Moment meiner Besichtigung nicht im Geringsten auf meine Gegenwart reagierten. Nach einer halben Stunde, ich hatte die Käfer bis dahin liebevoll betrachtet, waren endlich Lebenszeichen zu erkennen, die Fühler der Käfer bewegten sich, und ich hob sie aus ihrem Sandbett und sie schlugen mit den Flügeln, als wollten sie mich begrüßen. Ihre Körper waren weich, sie bebten, und sie verströmten einen feinen Duft, der mich an Mandeln erinnerte. Zur ersten Probe setzte ich einen der Käfer an mein linkes Ohr, und der Käfer drang unverzüglich in mich ein, sehr behutsam, bis ich bemerkte, dass seine Fühler mein Trommelfell betasteten. Kurz darauf weitete sich sein Körper, ich hörte ihn knistern, bis er meinen Gehörgang vollständig füllte. Ein Pochen war zu vernehmen, das mich müde werden ließ. Kaum hatte ich den zweiten Käfer in das andere meiner Ohren gesetzt, schlief ich ein. Zwölf Stunden lang schlief ich tief und fest, meine Stirn ruhte auf dem Schreibtisch. Als ich erwachte, hatten sich beide Käfer wieder in ihr Sandbett zurückgezogen. Es ist jetzt früher Morgen. — stop

rußland
tango : 7.01 — Warum vermag ich die Bewegung meines Herzens in der Brust nicht zu spüren? — Umgebende Wörter: Sinusknoten Lagerbewegung Thalamus. Herzflimmern. Rasender Stillstand. ~ Ein Gespensterwesen, Russland, meiner Kindheit ist längst zurückgekehrt. Gedanken, wie zur Beruhigung, an Lew Sinowjewitsch Kopelew, Jelena Georgijewna Bonner, Andrei Dmitrijewitsch Sacharow, Anna Stepanowa Politkowskaja. — stop



