Aus der Wörtersammlung: os

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schneebiene

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tan­go : 6.45 — In Tages­licht aus nächs­ter Nähe beob­ach­tet, han­delt es sich bei jener Maschi­ne, die ges­tern Abend bei leich­tem Schnee­fall noch auf der 5th Ave­nue süd­wärts durch die Luft reis­te, um eine Bie­ne, die auch bei Nacht flie­gen kann, weil ihre Augen so künst­lich sind wie ihr gesam­ter Flug­ap­pa­rat, ihre Wir­bel­säu­le, ihre Bei­ne, ihre Füh­ler, alles das ist von äußerst leich­tem Metall gewirkt, 528 Schräub­chen hal­ten das kom­pli­zier­te Wesen zusam­men, das nie­mals grö­ßer sein wird als ein wirk­li­ches, ein aus orga­ni­schen Ein­zel­tei­len her­ge­stell­tes Insekt. Genau genom­men ist die­se Bie­ne ein sehr klei­ner Hub­schrau­ber, wen­dig, lei­se, ein Heli­ko­pter, der sich im Kos­tüm einer Bie­ne befin­det, ein spä­hen­des Sub­jekt, eine Droh­ne, die man viel­leicht ein­mal bewaff­nen könn­te, um sie ein­zu­set­zen für gute oder weni­ger gute Zwe­cke. Ges­tern Abend beob­ach­te­te ich nun mit höchs­tem Inter­es­se, wie man der klei­nen Maschi­ne kurz vor ihrem Start ein wei­te­res Gewand über­streif­te, das an einen hel­len Pelz erin­ner­te, sodass ich lachen muss­te, weil ich für einen Moment glaub­te, man habe die äuße­re Beschaf­fen­heit einer Bie­ne mit der Idee eines Eis­bä­ren gekreuzt. Kaum aus dem Fens­ter des Erfin­ders geflo­gen, war die weiß gefie­der­te Bie­ne schon im dich­ten Schnee­trei­ben ver­schwun­den. Nun konn­ten wir glück­lich durch die Augen der Unsicht­ba­ren die Win­ter­welt betrach­ten, wir sahen uns selbst in einer Ver­fol­gung und wir begeg­ne­ten Men­schen, rie­sen­haf­ten Gesich­tern, die feucht waren, Regen­schir­men, dem Licht der Fuß­gän­ger­am­peln und Dampf­wol­ken, die aus dem Boden paff­ten, als wären sie der Atem unsicht­ba­rer, unter dem Asphalt ver­bor­ge­ner Rie­sen. stop. Däm­me­rung. stop Es ist Frei­tag. — Guten Mor­gen!  — stop

ping

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karawane

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echo

~ : mal­colm
to : lou­is
sub­ject : KARAWANE
date : nov 6 12 0.30 a.m.

Wir soll­ten viel­leicht eines der Rat­te­n­un­ge­tü­me fan­gen, die den Cen­tral Park seit der gro­ßen Flut bevöl­kern. In Her­den lun­gern sie unter Bäu­men im Feu­er­laub, unzäh­li­ge rie­si­ge Tie­re, pfei­fen­de Spra­che, weit­hin zu hören, hel­le Töne. Eine ihrer Kara­wa­nen beweg­te sich vor weni­gen Stun­den noch Höhe 61. Stra­ße über ein Base­ball­feld, lang­sam, ein unheim­li­cher Anblick. Ver­mut­lich des­halb ver­harrt Fran­kie in den Kro­nen der Bäu­me, aber auch dort haben wir ein­zel­ne Rat­ten­tie­re gesich­tet. Es ist denk­bar, dass sie sich nicht wie­der zurück wagen wer­den in den Unter­grund. In einem Haus an der Lex­ing­ton Ave­nue sol­len Rat­ten in Appar­te­ments des 32. Stock­wer­kes ein­ge­drun­gen sein. Man stel­le sich das ein­mal vor, man wird die­sen Anblick nie wie­der ver­ges­sen, wo eine Rat­te gewe­sen ist, wird sie fort­an immer sein, wenn nicht per­sön­lich, dann als Mög­lich­keit, als eine Unru­he der Gedan­ken, der Träu­me. Sie stei­gen in den Fall­roh­ren auf­wärts. — Es ist schon lan­ge dun­kel gewor­den, der 6. Novem­ber ange­bro­chen. Leich­ter Regen, obwohl der Him­mel wol­ken­los scheint. Selt­sa­me Span­nung liegt in der Luft. – Ihr Mal­colm / code­wort : syracus

emp­fan­gen am
06.11.2012
1785 zeichen

mal­colm to louis »

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im reservat der trinkerlemure

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hima­la­ya : 6.46 — Ich hör­te, irgend­wo auf die­ser Welt soll eine Stadt exis­tie­ren, die über einen beson­de­ren Park ver­fügt, eine Natur­land­schaft, in wel­cher Trin­ker­le­mu­re exis­tie­ren, Aber­tau­sen­de bei­na­he unsicht­ba­re Per­so­nen. Man kann sich das viel­leicht nicht vor­stel­len, ohne län­ge­re Zeit dar­über nach­ge­dacht zu haben. Wäl­der und Wie­sen, ein Fluss, da und dort ein Berg, nicht sehr hoch, Höh­len, Hüt­ten, Schlaf­sackt­rau­ben, die von mäch­ti­gen Bäu­men bau­meln. Man könn­te sagen, dass es sich bei die­sem Park ver­mut­lich um ein Hotel oder ein Reser­vat han­deln wird von enor­men Aus­ma­ßen, 15 Kilo­me­ter in der Brei­te, 20 Kilo­me­ter in der Län­ge. Das Are­al ist umzäunt. Tore bie­ten Zugang im Wes­ten, im Nor­den, im Osten, im Süden. Dort fah­ren Ambu­lan­zen vor oder Kran­ken­wa­gen­bus­se, um schreck­li­che Gestal­ten aus­zu­la­den, die in den gro­ßen Städ­ten der Welt auf­ge­sam­melt wur­den, zer­lump­te, eit­ri­ge, zit­tern­de Wesen, sie spre­chen oder flu­chen in Spra­chen, die wir nur ahnen, wenn wir uns Mühe geben, ihnen zuzu­hö­ren, Eng­lisch ist dar­un­ter, Rus­sisch, Chi­ne­sisch, Deutsch, Fran­zö­sisch, Spa­nisch und vie­le wei­te­re Spra­chen mehr. Sie haben meist eine wei­te Rei­se hin­ter sich, aber jetzt sind sie ange­kom­men, End­sta­ti­on Sehn­sucht, Kran­ken­schwes­tern hel­fen, den letz­ten Weg zurück­zu­le­gen durch eines der Tore. Dann sind sie frei. Wir erken­nen am Hori­zont eine Stra­ßen­bahn­hal­te­stel­le. Sie liegt am Ran­de eines Wal­des. Tat­säch­lich fah­ren dort aus­ran­gier­te Züge der Stadt Lis­sa­bon im Kreis her­um, es geht um nichts ande­res, als dass man in die­sen Zügen sit­zen und trin­ken darf so viel man will. Aus polier­ten Häh­nen strömt Whis­key. An jedem zwei­ten Baum ist ein Fäss­chen mit Likö­ren oder Gin oder Wod­ka zu ent­de­cken. Es riecht sehr fest in die­ser Land­schaft, gera­de dann, wenn es warm ist, Bie­nen und Flie­gen und Libel­len tor­keln über wun­der­voll blü­hen­de Wie­sen. Da und dort sit­zen hei­te­re Grup­pen voll­trun­ke­ner Män­ner und Frau­en in der Idyl­le, sie erzäh­len von der Hei­mat oder von den Deli­ri­en, die man bereits über­lebt haben will. Manch einer weiß nicht mehr genau, wie sein Name gewe­sen sein könn­te. Ande­re leh­nen an Bäu­men, klap­pe­ri­ge Tote, die ungut rie­chen, arme Hun­de. Aber wer noch lebt, ist rasend vor Angst oder zufrie­den, man kann sich über­all­hin zur Ruhe legen. In dem Flüss­chen, das ich bereits erwähn­te, lagert fla­schen­wei­se küh­les Bier, es scheint sogar der Him­mel nicht Was­ser, son­dern Wod­ka zu reg­nen, auch die Vögel alle sind betrun­ken. Aus einem Wald­ge­biet tritt eine zier­li­che Frau, sie tau­melt. Die Frau trägt einen Hut und ein lan­ges wei­ßes Kleid, so schrei­tet sie durch das hohe Gras, bückt sich nach den Blü­ten, es ist in der Zeit der Korn­blu­men, die­ses zau­ber­haf­te Blau. Manch­mal fällt die Frau um, sie ist dann eine Wei­le nicht zu sehen, aber dann erscheint ihr Hut zunächst und kurz dar­auf sie selbst. Jetzt steht sie ganz still, schau­kelt ein wenig hin und her, seit Stun­den fra­ge ich mich, um wen genau es sich han­deln könn­te. — stop

 

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beringer & söhne

picping

MELDUNG. 78 Kampf­flug­zeu­ge der Gat­tun­gen Me BF und Hur­ri­ca­ne Mk, — von 16.30 bis 17.30 Uhr MESZ über Farn­ham [ Hamp­shire : süd­li­ches Eng­land ] sowie Bridge­wa­ter [ Somer­set : süd­west­li­ches Eng­land ] abge­schos­sen, — ste­hen ab sofort bei Berin­ger & Söh­ne [ Spiel­hal­le / Ree­per­bahn 8 ] wie­der zur Ver­fü­gung. — stop
ping

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im pullmannwagen

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hima­la­ya : 6.46 — Seit eini­gen Stun­den sind hef­ti­ge Arbeits­ge­räu­sche, – Häm­mern, Boh­ren, Sägen -, aus dem klei­nen Raum zu ver­neh­men, der sich neben mei­nem Arbeits­zim­mer befin­det, und Män­ner­stim­men, die scher­zen und pfei­fen. Ich will das schnell erzäh­len, es han­delt sich um einen Vor­gang der Mon­ta­ge, weil zwei Hand­wer­ker damit beschäf­tigt sind, einen Eisen­bahn-Rei­se­wa­gon, genau­er, die Abteil­schei­be eines Zuges, zu ver­schrau­ben, die mir ges­tern Nach­mit­tag bei äußerst schlech­tem Wet­ter in Ein­zel­tei­len ange­lie­fert wor­den waren. Ich habe kei­nen wirk­li­chen Aus­blick auf das, was dort im Ein­zel­nen geschieht, aber ich kann das fei­ne Leder der Sit­ze des alten Pull­man­wa­gens bereits rie­chen, den ich mir wünsch­te, um dar­in jeder­zeit fah­ren und arbei­ten zu kön­nen. Ein groß­ar­ti­ges Erleb­nis soll das sein, Stun­de um Stun­de im his­to­ri­schen Wag­gon zu sit­zen und zu schau­en und zu schrei­ben oder zu schla­fen, das rhyth­mi­sche Geräusch der Schwel­len, som­mer­li­che Rhein­land­schaf­ten, die auf Bild­schirm­fens­tern vor­über­zie­hen. Die Stim­me eines Schaff­ners, der sich nach Fahr­kar­ten erkun­digt, sie kommt näher, der Mann grüßt durch das Fens­ter der Tür in mei­ne Rich­tung, immer wie­der wird er kom­men, ohne je das Abteil zu betre­ten, in dem ich sit­ze. Kin­der tol­len auf den Flu­ren her­um, jemand schreit, dass end­lich Ruhe sein soll, Tanz­mu­sik vom Nach­bar­ab­teil, Rei­sen­de ver­tre­ten sich die Bei­ne, zei­gen auf Damp­fer­schif­fe drau­ßen auf dem Fluss, auch sie sind Bild­schirm­we­sen, Drei­ßi­ger­jah­re, her­vor­ra­gend gemacht. Ein Kom­bü­sen­wä­gel­chen schep­pert vor­über, ein Bahn­hof, eine Uhr, es wird dun­kel und plötz­lich tief ste­hen­de Son­ne über den wil­den zor­ni­gen Bäu­men, die geduckt in einer Schnee­land­schaft ste­hen, bald, in weni­gen Minu­ten, wer­den wir Oslos Zen­tral­sta­ti­on errei­chen. — stop
ping

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hurricane

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char­lie

~ : lou­is
to : dai­sy und vio­let hil­ton
sub­ject : HURRICANE

Es wird Win­ter, nicht wahr, lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let, es wird Win­ter. Habe Pull­over, Män­tel, Hand­schu­he, Hüte, Schals auf mein Bett gebrei­tet, alles ist jetzt geprüft, ich bin gerüs­tet. Nicht viel ist zu erzäh­len zur Zeit, viel­leicht, dass ich ges­tern am spä­ten Abend die Lek­tü­re eines Romans von Ray Lori­ga auf­ge­nom­men habe, der von der Erfin­dung Man­hat­tans han­deln soll, ein ange­nehm leicht­fü­ßig erzähl­ter Text. Wäh­rend ich las, erin­ner­te ich mich an ein Gespräch, das ich mit einem Matro­sen der Sta­ten Island Fäh­ren noch im Janu­ar führ­te. Er berich­te­te, wie er mit einem der Schif­fe, es war die Andrew J. Bar­be­ri gewe­sen, den Hud­son auf­wärts fuhr, um das Schiff vor dem Hur­ri­kan Ire­ne in Sicher­heit zu brin­gen. Es sei eine unheim­li­che Rei­se gewe­sen, Not­be­leuch­tung an Bord, Möwen waren mit strom­auf­wärts gefah­ren, unbe­wegt saßen sie auf den Hand­läu­fen der Reling, hun­der­te Vögel, als hät­ten sie das Flie­gen ver­lernt. Ein Lot­se, nicht der Kapi­tän, führ­te Kom­man­do über das Schiff. Er selbst habe sich zum ers­ten Mal in sei­nem Leben land­ein­wärts von der Küs­te fort­be­wegt. Ich erin­ne­re mich gern an die­sen klei­nen Mann, der in Brook­lyn groß gewor­den war. Manch­mal trug er eine blin­ken­de Kopf­be­de­ckung, die den Strah­len­rin­gen der Frei­heits­sta­tue nach­emp­fun­den wor­den war. Heu­te, an die­sem Abend, wird er viel­leicht wie­der unter­wegs sein, mit sei­nem Schiff den Hud­son auf­wärts, es geht nun um San­dy, und es geht um Barack Oba­ma. Ich fra­ge mich, lie­be Dai­sy, lie­be Vio­let, wen, wenn ihr noch in heim­li­chen Wahl­re­gis­tern ver­zeich­net sein soll­tet, wür­det Ihr wäh­len? Euer Lou­is, sehr herz­lich, wünscht eine gute Nacht!

ps. Mr. Sal­ter hat sei­ne Dro­hung wahr gemacht. Im Hof, ver­packt in meh­re­re Kis­ten, war­tet das Eisen­bahn­ab­teil eines Pull­man­wa­gens dar­auf aus­ge­packt, und in mei­ner Woh­nung mon­tiert zu wer­den. Es ist angeb­lich mög­lich, dass ich mich in das Abteil setz­ten und dort arbei­ten könn­te. Land­schaf­ten, die ich frei wäh­len kann, sol­len an Fens­tern vor­über­zie­hen. Stim­men sind zu hören, das ist sicher, Stim­men aus Nach­bar­ab­tei­len, die nicht exis­tie­ren. Und die Bewe­gung eines wirk­li­chen Zuges unter mei­nen Hän­den. — stop

gesen­det am
28.10.2012
5.16 MEZ
2145 zeichen

lou­is to dai­sy and violet »

MELDUNGEN / ENDE

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funkstille

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marim­ba

~ : mal­colm
to : lou­is
sub­ject : FUNKSTILLE
date : oct 17 12 8.15 p.m.

Ja, war­um ant­wor­ten Sie denn nicht, ver­dammt, wenn wir ihnen schrei­ben? Rom. Das ist doch kein Grund, sich nicht zu mel­den. Kaum aus­zu­den­ken, wenn wir das so machen wür­den wie Sie. Fran­kie haben wir jeden­falls wie­der­ge­fun­den. Fünf Tage war er nicht zu fin­den gewe­sen, kein Signal, kein Fran­kie im Cen­tral Park, wie vom Erd­bo­den ver­schluckt. Man stel­le sich das ein­mal vor, wir wür­den Frankie’s Spur ver­lo­ren haben, wenn es ein­mal wirk­lich ernst gewor­den ist. Wir dach­ten, die Brenn­stoff­zel­len sei­nes Sen­ders könn­ten aus­ge­fal­len sein. Es war an einem Sams­tag, da war Fran­kie plötz­lich fort, Höhe 76. Stra­ße. Gera­de noch kau­er­te er neben einer Eiche. Wir waren müde, glau­be ich, es war Abend, wir saßen in Sicht­wei­te auf einer Bank, viel­leicht sind wir kurz ein­ge­schla­fen. Natür­lich haben wir sofort die Suche nach Fran­kie auf­ge­nom­men. Haben jede Unter­füh­rung geprüft und jedes der Abfluss­roh­re, die Fran­kie zum Ver­häng­nis gewor­den sein könn­ten. Grau­en­vol­le Tage, wir irr­ten ziel­los her­um. Jedes Eich­hörn­chen, dem wir uns näher­ten, konn­te Fran­kie gewe­sen sein. Das war ein Alb­traum, eine  unge­heu­re Sache, wie ähn­lich sie sich doch sind. Matt wur­de mehr­fach in die Hand gebis­sen, wir tra­gen jetzt Leder­hand­schu­he. Und dann kam Fran­kie zurück. Es war wie­der Abend gewor­den und Fran­kie tauch­te genau dort, wo wir ihn ver­lo­ren hat­ten, wie­der auf. Lang­sam kam er auf uns zu, sein Schwanz zit­ter­te, sein fes­ter Kör­per beb­te, er mach­te den Ein­druck, als woll­te er uns begrü­ßen. So nah kam er her­an, dass wir ihn berüh­ren konn­ten. Ich habe mir gedacht, dass Fran­kie ver­dammt genau den Ein­druck mach­te, als hät­te er nach uns gesucht wie wir nach ihm, und dass er froh gewe­sen war, uns end­lich gefun­den zu haben. Das ist schon eine selt­sa­me Geschich­te. Gera­de sitzt Fran­kie auf einer Bank neben uns. Er knackt Erd­nüs­se, die wir im schenk­ten. Eine Art Bestechung viel­leicht. Der Sen­der piepst. Alles scheint wie­der in Ord­nung zu sein. Ihr Mal­colm – stop / code­wort : lili­en­thal

emp­fan­gen am
18.10.2012
1512 zeichen

mal­colm to louis »

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indulin

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char­lie : 2.12 — Der Ver­such in den ver­gan­ge­nen Minu­ten, Far­ben zu erin­nern, die ich in der Six­ti­ni­schen Kapel­le vor zwei Wochen noch beob­ach­tet habe. Es ist merk­wür­dig, die­se Far­ben, die doch von mei­nen per­sön­li­chen Augen auf­ge­nom­men wur­den, sind in die­ser Nacht nur sehr flüch­tig ver­füg­bar. Da ist zunächst ein inten­si­ves BLAU, ein Wort, wie das Wort BLAU in einer Geschich­te der kata­la­ni­schen Schrift­stel­le­rin Mer­cè Rodo­re­da, deren Exis­tenz mir wie­der in den Sinn gekom­men ist: Sie ist weiß und sie ist blau. Das heißt, sie ist weiß wie die wei­ße Rose, und ganz plötz­lich wird sie blau. Ein Insekt färbt sie, so scheint es, aber nie­mand weiß, wie es das macht. Ein Augen­blick der Zer­streut­heit und schon ist sie blau. Die­ses Insekt trägt in einem Knie, mit fädi­gem Spei­chel fest­ge­näht, ein Päck­chen, und in die­sem Päck­chen, umge­ben von Eiern und von Blau – reins­tes Indu­lin – ist der Ehe­mann. Die­ser Ehe­mann schläft den gan­zen Tag und bebrü­tet die Eier, die durch ein Loch in das Päck­chen fal­len, das in dem Knie ist, wor­an es fest­ge­näht ist. Wenn die Stun­de kommt, kriecht das Insekt der Blu­me ins Herz, lädt das Päck­chen ab, und die wei­ße Blu­me wird blau von oben bis unten. Sie sagen: – Oh, es ist näm­lich so, daß der Ehe­mann, sobald er sich blu­men­um­hüllt sieht, das Päck­chen auf­bricht und alles von blau­em Saft über­schwemmt wird und die Eier plat­zen und die Klei­nen sofort los­flie­gen, jedes mit sei­nem Päck­chen im Knie … ein­ver­stan­den. Aber das sind blo­ße Ver­mu­tun­gen. Die Wahr­heit ist, daß die Blu­me in einem Nu blau wird. Wie? Dahin­ter kommt man nie, und jeder­mann ist ein biß­chen durch­ein­an­der und ver­wirrt. — stop

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rom : taschen

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marim­ba : 22.05 — Man wird viel­leicht nicht sofort bemer­ken, dass man sich in einem Jagd­ge­sche­hen befin­det. Nein, von Jägern ist auf der Piaz­za Navo­na zunächst nichts zu sehen und nichts zu hören. Ein zau­ber­haf­ter Platz, läng­lich in der Form, drei Brun­nen, eine Kir­che, und Cafés, eines nach dem ande­ren, klei­ne­re Läden, in wel­chen wir Pas­ta in allen mög­li­chen For­men und Far­ben ent­de­cken, Wei­ne, Schin­ken, Käse. Am Abend flie­gen beleuch­te­te Pro­pel­ler durch die Luft. Maler, wel­che ent­setz­li­che Bil­der pro­du­zie­ren, erwar­ten ame­ri­ka­ni­sche Kun­den, sie sit­zen auf Klapp­stüh­len im Licht ihrer Glüh­lam­pen, die sie mit­tels Bat­te­rien mit Strom ver­sor­gen. Stra­ßen­mu­si­kan­ten sind da noch, mit ihren Ban­do­ne­ons, Gei­gen, Kon­tra­bäs­sen, und Ange­stell­te der Müll­ent­sor­gung, Frau­en, jün­ge­re Frau­en in wein­ro­ten Over­alls, ihre Hän­de sind gepflegt, ihre Fin­ger­nä­gel rot lackiert. Aber jetzt, wenn man in Rich­tung jener schwarz­häu­ti­gen jun­gen Män­ner blickt, die vor einem der Brun­nen den Ver­such unter­neh­men, ihre Arbeit zu ver­rich­ten, wird es ernst. Sie haben Hand­ta­schen in allen mög­li­chen For­men auf den Boden vor sich abge­stellt, je zwei Rei­hen, Behäl­ter von Pra­da, Picard, Cha­nel, Grif­fe der­art aus­ge­rich­tet, dass man sie mit je einer Hand­be­we­gung alle­samt sofort ergrei­fen und flüch­ten kann. Eine typi­sche Ges­te, sind doch jene arm­se­lig wir­ken­den Händ­ler der Luxus­ta­schen mehr oder weni­ger flüch­ten­de Wesen. Kaum haben sie ihre Anord­nung im Fla­nier­be­zirk mög­li­cher Kun­den sorg­fäl­tigst auf­ge­baut, raf­fen sie ihre Ware wie­der zusam­men und rasen in eine der Sei­ten­stra­ßen davon, um nach weni­gen Minu­ten wie­der her­vor­zu­kom­men, wie in einem Spiel, wie auf­ge­zo­gen. Am ers­ten Abend mei­ner Beob­ach­tun­gen auf der Piaz­za Navo­na, waren nur Flüch­ten­de zu sehen, nicht aber die Jäger, eine eigen­ar­ti­ge Situa­ti­on, aber schon am zwei­ten Abend war eine jagen­de Gestalt vor mei­nen Augen in Erschei­nung getre­ten. Es han­del­te sich um einen Haupt­mann der Cara­bi­nie­ri, um einen Herrn prä­zi­se mit äußerst auf­rech­tem Gang. Er trug wei­ße Strei­fen an sei­nen Hosen, und eine Uni­form­ja­cke, tadel­los, und eine Müt­ze, sehr amt­lich, er war eine wirk­li­che Zier­de, ein Staats­mann, wie er so über den Platz schritt, hin­ter den flüch­ten­den afri­ka­ni­schen Män­ner her, aus­dau­ernd, lau­ernd, ein Ansitz­jä­ger, möch­te ich sagen, einer, der an Stra­ßen­ecken war­tet, um die Wie­der­kehr der schwar­zen Händ­ler zu unter­bin­den oder um einen von ihnen ein­zu­fan­gen und an Ort und Stel­le unver­züg­lich zu ver­spei­sen. Stop. Frei­tag­abend. stop. Eine Bie­ne über­quert zur Unzeit den Platz in süd­li­che Rich­tung, als wär sie ein Zug­vo­gel. — stop
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rom : synapsen

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marim­ba : 16.33 — Ich fol­ge einer Wen­del­trep­pe, bis ich ein fla­ches Dach errei­che, sofort stei­ge ich wei­ter. Plötz­lich befin­de ich mich inner­halb der Kup­pel des Doms auf einem schma­len Absatz, groß­ar­ti­ger Aus­blick in die Tie­fe. Win­zi­ge Gestal­ten da unten vor dem zen­tra­len Altar der Kir­che, man meint sich selbst in jeder der Men­schen­minia­tu­ren, die sich über den Mar­mor­bo­den lang­sam fort­be­we­gen, erken­nen zu kön­nen. Ein Poli­zist sitzt nur weni­ge Meter ent­fernt vor einem Moni­tor, der ein Bild zeigt, das über ein Tele­ob­jek­tiv auf­ge­nom­men wird. Es könn­te sein, dass der Mann jene Minia­tur­men­schen beob­ach­tet, die mir so ähn­lich sind. Wer ist ver­däch­tig? Wie, fra­ge ich, müss­te ich mich ver­hal­ten, um in die Andacht die­ses Appa­ra­tes genom­men zu wer­den? Kann der Appa­rat viel­leicht erken­nen, ob ich Fie­ber habe oder nicht? In die­sem Moment nimmt mich der Poli­zist tat­säch­lich ins Visier sei­ner per­sön­li­chen Augen, weil er bemerk­te, dass ich mich für sei­ne Instru­men­te inter­es­sie­re. Wei­ter auf­wärts in der Scha­le, die die Kup­pel formt, immer im Kreis her­um eine enge Wen­del­trep­pe, bald gehe ich gebückt. Dann der Him­mel und Men­schen und am Hori­zont das Meer, und die Stadt in der Wär­me flim­mernd. Ich erken­ne, wenn ich mich ost­wärts um die Kup­pel­la­ter­ne der Kir­che her­um­be­we­ge, die Stra­ße, in wel­cher sich das Haus befin­det, in dem ich woh­ne. Gewal­ti­ge Pini­en­bäu­me, Syn­ap­sen, weit ent­fernt in den Gär­ten der Vil­la Borg­he­se. Ein Mann has­tet über den alten, gro­ßen Platz. Das Gespräch der Möwen in der Luft in nächs­ter Nähe. — stop



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